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Schwierige Lichtverhältnisse in der Fotografie am Beispiel der Grenzen der Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Tageslicht und Kunstlicht, Deckenstrahler und Beamerlampe, abgedunkelter Raum vorne und offenes Licht durch das Fenster von hinten – eine absolut extreme Lichtsituation als Voraussetzung für den Einsatz. Es war soweit. Nun mußte die Fuji X10 zeigen, was sie konnte.

Hinzu kam die Vortragssituation. Bei einer solchen Situation muß die Kamera nicht nur diskret und still sein. Sie muß auch diese Lichtmischung hinbekommen, so daß ein ausgewogenes Bild zustandekommt.

Und natürlich ohne Blitz!

Denn das ist ja gerade die Herausforderung: das Licht und die Situation so einzufangen wie man es gerade vorfindet.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto mit der Frau vor der Leinwand: Solche Schattenspiele sind eine Variante, die sich aber auch nur in dieser Gestaltung anbietet.

Hier ging es mir darum, den schönen Hut mit dem feinen Netz und die Gestaltung des Kopfes zu zeigen. Da bot sich das Schattenspiel vor der Leinwand an.

Welche Messmethode, welche Einstellung, welche Blende sind hier am besten?

Es kommt darauf an, was für ein Foto ich haben möchte.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier spricht der Chef des Kunstmuseums Solingen. Das Foto wurde aus einer RAW-Datei entwickelt und zeigt alles so wie ich es sah.

Da das Licht von hinten kam war sein Gesicht auch nicht voll ausgeleuchtet.  Ich saß ca. 15 Meter entfernt und hatte die Fuji mit Blende 2.8 auf 112 Millimeter. Es wurde lediglich hinterher per Software automatisch die Beleuchtung der RAW-Datei vorgenommen, so daß so das Ergebnis so aussieht wie es war.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier ist das Ganze noch mal mit dem Abwedeln-Pinsel im Gesicht nachbearbeitet. Ich habe das Gesicht aufhellt. So hell und gut sichtbar war es eigentlich gar nicht aber zumindest sieht man, was möglich ist (wobei es für mich schon grenzwertig ist und mir das Bild ohne Aufhellung besser gefällt).

Aber es geht auch einfacher.

fujlicht9

Man braucht die Fuji nur auf Umgebungslicht zu stellen. Dann gibt es zwar keine RAW-Dateien aber es gibt fertige Fotos. Die sehen dann so aus:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das größere Foto im Hintergrund ist die Version, die direkt aus der Kamera kam. Die kleinere und aufgehellte Version ist die, die ich einfach mit dem Aufhellen der Schatten im Foto innerhalb von 5 Sekunden erzeugt habe.

Allerdings muß ich noch einmal betonen, daß die aufgehellten Gesichter nicht der tatsächlichen Wahrnehmungssituation entsprechen, weil von hinten die Personen durch direktes Tageslicht „beleuchtet“ waren und das Fotografieren gegen das Licht ohne Blitz nicht so einfach ist.

Für mich war die Fuji genau richtig. Sie löste alle Probleme:

  • Sie schaffte es bei schlechtem Licht zu fokussieren.
  • Sie erstellte Fotos, die die echte – schwierige – Lichtsituation wiedergeben.
  • Sie war sehr diskret und leise durch den Sucher und das Ausschalten des Monitors.
  • Der Akku hielt dadurch extrem lang.
  • Die Fotos konnte ich entweder selbst gestalten mit RAW und JPG oder der Kamera überlassen.

Für Reportage und einfache Drucke in Magazinen und natürlich im Web reichen die Ergebnisse allemal, auch bei Bildausschnitten.

Umgekehrt würde ich die Kamera nicht mitnehmen auf eine Klettertour in den Alpen.

Die Fuji ist eine Kamera für extreme Lichtsituationen. Sie ist nicht unbedingt eine Kamera für extreme Outdoor-Situationen mit wechselndem Wetter etc.

Aber als Reportagekamera für das klassische diskrete Fotografieren mit Sucher ist sie optimal. Und sie hat eine der extremsten Lichtsituationen wirklich gut gemeistert.

Sie braucht allerdings Licht. Sie ist nicht für lichtloses Fotografieren gemacht. Das ist aber auch nicht der Sinn der Lichtmalerei.

 

 

Fast 50 Prozent weniger Fotojournalisten als im Jahr 2000

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

So steht es zumindest in einer Statistik über die Entwicklung der Jobs in den USA.

Und in Deutschland?

Der Vorsitzende von Freelens ist umgeschwenkt vom Fotojournalismus auf PR und Werbung.

Als ich vor ein paar Jahren bei Freelens nach einem Presseausweis fragte erklärte man mir, den würde man nur hauptberuflich tätigen Fotojournalisten ausstellen.

In dieser Logik dürfte der Vorsitzende von Freelens keinen Presseausweis mehr bei Freelens erhalten.

Ja so ist das, wenn man mal darüber nachdenkt…

Ulrike Kaiser vom DJV weist darauf hin, daß es für Deutschland keine genauen Zahlen gibt. Aber auch die ungenauen Zahlen malen ein Bild.

Was wird von diesen Zahlen bleiben? Warten wir mal die nächsten zehn Jahre ab.

Ein Tag ohne Nachrichten?

Zwei Fotoreporter wurden gefangen genommen. Sie wurden auf den Boden geworfen und der Lauf der Gewehre presste sich in ihren Nacken. Dann wurde diskutiert, ob man sie töten soll.

„Wir können sie nicht töten, es sind Amerikaner.“ Dieser Satz rettete ihnen das Leben. Aber es gab ihnen zu denken. Denn sie merkten, daß ihre Stellung als Journalisten ihnen ihr Leben nicht gerettet hätte.

Daraus hat sich eine Kampagne entwickelt „A day without news“ – Ein Tag ohne Nachrichten. Im British Journal of Photography ist dies alles beschrieben.

Die Webseite www.adaywithoutnews.com zeigt noch mehr.

Die Macht der Medien ist keine monopolisierte Macht mehr.

Jeder ist heute Journalist wenn er/sie will. Und bezahlte Journalisten sind auch keine Personen mehr, die aufgrund ihrer Rolle besonders beschützt sind.

Erinnern Sie sich noch an die Videos aus Libyen, als eine Frau in das Hotel der Journalisten kam und dort erzählte, wie sie vergewaltigt wurde?

Die Weltpresse war da, dann kam der Geheimdienst und nahm sie mit und die Journalisten und Reporter konnten froh sein, nicht auch noch mitgenommen worden zu sein.

Es hat sich also was geändert. Kriege finden heute vielfach völlig ohne echte Berichterstattung statt und wenn, dann erst viel später, wenn es so aussieht wie die Gewinner es gerne hätten.

Während ich diesen Artikel schreibe, wird berichtet, dass auch der deutsche Journalist Jörg Armbruster in Aleppo verletzt wurde, der beim SWR angestellt ist.

Der Spiegel schreibt dazu: „Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 sind in dem Land mehr als 20 Journalisten getötet worden. Unter ihnen sind mehrere ausländische Fotografen und Reporter. Im Februar 2012 starben die preisgekrönte US-Journalistin Marie Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik , als die Regierungsarmee die Stadt Homs mit Raketen beschoss. Aber auch zahlreiche Journalisten, die für die Assad-treuen Staatsmedien berichteten, sind bei Gefechten und Anschlägen ums Leben gekommen, ebenso viele sogenannte Bürgerreporter, Oppositionelle, die auf Seiten der Aufständischen über die Kämpfe berichten.“

Hier wird ebenfalls deutlich, dass Journalismus heute mehr ist als bezahlte Berichterstattung. Bürgerreporter sind oft die einzigen, die über Situationen berichten können und auch die werden getötet und verletzt ebenso wie hauptberufliche Journalisten.

Daher ist die Frage der Berichterstattung weiter zu fassen als die Kampagne „A day without news“ zeigt.

Es geht um Freiheitsrechte von Menschen, die nur in unveräußerlichen Grundrechten wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung existieren können. Insofern ist die Welt aufgeteilt in mindestens drei Teile:

  • die westliche Welt mit dem Anerkennen dieser Rechte aus demokratischen Gründen
  • die chinesische Welt mit dem Aberkennen dieser Rechte aus ideologischen Gründen und
  • die muslimische Welt mit dem Verweigern dieser Rechte aus religiösen Gründen

Die Zukunft ist also nicht unbedingt demokratisch dominiert in der Welt. Und wo das nicht der Fall ist, da wird auch nicht so berichtet.

Da wo es der Fall ist, wird leider auch nicht immer transparent berichtet. Allerdings besteht immerhin die Chance, dass dies irgendwann rauskommt und dann darüber berichtet werden darf. Das macht den Unterschied aus. Aber auch im demokratischen Teil der Welt muß man die Presse- und Meinungsfreiheit immer wieder einfordern und politisch neu sichern. Wir leben gerade in so einer Phase.

Es kann gelingen und das wäre gut für die Bürgerreporter, die bezahlten Journalisten und die Menschen in der Welt.

A bis Z – Armut und Zensur dokumentieren

Ein Thema von Dokumentarfotografie ist das Leben der Reichen, ein anderes Thema ist das Leben der Armen.

Aktuell gibt es eine mediale Kampagne, die erstklassig informiert über die Ursachen unserer Armut. Es ist die gesellschaftliche Ungerechtigkeit, die dabei die Hauptrolle spielt. Wenn Sie dies interessiert, dann sollten Sie die Seite whypoverty (warum Armut) besuchen oder den deutschen Bereich auf artetv.

Und es gibt seit heute eine neue Webseite gegen Zensur im Internet und gegen zensierte Inhalte. Diese Webseite wurde von Reporter ohne Grenzen ins Leben gerufen und heisst auf Deutsch „Wir kämpfen gegen Zensur“.

Leider ist dies alles nur auf Englisch. Man kann es mit google auch nicht übersetzen, so dass die Initiatoren daran noch arbeiten müssen. Da das Projekt von der Europäischen Union gefördert wird, sollte es möglich sein, auch die Mitgliedssprachen der EU dort zu finden.

Insgesamt ist dies eine sehr wichtige Seite gegen Zensur. Bitte berichten Sie darüber, twittern Sie es und verbreiten Sie es in social networks.

Übrigens zeigen sich hier auch interessante Perspektiven und Grenzen von Dokumentarfotografie. Über nicht Sichtbares kann man nicht berichten und manchmal ist ein Video oder ein Text besser als ein Foto. Jedes Medium hat seine Ausdrucksart. Hier sind es Videos und Texte, bei der Recht auf Information Kampagne sind es Fotos.

 

Altersdiskriminierung im Foto-Journalismus?

Nun habe ich mich über ein Jahr durch das Thema Arbeit und Alter gearbeitet. Ich habe viele Untersuchungen gelesen und musste viele Meinungen im Kopf revidieren.

Aber dabei entstand auch ein neuer Blick. Es ist der Blick auf eine Gesellschaft, die wie selbstverständlich Probleme nicht löst.

Ältere Menschen ab 50

  • sind vielfach kaum sozial besser gestellt als jüngere Menschen und haben oft noch schlechtere Perspektiven,
  • sind bei Arbeitslosigkeit eher chancenlos und
  • die vorhandenen „Altersbilder“ reduzieren den Prozess des Alterns eher auf sozialdarwinistische menschenfeindliche ökonomische „Leistungs“-kategorien statt eine Gesellschaft für die Menschen und für mehr altersoptimale Leistungen zu bauen

Hinzu kommen soziale Wirklichkeiten, über die gerne hinweggesehen wird:

  • Seit der Hartz 4 Reform muss jeder nach ca. einem Jahr Arbeitslosigkeit seine Ersparnisse aufbrauchen und arm werden bevor er/sie staatliche Hilfe erhält.
  • In dieser Gesellschaft wird man ab 50 selbst von der Arbeitsagentur überwiegend als nicht mehr vermittelbar eingestuft.
  • Angeblich werden wir immer älter und sollen daher länger arbeiten obwohl es die Arbeitsplätze gar nicht gibt.

Da neben diesen Ansätzen eines meiner Themen die Dokumentarfotografie ist, habe ich mir die dortige Situation etwas genauer angeschaut.

Offenbar gilt auch dort, dass junge Talente, junge Fotografen, junge Journalisten, junge Medienmacher gefördert werden. Dies gilt auch für Online-Portale und Projekte. Jüngere können sich bewerbern, meistens bis maximal 35, eher noch drunter.

Ältere finden dort kaum bis nicht statt, höchstens als Verliererthema. Das fehlende Stattfinden spiegelt einen Teil der sozialen Realität in Deutschland wieder.

Interessant dabei ist, dass man offenkundig davon ausgeht, Menschen ab 50 kommen sowieso in diesen Berufen (Journalist, Reporter, Fotograf) nicht mehr unter und als Quereinsteiger sowieso nicht. Dabei sollen sie doch noch bis 67 arbeiten!

Das gilt übrigens auch für viele Online-Magazine. Bei Bewerbungen wird man offenbar sofort aussortiert und wenn man schon älter ist meistens sowieso.

Aus diesem Grund suche ich Webseiten und Arbeitgeber, die ältere Menschen ab 50 in diesem Bereich einstellen. Darüber würde ich hier gerne im Rahmen einer Serie mit Fotos, Texten und multimedial berichten.

Wer mir dazu einen Hinweis geben kann oder dies sogar selbst als UnternehmerIn praktiziert, der schicke mir bitte eine Email an michael_mahlke@t-online.de

Vielen Dank!

22.10.2012 bis heute keine Rückmeldung

20.02.2013 bis heute keine Rückmeldung

Es beginnt eine neue ZEIT oder warum Sie als Reporter ein Iphone brauchen …

Foto: Michael Mahlke

– wenn Sie bei Zeit Online arbeiten wollen.

Das Mediummagazin hat ein Interview mit Wolfgang Blau geführt. Er ist Chef von Zeit Online.

Und in dem Interview gibt es eine Stelle, bei der er etwas sagt, von dem ich nicht weiss, ob es Marketing oder einfach so gemeint ist: „Redakteure, die sich bei uns bewerben, müssen erst einmal gutes, klassisches Handwerkszeug mitbringen. Darüber hinaus müssen sie im Umgang mit den gängigen Social-Media-Tools versiert sein. Dass Redakteure auch einfache Video- und Audioclips aufnehmen, ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Technische Basis dafür ist bei uns inzwischen das iPhone, mit dem die Kollegen ja auch privat filmen. Ab hier beginnt dann die Individualisierung.“

Wer sich bei Zeit online bewirbt, muss also ein Iphone haben oder dieses beherrschen können.

Das ist ein wunderbarer Satz, denn er zeigt die Frage der sozialen Gebrauchsweise eines technischen Gerätes auf klare Art und Weise und geht weit darüber hinaus.

Denn damit ist zugleich ein technischer Standard für das Web formuliert für Audio und Video und wahrscheinlich auch für die Fotografie (im Web?).

Das Iphone wird damit zum Massstab für das Handwerkszeug vor Ort von Journalisten und es wird der technische und soziale Standard. Es wird damit auch zu einem Aushängeschild.

Hast du ein Iphone, dann kannst du auch Reporter werden, könnte man sagen.

Interessant finde ich, dass hier eine so klare Festlegung erfolgt. Denn wenn dies zur Sicherung eines Workflows dienen sollte in der Redaktion, dann hat diese Festlegung sicherlich Folgen.

Nun ist die Zeit online kein Leitmedium, weil es online kein Leitmedium gibt. Aber für die Artikel und Online-Publikationen ist ein Standard definiert worden, der journalistisch auch viel aussagt.

Zugleich sagt dies auch etwas aus über die Reporterkreise der Zeit. Ich habe ein Iphone, also bin ich – dabei.

So wird das Iphone selbst ein Stück Statussymbol einer Berufsgruppe. Umgekehrt ist damit diese Berufsgruppe nicht mehr besonders weit von anderen entfernt, denn somit kann jeder mit einem Iphone Reporter werden, wenn auch nicht immer bei der Zeit.

Damit beginnt eine neue Zeit im Journalismus, deren aktuelle technische Webstandards klar sind und die es ermöglichen, guten Journalismus mit einem einzigen Gerät umzusetzen, bei Zeit online oder woanders im Internet. Da sind nämlich noch Plätze frei.

Was ich mich aber abschliessend noch frage, ist etwas anderes. Ich stelle mir die Frage, ob bei Herrn Blau sich auch Journalisten mit einem Iphone bewerben können, wenn sie schon über 50 sind. Denn diese müssen dank der herrschenden Gesetzeslage dann ja auch noch 17 Jahre arbeiten.

Wenn Herr Blau diese einstellt wäre das Iphone nicht nur ein Arbeitsgerät und ein Statussymbol sondern auch ein Hoffnungsschimmer.

Nachtrag am 29.11.2012:

So schreibt heute Frank Schirrmacher auf faz.net: „Der Kollege Wolfgang Blau etwa, Chef von „Zeit Online“, der dort niemals auch nur eine halbschwarze Zahl schrieb, aber von der Marke lebte, deren materiellen Grundlagen er permanent in Frage stellt, reist nun durch die Lande als Wiedergeburt des Neoliberalen: Der Markt hat entschieden, sagt der hochangesehene Mann, der ein praktisch weltweit funktionsunfähiges Marktmodell vertritt: Wir müssen damit leben, dass ganze Branchen und Berufe untergehen.“

 

 

Nach dem Tod des deutschen politischen Foto-Journalismus oder die neue parallele digitale Welt

Die tägliche Langeweile

Langweiliger geht es kaum noch. Die politische Klasse wird fast nur noch mit Tele fotografiert und so langweilig, dass die Artikel ohne Fotos genauso gut oder schlecht wären. Und wo findet der politische Foto- Journalismus von heute statt?

Irgendwie nicht mehr da, wo er früher einmal war – ausser manchmal in der Bild-Zeitung (und das meine ich durchaus positiv).

Wichtig: hier gibt es Gedanken zum Thema Foto-Journalismus, nicht Journalismus. Früher waren Stern und Spiegel, Bunte etc. bekannt dafür, die Bilder zu liefern, um die es ging. Aktuell versucht das View-Magazin so etwas, abgedrängt als Spezialzeitung und nicht mehr an entscheidenden Stellen. Es gibt sicher noch mehr Beispiele. Aber das ist alles Print, also gedruckt.

Obwohll es noch nie so viele digitale Fotos gab, ist der Foto-Journalismus im Netz im Verhältnis und überhaupt offenkundig wesentlich weniger zu finden. Und dies, obwohl es viel leichter wäre als im Druckbereich. Dabei beziehe ich mich natürlich auf das Durchstöbern der Blogs der traditionellen Print-Medien.

Fotos sind mittlerweile eher Garnierung geworden, obwohl es auch umgekehrt sein könnte.

Nun kann man argumentieren, dass ja Fotos nicht so schnell sind wie Livestreams und Filme. Das stimmt sogar manchmal. Dennoch bleibt ein schaler Geschmack, wenn man sich überlegt, was aus der Königsklasse des Foto-Journalismus geworden ist, zumal Fotos im Internet gerade heute viel umfassender Einblicke geben könnten.

Aktuell heisst Internet

Wenn man aktuelle dokumentierende und erzählende Fotos im Netz sucht, dann wird man kaum fündig. Es gibt eher multimediale aktuelle digitale Dokumente als Pixeljournalismus. Ich  nenne als Beispiele Globalrevolution und Nocommenttv.

Globalrevolution

Watch live streaming video from globalrevolution at livestream.com

Nocommenttv

Doch da hört es schon auf. Wenn es um Fotos und/oder Videos geht, dann können Seiten wie flickr und facebook nicht mithalten. Das ist schon in einigen Artikeln kritisch beleuchtet worden, da geht es auch um die Frage der Zensur.

Soziale Netzwerke sind ungestaltete und zufällige Informationskanäle. Gerade soziale Netzwerke können sogar zur Falle werden, wie z.B. hier beschrieben wird. Es ist kein Journalismus. Der fängt mit dem Aufbereiten der Informationen auf freien Webseiten an.

Und in Deutschland – von immer weniger immer mehr?

Wenn wir über das Internet sprechen und die GEZ bezahlten und privaten digitalen Angebote, dann gibt es weder multimediale Filme über das Geschäft der Grossen und Mächtigen noch Fotos über politische Szenen aus dem Berliner Leben. So gut wie nichts ist an exponierten Stellen zu finden. Was machen die Reporter eigentlich die ganze Zeit?

In Deutschland findet eine Zensur nicht statt, weil offenkundig massiv im Kopf zensiert wird. So wird von immer weniger immer mehr fotografiert, ohne dass dies wirklich die Wirklichkeit erfassen würde.

Der deutsche politische Journalismus mit den vielen Fotos und den Szenen aus dem politischen Leben ist tot, denn er findet nicht einmal mehr im Netz statt (wo doch alles reingesetzt werden könnte.)

Im traurigen Monat Oktober war´s, die Zeiten wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, die politische Fotografie war hinüber.

Ja, so ist das. Man kann sein Geld eben anders leichter und konfliktfreier verdienen und so boomt die Fotografie dort, wo sie Kunst sein soll. So ist der Zeitgeist von heute in der journalistischen Klasse anders als der Zeitgeist in den digitalen Medien.

Doch Tod und Leben liegen eng nebeneinander

Parallel  entsteht eine von medial sensiblen Menschen gesteuerte Nutzung der neuen digitalen Möglichkeiten. Neue Formen der digitalen Informationsaufbereitung und des Pixeljournalismus wachsen – langsam und zufällig, aber immer mehr.

Es entwickelt sich gerade eine parallele Welt, die informiert und diskutiert – und dies völlig parallel und ausserhalb der etablierten Medien. Es entsteht eine digitale Öffentlichkeit jenseits der Leitmedien. Nicht in Deutschland sondern im Netzland, im Internet.

Schöne neue Gefängnisse für die neue Öffentlichkeit

Deshalb soll sie durch neue Gefängnisse, die im schönen Gewand daherkommen, schon wieder abgeschafft werden. Die neuen Gefängnisse heissen Cloud oder sind soziale Netzwerke, die die letztliche Kontrolle über die Veröffentlichung haben und jederzeit das kollektive Gedächtnis abschalten können, ausserhalb von gesicherten Grundrechten wie der freien Meinungsäusserung.

Etwas wie „Wir sind die 99 Prozent“ ist innerhalb der traditionellen deutschen Medien weder offline noch online möglich und auch nicht in den dominierenden sozialen Netzwerken. Paradoxerweise ist es in tumblr – also jederzeit von Dritten abschaltbar! In meinen Augen ein großes Problem.

Leider sind die dort abgebildeten Geschichten auf Englisch und daher nicht für die meisten Deutschen zugänglich. Es sind Geschichten, die auf jeweils einem Foto die Lebenswirklichkeit eines Menschen erzählen wie „Ich bin Krankenschwester und habe selber keine Krankenversicherung. Ich gehöre zu den 99 Prozent.“

Unter dem Gesichtspunkt sozialdokumentarischer Fotografie ist dies ein besonders gutes Projekt, weil es Wirklichkeit und soziales Handeln miteinander verknüpft und dokumentiert.

Übrigens, aus der Sicht eines sozialdokumentarischen Fotografen beginnt gerade eine digital äußerst spannende Zeit mit einer ungelösten Frage. Denn es gibt zwar immer mehr Webseiten, die dokumentieren, aber wer dokumentiert diese Webseiten und wie?

Da zeigt sich auch, dass die neue Welt mit den alten journalistischen Mitteln nicht mehr zu erfassen ist, die von Anzeigen finanziert werden.

Oder doch! Es ist ja nicht alles so schwarz und weiss. Bei Heise.de finden wir z.T. sehr gute eher strukturelle Artikel und Interviews.

Und bei N-TV ist ein wunderbarer journalistischer Artikel zu den Zusammenhängen und Hintergründen der Occupy-Bewegung zu finden. Diese sind zwar kein politischer Foto-Journalismus. Sie zeigen aber, dass es noch journalistische Recherche gibt und tiefergehende Infos, die Zusammenhänge aufzeigen. Interessanterweise sind beide Artikel aus dem nicht GEZ-Bereich. Diese verstreuten kleinen Perlen sind umgeben von digitalen Ablenkungsmanövern.

Man muß also die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht gibt es ja doch noch gegenseitige Befruchtungen.

So wird die Zukunft fotografisch und multimedial spannend. Die einen wollen uns fangen und zensieren auf ihren Seiten und die anderen wollen ein freies Internet mit mehr Informationen für eine Welt, die das Unrecht durch lupenreine Infos begrenzen will.

Doch auf dem Friedhof des deutschen Foto-Journalismus wird dieser Kampf kaum stattfinden.

Denn freie Berichterstattung erfordert Mut zum Berichten und Recherieren und ist unbequem und ist mehr als die GEZ-Kontrolle in der Region und vor allem ist sie mehr als die fotodokumentarische Berichterstattung über symbolische Politik.

Sie fängt eigentlich dort an, wo die Symbolik aufhört …. – und die entsprechenden Kameras und fotografischen Möglichkeiten dafür sind doch vorhanden, wie man auch hier lesen kann!

 

 

Der Tod des Fotojournalismus und die Zeit danach

Perspektiven im Fotojournalismus

Perspektiven im Fotojournalismus

Es gab noch nie so viele preiswerte Möglichkeiten für gute Fotografinnen und Fotografen, um eine gute Fotoreportage zu machen. Das Internet ist billig und einigermassen demokratisch, die Globalisierung ist weltumspannend und die digitale Fotografie hat die Chance der massenhaften Verbreitung von Bildern wesentlich erhöht. Und doch steckt da irgendwas fest.

Früher hat man im deutschsprachigen Raum im Spiegel, dann im Focus und einigen Tageszeitungen wie FAZ oder Süddeutsche oder Frankfurter Rundschau oder TAZ gelesen und dort zum Teil Fotoreportagen gesehen, die Tagesthema wurden. Dann kamen die Magazine, allen voran National Geographic und GEO, und ermöglichten und ermöglichen bis heute wunderbare Reportagen mit guten Fotos.

Aber irgendwie spielt das keine Rolle mehr. Die Digitalisierung führt durch die Zunahme der Medien zu einem absoluten Verlust an Öffentlichkeit. In meinen Augen gibt es im bürgerlichen Sinn gar keine Öffentlicheit mehr für die man etwas produziert.

„Ich werde beobachtet, also bin ich.“ Der Hinweis von Thomas Miessgang auf diesen Satz von Stefan Römer als neue Haltung des Normalverbrauchers scheint mir das wesentlichste Kennzeichen dieser Situation zu sein. „Die Penetration öffentlicher und privater Sphären durch immer zielgenauer agierende mediale Projektoren… hat dazu geführt, dass der Karneval der Waren und Sensationen nicht der Ausnahmezustand ist, sondern ein Hochamt sinnbefreiter Permanenz.“ Es gilt die „Simultanität des Sensationalistischen. Man hat ständig das Gefühl, zu spät zu kommen, etwas zu versäumen, den Ereignissen hinterherzuhecheln.“ Diese Beschreibung von Miessgang in dem Buch „Das Prinzip Prominenz. Superstars von Warhol bis Madonna“ zeigt unsere neue Wirklichkeit.

Und die Folge davon ist für guten Fotojournalismus ganz einfach: wer soll sich die denn angucken und was soll daraus denn folgen? Wenn wir Blicke auf die Welt werfen, wer soll da tätig werden? Die Öffentlichkeit? – Welche? Die Staatsanwaltschaft? Die Massenmedien?

James Nachtwey hat mal gesagt „Die Stärke der Fotografie liegt darin, ein Gefühl für Humanität zu wecken.“ Aber Fotos selbst ändern nichts. Sie können über etwas informieren und als Reportage eben journalistisch aufbereitet einen Zusammenhang darstellen.

Und dann käme die Presse als Öffentlichkeit dran. Das Bild von der Presse als vierte Gewalt im Staat ist gut aber im Wesentlichen offenkundig überholt. Das war die Zeit der relevanten Reportagen. Das ist jetzt anders. Heute kann jeder über alles eine Fotoreportage machen, aber es kommt nicht mehr darauf an, weil es keine vierte Gewalt mehr gibt.

Ursache und Wirkung bedingen einander, auch in diesem Fall. Und es geht noch weiter. Es gibt Fotografen, die fotografieren Fabriken in China – von innen. Dadurch erhält die Welt Einblicke in diese Welt (ich meine dies wertneutral). Auf einer Veranstaltung wurde einer dieser Fotografen gefragt, von wem er denn die Erlaubnis erhalten habe. Die Antwort war bemerkenswert: „Von der chinesischen Verwaltung für eine chinesische Firma, amerikanische Firmen in China erlauben dies nicht.“ Da beginnt dann langsam die Umwertung der Pressefreiheit, wenn dies auch nur halbwegs stimmt.

Wir werden im Rahmen der Globalisierung noch manche Werte in einer neuen Welt neu definieren müssen. Das Recht auf das eigene Bild ist einerseits wichtig, andererseits bei jeder Kamera ausser kraft gesetzt. So gibt es selbst im alltäglichen Leben Parallelwelten, die widersprüchlicher nicht sein könnten.

Sascha Rheker hat in einem wunderbaren Artikel darauf hingewiesen, dass Neil Burgess den Tod des Fotojournalismus endgültig festgestellt hat. Er führt aus: „Denn Photojournalismus ist das ganze nur, wenn es auch zu diesem Zweck produziert wird, es von jemandem aus der Medienbranche finanziert wird und wenn es in einer Zeitung oder einem Magazin publiziert wird. Das Photographen „Photoreportagen“ als Kunstprojekte, für Hilfsorganisationen, Firmen, Stiftungen, sich selbst oder ganz andere produzieren ist kein Photojournalismus. Genausowenig wie die Illustrationsphotographien die für Artikel produziert werden oder das Photographieren auf Terminen, bei denen Inszenierungen abgelichtet werden, statt Geschichten zu erzählen, die man sich selbst ausgesucht hat.

Burgess macht das alles zum Beispiel auch daran deutlich, daß von den sieben britischen Photographen die in diesem Jahr etwas beim World Press Photo gewonnen haben, nicht einer von der britischen Medienbranche finanziert gearbeitet hat.“

Das spielt aber  in einer Gesellschaft ohne Öffentlichkeit keine Rolle. Es ist schon gut, dass es jemand aufgefallen ist. Aber es kommt eben nicht mehr darauf an. Die Gegenwartsgesellschaft ist auch vorstellbar ohne Fotojournalismus. Es gibt dann eben Fotoreportagen ohne Fotojournalismus. Für den World Press Award reicht es dann offenkundig trotzdem noch. Daher ist es eher ein Problem des Berufes der Fotoreporter und nicht der Gesellschaft

Die journalistische Aufbereitung von Inhalten wird eher zunehmen. Heute senden im Fernsehen schon viele Sender überwiegend (?) aufbereitete Inhalte aus dem Internet garniert mit Werbung. Nachrichten sind dann reduziert auf die Nachricht und weniger auf den Zusammenhang.

Es gibt Untersuchungen zur Lage der Fotojournalisten von verschiedenen Verbänden und an  verschiedenen Stellen . Dies zeigt aber auch alte neue Wahrheiten, nämlich dass die neue Realität neue Anforderungen an die Berichterstattung stellt, wenn man konkurrenzfähig sein will: Interview, Tonsammlung, Fotos und Video werden zukünftig von einer Person erstellt werden müssen.

Daher kommen auf den Pixeljournalisten der Zukunft neue Anforderungen zu. Er muss nicht mehr in erster Linie fotografieren müssen, er/sie muss in der Lage sein, mit Menschen zu sprechen, auf andere zuzugehen, um damit Videos zu erstellen. Es wird wohl nur darauf ankommen, ob er/sie das Material dann auch zum Film verarbeitet oder nur das Rohmaterial abliefert. Ich vermute, die Online-Anbieter wollen eher das Rohmaterial, weil sie dann in die Videos dauerhafte Werbeblöcke schneiden können. Den Journalisten wird dies auch gefallen, weil das Erstellen eines Videos relativ zeitaufwendig ist und Film schneiden oder Cuttern eben doch anders ist. Aber ob dies den Interviewten gefallen wird ist eine andere Frage, die ich mir aber nicht zum Problem mache. Und wenn daran alle verdienen und der Werbekunde zufrieden ist, dann haben alle den Sprung in die neue Welt geschafft.

Bis dahin eine gute Zeit …