Tag Archive for Robert Lebeck

Augen auf! 100 Jahre Leica

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Es wird wohl DAS Buch über Leica bleiben für die Zeit bis heute.

Großformatig und mit genügend Platz wurde ein Buch geschaffen, das die Leica als Kamera und die Welt der Leica-Fotografie zeigt. Besonders interessant fand ich die vielen Artikel, die wirklich versuchen, neue Horizonte zu öffnen.

Was fotografierte man in Portugal, wie wurde die Leica in Kriegszeiten genutzt, welche Rolle spielte die Technik?

„Eine Notiz im Werkstattbuch belegt: Spätestens im März 1914 hatte Oskar Barnack das erste funktionstüchtige Modell einer
Kleinkamera für 35-mm-Kinofilm fertiggestellt. Damit war nicht nur ein neuer Fotoapparat erfunden. Mit der kriegsbedingt erst 1925 eingeführten Leica (= Leitz / Camera) kündigte sich ein Paradigmenwechsel in der Fotografie an. Nicht nur fotografierenden Amateuren, Quereinsteigern und emanzipierten Frauen erleichterte die Leica den Zugang zum Lichtbild. Sie provozierte auch eine neue Art des Sehens, einen schnelleren, dynamischen Blick auf die Welt aus neuen Perspektiven. Rechtzeitig zum runden Geburtstag der legendären Kleinbildkamera und erstmals in dieser thematischen Breite bietet der mit etwa 800 Fotografien bebilderte Band eine umfassende Kunst- und Kulturgeschichte der Leica von den 1920er-Jahren bis in unsere Tage.
Essays internationaler Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der technischen Genese der Leica, ihrem Einfluss auf den modernen Bildjournalismus und nicht zuletzt ihrer Bedeutung für verschiedenste Strömungen innerhalb der fotografischen Avantgarde. Bis dato unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Leica Camera AG runden die facettenreiche 100-jährige Kulturgeschichte ab.“

Das Buch ist wirklich so wie hier beschrieben und es regt dazu an, sich mit der Technik des Fotografierens a la Leica zu beschäftigen.

Wußten Sie, daß bei der Leica Aufnahmen vom Rand gedacht werden und nicht von der Mitte?

Wußten Sie, daß die Aufnahmen gedacht werden?

Sehen Sie, die Leica war eine besondere Kamera.

Fotografieren a la Leica eben.

Daher ist das Buch auch so besonders wie die Kameras waren.

Und wer das Besondere will in dieser Form, der ist bei diesem Buch auch bestens aufgehoben.

100 Jahre Leica ist im Kehrerverlag erschienen.

Herausgegeben von Hans-Michael Koetzle
Gestaltet von Detlef Pusch
Festeinband mit Banderole
27 x 32 cm
564 Seiten mit 12 Seiten eingelegtem Beiheft
ca. 1.200 Farbabbildungen
Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-86828-523-9
Englische Ausgabe ISBN 978-3-86828-530-7

Georg Stefan Troller SIEBEN SCHNAPPSCHÜSSE

Georg Stefan Troller ist 1921 in Wien geboren und hat viele bekannte Menschen kennengelernt. Darunter waren auch einige Fotografinnen und Fotografen. Jetzt hat er in der Lettre international einen Artikel über seine Begegnungen mit Man Ray, Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck, Jacques-Henri Lartigue, Brassai, Gisele Freund und  W. Eugene Smith veröffentlicht.

Foto: Michael Mahlke

 

Der Artikel ist etwas Besonderes, weil er einerseits wesentliche Merkmale der Menschen und ihrer Tätigkeit skizziert – so wie ich es noch nie irgendwo gelesen habe. Andererseits ist Troller Zeitzeuge und auch noch einer der letzten, die darüber schreiben können.

Hinzu kommt etwas Persönliches: Da ich als Mann anders lese als eine Frau ist mir gerade bei den Schilderungen Trollers aufgefallen, dass die Ausführungen zu Gisele Freund irgendwie eine andere – weibliche (?) – Sicht auf die Fotografie vermitteln, die den Horizont erweitert.

Georg Stefan Troller zeigt in dem hochinformativen Artikel, dass das Fotografieren bei allen ein Stück der eigenen Persönlichkeit gewesen ist. Er schildert sogar die Lebenshaltung hinter den Menschen, die so bemerkenswerte Fotos gemacht haben.

Und er zeigt, dass es immer auch auf den Zeitgeist ankommt, wenn man fotografisch erfolgreich sein will.

Der philosophische Schriftsteller Baltasar Gracian hat einmal formuliert: „“Die außerordentlich seltenen Menschen hängen von der Zeit ab. Nicht alle haben die gefunden, deren sie würdig waren, und viele fanden sie zwar, konnten aber doch nicht dahin gelangen, sie zu nutzen. Einige waren eines besseren Jahrhunderts wert, denn nicht immer triumphiert jedes Gute. Die Dinge haben Periode, und sogar die höchsten Eigenschaften sind der Mode unterworfen. Der Weise hat jedoch einen Vorteil, den, daß er unsterblich ist: ist dieses nicht sein Jahrhundert, so werden viele andere es sein.“

Wenn man dies überträgt auf die Fotografie, dann kann man zumindest erklären, warum gute Fotos nicht immer erfolgreich sind. Dies habe ich im Bereich Strassenfotografie ja auch schon thematisiert.

Logischerweise ist der Artikel in der Lettre kein Buch. Er könnte aber auch als Büchlein mit dem Titel „Praktische Philosophie der Fotografie“ erschienen sein.

Es gibt den kompletten Artikel von Georg Stefan Troller nur gedruckt in der Lettre. Ich hoffe, der kleinen Schar klassisch orientierter Fotografinnen und Fotografen einen guten Hinweis zu geben, weil ich diesen Artikel für einen kleinen und guten Höhepunkt in der Informationsflut über Fotografie halte.

 

Fotografie und Recht im Jahre 2010

Hunger auf FotografenJa, da zeigt 3sat eine Sendung aus der Reihe Matussek trifft … In diesem Fall den Fotografen Robert Lebeck. Robert Lebeck ist ein interessanter Mann. So wird sehr oft die Geschichte erzählt, dass er sich hinter einem Vorhang versteckte, als Churchill und Adenauer sich trafen. Alle Fotografen mussten raus. Er blieb und plötzlich suchte Adenauer einen Fotografen. Und da kam er hinter dem Vorhang hervor. Die Fotos danach machten ihn bekannt.

Aber warum schreibe ich das? Weil aus Anlaß der Sendung Robert Lebeck gezeigt wurde, wie er für einen Auftrag unterwegs war, um den nicht vorhandenen Konsum zu fotografieren. Er ging in ein Shoppingcenter und fotografierte ein paar Kürbisse. Sofort kam jemand vorbei und fragte ihn nach seiner Erlaubnis. Es gab einige Verwirrungen.

Was will ich damit sagen? Vor vierzig Jahren konnte man ungestraft hinter einem Vorhang stehen und Churchill oder Adenauer fotografieren. Heute darf man ohne Erlaubnis keinen Kürbis mehr fotografieren, vereinfacht ausgedrückt. So hat sich der Begriff der Freiheit verändert. Das ist schon eine Diskussion wert.

Nachtrag Ende 2011:

Mittlerweile gibt es einen anderen Film auf arte über Robert Lebeck. Dort äußert Michael Jürgs, der ihn lange kennt, die Vermutung, dass Robert Lebeck heute mit seiner sensiblen dokumentarischen Art wohl keine Chance mehr als Fotoreporter haben würde, weil die Verantwortlichen in den Redaktionen dies gar nicht mehr sehen würden.

Das spricht nicht gegen Robert Lebeck, aber es ist die Frage, was hat sich hier verändert?