Digitale Minen oder Pressemitteilungen unterliegen dem Urheberrecht – mit allen Folgen

Wenn das Absurde paradox wird

Eigentlich logisch: ich erhalte per Email eine Pressemitteilung und bin bereit, diese zu veröffentlichen.

Stop! Wenn ich das mache, kann es richtig teuer werden.

Auf anwalt.de wird darauf hingewiesen, dass Pressemitteilungen urheberrechtlich geschützte Werke sind, die eben nicht einfach veröffentlicht werden dürfen.

Die Folgen können Abmahnungen und Schadensersatzansprüche sein.

1. Fall

Warum schreibe ich das? Weil ich immer mehr Emails mit Pressemitteilungen erhalte, die zum Beispiel als Adressaten nicht mich persönlich sondern einen Begriff oder einen anderen Namen enthalten. Weiter unten steht dann, dass der Inhalt nur für den aufgeführten Empfänger persönlich bestimmt ist und Dritten nicht zugänglich gemacht werden darf.

Auf gut Deutsch, ich erhalte eine Pressemitteilung, die ich nicht veröffentlichen darf ohne mit einer Abmahnung zu rechnen.

Dies gilt sowohl für Pressemitteilungen zu Fotoausstellungen als auch zu Pressemitteilungen zu technischen Artikeln oder zu Hotels mit Fotos.

2. Fall

Oder ich erhalte Pressemitteilungen mit dem Hinweis, dass dieser Text zur Veröffentlichung zur Verfügung steht. Wenn ich ihn nutzen will, schickt mir der Autor einen Bestellbeleg und eine Rechnung.

3. Fall

Pressemitteilungen mit Fotos sind noch pikanter. Immer wieder erhalte ich Emails mit einem Hinweis auf eine Fotoausstellung oder einen Fototermin von einem Verband, einer Institution, einem Unternehmen etc.. Darin sind dann auch Fotos. Zum Teil steht dort dann, dass diese benutzt werden dürfen. Wenn ich dann nachfrage, ob der/die, die mir dies geschickt haben, auch über die Rechte daran verfügen, dann kommt meistens die Info, sie würden beim Autor nachfragen! Wenn später dann die Antwort kommt, ich dürfe das, dann ist dies dennoch nicht rechtsverbindlich, es sei denn, der Autor eines Bildes schreibt mir persönlich.

Da kommt Freude auf

Da kommt Freude auf. Es reicht also nicht, eine Pressemitteilung zu verschicken. Der Empfänger kann die Inhalte nur dann gefahrlos nutzen, wenn in der Pressemitteilung steht, dass der Versender dieser Mitteilung über alle Rechte an den Texten und Fotos verfügt und diese vom Empfänger uneingeschränkt oder unter speziellen Bedingungen genutzt werden können.

Wie kann man sich schützen?

1. Indem man sich per Email versichern läßt, dass die Rechte bei dem Versender der Email liegen und man die Pressemitteilung nutzen darf

2. Indem der Versender von sich aus in die Email schreibt, dass er die Rechte besitzt und die Nutzung der Texte und Bilder in der Email oder im Anhang kostenfrei zur Verfügung stehen

3. Indem die Agentur selbst die Texte schreibt und publiziert

Urheberrecht verkehrt

Im übrigen zeigt der Artikel die Grenze des Urheberrechts auf. Denn hier wird die Welt paradox, da die Funktion einer Pressemitteilung darin besteht, der Presse etwas mitzuteilen. Der Sinn besteht darin, die Informationen aus der Pressemitteilung zu nutzen bzw. zu benutzen.

Relativ sicher wird man damit umgehen können, wenn man dies dann paraphrasiert. Aber da man Informationen in einer Pressemitteilung meistens nicht überprüfen kann, würde man die journalistische Sorgfaltspflicht verletzen, wenn man andere Worte wählt wie die in der Pressemitteilung, Also ist es am klügsten, dass man gar keine Pressemitteilungen mehr nutzt, solange der Versender nicht eindeutig geschrieben hat, wie und in welchem Umfang die Texte zitiert, kopiert und genutzt werden können.

 

  1 comment for “Digitale Minen oder Pressemitteilungen unterliegen dem Urheberrecht – mit allen Folgen

  1. 07/04/2012 at 4:49 pm

    Du fragst: „Wie kann ich mich schützen?“

    Indem du tatsächlich darauf verzichtest, Pressemitteilungen 1:1 zu veröffentlichen. Du kannst doch jederzeit den Inhalt wiedergeben und schreiben, „XYZ teil mit, dass…“ Damit ist die Quelle klar, wir wissen, dass die Info vom Veranstalter oder einer Agentur kommt und können die Meldung damit einordnen. Und Bilder von Agenturen, wo nicht in der PM bzw beim Foto etwas Ähnliches dabeisteht wie „Veröffentlichung für Pressezwecke kostenfrei“ sollte man einfach vergessen. Warum sollte man jemandem hinterher telefonieren, nur um kostenlos Werbung zu machen? Ansonsten wäre allerdings jeder Öffentlichkeitsarbeiter mit dem Klammerbeutel gepudert, der bei Publikation seiner Pressemitteilung aufs Urheberrecht pochen würde (ja, sowas soll es geben). Man schickt doch die Info an Multiplikatoren, damit sie verbreitet wird.

    Zitieren ist übrigens in allen Fällen als Kleinzitat erlaubt, das heißt: der Zitat und eigener Text müssen schon in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

    Ralf

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