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Ohne Leica – Klassiker digital neu erfunden zwischen Fuji X und Lumix GX

Klassiker bei Fotoapparaten, die ich meine, haben den Sucher links. Es gibt ganz wenige Ausnahmen wie die Ricoh GR Digitalkameras, die ohne Sucher zum Klassiker geworden sind. Dies als Orientierung, damit Sie wissen, was ich meine.

Karl Stechl schreibt schon viele Jahre über Kameras und Digitalkameras. Er kommt in der Ausgabe 11/2019 von Colorfoto zu einem eindeutigen Urteil: „Die X-E3 ist eine klassische Schönheit und dank des fehlenden Sucherhöckers sehr kompakt.“

Der Sucher in der Fotografie zwischen Auslaufmodell und Auswahlinstrument

Ohne Sucher geht es nicht, wenn man klassisch Streetfotos machen will. Das ist nicht nur meine Meinung sondern das ist die Erfahrung vieler Generationen von Fotografinnen und Fotografen.

Aber gilt dies noch im Zeitalter von Smartphones und Tablets?

Wir wissen heute, daß man auch ohne Sucher fotografieren kann.

Somit haben sich die Möglichkeiten zu fotografieren erweitert.

Aber fest steht auch, daß in diesem Fall die Erweiterung der Möglichkeiten nicht zu einer automatischen Verbesserung führt.

Sucherfotografie ist intensiver und gestaltender.

Der Blick durch den Sucher holt die Auswahl des Blicks direkt und ohne Ablenkung in das Bewusstsein.

Probieren Sie es einfach aus.

  • Wenn Sie ein Smartphone vor sich halten und damit etwas tun, dann nehmen Sie sehr viel vom Umfeld wahr.
  • Wenn Sie den Sucher ans Auge holen verdichtet sich alles im Kopf und das Auge gestaltet anders.

Mit dem Sucher wählen sie anders aus und mit dem Sucher erleben Sie eine Situation anders als mit dem Smartphone oder einer sucherlosen Kamera.

Insofern ist der Sucher eine besondere Möglichkeit sich einer Situation fotografisch zu nähern.

Die Mehrzahl der Menschen heute nutzt den Sucher nicht mehr sondern fotografiert mit einem Bildschirm als Sucherersatz.

Das ändert aber nichts daran, daß Sucherfotografie eine feine Art ist, um fotografisch aktiv und gestaltend zu sein.

Aus meiner Sicht ist der Sucher auch das beste Auswahlinstrument für die selbstbestimmte Auswahl des richtigen Bildausschnitts.

Egal was die PR sagt.

 

Die Fuji X10 in der Dämmerung im EXR-Modus

Wenn der Herbst beginnt und die Blätter fallen, dann zeigt sich bei den Kameras, was sie zu leisten vermögen. Denn das Dämmerlicht, die schwierigen Übergänge und die vielen unterschiedlichen Lichtquellen fordern die Chips und die Optiken der Kameras ganz schön heraus.

Und deshalb nahm ich die Fuji X10 als Sucherkamera und Reportagekamera mit und besuchte die Vaillant Nacht der Kultur in Remscheid. Der Mond war noch nicht ganz voll, der Himmel war wolkenlos, es war sehr kalt und sehr windig und die blaue Stunde hatte schon begonnen. Vor allem aber war an diesem Abend auch eine Mischung aus verschiedenen Lichtarten zu sehen und das erhöhte ja die Anforderungen an die Kamera.

Da die Kamera nun den modifizierten Sensor hat und einige Firmware Updates von Fuji aufgespielt worden waren, machte ich etwas ganz einfaches. Ich wählte den Bildausschnitt und stellte die Kamera auf den EXR-Modus.

So entstanden Reportagefotos als Produkte einer Kombination von Mensch und Maschine.

Damit zu einigen Fotos, die zeigen sollen, was daraus entstanden ist. Alle Fotos sind unbearbeitet bis auf die Größenänderung.

Hier fing die blaue Stunde gerade an. Man sieht, dass das Problem der „weissen Scheiben“ gelöst wurde.

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Ein paar Minuten später wird die blaue Stunde schon deutlicher und die Lichtmischungen nehmen zu, links das Telekom-„Lilarot“ und rechts die roten Lampen:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Hier dominieren dann eindeutig die roten Farbtöne und verleihen dem Ganzen etwas Surreales:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Doch schon eine Strasse weiter wechselte die Farbe. Grün war angesagt und lud in das städtische Bibliotheks-  und Kommunikationszentrum ein:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Und um den Unterschied zwischen EXR-Modus und P-Modus zu zeigen folgt nun ein Bild im P-Modus, also mit etwas weniger Dynamik, dafür aber mit 12MP statt 6MP Auflösung im Original:

Fuji X10 P – Foto: Michael Mahlke

Das Foto wurde etwas später aufgenommen als das Foto vorher.

Abschließend noch ein Vergleichsfoto. Beide um 18.44 Uhr Ortszeit aufgenommen. Man sieht sehr genau wie die Kamera die Lichtführung verändert, wenn vom P-Modus in den EXR-Modus gewechselt wird.

Wenn Sie auf das Foto klicken wird es größer. Da jeder Monitor anders kalibriert ist oder gar nicht ändert sich auch die Farbdarstellung. Aufgenommen sind die Fotos im sRGB-Modus. Achten Sie auch auf das Verhältnis der Lichter. Schauen Sie einmal auf das Kunstlicht, das in den Türen zu sehen ist im Verhältnis zum Licht, das draussen am Teo-Otto-Theater zu sehen ist.

Fazit:

Die Fuji X10 hat meine Erwartungen voll erfüllt. Sie war treffsicher, hat schnell fokussiert und die Kamera hatte überhaupt keine Probleme bei Dämmerlicht.

Da ich sie als Sucherkamera nutze, hat sie noch einen zusätzlichen Vorteil. Weil der Monitor nur im Infomodus ist und daher nur Daten zeigt und kein Livebild, hält bei mir ein Akku  ca. 500 Fotos. Selbst bei der Kälte hatte ich keine Probleme. Wenn allerdings der Monitor zum Fotografieren genutzt wird, ändert sich dies.

Die Fuji X10 ist ein echter kleiner Glücksfall unter den Sucherkameras geworden und sie ist für professionelle journalistische Tätigkeiten einsetzbar.

Nachtrag 2014:

Seit dem Erscheinen der X20 fragen sich viele, ob sie sich noch eine X10 kaufen sollen.

Der X-Trans Sensor in der X20 ist anders als der EXR-Sensor in der X10.

Eine sachlich gute Diskussion, die beim Beurteilen hilft, findet sich hier.