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Zeitgeist oder warum es zur Zeit keinen Henri Cartier-Bresson geben kann

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Henri Cartier-Bresson wurde als Schnappschussfotograf, als Streetphotographer oder auch als Meister des gelungenen Reportagefotos berühmt. Es war die Zeit der großen Magazine und damit der großen Fotografen. Es war seine Zeit.

Er war souverän mit seiner Art der Fotografie und die Künstler, Schauspieler und Politiker waren souverän genug, um sich von ihm fotografieren zu lassen so wie er sie sah in ihrer Individualität.

Diese Chance hat heute niemand mehr. Prominente und Berühmte würden sich nicht so fotografieren lassen wie es die Klasse der Prominenten und Berühmten zur Zeit von Cartier-Bresson auszeichnete.

Heute geht die Botschaft vor.

Heute lautet die Botschaft was will ich als Fotografierter oder Fotografierte vermitteln?

Heute sind die Fotografinnen und Fotografen beliebt, die das Selbstbild inszenieren.

Weder als Reporter noch als Porträtfotograf wäre es möglich, Promis so zu fotografieren wie Cartier-Bresson.

Das spricht weder für die heutige Prominenz noch für die prominenten Fotografinnen und Fotografen.

Zeitgeist eben!

Es muß nicht so bleiben aber aktuell wäre nicht die Zeit für Cartier-Bresson.

Pech für die Promis von heute!

Wenn ich mir die Porträts von Cartier-Bresson anschaue, dann sind sie auch heute noch interessant, weil er Menschen in ihrem Umfeld mit einer speziellen und individuellen Aussage in einem Moment fotografierte.

Blicke ich dagegen auf Fotos, die heute gemacht wurden, dann wird sich dafür wohl in ein paar Jahren niemand mehr interessieren.

Sie sind sehr oft langweilig, ohne echte Aussage über die Person und sie kommen kaum über den Aufnahmemoment hinaus.

Das ist schade für die Prominenten und Berühmten für heute, weil sie damit keinen fotografischen Platz in der Geschichte finden werden.

Würden sie sich dagegen so ablichten lassen wie es Cartier-Bresson gemacht hat (oder ich heute auf meine Art praktiziere) dann wären ihre Chancen wohl größer, über ihre Zeit hinaus auf Interesse zu stoßen.

Text 1.1

Albert Camus und die Fotografie

Albert CamusAlbert Camus war ein kluger Mensch. Er formulierte für die Zeit der Industriewelt in seinen Tagebüchern so viele gute Gedanken, dass das Lesen dieser Gedanken eine ununterbrochene Entdeckungsreise zu sich und der Welt ist.

Dabei hat er gar nicht viel geschrieben. Aber hier zeigt sich, dass weniger oft mehr ist.

Als Historiker und Sozialwissenschafter, Berater und Publizist habe ich immer versucht, die Welt zu verstehen. Und mir war klar, dass ich darüber schreiben muss. Aber irgendwann wurde mir in der Auseinandersetzung mit dem Leben auch klar, dass das geschriebene Wort nicht alles ist. Die meisten lesen wenig, in unserer Gesellschaft ist spätestens durch das Fernsehen das Lesen weitgehend ersetzt worden und Erkenntnis ist eben mehrdimensional.

„Man denkt nur in Bildern. Wenn du Philosoph sein willst, schreib Romane.“ Diese Notiz aus dem Tagebuch von Albert Camus zeigt im Schreiben die andere Dimension. Er schreibt, dass das Denken in Bildern erfolgt. Damit ist das Schreiben die andere Hälfte vom Bild, wie Schwarz und Weiss oder Yin und  Yang.

Aber damit endet die Bedeutung dieser Aussage nicht. In dem schönen Buch „Mit der Kamera sehen, Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter“ von Robert Hirsch kommt dann auf einmal die Erklärung. Robert Hirsch fragt „Was haben Bilder einem Text voraus?“

Er antwortet folgendermaßen: „Ein erfahrener Fotograf kann auf visuelle Weise seine Erfahrungen mit der Welt austauschen. die sich der Beschreibung durch Worte hartnäckig widersetzen. Albert Camus sagte einmal: „Ohne die Rätsel des Lebens gäbe es keine Kunst.“ Worte können zwar das eigentlich Unaussprechliche aussprechen, sie weisen aber auch immer auf ein Bewusstsein jenseits der Sprache hin. Fotos können Empfindungen für ein Motiv ausdrücken, ohne auf dessen körperliche Eigenschaften beschränkt zu sein. Fotos herrschen über Raum und Zeit und ziehen die Betrachter in ihren Bann, ohne dass diese beschreiben können, was sie eigentlich so fasziniert. Sie können uns daran erinnern, wie die flüchtigen Bilder unserer modernen Kultur unser Gedächtnis und unsere Gefühle besetzen und Teil unserer Gedankenwelt werden, die uns eine Identität verleiht und uns in die soziale Ordnung stellt.“

Soweit Robert Hirsch. Er fährt dann fort mit der Frage, was ein Foto interessant macht. Doch dies sollte jeder dann in dem Buch von Robert Hirsch selbst lesen.

Für mich ist bemerkenswert, dass Robert Hirsch genau dort angekommen ist, wo ich ebenfalls angekommen bin: bei Albert Camus. Seit ich die Fotografie entdeckt habe (und nach mehreren Jahren theoretischer und praktischer Anleitung mich aktuell im Stadium der dokumentarisch-publizistischen Fotografie befinde), erlebe ich, dass dies auch das Er-Leben einer Weltsicht ist.

Albert Camus gelingt es durch seine Worte, mir deutlich zu machen, dass die Welt nicht ohne Worte sein sollte, aber hinter den Worten weitergeht.

Camus zeigt mir, dass gerade die Zeit ohne Worte, das Erleben der Sonne, die Sinnlichkeit, für mich wesentlich ist. Nur so kann ich die Absurdität unserer Existenz auflösen, die ja bestimmt ist durch Kopf, Bauch und Sexus im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit.

Historisch betrachtet wechseln wir gerade in eine neue Welt. Digitales Denken und digitale Medien bestimmen uns. Statt Zeitungen mit Texten und Bildern gibt es Bilder mit Tönen. Das ist nicht schlechter, es kommt eben darauf an, was ICH daraus mache. Und genau darauf will ich hinaus.

Es ist eine Chance für den einzelnen Menschen, seine absurde Existenz mit Bildern besser zu leben. Insofern gibt die Fotografie uns die Chance, die Rätsel des Lebens besser zu erleben und uns selbst besser zu erfahren.

Nicht umsonst ist das Fotografieren von Menschen so wichtig und fast jeder Mensch kann sich nichts Schöneres vorstellen, als fotografiert zu werden. Dabei geht es eigentlich nicht um Akt oder Erotik, sondern um die Erfahrung seiner selbst durch das Betrachten der eigenen Fotos. Du siehst dich und du siehst dich ganz. Du nimmst dich wahr von aussen, während du dich sonst nur von innen siehst. Du transzendierst dich, um zu dir zurückzukehren.  Die Betrachtung deiner eigenen Fotos gibt dir genau die Sprache ohne Worte, über die ich hier die ganze Zeit schreibe. Dies gilt natürlich für andere Bereiche der Fotografie ebenso, ist aber im Bereich der Porträtfotografie wahrscheinlich persönlich am intensivsten.

So kannst du die Zeit deines Lebens bewusster erleben. Letztlich ist es das Leben von Kunst. Du wirst dein eigener Künstler oder wie es Wolfgang Boesner einmal geschrieben hat: „Die Grenzen von Worten, Philosophien und Religionen werden durch Kunst aufgelöst.“

Doch damit möchte ich diesen Artikel nicht beenden. Aufmerksame Beobachter meines Denkens wissen, was jetzt kommt. Ja, es ist ganz einfach. Wer hat denn die bekanntesten Fotos von Albert Camus gemacht? Richtig, es war Henri Cartier-Bresson. Damit schliesst sich nicht nur der Kreis sondern es öffnet sich dadurch das Tor zu einer neuen fotografischen Welt.

make money with your digital photography by erin manning

„What’s your personality? Do you consider yourself an extrovert or introvert? Are you comfortable in large groups of people, or do you prefer to work alone?

The book „make money with your digital photography“ from Erin Manning is a great chance to find YOUR way in the world of photography and in the way to earn money with photography.

In the introduction she writes „it is an overview of opportunities“. The book is much more.

In short and very well words Erin Manning shows her own way in the world of living with photography. She shows the long way until you discover your preferences. And you can learn to find your personal style of photography.

Very sensible, very clear and with a lot of experience the author writes about the most difficult thing: to find your own personality and to express this in photos.

And then she shows how to make money if you know what you want and what you can.

The book has a very readable layout. In every chapter you find questions for practice and the answers.

At the end of every chapter you find a summary and some sentences to learn if you go outside without the book.

Portrait, sports, wedding, food and product, travel and more are the field of photography you find here.

In every chapter she has a part „Q&A with a Working Pro“. In sports photography she asks Serge Timacheff, in wedding photography she asks Robert Holley, in food photography she asks Lou Manna, in travel photography she asks Lorne Renick and after that in chapter 8 she writes „show me the money“.

So you get not only the view of Erin Manning. At the same time you get knowledge from specialized photographers and after that you find a lot of pages full with hard knowledge for earning money with photos.

It is a very readable book with collected experience and very instructive information. It is a book you need not read from the beginning to the end. Every chapter is a closed theme. But all together give you an inspirational way in the commercial fields of photography.

In my opinion the book is for active readers: read, think, do. So this book is very professional, has a good layout and is full of good energy. It is a book for people who want to bring in their own personality. Yes, she writes about equipment too.

But much more here you have a book full of chances. And the book is deep. That means here you find knowledge and experience combined with a very good table of contents. So it is a working book and it is a great book.

Erin Manning

make money with your digital photography

ISBN 978-0-470-47431-0

www.wiley.com/compbooks

Porträtfotografie, ein Buch voller Ideen von Hennig, Ihring, Papendieck

Mit diesem Buch kann man nichts falsch machen, aber vieles richtig. Das Buch „Die Fotoschule in Bildern. Porträtfotografie“ von Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck ist ein Buch voller Bildideen. Der Schwerpunkt in diesem Buch liegt im Bereich Studiofotografie.

Aber eine Menge Anregungen sind auch ohne Studio umsetzbar. Wenn es um die Vorbereitung und Durchführung von Studioportraits geht, dann läßt das Buch keine Fragen offen. Aber das Buch lohnt sich auch aus mehreren anderen Perspektiven.

In dem Buch werden an einer Stelle fünf Fragen formuliert: „Welche Art Foto möchte ich machen? Welche Location kann ich dafür nutzen? Welche Accessoires und Kleidung passen zum Foto und zur Location? Welche Stimmung möchte ich rüberbringen? Durch welche Perspektive kann ich diese Stimmung unterstützen?“

Diese fünf Fragen sind für mich die Leitfragen des Buches. Den Autorinnen und Autoren gelingt es, ziemlich viele Antworten auf diese Fragen zu geben. Dazu werden die Porträts unterteilt in Klassisch, Spontan, Charakter, Beauty, Paare, Kinder, Serie, Bewegung, Emotionen, Schwarzweiß, Ältere Menschen und Erotik.

Was dabei die Kapitel inhaltlich zusammenhält sind die Kapitel über Accessoires, Licht, Planung, Kommunikation, Posing und einige mehr. Auf dem Schutzumschlag steht „Inspirierende Bildideen für die Praxis“. Das stimmt und gibt dem Buch einen besonderen Reiz. Die großzügige Aufteilung von Bild und Text, die vielen Zeichnungen zur jeweiligen Beleuchtungssituation und die zusätzlichen Angaben zu den Fotos machen es leicht, schon durch Blättern im Buch inspiriert zu werden.

Zugleich sieht man einiges vom Portfolio von Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck. Drei Fotografinnen bzw. drei Fotografen und drei fotografische Schwerpunkte und Ansätze. Das reizt natürlich noch mehr und gibt die Chance, das Buch aus einer anderen Perspektive zu sehen, nämlich als Portfolio.

Aber ich will nicht verschweigen, dass ich dieses Buch noch aus einem anderen Blickwinkel gesehen und gelesen habe.

Ich habe mir die Frage gestellt, was bedeutet heute (2010/2011) Porträtfotografie?

Das Buch stellt für mich eine aktuelle Sammlung von Ansätzen dar, Fotografie mit dem Schwerpunkt menschliche Portraits vorzustellen. Zugleich wird deutlich, dass nach diesem Buch auf den ersten Blick eigentlich alles möglich ist. Aber das stimmt nicht.

Wenn man das zweite Mal hinschaut, dann kann man – wenn man will – das tiefere Geheimnis des Buches und der Porträtfotografie sehen. Im Kapitel über „Klassische Porträts“ gibt es einen Abschnitt mit der Überschrift „Linien, Linien, Linien“. Weiter hinten im Buch wird dies vertieft im Kapitel „Porträts gestalten“.

Dort findet sich der meiner Meinung nach entscheidende Schlüsselsatz.

Er lautet: „Achten Sie bewusst auf störende Bildelemente und komponieren Sie ihr Foto.“

Genau das ist es. Die Komposition, die Geometrie ist die Grundlage guter Porträtfotografie. Damit ist dieses Buch, wenn man es richtig benutzt, eine wunderbare Anleitung für das schöne Fotografieren von Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens.