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Smarter fotografieren ohne Smartphone und mit Sucher

Kunstpause - Foto Michael Mahlke

Kunstpause – Foto Michael Mahlke

Aktuell werden ca. 80% aller Fotos mit Smartphones und 20% mit Digitalkameras aufgenommen. Die Smartphonefotos sind Fotos, die Teil der visuellen Kommunikation sind. Es sind nicht die Fotos, die nur mit speziellen Digitalkameras aufgenommen werden können.

Und es fehlt der Sucher.

Ich habe diesen Sommer viel mit elektronischen Suchern in Digitalkameras fotografiert. Sobald die Sonne blendete und ich den Monitor kaum noch erkennen konnte wechselte ich auf den Sucher und konnte darin fast genauso wenig sehen, weil er nicht richtig abgeschottet war. Nur wenn ich die Hand schützend über den Sucher legte hatte ich klare Sicht.

Das war bei optischen Suchern besser und so wurde mir klar, daß das Neue nur neu ist aber nicht unbedingt auch besser.

Das ist eben auch so eine 80:20 Regel. In 80% Prozent aller fotografischen Situationen sind die neuen elektronischen Sucher ok, aber in den entscheidenden 20% aller Situationen ist der optische Sucher besser wie z.B. starke Sonne, viele verschiedene Lichtquellen oder maximale Unauffälligkeit.

Daher bin ich ganz froh, daß ich noch ältere Digitalkameras nutzen kann wie die Fuji X10.

Damit bin ich aber raus aus dem Rennen zum Thema neuste Technik und drin im Thema wie fotografiere ich authentisch?

Stattdessen bin ich immer up to date, wenn ich smart berichte über zeitlos gute Dinge. Zeitlos bedeutet, es sind Fotos und Themen, die authentisch aus ihrer Zeit berichten oder heute brennen aber nicht unbedingt prominent waren. Zeitlos gut sind z.B. die Fotos von Friedrich Seidenstücker.

Daher erscheinen hier eher wenig Artikel über neuste Technik, dafür aber aktuelle Artikel über gute alte oder neue Fotografie in sozialen Zusammenhängen.

Auf der Photokina dieses Jahr hatte ich ein sehr intensives Gespräch mit einem kompetenten Mann, dem ich sagte, daß ich nicht verstehe, wieso mir Kamerahersteller nie langfristig Kameras zur Verfügung stellen sondern lieber über ihre PR-Agenturen Frauenblogs oder reine Technikblogs unterstützen und dort auch werben. Es gab eine Zeit, da hat es mich sehr frustriert, daß ich hier alles privat bezahlen muß. Der Mann lachte und sagte zu mir: „Ich kenne ihre Blogs und die stehen für sich voller Kompetenz, Authentizität und Engagement. Wollen Sie sich wirklich davon abhängig machen, daß man Ihnen für sechs Monate eine Kameraausrüstung für 2000 oder 3000 Euro zur Verfügung stellt und Sie dann gezwungen sind, ihre ganze Arbeitsweise davon abhängig zu machen? Und was haben Sie denn letztlich davon außer Abhängigkeit ohne echte Gegenleistung?“

Diese Worte taten mir richtig gut und das war die Befreiung. Der Mann hatte so was von Recht, daß ich ihm mit diesen Zeilen noch einmal unbekannterweise danken möchte – zumal hier im Schnitt täglich gut 5000 echte Besucher auf den Fotoblogs lesen.

Und nun?

Fotografieren nach dem Weltuntergang in unserer Endzeit kann für mich bedeuten, das Humanistische in trostlosen Zeiten festzuhalten.

Es gibt ja keine Alternative dazu, weil die eigene biologische Lebenszeit klare Grenzen setzt und die politischen Bedingungen aktuell sozial nur Unsicherheit schüren.

So ist dieser Artikel eine Skizze wie auf einem Blatt Papier, die dazu dient, einen Blick darauf zu werfen und sich dann zu entscheiden ob, ob hier oder ob nicht…

Sucherfotografie ist intensiver

Es hat eigentlich 5 Jahre gebraucht bis ich diesen Satz formulieren konnte.

Ich fühlte mich immer mehr zum Sucher hingezogen.

Erst war es der meditative Moment und dann wurde mir irgendwann klar, daß die Verdichtung eine Intensität in der Wahrnehmung herbeiführt, die viel stärker ist als bei einem Monitor.

Das ist das Geheimnis, das ist mein Erleben und das ist meine Wahrheit.

Mit dem Sucher sucht man besser.

Mit dem Sucher fotografiert man intensiver.

Mit dem Sucher spürt man das Fotografieren als Teil der eigenen Lebenszeit.

 

 

Der Sucher in der Fotografie zwischen Auslaufmodell und Auswahlinstrument

Ohne Sucher geht es nicht, wenn man klassisch Streetfotos machen will. Das ist nicht nur meine Meinung sondern das ist die Erfahrung vieler Generationen von Fotografinnen und Fotografen.

Aber gilt dies noch im Zeitalter von Smartphones und Tablets?

Wir wissen heute, daß man auch ohne Sucher fotografieren kann.

Somit haben sich die Möglichkeiten zu fotografieren erweitert.

Aber fest steht auch, daß in diesem Fall die Erweiterung der Möglichkeiten nicht zu einer automatischen Verbesserung führt.

Sucherfotografie ist intensiver und gestaltender.

Der Blick durch den Sucher holt die Auswahl des Blicks direkt und ohne Ablenkung in das Bewusstsein.

Probieren Sie es einfach aus.

  • Wenn Sie ein Smartphone vor sich halten und damit etwas tun, dann nehmen Sie sehr viel vom Umfeld wahr.
  • Wenn Sie den Sucher ans Auge holen verdichtet sich alles im Kopf und das Auge gestaltet anders.

Mit dem Sucher wählen sie anders aus und mit dem Sucher erleben Sie eine Situation anders als mit dem Smartphone oder einer sucherlosen Kamera.

Insofern ist der Sucher eine besondere Möglichkeit sich einer Situation fotografisch zu nähern.

Die Mehrzahl der Menschen heute nutzt den Sucher nicht mehr sondern fotografiert mit einem Bildschirm als Sucherersatz.

Das ändert aber nichts daran, daß Sucherfotografie eine feine Art ist, um fotografisch aktiv und gestaltend zu sein.

Aus meiner Sicht ist der Sucher auch das beste Auswahlinstrument für die selbstbestimmte Auswahl des richtigen Bildausschnitts.

Egal was die PR sagt.

 

Die Fuji X10 in der Dämmerung im EXR-Modus

Wenn der Herbst beginnt und die Blätter fallen, dann zeigt sich bei den Kameras, was sie zu leisten vermögen. Denn das Dämmerlicht, die schwierigen Übergänge und die vielen unterschiedlichen Lichtquellen fordern die Chips und die Optiken der Kameras ganz schön heraus.

Und deshalb nahm ich die Fuji X10 als Sucherkamera und Reportagekamera mit und besuchte die Vaillant Nacht der Kultur in Remscheid. Der Mond war noch nicht ganz voll, der Himmel war wolkenlos, es war sehr kalt und sehr windig und die blaue Stunde hatte schon begonnen. Vor allem aber war an diesem Abend auch eine Mischung aus verschiedenen Lichtarten zu sehen und das erhöhte ja die Anforderungen an die Kamera.

Da die Kamera nun den modifizierten Sensor hat und einige Firmware Updates von Fuji aufgespielt worden waren, machte ich etwas ganz einfaches. Ich wählte den Bildausschnitt und stellte die Kamera auf den EXR-Modus.

So entstanden Reportagefotos als Produkte einer Kombination von Mensch und Maschine.

Damit zu einigen Fotos, die zeigen sollen, was daraus entstanden ist. Alle Fotos sind unbearbeitet bis auf die Größenänderung.

Hier fing die blaue Stunde gerade an. Man sieht, dass das Problem der „weissen Scheiben“ gelöst wurde.

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Ein paar Minuten später wird die blaue Stunde schon deutlicher und die Lichtmischungen nehmen zu, links das Telekom-„Lilarot“ und rechts die roten Lampen:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Hier dominieren dann eindeutig die roten Farbtöne und verleihen dem Ganzen etwas Surreales:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Doch schon eine Strasse weiter wechselte die Farbe. Grün war angesagt und lud in das städtische Bibliotheks-  und Kommunikationszentrum ein:

Fuji X10 EXR – Foto: Michael Mahlke

Und um den Unterschied zwischen EXR-Modus und P-Modus zu zeigen folgt nun ein Bild im P-Modus, also mit etwas weniger Dynamik, dafür aber mit 12MP statt 6MP Auflösung im Original:

Fuji X10 P – Foto: Michael Mahlke

Das Foto wurde etwas später aufgenommen als das Foto vorher.

Abschließend noch ein Vergleichsfoto. Beide um 18.44 Uhr Ortszeit aufgenommen. Man sieht sehr genau wie die Kamera die Lichtführung verändert, wenn vom P-Modus in den EXR-Modus gewechselt wird.

Wenn Sie auf das Foto klicken wird es größer. Da jeder Monitor anders kalibriert ist oder gar nicht ändert sich auch die Farbdarstellung. Aufgenommen sind die Fotos im sRGB-Modus. Achten Sie auch auf das Verhältnis der Lichter. Schauen Sie einmal auf das Kunstlicht, das in den Türen zu sehen ist im Verhältnis zum Licht, das draussen am Teo-Otto-Theater zu sehen ist.

Fazit:

Die Fuji X10 hat meine Erwartungen voll erfüllt. Sie war treffsicher, hat schnell fokussiert und die Kamera hatte überhaupt keine Probleme bei Dämmerlicht.

Da ich sie als Sucherkamera nutze, hat sie noch einen zusätzlichen Vorteil. Weil der Monitor nur im Infomodus ist und daher nur Daten zeigt und kein Livebild, hält bei mir ein Akku  ca. 500 Fotos. Selbst bei der Kälte hatte ich keine Probleme. Wenn allerdings der Monitor zum Fotografieren genutzt wird, ändert sich dies.

Die Fuji X10 ist ein echter kleiner Glücksfall unter den Sucherkameras geworden und sie ist für professionelle journalistische Tätigkeiten einsetzbar.

Nachtrag 2014:

Seit dem Erscheinen der X20 fragen sich viele, ob sie sich noch eine X10 kaufen sollen.

Der X-Trans Sensor in der X20 ist anders als der EXR-Sensor in der X10.

Eine sachlich gute Diskussion, die beim Beurteilen hilft, findet sich hier.

 

 

 

Der Sucher der Fuji X10 zwischen Marketing und Langzeittest

Ich war schon überrascht, unter der Überschrift „Gernegroß-Kamera mit Retro-Chic“ folgendes zu lesen: „Der optische Sucher der X10 hilft bei der Bildkomposition, wenn das Kameradisplay zum Beispiel im gleißenden Sonnenlicht schlecht zu erkennen ist. Allerdings hilft das Sucherbild eben nur bei der ungefähren Komposition. Im Sucher ist nicht zu erkennen, welche Bildbereiche fokussiert sind, welche Werte für Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit gewählt wurden und ob diese Kombination bei den aktuellen Lichtverhältnissen eine ausreichend belichtete Aufnahme produziert.“

So schlecht hatte ich mir den Sucher nicht vorgestellt. Da ist ja im Prinzip dasselbe wie die Einfachsucher bei den kleinen digitalen Kompaktkameras. Leider ist die Kamera ja noch gar nicht auf dem Markt, so dass der Spiegel sicherlich eine spezielle Quelle hatte, um die Kamera zu testen.

Aus der Werbeseite von Fuji selbst geht dies leider so nicht hervor. Damit ist die Hoffnung, eine echte Sucherkamera zu bekommen, geplatzt und der Unterschied beim Sucher zwischen Canon A1200, G12 oder Nikon P7000 und der Fuji X10 nur rein in der Größe und im Blickfeld zu finden.

Der Sucher scheint noch nicht einmal einen Markierungspunkt in der Mitte zu haben und man sieht das Objektiv.

In einem anderen Test sagt der Autor unumwunden, dass er bei der X100 lieber den Sucher benutzt und bei der X10 lieber das Display (!), weil der Sucher der X10 nur über eine grüne und eine orange LED Auskunft über Autofokus etc. gibt.

Nach einer anderen Auskunft gibt es sogar nur einen Ton, der den Autofokus an“zeigt“ und die Kamera hat eine extrem langsame Schreibgeschwindigkeit. – Puuuh!

Die Fuji-Guys haben informiert, dass es nur eine LED gibt, die blinkt, wenn der Fokus nicht stimmt.

Wenn Fuji echt nur den Einfachstsucher vieler Kamerahersteller der Vergangenheit vergrößert hat, dann ist meine Hoffnung bei der X100 steckengeblieben. Abgesehen davon verstehe ich nicht, wieso nicht wenigstens ein Weitwinkel von 24mm die Anfangsbrennweite ist. So hat die Kamera schon zwei Stolpersteine, bevor sie ins Rennen geschickt wird.

Aber man kann es auch gelassener sehen.

So argumentiert ein User hunz auf dpreview, dass der Sensor sowieso so klein ist, dass eigentlich immer alles scharf abgebildet wird, egal worauf man scharfstellt. Immerhin hätte der 2/3 Sensor nur 24 % der Fläche eines MFT-Sensors, nur 15,5 % der Fläche eines APS-C Sensors und nur 6,7 % der Fläche eines Vollformat-Kleinbildsensors.

Ich paraphrasiere den User hunz deshalb, weil er dort noch etwas sehr Interessantes zum Thema Strassenfotografie geschrieben hat: „Doing street with either the high-end Nikon Coolpix 5000 or 8400 worked just fine by setting it on Continuous, so it would shoot whether it thought it was in focus or not. Even at close street distances, it was never an issue and no out-of-focus images resulted.“

Auf Deutsch hat er mit der Nikon P5000 und der Nikon P8400 Strassenfotografie praktiziert und dabei einfach den Autofokus auf Continuos/dauerhaft gestellt. So sind eigentlich immer Bilder zustandegekommen, die scharf waren. (Wenn ich mir vorstelle, dass ich vor 4 Jahren ebenfalls genau diese Kameras genutzt habe, dann ist es schon interessant, was man aktuell dazu findet. Abgesehen davon sind die Kameras immer noch top… !)

Mittlerweile gibt es ganz viele Tests und einige User schreiben auch über Staub im Sucher (?). Bemerkenswerterweise ist die Kamera in Deutschland auch Anfang November 2011 nicht erhältlich, dafür gibt es aber schon ein Firmware-Update. So ist das eben im digitalen Leben…

Zuguterletzt noch ein Hinweis auf die zwarte kat im rangefinderforum. (der Beitrag ist hier mit google übersetzt). Der User zwarte kat hat sie nicht gekauft, aus denselben hier diskutierten Gründen.

Und auch bei Cnet hat man die Kamera einem „Vorab-Test“ (was ist das?) unterzogen. Dort heisst es: „Die Fujifilm X10 verfügt über ein weiteres Feature, dass man bei aktuellen Kompaktkameras eher selten sieht: einen optischen Sucher. Das kleine Guckloch verfügt über eine Linsenkonstruktion, so dass der Sucher die Brennweitenveränderung mitmacht. Im Vergleich zur Konkurrenz aus Canon G12 und Nikon P7100 ist das Guckloch etwas größer. An den raffinierten Hybrid-Sucher der X100 kommt es allerdings nicht heran. Außerdem werden hier keine Informationen zu Blende, Belichtungszeit & Co. dargestellt. Im Weitwinkel ist außerdem das Objektiv leicht im Sucher zu sehen.“

Damit ist die Kamera eine Konkurrenz zur Nikon P7000/7100 und der G11/G12, aber nicht mehr eine Klasse für sich. Und dann – glaube ich – wird es schwer für Fuji.

Abgesehen davon ist es schon bezeichnend, dass man die Kamera selbst nicht erhält (5.11.2011) sondern auf Informationen angewiesen ist, die sehr oft aus Quellen kommen, bei denen die Hersteller auch werben.

Dieser Artikel ist ein kompletter Second-Hand-Artikel. Es kam mir darauf an zu zeigen, wie wir gezielt mit Informationen versorgt werden, die wir nicht nachprüfen können. Damit entsteht eine Meinung im Kopf ohne dass diese geprüft werden konnte.

Und da Journalismus mittlerweile weltweit gesehen werden muß und dort manchmal eingehaltene deutsche Standards sehr relativ sind und oft mit Werbung gleichgesetzt werden, ist das Ganze sehr nüchtern zu sehen.

Bis hierhin ist also alles Gerücht und auch in meinen Kopf ist alles second Hand.

Bis hierhin.

Ab hier konnte ich die Kamera selbst nutzen. Den Bericht finden Sie hier.

Nachtrag 2015:

Dieser Artikel ist von 2011. Man sieht hier sehr schön, wie sich Informationen entwickeln, wie sie im Netz gestreut werden und wie man selbst versucht, diese zu interpretieren.

Ich arbeite nun schon einige Jahre mit der Kamera und ich finde sie rückblickend wunderbar mit dem neuen Sensor und mit dem Sucher: groß, einfach, pur, gut…

Hinzu kommt, daß die Fuji X10 wahrscheinlich die einzige Kamera ist, deren Sensor verändert wurde während der Laufzeit des Modells. Das wußte 2011 auch noch niemand.

Ich bin von dieser Kamera ebenso überzeugt wie von ihrer großen Schwester, der X100. Aber weil ich keinen anderen Artikel kenne, der so die Zusammenhänge von PR, Vorabinformationen und realer Bewertung darstellt, habe ich ihn online gelassen. Denn er ist ein einzigartiges Studienobjekt – auch für mich.

Text 1.5

Sony Nex-7 – Knalltüte oder Königsklasse?

Sony hat die Nex-7 Kamera angekündigt. Sie soll rechteckig sein mit einem grossen Chip im APS-C Format und mit einem eingebauten Sucher.

Nun ist ja nicht umsonst einer der populärsten Artikel von mir der Artikel über Cartier-Bresson und die Strassenfotografie. Dort hatte ich formuliert: „Im Prinzip ist es so: kleine Kamera mit Sucher und großem Chip sowie lichtstarker Optik, also die Quadratur des Kreises.“

Es könnte durchaus sein, dass die Verantwortlichen bei Sony diesen Artikel auch gelesen haben. Denn irgendwie scheint sich die NEX-7 in diese Richtung zu bewegen.

Aber bisher gibt es sie nicht wirklich. Und die entscheidende Frage, Goethe würde sagen die Gretchenfrage, wird sein: wie laut ist das Auslösegeräusch?

Wird das Geräusch so laut sein wie z.B. in der Nex-3, also schussähnlich oder knalltütenähnlich oder wird es ein sehr leises, am besten abschaltbares, Geräusch geben?

Dies ist in meinen Augen die entscheidende Frage dafür, ob die Kamera in die Königsklasse der Digitalkameras für die Strassenfotografie aufgenommen werden kann oder nicht.

Die zweite wichtige Frage wird die der Schnappschussfähigkeit sein und die dritte Frage die nach der Geschwindigkeit beim Speichern von RAW-Dateien.

So wird die nächste Zeit spannend. Sony hat jetzt eine Chance, die Tradition der Strassenfotografie digital mitzugestalten.

Ob Sony dies nutzen wird?

Photokina 2010 – Impressionen

Die Photokina 2010 in Köln ist ein Ort, an dem sich die Welt trifft. Es ist ein Ort der Globalisierung. Wenn man sich anschaut, welche chinesischen Firmen damit werben, für die großen Marken der Fotografie zu arbeiten und wenn man sieht, wie viele gute Produkte gar nicht nach Deutschland kommen, dann gibt es viel Stoff zum Nachdenken. Aber auch das Miteinander im Gegeneinander zeigt, wie klein Europa und wie groß die Welt ist.

Doch dies ist längst nicht alles. Bezogen auf Innovationen ist ein echtes Highlight sicherlich die Fuji X100. Endlich traut sich eine große Firma wieder eine Kamera zu bauen, die alles hat, was ein guter Fotograf braucht. Damit will ich nicht abstreiten, dass auch woanders gute Kameras gebaut werden. Aber unbestritten ist sicherlich, dass Sony und Fuji dieses Jahr den Ton bestimmen. Sony hat mit der NEX 5 und dem Camcorder NEX-VG10  echte und bezahlbare Innovationen herausgebracht. Fuji bringt nun eine Kamera mit einem echten Sucher und einem Gehäuse, dass aus einem Monitor wieder eine Kamera macht, die man auch noch gut mit zwei Händen anpacken kann. Die Fuji ist das offensichtliche Highlight der Photokina und wird wahrscheinlich eine große und begeisterte Anhängerschaft finden. Hoffentlich ist das Auslösegeräusch abstellbar, dann gehen wirklich Wunschträume in Erfüllung.

Aber mir ist noch mehr aufgefallen. Deutsche Domains werden gefragt. Was hat das mit der Photokina zu tun? Der Grund liegt darin, dass die Internetangebote wachsen. Der einfache gute deutsche Domainname wird langsam als Orientierung für digitale Inhalte entdeckt. Und es gibt zunehmend Angebote für das Hosten und die Darstellung von Fotos. Das hat man ja in den letzten Jahren fast monopolhaft ganz wenigen Anbietern überlassen, die einfach aufgrund ihrer fast Alleinstellung auf dem deutschen Markt heute aus allen Nähten platzen. Da kommt jetzt Bewegung hinein. Im Englischen Raum gibt es diese Angebote schon länger. Jetzt kommen sie auch nach Deutschland.

Aber ich habe noch etwas entdeckt. Das Fotobuch ist weltweit ein Hoffnungsträger. Es ist ja auch nicht verkehrt, wenn es auch gedruckte Fotos gibt. In unendlichen Varianten werden sie angeboten. Und es ist ein weltweites Thema.

Da hat sich ja die Photokina anders entwickelt als prophezeit. Wenn man ein knappes Jahr zurückdenkt, dann wurde von „Insidern“ eher geschätzt, dass das Hauptthema der Photokina 2010 die DSLRs mir den schwenkbaren Monitoren sein werden. Das ist offenkundig nur bedingt der Fall.  Nun denn, das Spannende scheint ja zu sein, dass das Zurückholen einiger Klassiker in das digitale Zeitalter vielfach mehr Erfolg hat als Neues um jeden Preis. Und warum auch nicht? Die Menschen haben sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert nur die technischen Möglichkeiten wurden verändert. Insofern sind gelungene Klassiker gut, wie man mit der Olympus Pen ja schon gesehen hat. Aber offenkundig wird zunehmend den Herrstellern klar, dass das Display den Sucher doch nicht ersetzen kann. Eine kleine „Innovation“ war an einem Messestand ein Sucher für die Displays. Man setzt also auf das Kameradisplay einen Sucher, um dadurch zu gucken. Der Stand war umlagert. Das spricht wohl weniger für Kameras nur mit Display als vielmehr für gute optische und elektronische Sucher.

Ein Besuch auf der Photokina lohnt sich wirklich. Die Wege sind weit, aber es gibt so ziemlich alles, was mit Fotografie zu tun hat und vieles darüber hinaus.

Optische Aufstecksucher – Die Letzten ihrer Art

optische AufstecksucherEs ist viel vom Artensterben die Rede. Langsam stirbt nun auch die alte Form der Digitalkamera aus. Als bekennender Fan von Henri Cartier-Bressons Art der Fotografie ist für mich der optische Sucher etwas Wunderbares.

Lange hielt ich am Messsucher fest, doch davor und dabei gab es auch den optischen Aufstecksucher, den ich zunehmend schätzen lernte.

Dieser hatte einen inneren Rahmen, der der Brennweite des Objektivs entsprach. Das Schöne am optischen Aufstecksucher war die wunderbare helle und klare Sicht.

Sie waren fast schon vergessen, doch dann kamen Sie vor knapp zwei Jahren wieder. Als die Versuche einsetzten, die Digitalkameras kleiner zu machen und die Chips darin größer, gab es sie wieder: die optischen Aufstecksucher. So wurde die LX3 von Panasonic und ihre Schwester von Leica mit diesem Zubehörteil ausgestattet, auch bei Ricoh wurde die GR mit diesem Zubehör verwöhnt.

Und die Olympus PEN E-P1, das erste Modell. Die Pen wurde mit einem wunderbaren Aufstecksucher und dem dazugehörigen Pancake Objektiv mit 17mm und Lichtstärke 2.8 ausgeliefert. Dies entsprach genau 34mm Brennweite im Kleinbildformat mit einer hervorragenden Blende 2.8 bei der Festbrennweite – also ziemlich genau (35mm) dem, womit in analogen Zeiten sehr viele Reporter fotografierten. Sigma liefert seit der DP1 über die DP1s bis zu weiteren Varianten ebenfalls einen optischen Aufstecksucher als Zubehör. So ist es also möglich, in digitalen Zeiten mit wunderbar klaren Blicken – auch mit Brille – zu fotografieren und dabei „alte“ Zeiten zu spielen.

Aber diese alten Zeiten haben einen besonderen Reiz. Denn man kann mit dem Autofokus arbeiten und dennoch durch einen wunderbaren optischen Aufstecksucher blicken. Das ist besser als zum Beispiel mit einer Leica M9 nur manuell fokussieren zu können. Man kann die V-Lux 3 oder die X1 von Leica nehmen, um sich den optischen Genuss mit Autofokus zu gönnen, um bei Leica zu bleiben. Ansonsten eben die von mir hier erwähnten Kameras.

Mir gefällt das, doch es scheint bald vorbei zu sein. So haben die meisten Nachfolgermodelle keinen optischen Sucher mehr sondern einen EVF, also einen elektronischen Aufstecksucher. Das muss nicht schlechter sein, ist aber anders und verändert die Möglichkeiten die Fotografierens. Dies wird im schnelllebigen Geschäft der Kameraindustrie kaum wahrgenommen werden. Aber für alle, die sich das Spiel mit der alten Art des Fotografierens gönnen wollen, sei daher darauf hingewiesen, dass diese Kameras bald abgelöst werden durch Modelle mit elektronischen Lösungen.

Ob dann ihr Wert steigt, glaube ich eher nicht. Aber ihre Seltenheitswert wird steigen, das ist gewiß!