Tag Archive for Robert Capa

Väter und Söhne hrsg. von Peter Graf und Till Schaap

Väter und Söhne

„Liebesgeschichten in Bildern“ sollen es sein. Es ist eine Sammlung von Fotografien, die es sonst so nicht zu sehen gibt mit einem Foto von Robert Capa, das Ernest Hemingway und seinen Sohn zeigt oder Fotos von Henri Cartier-Bresson mit Vätern in Russland und andere bekannte Namen.

Zugleich ist dieses Buch von 2009 eine Annäherung an ein Thema, das zur Selbstreflexion einlädt. Wie ist oder war das Verhältnis zum eigenen Vater? Kommen Emotionen hoch beim Betrachten dieser Fotos oder ist das alles abgeschlossen?

MAGNUM. Große Radrennen im Visier berühmter Magnum-Fotografen

Das Buch ist toll. In erstklassigen Aufnahmen halten 15 MAGNUM-Fotografen die expressivsten Momente der Radsportereignisse ihrer Zeit fest. Begleitet werden diese Fotografien von sachkundigen und anekdotischen Texten von Guy Andrews.

Guy Andrews ist Gründer und ehemaliger Herausgeber des britischen Magazins Rouleur. In diesem Buch finden wir Fotos von Christopher Anderson, René Burri, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Martine Franck, Stuart Franklin, Leonard Freed, Harry Gruyaert, Thomas Hoepker, Richard Kalvar, Mark Power, Guy le Querrec, David Seymour, Chris Steele-Perkins, John Vink.

Aber es ist ingesamt mehr. Wir können nicht nur die Tour de France und andere Rennen anhand ausgewählter Reportagen von den Anfängen bis zur Gegenwart erleben, zugleich gehen wir mit den Fotografen auf ihre jeweils persönliche Foto-Tour und sehen, wie ihre Art zu fotografieren ist.

Fotoreportagen bei der Tour de France von Magnum-Fotografen, die auf ihre eigene Art das Geschehen sahen und für sie interessante Momente festhalten.

Wo gibt es so etwas noch?

Die Reportage von Harry Gruyaert ist völlig anders als die von John Vink und Henri Cartier-Bresson blickt auf andere Themen als die Vorgenannten. Es ist dadurch ein Studienbuch zur Reportagefotografie und zugleich ein Buch zur Geschichte der Tour de France und ein wunderschönes Fotobuch.

Schon der Einband ist eine Wonne. Die Fotos sind groß und die Texte von Guy Andrews erzählen und betten ein.

Das Buch sorgt für Stunden – wenn nicht für Tage – für gute Unterhaltung und gibt durch die gelebte Fotopraxis viele Anregungen für das eigene fotografische Tun.

Dem Sieveking-Verlag ist damit eine rundherum gute Veröffentlichung gelungen, die historisch und fotografisch interessant und vom Gehalt her wertvoll ist.

GUY ANDREWS
MAGNUM
Große Radrennen im Visier berühmter Magnum-Fotografen
Aus dem Englischen
26 x 25,8 cm
224 Seiten
200 Abb.
Hardcover
ISBN 978-3-944874-40-1

 

Augen auf! 100 Jahre Leica

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Es wird wohl DAS Buch über Leica bleiben für die Zeit bis heute.

Großformatig und mit genügend Platz wurde ein Buch geschaffen, das die Leica als Kamera und die Welt der Leica-Fotografie zeigt. Besonders interessant fand ich die vielen Artikel, die wirklich versuchen, neue Horizonte zu öffnen.

Was fotografierte man in Portugal, wie wurde die Leica in Kriegszeiten genutzt, welche Rolle spielte die Technik?

„Eine Notiz im Werkstattbuch belegt: Spätestens im März 1914 hatte Oskar Barnack das erste funktionstüchtige Modell einer
Kleinkamera für 35-mm-Kinofilm fertiggestellt. Damit war nicht nur ein neuer Fotoapparat erfunden. Mit der kriegsbedingt erst 1925 eingeführten Leica (= Leitz / Camera) kündigte sich ein Paradigmenwechsel in der Fotografie an. Nicht nur fotografierenden Amateuren, Quereinsteigern und emanzipierten Frauen erleichterte die Leica den Zugang zum Lichtbild. Sie provozierte auch eine neue Art des Sehens, einen schnelleren, dynamischen Blick auf die Welt aus neuen Perspektiven. Rechtzeitig zum runden Geburtstag der legendären Kleinbildkamera und erstmals in dieser thematischen Breite bietet der mit etwa 800 Fotografien bebilderte Band eine umfassende Kunst- und Kulturgeschichte der Leica von den 1920er-Jahren bis in unsere Tage.
Essays internationaler Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der technischen Genese der Leica, ihrem Einfluss auf den modernen Bildjournalismus und nicht zuletzt ihrer Bedeutung für verschiedenste Strömungen innerhalb der fotografischen Avantgarde. Bis dato unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Leica Camera AG runden die facettenreiche 100-jährige Kulturgeschichte ab.“

Das Buch ist wirklich so wie hier beschrieben und es regt dazu an, sich mit der Technik des Fotografierens a la Leica zu beschäftigen.

Wußten Sie, daß bei der Leica Aufnahmen vom Rand gedacht werden und nicht von der Mitte?

Wußten Sie, daß die Aufnahmen gedacht werden?

Sehen Sie, die Leica war eine besondere Kamera.

Fotografieren a la Leica eben.

Daher ist das Buch auch so besonders wie die Kameras waren.

Und wer das Besondere will in dieser Form, der ist bei diesem Buch auch bestens aufgehoben.

100 Jahre Leica ist im Kehrerverlag erschienen.

Herausgegeben von Hans-Michael Koetzle
Gestaltet von Detlef Pusch
Festeinband mit Banderole
27 x 32 cm
564 Seiten mit 12 Seiten eingelegtem Beiheft
ca. 1.200 Farbabbildungen
Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-86828-523-9
Englische Ausgabe ISBN 978-3-86828-530-7

Big Shots! Die Geheimnisse der weltbesten Fotografen von Henry Carroll

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Endlich mal ein Buch, das neue Wege geht!

Der Autor Henry Carroll schreibt im Vorwort:  „Stattdessen enthält dieses Buch inspirierende Arbeiten von Fotografen von früher und von heute. Schauen Sie sich die Bilder an, verstehen Sie ihre Ideen und lernen Sie, wie Sie die Techniken selbst umsetzen können. Sie werden feststellen, dass es bei genialen Fotos weniger um technisches Know-How und vielmehr darum geht, Ihr wertvollstes Instrument zu bedienen – Ihre Augen.“

Es ist ein Buch, das davon lebt, wirklich gut zu sein. Ursprünglich im angelsächsischen Raum erschienen, kommt das Buch über die Schweiz in den deutschen Sprachraum. Das hat ihm sehr gut getan. Es ist eines der Bücher, die dem deutschen Drang der ellenlangen Dokumentation das wirklich wichtige Wissen entgegensetzen: die Praxis des Sehens, die mehr ist als einfaches Fotografieren.

Natürlich kommt in diesem Buch deshalb auch Henri Cartier-Bresson vor, der Meister der Geometrie.

Und natürlich kommen in diesem Buch noch andere Fotografen vor: Sebastião Salgado, Fay Godwin, Martin Parr, Nadav Kander, Daido Moriyama, Elaine Constantine, Ansel Adams, Marc Asnin, Cristina Garcia Rodeo, Edward Burtynsky, Alkan Hassan, Guy Bourdin, Lars Tunbjörk, Lewsi Baltz, Bill Brandt, Ernst Haas, Luca Campigotto, Nayoa Hatakeyama, Slinkachu, Richard Misrach, Denis Darzacq, Jo Metson Scott, Adam Pretty, Tom Hunter, Trent Parke, Ryan Mcginley, Fay Godwin, Joel Sternfeld, Lee Fridlander, Richard Learoyd, Nadav Kander, Elaine, Constantine, Robert Burks, Holly Andres, Jeanloup Sieff, Philip-Lorca diCorcia, Rene Burri, Muzi Quawson, Youngjun Koo, Shikhei Goh, Chris Levine, Melanie Einzig, Robert Capa, Stepehn J. Morgan, Edward Weston, Elliott Erwitt, Apollo 17, Dorothea Lange, Maciej Dakowicz, Alec Soth, Robert Frank, Inzajeano Leif.

Es sind viele Namen und einige davon sind nicht in der  dauernd aktualisierten Medienkarawane der ununterbrochenen Fotoausstellungen zu finden, die überall und immer wieder als sogenannte Fotokunst in Museen gezeigt werden.

Das tut dem Buch gut, weil es zum Kern des Fotografierens vordringt und den Leserinnen und Lesern echte und kluge Zugriffe auf Fotos und fotografische Möglichkeiten bietet.

Carroll hat eine Meinung und er sagt sie schon am Anfang des Buches:

„Stellen Sie sich die Komposition als Fundament ihres Bildes vor. Wie bei jedem Bauwerk muß es stark sein.“

Und so steigt er ein mit dem Foto Monolith von Ansel Adams und danach mit dem Foto Department Var von Henri Cartier-Bresson.

Die guten Fotos nutzt er, um zu zeigen, was man in welcher Situation machen kann, damit die fotografische Komposition stimmt.

Auf Seite 28 schickt er seine Leserinnen und Leser dann erst mal raus zum Üben. Danach folgen weitere 100 Seiten voll mit guten Hinweisen und praktischen Beispielen.

Und wer wirklich übt, der wird das kleine Einmaleins der visuellen Grammatik des Sehens auch lernen können, weil die Vorbilder im Buch erstklassig sind und Carroll offenkundig Erfahrungen in der didaktisch gut aufbereiteten Wissensvermittlung hat.

Super!

Das Buch hat im Vergleich zu anderen Büchern aus deutschen Landen noch einen Vorteil. Es konzentriert sich voll auf das Fotografieren.

In dem Buch wird nicht ein einziges Mal irgendeine Kameramarke erwähnt oder betont, daß es nur die eine Art von Kamera sein kann…

Man braucht eben nicht die neuste Kamera für gute Fotos sondern ein geschultes Auge.

Im schwarzen Einband ist ein echtes Arbeitsbuch erschienen, das wirklich zeigt, wie man sein fotografisches Können verbessern kann.

Einen Hinweis habe ich aber noch. Das englische Original hat übersetzt den Titel Lies das, wenn du großartige Fotos machen willst!

Insofern ist das Buch ein richtig gutes Buch mit einem sehr hohen Lerneffekt und man kann sich sogar noch aussuchen, ob man lieber großartige Fotos machen will oder die Geheimnisse der weltbesten Fotografen kennenlernen möchte – oder beides.

Was will man mehr!

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Es ist im Midas-Verlag erschienen.

Henry Carroll
BIG SHOTS !
Die Geheimnisse der weltbesten Fotografen

128 Seiten, Paperback, Fadenheftung
durchgehend vierfarbig, 50 Fotografien
ISBN: 978-3-907100-51-6

Eine Leseprobe gibt es hier.

 

 

Ernest Hemingway in Bildern und Dokumenten

Ernest Hemingway Edition Olms

Über Ernest Hemingway ist ein schönes und wundervolles Buch in der Edition Olms erschienen. Es gibt Bücher, die sind einfach besser als andere – und dieses Buch gehört dazu. Das Buch wurde von Mariel Hemingway herausgegeben, Boris Vejdovsky schrieb die Texte und Alwin Letzkus übersetzte sie ins Deutsche.

Foto: Edition Olms

 

Mariel Hemingway schildert im Vorwort ihre Sicht auf ihren Großvater. Ernest Hemingway war zweifellos prägend. Und ich finde es bemerkenswert, wie spannend das Buch dieses Schriftstellerleben darstellt.

Foto: Michael Mahlke

 

Über einen Titanen der amerikanischen Literatur wie Ernest Hemingway ist schon zu Lebzeiten viel geschrieben worden. Wer ihn nicht kannte, weil er/sie später geboren wurde oder aus anderen Gründen, der findet in diesem Buch einen besonders guten Zugang zu Mensch und Werk.

Boris Vejdovsky gelingt es, mit leichten Worten die Leser durch das Buch und das Leben von Ernest Hemingway zu führen. Die Geschichten des Buches liefert Ernest Hemingway selbst. Er ging dorthin, wo der Kampf war. Das waren die Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das waren die Stierkämpfe in Spanien und das war das wilde Leben in der afrikanischen Savanne.

Wolfgang Koeppen schrieb über Hemingway: „Ich bin Hemingway einmal begegnet. Es war in den schlimmen, den verzweifelten Jahren kurz vor dem Bürgerkrieg, der mehr als nur Spaniens Schicksal entschied. Es war gegen Morgen, im Juni oder Juli, und Paris war fahl um diese Stunden. ..Wir alle waren Flüchtlinge, auch wenn wir vielleicht nach Berlin zurückkehrten. Hemingway schien aus dem Taxi nicht zu steigen, sondern zu fallen. Wir stützten ihn. Wir bewunderten ihn. Er sank auf den Stuhl wie ein Sack. Wir beneideten ihn sehr. Er bestellte Kognak für uns alle, und alsbald schichteten sich die Untertassen zu kleinen schwankenden Türmen. Hemingway war für uns ein Symbol des literarischen Erfolges, des Ruhmes und der Unabhängigkeit.“

Foto: Michael Mahlke

 

Und so finden sich in diesem Buch Blicke auf sehr viele Facetten aus Hemingways Leben. Seine Ehen, seine Kinder, seine Bücher, seine Liebschaften, seine Probleme. Das Buch zeigt einen nicht voyeuristischen sondern freundlichen Blick auf ein Leben, das zum Symbol für die Sehnsüchte vieler Menschen wurde.

Die Texte von Vejdovsky zeigen dabei Licht und Schatten eines Menschen, der zum Symbol für die Wünsche anderer wurde und zugleich zutiefst die menschlichen Widersprüche lebte. Das literarische Schaffen war der Kern, zu dem er immer wieder vordrang, der ihm Ruhe und Kreativität ermöglichte und sein Denken dokumentierte. Das Fischen und der Stierkampf war die immerwährende Auseinandersetzung mit Leben und Tod, mit Einsamkeit und Angst – und mit sich selbst.

Foto: Michael Mahlke

 

Das Buch ist aber nicht nur ein Buch über das Leben von Ernest Hemingway, es ist auch ein Buch über Reporter und ihre Fotografie. So finden wir immer wieder Fotos von Robert Capa und von vielen anderen Fotografen. Die Öffentlichkeit war irgendwie immer dabei im Leben von Ernest Hemingway. Und die Fotoreporter machten Fotos, die fast alle Lebenssituationen zeigen, im Krieg, in der Ehe, mit den Kindern, beim Fischen etc.

So ist dieses Buch auch eine Dokumentation der Reportagefotografie am Beispiel eines Schriftstellerlebens. Der großformatige Band ist wunderbar gestaltet. Fast jede Doppelseite vermittelt spezielles Wissen und bietet eine Kombination aufeinander abgestimmter Fotos, von Dokumenten seines Lebens und von informativen Texten. Die Hintergründe seiner Werke werden ebenso dargestellt wie die Situationen davor und danach. Das Design und das Layout des Buches verschmelzen mit den Texten und Fotos und deshalb ist dieses Buch etwas Besonderes.

Das Buch macht Lust auf Hemingway und zeigt einen Lebensversuch, der den Umgang mit der Angst vor dem Leben durch Überwindung der Angst mit Erlebnissen füllt, die das Gefühl vermitteln, gelebt zu haben.

Dieses Buch ist ein Geschenk. Wer es gelesen hat, der erhält Blicke auf sich und auf Hemingway und wer es verschenkt, der gibt etwas nicht Alltägliches aus den Händen, das ein wirkliches Geschenk sein kann.

Mariel Hemingway

ERNEST HEMINGWAY
Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Herausgegeben von Mariel Hemingway Mit Textbeiträgen von Boris Vejdovsky Übersetzung aus dem Französischen von Alwin Letzkus. 208 Seiten mit ca. 350 Fotos und Illustrationen. Hardcover im Folio-Format 28 x 33 cm

ISBN10: 3-283-01178-8
ISBN13: 978-3-283-01178-9

www.edition-olms.com