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Reisefotografie und Rahmen – Beobachtungen beim Fotografieren in den Gärten von Schloss Trauttmannsdorff

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

“Eine Fotografie hat Ränder, die Welt nicht.” Dieser einfache Satz von Stephen Shore enthält ein wichtiges Merkmal menschlicher Beobachtungen.

Wir nehmen nur das wahr, was wir sehen können. Der Rahmen oder Sucher ist in der Fotografie das eigentliche Geheimnis des Erfolgs.

Nicht die Entgrenzung sondern die Begrenzung ermöglicht dem Menschen Orientierung und Genuß.

Das ist auch das Geheimnis guter Reisefotos.

Ich habe einige Zeit ein Reisemagazin herausgegeben, Travigal.de. Dort wurden besondere Reiseberichte publiziert, die weniger über Essen und Trinken berichteten als über Land und Leute und die dem Zufall einen Raum gaben.

Dabei entstanden einige Fotobücher in elektronischer Form.

Das digitale Fotobuch „Fotografieren in den Gärten von Schloß Trauttmannssdorf“ ist ein Beispiel für die sozialen Gebrauchsweisen der Reisefotografie.

Im Prinzip ist es eine stichprobenartige Dokumentation der sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie im Urlaub beim Besichtigen einer „Location.“

Man könnte auch einfach in den Gärten spazierengehen.

Stattdessen entdecken die meisten Menschen die Schönheit dieser Gartenlandschaft durch das Fotografieren – durch ihren persönlichen Rahmen. Der Rahmen ermöglicht erst die Individualität wie man in diesem Buch sehr schön sehen kann.

Das Buch hat den Vorteil, daß es die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie im Urlaub an diesem Ort detailliert an einigen zufälligen Beispielen demonstriert. So wird deutlich wie wichtig Reisefotografie zum Entdecken von Menschen und Landschaften heute geworden ist.

Reisefotografie ist also vielfach die Voraussetzung für „erfolgreiches“ Reisen und den Genuß der besten Momente.

Wie gut, daß es Digitalkameras gibt!

Fotos am Strand oder womit wird heute fotografiert?

Video mit dem Ipad am Strand - Foto: Michael Mahlke

Bei 30 Grad im Schatten habe ich echt einen gesehen. Er trug dicke Schuhe, eine kurze Hose, eine Weste und eine Kappe und ein dickes Einbeinstativ mit einer grossen DSLR-Kamera und einem bestimmt 3 bis 4 Kilo schwerem Objektiv. Es war einer.

Alle anderen, die ich am Meer getroffen habe, fotografierten anders. Bikini oder Badehose und Fotografieren mit dem Handy. An zweiter Stelle das Ipad und viel später und viel weniger waren es dann kleine Kompaktkameras.

Spezielle Outdoorkameras habe ich gar keine gesehen.

So entdeckte ich bei meinen fotografischen Beobachtungen klare Prioritäten. Die Menschen nehmen das Handy mit und machen damit auch Fotos. Videos waren mit dem Ipad sehr beliebt und alles andere kam unter später liefen…..

Viele Menschen ohne Arbeit - Foto: Michael Mahlke

Mir ist klar, wohin die fotografische Reise geht: zum Handy oder Smartphone mit Kamera und Multimedia-Designgeräten, die auch strandtauglich sind. Fotografie als Alltagselement wird zunehmend über das Handy definiert.

Wobei ich damit überhaupt nicht zurecht kam, weil ich auf den Displays nur wenig bis nichts sehen konnte. Aber wie man sieht, stört viele es auch nicht, wenn man nichts sieht. Es reicht das Hinhalten in die Richtung, das Auslösen und das Vertrauen in die Technik.

So entscheiden die Käufer über die Richtung, in die sich der Markt entwickelt.

Text Version 1.1

Der Imagewandel im Reisejournalismus – die neue Wirklichkeit der Reisefotografie

Die Toskana des Ostens Foto: Michael Mahlke

„Unstreitig ist die Intensivierung der photographischen Praxis eng verknüpft mit Freizeit und Tourismus.“
Pierre Bourdieu

Reisen bildet(e)

Früher war Reisen verbunden mit dem Kennenlernen anderer Kulturen. Reisen bedeutete das Kennenlernen von Kulturen, Sitten und Gebräuchen, die es bei mir zu Hause nicht gab. Das war aber nicht alles. Reisefotografie war die Vermittlung von Wissen durch Fotos über Orte und Regionen, die interessant waren, die man aber selber nicht besuchen konnte.

Einen besonderen Reiz machte dann die Begegnung von Mensch zu Mensch und Kultur zu Kultur aus. Diese Begegnungen sind auch bis heute das eigentlich Reizvolle. Einer der bekanntesten Reisefotografen war sicherlich Burton Holmes.

Rückblickend bis heute sehr reizvoll ist die Sammlung von Albert Kahn, der Fotografen bezahlte, um durch die Welt zu reisen und zu fotografieren.

Mit Tonbildschau (heute Beamer) wurden dann Veranstaltungen durchgeführt, die diese Orte mit grossformatigen Fotos dem Publikum erfahrbar machten. So etwas gibt es teilweise immer noch, wobei die persönliche Begegnung mit dem Fotografen oder der Fotografin vielfach der eigentliche Reiz des Abends zu sein scheint.

Von der Reisefotografie zur Risikofotografie

Aber zunehmend verändert sich dieser Bereich. Am Anfang waren es andere Kontinente und Länder, die dargestellt wurden. Jetzt sind es zunehmend explodierende Vulkane, verlassene oder unwirkliche Regionen, Gletscherhöhlen oder Extremrisiken, die fotografisch angeboten werden. Oder man fliegt mit grossem Aufgebot durch die Savanne und fotografiert Tiere.

Das hat mit bisheriger Reisefotografie eigentlich sehr wenig zu tun. Es ist eher Risikofotografie. Diese kann dann noch ergänzt werden durch fotografische Reisen in Gebiete, die von den Taliban oder anderen bewaffneten Gruppen beherrscht werden.

Foto: Michael Mahlke

Die Fotoindustrie

Dahinter steckt dann in meinen Augen eine Industrie, die das vermarktet nach dem Motto nur mit diesem Objektiv und diesem Sensor, diesem Auto, dieser Uhr etc. war dies möglich. Selbst wenn es stimmen sollte, wäre zu fragen, ob dies überhaupt sinnvoll ist.

Es geht hier sicherlich in meinen Augen vielfach um Imagebildung, so wie man schnelle Autos meistens mit halbnackten Frauen abbildet, um Assoziationskombinationen mit positiven Effekten zu schaffen.

Meine Erfahrungen mit Reisejournalismus, Menschen und Kameras

Ich persönlich habe im Laufe der Jahre eine Reihe von Reisejournalisten kennengelernt, bevor und während ich dies selbst praktizierte. In allen Fällen war Reisejournalismus ein zusätzliches Betätigungsfeld oder eine Ergänzung zu anderen Tätigkeiten.

Und ich habe den Wandel in der Kamerabenutzung dabei erlebt. Während mir meine ersten Bekanntschaften sagten, dass die schweren Kameras unerläßlich sind, erlebte ich dann Fotografen, die offen für neue Technik waren und einige, die gar keine Chance gehabt hätten, während ihrer Reise große Ausrüstungen mitzunehmen.

Und sie machten und machen trotzdem gute Fotos, die sowohl im Printbereich als auch im Onlinebereich publiziert wurden und werden.

So entstanden viele Fotos mit Kameras wie z.B. der Panasonic TZ5, der Panasonic TZ10, der Leica V-Lux 20 oder kleine DSLRs wie die Nikon D5000 oder eine Panasonic G2/G3. Dies waren die Kameras, die bei echten Reisen eingesetzt wurden.

Wenn es auf reine Pressereisen ging, die z.T. durchaus sinnvoll sind, wurden nach meiner Beobachtung eher größere Kameras eingesetzt. Man hatte manchmal den Eindruck, es ging eher darum, in der Gruppe etwas zu zeigen. Die Fotos waren in der Regel nicht besser, nur die Kameras waren größer.

Als ich anfing, ein Langzeitprojekt mit echten Reiseberichten herauszugeben und zu publizieren – travigal.de – glaubte ich zu Beginn auch noch an die Wichtigkeit der grossen Kameras.

Aber die Zusammenarbeit mit den modern eingestellten Reisefotografen lehrte mich, dass heute eine gute Kompaktkamera fast immer ausreicht mit einer Anfangsbrenntweite von ca. 24mm Weitwinkel und guter Bildqualität.

Dabei sprechen wir natürlich nicht über Reisen ans Ende der Welt. Aber selbst da sind wohl in den meisten Fällen heute kompakte Outdoorkameras in der Regel die Gewinner.

Nur bei extremen Belastungen, die eigentlich nicht das Thema von Urlaubsreisen sind, wäre es sinnvoll, besondere Kameras zu benutzen. Das wäre aber eher etwas für einen Artikel über Risikofotografie.

Die „neuen“ Reiseabenteuer und die Amateure

Und Reisen heute bedeutet heute oft nur noch Flughafen, Hotel, Strand und Meer oder Berge mit demselben Essen und demselben „globalisierten“ Standard wie zu Hause. Viele wollen im Urlaub die Sicherheit, dass es so ist wie zu Hause – nur ein bisschen anders.

So verlagert sich das Thema auf „Erlebnisse“, die der Reiseveranstalter einbaut, oder Risikoreisen, weil echte Erlebnisse so wie früher kaum bis gar nicht mehr möglich sind.

Umgekehrt sind gerade diejenigen, die hinter die globalisierten Strukturen im Kleinen und im Grossen schauen, oft die richtigen Reisereporter für authentische, kleine und grosse Geschichten.

So werden zunehmend die Amateure wichtiger. Das ist dann aber wiederum oft ein Problem für die PR-Agenturen. So gibt es Versuche, auf spezielle Weise Kommunikation durch ein Netzwerk von Beziehungen aufzubauen und/oder beizubehalten.

Foto: Michael Mahlke

Wo bleibt die Transparenz?  – PR-Agenturen und Reisejournalisten

Wie sich eine Zusammenarbeit zwischen „Fachjournalisten und Öffentlichkeitsarbeitern im Tourismus“ darstellt, können Sie z.B. hier selbst lesen. Es geht nach meiner Auffassung um die Zusammenarbeit von PR-Agenturen und Reisejournalisten.

Von diesen „Fachjournalisten“ sollte man erwarten, dass sie mindestens bei den Artikeln, die sie schreiben, darauf hinweisen, wer ihre Reisen unterstützt und gesponsert hat und wer was bezahlt hat.

Das ist für mich ein wichtiges Kennzeichen von seriösem Reisejournalismus. Das nennt sich Transparenz und unterscheidet in meinen Augen  Qualitätsjournalismus von PR. Gucken Sie doch mal, wer das macht …

Man kann das Ganze aber auch anders sehen und sagen, gerade weil es eine bezahlte Reise ist, nenne ich den Sponsor nicht sondern sage, das Nennen wäre PR (!). Damit sind dann natürlich der mündige Bürger, die Transparenz und die eigene Meinungsbildung stark behindert und der Journalist entzieht sich jeder transparenten Bewertung seines Tuns. Und wie sich dabei alle Vorurteile erfüllen können, kann man dann beispielsweise hier lesen.

Diese Art des „Journalismus“ wird übrigens dann besonders interessant, wenn man z.B. ein spezielles Hotel besucht und dann darüber berichtet wie gut es dort war, ohne zu erwähnen, dass dies vom Hotel bzw. der PR-Agentur gesponsert war. (VDRJ-Mitglieder verstossen damit in meinen Augen komplett gegen Abschnitt 6 des VDRJ Kodex).

Die Verfeinerung findet dann statt durch die Angabe von speziellen Internetadressen, die man nennt bzw. wegläßt. Oder umgekehrt schreibt man einen Artikel über eine Region, der allgemeiner ist und gibt dann lediglich einige wenige – oder nur eine – spezielle Internetadresse(n) an.

Übrigens bin ich mit dieser Auffassung nicht allein. Der Politikwissenschaftler Hans J. Kleinsteuber hat zusammen mit Tanja Thimm ein Buch u.a. über die Ethik des Reisejournalismus geschrieben und vertritt laut mediummagazin genau meine Gedanken zur Transparenz. Lesen Sie dazu einfach mal den Artikel von Anne Haeming bei mediummagazin.de. Dort steht auch noch was zum VDRJ.

Wie schreiben Kleinsteuber/Thimm? „Der Interessent kann sich gezielt und zum Zeitpunkt seiner Wahl die Reportagen und Berichte heraussuchen, die ihm für sein nächstes Urlaubsziel wichtig sind. Damit wird die Beziehung zwischen Produzent und Nutzer viel enger; der Leser verlangt weniger gefühlige Erzählungen und eher handfeste Informationen. Und er kann sich die Reportage ausdrucken, mitnehmen und viele der darin gemachten Behauptungen überprüfen. Faktisch verändern sich so in digitalen Umwelten die Rahmenbedingungen des Reisejournalismus, der Redakteur wird vom Geschichtenerzähler zum schreibenden Dienstleister des Lesers und tut gut daran, die veränderten Rahmenbedingungen in seine Arbeit einzubeziehen.“

So würde es Sinn machen, für die neue gute Art des Reisejournalismus eine neue Auszeichnung (Award) zu kreieren, vielleicht den Travigal-Award:

Ich glaube, dass es ganz ok ist, wenn man Unterstützung durch eine PR-Agentur oder einzelne Unternehmen erhält oder eine Pressereise macht und darauf dann am Ende des Reiseberichtes auch ganz offen hinweist, so wie dies ja z.B. auch die Welt am Sonntag und die TAZ laut mediummagazin machen.

Das ist transparent. Und warum soll dann der Reisebericht nicht ok sein? Wer die Wahrheit nicht schreibt oder nur positiv, der erhält doch spätestens, wenn die Urlauber zurückkommen und die Wahrheit gesehen haben, die Quittung durch Kommentare und in Social Networks – und dann ist die Glaubwürdigkeit dokumentiert „weg“.

Aber PR-Unterstützung ist nicht immer sinnvoll. Meine Reiseberichte über Wien und Berlin wären nie authentisch geworden, wenn ich nicht mehrere Wochen allein dies alles bereist hätte. Da entstehen dann die Erlebnisse, die den Zeitgeist und den Charakter an einem Ort zu einer Zeit ausmachen und die auch als Reiseberichte überstehen, weil sie Jahre später von Dritten mit ihren Erlebnissen und den Veränderungern verglichen werden können. Es kommt da eben auch auf die Ansprüche und den Ansatz an.

Wie kommt man an die Amateure ran?

Früher zeichneten sich Journalisten ja dadurch aus, dass sie ein Medium zur Verfügung hatten, welches der normale Bürger nicht zur Verfügung hatte, eine Tageszeitung, ein Reisemagazin, einen Sendeplatz im Radio oder Fernsehen (so wie die GEZ-gesponserten Medien heute noch).

Heute ist dies durch die digitale Welt zum Teil anders. Jeder kann Reisejournalismus betreiben. Also wird nun versucht, die Amateure einzubinden. Das hat zu Plattformen wie z.B. der Geo-Reisecommunity geführt. Zwischen den Artikeln findet man dann sehr oft Werbung. So gelingt es dann, den Amateur einzubinden in eigene PR-Strategien.

Bei der Geo-Reisecommunity wird übrigens zwischen Reiseprofis und Amateuren unterschieden. Schauen Sie dort mal bei den „Reiseprofis (RP)“ vorbei und gucken Sie mal mit dem oben formulierten Problembewusstsein. Wahrscheinlich ist den Machern der Geo-Reisecommunity ihr schmaler Weg bewusst. So heisst es in den AGBs für die Reiseprofis (RP) u.a.:

„Abweichend von den diesbezüglichen Regelungen in Abschnitt 12.2 der GEO-Reisecommunity-AGB gestattet GEO.de RP die Erstellung von einzelnen Tipps mit kommerziellem Hintergrund. Dafür gelten die folgenden Regelungen:

– es dürfen ausschließlich Tipps (inkl. der dabei verwendeten Bilder) mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden. Für Reiseberichte, Forenbeiträge, Anschreiben anderer User etc. gelten unverändert die Regelungen der AGB der GEO-Reisecommunity

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund müssen von RP über eine entsprechende Option bei der Eingabe gekennzeichnet werden und werden in der Darstellung für alle User entsprechend ausgewiesen. Angebote des RP dürfen nicht als Angebote von GEO oder der GEO-Reisecommunity präsentiert werden

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund dürfen vom RP nur zu eigenen Angeboten erstellt werden. Beispielsweise dürfen Hoteliers nur eigene Hotels, Autoren nur eigene Veröffentlichungen beschreiben …“

Das Fettgedruckte ist eine Hervorhebung von mir.

Ich habe bisher so gut wie nirgends bei den Reisetipps den Hinweis gefunden, dass es sich um ein rein kommerzielles Angebot handelt, aber gucken Sie doch mal selbst, vielleicht finden Sie etwas und ich habe es einfach übersehen. Ich habe bei der Geo-Reisecommunity deshalb angefragt und werde eine Antwort hier gerne publizieren. Diese ist gekommen. Die Email ist vom Team der Geo-RC und dort heisst es: „Die Formulierung in den AGB soll darauf hinweisen, dass keine Reiseberichte mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden dürfen – und in diesem Sinne ist das „nur“ zu verstehen.

Genau!

Damit weiter im Text.

Eine sehr schöne Webseite, die mir persönlich gefällt,  ist Trekearth. Im Netz gibt es unendlich viele Webseiten mit Reiseberichten, weil Reisefotografie und Reiseberichte eines der Lieblingsthemen für Kamerabesitzer auf der ganzen Welt sind.

Das ist übrigens auch gut für die Fotoindustrie, weil sich dadurch wiederum Absatzchancen ergeben und es ist gut für die Menschen, weil die persönliche Weiterentwicklung und Identitätsbildung durch Abgrenzung erfolgt, wie Erich Fromm schon festgestellt hat.

Der Markt ist riesig

Wie riesig die Dimensionen für Geschäfte in diesem Bereich sind, wurde mir bei einem Besuch auf der  ITB klar, der Reisemesse in Berlin. Ich habe noch nie so viele PR-Agenturen auf einem Haufen gesehen. Und die brauchen für die Verbreitung in den Medien und im Netz journalistische Unterstützung.

Bemerkenswert für mich war das Hofieren der öffentlich-rechtlichen Sender (!!!) neben dem bisher Gesagten. Und im letzten Jahr bemerkte ich, dass fast jede PR-Agentur der Auffassung ist, sie könne doch mit Social Media und Webseiten alles alleine machen.

Angebote zu professionellem Web- und Social-Media Management wurden – so mein Eindruck – als feindliche Attacken abgewehrt wie in einem Krieg.

Doch zurück zum Kernthema des Artikels!

Das Geld soll und wird ja von allen Beteiligten mit den Urlaubern verdient. Und die wollen sehr oft Fotos machen.

So ist die Fotoindustrie mit im Boot und es ergeben sich für alle Beteiligten rund um den Urlauber riesige Absatzmärkte. Und bezogen auf die Fotografie geht es natürlich vor allem um Digitalkameras und die Motive dafür.

Fazit

So ist Reisejournalismus und Digitalfotografie ein Thema mit viel Potential für die Zukunft.

Ich hoffe, auf  einige feine Unterschiede aus meiner persönlichen Sicht aufmerksam gemacht zu haben, die ich als Tendenzen der Zeit sehe, insbesondere die Frage von seriösem Journalismus und PR-„Journalismus“ und die wachsende Rolle der Amateure.

Nachtrag am 30.11.2012:

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Scheinheiligkeit noch größer ist als vermutet und Transparenz ein Fremdwort: „Das aktuelle „medium magazin“ berichtet im Beitrag „Luxusrecherchen im Wirtschaftsressort“ über die Käuflichkeit von Redaktionen: Unternehmen zahlten teure Reisen für FAZ und SZ, die „Welt“ deckte auf.“ So finden wir es bei newsroom.de. Damit sind nun wirklich alle Vorurteile von der Wirklichkeit bestätigt worden, zumal es hier nicht allein um Reisejournalismus ging sondern um Berichterstattung zu Wirtschaftsthemen.

Nachtrag am 28.07.2013:

Angeblich will jetzt die FAZ auf „maximale Transparenz“ setzen und auch darauf hinweisen, wenn eine Reise oder ein Thema gesponsert wurden.

 

Reisefotografie in Meran – 8 Beispiele aus der Praxis

Ich möchte hier einige Beispiele für Reisefotografie (Reisefotos, Urlaubsfotos und Schnappschüsse) zeigen. Mir geht es dabei um die Frage, wie man eine Situation so aufnimmt, dass sie eine Geschichte, einen Ort oder ein Ereignis zeigt. Reisefotos sind immer erzählende Fotos. Sie sind Erinnerungen, die dazu dienen, in uns etwas wieder lebendig zu machen.

1. Foto

Dazu beginne ich mit einem Schwarzweissfoto. Eigentlich sind Urlaubsfotos ja bunt. Aber hier möchte ich einfach mal zeigen, dass Schwarzweiss teilweise schöne Impressionen zaubern kann.

Dieses Foto ist eine Situation mitten aus dem Leben und erzählt dabei mindestens eine Geschichte. Man sieht an den Helligkeitsstrukturen die Hitze und die Flucht der Menschen in den Schatten. Zugleich ist das Ausruhen sichtbar. Das Cafe und die Hitze werden einerseits durch Licht und Schatten sichtbar und andererseits durch das lichthelle Schild im Vordergrund und den lichthellen Sonnenschirm im Hintergrund. Dazwischen ist der Schatten und dort sind die Menschen.  Eine Lichterkette führt zu der Situation im Hintergrund und ein heller Streifen auf dem Boden im Vordergrund zeigt die „Lichtgrenze“.

Im Vordergrund entspannt sich ein Mann bei einer Zigarette, im Hintergrund sitzt eine ganze Gruppe im Schatten und unterhält sich. Dadurch dass der Mann sich gedreht hat, ist sein Gesicht nicht zu erkennen sondern nur ein Teil des Profils. Damit ist das Foto möglich. Zugleich „zieht“ der Mann als Eyecatcher im Vordergrund den Blick in der Schräge auf die Gruppe. Das Fahrrad unterstreicht die Schatten- und Ruhesituation. Was mir persönlich an dem Bild gefällt ist die Tatsache, dass es keine Stelle gibt, die langweilig ist und hier Geschichten wie in einer Zwiebel drinstecken, Schicht für Schicht.

2. Foto

Das nächste Foto zeigt eine Situation in den „Lauben“, einer Einkaufsstrasse in Meran.

Eigentlich schien die Sonne. Doch die enge Strassenschlucht hielt viel Sonnenlicht ab. Mir gefiel die Laterne am oberen Bildende, die sich durch die hohe Ausrichtung der Kamera sehr kontrastreich vom weit sichtbaren Hintergrund der Berge abhob.

Zugleich weisen die Sonnenschirme den Blick immer tiefer in die Strasse hinein. Die vielen Menschen sind durch den Schatten nicht identifizierbar aber sichtbar, so dass der Strassencharakter voll zur Geltung kommt.

Das Bild erzählt eine Geschichte vom Einkaufen, von der Geschichte einer Strasse, von entspannten Menschen und von der Region.

3. Foto

Jetzt kommt das Gegenteil. Ich habe wieder Schwarzweiss gewählt, weil es auf die Aussage des Bildes und nicht auf die Farben ankommt.

Es ist ein Foto für den zweiten Blick. Das Foto erzählt mindestens eine Geschichte und nimmt den Betrachter sofort in seinen Bann. Die Geschichte ist nicht schön, wenn man das Schicksal des Mannes sieht und doch ist dies Teil dieser Welt. Man kann die Augen davor verschließen oder diese Realität sehen.

4. Foto

Nun kommt eine völlig andere Ansicht. Es geht um Menschen in Meran von unten.

Hier werden mehrere Geschichten erzählt. Man sieht aber nur die Füße. Man erahnt, dass die Sportschuhe und die Jeans zu einem Mann gehören, der irgendwie verbunden mit den hochhackigen Schuhen und der Jeans der Frau davor zu sein scheint. Aber es kommen dann noch mehr Füße, Sandalen und Schuhe und Geschichten. Von rechts unten nach links oben verläuft eine Diagonale. Und ein Mensch muß es besonders eilig haben. Er läuft gerade links aus dem Bild und die Bewegungsunschärfe seines Fußes zeigt die Hast.

5. Foto

Das nächste Bild könnte von einem Maler oder einer Malerin stammen, der/die die Natur sehr mag.

Auf dem Bild schaut eine Taube friedlich herüber. Sie sitzt auf einer Säule und einem Holzdach mit Rosen. Man sieht weiter entfernt einen Baum und ältere Architektur. Es war ein Moment, der dieses Stückchen Frieden hervorbrachte. Harmonie direkt neben der Hauptstrasse.

6. Foto

Nun kommt ein Foto, welches viele Vorstellungen von dort enthält.

Hier findet man alle Waren zum Verkauf, die man aus den südlichen Ländern gerne hat. Das Problem war die Beachtung der Persönlichkeitsrechte. Es geland mir nur in diesem Moment, wo der Mann mit dem breiten Kreuz für einen Moment die Augen und die Gesichter der anderen verdeckte und dennoch alle drei eine Art Gesprächskreis bildeten. So erzählt das Bild etwas über Essen und Trinken und das Wetter in Meran.

7. Foto

Nun kommt ein Foto, das ich nachbearbeiten musste.

Dieses Foto zeigt in einem Cafe im Mittelpunkt die beiden Haupterfrischungsgetränke der Region. Einmal Aperol mit Prosecco und einmal Holunder mit Minzblättern und Prosecco. Und direkt darunter das Lieblingsgetränk eines kleinen Kindes in der Trinkflasche. Obwohl es eine öffentliche Situation war, habe ich drumherum einen Unschärfefilter gelegt, um die evtl. Rechte der fremden Personen am eigenen Bild zu wahren. Entstanden ist dennoch ein schönes Foto, wie ich finde. Mit gefällt besonders die Kombination aller drei Getränke. Das Foto ist auch ein Beispiel für die Grenzen von kleinen Kompaktkameras. Die Tiefenschärfe ist von Beginn an da.

Nur eine Kamera mit grossem Chip und ein Objektiv mit Blende 1,4 hätte hier den Hintergrund schon bei der Aufnahme unscharf machen können. Stattdessen musste bei einer kleinen Kamera hinterher der digitale Filter ran.

8. Foto

Zum Abschluß noch ein Foto, welches die Anziehungskraft von Meran zeigt.

Das Foto ist sehr einfach gehalten, es hat aber einen interessanten Inhalt. Man sieht nämlich, wer sich so alles in Meran aufhält. Die Vielzahl der Nummernschilder an den Motorrädern zeigt die deutschen Urlauber. Zugleich führt die Kette der Motorräder den Blick in das Bild und zeigt eine der Hauptstrassen von Meran.

Mit diesen 8 Fotos will ich enden. Gute Urlaubsfotos bzw. gute Reisefotos haben viele Gesichter. Aber es gibt überall interessante und informative Momente, die sich für Fotomotive lohnen – und dies immer wieder.

Die besten Reisekameras für den Urlaub …

Gibt es die überhaupt? Wieviel Reisekamera braucht der Mensch und was ist überhaupt eine Reisekamera? Die Anforderungen an diese Kameras sind enorm hoch. Sie muß sehr gute Bilder machen, sie muß schnelle Schnappschüsse erlauben, sie muß im schlechten Licht gute Aufnahmen machen und sie muß klein sein.

Das ist aber noch nicht alles. Am besten auch noch billig und GPS. Wenn ich nun alle diese gesammelten Assoziationen anschaue, dann sollte ich doch geordnet etwas Licht in diese Angelegenheit bringen.

Unser Test in Südtirol

Auf einer Reise nach Südtirol hatten wir folgende Kameras dabei: Nikon P7000, Canon Powershot SX30IS, Sony WX5, Sony HX5V, Nikon P500.

Die Kameras wurden von einer Frau und mir getestet. Es ging dabei darum, bei Sonnenlicht etwas zu sehen, möglichst ohne umständliche Einstellungen scharfe Fotos zu machen und eine einfache Bedienung zu haben.

Getestet wurde auf dem Spielplatz, beim Einkaufen und beim Wandern.

Die Sony WX5 war am beliebtesten. Mit dem goldenen Automatikmodus gab es keine unscharfen Fotos, egal wo. Die Kamera ist wunderbar klein. Nur bei direktem Sonnenlicht war nichts zu sehen. Aber wenn man einfach abdrückte war zumindest das Foto scharf. Das Zusammenrechnen der Fotos dauerte aber einige Zeit, so dass Serienbilder nur möglich waren mit anderen Modi.

Die Sony HX5V mit GPS war eine zuverlässige Kamera. Sie war aber subjektiv wesentlich langsamer als die WX5. Ihre Fotos waren ok, zumal auch die Bracketing-Funktion (Belichtungsreihe) Bilder  für HDR möglich machten. Bei direktem Sonnenlicht war auf dem Display nichts erkennbar.

Die Nikon P7000 sollte als DSLR-Ersatz dienen und RAW-Dateien speichern. Die Kamera war sehr zuverlässig aber viel zu langsam. Schnappschüsse in RAW waren überhaupt nicht möglich. Der optische Sucher ermöglichte bei Sonnenlicht aber eine gute Sicht.

Die Nikon P500 kann zwar kein RAW, war aber sehr schnell. Der Autofokus war schnell, sicher und zuverlässig. Das Display war  selbst bei Sonnenlicht durch den verstellbaren Neigungswinkel noch sichtbar, hilfsweise kam der kleine elektronische Sucher zum Einsatz. Die Kamera war leicht und intuitiv zu bedienen im Zoombereich mit dem seitlichen Schieber.

Die Canon SX30 IS war schwerer als die Nikon. Sie war beim Autofokus subjektiv nicht so schnell wie die Nikon P500. Aber das Menü und die Bedienung gefielen uns viel besser. Der seitlich schwenkbare Monitor gefiel uns nicht so wie der Monitor in der optischen Achse der Nikon P500. Aber die Powershot SX30IS war sehr zuverlässig, auch auf dem Berg beim Wandern.

Unsere Wahl ist klar. Für Schnappschüsse mögen wir aktuell am liebsten die Sony WX5, für Wanderungen die Sony HX5V und für Tele die Nikon P500 (der Mann) bzw. die Canon SX30 (die Frau).

Das Ergebnis hat uns gezeigt, dass für RAW-Fotos die DSLRs noch am Sinnvollsten sind. Für JPGs waren wir sehr zufrieden mit den hier besprochenen Kameras.

Dieser Bericht gibt unsere persönliche Meinung und unsere Erfahrungen wieder. Er ersetzt keine Laborergebnisse.

Die besten Reisekameras zwischen Presse und PR

So und jetzt kommen wir zu einem anderen interessanten Teil des Artikels. Alle Kameras haben wir uns selbst besorgt, wir hatten keinen Sponsor und wir haben auch keine Geschäftsbeziehungen zu den Firmen bis heute. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen.

Es gibt nämlich eine interessante Diskussion über eine Fotoreise von Panasonic für ausgewählte Tester zum Thema „Mit der G3 auf Mallorca“. In den Diskussionsbeiträgen zu diesem Artikel wird auf das Problem von PR und Bloggen hingewiesen. Ich empfehle ausdrücklich, dort den Artikel und alle Diskussionsbeiträge zu lesen.

Besonders interessant ist der Hinweis auf die amerikanische Webseite von Michael Reichmann, der dieses Thema klar dargestellt hat.

Mein Fazit

Allerdings muß man auch sagen, dass man natürlich nicht alles kaufen kann, über das man schreibt. Daher ist die kostenfreie Überlassung von Produkten ok. Aber es gibt eine Kette von Abhängigkeiten, über die man sich klar werden muß. Ich habe drei Kernpunkte formuliert, die ich für wichtig halte:

  • Wer Werbung auf seinem Blog hat, der wird nicht umhin kommen, attraktiv für seine Werbekunden zu sein. Das ist er/sie nicht, wenn er die Produkte seiner Kunden schlecht macht.
  • Wer PR-Angebote nutzt, der sollte dies auch klar erwähnen und sich eine eigene Meinung bilden. Das ist bei interessanten Produkten letztlich gut für PR und gut für den Blog.
  • Wer unabhängig bleiben will, der braucht zahlende Leser und das ist sehr schwierig. Daher sind Leser, die kostenlos auf Blogs lesen und dann über eventuelle Abhängigkeiten des Blogbetreibers die Nase rümpfen, in meinen Augen ebenso scheinheilig wie BloggerInnen, die genutzte PR-Angebote unerwähnt lassen. Das gilt auch für JournalistInnen.

In diesem Sinne …

Das Loch nach der Photokina

Nun ist die Photokina schon einen Monat vorbei und ich meine, ich spüre das Loch im Internet. Fast alle technischen Fotoseiten, international und national, haben fast stündlich in ihren Blogs über die neuesten Produkte berichtet. Und jetzt? Sie scheinen alle im Urlaub zu sein oder sie testen ununterbrochen. Wie auch immer, im Internet gibt es nicht nur wenig Neues sondern über die neuen Produkte auch wenig Getestetes.

Das gibt den Gedanken neue Nahrung. Was wäre eigentlich, wenn die Photokina nicht gewesen wäre und wenn es keine neuen Produkte gegeben hätte? Die einzige echte fotografische Hoffnung war ja die Fuji X100. Ob Sie wirklich lautlos sein wird, ob sie wirklich eine neue Generation von Digitalkameras für ernsthafte und traditionell ausgerichtete Fotografinnen und Fotografen eröffnet, werden wir in knapp einem halben Jahr sehen.

Aber wenn es diese Hoffnung nicht geben würde und wenn es die Photokina nicht gegeben hätte, was wäre dann eigentlich los in der Fotografie?

Man könnte zu dem Ergebnis kommen, dass man mit den bisherigen Kameras auch gut fotografieren kann. Und man könnte auch denken, dass es nicht ein gutes Bild weniger geben würde. Nichts gegen die Photokina! Sie ist ein wunderbarer Ort, um Blicke auf die neuen Produktionsstätten der Welt in China zu werfen und die kommenden Kulturen der Zukunft schon heute auch in Deutschland und im schönen Köln am Rhein zu empfangen. Das ist wirklich schön.

Aber fotografisch sind wir nicht weiter sondern höchstens anders geworden nach dieser Messe. Der alte Schopenhauer schrieb einmal „Das Neue ist der Feind des Guten“. Ich glaube, dass die nächste Photokina dazu genutzt werden könnte, vielen asiatischen Menschen Deutschland als Reiseland noch besser zu vermitteln.

Und nach der Photokina sollte es Reisen geben, Fotoreisen durch Deutschland und Fotoreisen durch China. Man könnte Wettbewerbe machen und die Photokina Besucher könnten diese Reisen gewinnen, gesponsert von den großen Herstellern, die die Gewinner zu Botschaftern für eine bessere Kommunikation auf der Welt mit Hilfe der Fotografie machen. Das wäre übrigens auch der Stadt Köln angemessen, deren Traditionen ja gerade auf der Begegnung der Kulturen und Menschen beruhen.

Insgesamt könnte man das Loch nach Photokina mit vielen guten Ideen füllen. Denn diese Messe ist schon etwas besonderes, weil sie alle Menschen und Kulturen mit als Fotografen oder Fotografierte zusammenbringt und die Produkte in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Ob es so etwas jemals geben wird? Ich weiß es nicht, aber zumindest habe ich das Loch nach der Photokina mit einer guten Vision gefüllt.

MERIAN Sachsen oder auf der Suche nach fotografischer Qualität in der Reisefotografie

Was ist fotografische Qualität in der Reisefotografie? Diese Frage wird nie zu Ende diskutiert werden können. Aber es lohnt sich immer wieder neu, darüber zu sprechen. Ja, ich weiß, dass mein Liebe zu den klassischen Kriterien von Cartier-Bresson überholt ist. Und deshalb habe ich mir den MERIAN Sachsen gekauft. Ich dachte mir, dass „Deutschlands führende Internetseite für Reisen“ so die Meta-Beschreibung auf der Homepage, sicherlich dann auch den Maßstab legt.

Betrachtet man das Titelfoto, dann ist es dort gelungen, eine malerische Landschaft festzuhalten. Auf Seite 16/17 ist dann ein Foto von Bautzen zu sehen. Die auf dem Foto vorhandene Linienführung brachte mich dazu, die Frage zu stellen, ob denn die Türme gerade sind? Ob das ein perspektivisches Problem ist, wenn man mit einem Weitwinkel fotografiert, kann ich wohl nur bei einem Besuch vor Ort klären.

Auf Seite 18/19 kommt dann ein wunderbares Foto mit Elbe, Kindern und Schiffen zum Vorschein. Leider ist es so, dass hier wie so oft die Grenzen des Drucks zum Vorschein kommen, da es ja in der Mitte geknickt wird wegen der Heftung. Schöner wirkt auf mich das Foto auf Seite 20/21 mit dem Nationalpark. Ich persönlich hätte mir mehr Mitteltöne gewünscht, aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Das Foto auf Seite 28/29 unter den Arkaden von Görlitz brachte mich dann doch sehr zum Nachdenken über gerade Linien und mögliche optische Verzerrungen. Die Atmosphäre auf dem Foto gefiel mir sehr gut.

Ab Seite 36 war in diesem Heft über Sachsen etwas sehr Kluges zu sehen. Das steht zwar nicht im Heft, aber mir kam dieses Thema in den Sinn beim Anschauen der Fotos: Es geht dabei um die Frage, wie man die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen beim Fotografieren wahrt. Wie wir ja alle wissen, darf niemand (verkürzt gesagt mit Ausnahme von Promis) gegen seinen Willen auf Fotos veröffentlicht werden, es sei denn, es handelt sich um öffentliche Ereignisse, wo der Einzelne nicht die Hauptperson ist. Das hat man in diesem Merian Heft dann auch – so weit ich das beurteilen kann – juristisch sauber gelöst. Ein Foto aus der Türkischen Kammer in Dresden zeigt zwar auch Personen beim Betrachten des Interieurs, aber alle sind unscharf. Auf gut Deutsch hat man dort länger belichtet, so dass die Fotos an den scharfgestellten Stellen gut belichtet waren und die Personen nicht mehr erkennbar gewesen sind.

Dasselbe Verfahren wurde auch auf anderen Fotos aus Ausstellungen und bei Aussenaufnahmen auf der Brühlschen Terrasse eingesetzt. Daß man damit auch wirklich gute Konstellationen herbeiführen kann, zeigt das Foto mit dem Werk „Der Denker“ von Rodin auf Seite 46.

Auf einem  Foto auf Seite 58 über die Mädlerpassage stellte ich mir die Frage, ob die Personen dort wirklich so lang und dünn sind.

Ab Seite 64 folgt dann eine Reihe von Landschaftsaufnahmen. Das erste Foto zeigt sehr schön den Himmel mit interessanten Proportionen. Und beim weiteren Durchblättern fällt immer wieder auf, dass die meisten Personen durch längere Belichtungszeiten als Zuschauer nicht persönlich erkennbar gemacht wurden. Auf einigen Fotos scheinen die Personen mit einer Ablichtung einverstanden gewesen zu sein.

Auch auf dem Foto zum Thema „Das Märchen vom feinen Schlossleben“ hat man dies gelöst. Dort sieht man eine Servicekraft ins Zimmer gehen, aber eben von hinten, so dass ihre Persönlichkeitsrechte auch am Arbeitsplatz gewahrt bleiben. Auf Seite 88 sieht man eine Person von vorne, allerdings so klein, dass sie erst mit Vergrößerung direkt erkennbar wäre.

Für mich hat sich das MERIAN Heft unter fotografischen Gesichtspunkten gelohnt. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass sich die fotografische Welt weiterentwickelt hat. Nimmt man die hier veröffentlichten Fotos als Vergleich und Maßstab, dann kann ich jetzt mit gutem Gewissen Fotos veröffentlichen, die den veröffentlichten Realitäten bei Fotos heutiger Reisemagazine entsprechen.

Davon einmal abgesehen halte ich dieses Heft auch unter dem Gesichtspunkt der Wahrung von Persönlichkeitsrechten für eine gute Studiermöglichkeit. Gerade dies ist ja ein altes Thema von mir, wenn auch eher im Bereich der Strasssenfotografie. Und eine elegante Lösung wie hier kann helfen, die Tücken der deutschen Rechtsprechung einigermassen fotografisch gut zu überstehen und trotzdem auch gute Fotos zu machen.

Aber es gehört eben auch zu der deutschen Rechtsprechung, dass ich hier die Fotos nicht zeigen kann sondern nur darüber schreiben darf. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil der Kauf der Ausgabe sich in jedem Fall mehrfach lohnt:  erstens weil sich ein Besuch in Sachsen lohnt und zweitens weil bei diesem Heft meiner Meinung nach fotografische Lernerfolge eingeschlossen sind.

Übrigens, sollten Sie das hier Gelesene ergänzen wollen, dann ist hier eine gute Möglichkeit, Kommentare abzugeben.