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Soziale Konditionierungen bei der Street-Fotografie

Ganz heimlich fotografieren geht nicht, wenn man echte Streetphotography machen will.

Heute kann man zwar auch ganz heimlich fotografieren aber der Reiz besteht ja im bewußten Gestalten eines Fotos im entscheidenden Moment, wenn man sich eigene Maßstäbe gesetzt hat.

Und da hat sich was verändert.

Unauffälliges Fotografieren bedeutet unbeobachtetes Fotografieren.

Unbeobachtet ist man eher wenn man nicht auffällt.

Ab wann fallen Digitalkameras nicht auf?

Nach meinen Beobachtungen wird heute die Handygröße bei Digitalkameras akzeptiert.

Bei größeren Kameras wird man mehr beobachtet, so daß die ungestörte Konzentration auf einen Ablauf schwieriger ist oder sogar beeinflußt wird.

Handys bzw. Smartphones selbst als Ersatz mag ich nicht obwohl die wiederum völlig akzeptiert sind.

Aber damit kann man nicht unauffällig mit Sucher fotografieren.

Streetfotografie bzw. Straßenfotografie fängt mit S an.

S steht für Street, Sucher und Shutterspeed (Zeitvorwahl).

Zudem muß die Kamera griffig und kantig sein oder ein tolles Design haben.

Und dann geht es hinaus in die Welt, um zu schauen, ob mann/frau es schafft nach den Kriterien der Fineart-Straßenfotografie die entscheidenden Momente so einzufangen, daß möglichst viele der fünf Kriterien erfüllt sind.

Und da wo der Sucher fehlt sollte Fineart-Straßenfotografie noch einfacher sein – aber unauffällig.

Das hier ist nicht unauffällig:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Und das hier ist keine Streetfotografie sondern Streetsfotografie – da ist auch wieder ein S bei:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Nachdem nun klar ist, was keine Straßenfotografie ist, sollten Sie schon ahnen, was echte Streetfotografie ist.

Wenn Sie in diesem Blog weiterlesen, finden Sie davon noch eine ganze Menge.

 

Streetfotografie mal ganz anders

Streetphotography means photography in public – Straßenfotografie bedeutet Fotografieren im öffentlichen Raum.

Da wir dort Menschen sehen, müssen wir auf die Menschenrechte achten. Die sind bei der Frage des Fotografierens in einigen Ländern sehr unterschiedlich geregelt.

Streetfotografie heute bedeutet in Deutschland und Österreich, wenn jemand eindeutig zu erkennen ist, nur mit Einwilligung zu fotografieren, sonst ist es im Zweifel rechtswidrig.

Das ist aber nicht so schwer wie man denken könnte.

Das kann man online selbst trainieren oder offline mit einem Fototrainer.

Man kann aber auch ganz anders Streetphotography machen indem man die Motive umkehrt.

Dabei spielt man mit Licht und Schatten. Wenn die Lichtverhältnisse draußen mitspielen und man aufmerksam genug ist, die entscheidenden Momente einzufangen, dann fotografiert man nicht die Menschen sondern deren Schatten im Zusammenspiel.

So kann man Geschichten erzählen und macht dabei Strassenfotografie pur.

Man kann sogar Familien und Kinder fotografieren ohne juristische Probleme zu bekommen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Probieren Sie es einfach mal aus.

Aber man muß nicht nur die Schatten fotografieren, man kann auch eine fotografische Mischung festhalten, die die Schatten neben Personen im Licht setzt, wie man hier sehen kann.

Es macht richtig viel Spaß!

Straßenphotographie ist eben mehr als auf den Auslöser zu drücken, wenn man Ansprüche an sich selbst hat.

Um so schöner ist es, wenn man den Erfolg dann auf einem Foto sehen kann.

 

Der Mentalitätswechsel in der Strassenfotografie und das neue Fototraining Streetphotography

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Straßenfotografie hat sich verändert.

  • Immer mehr Fotos und
  • immer mehr Möglichkeiten fotografiert zu werden und
  • immer mehr Kameras in immer mehr technischen Geräten
  • bei immer mehr Menschen,
  • die diese immer öfter öffentlich hochladen,

führten nun erstmals zu einer Gesetzesänderung in Deutschland.

Selbst bei spiegel.de schreibt man jetzt über dieses Thema.

Deshalb wurde ein neues Fototraining Streetphotography unter den Bedingungen von Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und neuer Fotografie heute von mir entwickelt.

Dieses ist online und kostenlos. Es ist das neue Fototraining und Fotocoaching für Streetfotografie.

Diese Anleitung ist aus der Fotopraxis für die Fotopraxis. Sie beruht auf der Fineart-Streetphotography,  die für das 21. Jahrhundert entwickelt wurde (street21), um rechtssicherer und besser zu sehen und zu fotografieren.

Wer noch mehr will, der kann im Einzelfall zu dem Buch ein privates Fototraining erhalten.

Das neue Fototraining

Dabei wären Sie der Mittelpunkt in ihrem persönlichen Fototraining. Dabei werden die Grundlagen der Fineart-Streetphotography mit ihrer Kamera eingeübt. Wir trainieren vor Ort, überprüfen und üben und Sie erleben die neue feine Art der Straßenfotografie. Wir wandeln fotografisch dabei auf den Spuren von Henri Cartier-Bresson und gehen zusammen zu Fuß durch die Stadt, fahren vielleicht mit der Straßenbahn, beobachten, sitzen vielleicht auch mal im Cafe, werten aus und erleben die Welt der Strassenfotografie. Heute ist dieses Fototraining eher ein Fotocoaching, weil es neben der Fotopraxis auch eine Anleitung zum selbständigen Entdecken eigener Möglichkeiten ist.

Gönnen Sie sich einen besonderen Tag, der ihre Sicht auf die Welt verändern kann.

Der Tag ergibt sich im Ablauf und die erwartete Belohnung dafür liegt bei 175 Euro für die erste und 139 Euro für jede weitere angefangene Stunde.

Bei Interesse schicken Sie mir einfach eine Email an info@fotoausstellungen.com. Da es sich bei diesem Vorschlag um ein sehr privates und sehr persönliches Treffen zwischen Autor, Leser und Lebenszeit handelt, ist dies nur manchmal möglich.

Dieser Artikel dient nur der Information und ist kein gewerbliches Angebot.

 

Ein Besuch im Zoo – Beispiele für Fineart-Streetphotography

Auch heute finden sich die Situationen, wenn man den entscheidenden Moment sieht. So kann man ganz entspannt Straßenfotografie praktizieren und dabei werden keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Ich war im Zoo.

Die Regeln der Fineart-Streetphotography helfen dabei und geben klare Orientierung.

1. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Sie sehen drei Personen. Sie schauen den Eisbären an und der Eisbär blickt zu ihnen. Die Personen sind aber nicht erkennbar. Das ist pure Lichtmalerei, weil zu diesem Zeitpunkt die Sonne auf das Glas schien. So war es möglich eine wunderbare Szene festzuhalten.

2. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier blickt ein Mann zu dem tauchenden und gerade auftauchenden Eisbären. Eine schöne Geschichte. Bitte achten Sie auf die Verlaufslinie des Wassers. Sie beginnt am Kopf des Mannes und und bildet noch mal ein Dreieck. Das Foto ist geometrisch ein schönes Spiel mit mehreren Varianten. Ich habe hier einfach gewartet. Ich wußte nicht ob er sich nach vorne beugt. Für ein paar Sekunden tat er es.

3. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier sieht man die Fotografinnen und Fotografen ihre Kameras hochreißen als der Löwe kurz vorbeikommt. Dabei schien uns allen die Sonne voll ins Gesicht – wie man auf dem Foto ja auch sehen kann. Bei diesem Foto ist es so, daß ich kein anderes machen konnte. Hochreißen und abdrücken. Entweder ich zeige dieses Foto oder es gibt nichts zu sehen.

Drei sehr schöne Fotos, die sich ungestellt so ergeben haben.

Was will man fotografisch mehr.

Um zu zeigen, daß es nicht auf Farbe ankommt, habe ich bei allen Fotos einen schwarzweissen Filter gewählt.

Entscheidend für mich ist die Geometrie.

Sie stimmt auf allen Fotos.

Fotografieren wie Cartier-Bresson nach den Regeln der Fineart-Strassenfotografie von M. Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Heute ist das Fotografieren so einfach.

 

Draufhalten, drücken, fertig.

Die Herausforderung fängt an, wenn man etwas anderes will, nämlich gestaltete Fotos nach eigenen Maßstäben mit zufälligen Momenten.

Dann ist es schwer.

Dazu gehört zum Beispiel das Fotografieren nach den Regeln der Fineart-Strassenfotografie.

 

Man kann es sich aber noch schwerer machen.

Wie früher! Da gab es noch keinen Autofokus.

Der Meister des Schnappschuss war Henri Cartier-Bresson.

Er fotografierte zu einer Zeit als es noch keinen Autofokus gab.

 

Warum sollte man heute so fotografieren?

Weil man damit ein Gefühl für das richtige Verhältnis von Schärfe und Abstand erhält und weil man damit besser „sehen“ lernt.

 

Wie macht man das?

Wichtig ist eine Kamera, die das noch kann.

Es muß eine Kamera sein bei der man den Fokus einstellen kann auf einen bestimmten Abstand.

Die Schlüsselwörter dabei sind Panfokus oder Fixfokus oder auch Prefocus.

Dabei wird grob gesprochen auf 1m, 2,5 m oder 4 m scharfgestellt und alles danach ist dann je nach Blende, Sensor und Abstand sowieso scharf.

Oder man stellt manuell an einem Objektiv einen bestimmten Abstand für die Schärfe ein.

 

Welche Kameras sind sinnvoll?

Es können preiswerte und kleine Kompaktkameras genommen werden oder teure und große Digitalkameras.

Die Kamera muß nur über diese technische Möglichkeit verfügen.

Übrigens gibt es auch Smartphones mit solchen Fixfokus-Objektiven, die ab ca. 20 oder 50 cm alles scharfstellen.

 

Wie geht es weiter?

Der Rest ist raus und üben.

Cartier-Bresson hatte eine analoge Filmkamera im sog. Kleinbildformat und er hatte eine Festbrennweite, am liebsten 50mm.

Heute geht es digital besser, weil man sofort sehen kann, ob man richtig lag mit der Schärfe und dem Abstand zum Motiv.

 

Viel Spaß!

 

Und wenn Sie fertig sind merken Sie, daß das Schwere vieles leichter macht – auch digital.

Aber nur, wenn Sie eine persönliche Ausrichtung beim Fotografieren entwickeln.

Sonst lohnt sich alles nicht.

Alles Street? – Streetfotografie heute und Straßenfotografie damals

Die Überschrift in diesem Artikel zeigt schon die Mischung, die hier zu finden ist.

Es gibt kaum noch ein ß, stattdessen nur noch Doppel-S. Es gibt immer weniger deutsche Wörter und stattdessen immer mehr englische Begriffe.

So wurde aus der Straße die Street. Nur die Photography ist nicht zur Photographie geworden sondern zur Fotografie.

Es wäre der englischen Sprache zu wünschen, wenn Sie ihr PH gegen das F eintauschen würde. Das würde vieles einfacher machen.

Nun gut!

Fineart-Streetphotography oder fotografische Geheimnisse klassischer Strassenfotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Eine Analyse fotografischer Techniken klassischer Streetfotografie und Schnappschussfotografie mit praktischen Tipps – mit meinen Inspirationen von Henri Cartier-Bresson aus heutiger Sicht

Fineart-Streetphotography – die feine Art der Strassenfotografie

Früher war Streetphotography bzw. Strassenfotografie Fotografie auf der Strasse. Dort fand das öffentliche Leben der Menschen statt und dort wurde fotografiert.

Später wurde aus der Strasse der sogenannte urbane Raum. Die Begriffe spiegeln auch die Veränderungen wieder. Aus einem konkreten Begriff wurde eine abstrakte Größe. Das ist Wortsymbolik für den Zeitgeist und die Veränderungen.

Aus meiner Sicht bedeutet Strassenfotografie heute unterwegs zu sein.

Das hat etwas von dem, was zum Beispiel Henri Cartier-Bresson auszeichnete. Denn er blieb nicht auf der Strasse, er machte überall Schnappschüsse – überall da, wo er unterwegs war.

Schauen wir da doch mal genauer hin!

 

Was zeichnet die Art des Fotografierens von Henri Cartier-Bresson aus?

Er selbst sagte dazu einmal rückblickend: „Ja jetzt bin ich museal, eine Autorität von gestern. Überholt von der Farbfotografie, die mir nicht liegt. Farbe ist Oberfläche, Linie das Charakteristische – aber wer will das noch hören?“

Dieses Zitat ist viel mehr als ein Gedanke. Er beschreibt hier auch die Oberflächlichkeit einer neuen Zeit, die bunt ist aber dafür keinen eigenen Charakter mehr hat. Und dies alles in sechs Worten!

Fotografisch betrachtet zeigt sich hier auch eines seiner Erfolgsrezepte: der Blick auf die Strukturen eines Bildausschnitts. Doch es gibt natürlich noch mehr Kriterien.

Cartier-Bresson wurde berühmt, weil er u.a. folgende Merkmale hatte:

  • er war oft an den Brennpunkten des Weltgeschehens – das ermöglichte hohes Interesse der Öffentlichkeit an den Motoven
  • er fotografierte oft das, was andere nicht fotografierten – das ermöglichte ungewöhnliche Blicke
  • er benutzte das Kleinbildformat und legte sich dabei auf die Leica fest – das war damals praktischer für unterwegs
  • er gestaltete seine Fotos nach der Geometrie der Malerei – das ermöglichte auch ästhetisch gute Fotos.

Beim Fotografieren selbst zeichnete sich Cartier-Bresson u.a. durch folgendes Vorgehen aus:

  • Diskretion,
  • keine entlarvenden oder verletzenden „unschönen“ Fotos und
  • echte Momente mit künstlerischem Aufbau (Geometrie).

Das Buch „Der Schnappschuss und sein Meister“ enthält einen weiteren Aspekt der Streetphotography, die Technik des Schnappschusses.

 

Was ist ein Schnappschuss?

Heute wird so getan als ob es auf die Fokussierungsgeschwindigkeit ankommt. Schnappschussfähigkeit wird eigentlich zunehmend nur noch als Auslösegeschwindigkeit verstanden.

Die Fotos von Cartier-Bresson sind aber nicht im superschnellen Schnappschussmodus gemacht worden, weil es den da noch nicht gab.

Und jetzt?

Ist ein schneller Autofokus eine gute Schnappschussfähigkeit?

Mitnichten.

Ein guter Schnappschuss ist ein geometrisch gestaltetes Fotos, welches eine Situation erfasst. Damit ist der schnelle Autofokus eine vielleicht wünschbare technische Eigenschaft, aber allein keinesfalls wesentlich für den Schnappschuss.

Seit dem Erscheinen von Henri Cartier-Bressons Scrapbook wissen wir, dass auch er mehr als ein Foto machte in einer Situation. Im Prinzip tat er das, was heute in der digitalen Zeit viel einfacher ist. Er machte eine Reihe von Aufnahmen und wählte die aus, die im am besten erschien. Da er aber nicht immer auswählen konnte, weil er unterwegs war und die nicht entwickelten Filmrollen wegschickte, gestaltete er schon bei der Aufnahme.

Das ist eigentlich die große Kunst.

Ich nenne dies heute Fineart-Streetphotography.

Es ist die feine Art der Strassenfotografie, die sich an klassischen Merkmalen orientiert – gerade auch heute in einer Zeit, in der alles möglich ist aber nicht alles dadurch besser wird.

Wie komme ich dahin und was muss ich dafür tun?

Sehr wichtig ist es, zu wissen, was man tut. Viele Menschen nehmen eine Kamera und knipsen los. Das reicht nicht. Man muss sich vorher im Kopf klar machen, was man will, damit man dann auch intuitiv vorgehen kann – wenn man es will.

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Was kann man mit der Fotografie alles machen? – Grafik: Michael Mahlke

Sie sehen oberhalb eine Grafik, die dies alles einmal systematisch darstellt. Es ist es wichtig, Entscheidungen zu treffen:

  • Wollen Sie ihre Fotos verkaufen? – Dann ist es wichtig so zu fotografieren wie der „Markt“ es gerade will
  • Wollen Sie mit ihren Fotos dokumentieren? – Dann ist es wichtig, auf Fotos Botschaften zu finden und entsprechende Situationen zu fotografieren.
  • Wollen Sie mit ihren Fotos experimentieren? – Dann ist es wichtig, zu wissen, welche Experimente es sein sollen, z.B. mit/ohne Bokeh, mit/ohne Zoompbjektiv etc.
  • Welche Motive wollen Sie fotografieren? – Das hat Einfluss auf die Kamerwahl, die Objektivwahl und die Art des Fotografierens
  • Welche Regeln sollen gelten? – Das ist wiederum wichtig für Fragen wie Veröffentlichung im Internet oder Verkaufen (z.B. die Einhaltung des Rechtes am eigenen Bild)

Es gibt noch mehr Fragen. Viele davon werden Ihnen erst einfallen, wenn Sie die Fragen hier beantwortet haben oder beantworten wollen.

 

Was kennzeichnet Fineart-Streetphotography?

Dafür gibt es in meinen Augen klare Kriterien, die ich herausgearbeitet habe. Diese gelten immer.

fineartstreet

Wer es schafft ohne Nacharbeit alle fünf Kriterien mit einem Foto zu erfüllen, der hat ein 5-Sterne-Foto gemacht, das beste Fineart-Strassenfotografie ist.

Das schafft man nicht immer und schon gar nicht jedes Mal. Aber oft reichen auch drei oder vier dieser Kriterien für ein gutes Fotos.

Und es ist vor allem eine dauernde Aufgabe.

 

Was kann ich tun, um besser zu werden?

Nun kommen wir zu drei praktischen Übungen, die mehr als einmal gemacht werden sollten. Dabei geht es um die Themen Sehen, Auswählen und Begegnung.

 

1. Loslassen und Blick schärfen im Strassencafe

Setzen Sie sich in ein Strassencafe und beobachten Sie ohne Kamera bewusst die Menschen, die vorbeigehen. Schauen Sie zu, was passiert. Das braucht seine Zeit.

Irgendwann werden Sie den Punkt erreicht haben an dem Sie sagen, das wäre aber ein gutes Foto geworden. In diesem Moment haben Sie es geschafft ihren Blick zu schärfen und ein Foto im Kopf entstehen zu lassen.

So vorzugehen kann aber dauern. Wichtig ist, keine Kamera mitzunehmen, mindestens eine Stunde dort zu sitzen und genau das zu tun, was ich gerade beschrieben habe. Wenn es nicht beim ersten Mal funktioniert wiederholen Sie es.

Und machen Sie nur Fotos im Kopf – ohne Kamera. Daraus werden dann die Merker, die sie nicht mehr loslassen, wenn Sie Glück haben.

 

2. Festlegen und Schaufenster fotografieren

Nehmen Sie eine Kamera mit einer Festbrennweite mit oder stellen Sie eine Zoomkamera auf eine Brennweite ein. Versuchen Sie, nur mit dieser Brennweite zu fotografieren. Fotografieren Sie nur Schaufenster aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Versuchen Sie ein Schaufenster mit 50 verschiedenen Fotos und Blickwinkeln aufzunehmen. Betrachten Sie dies alles zu Hause am PC und bewerten Sie die Fotos. Welche gefallen Ihnen am besten und warum – welche gefallen Ihnen nicht?

 

3. Üben vor Ort mit Inszenierung

Machen Sie sich einen schönen Tag mit einer Person, die gerne mitkommt und sich fotografieren läßt. Üben Sie mit dieser Person verschiedene Perspektiven auf der Strasse in der Stadt oder dort, wo Menschen sind und fotografiert werden darf. Dazu gehört das Freistellen und die Nichterkennbarkeit dritter Personen, dazu gehört der schnelle Schnappschuss beim Gehen, beim Eis essen, beim Schaufensterbummel, in der Strassenbahn etc.

Kontrollieren Sie zu Hause am PC, welche Fotos gut sind und welche nicht.

Dies sind die drei ersten Schritte, um sicher und erfolgreich im Umgang mit der Kamera zu werden und sich dem Thema konkret zu nähern in der Praxis.

So banal sich das anhört, so schwierig ist es tatsächlich.

 

Waren diese Gedanken jetzt „Geheimnisse“? Ich denke schon, weil dieses Wissen in dieser Form und auf die heutige Zeit umgemünzt so nirgendwo zu finden ist. Es wird versteckt oder es wird gar nicht entdeckt.

 

 

 

Die Schnappschussästhetik in der Strassenfotografie zwischen Remscheid und New York – Streetfotografie heute

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wissen Sie was Schnappschussästhetik ist?

„Die Straßenfotografen des frühen 20. Jahrhunderts entwickelten »eine Art Schnappschussästhetik, die dem modernen Stadtleben […] perfekt entsprach. Die Rhythmen der Stadt wurden übersetzt in ein Zelebrieren des Momenthaften und das Akzeptieren nicht klassischer Bildausschnitte sowie eine moderate Bewegungsunschärfe. In den 1930er-Jahren wurden diese ästhetischen Prinzipien von Fotografen, die mit der Leica arbeiteten, zur Perfektion gebracht, etwa von Henri Cartier-Bresson und André Kertész«. Cartier-Bresson gab mit seiner berühmten Philosophie des »entscheidenden Augenblicks« eine adäquate Antwort auf die Hektik des Großstadtlebens, wobei er seine reflexhaft eingefangenen Motive mit einer ausgewogenen, eleganten Komposition zu verbinden verstand. Bis weit in die 1950er-Jahre hinein war er ein Vorbild für die Straßenfotografie sowohl in Europa als auch in den USA.“

So steht es im Kunstlexikon von Hatje Cantz.

Der Artikel dort wurde auf der Grundlage von Steven Jacobs, »Street Photography«, in: Lynne Warren (Hrsg.), Encyclopedia of Twentieth-Century Photography, Bd. 3: O–Z erstellt.

Steven Jacobs hat über urbane Fotografie im späten 20. Jhrdt. promoviert.  Aber der Artikel wirft Fragen auf, weil er drei Dinge miteinander vermischt, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun haben.

Henri Cartier-Bresson wurde vor allem bekannt für Fotos, die geometrisch gut gestaltet waren. Er war eben der Meister des klassischen Bildausschnittes und nicht der Meister des nicht klassischen Bildausschnitts. Seine Schnappschussästhetik zeichnet sich durch klare Formen aus. Daher ist die Vermischung von Steven Jacobs, die er in dem Artikel vornimmt, so nicht nachvollziehbar.

Wenn man sich dem Thema andersrum nähert, dann findet man in der wikipedia eine Erklärung für die Schnappschussästhetik, die im Englischen snapshot aesthetic heisst.

Dort wird dann beschrieben, was man darunter versteht: Es handelt sich meistens um das Fotografieren von banalen Alltagsgegenständen ohne erkennbare geometrische Präsentation der Dinge im Foto selbst.

Die Willkür ist die Regel für die Wirkung des Fotos.

Ich würde es mir einfach machen und zwischen streetsfotografie und streetfotografie unterscheiden. Streetsfotografie ist alles, was man auf der Straße fotografieren kann und wäre dann wohl in diesem Sinne snapshot aesthetic und streetfotografie wäre dann ein eingefangener entscheidender Moment.

So verstehe ich dies wenn ich Joel Rotenberg folge, der schreibt: „Snapshot arbitrariness means that unintended effects, large or small, are the rule.“

Das ist aber eben nicht Cartier-Bresson. Denn dieser hat den Moment geometrisch gestaltet. Das ist anders, völlig anders.

Insofern ist Schnappschussästhetik sehr unterschiedlich. Schnappschussästhetik wandelt sich.

Daher ist die Verschmelzung von Leica, Cartier-Bresson und die Übertragung auf das moderne Fotografieren nicht so einfach.

Denn eigentlich kommt Schnappschussästhetik nach der Logik von Steven Jacobs dann erst nach Cartier-Bresson vor. Oder man geht anders vor und sagt, Schnappschussästhetik wandelt sich vom geometrisch selbst gestalteten Moment bis Hin zum völlig sich dem Zufall und der Auswahl überlassen.

Steven Jacobs weist später in dem Artikel auf folgendes hin. „Durch die zunehmende Individualisierung, das Aufkommen der multikulturellen Gesellschaft und die wachsende Bedeutung von Randgruppen zerfiel die bürgerliche Gemeinschaft im klassischen Sinne und mit ihr der öffentliche Raum. Fotografen wie etwa Bruce Davidson und Nan Goldin widmeten sich Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre Phänomenen von privaterem Charakter, bevorzugten schrille oder extreme Sujets und die Darstellung von Subkulturen.“

Jacobs erreicht elegant die Gegenwart, wenn er darauf hinweist, daß die Streetfotografie in der Öffentlichkeit vielleicht auch nur aus dem Blick geraten ist und nennt als Beispiel für die Wiederentdecktung das Buch Streetphotography Now.

Mehr zu dem Thema findet man sehr schön auch hier in dem Video.

Wenn Sie darüber hinaus eine fortlaufende Sammlung echter Streetfotografie aus Germany sehen wollen zwischen Journalismus und neuen Wegen, die die Wirklichkeit so abbildet wie sie ist ohne dabei immer auf Geometrie zu verzichten, dann empfehle ich die wupperart.

Dort ist die Fotografie so wie das Leben. Aber nicht wie in New York sondern im New Germany zwischen Düsseldorf und Köln in Remscheid, Solingen und Wuppertal.

Wenn Sie mehr sehen wollen, dann können Sie von dort zum Wupperartmuseum wechseln und haben das, was aus dem Alltäglichen als zeitlos aktuelle Themen herausgefiltert wurde.

So findet die Realität des Kunstlexikons von HatjeCantz seinen Niederschlag direkt vor Ort. Das ist die lebendige Kunst in der Fotografie, um die es geht – Streetfotografie today.

 

Streetfotografie und NSA – wo ist der Unterschied?

Streetphotography bzw. Strassenfotografie ist heute immer noch eines der beliebtesten fotografischen Themenbereiche. Und seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist es noch interessanter weil ein neuer Aspekt hinzukommt, die Frage der persönlichen Doppelzüngigkeit.

Persönlichkeitsrechte sind unteilbar. Freiheit ist ebenso immer die Freiheit des Andersdenkenden wie der Schutz der eigenen Persönlichkeit auch für andere gilt.

Wenn man die fotografische Bloglandschaft durchstreift, dann schreiben immer mehr über ihre persönlichen Erfahrungen mit Kameras, Objektiven und der Strassenfotografie.

Denn sie gehen ja mit ihren Kameras vor die Haustür und machen Fotos.

Dabei ist nun sehr oft festzustellen, dass sich in Blogbeiträgen dazu geäußert wird, daß es zwar das Recht der Menschen gibt, nicht öffentlich einfach fotografiert werden zu wollen und sie das Recht haben, selbst darüber zu bestimmen, ob man sie digital festhält oder dies sogar noch veröffentlicht wird.

Aber dann kommt oft ein Satz danach, der mit irgendwelchen Argumenten rechtfertigt, warum man dann doch einfach fremde Menschen fotografiert, die erkennbar sind und diese Fotos sogar noch online setzt.

Ich hoffe, diese Menschen verstehen irgendwann, daß sie sich damit auf eine Stufe mit der NSA stellen. Auch dort werden deutsche Gesetze einfach gebrochen, weil man der Auffassung ist, man stehe über dem Gesetz.

Dabei ist es fotografisch so einfach.

Deshalb will ich noch eimal auf die goldene Regel zur Strassenfotografie hinweisen.

Denn es ist mit einfachen fotografischen Mitteln möglich, besser zu werden, gute Fotos zu machen und sich selbst zu vervollkommnen.

 

Power the moment – Streetfotografie als Sucherfotografie

Hat bei Fuji auch das neue Image der Streetfotografie gesiegt?

Fuji hat eine Roadshow und eine School im Angebot, wo einige Dozentinnen und Dozenten die neuen Kameras vorführen sollen. Zielgruppen sind offenkundig Kunden mit Interesse an Fashion, Porträt und anderen Themen.

Aber nicht für Street so wie es aussieht. Vielleicht liegt es daran, daß Fuji zunehmend mehr Kameras ohne Sucher im Programm hat.

Es gibt aber von einem Liebhaber der Streetphotography (ohne Unterstützung von Fuji oder eine PR-Agentur) ein komplettes Ebook (mit englischen Kurztexten und vielen wunderbaren visuellen Eindrücken) zu den Vorzügen der Sucherfotografie speziell mit der Finepix X100 und X10. Das Ebook ist speziell für die Benutzung des Suchers beim Fotografieren (viewfinder – rangefinder) gemacht worden.

Der Autor glaubt nämlich, daß dies das wirklich Einzigartige bei klassisch guter Streetfotografie ist und es sich um eine spezielle Art des Fotografierens handelt. Gute Streetphotography kann auch mit anderen Kameras gemacht werden.

Aber die Art und Weise der Entstehung durch die Auswahl mit dem Sucher gibt dem Ganzen nicht nur im Moment der Entstehung sondern auch im Prozess der Auswahl andere Qualitäten für sich selbst und für manches Foto.

Das kostenlose ebook finden Sie hier (pdf).

Es handelt sich um Fineart-Streetphotography.

Es geht eben um die Weitergabe des Feuers und nicht um das Aufbewahren der Asche.

Abschließend noch ein Beispiel für echte Fineart-Streetfotografie nach den Kriterien der goldenen Regel für Streetphotography – übrigens in der Nähe von Düsseldorf, wo Fuji residiert.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

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