Das Ungefähre reicht? Technische Ungenauigkeiten bei Smartphone Kameras

Im Smartphone Zeitalter gelten teilweise neue Regeln. Das gilt auch für die technischen Angaben. Bis vor kurzem war in den technischen Angaben von Smartphones noch zu lesen, welche Brennweite und welche Anfangsblende ein Objektiv hat umgerechnet auf Kleinbild.

Eigentlich gilt:

„Je größer die Brennweite, desto enger der Bildwinkel (Bildausschnitt) und umgekehrt.“

Diese Umrechnung schafft man langsam ab. Der neue Standard ist das Ungefähre.

Wenn wir in die technischen Daten auf den Webseiten der Smartphonehersteller schauen, dann erfahren wir das auch genauso.

Mein Beispiel ist aktuell Motorola, aber es gilt genauso für andere Hersteller und für die verschiedenen Webseiten, die Daten von Smartphones vergleichen.

Hier sehen Sie von phonesdata, einer Seite, bei der ich kein Impressum gefunden habe, die aktuellen Angaben:

moto g8 power vs moto one zoom

Wir erfahren bei drei und mehr Objektivmodulen noch die Anfangsblende aber nicht mehr die Brennweite. Nur bei ubergizmo gibt es noch die Umrechung bezogen auf 35mm Brennweite aber da fehlen die Angaben für das Motorola G8 power auch im Vergleich mit dem One Zoom. Ich vermute, weil die Daten gar nicht zur Verfügung gestellt werden.

So werden Begriffe umgewertet und Daten nicht mehr zur Verfügung gestellt.

Wenn die normale rückseitige Brennweite z.B. bei 26mm (wer weiß?) liegt, dann wäre ein 2fach optischer Zoom eine Brennweite von 52mm.

Diese wird bei Smartphones nun Tele genannt, obwohl es aus fotografischer Sicht kein Tele ist sondern die Normalbrennweite, die dem menschlichen Blick mit zwei Augen entspricht.

Logisch ist die Wortwahl nur, wenn man die Weitwinkelkamera als Standard nimmt, davon die Ultraweitwinkelkamera mit noch weniger Brennweite ableitet und umgekehrt als Telekamera jede Kamera bezeichnet, die mehr Brennweite als die Weitwinkelkamera hat.

Selbst wenn man weiß, daß kaum einer sich dafür interessiert und die meisten nur wissen wollen, ob sie mehr auf das Bild bekommen und zoomen können, wäre es doch wohl nicht zu viel verlangt, exakte Angaben zu den technischen Daten zu erhalten.

Man kann nicht mal selbst genau umrechnen, weil sogar auf den Webseiten der Hersteller die exakten Angaben fehlen.

Aber wenn der Fotografierer ein Teleobjektiv haben will im Smartphone, dann sind 52mm nur Tele im Verhältnis zur Weitwinkelkamera aber kein Tele im fotografischen Sinne. Denn es ist nur die Normalbrennweite.

Das Ungefähre ist eigentlich interessant, wenn es um soziale Phänomene geht, weil da Wörter immer nur ungefähr beschreiben können, was ist und es da auch noch davon abhängt, was wer wie versteht.

Sicherheit gab es eigentlich immer bei technischen Daten, weil es da um Fakten ging.

Aber offenbar greifen nun zunehmend Algorithmen, die wiederum exakt in ihrer Programmierung sind aber bei denen es darauf ankommt, welche Werte und Grenzen darin als Grundlage für Entscheidungen gelten.

Das ist so ein bisschen Schufa, wo es für Kreditwürdigkeit darauf ankommt, wie viele an dem Ort, wo man selber wohnt, ihre Schulden zurückzahlen im Verhältnis zu anderen Orten, die ähnlich groß sind. Man sieht wie relativ und subjektiv alles wird bei technisch exakter Programmierung….

So sind wir in einem schleichenden Prozess im Zeitalter des Ungefähren angekommen mit klaren Entscheidungen ohne eindeutige Grundlage.

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