Tag Archive for Robert Frank

Die Welt des weißen Mannes in den USA – Palm Springs 1960 von Robert Doisneau

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Es ist das Buch, das gefehlt hat.

Als Robert Doisneau in den USA war, machte er Farbfotos. Er war ein Meister der Beobachtung und gilt als einer der Vertreter der humanistischen Fotografie.

Rückblickend ist sein Buch über Palm Springs das gut beobachtete Sittengemälde der Vorzeigewelt des weißen Mannes und der weißen Frau im Amerika der 60er Jahre.

Das Buch ist sozialdokumentarisch grandios und ein wahrer Glücksfall, weil nur ein Fotograf wie Doisneau über die Beobachtungsgabe verfügte und die kulturelle Distanz, die nur den Fremden sehen lassen, was für den Eingeborenen alltäglich und selbstverständlich ist.

Gemischt mit der Geometrie der visuellen Grammatik ist ein kleines großes Buch erschienen, das ich als direkte Ergänzung des Buches von Robert Frank sehe.

Wo Robert Frank die Zerrissenheit zwischen Sein und Sicht zeigt, fotografiert Doisneau die gelebte amerikanische Traumwelt des weißen Mannes und der weißen Frau.

Doisneau zeigt den konstruierten amerikanischen Traum, der in der Wirklichkeit der USA bei Frank nur als Hoffnung in den Gesichtern der Menschen zu sehen ist.

Es sind materialisierte Träume, die wir bei Doisneau sehen, während Frank uns die unerfüllte Sehnsucht nach diesem Traum in den Blicken der Menschen zeigt.

Das Buch ist bei randomhouse noch zu haben.

 

Augen auf! 100 Jahre Leica

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Es wird wohl DAS Buch über Leica bleiben für die Zeit bis heute.

Großformatig und mit genügend Platz wurde ein Buch geschaffen, das die Leica als Kamera und die Welt der Leica-Fotografie zeigt. Besonders interessant fand ich die vielen Artikel, die wirklich versuchen, neue Horizonte zu öffnen.

Was fotografierte man in Portugal, wie wurde die Leica in Kriegszeiten genutzt, welche Rolle spielte die Technik?

„Eine Notiz im Werkstattbuch belegt: Spätestens im März 1914 hatte Oskar Barnack das erste funktionstüchtige Modell einer
Kleinkamera für 35-mm-Kinofilm fertiggestellt. Damit war nicht nur ein neuer Fotoapparat erfunden. Mit der kriegsbedingt erst 1925 eingeführten Leica (= Leitz / Camera) kündigte sich ein Paradigmenwechsel in der Fotografie an. Nicht nur fotografierenden Amateuren, Quereinsteigern und emanzipierten Frauen erleichterte die Leica den Zugang zum Lichtbild. Sie provozierte auch eine neue Art des Sehens, einen schnelleren, dynamischen Blick auf die Welt aus neuen Perspektiven. Rechtzeitig zum runden Geburtstag der legendären Kleinbildkamera und erstmals in dieser thematischen Breite bietet der mit etwa 800 Fotografien bebilderte Band eine umfassende Kunst- und Kulturgeschichte der Leica von den 1920er-Jahren bis in unsere Tage.
Essays internationaler Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der technischen Genese der Leica, ihrem Einfluss auf den modernen Bildjournalismus und nicht zuletzt ihrer Bedeutung für verschiedenste Strömungen innerhalb der fotografischen Avantgarde. Bis dato unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Leica Camera AG runden die facettenreiche 100-jährige Kulturgeschichte ab.“

Das Buch ist wirklich so wie hier beschrieben und es regt dazu an, sich mit der Technik des Fotografierens a la Leica zu beschäftigen.

Wußten Sie, daß bei der Leica Aufnahmen vom Rand gedacht werden und nicht von der Mitte?

Wußten Sie, daß die Aufnahmen gedacht werden?

Sehen Sie, die Leica war eine besondere Kamera.

Fotografieren a la Leica eben.

Daher ist das Buch auch so besonders wie die Kameras waren.

Und wer das Besondere will in dieser Form, der ist bei diesem Buch auch bestens aufgehoben.

100 Jahre Leica ist im Kehrerverlag erschienen.

Herausgegeben von Hans-Michael Koetzle
Gestaltet von Detlef Pusch
Festeinband mit Banderole
27 x 32 cm
564 Seiten mit 12 Seiten eingelegtem Beiheft
ca. 1.200 Farbabbildungen
Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-86828-523-9
Englische Ausgabe ISBN 978-3-86828-530-7

Big Shots! Die Geheimnisse der weltbesten Fotografen von Henry Carroll

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Endlich mal ein Buch, das neue Wege geht!

Der Autor Henry Carroll schreibt im Vorwort:  „Stattdessen enthält dieses Buch inspirierende Arbeiten von Fotografen von früher und von heute. Schauen Sie sich die Bilder an, verstehen Sie ihre Ideen und lernen Sie, wie Sie die Techniken selbst umsetzen können. Sie werden feststellen, dass es bei genialen Fotos weniger um technisches Know-How und vielmehr darum geht, Ihr wertvollstes Instrument zu bedienen – Ihre Augen.“

Es ist ein Buch, das davon lebt, wirklich gut zu sein. Ursprünglich im angelsächsischen Raum erschienen, kommt das Buch über die Schweiz in den deutschen Sprachraum. Das hat ihm sehr gut getan. Es ist eines der Bücher, die dem deutschen Drang der ellenlangen Dokumentation das wirklich wichtige Wissen entgegensetzen: die Praxis des Sehens, die mehr ist als einfaches Fotografieren.

Natürlich kommt in diesem Buch deshalb auch Henri Cartier-Bresson vor, der Meister der Geometrie.

Und natürlich kommen in diesem Buch noch andere Fotografen vor: Sebastião Salgado, Fay Godwin, Martin Parr, Nadav Kander, Daido Moriyama, Elaine Constantine, Ansel Adams, Marc Asnin, Cristina Garcia Rodeo, Edward Burtynsky, Alkan Hassan, Guy Bourdin, Lars Tunbjörk, Lewsi Baltz, Bill Brandt, Ernst Haas, Luca Campigotto, Nayoa Hatakeyama, Slinkachu, Richard Misrach, Denis Darzacq, Jo Metson Scott, Adam Pretty, Tom Hunter, Trent Parke, Ryan Mcginley, Fay Godwin, Joel Sternfeld, Lee Fridlander, Richard Learoyd, Nadav Kander, Elaine, Constantine, Robert Burks, Holly Andres, Jeanloup Sieff, Philip-Lorca diCorcia, Rene Burri, Muzi Quawson, Youngjun Koo, Shikhei Goh, Chris Levine, Melanie Einzig, Robert Capa, Stepehn J. Morgan, Edward Weston, Elliott Erwitt, Apollo 17, Dorothea Lange, Maciej Dakowicz, Alec Soth, Robert Frank, Inzajeano Leif.

Es sind viele Namen und einige davon sind nicht in der  dauernd aktualisierten Medienkarawane der ununterbrochenen Fotoausstellungen zu finden, die überall und immer wieder als sogenannte Fotokunst in Museen gezeigt werden.

Das tut dem Buch gut, weil es zum Kern des Fotografierens vordringt und den Leserinnen und Lesern echte und kluge Zugriffe auf Fotos und fotografische Möglichkeiten bietet.

Carroll hat eine Meinung und er sagt sie schon am Anfang des Buches:

„Stellen Sie sich die Komposition als Fundament ihres Bildes vor. Wie bei jedem Bauwerk muß es stark sein.“

Und so steigt er ein mit dem Foto Monolith von Ansel Adams und danach mit dem Foto Department Var von Henri Cartier-Bresson.

Die guten Fotos nutzt er, um zu zeigen, was man in welcher Situation machen kann, damit die fotografische Komposition stimmt.

Auf Seite 28 schickt er seine Leserinnen und Leser dann erst mal raus zum Üben. Danach folgen weitere 100 Seiten voll mit guten Hinweisen und praktischen Beispielen.

Und wer wirklich übt, der wird das kleine Einmaleins der visuellen Grammatik des Sehens auch lernen können, weil die Vorbilder im Buch erstklassig sind und Carroll offenkundig Erfahrungen in der didaktisch gut aufbereiteten Wissensvermittlung hat.

Super!

Das Buch hat im Vergleich zu anderen Büchern aus deutschen Landen noch einen Vorteil. Es konzentriert sich voll auf das Fotografieren.

In dem Buch wird nicht ein einziges Mal irgendeine Kameramarke erwähnt oder betont, daß es nur die eine Art von Kamera sein kann…

Man braucht eben nicht die neuste Kamera für gute Fotos sondern ein geschultes Auge.

Im schwarzen Einband ist ein echtes Arbeitsbuch erschienen, das wirklich zeigt, wie man sein fotografisches Können verbessern kann.

Einen Hinweis habe ich aber noch. Das englische Original hat übersetzt den Titel Lies das, wenn du großartige Fotos machen willst!

Insofern ist das Buch ein richtig gutes Buch mit einem sehr hohen Lerneffekt und man kann sich sogar noch aussuchen, ob man lieber großartige Fotos machen will oder die Geheimnisse der weltbesten Fotografen kennenlernen möchte – oder beides.

Was will man mehr!

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Es ist im Midas-Verlag erschienen.

Henry Carroll
BIG SHOTS !
Die Geheimnisse der weltbesten Fotografen

128 Seiten, Paperback, Fadenheftung
durchgehend vierfarbig, 50 Fotografien
ISBN: 978-3-907100-51-6

Eine Leseprobe gibt es hier.

 

 

Erfolglos und frustriert? – Leben mit der Fotografie und der eigene Weg durch die Welt

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wer fotografiert will etwas zeigen. Sich selbst und eigentlich auch der Mitwelt. Damit ist dann die Ebene der sozialen Beziehungen erreicht, privat und öffentlich. Erfolg ist dabei dann die Währung. Diesen gibt es ohne Geld und mit Geld. Heute ist der Erfolg in sozialen Netzwerken durch positive Kommentare gegeben. Aber der eigentliche Erfolg ist der Verkauf der Fotos.

Wenn nun beides ausbleibt, was passiert dann?

Ich möchte mit Robert Frank beginnen.

Martina Mettner hat in ihrem Buch Fotografie mit Leidenschaft dem Buch The Americans und der Person Robert Frank ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie schildert dort wie Fotografie mit Leidenschaft echte Leiden schafft. Das Buch hatte eine Druckauflage von 2600 Exemplaren von denen 1100 verkauft wurden und Robert Frank verdiente damit ca. 800 Dollar.

Für das Buch erhielt er öffentlich viele Prügel und das Buch wurde zerrissen. Einzig der New Yorker urteilte über das Buch, dass es „die Charakteristik des amerikanischen Lebens … mit brutaler Sensibilität entblößt.“

Danach verschwand das Buch in der Versenkung.

Erst mehr als zwanzig Jahre später wurde es 1978 durch den einflussreichen John Szarkowski rückblickend zum wichtigsten Fotobuch in der amerikanischen Fotografie der 50er Jahre erklärt.

Frau Mettner hat Robert Frank beispielhaft für die Transformation eines Fotografen zum Künstler dargestellt. Für sie ist das Buch ein „wunderbarer Beleg dafür, dass Knipsen und Kunst zusammengehen können“.

Robert Frank hat nach diesem Buch viele Jahre mit der Fotografie aufgehört. Im Buch von Patricia Bosworth über Diane Arbus schildert die Autorin das Leben und das Verhältnis zwischen Diane und Frank. Dabei wird deutlich, dass Frank von der Fotografie kaum leben konnte. „Bei Frank und seinen Freunden wurde das Thema Geld nie angeschnitten. (Um die Miete bezahlen zu können, nahm man alle möglichen Jobs an.)“

Und er begann dann mit dem Erstellen von Dokumentarfilmen. Der erste nach dem Buch war Pull my Daisy. Walter Gutman, ein Wall Street Makler, investierte 12.000 Dollar in diesen Film, der ein klassischer Dokumentarfilm wurde.

Publikum und Totschweigen

Fotografie braucht Publikum, wenn sie Themen für die Menschen und von den Menschen enthält. Das ist ja fast immer der Fall. Und deshalb ist Publikum so wichtig – auch für die eigene fotografische Entwicklung, selbst wenn die Fotos auf Ablehnung stossen.

Aber es kommt eben auch darauf an, um welches Publikum es sich handelt. Man kann sich zwar sein Publikum nicht aussuchen, aber man kann unterscheiden nach denen, die was zu sagen haben und denen, die aus Neid etwas tun.

Und wenn etwas besonders gut ist und besonders trifft, dann passiert damit oft genau das, was Martina Mettner so schön in ihrem Buch geschildert hat:

Man „breitete den Mantel des Schweigens über diese Darstellung der Schattenseiten des amerikanischen Traums (aus, M.M.)“

Daß dies dann für den Menschen Robert Frank ein Vierteljahrhundert später dazu führte, dass sein Buch Fotografiegeschichte schrieb, hat er dem „Geschichtsschreiber“ John Szarkowski zu verdanken.

Totschweigen ist also ein Geheimrezept, wenn man unliebsames und besonders Gutes nicht haben möchte. Für die Betroffenen kann dies zu Frust führen, weil sie ja ihre Lebenszeit mit Engagement investieren. Ohne Engagement führt dies wahrscheinlich nicht zu Frust, weil die persönliche Betroffenheit nicht ausgeprägt ist.

Heute sind wir einige Schritte weiter. Belohnung und Strafe liegen beim Posten von Fotos nur einen Klick voneinander entfernt. Und das Gefällt mir ist oft nur noch eine Sache von Sekunden. Meinungen bilden sich unabhängig von sachlichen Kriterien aus Launen heraus.

Daher sollten soziale Netzwerke eher Hinweisorte sein und die Fotos selbst woanders sein, offline und online.

Ende ohne Happy oder happy ohne Ende?

Soll man weitermachen, wenn der Erfolg sozial und finanziell ausbleibt?

Robert Frank hörte für viele Jahre auf. Nur die Existenz des Buches gab die Gelegenheit für den späteren Zugriff.

Heute werden für einzelne Fotos aus dem damaligen Buch als Druck mehr als 600.000 Dollar gezahlt.

Das ist im digitalen Zeitalter noch schwieriger.

Wenn du die Seiten mit deinen Fotos löschst, dann sind sie weg.

Somit ist heute sogar die Hoffnung auf den Erfolg in der Zukunft weg, wenn man die Dinge nur digital hat und nicht gedruckt und digital gesichert.

Schwierige Zeiten.

Aber damit nicht genug!

Wo kann man denn heute noch erfolgreich sein?

  • Das finanzielle Erfolgskriterium ist die „Museumsqualität“.
  • Die Teilnahme an Fotowettbewerben ist wie eine Fotolotterie und
  • das Hochladen in Communities ist meistens nicht mehr als das tägliche Sichten von gespeicherten Bildermassen.

An dieser Stelle möchte ich nun noch hinweisen auf ein besonderes Phänomen. Diane Arbus und viele andere Fotografinnen und Fotografen haben es erlebt: je mehr Fotowettbewerbe sie gewonnen haben und je prominenter sie wurden, desto weniger Aufträge erhielten sie. So gibt es nicht einmal hier einen garantierten Weg zum finanziellen Erfolg.

Wenn ich das alles so beschreibe, dann wird man auf sich selbst zurückgeworfen.

Hilft da die Erzählung von Albert Camus  mit dem Titel Jonas oder der Künstler bei der Arbeit?

Was mir an dem Buch von Frau Mettner so gefällt ist die Auseinandersetzung mit dem Thema, die bei mir zu Fragen führt wie

  • Was mache ich eigentlich, wenn ich nicht berühmt und reich werde?
  • Welche Rolle spielt dann die Fotografie für mich?
  • Was will ich mit diesem Medium ausdrücken?
  • Worum geht es mir?

Wenn die Fotografie dann nicht das ganze eigene Leben ist und man weiß, welche Antworten man darauf gibt, dann ist vielleicht der Weg erreicht, der es möglich macht, weiter zu fotografieren.

Im Kreis und im Fluß

Dieser Artikel kreist um einen Fluß ohne Anfang und ohne Ende. Daher sind alle Antworten nur Momente für Momente.

Der Weg zu sich ist offenkundig das Ziel.

Dieser Weg ist aber finanziell so gut wie nie erfolgreich. Er ist eher die Essenz, die den Misserfolg leicht verdaubar macht und dem Leben mehr Gewicht einräumt als dem Nachlaufen zum finanziellen Erfolg.

Wie man diesen erreicht, haben Piroschka Dossi und Martina Mettner in ihren Büchern analysiert. Dabei geht es überwiegend um Vernetzen und Verbinden.

The Americans

Um nun das Buch von Robert Frank noch einmal anzusprechen. Es gefällt mir, weil es echte Momente dokumentiert. Die Fotografien erzählen etwas. Aber ich habe immer das Gefühl, er hat mit dem Foto so lange gewartet bis die Person, die fotografiert wurde, missbillig sagt, was willst du von mir, pass auf, ich komme gleich rüber. So ist der Fotograf aktiver Teil des dann als Reaktion darauf aufgenommenen Geschehens. Es sind dann wohl eher herausgeforderte Momente, die genau dann fotografiert wurden.

Das war der Moment, den er festhielt.

An dem Buch gefällt mir aber noch etwas anderes. Es hat ein Format, das aus Fotos keine Tapeten macht und die Fotos wirken trotzdem gut. Es dürfte sich um Fotos im Format 13×19 handeln im Querformat.

So möchte ich diesen Artikel beenden und stelle rückblickend fest, dass es mir gelungen ist, die Schwierigkeit und die Widersprüche aufs Papier zu bringen, die entstehen, wenn die Fotografie ein Teil meines Lebens ist. Und ich konnte dokumentieren, warum Erfolg und Mißerfolg oder fehlender Erfolg nichts über Qualität  und die eigene Person aussagt. Es kommt auch da auf die richtigen Verbindungen und den richtigen Zeitpunkt an.

So enden diese Ausführungen mit Antworten und Fragen – wie im echten Leben!

Und danken möchte ich Patricia Bosworth, Piroschka Dossi, Martina Mettner und Robert Frank für ihre Bücher und Gedanken, die mir eine vielfältige Inspiration waren beim Erzeugen eigener Gedanken, beim Finden von Zusammenhängen und beim Schreiben dieses Artikels.

Fotografie mit Leidenschaft von Dr. Martina Mettner

Das Buch fängt da an wo andere aufhören.

Wie heisst es so schön?

„Die Leichtigkeit, mit der das Medium Fotografie beherrschbar ist, macht es offenbar umso schwerer, zu einer individuellen Bildsprache zu finden.“

Und so schreibt Frau Mettner souverän mit der Erfahrung einer fachkundigen Beraterin, Soziologin und Autorin, die die Abläufe, Zusammenhänge, Personen und Entwicklungen in der Welt der Fotografie kennt.

Es ist ein bemerkenswert gutes Buch und es hat durchgängig Gedanken, die eigenständig sind und weiterhelfen.

„Die zentrale Frage ist: Wie funktioniert künstlerische Fotografie?“

Dieser Satz aus der Einleitung führt als gedanklicher Faden durch die Kapitel dieses Buches.

An den Beispielen von Henri Cartier-Bresson, Robert Frank, Walker Evans und Dorothea Lange zeigt sie mit einem hochinteressanten Mix von Informationen über Leben und Werk wie abhängig öffentliche Anerkennung von Beziehungen ist. Das hat nichts mit gut oder schlecht zu tun sondern mit Zeitgeist und Interesse.

Landschaft, Porträt, Reportage und Kunstmarkt stellt uns Frau Mettner mit Bildbeispielen und Betrachtungen vor, die sie klar interpretiert und sich positioniert – mit Leidenschaft eben.

Ich bin nicht immer ihrer Meinung und bewerte einige Personen und Sachverhalte auch anders. Aber sie hat wenigstens eine Meinung mit argumentativer Substanz und ein gutes Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man sich an ihm reiben kann.

Sie schreibt auch über Fotografinnen und Fotografen, die wenig Publikum haben und analysiert die aktuelle Situation in der Welt der Fotografie zwischen Veränderung und Anpassung.

Ihre vielen Bildbeispiele machen es möglich, Ansichten zu entwickeln und zu überprüfen.

Das Kapitel „Der Kunstbetrieb“ offenbart dann auch noch einen Aspekt, der mir auch schon seit einiger Zeit auffällt: „Wie in den vorausgegangenen Kapiteln immer wieder zu sehen war, hatten die Fotografen, deren Arbeiten tatsächlich ausgestellt und gehandelt werden, immer namhafte Fürsprecher und, lange vor Social Media, ein funktionierendes Netzwerk an Fans und Förderern.“

Sie zeigt dann sehr realistisch auf, dass der Traum vom grossen Geld sehr nüchtern betrachtet werden muss.

Aber ihre Leserinnen und Leser läßt sie hier nicht stehen (was ich sehr freundlich finde) sondern nimmt sie mit auf den Weg, der der Fotografie andere Aspekte abgewinnt.

Diese findet man in den Kapiteln „Die Kunst, sein Glück in der Fotografie zu finden“ und im Kapitel „Praktische Tipps zur Realisierung freier Projekte“.

Doch darüber schreibe ich nicht, denn das sollen Sie selbst lesen, wenn Sie dieses Buch in den Händen halten. Wer fotografisch weiterkommen will, der kann sich mit diesem Buch ein großes Geschenk machen, das auch noch in einigen Jahren seinen Wert hat.

Das Buch ist im Fotofeinkost-Verlag erschienen.

Dr. Martina Mettner
Fotografie mit Leidenschaft – Vom Abbilden zum künstlerischen Ausdruck
224 Seiten mit Abb., in Leinen fest gebunden, Lesebändchen, Format 21,5 x 21,5 cm.

ISBN 978-3-9813869-1-2