Was ist ein gutes Reportagefoto? Ein Beispiel in der Tradition von Henri Cartier-Bresson

Wer über Fotografie schreibt sollte auch fotografieren können, um das Ganze abzurunden. Deshalb möchte ich an einem Beispiel erklären, was für mich ein gutes Reportagefoto ist, das eine Geschichte erzählt und die Geometrie  in der Tradition von Henri Cartier-Bresson einsetzt, weil es visuell einfacher besser ist.

Ich war auf einem Festival. Es handelt sich um das Löwenfestival in Remscheid. Dort spielen im Sommer donnerstags Musikbands. Das Löwenfestival finanziert sich durch den Verkauf von Trinkbechern und entsprechenden Getränken darin.

Es geht also darum,

  • die Stimmung an dem Abend festzuhalten,
  • Flair und Umfeld zu zeigen und
  • die Musik im Foto zum Klingen zu bringen?

Das alles sollte ein Foto ohne Worte erzählen.

Geht das?

Ich hatte nur eine kleine Kamera dabei und wollte gar nicht fotografieren. Aber wie das so ist wenn es in den Fingern juckt. Also fragte ich mich, ob das klappen kann?

So entstand dieses Foto:

Es sollte ein Foto sein, das durch die Blickführung alle oben genannten Elemente verbindet. Sie sehen am gelben Pfeil auf dem folgenden Foto wie es umgesetzt wurde:

Vom Becher des Löwenfestival über die erhobenen Arme des Publikums führt die Linie ins Bild direkt zur Sängerin der Fachwerk-Coverband und dem Gitarristen über deren Kopf das Motto „Remscheid rockt“ und Löwenfestival zu sehen sind.

Es ist sogar noch eine zweite Linie auf den zweiten Blick erkennbar, der die Perspektive noch mehr erweitert:

Wer aufmerksam weiterguckt sieht darüber hinaus, daß trotz des öffentlichen Raumes darauf geachtet wurde, möglichst viele Menschen als Masse und möglichst wenige bis gar keinen direkt identifizierbaren Menschen als Einzelperson aufzunehmen. Damit ist einerseits fotografisch Höchstform erreicht und andererseits auch die DSGVO übererfüllt.

Henri Cartier-Bresson hat ja lieber monochrom fotografiert. Dabei wäre eventuell das Foto so geworden:

Hier ist die Sängerin sichtbarer und die direkte Verbindung zwischen Becher, Händen, Getränken als Stimmungssymbol und Bühne mit Band betont.

Was ist besser? Das ist dann wohl die falsche Frage. Es kommt darauf an was ich betonen will und was im Mittelpunkt steht. Die monochrome Aufnahme betont das Singen und die Sängerin. Diese Aufnahme entspricht aber nicht den heutigen Sehgewohnheiten, zumal noch auf kleinen Smartphones. Dafür und für Monitore ist wohl die farbige Aufnahme besser geeignet.

Für mich ist wesentlich, daß dieses Foto inhaltlich unter den vorgegebenen Bedingungen alle Kritierien für ein gutes Foto erfüllt.

Und noch eins. Hätte ich eine Vollformatkamera dabei gehabt mit Stativ, um die Bühnenlichter als Blendensterne zu fotografieren, wäre es wohl nicht möglich gewesen, diesen Moment aus dieser Perspektive so festzuhalten. Insofern ist dieses Foto sogar noch ein Foto, das den entscheidenden Moment dieser Situation so zeigt, wie sie für mich war.

Übrigens entspricht dies alles auch noch den Kriterien der Fineart Streetfotografie.

Ich hoffe mit diesem Ausflug in die Fotopraxis die Fototheorie und ihre Anwendbarkeit aus meiner Sicht erläutert zu haben und denke, Sie wissen jetzt was ich meine, wenn ich von einem guten Reportagefoto spreche.

Und daraus entstand dann auch noch ein Artikel …

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