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Der neue Fotojournalismus und der neue Presseausweis

Als ich 2010 über den Tod des Fotojournalismus und die Zeit danach schrieb, war ein neuer Weg das Video.

Es wurde kein Bildersatz wie damals einige vermuteten.

Zwar sind Videos heute mit jedem Smartphone möglich und überall anschaubar aber sie ersetzen keine Texte und keine Fotos, wenn es mehr sein soll als Ereignis ohne Einordnung oder Fokussierung. Video ist eine andere Welt, die umgekehrt auch nicht durch Fotos abgedeckt werden kann. Richtige Videoreportagen sind aufwändig geblieben, weil sie gestaltet werden müssen und Fotojournalismus bleibt, weil Fotos eben nicht direkt ersetzbar sind. Darauf hat aus akademischer Perspektive nun auch Annette Vowinckel hingewiesen.

Was sich geändert hat ist die verbreitete Nutzbarkeit und das, was verkaufsfähig ist. Inszenierte Fotografie, photogeshopte Fotografie und unglaublich viele Verkaufsfotos sind dabei neben dokumentierenden Fotos.

Alles verändert in der sozialen Kommunikation hat der Einzug der visuellen Sprache. Fotos sind sprechen, denn heute tippt man für Wörter und für Fotos einfach im Smartphone, einmal auf die Tastatur und einmal auf den Auslöser.

Daneben gibt es die themenbezogene Fotografie und Reportage, die über den direkten Sprechwert hinausgeht.

Digital ist eben alles möglich.

Das ist sehr gut zusammengefaßt im Handbuch des Fotojournalismus zu finden.

Und so ist die Zeit danach heute eine Zeit voller Fotos und voller Treppenwitze der Weltgeschichte.

Auf einen speziellen Fall möchte ich aus aktuellem Anlass hier noch einmal hinweisen. Ich habe ja vor Jahren keinen Presseausweis von Freelens erhalten, weil ich nicht überwiegend mit Fotos Geld verdiente. Das fand ich sehr unfair, weil man doch ein Journalist sein kann auch wenn man sein Geld vielfach anders verdient. Das erhöht ja gerade die journalistische Unabhängigkeit.

Das interessierte aber sehr wenig Menschen. So wurde ich Publizist, also Selbstzahler. Der Publizist ist alles in einem, Wissenschaftler, Journalist und Schriftsteller:

„Der Publizist ist ein Journalist, Schriftsteller oder Wissenschaftler, der mit eigenen Beiträgen (Publikationen) – beispielsweise Analysen, Kommentaren, Büchern, Aufsätzen, Interviews, Reden oder Aufrufen – an der öffentlichen Meinungsbildung zu aktuellen Themen teilnimmt,“ so die wikipedia.

Jetzt sind wir vier Jahre weiter. Und da finde ich einen Artikel von Sascha Rheker, auf dessen Blog ich gerne lese, und Herr Rheker schreibt folgendes: „Zu sagen, daß der Pressesprecher von Monsanto natürlich Journalist ist und der Fotograf, der es sich mit Hochzeitsfotografie selbst finanziert hat, eine Reportage über die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln in Südamerika zu fotografieren, der ist, für die Herren auf den hohen Rössern, kein Journalist, das ist ein Schlag ins Gesicht des Fotojournalismus!“

Ja, das habe ich dem djv auf seiner Webseite schon vor Jahren geschrieben ohne Antwort zu erhalten.

Was mich damals schon betraf, betrifft jetzt immer mehr, aber mich nicht mehr.

Damals schrieb ich u.a. folgendes:

„Und tatsächlich, wer also vielfach und überwiegend journalistisch tätig ist,

  • indem er als Rentner/Arbeitsloser/Einkommensloser kontinuierlich einen Blog betreibt, auf dem Informationen aufbereitet werden,
  • an einer regelmässigen regionalen Zeitung mitarbeitet,
  • Bürgerfunksendungen produziert,
  • eigene Webmagazine und Publikationen aufbaut,
  • Bürger- oder Studentenzeitungen mit herausbringt,
  • als freier Journalist Artikel oder Internetbeiträge verkauft, aber davon nicht leben kann

und dies überwiegend und dauerhaft journalistisch tut, erhält nach der Logik der oben genannten Verbände keinen Presseausweis?

Ist das also keine professionelle Arbeit, weil sie nicht hauptberuflich ist?“

Der Treppenwitz der Weltgeschichte ist, ich habe zwar mehr als 1500 Artikel und noch mehr Fotos in den letzten Jahren publiziert und habe täglich im Schnitt ca. 5000 Leserinnen und Leser, aber einen Presseausweis von einer dieser Organisationen erhalte ich nicht.

So ist das in Deutschland.

Wenn ich es unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gebrauchsweisen betrachte, dann ist der Presseausweis ein Disziplinierungs- und Selektionsinstrument.

(Nachtrag:  Als ich diese Gedanken hier schrieb, wußte ich noch nicht, daß es schon wieder eine Neuerung gab und der Presseausweis ab 2018 nur noch der Abschottung der dienenden Medien dient. Das entscheidende Kriterium ist allein die Hauptberuflichkeit nicht die Unabhängigkeit und Blogger müssen draussen bleiben.)

Neue Zeiten bräuchten neue Antworten, aber umgekehrt ist es so, daß weniger Presseausweise weniger Zutrittsmöglichkeiten und mehr Kontrolle der Ausweisinhaber ermöglichen. Und man will natürlich auch durch exklusive Zugänge über Dinge  berichten dürfen, mit denen man Geld verdienen kann. Aber dann wären natürlich gerade die, die jetzt keinen erhalten, besonders darauf angewiesen….

Soziale Netzwerke und Blogs sind daher die Plattformen für die, die nicht dahin dürfen, wo die offiziellen Situationen stattfinden.

Damals arbeitete ich auch noch in der regionalen Berichterstattung, weil vor Ort die soziale Lebensfront ist, auch fotografisch.

Bei der Stadt Wuppertal hat man mich damals sogar bewußt nicht in einen Verteiler aufgenommen, damit ich nicht zu offiziellen Veranstaltungen kommen kann, um Fotos zu machen. Da hatten/haben einige Angst vor der Kraft meiner Fotos, weil sie unberechenbar ehrlich und entlarvend sind. Ja so war das und so ist das. Mit Presseausweis hätte ich mir das erzwingen können.

Und so konkret sind Diskriminierung und Ausgrenzung, obwohl dieselben Menschen woanders so tun als ob sie dies nie machen würden.

Erwischt!

 

Saturn im Schützen und Chewing Gum in Wuppertal oder wie ich lernte meine Welt zu akzeptieren

chewing gum in wuppertal by mike mahlke

chewing gum in wuppertal by mike mahlke

Die Qualität der Zeit

Aktuell ist Saturn in Schütze. Das sagt Astrologen etwas. Astrologen schauen auf die Konstellationen am Himmel und dann auf die Ereignisse auf der Erde. Das sammeln sie wie Historiker. Das nennt sich Mundanastrologie und so kann man sagen, als das letzte Mal diese oder jene Konstellation am Himmel war geschah folgendes auf der Erde. Das meint man mit „wie oben so unten.“

Als das letzte Mal Saturn in Schütze war gab es den Zusammenbruch des Sozialismus, es gab Glasnost, Perestroika, den Fall der Mauer etc. Das meinen Astrologen mit Zeitqualität.

Und nun haben wir gerade den Fall der Grenzen in der EU und in Deutschland. Aber Saturn bleibt noch ein paar Jahre, so daß es noch weiter geht. Grenzen, falsches Denken, Revolutionen, alles ist möglich.

Im persönlichen Horoskop spielt Saturn auch immer eine Rolle, je nach den Aspekten im Radix.

Saturn räumt auf im Leben.

Nun denn – hallo Saturn!

chewing gum on christmas market - Foto: Michael Mahlke

chewing gum on christmas market – Foto: Michael Mahlke

Die Qualität der Statistik

Eric Kim gilt für David Gibson in seinem Buch über Streetfotografie als DER Streetfotografie-Guru der sozialen Netzwerke.

Kim selbst ist von mir schon einmal diskutiert worden. Mir fehlte damals sein persönliches fotografisches Profil. Die Nutzung der sozialen Medien hat er wirklich gut drauf. Nun hat er einen Artikel über das Bloggen geschrieben, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat. Das spricht für seinen Artikel.

Dort schreibt er, daß er pro Tag auf seinem Blog täglich (11/2015) ca. 7.000 unique visits hat.

Bei Facebook hat er mehr als 250.000 Menschen, die seine Beiträge abonniert haben.

Ich habe beim Thema Fotografie im Bereich Fotomonat mit artlens, streetlens und frontlens im deutschen Sprachraum aktuell 2015 im Schnitt gut 3.600 unique visits pro Tag. Und ich bin überhaupt nicht auf Facebook damit.

Falsch verstanden, die Pfeile zeigen in Remscheid den Weg zum Ascher und Papierkorb - Foto: Michael Mahlke

Falsch verstanden, die Pfeile zeigen in Remscheid den Weg zum Ascher und Papierkorb – Foto: Michael Mahlke

Die Qualität des Privaten

Gut die Hälfte ohne Facebook und nur für den deutschsprachigen Raum.

Das finde ich nicht schlecht.

Die Logik bei Facebook ist ja, daß ich etwas kostenlos produziere und Facebook zur Verfügung stelle, damit dies dann mit ihrer Werbung den Followern zur Verfügung gestellt wird. Verdient hat also trotz vieler Follower nur Facebook. Und für dieses Adressbuch stelle ich auch noch freiwillig die absolute Überwachung aller meiner Aktivitäten zur Auswertung und zum Weiterverkauf zur Verfügung. Das muß nicht sein. Hinzu kommt, daß ich dort nur so schreiben darf wie Zuckerberg es will. Zensur ist also inbegriffen wie ich schon erlebt habe.

Weniger ist für mich mehr.

Eric Kim hat ebenso wie ich kostenlose PDF-Bücher zur Streetfotografie zur Verfügung stellt.

Meine sind etwas kleiner und schneller zu lesen und in zwei Sprachen verfügbar.

Eric Kim ist in den sozialen Medien und im englischsprachigen Raum viel weiter verbreitet.

Ich bin digital nur halb so groß und nicht kommerziell sondern privat.

Insofern freue ich mich, wenn Sie hier meine „mittelständischen“ privaten Räume besuchen und lade Sie abschließend noch ins Wupperartmuseum ein.

Eine gute Zeit

Michael Mahlke

 

60 Jahre Fotografie pur: Winter in Rüdesheim 1956 – Die Welt auf dem Sensor 2016

Henri Cartier-Bresson hat ein Foto gemacht mit dem Titel Winter in Rüdesheim.

Dabei handelt es sich nicht um Streetfotografie, höchstens um Streetsfotografie.

Wenn wir aber deutsch sprechen wollen ist Landschaftsfotografie oder Still-Fotografie eher eine richtige Bezeichnung.

Für dieses Foto hat er keine Kamera mit Monitor benutzt sondern einen optischen Sucher ohne weitere Hilfsmittel, höchstens für die Scharfstellung die Vereinigung des Doppelbildes im Messsucher (wenn…).

Dieses Foto entstand 1956. Es dient mir als Anlaß um meinen fotografischen Schwerpunkt im Jahr 2016 ebenfalls unter den Schwerpunkt Sucher pur und eher Schwarzweiss zu stellen.

Dafür greife ich dann auf Kameras mit Optik pur zurück.

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche.

Nach jetzigem Stand wird dies die Fuji X10 sein mit ihrem optischen Sucher und an zweiter Stelle wird dies dann mit der puren ersten Fuji X100 und ihrem hybriden optischen Sucher geschehen. Vielleicht ergibt sich noch die Nutzung einer anderen Kamera mit optischem Sucher.

Natürlich könnte man auch andere Kameras nutzen, wenn sie über entsprechende optische Sucher verfügen. Natürlich könnte man auch digitale Produkte nehmen, die dies nachahmen. Aber genau dies ist es nicht.

Nachahmen geht immer. Die Herausforderung besteht darin es so zu tun, daß man es selbst kann und nicht die Kamera alles macht.

Natürlich könnte man auch analog fotografieren. Aber mir geht es weniger um das Herstellen der Fotos im Labor als um den Prozess des Fotografierens mit dem Sucher.

Denn der Sucher verdichtet und fokussiert. Das ist für mich das Geheimnis.

Und es muß eben nicht nur auf der Straße geschehen, es kann auch bei Landschaften sein.

Dafür gibt es aber dann in meinem Fall die Herausforderung der geometrischen Komposition.

Im Fall von Henri Cartier-Bresson ist dies die doppelte Geometrie mit der Aufteilung des Fotos in der Fläche und der Aufteilung des Fotos in der Tiefe. Er arbeitet hier einerseits mit Motiv im Vordergrund und Motiv im Hintergrund und andererseits mit der Aufteilung des gesamten Fotos in mindestens drei Teile, Weinberg, Dorf und Rhein.

So kann man Fotos erstellen, die das jeweilige Motiv betonen und es in die visuelle Geometrie einpassen:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Oder ein Foto besteht nur aus Geometrie und der Ausschnitt aus der Wirklichkeit wird benutzt, um durch die Geometrie eine Ordnung in eine sonst rein funktionale und nichtssagende Anordnung zu bringen. Dann wird durch die Geometrie aus der Summe der Teile etwas Ganzes wie hier:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Fotografisch kommt es also darauf an der unendlichen Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und nach eigenen Anforderungen damit die Wirklichkeit visuell zu gestalten.

 

Tracking Time von Camilo Jose Vergara oder die Zersetzung sozialer Strukturen im Stadtbild

vergarax

„Camilo José Vergara
Tracking Time: Documenting America’s Post-Industrial Cities
Die Publikation widmet sich dem amerikanischen Fotografen Camilo José Vergara. Seit über 40 Jahren dokumentiert er die Spannung in den von Armut gekennzeichneten Problemvierteln amerikanischer Metropolen. Seine Fotografien berichten von dem städtischen Wandel, den Symptomen sozialer Konflikte und machen das Auseinanderdriften der amerikanischen Gesellschaft erfahrbar. Als visueller Spurenleser, fotografischer Soziologe, Ethnograf und Stadtforscher hat er ein einzigartiges Archiv amerikanischer (Stadt-)Geschichte geschaffen, welches die Veränderung und Auflösung von Stadtteilgemeinschaften belegt.“

So schreibt es der Verlag.

Ich bin auf dieses Buch gestoßen weil ich etwas Vergleichbares zu meinem Projekt 1214.wupperart.de gesucht habe.

Während ich drei Jahre lang am Stück die Veränderungen im öffentlichen Raum festgehalten habe, hat Camilo Jose Vergara dies mit gewissen zeitlichen Abständen getan.

  • Interessant ist, daß wir beide im öffentlichen Raum fotografiert haben und die sozialen Zusammenhänge dabei zeigen wollten.
  • Bemerkenswert ist, daß wir beide als Vorbild Henri Cartier-Bresson angeben.
  • Unterschiedlich ist, daß er an vielen Orten war, während ich mich auf das Bergische Land konzentriert habe und der Schwerpunkt in Remscheid lag.

Vergara will wissen, was in den desolaten Ecken des urbanen Amerikas passiert.

Für ihn sind anonyme Sprayer, die mit wirklich guten Bildern häßliche Ecken bemalen, kreative Köpfe, die aktiv an ihrer Umwelt interessiert sind.

Ein interessanter Gedanke.

Ich wollte wissen, wie sich Veränderungen in einer Stadt darstellen, deren wachsende zentrale Themen Armut, Asyl und fehlende Arbeit sind.

Wenn man dies fotografisch festhalten will im öffentlichen Raum, dann gehören dazu fotografische Beharrlichkeit, Beschränkung, Geduld und Zeit, weil Veränderungen nur in den Kategorien Raum und Zeit sichtbar werden können.

Das hier gezeigte Buch von Vergara ist zu einer Ausstellung in Hannover erschienen.

Während dies bei ihm eine Retrospektive auf sein Werk zu sein scheint, ist es bei mir eine Retrospektive auf das, was ich vorher weder gesehen noch geahnt habe.

Und da finde ich den Gedanken von Anne Whiston Spirn sehr gut, auf den Vergara verweist: Denn Fotografie kann wie eine Landkarte (landscape) Prozesse und Interaktionen zeigen und die Struktur von Ideen.

Letztlich führt dies auch zu einem neuen Kunstverständnis, das rein digital strukturiert ist und Kunst als soziale und interaktive Veranstaltung versteht, der radikalen Kunst.

Einen Teil der Entwicklungen in Remscheid und im Bergischen Land habe ich bisher in drei Büchern festgehalten.

Sie zeigen, wie schnell der Wandel ist.

Aber das kann man immer nur rückblickend sehen, so daß Fotografie dabei eine dokumentierende soziale und historische Dimension hat.

Es ist ein Stück regionales Gedächtnis.

Woanders wird es als Spitzenleistung regional gefördert, hier wird es totgeschwiegen, weil es nicht in das Selbstbild paßt.

 

Ein Besuch im Zoo – Beispiele für Fineart-Streetphotography

Auch heute finden sich die Situationen, wenn man den entscheidenden Moment sieht. So kann man ganz entspannt Straßenfotografie praktizieren und dabei werden keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Ich war im Zoo.

Die Regeln der Fineart-Streetphotography helfen dabei und geben klare Orientierung.

1. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Sie sehen drei Personen. Sie schauen den Eisbären an und der Eisbär blickt zu ihnen. Die Personen sind aber nicht erkennbar. Das ist pure Lichtmalerei, weil zu diesem Zeitpunkt die Sonne auf das Glas schien. So war es möglich eine wunderbare Szene festzuhalten.

2. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier blickt ein Mann zu dem tauchenden und gerade auftauchenden Eisbären. Eine schöne Geschichte. Bitte achten Sie auf die Verlaufslinie des Wassers. Sie beginnt am Kopf des Mannes und und bildet noch mal ein Dreieck. Das Foto ist geometrisch ein schönes Spiel mit mehreren Varianten. Ich habe hier einfach gewartet. Ich wußte nicht ob er sich nach vorne beugt. Für ein paar Sekunden tat er es.

3. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier sieht man die Fotografinnen und Fotografen ihre Kameras hochreißen als der Löwe kurz vorbeikommt. Dabei schien uns allen die Sonne voll ins Gesicht – wie man auf dem Foto ja auch sehen kann. Bei diesem Foto ist es so, daß ich kein anderes machen konnte. Hochreißen und abdrücken. Entweder ich zeige dieses Foto oder es gibt nichts zu sehen.

Drei sehr schöne Fotos, die sich ungestellt so ergeben haben.

Was will man fotografisch mehr.

Um zu zeigen, daß es nicht auf Farbe ankommt, habe ich bei allen Fotos einen schwarzweissen Filter gewählt.

Entscheidend für mich ist die Geometrie.

Sie stimmt auf allen Fotos.

Regionaler Journalismus in Bildgeschichten

Es muß nicht die Bild-Zeitung sein, um im Bilde zu sein. Deshalb gibt es neue Ansätze, um regionalen – überlokalen – Journalismus mit Bildgeschichten zu zeigen. Darin sind sogar politische Aussagen zu finden.

Eine Bildgeschichte über einen Nachmittag in der Wuppertaler Innenstadt finden Sie hier.

Ein weiteres Foto mit „integriertem“ Text gibt es hier.

So sind wenige Fotos oft genauso aussagekräftig wie viel Text.

Das Bergische Land zwischen Arbeit und Leben und Tourismus

Tourismusregion Bergisches Land, das Foto zeigt alles, was das Bergische Land ausmacht: Metallverarbeitung, Wasser und Bäume – Foto: Michael Mahlke

Manchmal ergeben sich die Dinge von selbst im Ablauf der Zeit. Wer sich ein Bild vom Bergischen Land machen will, der hat nun die Möglichkeit, dies alles online und mit Fotos zu tun.

  • Wenn Sie die Tourismusregion Bergisches Land im Bereich Remscheid, Solingen, Wuppertal sehen wollen, dann klicken Sie hier. **
  • Wenn Sie Blicke auf das soziale Leben in der Industrie und den Arbeitsplatz- und Sozialabbau im Bergischen Land im Bereich Remscheid, Solingen, Wuppertal werfen wollen, dann klicken Sie hier.

Beides gehört zur Geschichte und Gegenwart des Bergischen Landes.

So ermöglichen zwei Klicks zwei völlig verschiedene Blicke auf eine Region.

In beiden Fällen handelt es sich um Dokumentarfotografie. Aber die Art der Fotos und die Darstellung sind verschieden. Die einen Fotos wollen einladen zum Besuchen und Entdecken und die anderen Fotos wollen Festhalten, Erinnern und Zeigen.

Und es gibt aus fotografischer Sicht noch einen entscheidenden Unterschied:

  • Es ist leicht Menschen und Motive zu finden, um damit Fotos für touristische Zwecke zu gestalten. Denn es handelt sich durchweg um unproblematische, eher gestellte und „schöne“ Motive.
  • Es ist sehr viel schwerer Menschen und Motive zu finden, die zeigen, wie Demokratie im Betrieb funktioniert, wie man sich gegen Sozialabbau wehrt oder mit welch einfachen Mitteln Engagement – auch unternehmerisch – funktioniert. Denn dies sind in der Regel einzigartige und echte Momente mit historischem Wert.

Dazu braucht es Charakterköpfe und Profil. Das sind in meinen Augen dann die Menschen, die das echte Profil einer Region ausmachen und die ihr den Charakter geben.

Und zum Profil gehören entscheidend auch Fotos über das, was hier geschehen ist mit strukturprägendem Charakter.

So sind beide Blicke wichtig und beide Blicke stimmen.

 

**  Der Link geht manchmal nicht, da gibt es noch ein Problem bei den www.die-bergischen-drei.de. Aber so stellt sich die Bergische Entwicklungsagentur das vor.

 

Die Fuji X10 in der Praxis

Die neue Fuji X10 liegt gut in der Hand. Sie ist für mich angenehm schwer und fühlt sich stabil an. Es ist eine Kamera, die man nur mit zwei Händen bedienen kann. Mann muss den Zoomring mit der linken Hand drehen und man muss mit der rechten Hand die Kamera halten. Am Zoomring wird die Kamera auch an- und abgeschaltet. Wer gerne mit einem eingebauten Zoommotor arbeitet, dem wird die Fuji nicht gefallen. Umgekehrt ist das Drehen mit der Hand schneller als ein motorisierter Zoomring.

In Wuppertal und Remscheid


Ich habe die Kamera in der Innenstadt von Wuppertal Elberfeld getestet und später noch in Remscheid. Da das Wetter immer feuchter, kälter und trüber wurde, konnte ich mit der Kamera unter sehr schlechten Bedingungen Erfahrungen sammeln.

Weil es sich hier um einen Erfahrungsbericht handelt und nicht um einen Kameratest, habe ich die Kamera entweder im Modus P oder im EXR-Modus ihren Dienst verrichten lassen. So fotografiere ich normalerweise im Rahmen von Streetphotography.

Die Fuji X10 ist ebenso umfänglich wie andere moderne Hochleistungskameras (z.B. die Canon G11/G12, die Panasonic LX3/LX5 oder die Nikon D7000/D7100). Sie hat viele Einstellungsmöglichkeiten.

Aber das wird sicherlich noch an vielen Stellen ausführlich dargestellt werden. Es ist keine X100. Sie erinnert mich etwas an meine alte Leica CL und weil ich damit gerne fotografiert habe, fühle ich mich auch etwas zu der Fuji X10 hingezogen.

Der Sucher

Da ich Brillenträger bin, war für mich der Sucher von besonderem Interesse. Er ist größer als andere kleine Sucher. Das ist positiv.

Wenn man scharfstellt, dann ertönt ein Ton und rechts leuchtet eine grüne LED. Wenn sie blinkt, dann ist zwar auch irgendwie scharfgestellt, aber das bedeutet Verwacklungsgefahr oder andere Gefahren. Solange sie orange ist, klappt es nicht. Das Prinzip mit einer oder zwei LEDs bzw. Lampen kennen wir schon von vielen anderen Digitalkameras mit kleinem optischen Sucher.

Wie soll man das bewerten? Es kommt darauf an. Wenn ich den optischen Sucher mit dem Sucher der X100 vergleiche, dann ist er wesentlich schlechter, wenn ich den Sucher mit dem optischen Sucher anderer Kompaktkameras vergleiche, dann ist er größer und eventuell dadurch besser.

Die Bildqualität der Fuji X10, die ich benutze, sieht man an den folgenden Fotos. Es kommt auch dabei auf die Ansprüche an. Die Fuji X10 hat einen etwas größeren Sensor, einen sogenannten 2/3 Sensor. Also nicht 1/2,3 Zoll sondern 2/3 Zoll. Diese Sensoren gab es früher schon, bekannt war die Nikon Coolpix P8400. Da heute auch kleine Sensoren bei ISO 100 – 200 fast so gut sind wie Vollformatsensoren (bezogen auf Internet- und Monitorbilder), ist es eine Frage, was man an Sensor braucht, um glücklich zu werden. Mehr Infos git es im Handbuch. Das finden Sie hier.

Wie klappt es bei schlechtem Licht?

Eine andere Frage ist das Verhalten einer Kamera bei schlechtem Licht. Ich habe den Eindruck, dass die Fuji X10 schnell fokussiert. Und dann kommt eben der Praxiseinsatz. Das Licht heute war genau so wie es eine gute Kamera bewältigen muss, wenn sie nicht eine reine Schönwetterkamera sein soll. Und Schönwetterkameras gibt es schon genug. Daher ist die Gretchenfrage ganz einfach, wie klappt es bei schlechtem Licht?

Wenn Sie auf ein Foto klicken, landen Sie bei flickr und können sich das Original anschauen. Sie erkennen an den EXIF-Infos (Menüpunkt Aktionen auf flickr) um welche Einstellung es sich handelt. Ich habe in den Modi P und EXR fotografiert und hatte EXR auf Auto stehen, so dass die Kamera selbständig zwischen 12 und 6 MP und ISO wechselte.

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Ein Blick Richtung von-der-Heydt Museum

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Am Markt in Elberfeld

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hier geht es Richtung C&A

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wenig los in der Innenstadt, dafür saukalt

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und hier ein Blick auf das bekannte Telefon am Markt

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ein Blick in einen Blumenladen

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eine Szene mit Ampel und Werbesäule

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und hier kann man die Feinheiten der Haare untersuchen

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in Remscheid war es dann schon dunkler, kälter und nebliger

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ein Blick auf das Teo-Otto-Theater

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hier ist die Bushaltestelle

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noch ein Blick zum Allee-Center

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hier wurde der Nebel noch stärker

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hier habe ich auf das ewr-Plakat scharfgestellt und in dem Moment kam ein Bus und ein Mann trat ins Bild

Man muß die Einstellungen an der Kamera ausprobieren. Ich habe einige Fotos herausgesucht, die einen Eindruck von den digitalen Möglichkeiten und Grenzen vermitteln können. Auf jeden Fall ist die Fuji X10 einen Blick wert, wenn man mit dieser Bildqualität zufrieden ist.

Abschließend noch einmal der Blick auf den Markt:

Fuji X10

hier mit der Fuji X10

Fuji X10

und hier mit der Fuji F200EXR…

Nachtrag 19.02.2012:

Die Kamera ist schön, sie hat nur einen Schönheitsfehler, der bei mir erst später eintrat, die weissen Scheiben (WDS). Dadurch ist die Kamera bei schwierigem Licht für mich unberechenbar. Das hat Fuji bis heute (19.02.2012) nicht lösen können.  Ich habe die Kamera zurückgegeben.

Nachtrag: Und am 13.07.2012 habe ich mich wieder mit der Kamera versöhnt, nachdem ein veränderter Sensor in den neuen Modellen eingebaut worden ist.