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Von Leica und Rollei zu Instagram und Oggl oder das Quadrat ist zurück

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„Nach dem generellen Wechsel vom Kleinbildformat zum Format 6×6 bei Kriegsende bleibt Almasys fotografischer Stil nun über die nächsten Jahrzehnte hinweg konstant. Almasy hat das unbemerktere Arbeiten mit der Rolleiflex der Kleinbildkamera vorgezogen, auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Cadrage.“

Dieser Satz von Axel Schmidt aus dem Buch „Paul Almasy. Zaungast der Weltgeschichte“ läßt uns völlig neue Blicke auf die Fotojournalisten und Reporter und ihre Kameras im 20. Jhrdt. werfen.

Die Rollei sei unbemerkter als die Leica. Das widerspricht völlig dem Bild, das wir gewonnen haben durch Cartier-Bresson und seine Schnappschüsse.

Rollei  war also für Reporter ebenso wichtig wie Leica. Aber 6×6 verlor letztlich die Attraktivität des 4×3 oder 3×2 Formats.

Doch auch das quadratische Fotografieren kehrte zurück als Ricoh in die GX200 diesen Aufnahmemodus integrierte und mit dem Sucher ein Gefühl wie bei einer Mittelformatkamera mit echtem 6×6 Film vermittelte.

Ricoh GX200

Ricoh GX200

Und damit nicht genug.

Wer ein Smartphone hat weiß, was passierte.

Instagram, Hipstamatic und viele mehr haben das quadratische Format neu entdeckt.

Mit der Iphone- und Smartphone Fotografie kehrt genau das Format zurück, welches so lange uninteressant war.

Und es hat komplett die digitale Welt erobert. Denn die meisten Fotos heute werden mit Smartphones und im quadratischen Format aufgenommen und gepostet/veröffentlicht.

So hat die neue Zeit auch eine neue Form. Sie ist viereckig.

Aktuelle Kamera-Schnäppchen

Über 100 neue Kameras wurden dieses Jahr schon vorgestellt.

 

  • Sind sie besser als die Kameras vom letzten Jahr oder davor?
  • Welches Preis-Leistungsverhältnis stimmt?
  • Wie findet man die richtige Kamera und bezahlt nicht zu viel? Dazu habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben.

 

Ich möchte hier ein paar aktuelle Eindrücke wiedergeben von Kameras und Preisen (zum Zeitpunkt meiner Abfrage im Internet), die ich empfehlenswert finde:

 

  • Die Nikon P300 gibt es aktuell mit original Nikon Tasche und 4 GB Karte für 179 Euro. Es ist eine Kamera mit Lichtstärke F1,8, sehr gutem Weitwinkel und ausser RAW kann sie eigentlich alles, was man sich als Fotoprofi für das Web wünscht.
  • Die Casio EX-H20G mit GPS gibt es aktuell für 125 Euro. Es ist eine Reisekamera für Automatikfreunde, die komplette Reisen aufzeichnet und einen sehr langlebigen Akku hat.
  • Die Olympus E-PM1 kostet 199 Euro, die E-P2 kostet 254 Euro, die E-PL1 kostet 143 Euro. Alle Preise beziehen sich auf das Gehäuse plus Zubehör ohne Objektiv. Damit erhält man erstklassige Systemkameras, die mit jeder Art von MFT-Objektiv genutzt werden können und diese sind preiswert gebraucht oder neu erhältlich.
  • Die Ricoh CX4 gibt es aktuell für 123 Euro. Es ist eine Kamera, die mit sehr gutem Display und guter Optik von 28-300 Millimeter punktet.
  • Die Canon Powershot s95 gibt es für 270 Euro. Eine der besten und professionellsten kleinen Kameras, die jemals gebaut wurden.
  •  Und es gibt aktuell komplette Einsteiger-Kombinationen von DSLR und Kit-Objektiv für 400 bis 450 Euro.

 

Natürlich können die hier von mir genannten Preise für Neuware mittlerweile schon wieder verändert sein. Ich habe sie am 17.03.2012 um 7 Uhr im Internet abgefragt. Übrigens sind sie in manchem Fotoladen und Fotomarkt noch günstiger, wie ich immer wieder bei Besuchen feststelle.

Es lohnt sich schon zu schauen. Denn für gute bis sehr gute Bildqualität bei niedrigen ISO sind diese Kameras allemal gut. Und welchen Mehrwert Kameras haben, die teurer sind, sollte man sich genau anschauen.

Wichtig: Dieser Artikel gibt nur meine persönliche Meinung wieder.

Diogenes in der Tonne oder welche Kamera ist gut für diskrete Reportagefotos?

Ein bisschen Meinung

Foto: Michael Mahlke

Von der Leica zur Fuji?

Früher war es die Leica M. Cartier-Bresson fotografierte am liebsten mit einer 50mm Brennweite, zumindest wird ihm das nachgesagt. Daneben benutzte er die 35mm. So wurde er bekannt als Fotograf, der mit einer Normalbrennweite wunderbare Fotos schoß.

Stellt man sich die Frage, womit man heute die Reportagefotografie am besten erledigt, dann merkt man schnell, dass dies einige Gedanken wert ist.

Kriterien sind im klassischen Sinne

  • Sucher,
  • grosser Sensor,
  • leises Auslösegeräusch,
  • umgerechnet auf Kleinbild ca. 35mm Objektiv
  • und nicht zu groß.

Wobei mir bei den Sensoren der APS-C Chip mit dem Cropfakter 1,5 besser gefällt als das Vollformat.

Natürlich kann es die Leica M mit einem 35mm Objektiv, aber sie hat einen manuellen Fokus und ist sehr teuer im Verhältnis zum Ergebnis, nämlich digitalen Fotos.

Natürlich kann es die Fuji X100, meiner Einschätzung nach DIE Kamera für Reportagefotografie in traditioneller Kameraform auf modernem Niveau aktuell überhaupt, zumal nach dem umfassenden Firmware-Update.

Und dann?

Bei Nikon und Canon ist mir nichts bekannt, was den umgerechnet 35mm-Kriterien entsprechen würde. Oder kennt jemand ein kleines, lichtstarkes 24mm Objektiv mit Autofokus, leicht und bezahlbar, welches man auf Canon oder Nikon Kameras mit 1,5 Cropfaktor schrauben könnte?

So griff ich zum Schluss zu meiner D3100 mit dem Nikkor 35mm/F1.8 Objektiv. Das ist umgerechnet ein 50mm Objektiv, die klassische Brennweite von Cartier-Bresson. Das ist ok für 50mm.

Da würden mir dennoch umgerechnet 35mm besser gefallen (eben ein kleines und bezahlbares 24mm F1.8 oder F2 oder 2.8 Objektiv). Alternativ gibt es noch das 30mm F1,4 von Sigma, welches mir sehr gut gefällt und bei ca. 45mm Brennweite wäre. Das ist es aber schon.

Und die neuen Stars in den digialen Medien?

Soweit ich gelesen habe ist die neue Canon Powerhot G1X laut Testergebnis zu langsam für Schnappschüsse, die neuen Kameras von Fuji wie die Pro-1 bringen für das Thema in meinen Augen keine wirklichen Verbesserungen ausser Wechseloptiken, wenn sie für Reportagen denn nötig sein sollten.

Systemkameras sind eher nicht geeignet für Reportagefotografie

Bei den Systemkameras ist mir aktuell keine Kamera mit einem sehr leisen Auslösegeräusch bekannt, am ehesten noch die E-PM1. Und mit den Systemkameras habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich war unterwegs an diesem sonnigen Tag. Da die Sonne schien, war es nicht möglich, mit meinen Systemkameras ohne Sucher zielgerichtet und gestaltend zu fotografieren. Die Displays waren im Sonnenlicht alle so gut wie nicht ablesbar. Mit einem aufgesteckten Sucher sind die Systemkameras aber so unhandlich, dass sie weder in der Größe noch von der Mechanik besser als DSLRs sind.

Bleiben die Panasonic G2/G3 mit dem 17mm F2.8 Objektiv von Olympus und dem 20mm F1.7 von Panasonic. Die Kameras haben einen Sucher, der flackert aber z.T. bei Kunstlicht. Leider ist auch das Auslösegeräusch in leiser Umgebung einfach zu laut und die Kameras sind so gross, dass eine kleine DSLR für mich unzweifelhaft besser ist.

Drei Alternativen mit grossen Sensoren als Lösung

Somit schließt sich der Kreis mit größeren Sensoren und leisem Auslösegeräusch und mündet für mich im Ergebnis

  • in die Fuji X100
  • die Nikon D3100 oder deren Nachfolger mit Quiet-Modus
  • oder die Leica M9 (Vollformat, nur manuell)

Es ist also nicht so, dass wir schon alles hätten im Bereich der Digitalkameras, wir warten eher drauf, dass es endlich mehr Reportagekameras für unauffälliges Fotografieren gibt.

Je nach Anspruch klappt es auch mit Kompaktkameras

Ergänzen kann man dies durch Kameras mit kleineren Sensoren.

Dann ist das Bokeh aber nur nachträglich digital erzeugbar.

Die neuen Kameras wie die Fuji X10/X20 und die Nikon V1/J1 haben ja einen Sucher und einen S-Modus.

Der ist entscheidend, weil nur so die Auslösegeschwindigkeit vorgewählt werden kann. Das ist in meinen Augen unerläßlich.

Wer auf die Gestaltung mit Bokeh durch Festbrennweiten und einen Sucher verzichten kann und auf RAW und die Dinge lieber der Kamera überläßt, der kann sicherlich schon mit Kompaktkameras mit/ohne Sucher glücklich werden.

Diese Geschichte muß man auch diskutieren. Dann fallen meine Kriterien weg. Das wird sicherlich die Richtung im Zeitalter der Software-Fotos sein. Und für Webfotos ist dies immer ausreichend und erlaubt durch den nachträglichen Filtermix unendliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Mein Wunsch für eine kompakte Strassenkamera

Mein persönlicher Wunsch wäre eine Kamera ähnlich wie die Sony TX5 aber mit 1/1,7 oder größerem Sensor, dem Periskopobjektiv und RAW sowie einem kleinen optischen Sucher (wie in der Canon A1200), griffig, gutem Monitor und einer sehr guten Schnappschussfähigkeit sowie einem S-Modus.

Und wenn nur ein elektronischer Sucher möglich wäre, dann so wie ein ausfahrender Blitz: der Sucher würde links oben oder oben auf der Kamera bei Bedarf rausklappen wie bei anderen Kameras der Blitz.

(Info im Jahr 2015: Diesen Satz muß Sony gelesen haben, denn zwei Jahre nach dem Publizieren dieses Artikels ist die RXIII mit dieser Lösung auf dem Markt. Ich hätte erwartet dafür von Sony wenigstens eine Kamera als Anerkennung für die Nutzung meiner Gedanken zu bekommen. Ich warte mal noch ab.)

Oder man könnte auch einfach den gesamten Monitor nehmen und einen kleinen Teil davon links oben als separat zuschaltbaren Sucher nehmen und dafür einen kleinen Kunststoffrahmen zum Aufsetzen mitliefern, zum Drüberhängen von oben oder mit Magneten etc. Da ist vieles praktisch möglich.

Na ja.

Diogenes weiß Rat

So ist vieles eine Sache der Bewertung.

Der alte Diogenes fragte dazu immer, im Vergleich wozu?

Das ist die Frage.

Im Vergleich zu welcher Reportage brauche ich welche Kamera?

Und damit sind wir in einer Diskussion, die gerade erst begonnen hat und ich stelle die Frage, für welche Reportage brauche ich eigentlich noch eine größere Kamera als eine Kompaktkamera?

Und letztlich wird das Handy Nokia 808 sowie nunmehr ab 2013 eine Vielzahl anderer Nachfolger das Thema Smartphone-Fotografie eine neue Runde bei der Beantwortung der Frage dieses Artikels einläuten. Wobei ich das Smartphone vom Halten her als unpraktisch empfinde.

Nachtrag 2014:

Nun gibt es auch bei den Systemkameras geräuschlose Modelle mit Sucher wie die Panasonic G5.

Aber es gibt zunehmend kompakte Kameras, die auch mit einem kleinen Chip gute Arbeit leisten und kleine Kameras mit einem größeren Chip, die ebenso interessant sind – und meistens ohne Sucher sind, wobei für mich der Sucher das entscheidende Merkmal bleibt, wenn es eher unauffällig und leise bei Veranstaltungen und zwischen Menschen sein soll.

Es stellt sich heraus, dass kleine Sensoren durchaus auch Vorteile gegenüber den größeren Sensoren haben.

Ich würde die Olympus XZ-10 bei den Kompaktkameras ohne Sucher für Reportagefotografie wählen, weil sie extrem viele optische und haptische Vorteile hat.

Bei den Kameras mit Sucher würde ich die Fuji X10 oder X20 nutzen, wobei die Fuji X10 ein echtes Lowlight-Luder ist.

Das sehen die PR-Abteilungen der Kameraindustrie sicherlich anders.

So ist heute die Aufnahme nicht das Ende des Fotos sondern vielfach der Anfang des fotografischen Prozesses – wie früher.

Aber digital ist manches dann doch besser.

Und wenn Sie wissen wollen, welche Kamera sich der liebe Herr Cartier-Bresson 2016 kaufen würde, dann klicken Sie doch einfach mal hier…

Text 1.5

Der Fall der Fuji X10 – oder von der Leica CL zur Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Die Leica CL war meine Lieblingskamera von Leica. Sie hatte für mich die richtige Größe und Griffigkeit und ich habe viele Jahre gehofft, dass es einen digitalen Nachfolger gibt. Mir gefällt die Leica CL immer noch. Aber Leben heisst nun mal Veränderung. Mittlerweile habe ich meine Leica CL in die guten Hände eines Analogfotografen abgegeben und hoffe, dass er ebenso viel Freude damit hat wie ich sie hatte.

Ich habe mit der Fuji X10 nun meinen persönlichen Nachfolger für die Leica CL gefunden nachdem die Probleme am Sensor (WDS) in den neu produzierten Kameras behoben worden sind. Da ich der Fuji X10 zunächst eher kritisch gegenüberstand, habe ich sie aus meiner Sicht auf Herz und Nieren in der Praxis geprüft und möchte nun meine praktischen Erfahrungen hier niederschreiben.

Bildqualität – Kleinbild gegen 2/3 Sensor der Fuji X10

Die Leica CL war eine Kleinbildkamera, so wie alle Filmkameras Kleinbildkameras (= Vollformat digital) waren. Und sie war robust und hatte einen optischen Sucher.  Die Fuji X10 hat einen 2/3 Sensor.

Aber ehrlich gesagt entspricht für mich die digitale Bildqualität  der Qualität der früheren Kleinbildfilme. Und durch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung sind für mich mit dieser Kamera problemlos Ausdrucke bis A4 oder A3 möglich. Abgesehen davon bin ich persönlich nicht mehr ein bedingungsloser Verfechter des Vollformates/Kleinbildformat. Mir gefallen Fotos mit APS-C Größe oder MFT ebenso gut und nun ist der 2/3 Sensor gut genug, um das zu leisten, was er soll: beherrschbar gute Fotos zu machen auch bei schlechterem Licht.

Und bei einer kompakteren Kamera ist der 2/3 Sensor eigentlich die Antwort auf die meisten Probleme der 1/2,3 Sensoren. Was die 1/1,7 Sensoren nur teilweise lösten (wie z.B. Probleme der Detailtreue bei höheren ISO), hat zumindest Fuji mit dem EXR-Sensor in meinen Augen gut gelöst, nachdem das Problem der weissen Scheiben durch neue Sensoren gelöst worden ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an den Artikel „Wieviel Pixel braucht der Mensch?“.

Davon abgesehen stört mich persönlich etwas Rauschen nicht. Mich stört viel mehr der Verlust von Details in eher konstrastarmen Bereichen oder Unschärfe in scharf fokussierten Bereichen.

Messsucher gegen optischen Sucher

Der Messsucher der Leica CL  ermöglicht das Scharfstellen innerhalb des Suchers. Das ging mehr oder weniger genau aber es ging meistens ganz gut. Bei der Fuji X10 war ich skeptisch, weil in dem Sucher keine Anzeige ist und die Scharfstellung durch eine kleine LED rechts daneben erfolgt. Ich fokussiere einfach mittig und muss sagen, wenn die kleine LED grün wird, dann werden die Fotos auch scharf. (Aber: die Fuji X10 ist keine X100 mit dem großartigen Sucher. Nur ist die X100 einfach wesentlich größer und nicht so flexibel wie die X10.)

Geschwindigkeit

Mit der Leica CL war Fotografieren so wie man es analog kennt. Am Objektiv vorne fokussieren bis es im Messucher scharf ist (mit dem Schnittbildentferungsmesser), dann fotografieren und danach den Film weiterziehen. Bei der Fuji X10 ist es anders. Ich habe das Gefühl einen enorm schnellen und treffsicheren Autofokus zu haben, also einfach gucken, drücken und schon wieder gucken und drücken. Das Speichern in RAW und JPG geht sehr schnell und im Serienbildmodus natürlich noch schneller.

Foto: Michael Mahlke

 

Handling und Griffigkeit

Wie bei der Leica CL kann man auch bei der Fuji X10 so ziemlich alles von Hand einstellen an den aussen sichtbaren Rädchen. Das geschieht sehr schnell. Bei der Fuji X10 führt das Drehen des Objektives dazu, dass die Kamera eingeschaltet wird und die Kamera bereit ist. Die Fuji X10 ist etwas kleiner als die Leica CL.

Sie liegt gut in meinen Händen. Zudem kann man sie mit beiden Händen auch anfassen – so fotografiere ich am liebsten – und das Gehäuse ist nicht so dick. Bei so gut wie allen anderen digitalen Kameras in dieser Größe war es immer so, dass das Objektiv so weit auf der linken Seite war, dass meine linke Hand als zweite Hand nicht richtig zupacken konnte. Das hat Fuji geändert, so dass auch hier dasselbe Handling möglich ist wie bei meiner Leica CL.

Foto: Michael Mahlke

 

Weitere Vorteile der Fuji

Die Fuji X10 löst bei mir nicht nur die Leica CL aus den bisher genannten Gründen ab sondern hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. Und das hängt einfach mit der digitalen Welt zusammen. Die Fuji X10 hat den Monitor und man kann entweder den Monitor zum Fotografieren nutzen oder man kann direkt nach dem Fotografieren die Bilder anschauen.

Sie hat die eingebauten Filmsimulationen und sie hat den EXR-Sensor. Da reichen dann auch 5 bis 6 Megapixel im EXR-Modus, um in speziellen schlechten Lichtsituationen noch Bilder zu machen, die so mit einem analogen Film kaum möglich gewesen wären.

Darüber hinaus gibt es für mich persönlich noch andere Gründe, um die Fuji X10 als vollwertigen Ersatz für die Leica CL zu sehen.

Der wichtigste Grund ist: es macht mir endlich wieder so viel Spaß zu fotografieren wie ich mit der Leica CL hatte.

Für mich hat das Fotografieren auch viel mit dem Gefühl der Richtungsgebung zu tun, welches ich durch das doppelseitige Anpacken und den Sucher habe. Hinzu kommt, dass ich als Brillenträger mich bisher bei digitalen Kameras ausser bei DSLRs weitgehend vernachlässigt fühlte, weil der Monitor mir bei kritischen Situationen nie das Gefühl gab, sicher zielen und treffen zu können.

Und es hat etwas mit dem – aus meiner Sicht – sehr treffsicheren Autofokus zu tun. Ich habe bisher kaum unscharfe oder falsch fokussierte Fotos mit der Fuji X10 gehabt.

Ich glaube, dass die Fuji X10 eine gute Antwort auf die Anforderungen der klassischen Strassenfotografie des 21. Jahrhunderts ist. Sie ist darüber hinaus auch eine Antwort auf die Frage nach einer kleinen und guten Reportagekamera. Als Familienkamera würde ich sie nicht unbedingt nutzen.

Und sie vermittelt in einer aus den Fugen geratenen Welt den Eindruck, dass nicht alles, was früher gut war, heute automatisch schlecht ist, sondern dass das wirklich Gute eben nicht nur neu sondern auch gut ist und dabei das Bewährte sinnvoll um das Neue erweitert wird.

Konrad Lorenz schildert – wenn ich mich richtig erinnere –  in seinem Buch „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ wie schwer es ihm fiel, etwas Altes abzugeben, weil es ein Stück von ihm selbst wurde und wie lange es gedauert hat, bis etwas Neues den Platz einnehmen konnte.

So war auch bei mir die Suche nach einer neuen Kamera lange Zeit nicht zufriedenstellend. Abgesehen davon spielt – zumindest bei mir – auch Geld eine Rolle, denn eine teure Kamera, die so teuer  und evtl. persönlich wertvoll ist, dass sie gehütet wird wie ein Schatz, wäre für mich emotional und finanziell inakzeptabel.

Eine Kamera ist ja kein Liebesersatz sondern ein fotografisches Instrument. Und auch da zeigt Fuji mit der X10, dass eine gute Kamera für den fotografischen Alltag (wie ich ihn verstehe) zu einem akzeptablen Preis auf den Markt kommen kann.

In diesem Sinne „Tschüss Leica“ und „Hallo Fuji“!

Nachtrag am 22.07.2012:

Ich habe die erste Kamera, die auf den Fotos zu sehen ist, zurückgegeben und mir einige Monate später eine neue Fuji X10 mit einem fehlerbereinigten Sensor gekauft. Das Ergebnis ist nun überzeugend für mich. Sie finden es hier. Aber die Kommunikation der Firma Fuji mit ihren Kunden beim Problem der WDS, die ich erlebt habe, hat mich sehr enttäuscht.

Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass es nur der weltweiten Nutzung von Social Media über Monate zu verdanken ist, dass dieses Problem überhaupt gelöst wurde.

Ich traue jetzt der Kamera, weil sie einigermassen ausgereift erscheint. Aber insgesamt bin ich nach den Erfahrungen mit Fuji sehr zurückhaltend geworden und werde mir zukünftig erst Kameras kaufen, wenn sie mindestens ein Jahr auf dem Markt sind.

Text Version 1.4

Im Suchermodus zwischen Trend und Werbung

schöne Füsse festgehalten mit alter Kamera - Foto: Michael Mahlke

Persönliche Blicke auf die aktuelle fotografische Situation

Der Mut von Fuji und der Unmut der Käufer

Es gibt aktuell (11.01.2012) keine echten innovativen Neuerungen bei Digitalkameras. Das letzte Mal betrat Fuji mit der X100 Neuland und da muß noch etwas getan werden im Bereich Firmware, um daraus eine längerfristige Entwicklung zu machen.

Der Versuch mit der X10 ist zudem in meinen Augen noch in der Warteschleife, weil die Unberechenbarkeit beim Fotografieren in bezug auf die auftretenden „weißen Scheiben“ den Einsatz der Kamera zum reinen Fotolotto macht.

Ich denke, um aus einer Pioniertat keine Bruchlandung zu machen, ist noch einiges erforderlich. Und darauf warten offenkundig viele in diesem Fall immer noch.

Insellösungen

Nachdem Ricoh mit der GXR-Reihe den APS-C ähnlichen Sensor in die spiegellose Kamera geholt hat, kam Sony mit der NEX-Reihe, dann kam Samsung, aktuell Fuji mit der X-Pro 1 nach der X100 und nun kommt Canon mit der G1X.

Alle Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze und setzen auf Insellösungen. Canon liefert eine Alles-In-Einem Kamera, Ricoh hat das flexibelste Modulsystem, Fuji wahrscheinlich den besten (optischen) Sucher und Sony die meisten Kameras in dieser Reihe. Mit allen grossen Sensoren wird man wohl gute bis sehr gute Fotos machen können, wenn auch jeder Hersteller seine Sensoren besonders loben wird.

Kundenfreundlichkeit

Stattdessen haben Panasonic und Olympus mit dem M43 (Micro-FourThirds) Standard ein für Kunden wesentlich freundlicheres System geschaffen. Hier ist es möglich, dass man beliebige Objektive des einen Herstellers mit Gehäusen des anderen Herstellers kombiniert.

Neu neben alt

Aktuell sieht man, wie versucht wird, die ausgebauten Systeme der DSLR-Kameras durch neue Systemkameras abzulösen. Da Canon und Nikon die am besten ausgebauten DSLR-Systeme haben, scheinen sie eher zurückhaltend. Das hat aber auch gute Gründe.

Für mich sprach gegen die bisherigen DSLRs insbesondere das laute Auslösegeräusch und die „Klobigkeit“ der Gehäuse (wichtig: ich spreche vom Konsumerbereich, nicht vom Semi/Profi). Beides hat z.B. Nikon mit der D3100 weitgehend beseitigt. Bei Canon stört mich das laute Auslösen immer noch.

Setze ich nun die vermeintlich kleineren Systemkameras dagegen, dann sind diese in meinen Augen

  • nicht wirklich praxistauglich  kleiner (schon gar keine Hosentaschenkameras),
  • sie haben keinen so guten (optischen) Sucher (wenn überhaupt),
  • sie sind sogar lauter im Auslösegeräusch und
  • die optischen Gesetze waren auch bei den Objektiven nicht ausser kraft zu setzen.

Lichtstärke macht auch hier die Objektive schwer und groß. Man darf die Objektive übrigens nicht nur eingefahren und im Transportmodus sehen sondern auch ausgefahren.

Wenn man dann eine DSLR wie die D3100 neben eine Systemkamera hält, wird deutlich, wie gering die Unterschiede sind, wenn zum Beispiel zwei Gehäuse mit Sucher als Vergleich dienen.

Dennoch wird versucht, neue Absatzmärkte aufzubauen und die Systemkameras als die bessere Alternative aufzubauen. Bisher sehe ich aber nicht, dass auch nur eines meiner oben aufgeführten Argumente für DSLRs durch eine Systemkamera aufgefangen und/oder verbessert wurde.

Einzig die Canon G1X ist irgendwie sehr klug konzipiert. Wer eine DSLR mit lichtstarken Objektiven nutzt, der wird dies auch weiterhin tun (oder das Ricoh GXR-System). Dagegen kann die G1X nicht an. Aber als Ergänzung zur DSLR-Kombination ist diese Kamera sicherlich sehr sinnvoll. Wenn denn alles klappt und technisch ok ist, dann wird die G1X wohl Canon und den Kunden gemeinsam viel Freude bereiten.

Wie geht es nun weiter?

Es wird wohl eine Parallelität der Systeme geben. Die aktuellen Trends  sind sehr vielschichtig.

Aber

  • große Chips,
  • Retrodesign,
  • der Einbau von Suchern und
  • Insellösungen

scheinen einige der Themen zu sein, die sich gerade entwickeln. Da fast alles jenseits der 500 Euro Marke (ca. 1000 DM) angesiedelt ist, wird auch zu fragen sein, inwiefern diese Preise durch fotografische Leistung und Mehrleistung gerechtfertigt sind.

Da werden wir alle noch viel Spass haben!

 

Von der Ricoh zur Ricoh oder warum für mich die GXR mit S10 Modul die GX300 ist

Vor einiger Zeit schwärmte ich von der Ricoh GX200 und der GR als Alternative für Strassenfotografie.

Doch ich vermisste und vermisse dabei den eingebauten optischen Sucher. Dennoch hatten und haben die Ricoh Kameras wie die GX200 oder die GR-Serie für mich eindeutige Vorteile.

1. Man kann sie wirklich mit einer (rechten) Hand allein bedienen. Diese Einhandbedienung ist – zumindest für mich – ungeheuer praktisch (auch links wäre noch besser, aber es geht auch so). Das Menü und die Bedienfunktionen finde ich sehr durchdacht und fotografisch klug angeordnet.

2. Man kann bei der GX und GR Serie auf dem Monitor in Schwarzweiss die Fotos vor der Aufnahme sehen und sie zugleich als RAW/DNG-Format abspeichern. Damit hat man eine Schwarzweisskamera, die dennoch farbige Fotos nachträglich ermöglicht.

3. Man kann einen Fixfokus einstellen, so dass alles ab einer gewissen Distanz scharf fotografiert wird. Das führt im Bereich der Strassenfotografie bei mir zu Aufnahmen, die sonst auf die Schnelle so nicht möglich wären.

Das sind für mich drei Alleinstellungsmerkmale.

Doch dann verlor ich nach der Ankündigung der Fuji X100 die Ricoh etwas aus den Augen. Dann stieß ich auf den Artikel von Carl Garrad über die Ricoh GXR und das S10-Modul. Während in Deutschland praktisch nur die Bildqualität und die Auslösefunktion bei Fototests verglichen werden, schrieb hier ein Nutzer der Ricoh GX200 über diese Kombination mit diesem speziellen Blick.

Und er spricht davon, dass dieses Modul ein „Upgrade“ der Ricoh GX200 ist, also quasi die GX300. Dafür nennt er eine Reihe von Gründen. Die Bildqualität ist wesentlich besser, der Monitor ist wesentlich besser, die mechanische Qualität der Kamera (Body mit Einheit) ist wesentlich besser und einiges mehr.

Das stimmt. Wer genauer hinschaut, der erlebt spätestens mit dem Firmware Update 1.33 eine Kamera (GXR + S10), die alles bietet, was man sich wünschen kann. Und natürlich gehört dazu auch noch ein guter elektronischer Sucher, wenn man ihn mag. Damit ist dann die Ricoh GXR inklusive Sucher auf dem Niveau der Systemkameras. Allerdings hat sie mit der S10 Einheit nicht den grossen Chip. Da es aber andere Module gibt wie das 28mm Modul mit grossem Chip, ist das Ricoh System eine echte Alternative in vielfacher Hinsicht.

Doch so weit soll dieser kleine Artikel gedanklich nicht führen. Ich freue mich, dass ich für mich die Ricoh GX300 entdeckt habe. Sie heisst zwar GXR S10 aber faktisch ist sie entstanden und bereit, den Menschen auf der Strasse zuzuschauen…

Über den Wert alter Digitalkameras

alte Digitalkameras

Im Leben der Menschen hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Das Internet kam hinzu, die Grenzen wurden geöffnet und im Bereich der Fotografie begann der Siegeszug der Digitalkameras. Im analogen Zeitalter hatte man auch Kameras und man konnte verschiedene Filme wählen. Doch heute ist diese standardisierte Modularität so nicht mehr möglich. Zwar ist der Film durch unterschiedliche Speichermedien abgelöst worden, aber das reicht nicht. Denn in den meisten Fällen sind digitale Kameras heute fest verbaute Systeme (Ausnahme digitale Spiegelreflex), die allgegenwärtig sind und fast jedes Jahr erneuert werden.

Was macht man mit den „alten“ Digitalkameras? Dabei würde ich unterscheiden wollen zwischen Kameras bis 3 Megapixel, bis 5 Megapixel und Kameras ab 6 Megapixel.

Dies hat natürlich auch mit dem menschlichen Auge zu tun, welches maximal 5 Megapixel auflösen kann, sprich auf einmal wahrnehmen kann.

Wenn ich als Kriterien dann noch den relativ verlustfreien Ausdruck auf Din A4 und Ausschnittvergrößerungen nenne, dann komme ich auf ca. 8 Megapixel, die ich eigentlich maximal brauche.

Daher sind für mich Kameras mit 8 Megapixeln durchgängig richtig. Sie lassen Ausdrucke auf A4 und Ausschnittvergrößerungen zu. Und damit kommen wir zu einem neuen Phänomen: den Digitalfotos spezieller älterer Digitalkameras.

Es gibt im DSLR-Forum ein Thema mit dem Titel „Zeigt her eure alten Fotos“. Dort kann man sehr schön sehen, dass ältere Digitalkameras nicht schlechter sind, sondern jeweils dem Sensor und der optischen und softwaremäßigen Umsetzung entsprechend gute Fotos machen.

So ist für mich bis heute die Olympus E400 mit ihrem Sensor ebenso exponiert wie die Sony DSC-R1 mit ihrer Kombination von Sensor und Objektiv. Besonders gute Fotos gelingen auch mit der Nikon Coolpix P8400, der Canon Powershot Pro 1 und der Panasonic DMC-L1.

Wer mal mit der Reportagekamera Nikon Coolpix P8400 mit einer Anfangslichtstärke von F 2,6 RAW und JPG aufgenommen hat, der muss sich in keinster Weise hinter den aktuellen Modellen verstecken – übrigens mit Schwenkmonitor und elektronischem Sucher…

Übrigens haben die Canon Powershot Pro 1 und die Nikon Coolpix P8400 einen 2/3 Zoll Sensor, also einen ziemlich grossen Sensor und sind qualitativ so ausgerüstet, dass sie wie ein alter VW-Bus noch lange durchhalten können. Das gilt mit einem noch grösseren Sensor und entsprechender Bauart von Kamera und Optik auch für die Sony DSC-R1 und natürlich für die DMC-L1 von Panasonic (auch als Digilux 3 von Leica). Das alles sind echte digitale fotografische Traumschiffe oder Oldtimer, wie man will.

Meine beiden Lieblinge bei den  Kompaktkameras älterer Jahrgänge sind bis heute die Olympus Camedia C70 Zoom und die Nikon P5000. Beide haben auch ein Design, welches die Benutzung der Kamera ermöglicht ohne Fingerakrobatik. Und um noch ein Beispiel zu nennen: die Panasonic FZ7 hat ebenfalls eine Haptik und Bedienbarkeit, die in meinen Augen bis heute nicht mehr erreicht wurde.

Was soll man denn nun machen, wenn die Schublade voll ist mit solchen Kameras?

Meiner Meinung nach sollte man sich nicht davon trennen, wenn man den Genuß erleben will, mit einer speziellen Kamera spezielle Aufnahmen zu machen. Heute kann man die fotografische Dimension des Digitalen erweitern um den Luxus, Kameras für fotografische Ausflüge zu nutzen, die nicht mehr auf dem Markt zu kaufen sind und trotzdem gute Fotos machen.

Das Neue ist zwar der Feind des Guten,aber das Alte ist ja nur alt, weil es etwas Neues gibt und das ist noch lange nicht besser.

Geld kann man mit dem Verkauf der Kameras nicht verdienen. Sie sind oft so gut wie nichts mehr wert. Aber sobald man die materielle Ebene verläßt steigen die Möglichkeiten ungemein.

Selbst mit einem alten Handy kann man dann kreativ werden.

Da man mit 8 Megapixel Auflösung drucktechnisch und webtechnisch alles erreichen kann, was man fotografisch will, halte ich die Chance, mit diesen älteren Kameras zu arbeiten, für eine besondere Gelegenheit, die sich historisch auch daraus ergeben hat, dass wir erst am Anfang der Digitalfotografie stehen.

Meiner Meinung nach ist die fotografische Qualität nur in den Extrembereichen besser geworden und das auch nur im Bereich der Vollformatsensoren mit hoher ISO.

Bei den kleinen Sensoren sind die Diskussionen um vermatschte Bilder statt Rauschen heute ebenso gegenwärtig wir vor einigen Jahren das Thema Rauschen statt vermatschter Bilder.

Es ist in meinen Augen einfach etwas sehr schönes, mit einer nicht mehr erhältlichen Kamera schöne Fotos zu machen.

Hinzu kommt, dass der Wechsel vom neuen CMOS zum alten CCD oder zum alten Fuji CCD bzw. zu den ersten Foveon-Sensoren nicht unbedingt bedeutet, dass es schlechtere Bilder gibt. Ältere Sensoren sind eher grobkörniger wie bei Filmen als die neuen Sensoren, die eher getupft wirken.

Und auch hier kommt hinzu, dass es heute offenbar gar nicht mehr so viele echt verschiedene Sensoren gibt wie früher. Damit meine ich eine eingebaute Bildcharakteristik, die es nur mit diesem speziellen Sensor gibt.
So bleibt der „Luxus“ der alten Kameras erhalten solange die Sensoren halten.

Von der Leica zur Ricoh

Blick durch den Messsucher der Leica M6

Blick durch den Messsucher der Leica M6

Was macht man eigentlich, wenn man nicht das Geld hat, um sich eine Leica M8 oder M 8.2 oder M9 zu kaufen?

Da die Leica und Henri Cartier-Bresson zusammenhängen, hat die Leica immer bei dieser Art der Fotografie automatisch einen hohen Platz. Nun spielt die Leica bei den heutigen Reportern offenkundig nicht mehr die Rolle, die sie früher hatte. Dies hat einfach mit technischen Fragen zu tun. Die besseren Sensoren, die stärkeren Teleobjektive, die Matrixmessung, der schnelle Schuss. Alles dies haben die heutigen Digitalkameras von Nikon, Canon, Pentax, Sony etc.

Ich empfehle jedem, der sich für das Gefühl der Fotografie im Sinne von Cartier-Bresson interessiert, sich eine Leica M6 oder M7 auszuleihen mit einem Film und dann damit einen Tag durch die Stadt zu gehen und zu fotografieren. Dabei wird sehr deutlich, dass der Schnappschuss weniger das Wesen der Leica ist. Vielmehr zwingt der Messsucher zu einer fast meditativen Ruhe, weil die Anzeige der richtigen Belichtung und die Scharfstellung beide von Hand vorne am Objektiv vorgenommen werden müssen. Diese Tätigkeiten zwingen zur exakten Ausrichtung und stoppen jede Art von schnellem Abdrücken. Aber man muß es ausprobieren. Auf www.fotomonat.de gibt es ein Video von Henri Cartier-Bresson. Dort sieht man sehr genau, was es heisst, mit dem Messsucher auf der Strasse zu fotografieren. Das muß man wollen mit dem Wissen, dass es dennoch keine besseren Fotos gibt. Man muss sich über die Grenzen des Messsuchers klar sein. Schnelle und scharfe Aufnahmen wie mit einem guten optischen Sucher bei einer Spiegelreflexkamera zu machen ist zumindest meiner Meinung nach sehr schwierig.

Dennoch wollen viele Menschen sich eine Leica kaufen. Spötter sprechen von der Zahnarztkamera, andere haben einfach die Geschichte dieses Namens im Kopf. Im Zeitalter der digitalen Fotografie kommt hinzu, dass Optik und Sensor zusammen wesentlich für die Bildentwicklung sind. Insofern ist der Sensor mindestens ebenso wichtig wie die Optik. Die Leica M8/M9 bleibt dabei die Kamera der Tradition. Ob sie für Strassenfotografie im 21. Jahrhundert aber immer noch erste Wahl ist, darf bezweifelt werden. Denn es gibt heute Kameras, die leiser sind, die schneller sind, die schneller fokussieren, die kleiner sind, deren Sensoren besser sind etc.

Rüdiger Abele kommt in der FAZ am 15.2.09 in seinem Artikel über die Leica zu folgendem Schluss:“Die M8.2 lebt in einer eigenen Nische…. Die M8.2 ist …verglichen mit einer Digitalkamera, immer noch laut. Diese (die Digitalkameras, M.M.) sind heute erste Wahl, wenn man wirklich unauffällig und leise fotografieren möchte.“

Aber im Jahre 2010 kommt offenkundig wieder mal Bewegung in die Welt der Sensoren, Optiken und Kameras. Es bleibt eine Zeit mit vielen Möglichkeiten, sehr viel Geld auszugeben. Die Zeit der Sensorfotos hat begonnen, man darf gespannt sein.

Bleibt die Frage der Unauffälligkeit, des leisen oder lautlosen Auslösens, der Kompaktheit. Da sind Kompaktkameras eben lautlos. In meinen Augen ist die einzige Nicht-Spiegelreflexkamera mit einer fast lautlosen Auslösung und einem richtig grossen Chip die Sony DSC-R1, nun gefolgt von der Nikon D5000 mit einem nicht so leisen, aber sehr viel leiseren Modus und dann kommen die M-Leicas. Offenkundig ist die Frage des Auslösegeräusches noch nicht überall DAS Thema, vielleicht auch, weil normale Digicams schon lautlos sind.

Mich hat ein guter Strassenfotograf darauf gebracht, wie man gute Fotos auch ohne Leica machen kann. Man kaufe sich eine Ricoh GR Digital oder Ricoh GX200. Der Fotograf, der mir dies sagte, hat mit solchen Kameras Fotos für seine Bücher gemacht und veröffentlicht. Er erzählte, dass diese kleinen Kameras lautlos, schnell und bezahlbar sind – bei erstklassiger Bildqualität.

Ich habe es getestet und es hat sich gezeigt, er hat recht. Wer also keine 5000 Euro oder mehr für ein Leica M8.2/9 Gehäuse hat, der kann mit einer Ricoh GX 200 locker auch glücklich werden, zumal der Preis bei ca. 360 Euro liegt. Mir persönlich gefällt bei der Ricoh GX 200 die auch von der Bedienung her gut gelöste Möglichkeit, die Blende vorzuwählen und zugleich manuell die Fokussierung vorzunehmen – aber das ist Geschmackssache.

Es gibt auch noch die Alternative der Panasonic LX3, jetzt LX5, die auch als Leica-Variante gehandelt wird. Das ist ebenfalls eine schöne Kamera, die mit einem optischen Aufstecksucher und 24mm Rahmen veredelt werden kann. Für Streetphotography bzw. Strassenfotografie ist meiner Meinung nach die Ricoh GX200 eindeutig die bessere Wahl. Mittlerweile gibt es im Jahr 2010 noch viel mehr Kameras (z.B. die Powershot G11/G12, die Powershot S90/95, die Ricoh GXR, die Fuji Finepix F70EXR bzw. F200EXR, die Olympus Pen 1+2, Panasonic GF1, Sony mit der WX1 etc.). Aber ob sich diese Kameras besser für Streetpix eignen bleibt Geschmackssache. Die Antwort auf diese Frage hat den Vorteil noch eine Menge schöner Diskussionen führen zu können.

Und vor kurzem hat nun Panasonic den Schnappschuss technisch neu erfunden. Mit der Panasonic G2 kommt eine neue Technik des Fotografierens auf den Markt, allerdings nicht lautlos.

So bleibt für den kleineren Geldbeutel zumindest eine Auswahl an Kameras übrig. Vielleicht sogar die bessere Entscheidung – wer weiß?

Einen anderen Aspekt möchte ich auch noch benennen. Bei aller Liebe bleibt es ein Problem bei schlechten Lichtverhältnissen schnelle und scharfe Schnappschüsse zu machen – selbst mit Optiken, die mit Blende 1,8 arbeiten. Wer mal probiert hat in einem kaum beleuchteten Raum mit ISO 3200 oder 6400 und Blende 1,4 oder 1,8 ein scharfes Foto von sich bewegenden Menschen zu erhalten, der weiss, was ich meine. Was will ich damit sagen? Ganz einfach: wir sind noch nicht mal technologisch so weit, dass die wirklichen Bedürfnisse der Available Light Fotografie mit einer bezahlbaren mittelgrossen Digitalkamera erfüllt werden können. Da bleibt also noch eine ganze Menge zu tun bis ein grosser Chip in einem kleinen Gehäuse mit gutem optischen Sucher und wenig Rauschen gute Fotos macht und nicht mehr als 500 Euro kostet – das wäre ein echtes technologisches Alleinstellungsmerkmal mit einem riesigen Käuferpotential.

Doch um auch die letzte Wahrheit auszusprechen, müssen wir noch einmal auf den so geschätzten Henri Cartier-Bresson kommen. Oft diskutiert und auch belegt im l-camera-forum wird dann eine uns nachdenklich machende Information: wussten Sie, dass Henri Cartier-Bresson offenkundig auch mit der Leica Minilux fotografierte?

Nun streiten sich die Gelehrten der Leica-Zunft darüber, ob gerne, ob oft, ob ob ob. Er hat aber.

Und wenn man dann ab und zu das Gefühl eines Messsuchers haben will, dann kaufe man sich eine gebrauchte analoge Leica CL oder eine Voigtländer Bessa und fotografiere ab und zu mit einem Film. Das kostet knapp 500 Euro und gibt einem alle originalen Erlebnisse zurück.

So und wenn ich den Artikel jetzt rückblickend lese, dann könnte er auch heissen, wie spare ich 5000 Euro….

Nachtrag Mitte 2011:

Blick durch den Sucher der Fuji X100

Mittlerweile gibt es von Ricoh das GXR-Modul-System und von Fuji die X100. Die X100 hat wiederum einen anderen und in meinen Augen optisch besseren Sucher. Sie ist aber ziemlich groß für Strassenfotografie unter den aktuellen sozialen Konditionierungen. Hinzu kommen die Sony Kompaktkameras mit der „überlegenen Vollautomatik“ und neue Kameras von Panasonic, Olympus, Pentax etc.. Es gibt auch von Leica die X1 und die M9-P und ein Bündnis von Leica mit Magnum. Aber für mich sind die Leicas eher etwas für die Liebhaber des Messsuchers oder Prestigeobjekte, statt sehr effektiv und praktisch für die Strassenfotografie der heutigen Zeit zu sein. Das meine ich nicht negativ, da Oldtimer fahren auch ein schönes Hobby ist. Aber mir geht es hier rein um die Frage, welche Kameras für Streetphotography unter den aktuellen sozialen und juristischen Bedingungen die beste Wahl sind.

So, und wenn Sie nun noch wissen wollen, womit ich aktuell am liebsten Streetphotography mache (in absteigender Reihenfolge): Sony TX5 (im Regen), Ricoh GXR S10, Nikon D3100, Olympus E-PL1 mit 14mm/F2.5, Fuji X100, Ricoh GX200 – und das, obwohl ich auch die Nachfolger – soweit vorhanden – und andere Kameras schon getestet habe.

Warum? Weil mir die

  • Schnappschussfähigkeit,
  • das leise Auslösegeräusch und
  • die Unauffälligkeit
  • bei guter Bildqualität und guter
  • Haptik (=Griffigkeit)

am wichtigsten sind.

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So, und nun viel Spaß beim Lesen der anderen Artikel auf fotomonat.de.