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Je teurer die Digitalkamera desto ärmer die Motive !?

„Soziales Elend hat die im Wohlstand lebenden stets unwiderstehlich zum Fotografieren angeregt – der schmerzlosesten Art, etwas zu erbeuten, um damit eine verborgene, das heißt, eine ihnen verborgen gebliebene Realität zu dokumentieren.“

Susan Sontag (S57)

Ihre Beobachtungen sind auch heute noch zutreffend. Je teurer die Digitalkamera desto öfter werden Bilderstrecken oder Regionen voller Armut gezeigt, wo die Menschen angeblich noch natürlich leben und die Farben eine so bunte Welt zeigen. Gerne wird aktuell die Armut auf Kuba gezeigt oder in Slums oder bei Käfigmenschen in Hongkong. Es geht so gut wie immer um Voyeurismus, den man mit der teuren Kamera ausleben kann.

Aber es wird noch schlimmer. In der aktuellen digitalen Streetfotografie-Szene wird vor allem das Leben der Armen, Gescheiterten und Obdachlosen als andauerndes Thema gewählt.

Das ist in Amerika ebenso zu sehen wie in Deutschland. Das wird dann monochrom oft verkauft als fotografische Hinwendung zu diesen Personen.

Wer es sich nicht leisten kann in den Slum zu fliegen, der fotografiert Obdachlose in Köln, Berlin oder München und nennt das Streetfotografie? Vom Namen her stimmt das sogar aber früher war das Opferfotografie und heute wissen wir ja, daß jeder in Deutschland Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf erhält durch die Grundsicherung.

Es gäbe viel bessere Motive. Wieso fotografiert man nicht die Reichen auf der Kö oder sonstwo, wieso die Armen?

An die Reichen traut man sich fotografisch schon nicht ran, weil man nicht so gut fotografieren kann, daß die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden?

Dann wäre Übung angesagt, denn man kann immer in der Öffentlichkeit fotografieren und gute Streetfotografie produzieren, wenn man es richtig macht.

Dann paßt auch die teure Kamera, denn dann ist die Kamera auf Augenhöhe mit den Motiven – teure Kamera, teure Motive.

Aber meistens nennt man es Streetfotografie und produziert Statusfotografie unter dem Aspekt der sozialen Gebrauchsweisen.

 

Sollen wir Streetfotografie umbenennen?

Foto Mahlke traffic and education Verkehrserziehung

Ein Herr Mason Resnick hat auf der Webseite von Adorama, einem Fotolabor und Kamerashop in New York, einen Artikel geschrieben und festgestellt, daß heute fast alles mit Suchbegriffen als Streetfotografie bezeichnet wird und daher das Wort jede Unterscheidungskraft verloren hat: „Try it yourself: Go on Twitter, flickr, or Instagram, and do a hashtag search for #streetphotography. At least 80% of what you get will get is not what one might have thought of as a street photo a few years ago. A flower. A distant shot of a city. Landscapes. Studio portraits. All tagged as street photos. I kid you not. Street photography is everything. Therefore, it’s nothing. Time to retire the term..“

Ist es Zeit das Wort Streetfotografie in Rente zu schicken?

Fakenews in der Streetphotography


„Übrigens hat der bekannte Theoretiker der Fotografie, Walter Benjamin, den Flaneur, der spaziert und fotografiert, als Kämpfer gegen die zunehmend arbeitsteilige Gesellschaft gesehen, weil er eben das Ganze im Blick haben wollte. Insofern kann gerade die Fotografie, die den heutigen sozialen Zustand so zeigt, wie er vor Ort ist, ein Beitrag sein, der die Sinne schärft und im Kopf Veränderungspotential erzeugt – wenn man es zeigt und drüber spricht.“

Diese Anmerkungen sind aus einem Artikel über Kameras für arme Leute im Zeitalter von Hartz4.

Was ist überhaupt ein Flaneur?

Gerhard Hentschel hat das vor 18 Jahren einmal so zusammengefaßt: „Die Erforschung der Frage, wann der Flaneur von uns gegangen sei oder ob er nicht sogar noch lebe und flaniere, hat sich zu einem eigenen Wissenschaftszweig ausgewachsen. Da der Flaneur kein normalsterbliches Individuum ist, sondern ein Typus, helfen die verfeinerten Methoden der medizinischen Diagnostik den Fachleuten nicht weiter. Sie sind sich nicht einmal darüber einig, ob sie sich am Siechbett, am Grab oder um die exhumierten Gebeine des Flaneurs versammelt haben. Während die einen sein Skelett mazerieren, messen die anderen dem Flaneur noch das Fieber. Er wird gleichzeitig beweint, beatmet und obduziert, beim Flanieren observiert und wieder totgesagt: „Auch die heutigen Fußgängerzonen“, schreibt Neumeyer, „stimmen vielmehr das Lied vom Tod des Flaneurs an, als dass sie seiner Gehbewegung durch die Schaffung einer verkehrsfreien Zone wieder einen Raum schenken. Man, das heißt der Verkäufer, spekuliert, damals wie heute, auch auf die Richtungs- und Ziellosigkeit einer Gehbewegung, um den mit ihr verknüpften freien Blick zu fesseln; man kokettiert mit dem Gehen-Sehen des Flaneurs als Kapitalanlage.“

1988 war Rüdiger Severin optimistischer gewesen: „In den letzten Jahren entstanden im Rahmen der Sanierung von Innenstädten immer mehr Passagen; Lichthöfe in Edelkaufhäusern und auch in der Industriearchitektur gelten wieder als zeitgemäß. Vielleicht findet der Flaneur hier zu seinem dritten Frühling, in Gestalt des walk-man etwa.“ Barry Smart sah den Flaneur 1994 als „zapping radio listener“ auferstehen, als „insular package-tour flanerie“ betreibenden Pauschaltouristen und als wählerischen Restaurantgast. Florian Rötzer machte 1997 den „Netzflaneur“ in den „schmutzigen, dunklen, extravaganten und innovativen Winkeln des Cyberspace“ ausfindig. Andererseits hatte Peter Handke 1980 offiziell „Das Ende des Flanierens“ verkündet. Aber ob man dem Flaneur Vitalität bescheinigt, Bulletins ausstellt oder Nachrufe widmet, tut nicht viel zur Sache: Jede Rede vom Flaneur wirft einen Distinktionsgewinn ab; ihr Inhalt ist zweitrangig.

In seiner großen Zeit war der Flaneur, in bedenklicher Ämterhäufung, unter anderem „der Priester des genius loci“ (Benjamin), Dichter, Jäger, Lumpensammler, Spurenleser, Traumdeuter, Physiognom, Detektiv, Archäologe, Dandy, Tramp und „letzter Mohikaner“ (Michael Opitz). Er erschien „als Agent der ästhetischen Moderne oder als Inspizient des Modernisierungsprozesses“ (Harald Neumeyer). Ein brandneues Werk aus Kalifornien (Anke Gleber: „The Art of Taking a Walk“) weist nach, dass der Flaneur Träumer, Historiker und moderner Künstler gewesen sei. In Abwandlung eines geflügelten, Daniel Düsentrieb von Erika Fuchs soufflierten Wortes darf man wohl sagen: Dem Flaneur war nichts zu schwör.

Benjamin zufolge trug er „die Züge des unstet in der sozialen Wildnis schweifenden Werwolf“ und war doch zugleich von äußerst scheuem und subtilem Wesen. Ins Bild des Flaneurs gingen viele Knabenträume des zwanzigsten Jahrhunderts ein: Er war Kara Ben Nemsi, Sherlock Holmes, Arsène Lupin, Howard Carter, Marco Polo, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Clochard und eiskalter Engel zugleich, dabei finanzieller Sorgen ledig, trug ein duftendes Baguette unterm Arm und eine glimmende Gauloise im Mundwinkel und war überhaupt ein ganz famoses Haus.“

Beginnt mit der digitalen Fotografie der 3. Frühling des Flaneurs und der Flaneuse?

Wenn wir heute den Umgang mit der modernen Fotografie betrachten, dann passen Streetfotografie und Flaneur richtig gut zusammen. Gerade wenn man den Flaneur vom Dandy abgrenzt wird deutlich, wo der Unterschied liegt.

Wolfgang G. Müller beruft sich auf Harald Neumeyer, wenn er dies alles so beschreibt: „Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Figurentypen liegt darin, daß sich der Dandy in der Öffentlichkeit zeigt, um gesehen zu werden, während sich der Flaneur durch die Stadt bewegt, um zu sehen.“

Und genau deshalb beginnt mit dem Aufstieg der digitalen Fotografie der 3. Frühling des Flaneurs. Denn jetzt kann das Sehen und das Fotografieren in der Stadt als Straßenfotografie in einem umfassenden Sinne und auf vielfältige Weise geschehen.

Nie war so viel möglich wie heute. Es sind nicht nur die Smartphones, die mit ihren eingeschränkten Möglickeiten als immer dabei Fotokamera die immergleichen Fotos liefern mit ungestellten gesehenen Momenten.

Gerade die Fortschritte bei den reinen Digitalkamers ermöglichen es heute schon bei der Aufnahme gestalterischer vorzugehen und Dinge auszuprobieren, die früher technisch so einfach nicht möglich waren.

Es sind aus meiner Sicht großartige Zeiten für das flanierende Fotografieren angebrochen.

Der Rahmen ist dabei die Metropole. Flanierendes Fotografieren ist weder Landschaftsfotografie noch urbaner Raum.

Konkret bedeutet dies für mich z.B. die Fotos von Peter Lindbergh zu Women on street sind eben kein Ergebnis des Flanierens und der Streetfotografie. Es sind schöne Fotos aber eben gestellt mit vorgegebenen Personen in einem vorgegebenen Rahmen.

Wenn ich Werner Spies hier richtig verstehe, dann ist Peter Lindbergh eine Ableitung (derivation) vom Flaneur und er macht keine Streetfotografie, er fotografiert nur auf der Straße aber seine Fotos sind quasi die Umsetzung einer Erzählung von Edgar Allan Poe – also dem Verbrechen auf der Spur?

Werner Spies schreibt:

„The Illegible Man, by Werner Spies

“Women on Street” – the works presented in this exhibition and catalogue are the result of “street photography.” Two entirely different, indeed incompatible approaches collide here. The scenes and vantage points that determine the images can be traced back to one of the most fascinating phenomena of the nineteenth century, the flâneur. Isn’t this figure the rightful patron of street photography? He entered the scene during the period of the discovery and rapid spread of private photography. The activity – or rather, passivity – of the flâneur depended on the city, the urban environment. Everything else remained basically foreign to him. The sight of the wares in display windows, isolated and divorced from their context, triggered a poetization of the modern world, fashion and fleetingness that was conducted most radically by Baudelaire and the Impressionists. The point was no longer a methodical involvement with the visible world and its utility. One has the impression that with the flâneur, idly strolling through streets and squares, the Enlightenment began to dim and the systematic knowledge pursued by Diderot in his work on an inventory of the world, the Encyclopedia, grew unimportant. The eye became subordinate to experience; rather than taking stock and trying to understand, it began to nervously wander and succumb to the charm of the accidental and ephemeral.

This derivation from the flâneur is obvious in the case of Garry Winogrand and Peter Lindbergh. For them, too, the street serves as a forum for discoveries and encounters. They tend to lend reality a poetic aspect. There is no admixture of evil in their imagery. Yet how different are the results that confront one another in the present selection. Winogrand’s works diverge in a key sense from what Lindbergh shows us. In order to grasp this difference, we might compare it to two approaches found in literature. In Lindbergh’s case the parallel would be with Edgar Allan Poe’s tale The Man of the Crowd, and in Winogrand’s one of the most famous and frightening passages in André Breton’s Second Manifesto of Surrealism. In fact I can think of nothing better than Poe’s story to describe the expectations and moods triggered by Lindbergh’s photographs. He retains women’s enigmatic character, their beauty and sensuousness. The point, for him, is pristineness. Even though he photographs on the street in this case, the street is not his subject.“

Und wenn wir bei dem Katalog zu der Ausstellung bleiben, dann schreibt ein Leser über den Katalog: „Where Winogrand’s work is actual street photography in the best sense of „let’s go out and see what we can find“, Lindbergh gets a model and essentially shoots test pictures for her book.“

Und dennoch wird hier einzig und allein mit dem Etikett der Streetphotography gearbeitet?

Ich möchte dies mit dem Artikel „Peter Lindbergh als Straßenfotograf“ in der sz belegen. Denn dieser Artikel ist die Bestätigung und der Beleg für meine Vermutung: Etikett aufkleben und medial umsetzen. Und in dem Artikel steht dann auch noch, daß Herr Lindbergh nichts dem Zufall überlassen hat. Aber die Überschrift ist das Etikett und das ist eindeutig.

Nur ein guter Straßenfotograf ist ein guter Fotograf? Ich vermute das Etikett Street photography bzw. Streetfotografie scheint für Fotografen ebenso wichtig wie Museumsqualität für Fotokunst. Man verleiht die Orden und Etiketten unter sich, weil man selbst beschließt, was angeblich was ist. Das geschieht in letzter Zeit öfter. Es gibt sogar einen Atlas der Streetfotografie, bei dem das Fotografieren von Achselhöhlen in der U-Bahn als Fortentwicklung von Walker Evans gilt.

Wenn man ehrlich ist, dann ist es schwer, echte Momente ungestellt einzufangen und es ist zudem nicht immer ein großartiger Moment sondern oft ein Moment, indem man etwas sieht, was der Zufall gerade so im sozialen Rahmen zusammenbrachte.

Losgelöst von Herrn Lindbergh würde ich schreiben, da man diese zufälligen Momente nicht stellen kann, wird letztlich so getan oder einfach umgedeutet. Dann werden stattdessen gestellte Szenen oder die Erweiterung zum urbanen Raum unter das Etikett Streetphotography gepackt und alles ist gut? – Ist es natürlich nicht, weil die klasse klassischen Kriterien verhunzt werden, die man ja durchaus auch digital anwenden kann.

Denn die entscheidenden Momente sind sonst ja echte Ergebnisse des Flanierens und des Fotografierens im decisive moment – ungeplant und ungestellt.

Aber so ist die Welt und es gibt kein internationales Strafgericht für fotografischen Etikettenschwindel und so bleibt es so wie es ist. Medienmacht bestimmt welches Etikett worauf paßt.

Und wer es merkt so wie ich, der kann darüber schreiben und doch nichts ändern.

So laufe ich wie Sisyphos schreibend den Berg rauf und unten hat schon wieder einer die falschen Etiketten aufgeklebt.

Der Etikettenschwindel ist ein Zeichen der Wirklichkeit, so nennt man Fakenews in der Streetphotography.

Aber das ändert nichts daran, daß jenseits der Medienetiketten heute eine schöne Zeit für das Flanieren und Fotografieren begonnen hat.

Wir sollten die Zeit nutzen.

PS: Dieser Artikel wurde am Erscheinungstag über 3000 mal plus x gelesen.

Streetphotography – Die 100 besten Bilder von David Gibson (Hg.)

Street Photography Die 100 besten Bilder von David Gibson

„Unter den Begriff Straßenfotografie fällt jedes Bild mit oder ohne Personen, das ohne Inszenierung im öffentlichen Raum gemacht wurde“.

So definiert David Gibson Streetfotografie und will in seinem Buch „Straßenfotos der sog. Internetgeneration“ vorstellen.

Das bedeutet Fotos, die im Internet erschienen sind und einige, die schon vor dem Internet zu sehen waren.

In dem Buch weist Gibson mehrfach auf Henri Cartier-Bresson hin, der auch heute noch eine Rolle spielt, mental und real. Er schwingt bei vielen mit, die Streetphotography betreiben, aber nicht nur er. Insofern ist die im Buch aufgeführte Liste der immer wieder genannten Namen sehr interessant.

Das Buch ist bei Prestel erschienen und schon von der Gestaltung her eine Augenweide. Gut gebunden, stabiler Einband, angemessen großes Format und klare Gestaltung.

„Für mich ist das Betrachten eines Fotobuch ein Vergnügen, es ist die weitaus schönste Art, Fotos zu genießen“, schreibt Gibson. Und so „erlöst“ er hier einige Fotos aus ihrem „Bildschirmdasein“ und läßt sie gedruckt fortbestehen.

Sehr schön!

Wer Streetfotografie heute machen will, der findet hier sehr viel an Inspiration.

Es sind auch große Namen darunter. Auch Martin Parr macht Streetfotografie. Und so ist jede Doppelseite ein Vergnügen beim Lesen und beim Betrachten. Denn es gibt zu jedem Foto eine Geschichte und eine Einordnung. Fotos leben eben von Texten, die den Rahmen bilden, um sie einordnen zu können.

Eine Rezension im ndr zeigt die Palette von Möglichkeiten, die dieses Buch bietet.

Aber das Buch ist eben noch einmal mehr. Es ist eines der wenigen Bücher, die zeigen wie stark und zufällig gute Straßenfotografie ist und wie vielfältig ihre Möglichkeiten sind.

Man kann sich einen guten Überblick verschaffen, wenn man auf die Verlagsseite klickt.

Dabei wird aber auch deutlich, daß gute Fotos Geschichten erzählen, also das Wesentliche eines Moments wiedergeben.

Gibson hat recht. Das Buch eignet sich sehr gut dafür, den Unterschied zwischen der Betrachtung eines Fotos am Monitor und gedruckt in einem Buch bewußt wahrzunehmen.

Denn es macht einfach großen Spaß sich detailliert ein Foto in einem gut gemachten Fotobuch zu betrachten. Und in einem Buch betrachten wir ein Foto ganz anders weil nicht in einer Millisekunde durch Klicken schon das nächste Foto zu sehen ist und man alle Sinne nutzen kann und das Medium Papier.

Bücher sind eben für Menschen gemacht.

Dieses Buch von Prestel eignet sich für tagelangen Genuß, wenn man diese 100 besten Fotos sieht und ihre Geschichten durchliest. Es ist zugleich wie eine Schulung und ein Training für bewußtes Sehen und das Erkennen der Vielfalt und der gemeinsamen visuellen Strukturen in vielen Fällen.

Das Buch aus dem Prestel Verlag ist eine der wenigen echten Kaufempfehlungen im Bereich der Streetfotografie heute.

David Gibson
Street Photography: Die 100 besten Bilder

ISBN: 978-3-7913-8335-4

Der Weg der Armut

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wenn du in dein Schicksal einwilligst wird es dich leiten…

So muß man sich das auch in der Fotografie vorstellen. Die Dinge geschehen und wenn du dann offen genug dafür bist sie zu sehen, dann hat das Schicksal dir die Chance gegeben selbstbestimmt diese Dinge anzunehmen und umzusetzen – auch in der Fotografie.

Dann entwickelt sich sogar Streetfotografie plötzlich zu einer stillen sozialdokumentarischen Fotografie.

So wurde die Serie Der Weg der Armut geboren.

Nur so.

Welche Digitalkamera würde sich heute Henri Cartier-Bresson kaufen?

Von Leica zu Lumix - Foto: Michael Mahlke

Von Leica zu Lumix – Foto: Michael Mahlke

Diese Frage stelle ich mir, weil ich wissen möchte, ob meine Wahl auch seine Wahl gewesen wäre.

Die Frage habe ich vor sechs Jahren so ähnlich schon einmal gestellt.

Als er intensiv zu fotografieren begann, hat er sich für eine Kleinbildkamera von Leica entschieden, weil dies die kleinste Kamera auf dem Markt mit Wechselobjektiven war. Es ging also primär um technische und praktische Gesichtspunkte, die für seine Art unterwegs zu sein, Momente schnell und diskret aufzunehmen und fotografisch zu sehen entscheidend waren.

Der Preis spielte für ihn eher keine Rolle, da er aus einer sehr reichen Familie stammte.

Er hat aber nicht mit einer Leica Fotografieren gelernt. Und sein Benutzen der Festbrennweite um die 50mm ist legendär.

Die Fotos, die er mit diesen Kameras gemacht hat, wären heute in digitalen Zeiten auch mit jeder durchschnittlichen Kompaktkamera in dieser Qualität möglich.

 

Hätte sich Cartier-Bresson heute überhaupt eine Digitalkamera gekauft oder direkt nur noch ein Smartphone?

Ich glaube, er hätte den Sucher gemocht, weil Sucherfotografie intensiver ist und weil der Sucher seiner Art entsprach, der Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und das Foto geometrisch zu gestalten.  Deshalb wäre das Smartphone wohl nur eine Ergänzung gewesen.

Er wollte ja immer eine kompakte und schnelle Kamera haben, die er unauffällig benutzen kann.

Und da würde es heute natürlich eine andere und bessere Auswahl geben.

In der Tradition von Leica mit einem besseren Sucher wäre die Fuji X100 interessant.

Entscheidend wäre sicherlich eine Kombination von Sucher und Monitor und er wäre bestimmt auch experimentierfreudig genug, um Aufnahmen mit dem Monitor zu machen.

Zudem bin ich überzeugt davon, daß er auch in Farbe fotografiert hätte. Das hat er ja auch zu seiner Zeit, aber es gefiel ihm nicht so. Auf dem Monitor und mit der Möglichkeit sofort mehr zu sehen, wäre dies vielleicht anders gewesen.

Denn auch er wußte, daß manche Fotos monochrom und manche farbig besser wirken.

 

Wäre er bei einer größeren Kamera geblieben oder hätte er sich eine kleinere Kamera geholt?

Das ist ein Kapitel aus dem Themenbereich der ungeschehenen Geschichte.

Er hat gerne mit der Minilux fotografiert als es sie gab: „Die Leica ist eigentlich gar keine Leica, sondern sie wurde von 1995 bis 2003 von der Firma Panasonic aus japanischen Bauteilen gefertigt.  Lediglich das Summarit-Objektiv stammt aus deutscher Rechnung, aber auch nicht aus deutscher Fertigung.“

Es war also nicht der Messsucher und die Kameragröße an sich, da der Sucher der Minilux bzw. Minilux Zoom  ja viel kleiner war und die berühmten zwei Lämpchen hatte, die bis vor kurzem bei allen optischen Suchern zu finden waren: „Sucher:  Realbild-Sucher mit Markierungen für das Autofocus-Meßfeld, für Aufnahmen im Nahbereich und für Panorama-Aufnahmen. Blitz-Funktionsanzeige durch eine rote Leuchtdiode. Funktionsanzeige für Autofocus und Belichtungsmessung durch eine grüne Leuchtdiode.“

Das ist sehr gut in dem Buch Faceless zu sehen.

Aus heutiger Sicht hat danach und bis heute überhaupt die wahrscheinlich besten optischen Sucher die Firma Fuji mit der X100 für eine größere und mit der Fuji  X10 bzw. X20 für eine kleinere Digitalkamera angeboten und bei den „kleineren“ optischen Suchern war und ist der optische Sucher der Fuji X10 davon letztlich wohl der beste.

 

Was würde Henri Cartier-Bresson heute nutzen?

Wenn ich mir nun anschaue, was aktuell auf dem Markt verfügbar ist, dann wäre für mich die Wahl klar.

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Es wäre unter technischen Gesichtspunkten und der Bequemlichkeit, wenn man unterwegs ist, eine Panasonic Lumix TZ-71.

Da diese Digitalkamera ein Leica-Objektiv hat, wären alte Namen und neue Möglichkeiten hier taschenfreundlich vereint.

Auch das Design ist fein.

Und man kann neben allen klassischen und fortschrittlichen Techniken sogar mit Sucher manuell sehr detailliert scharfstellen mit elektronischer Hilfe. Nur die Olympus Stylus 1 ist besser aber auch etwas größer. Sie hätte ihn vielleicht auch interessiert.

 

Hätte Herr Cartier-Bresson meine Meinung geteilt?

Es bleibt offen, ob Monsieur Cartier-Bresson sich aus sozialen Gründen als reicher Mann dann nicht doch lieber eine teurere Kamera gekauft hätte. Wahrscheinlich hätte er sie sogar geliehen oder geschenkt bekommen.

Aber für Reportage und Street und schnelle Schnappschüsse unterwegs ist die Lumix TZ-71 eine gute Wahl.

„Alles dran und alles drin“ stimmt wirklich.

Das liegt vielleicht auch daran daß es nicht die erste Kamera in der Serie ist und Panasonic auch Erfahrungen integriert. Sie ersetzt in meinen Augen auch eine so gute Kamera wie z.B. die DMC-FZ150, die im Bereich der Bridgekameras bis heute wirklich gut ist. Ich persönlich würde sogar noch schwanken zwischen der Lumix TZ-71 und der DMC-LF1 alias Leica C.

Na gut!

Andere leichte, technisch und optisch ausgereifte und flexible Kameras mit Sucher wären sicher auch möglich und wenn ich den Artikel in fünf Jahren noch mal schreiben sollte, würde das Ergebnis sicher wieder neu ausfallen.

Aber wer kennt dann noch seinen und meinen Namen und stellt sich so eine Frage?

Vielleicht mehr als man heute meint.

Wer weiß!

Die Kamera ist sicherlich nicht die beste Kamera, um eine Kartoffel zu fotografieren oder eine Handtasche und dafür dann 1 Million Dollar zu erhalten.

Dafür muß die Kamera wohl teurer sein.

Aber sie ist gut genug um das Soziale im Ablauf von Begegnungen, Momenten und dem Leben festzuhalten. Dafür gibt es dann aber nicht so viel Geld – aber mehr Leben.

Da man nach dem Leben und dem Sterben im Himmel alle Menschen wiedertrifft, werde ich dann die Gelegenheit nutzen, um Monsieur Henri Cartier-Bresson selbst zu fragen. Ich hoffe es dauert noch ein Weilchen, aber wenn es so weit ist, bin ich auf seine Antwort gespannt.

Nun hoffe ich, daß ich in fünf Jahren den nächsten Artikel mit dieser Frage schreiben kann – ich bleibe dran.

Digitalkameras in der Streetphotography bzw. Streetfotografie von Fotomonat bis Filtermix

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Alles ist möglich aber nicht alles ist gut.

So würde ich meine Erfahrungen zusammenfassen, wenn es um Digitalkameras und das Fotografieren auf der Straße geht.

Ich meine dabei Fineart Streetfotografie.

Als im Jahre 2006 die Pananonic Lumix DMC-L1 (als Kooperation mit Olympus) auf den Markt kam, war dies wie ein kleines digitales Wunder.

Es gab nur DSLRs und einige Bridgekameras. Das klassische rechteckige Format wie es bei Pentax, Leica, Olympus etc. zu analogen Zeiten vorhanden war, gab es nicht.

Leica war damals digital kaum existent und übernahm die Kamera als Digilux 3 ins eigene Programm.

Die Lumix L1 holte das Handling aus analogen Zeiten in die digitale Welt, sie bot alle die Knöpfe und Rädchen, die viele haben wollten, sie hatte das Format, das viele mochten und sie war so stabil wie alte Kameras.

Ich weiß noch wie ich und andere diese Kamera zum damaligen Einstiegspreis von 2998.- Euro bei Fotokoch anschauten. Da standen wir echt in einer Reihe bis jeder mal dran war und die Kamera in die Hand nehmen konnte. Das waren noch Zeiten!

Das war 2006.

Jetzt sind wir zehn Jahre weiter.

Was ist in dieser Zeit bei Sucherkameras mit Wechseloptiken für Streetfotografie geschehen?

Wenn wir uns das Bild betrachten, wird es auf einen Blick klar.

klassiker_streetphotography

Die Digitalkameras sind kleiner geworden und Panasonic ist sich dabei wirklich treu geblieben und bietet aktuell mit der DMC-GM5 eine Kamera an, die im Format einer Kompaktkamera mit großem MFT-Sensor und Sucher alles das kann, was auch eine ausgewachsene DSLR konnte – und noch ein bißchen mehr (inklusive totalem Videospaß).

Dazwischen drängen konnte und kann sich eigentlich nur die V1 von Nikon, deren 1er Sensor mit der unglaublichen Fokussierschnelligkeit und dem Sucher doch ebenfalls richtig gute Streetfotografie ermöglicht.

Diese Kameras sind für mich die Klassiker unter den Digitalkameras mit Sucher, klassischer Form und Wechseloptik im Bereich der Streetfotografie in der Abfolge von damals bis heute.

Aber es wurden seitdem ja noch mehr Kameras gebaut.

Und wenn ich mich für Digitalkameras interessiere, die einen Sucher und eine fest verbaute Optik haben, dann gibt es eine andere Reihe.

klassiker_streetphotography2

Haben Sie die Kameras erkannt?

Wenn nicht, dann zeige ich sie Ihnen hier noch mal von vorn:

klassiker_streetphotography2a

Wie Sie sehen handelt es sich um die Fuji X100, die der Pionier für die Rückkehr des klassischen Suchers in die Streetfotografie ist. Sie wurde auch ein Ersatz für viele, die von Leica kamen und sie ist bis heute im Kreis von Fotoreportern sehr beliebt.

Die Fuji X100 hatte und hat drei Dinge, die es so vorher und bis heute nicht mehr gab. Erstens hat sie einen unerreicht guten Sucher, der sowohl optisch als auch digital sein kann. Zweitens hat sie die klassische Form der Reportagekamera, die ein ganzes Jahrhundert dominierte. Drittens traf sie den Nerv der Zeit, weil sehr viele darauf warteten endlich eine Kamera zu bekommen, die das beste aus analogen Zeiten mit dem besten aus digitalen Zeiten miteinander vereint und bezahlbar ist.

Und Fuji war eben klug genug in einer Kamera beide Möglichkeiten anzubieten bis hin zur Wahl zwischen Sucher und Monitor und dies alles mit einem Preis zu koppeln, der für arbeitende Menschen annehmbar ist.

Die langen Schlangen auf der Photokina waren damals so erstaunlich, daß die Fuji Verantwortlichen selbst aus dem Staunen nicht mehr rauskamen.Ich war dabei. Und auch spätere Berichte beschreiben diese ganz besondere Erwartungshaltung.

Es war nicht nur Zeitgeist sondern es war die vorgeformte Erwartungshaltung ganz vieler Menschen, die mit analogem Equipment aufgewachsen waren und nun endlich die kompromisslose digitale Umsetzung wollten. Das hat sich nur Fuji getraut.

Doch zurück zum Foto.

Hier kommt die Fuji X10 mit ihrem optischen Sucher hinzu und als neuste Kamera in dieser Reihe die Panasonic Lumix DMC-LF1, klein und fein, wenn auch mit elektronischem Sucher.

Doch auch dies war nicht alles.

Denn es gab ja viele Jahre fast ausschließlich Kameras mit Monitor und ohne Sucher.

Für Streetfotografie sind die besten Digitalkameras ohne Sucher und mit Monitor dabei hier zu sehen:

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Es handelt sich um die Olympus XZ-10 (wobei die XZ-1 bis heute genau so gut ist aber noch etwas anders), die Ricoh GR Digital 3 bzw. 4 (als Festbrennweite) und die Casio EX-ZR 700 bzw. 1000. Es sind alles Kameras mit kleinen Sensoren. Das ist kein Zufall weil schnelle und spontane Monitorfotografie vielfach mit kleineren Sensoren auf die Schnelle bessere Ergebnisse erzielen kann.

Ich habe vor einigen Jahren an anderer Stelle schon einmal über die besten Kameras für Streetphotography aus meiner Sicht geschrieben.

Das war zu einer Zeit als ich noch nicht wußte was noch kommt und womit ich weiter Erfahrungen sammeln werde. Auch damals waren es alles gute Kameras aber es gab im Ergebnis auch dabei noch bessere.

Insofern ist der damalige Bericht ein guter Querschnitt, ersetzt aber nicht diese Zeilen, weil ich hier technische Entwicklungen und eigene Erfahrungen Jahre später im Längsschnitt zusammenführe.

Denn für gute Streetfotografie ist eine gute Kamera erforderlich, die etwas haben muß, was alle Kameras hier haben.

Wissen Sie was?

Genau, es ist das RAW-Format.

Meiner Erfahrung nach kann man zwar den Moment in der Streetfotografie nicht wiederholen aber man kann die Fotos danach im digitalen Labor so bearbeiten daß die Anmutung entsteht, die man haben will.

Denn fertige jpgs sind ja nichts anderes als im kamerainternen Digitallabor bearbeitete Fotos. Die kann man dann auch selbst mit den eigenen Möglichkeiten später herstellen mit dem RAW-Format, dem digitalen Negativ.

Alle Kameras haben aber noch etwas. nämlich die Möglichkeit der Zeitvorwahl (S wie Shutter Speed). Nur wenn ich die Verschlußzeit selbst bestimmen kann, kann ich auch die Gestaltung des Bildes beeinflussen.

Und man muß sich entscheiden, ob man mit Monitor oder Sucher fotografiert. Sucherfotografie ist anders, weil das Fotografieren durch einen Sucher sehr viel intensiver ist.

Natürlich habe ich viele Kameras ausgelassen.

Verfechter des Vollformats werden sicherlich von Leica und Sony sprechen wollen. Aber die Verknüpfung von Vollformat und Streetfotografie war nur solange sinnvoll wie es keine Alternative gab.

Cartier-Bresson stieg z.B. damals von größeren Kameras auf die kleinere Leica mit dem Kleinbild um, weil so schnelleres und unauffälligeres Fotografieren möglich war und die Kamera einfach kleiner war.

Genau dieser Mut zur Veränderung war die technische Voraussetzung für seine Fotos.

Und diesen Schritt sollte man heute auch machen, denn der Umstieg vom Kleinbild auf kleinere Kameras und kleinere Sensoren lohnt sich, weil die Bildqualität kein Thema mehr ist und die Möglichkeiten durch den Umstieg zum Teil wachsen und mehr Kreativität ermöglichen.

Kleine Sensoren sind auch gute Sensoren und zunehmend auch besser für Street und Still.

Hinzu kommt noch, daß sich das Sozialverhalten verändert hat.

Kameras und das Fotografieren werden heute vielfach anders wahrgenommen. Das hat mit Edward Snowden ebenso zu tun wie mit der Smartphone-Fotografie und sozialen Netzwerken mit ihrer neuen Öffentlichkeit.

Eine Antwort darauf ist meine Fineart-Streetfotografie, die sich genau aus dieser Auseinandersetzung entwickelt hat.

Von 2006 bis 2016 sind nun zehn Jahre in der Digitalfotografie um.

Ich war rund um Fotomonat ca. zehn Jahre dabei.

Aber es zeichnete sich schon 2015 ab, daß es einen Übergang geben wird aus unterschiedlichen Gründen.

Ich brauchte mehrere Versuche über mehrere Jahre, um zurück ins Fotografieren zu finden.

Das Ergebnis steht nun fest: weniger ist mehr und mehr Zeit fürs Fotografieren und weniger Zeit für das Schreiben ist eine gute Veränderung, die ja auch wieder nur vorübergehend ist.

Übrigens heißt mehr Zeit für das Fotografieren nicht mehr Fotos – ganz im Gegenteil!

Ist Leben im Moment mehr Leben oder einfach nur das Leben, weil es mehr als den Moment zu leben nicht gibt?

Vielleicht finde ich es heraus.

Danken möchte ich abschließend Hans Treffer für die Kameras, die er mir zur Verfügung gestellt hat.

Text 1.1

Saturn im Schützen und Chewing Gum in Wuppertal oder wie ich lernte meine Welt zu akzeptieren

chewing gum in wuppertal by mike mahlke

chewing gum in wuppertal by mike mahlke

Die Qualität der Zeit

Aktuell ist Saturn in Schütze. Das sagt Astrologen etwas. Astrologen schauen auf die Konstellationen am Himmel und dann auf die Ereignisse auf der Erde. Das sammeln sie wie Historiker. Das nennt sich Mundanastrologie und so kann man sagen, als das letzte Mal diese oder jene Konstellation am Himmel war geschah folgendes auf der Erde. Das meint man mit „wie oben so unten.“

Als das letzte Mal Saturn in Schütze war gab es den Zusammenbruch des Sozialismus, es gab Glasnost, Perestroika, den Fall der Mauer etc. Das meinen Astrologen mit Zeitqualität.

Und nun haben wir gerade den Fall der Grenzen in der EU und in Deutschland. Aber Saturn bleibt noch ein paar Jahre, so daß es noch weiter geht. Grenzen, falsches Denken, Revolutionen, alles ist möglich.

Im persönlichen Horoskop spielt Saturn auch immer eine Rolle, je nach den Aspekten im Radix.

Saturn räumt auf im Leben.

Nun denn – hallo Saturn!

chewing gum on christmas market - Foto: Michael Mahlke

chewing gum on christmas market – Foto: Michael Mahlke

Die Qualität der Statistik

Eric Kim gilt für David Gibson in seinem Buch über Streetfotografie als DER Streetfotografie-Guru der sozialen Netzwerke.

Kim selbst ist von mir schon einmal diskutiert worden. Mir fehlte damals sein persönliches fotografisches Profil. Die Nutzung der sozialen Medien hat er wirklich gut drauf. Nun hat er einen Artikel über das Bloggen geschrieben, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat. Das spricht für seinen Artikel.

Dort schreibt er, daß er pro Tag auf seinem Blog täglich (11/2015) ca. 7.000 unique visits hat.

Bei Facebook hat er mehr als 250.000 Menschen, die seine Beiträge abonniert haben.

Ich habe beim Thema Fotografie im Bereich Fotomonat mit artlens, streetlens und frontlens im deutschen Sprachraum aktuell 2015 im Schnitt gut 3.600 unique visits pro Tag. Und ich bin überhaupt nicht auf Facebook damit.

Falsch verstanden, die Pfeile zeigen in Remscheid den Weg zum Ascher und Papierkorb - Foto: Michael Mahlke

Falsch verstanden, die Pfeile zeigen in Remscheid den Weg zum Ascher und Papierkorb – Foto: Michael Mahlke

Die Qualität des Privaten

Gut die Hälfte ohne Facebook und nur für den deutschsprachigen Raum.

Das finde ich nicht schlecht.

Die Logik bei Facebook ist ja, daß ich etwas kostenlos produziere und Facebook zur Verfügung stelle, damit dies dann mit ihrer Werbung den Followern zur Verfügung gestellt wird. Verdient hat also trotz vieler Follower nur Facebook. Und für dieses Adressbuch stelle ich auch noch freiwillig die absolute Überwachung aller meiner Aktivitäten zur Auswertung und zum Weiterverkauf zur Verfügung. Das muß nicht sein. Hinzu kommt, daß ich dort nur so schreiben darf wie Zuckerberg es will. Zensur ist also inbegriffen wie ich schon erlebt habe.

Weniger ist für mich mehr.

Eric Kim hat ebenso wie ich kostenlose PDF-Bücher zur Streetfotografie zur Verfügung stellt.

Meine sind etwas kleiner und schneller zu lesen und in zwei Sprachen verfügbar.

Eric Kim ist in den sozialen Medien und im englischsprachigen Raum viel weiter verbreitet.

Ich bin digital nur halb so groß und nicht kommerziell sondern privat.

Insofern freue ich mich, wenn Sie hier meine „mittelständischen“ privaten Räume besuchen und lade Sie abschließend noch ins Wupperartmuseum ein.

Eine gute Zeit

Michael Mahlke

 

Streetfotografie von David Gibson

streetfotografie_gibson

David Gibson fotografiert und ist Mitglied der Gruppe In-Public.

Und vor einiger Zeit hat er „The Street Photographers Manual“ herausgegeben, ein Buch von ihm mit den Sichtweisen von 20 Fotografen und Fotografinnen und ihrer jeweiligen Art Streetfotografie zu machen.

Nun ist dieses Buch mit dem Titel „Streetfotografie“ in deutscher Übersetzung und etwas angepaßt bei mitp erschienen.

Es ist eines der Bücher, die sicherlich von vorne bis hinten angeschaut und gelesen werden.

Texte und Fotos ergeben hier die Mischung, die zur kreativen Inspiration führen.

Bemerkenswerterweise tötet er zu Beginn die Sichtweise von Henri Cartier-Bresson, um dann mit vielen gelungenen Beispielen anderer Fotografen als gute Beispiele immer wieder darauf zurückzukommen.

So lebt dieses Buch einen Widerspruch, der sich aus der Kreativität ergibt.

Nur wer sich löst kann Eigenes schaffen und kehrt damit zugleich zum Guten zurück. Das gilt übrigens auch für Cartier-Bresson, der die visuelle Grammatik ja nicht erfunden hat sondern nur konsequent anwendet.

Was ist eigentlich Streetfotografie?

Gibson bezieht sich auf Dyer und zitiert ihn: „Streets brauchen Häuser, um eine Street zu sein.“

Und dann räumt er mit so mancher Blockade im Kopf auf und macht den Weg frei:

Digitale Manipulation ist kein Schimpfwoirt. Auch die herkömmliche Dunkelkammer ließ sich mißbrauchen.“

Und er betont:

„Eine der Konstanten dieses Buches ist, dass es Schubladen, Labels ablehnt. Inspiration kann schließlich aus vielen verschiedenen Bereichen kommen… Streetfashion und Streetfotografie mögen überraschende Bettgenossen sein, die Paarung betont jedoch nur die ständige gegenseitige Befruchtung in der Fotografie.“

Und er zieht eine klare Grenze:

„Es ist einer der häufigsten Irrtümer der Streetfotografie, dass Fotografen glauben, sie würden streetfotografie betreiben, wenn sie mir ihrem Motiv interagieren – dieses erkennt, dass es fotografiert wird und setzt sich womöglich in Szene. Das ist keine Streetfotografie sondern die Aufnahme eines gestellten Porträts.“

Pure ungestellte Streetfotografie - Foto: Michael Mahlke

Pure ungestellte Streetfotografie – Foto: Michael Mahlke

Diese kurzen und klaren Gedanken geben den Rahmen des Buches ab.

Man spürt schon beim Lesen: es wird interessant.

Und das wird es dann auch von der ersten bis zur letzten Seite.

Mir gefällt das Buch darüber hinaus auch, weil er manches so bewertet wie es mir nicht gefällt.

Aber so ist das eben mit einem guten Buch.

Es hat eine Meinung und man kann sich daran reiben und dann feststellen, ob die eigene Meinung (wenn man eine eigene Meinung hat) beibehalten wird oder andere Auffassungen besser sind.

Streetfotografie ist Alltagsfotografie und zeigt daher auch den Alltag mit dem jeweiligen Ausschnitt, der Dinge kombiniert durch Perspektive und Blickwinkel.

Das macht es interessant und lädt zum Verweilen ein.

Reichhaltig bebildert und mit sehr vielen Ratschlägen und Hinweisen ausgestattet ist dieses Buch zur Streetfotografie eine gute Quelle für viele Ideen. Vor allem lernt man nicht nur bekannte Namen kennen sondern auch viele In-Public Fotografen.

Das gefällt in der Vielfalt doch sehr.

Der Verlag schreibt über das Buch

  • Ein kompletter Überblick über die wohl spannendste und dynamischste Form der Fotografie
  • Ratschläge und Inspiration von weltweit etablierten Streetfotografen
  • Mit konkreten Projektvorschlägen zur Schärfung des fotografischen Blicks

Das stimmt und macht dieses Buch zu einer Empfehlung, wenn man aus Technik mit Herz, Verstand und Auge gute Fotos machen will.

Es ist im mitp Verlag erschienen.
Streetfotografie
von David Gibson

ISBN: 9783958451377

 

Streetphotography rocks – Streetfotografie begeistert

Brandenburger Tor

Streetfotografie begeistert (neudeutsch: ist geil) = streetphotography rocks.

Das Wort Streetphotography ist genau so stark wie das Wort Zeitgeist.

Zeitgeist hat sich als deutsches Wort weltweit durchgesetzt und Streetphotography hat sich als englisches Wort weltweit durchgesetzt.

Die Frage ist, ob sich mittelfristig photography oder fotografie durchsetzen wird.

Denn der ganze spanische und portugiesische Sprachraum hat die fotografia, die mit f geschrieben wird.

Aber wie lange die Parallelität der Begriffe im Sprachraum existiert, hängt auch von Medien, Macht und Einfluß ab.

Und streetphotography versteht jeder, der damit zu tun hat.

Aber man sollte streetphotography nicht mit streetsphotography verwechseln, also nicht das Straßenleben mit dem Stadtbild.

Und deshalb ist es einfach so – streetphotography rocks weltweit!

 

Streetfotografie mal ganz anders

Streetphotography means photography in public – Straßenfotografie bedeutet Fotografieren im öffentlichen Raum.

Da wir dort Menschen sehen, müssen wir auf die Menschenrechte achten. Die sind bei der Frage des Fotografierens in einigen Ländern sehr unterschiedlich geregelt.

Streetfotografie heute bedeutet in Deutschland und Österreich, wenn jemand eindeutig zu erkennen ist, nur mit Einwilligung zu fotografieren, sonst ist es im Zweifel rechtswidrig.

Das ist aber nicht so schwer wie man denken könnte.

Das kann man online selbst trainieren oder offline mit einem Fototrainer.

Man kann aber auch ganz anders Streetphotography machen indem man die Motive umkehrt.

Dabei spielt man mit Licht und Schatten. Wenn die Lichtverhältnisse draußen mitspielen und man aufmerksam genug ist, die entscheidenden Momente einzufangen, dann fotografiert man nicht die Menschen sondern deren Schatten im Zusammenspiel.

So kann man Geschichten erzählen und macht dabei Strassenfotografie pur.

Man kann sogar Familien und Kinder fotografieren ohne juristische Probleme zu bekommen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Probieren Sie es einfach mal aus.

Aber man muß nicht nur die Schatten fotografieren, man kann auch eine fotografische Mischung festhalten, die die Schatten neben Personen im Licht setzt, wie man hier sehen kann.

Es macht richtig viel Spaß!

Straßenphotographie ist eben mehr als auf den Auslöser zu drücken, wenn man Ansprüche an sich selbst hat.

Um so schöner ist es, wenn man den Erfolg dann auf einem Foto sehen kann.