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Fineart-Streetphotography oder fotografische Geheimnisse klassischer Strassenfotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Eine Analyse fotografischer Techniken klassischer Streetfotografie und Schnappschussfotografie mit praktischen Tipps – mit meinen Inspirationen von Henri Cartier-Bresson aus heutiger Sicht

Fineart-Streetphotography – die feine Art der Strassenfotografie

Früher war Streetphotography bzw. Strassenfotografie Fotografie auf der Strasse. Dort fand das öffentliche Leben der Menschen statt und dort wurde fotografiert.

Später wurde aus der Strasse der sogenannte urbane Raum. Die Begriffe spiegeln auch die Veränderungen wieder. Aus einem konkreten Begriff wurde eine abstrakte Größe. Das ist Wortsymbolik für den Zeitgeist und die Veränderungen.

Aus meiner Sicht bedeutet Strassenfotografie heute unterwegs zu sein.

Das hat etwas von dem, was zum Beispiel Henri Cartier-Bresson auszeichnete. Denn er blieb nicht auf der Strasse, er machte überall Schnappschüsse – überall da, wo er unterwegs war.

Schauen wir da doch mal genauer hin!

 

Was zeichnet die Art des Fotografierens von Henri Cartier-Bresson aus?

Er selbst sagte dazu einmal rückblickend: „Ja jetzt bin ich museal, eine Autorität von gestern. Überholt von der Farbfotografie, die mir nicht liegt. Farbe ist Oberfläche, Linie das Charakteristische – aber wer will das noch hören?“

Dieses Zitat ist viel mehr als ein Gedanke. Er beschreibt hier auch die Oberflächlichkeit einer neuen Zeit, die bunt ist aber dafür keinen eigenen Charakter mehr hat. Und dies alles in sechs Worten!

Fotografisch betrachtet zeigt sich hier auch eines seiner Erfolgsrezepte: der Blick auf die Strukturen eines Bildausschnitts. Doch es gibt natürlich noch mehr Kriterien.

Cartier-Bresson wurde berühmt, weil er u.a. folgende Merkmale hatte:

  • er war oft an den Brennpunkten des Weltgeschehens – das ermöglichte hohes Interesse der Öffentlichkeit an den Motoven
  • er fotografierte oft das, was andere nicht fotografierten – das ermöglichte ungewöhnliche Blicke
  • er benutzte das Kleinbildformat und legte sich dabei auf die Leica fest – das war damals praktischer für unterwegs
  • er gestaltete seine Fotos nach der Geometrie der Malerei – das ermöglichte auch ästhetisch gute Fotos.

Beim Fotografieren selbst zeichnete sich Cartier-Bresson u.a. durch folgendes Vorgehen aus:

  • Diskretion,
  • keine entlarvenden oder verletzenden „unschönen“ Fotos und
  • echte Momente mit künstlerischem Aufbau (Geometrie).

Das Buch „Der Schnappschuss und sein Meister“ enthält einen weiteren Aspekt der Streetphotography, die Technik des Schnappschusses.

 

Was ist ein Schnappschuss?

Heute wird so getan als ob es auf die Fokussierungsgeschwindigkeit ankommt. Schnappschussfähigkeit wird eigentlich zunehmend nur noch als Auslösegeschwindigkeit verstanden.

Die Fotos von Cartier-Bresson sind aber nicht im superschnellen Schnappschussmodus gemacht worden, weil es den da noch nicht gab.

Und jetzt?

Ist ein schneller Autofokus eine gute Schnappschussfähigkeit?

Mitnichten.

Ein guter Schnappschuss ist ein geometrisch gestaltetes Fotos, welches eine Situation erfasst. Damit ist der schnelle Autofokus eine vielleicht wünschbare technische Eigenschaft, aber allein keinesfalls wesentlich für den Schnappschuss.

Seit dem Erscheinen von Henri Cartier-Bressons Scrapbook wissen wir, dass auch er mehr als ein Foto machte in einer Situation. Im Prinzip tat er das, was heute in der digitalen Zeit viel einfacher ist. Er machte eine Reihe von Aufnahmen und wählte die aus, die im am besten erschien. Da er aber nicht immer auswählen konnte, weil er unterwegs war und die nicht entwickelten Filmrollen wegschickte, gestaltete er schon bei der Aufnahme.

Das ist eigentlich die große Kunst.

Ich nenne dies heute Fineart-Streetphotography.

Es ist die feine Art der Strassenfotografie, die sich an klassischen Merkmalen orientiert – gerade auch heute in einer Zeit, in der alles möglich ist aber nicht alles dadurch besser wird.

Wie komme ich dahin und was muss ich dafür tun?

Sehr wichtig ist es, zu wissen, was man tut. Viele Menschen nehmen eine Kamera und knipsen los. Das reicht nicht. Man muss sich vorher im Kopf klar machen, was man will, damit man dann auch intuitiv vorgehen kann – wenn man es will.

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Was kann man mit der Fotografie alles machen? – Grafik: Michael Mahlke

Sie sehen oberhalb eine Grafik, die dies alles einmal systematisch darstellt. Es ist es wichtig, Entscheidungen zu treffen:

  • Wollen Sie ihre Fotos verkaufen? – Dann ist es wichtig so zu fotografieren wie der „Markt“ es gerade will
  • Wollen Sie mit ihren Fotos dokumentieren? – Dann ist es wichtig, auf Fotos Botschaften zu finden und entsprechende Situationen zu fotografieren.
  • Wollen Sie mit ihren Fotos experimentieren? – Dann ist es wichtig, zu wissen, welche Experimente es sein sollen, z.B. mit/ohne Bokeh, mit/ohne Zoompbjektiv etc.
  • Welche Motive wollen Sie fotografieren? – Das hat Einfluss auf die Kamerwahl, die Objektivwahl und die Art des Fotografierens
  • Welche Regeln sollen gelten? – Das ist wiederum wichtig für Fragen wie Veröffentlichung im Internet oder Verkaufen (z.B. die Einhaltung des Rechtes am eigenen Bild)

Es gibt noch mehr Fragen. Viele davon werden Ihnen erst einfallen, wenn Sie die Fragen hier beantwortet haben oder beantworten wollen.

 

Was kennzeichnet Fineart-Streetphotography?

Dafür gibt es in meinen Augen klare Kriterien, die ich herausgearbeitet habe. Diese gelten immer.

fineartstreet

Wer es schafft ohne Nacharbeit alle fünf Kriterien mit einem Foto zu erfüllen, der hat ein 5-Sterne-Foto gemacht, das beste Fineart-Strassenfotografie ist.

Das schafft man nicht immer und schon gar nicht jedes Mal. Aber oft reichen auch drei oder vier dieser Kriterien für ein gutes Fotos.

Und es ist vor allem eine dauernde Aufgabe.

 

Was kann ich tun, um besser zu werden?

Nun kommen wir zu drei praktischen Übungen, die mehr als einmal gemacht werden sollten. Dabei geht es um die Themen Sehen, Auswählen und Begegnung.

 

1. Loslassen und Blick schärfen im Strassencafe

Setzen Sie sich in ein Strassencafe und beobachten Sie ohne Kamera bewusst die Menschen, die vorbeigehen. Schauen Sie zu, was passiert. Das braucht seine Zeit.

Irgendwann werden Sie den Punkt erreicht haben an dem Sie sagen, das wäre aber ein gutes Foto geworden. In diesem Moment haben Sie es geschafft ihren Blick zu schärfen und ein Foto im Kopf entstehen zu lassen.

So vorzugehen kann aber dauern. Wichtig ist, keine Kamera mitzunehmen, mindestens eine Stunde dort zu sitzen und genau das zu tun, was ich gerade beschrieben habe. Wenn es nicht beim ersten Mal funktioniert wiederholen Sie es.

Und machen Sie nur Fotos im Kopf – ohne Kamera. Daraus werden dann die Merker, die sie nicht mehr loslassen, wenn Sie Glück haben.

 

2. Festlegen und Schaufenster fotografieren

Nehmen Sie eine Kamera mit einer Festbrennweite mit oder stellen Sie eine Zoomkamera auf eine Brennweite ein. Versuchen Sie, nur mit dieser Brennweite zu fotografieren. Fotografieren Sie nur Schaufenster aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Versuchen Sie ein Schaufenster mit 50 verschiedenen Fotos und Blickwinkeln aufzunehmen. Betrachten Sie dies alles zu Hause am PC und bewerten Sie die Fotos. Welche gefallen Ihnen am besten und warum – welche gefallen Ihnen nicht?

 

3. Üben vor Ort mit Inszenierung

Machen Sie sich einen schönen Tag mit einer Person, die gerne mitkommt und sich fotografieren läßt. Üben Sie mit dieser Person verschiedene Perspektiven auf der Strasse in der Stadt oder dort, wo Menschen sind und fotografiert werden darf. Dazu gehört das Freistellen und die Nichterkennbarkeit dritter Personen, dazu gehört der schnelle Schnappschuss beim Gehen, beim Eis essen, beim Schaufensterbummel, in der Strassenbahn etc.

Kontrollieren Sie zu Hause am PC, welche Fotos gut sind und welche nicht.

Dies sind die drei ersten Schritte, um sicher und erfolgreich im Umgang mit der Kamera zu werden und sich dem Thema konkret zu nähern in der Praxis.

So banal sich das anhört, so schwierig ist es tatsächlich.

 

Waren diese Gedanken jetzt „Geheimnisse“? Ich denke schon, weil dieses Wissen in dieser Form und auf die heutige Zeit umgemünzt so nirgendwo zu finden ist. Es wird versteckt oder es wird gar nicht entdeckt.

 

 

 

Hautnah Fotografieren – ein Praxiskurs zum Thema Freistellen und Tiefenschärfe als Lösung für das Recht am eigenen Bild

Wie kann man hautnah gute Fotos machen und dabei das Recht am eigenen Bild beachten?


Ich möchte an dieser Stelle zeigen, wie es geht. Dazu stellte sich freundlicherweise Herr Bernd Schiele, bekannt als Astromant, als Fotomodell zur Verfügung.

Wir gingen dorthin, wo immer etwas los ist: auf die Düsseldorfer Königsallee. Alle Fotos wurden mit einer Nikon D90 und dem Sigma 30mm/1.4 aufgenommen. Das Sigma hat umgerechnet auf Kleinbild ungefähr 50mm Brennweite und entspricht damit der normalen Wahrnehmung des menschlichen Auges. Es ist zudem im Bereich der klassischen Brennweiten für Reportage zwischen 35 und 50 mm angesiedelt.

Und schon ging es los. Wie man auf dem nachfolgenden Bild gut sehen kann, stehen wir mitten auf der Strasse an einem Hinweisschild auf das Museum Kunstpalast. An uns gehen Menschen vorbei und wie man unschwer rechts sehen kann, schaut ein Herr im dunklen Anzug mitten in die Kamera.

Er ist zwar sichtbar aber zugleich nicht erkennbar. Und dies, obwohl er nur ca. drei Meter entfernt an uns vorüber ging.

Und weiter geht es. Bei diesem Wetter sitzen natürlich sehr viele Menschen in den Strassencafes. So gingen wir ebenfalls dorthin und machten ein Foto von der Atmosphäre. Dieses Foto hat eigentlich alles, was juristisch wichtig und fotografisch wichtig ist.

Man beachte, dass wir nur gut zwei Meter von den ersten Tischen stehen und der Mann im Hintergrund, der weiß gekleidet über der Schulter sichtbar ist, voll in die Kamera schaut. Was sieht man? Man sieht die Szenen im Strassencafe mit zunehmender Unschärfe auf der linken Seite. Alle Personen sind sichtbar aber nicht erkennbar. Auf der rechten Seite sieht man den Strom von Fußgängern auf der Königsallee. Man kann die gesamte Stimmung gut einfangen und dabei zugleich durch diese Art der Freistellung und dem Spiel von Schärfentiefe und Tiefenschärfe wunderbare Fotos machen.

Nun änderten wir die Perspektive. Wir stellten uns vor ein Cafe und eine Gruppe sitzender Männer.

Auch hier sieht man, wie die gesamte Situation eingefangen werden kann und dabei dennoch die Schärfentiefe vor dem Recht am eigenen Bild schützt.

Damit komme ich abschließend zu dem wohl interessantesten Bild zu diesem Thema.

Sie sehen, dass links unten der Mann voll in die Kamera schaut. Parallel dazu schaut der Mann rechts mit dem gelben Hemd ebenfalls direkt in die Kamera. Man sieht es und dennoch sind beide nicht erkennbar. Trotzdem sieht man, dass wir zwischen Cafe und Fußweg stehen und uns mitten zwischen anderen Menschen befinden.

Es ist also jederzeit möglich, hautnah zwischen Menschen durch das Spiel mit Schärfentiefe und Freistellung gute Fotos zu machen und das Recht am eigenen Bild aller dort sich befindlichen Personen zu berücksichtigen.

Alle Fotos wurden mit Blende 1.4 aufgenommen. Um den Unterschied in der Blende noch einmal zu demonstrieren abschließend zwei Fotos, eines mit Blende 1.4 und eines mit Blende 6.3.

Hier mit Blende 1.4:

Und nun Blende 6.3:

Als letztes Fotos etwas ganz anderes. Hier ist alles andersrum. Das ist ein Spiel mit vielen optischen Pinseln.

Hier sehen Sie, dass nicht das Modell im Vordergrund scharf ist sondern seine Spiegelung im Werbefenster. Sie blicken zudem direkt auf das, was sie sonst gar nicht sehen können. Der dunkle Teil von dem Werbebild führt nämlich dazu, dass sie den Fotografen sehen (in diesem Fall mich) und mit abnehmender Schärfentiefe sich die Königsallee ebenfalls auf dem Foto wiederspiegelt. Und dabei werden wir beobachtet von all den Figuren, die auf dieser Werbung zu sehen sind. Dadurch entsteht ein Bild in dem Bild mit mehreren Ebenen und einem vollständigen Eigenleben. Wofür geworben wird, ist nicht sichtbar. Dafür der Gedanke „Be the Inspiration“ – Sei die Anregung.

In genau diesem Sinne will ich enden und hoffe, mit diesem kleinen Ausflug auf die Königsallee und dem Spiel mit der Schärfentiefe deutlich gemacht zu haben, wie man gut und sicher hautnah fotografieren kann.

Fineart Streetphotography – die feine Art der Strassenfotografie

einfaches Beispiel für Strassenfotografie – Foto: Michael Mahlke

Wenn man nicht nur fotografiert sondern auch über Fotografie schreibt, dann ist man immer wieder erstaunt, was diskutiert wird. In der Zeitschrift Photonews wurde nun in den letzten Ausgaben über Strassenfotografie geschrieben. Dabei kam in meinen Augen heraus, dass heute erlaubt ist, was gefällt. Dies bedeutet, die von mir hier oft diskutierten Kriterien für gute Strassenfotografie fallen samt und sonders weg. Daher will ich sie noch einmal nennen:

Masterplan Monochromes Fotografieren oder Lernen von Henri Cartier-Bresson

Foto: Michael Mahlke

Visuelle Grammatik

Wer die visuelle Grammatik kennenlernen will, der hat es mit klassischem Wissen zu tun. Und daher lohnt es sich, sich auch auf die Spuren prominenter Fotografen zu begeben, die in der analogen Zeit mit den damaligen Möglichkeiten Sucherfotografie nutzten und die visuelle Grammatik umsetzten. Was liegt da für mich näher als sich mit Henri Cartier-Bresson zu beschäftigen?

Es gibt für mich ganz handfeste Gründe:

  1. Heute kann man in Kameras vielfach eine monochromes JPG zusammen mit einem unbearbeiteten und damit „farbigen“ RAW speichern. So kann man hinterher auch noch vielfältig digital bearbeiten, wenn mann dies will.
  2. Ein guter Sucher ermöglicht die geometrische Gestaltung in jeder Lichtsituation so wie es der klassischen Geometrie entspricht.
  3. Wenn man schon im analogen Zeitalter geometrisch gestaltend auf den Spuren von Henri Cartier-Bresson fotografieren konnte, dann müsste dies doch im digitalen Zeitalter ebenfalls möglich sein. Und wenn man dies dann einübt, merkt man vielleicht, was Technik ist und was personengebunden ist. Und man merkt eventuell, dass nicht alles Technik ist – und genau da kann dann der eigene (fotografische) Weg anfangen…

Fuji X10 – die Versöhnung ist das Schönste

Fuji X10 und Fuji X100 – Foto: Michael Mahlke

Die zweite Chance der Fuji X10

Die zweite Chance ist meistens der beste Weg. Die Fuji X10 war für mich nach dem Abschied von der Leica CL die richtige Kamera – neben der Fuji X100 als Nachfolgerin meiner analogen Leica M, um als Träger einer Gleitsichtbrille die klassische Sucher-Fotografie digital ausüben zu können.

 

Nach der Trennung wegen der „weissen Scheiben“ habe ich nun eine Fuji X10 Kamera mit dem neuen Sensor knapp zwei Monate ausführlich getestet und kann heute meine Versöhnung bekanntgeben.

Fuji X10 und Fuji X100, die Spezialisten

Zusammen mit der Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich mit Abstand die am meisten und am liebsten genutzte Kamera. Einzige Ausnahme ist der schnelle Schnappschuss aus der Hosentasche und im Regen. Dazu gibt es andere Kameras und nun auch andere Handys.

Beide Kameras sind keine Kameras für alle Fälle sondern für ihre Fälle. Die Fuji X100 hat eine feste Brennweite und einen grossen Chip und ist mir daher so lieb. Die Fuji X10 ist im Bereich 28 bis ca. 112mm angesiedelt. Beide Kameras sind keine Hosentaschenkameras, sind keine Telekameras und keine Handschmeichler. Wer so etwas mag, sollte sich eine andere Kamera zulegen – wenn man es braucht.

Es gäbe viel zu schreiben über das Verhalten von Fuji. Aber ich glaube, dass unter dem Druck der Kunden durch das Internet letztlich die Dinge sich zum Besseren wendeten.

Der Umgang mit Fehlern ist entscheidend

Und wie immer im Leben sind Fehler entscheidend gewesen für die Erfahrungen, die dann zu Verbesserungen führten. Wenn es um technische Produkte geht, lernen Menschen offenbar eher aus Fehlern als bei den grossen sozialen und politischen Fragen. Darüber lohnt es sich auch nachzudenken…

Ebenso wie die Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich nun ein echtes Arbeitsinstrument geworden, wenn ich sicher gute Fotos machen will.

In der Praxis bewährt

Ausschlaggebend  für den Artikel heute war das fotografische Porträt eines sehr bekannten deutschen Beraters und Coach, Franz Jochen Schwarz.

Während der Sitzung stellten wir fest, wie störend die Geräusche des Auslösers der digitalen Spiegelreflexkamera waren und ich nahm die Fuji X10.

Die Kamera beflügelte nicht nur das Gespräch sondern wurde auch ein akzpetierter und stiller Begleiter, der geräuschlos richtig gute Fotos machte.

Und als Franz Jochen Schwarz mir auf einem Spaziergang die wunderschöne Landschaft rund um Bingen zeigte, da freute sich auch die Fuji X10 und fing diese schöne Natur ein.

Rochuskapelle mit der Fuji X10 aus RAF entwickelt mit PS als HDR – Foto: Michael Mahlke

So eignet sich Bingen – direkt gegenüber von Rüdesheim – als traumhaftes Ziel für einen kurzen Ausflug.

Der lukullische Geheimtipp

Und jetzt kommt noch ein Geheimtipp, den ich natürlich auch mit der Fuji festgehalten habe. Es gibt ein wunderbares Ess- und Weinlokal in direkter Nähe, das man zu Fuß oder mit dem Auto erreichen kann, das Weinlokal-Bingium.

Foto: Michael Mahlke

Gemütlich sitzen, herrlicher Ausblick, drinnen und draussen, und dabei gut Essen und Trinken. Das haben wir hier angetroffen.

Foto: Michael Mahlke

So trug die Fuji X10 im zweiten Anlauf dazu bei, Freude zu schaffen und neue schöne Dinge zu entdecken.

Nachtrag:

Nun ist mehr als ein Jahr vergangen seit der Artikel geschrieben wurde. Mittlerweile ist schon die X20 auf dem Markt. Aus meiner Sicht zeigt sich nun, dass die Fuji X10 mit dem veränderten Sensor eine besondere Kamera bleiben wird. Denn dieser Sensor ist aus der Praxis heraus digital „geschmiedet“ worden.

Die Kamera wird nicht mehr produziert, der veränderte Sensor ist wohl ein einzigartiges Praxisprodukt in der Kamerageschichte und die Kameras mit diesem Sensor machen erstklassige Fotos. Die X20 macht auch erstklassige Fotos aber wieder anders. So bleibt die X10 ein Fotoapparat, der noch viele Jahre gute Fotos macht und es ist eine digitale Pionierarbeit.

Die im Dunkeln sieht man nicht – ist Dokumentarfotografie ein Geschäftsmodell?

Das Ende der Dokumentarfotografie – Foto: Michael Mahlke

Eine gedankliche Reise

Verlierer

Soziale Dokumentarfotografie ist eigentlich Verliererfotografie, denn es sind nicht die Schönen und Reichen, die als Thema dienen, sondern die Namenlosen und sonst Unsichtbaren, also wir, die wir nicht im Rampenlicht stehen oder wirtschaftliche/politische Macht haben.

Und wollen wir unsere Verhältnisse sehen oder lieber die Schönen und die Reichen?

Aus der Antwort auf die Frage ergeben sich die fotografischen Folgen. Kritisches Medienbewusstsein, demokratisches Denken, politisches Engagement und vieles mehr werden ja zunehmend weniger.

Der Fall der Fuji X10 – oder von der Leica CL zur Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Die Leica CL war meine Lieblingskamera von Leica. Sie hatte für mich die richtige Größe und Griffigkeit und ich habe viele Jahre gehofft, dass es einen digitalen Nachfolger gibt. Mir gefällt die Leica CL immer noch. Aber Leben heisst nun mal Veränderung. Mittlerweile habe ich meine Leica CL in die guten Hände eines Analogfotografen abgegeben und hoffe, dass er ebenso viel Freude damit hat wie ich sie hatte.

Ich habe mit der Fuji X10 nun meinen persönlichen Nachfolger für die Leica CL gefunden nachdem die Probleme am Sensor (WDS) in den neu produzierten Kameras behoben worden sind. Da ich der Fuji X10 zunächst eher kritisch gegenüberstand, habe ich sie aus meiner Sicht auf Herz und Nieren in der Praxis geprüft und möchte nun meine praktischen Erfahrungen hier niederschreiben.

Bildqualität – Kleinbild gegen 2/3 Sensor der Fuji X10

Die Leica CL war eine Kleinbildkamera, so wie alle Filmkameras Kleinbildkameras (= Vollformat digital) waren. Und sie war robust und hatte einen optischen Sucher.  Die Fuji X10 hat einen 2/3 Sensor.

Aber ehrlich gesagt entspricht für mich die digitale Bildqualität  der Qualität der früheren Kleinbildfilme. Und durch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung sind für mich mit dieser Kamera problemlos Ausdrucke bis A4 oder A3 möglich. Abgesehen davon bin ich persönlich nicht mehr ein bedingungsloser Verfechter des Vollformates/Kleinbildformat. Mir gefallen Fotos mit APS-C Größe oder MFT ebenso gut und nun ist der 2/3 Sensor gut genug, um das zu leisten, was er soll: beherrschbar gute Fotos zu machen auch bei schlechterem Licht.

Und bei einer kompakteren Kamera ist der 2/3 Sensor eigentlich die Antwort auf die meisten Probleme der 1/2,3 Sensoren. Was die 1/1,7 Sensoren nur teilweise lösten (wie z.B. Probleme der Detailtreue bei höheren ISO), hat zumindest Fuji mit dem EXR-Sensor in meinen Augen gut gelöst, nachdem das Problem der weissen Scheiben durch neue Sensoren gelöst worden ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an den Artikel „Wieviel Pixel braucht der Mensch?“.

Davon abgesehen stört mich persönlich etwas Rauschen nicht. Mich stört viel mehr der Verlust von Details in eher konstrastarmen Bereichen oder Unschärfe in scharf fokussierten Bereichen.

Messsucher gegen optischen Sucher

Der Messsucher der Leica CL  ermöglicht das Scharfstellen innerhalb des Suchers. Das ging mehr oder weniger genau aber es ging meistens ganz gut. Bei der Fuji X10 war ich skeptisch, weil in dem Sucher keine Anzeige ist und die Scharfstellung durch eine kleine LED rechts daneben erfolgt. Ich fokussiere einfach mittig und muss sagen, wenn die kleine LED grün wird, dann werden die Fotos auch scharf. (Aber: die Fuji X10 ist keine X100 mit dem großartigen Sucher. Nur ist die X100 einfach wesentlich größer und nicht so flexibel wie die X10.)

Geschwindigkeit

Mit der Leica CL war Fotografieren so wie man es analog kennt. Am Objektiv vorne fokussieren bis es im Messucher scharf ist (mit dem Schnittbildentferungsmesser), dann fotografieren und danach den Film weiterziehen. Bei der Fuji X10 ist es anders. Ich habe das Gefühl einen enorm schnellen und treffsicheren Autofokus zu haben, also einfach gucken, drücken und schon wieder gucken und drücken. Das Speichern in RAW und JPG geht sehr schnell und im Serienbildmodus natürlich noch schneller.

Foto: Michael Mahlke

 

Handling und Griffigkeit

Wie bei der Leica CL kann man auch bei der Fuji X10 so ziemlich alles von Hand einstellen an den aussen sichtbaren Rädchen. Das geschieht sehr schnell. Bei der Fuji X10 führt das Drehen des Objektives dazu, dass die Kamera eingeschaltet wird und die Kamera bereit ist. Die Fuji X10 ist etwas kleiner als die Leica CL.

Sie liegt gut in meinen Händen. Zudem kann man sie mit beiden Händen auch anfassen – so fotografiere ich am liebsten – und das Gehäuse ist nicht so dick. Bei so gut wie allen anderen digitalen Kameras in dieser Größe war es immer so, dass das Objektiv so weit auf der linken Seite war, dass meine linke Hand als zweite Hand nicht richtig zupacken konnte. Das hat Fuji geändert, so dass auch hier dasselbe Handling möglich ist wie bei meiner Leica CL.

Foto: Michael Mahlke

 

Weitere Vorteile der Fuji

Die Fuji X10 löst bei mir nicht nur die Leica CL aus den bisher genannten Gründen ab sondern hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. Und das hängt einfach mit der digitalen Welt zusammen. Die Fuji X10 hat den Monitor und man kann entweder den Monitor zum Fotografieren nutzen oder man kann direkt nach dem Fotografieren die Bilder anschauen.

Sie hat die eingebauten Filmsimulationen und sie hat den EXR-Sensor. Da reichen dann auch 5 bis 6 Megapixel im EXR-Modus, um in speziellen schlechten Lichtsituationen noch Bilder zu machen, die so mit einem analogen Film kaum möglich gewesen wären.

Darüber hinaus gibt es für mich persönlich noch andere Gründe, um die Fuji X10 als vollwertigen Ersatz für die Leica CL zu sehen.

Der wichtigste Grund ist: es macht mir endlich wieder so viel Spaß zu fotografieren wie ich mit der Leica CL hatte.

Für mich hat das Fotografieren auch viel mit dem Gefühl der Richtungsgebung zu tun, welches ich durch das doppelseitige Anpacken und den Sucher habe. Hinzu kommt, dass ich als Brillenträger mich bisher bei digitalen Kameras ausser bei DSLRs weitgehend vernachlässigt fühlte, weil der Monitor mir bei kritischen Situationen nie das Gefühl gab, sicher zielen und treffen zu können.

Und es hat etwas mit dem – aus meiner Sicht – sehr treffsicheren Autofokus zu tun. Ich habe bisher kaum unscharfe oder falsch fokussierte Fotos mit der Fuji X10 gehabt.

Ich glaube, dass die Fuji X10 eine gute Antwort auf die Anforderungen der klassischen Strassenfotografie des 21. Jahrhunderts ist. Sie ist darüber hinaus auch eine Antwort auf die Frage nach einer kleinen und guten Reportagekamera. Als Familienkamera würde ich sie nicht unbedingt nutzen.

Und sie vermittelt in einer aus den Fugen geratenen Welt den Eindruck, dass nicht alles, was früher gut war, heute automatisch schlecht ist, sondern dass das wirklich Gute eben nicht nur neu sondern auch gut ist und dabei das Bewährte sinnvoll um das Neue erweitert wird.

Konrad Lorenz schildert – wenn ich mich richtig erinnere –  in seinem Buch „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ wie schwer es ihm fiel, etwas Altes abzugeben, weil es ein Stück von ihm selbst wurde und wie lange es gedauert hat, bis etwas Neues den Platz einnehmen konnte.

So war auch bei mir die Suche nach einer neuen Kamera lange Zeit nicht zufriedenstellend. Abgesehen davon spielt – zumindest bei mir – auch Geld eine Rolle, denn eine teure Kamera, die so teuer  und evtl. persönlich wertvoll ist, dass sie gehütet wird wie ein Schatz, wäre für mich emotional und finanziell inakzeptabel.

Eine Kamera ist ja kein Liebesersatz sondern ein fotografisches Instrument. Und auch da zeigt Fuji mit der X10, dass eine gute Kamera für den fotografischen Alltag (wie ich ihn verstehe) zu einem akzeptablen Preis auf den Markt kommen kann.

In diesem Sinne „Tschüss Leica“ und „Hallo Fuji“!

Nachtrag am 22.07.2012:

Ich habe die erste Kamera, die auf den Fotos zu sehen ist, zurückgegeben und mir einige Monate später eine neue Fuji X10 mit einem fehlerbereinigten Sensor gekauft. Das Ergebnis ist nun überzeugend für mich. Sie finden es hier. Aber die Kommunikation der Firma Fuji mit ihren Kunden beim Problem der WDS, die ich erlebt habe, hat mich sehr enttäuscht.

Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass es nur der weltweiten Nutzung von Social Media über Monate zu verdanken ist, dass dieses Problem überhaupt gelöst wurde.

Ich traue jetzt der Kamera, weil sie einigermassen ausgereift erscheint. Aber insgesamt bin ich nach den Erfahrungen mit Fuji sehr zurückhaltend geworden und werde mir zukünftig erst Kameras kaufen, wenn sie mindestens ein Jahr auf dem Markt sind.

Text Version 1.4

Fotografieren auf Demonstrationen – ein Praxiskurs über die politische Bildreportage

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

In unserer Demokratie sind Demonstrationen wichtig. Auf einer Demonstration treten Menschen mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit (demonstrare lat. = zeigen). Es gibt in Deutschland viele kleine und grosse Demonstrationen: Menschen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, Menschen mit politischen Zielen, Menschen mit humanitären Anliegen etc.

In diesem fotografischen Praxiskurs geht es um die Frage, wie man auf einer Demonstration so fotografiert, dass das Thema sachgerecht in einer journalistischen Fotoreportage im Internet oder als Bildberichterstattung online und offline dargestellt wird.

Dieser Text besteht aus drei Teilen:

  1. Informative Fotografie und Bildaussagen
  2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte
  3. In Farbe oder in Schwarzweiss und die Frage der Darstellung

Neben den fotografischen Fragen kommt es vor Ort im Gespräch auf Freundlichkeit, Sachlichkeit und den gesunden Menschenverstand an. Die Demonstranten wollen ja in der Regel, dass ihr Thema Aufmerksamkeit erzielt und inhaltlich auch wahrgenommen und weitergetragen wird.

Der Zufall als Motiv – ein Praxiskurs zur Strassenfotografie und das Recht am eigenen Bild


Kann man in Deutschland noch Streetphotography bzw. Strassenfotografie machen, seitdem das Recht am eigenen Bild so stark betont wird? Man kann, aber man muß sich als Fotograf anstrengen.  In diesem Artikel geht es um die Fotopraxis im Bereich Streetpix mit eigenen Beispielen.

1. Beispiel

Das erste Beispiel ist das Foto  mit den beiden Puppen, die sich die Hand reichen. Fotografisch interessant wird das Foto, weil sich direkt im Hintergrund zwischen den beiden Puppen ein Ehepaar auch die Hand reicht. Dieser Moment dauert natürlich nur zwei Sekunden. Danach ist das Bild so nie mehr möglich.

Alt ist neu: Gedanken zur Strassenfotografie

Die Neuerfindung der Strassenfotografie im Zeitalter der Digitalkamera und Web 2 bis 3

Dimensionen eines Begriffes

Die Strassenphotographie oder Strassenfotografie oder Straßenfotografie oder Streetfotografie oder Streetphotography – wie sie auch immer heissen mag – , ist die bekannteste Form der Schnappschussfotografie. Sie ist eine Untermenge der Dokumentarfotografie.

Geschichte

Nicht umsonst heisst ein Buch auch „Der Schnappschuss und sein Meister“ und beschreibt Leben und Werk von Henri Cartier-Bresson.

Cartier-Bresson wurde berühmt, weil er u.a. folgende Merkmale hatte:

  • er war oft an den Brennpunkten des Weltgeschehens,
  • er fotografierte immer das, was andere nicht fotografierten,
  • er benutzte das Kleinbildformat und legte sich dabei auf die Leica fest und
  • er gestaltete seine Fotos nach der Geometrie der Malerei.

Was nun die Leica angeht, so wird er immer mit der Leica M in Verbindung gebracht. Dies stimmt nur bedingt. Es beruht darauf, dass er das Kleinbildformat als Bildgrösse am liebsten hatte, weil es auch seiner Art zu sehen entsprach. Denn Cartier-Bresson hatte u.a. Malerei studiert.

Aber als es die Minilux gab, die auch das Kleinbildformat nutzte, benutzte er die Minilux. Seitdem streitet die Gemeinde, ob er die Minilux gebraucht hat, weil er schon älter war oder weil sie bequemer und schneller war. Dabei geht es natürlich auch um die Frage der Messsuchertechnik. Gegen das Argument des Alters und der Messsuchertechnik spricht, dass er in dem Buch „Faceless“, welches ihn selbst auf Fotos zeigt, die Minilux zum Fotografieren nutzte. Die Minilux hatte keinen Messsucher.

Cartier-Bresson spielt bei der Frage der Strassenfotografie also eine Rolle. Da ich Cartier-Bresson sehr mag, habe ich mich mit seinem Werk sehr befasst. Mir haben dabei einige Filme weitergeholfen, in denen er demonstrierte, wie er seine Schnappschüsse erstellte.

Gegenwart

Diese Zeilen schreibe ich aber, weil mir mittlerweile aufgefallen ist, dass die Strassenfotografie von heute sich völlig anders darstellt.

Merkmale von Cartier-Bresson waren

  • Diskretion,
  • keine entlarvenden oder verletzenden „unschönen“ Fotos und
  • künstlerischer Aufbau (Geometrie).

Wer heute durch youtube und andere Videoportale streift, der sieht, dass dort einige Filme zu diesem Thema zu finden sind.

Mir fällt dabei auf, dass dort von den Merkmalen eines Cartier-Bresson wenig bis nichts zu finden ist. Die meisten benutzen zwar noch eine Leica, aber der Rest ist eher eine Art Versuch, Fotos um jeden Preis auf der Strasse zu schiessen.

Abgesehen von den ganzen juristischen Problemen bei dem Fotografieren von Personen, ist die Diskretion dabei verschwunden. Elliott Erwitt hat mal davon gesprochen, dass die Situationen dich „beissen“ – d.h. sie kommen zu dir. Dies fehlt heute vielfach fast völlig, wenn man sich anschaut, was da als Strassenfotografie veröffentlicht wird.

Und heute?

Aber man muß natürlich im Zeitalter der Digitalkamera auch darüber sprechen, welche Kameras sinnvoll sind.

Orientiert man sich an Cartier-Bresson, dann ist es das Kleinbildformat.

Dies würde bedeuten, dass man eine EOS 5D bzw. Mark 2, eine Nikon D700 oder D3s, eine Leica M9 oder eine ähnliche Kamera nehmen würde.

In meinen Augen ist das Kleinbildformat für Strassenfotografie durch die MFT-Sensoren und die APS-C Sensoren mehr als gut abgelöst worden, weil es mittlerweile genügend hochwertige und lichtstarke Objektive gibt, die ebenso gute Ergebnisse erzielen.

Orientiert man sich an der Diskretion, dann wäre es heute eine Digitalkamera mit kaum hörbarem oder komplett abschaltbarem Auslösegeräusch.

Orientiert man sich an der Schnappschussfähigkeit, dann können es nur Digitalkameras sein, die einen echten Schnappschussmodus haben.

Aber selbst darüber kann man geteilter Meinung sein. Die Fotos von Cartier-Bresson sind ja nicht im superschnellen Schnappschussmodus gemacht worden, weil es den da noch nicht gab.

Ist ein schneller Autofokus eine gute Schnappschussfähigkeit? Mitnichten.

Ein guter Schnappschuss ist ein geometrisch gestaltetes Fotos, welches eine Situation erfasst. Damit ist der schnelle Autofokus eine vielleicht wünschbare technische Eigenschaft, aber allein keinesfalls wesentlich für den Schnappschuss.

Orientiert man sich an der Art der Darstellung des Suchers, dann wird oft diskutiert, ob der Sucher oder ein Display besser ist. Nachdem ich in der Vergangenheit eher dem Display zugeneigt war, haben mich nun einige Jahre Erfahrung wieder zum grossen optischen Sucher zurückgebracht.

Die Displays sind weder technisch in der Lage, bei allen Lichtverhältnissen optimal zu sein, noch sind sie unauffällig.

Ein guter optischer Sucher ist eine sichere und fotografisch praktische und gute Lösung. Daher sollte ein Sucher in keiner guten Digitalkamera fehlen.

Die Grössenverhältnisse einiger Kameras aus diesem Orientierungsraum sind sicherlich auch interessant: Leica M6 – 77x138x38 – 560g ohne Objektiv, Canon EOS 5D – 152x113x75 – 810g ohne Objektiv, Nikon D700 – 147x123x77 – 955 ohne Objektiv, Ricoh GX200 – 58x112x25 – 210g mit Objektiv.

Wobei mir Grösse ein unzureichendes Argument zu sein scheint. So ist z.B. die digitale Lumix DMC-L1, auch bekannt als Leica Digilux 3, eine Kamera, die etwas größer ist und ein dickeres Objektiv hat. Ja natürlich ist dies so, weil die Lumix ein erstklassiges Leica-Zoomobjektiv hat, während an der M8.2 eine Festbrennweite ist. Diese sind immer viel kleiner. Wäre an der M9 ein Zoomobjektiv wie das Tri-Elmar, wäre sie ebenfalls viel größer.

Dennoch sind natürlich die praktischsten Kameras die kleinen Digitalkameras.

Im Prinzip ist es so: kleine Kamera mit einem guten eingebauten (optischen?) Sucher und großem lichtstarkem Chip sowie lichtstarker Optik, geräuschlos und gut zu halten und relativ schnell mit Raw.

Fazit

Aber dies alles ist natürlich Geschmackssache. Fest steht auch, dass die Strassenfotografie im digitalen Zeitalter neue Möglichkeiten bietet.

Nicht alles, was früher war, ist schlecht und nicht alles, was heute ist, ist gut. Insofern sollte man durch Abwägen die Strassenfotografie von heute neu kombinieren und gestalten.

Ich plädiere aktuell für die Geometrie eines Cartier-Bresson mit der Technik einer Ricoh und dem Sucher einer Fuji und es muß kein Vollformat sein.

Hinzu kommt damit auch abschließend die Chance, Strassenfotografie weiter zu demokratisieren.

Die Zeit des Ruhmes eines Cartier-Bresson ist für Schnappschussfotografen vorbei. Damit Geld verdienen zu wollen, ist ebenso schwierig. Aber jetzt kann man für kleines Geld viele gute Fotos machen und diese fast kostenlos im Internet verbreiten.

Das Problem im Internet ist nur, dass die Masse an digitalen Inhalten gar nicht mehr überschaubar ist. Doch das ist wiederum nicht von der Strassenfotografie zu lösen. Immerhin kommt so die Strasse ins Internet und zugleich das Internet auf die Strasse….

Na ja, wie auch immer.

Dieser Artikel ist schon vor Jahren geschrieben worden. Bis auf die neuen Kameras mußte ich am Inhalt nichts ändern, weil der Mensch und seine Sehtechnik gleich geblieben sind. Das ist dann der Unterschied zwischen Magazinartikel und tagesaktuellem Zeitungsartikel und dies dann auch noch online.

Abschließen möchte ich mit einem Hinweis auf das Foto. Es zeigt einen sympathischen Herrn, der ein guter Bekannter von mir ist. Er benutzt eine schon ziemlich alte kleine Canon Digitalkamera. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass die Kamera ein Gummi hat. Da an dem eingebauten Blitz die Feststellung kaputt ist, wird dies mit einem Gummi erledigt.

Der ältere Herr fotografiert leidenschaftlich gern mit dieser Kamera (und ihrem kleinen optischen Sucher), die ansonsten fast unkaputtbar erscheint und denkt vorläufig gar nicht daran, sich eine neue Kamera zu kaufen. Und er benutzt parallel als analoge Kamera eine Leica, aber keine M sondern eine Minilux. Soweit zum Thema Straßenfotografie in der Praxis und der Relativität der eigenen Ansichten.

Ich hoffe, Sie hatten Spass beim Lesen und haben anregende Gedanken erhalten.