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Mit der Nikon D5000 in Afghanistan

Nikon D5000 im Einsatz - Foto: Michael Mahlke

Es ist wie es ist und es ist die Nikon D5000.

Sie ist weder wasserdicht noch besonders abgedichtet. Aber sie reicht aus, um damit im Krieg in Afghanistan zu fotografieren, wie uns Joe Blount zeigt. Sogar im Sandsturm.

Mittlerweile braucht es keine neuesten DSLRs mehr, um gute Fotos zu machen. Denn alles ab ca. 8 Megapixel ist im Prinzip durchgängig nutzbar, im Netz sowieso und beim Druck in der Regel auch.

Und die D5000 ist schon lange ein Geheimtipp, weil Nikon bei dieser Kamera in meinen Augen fast alles richtig gemacht hat – aus Sicht einer benutzerfreundlichen Praxis.

Ich nehme sie seit ihrem Erscheinen mit auf Reisen und sie war immer zuverlässig. Nun hat sich mein Eindruck  durch den Einsatz in noch extremeren Situationen bestätigt, wie der Artikel zeigt.

Meine drei Kriterien für die Kamera sind

  1. der Monitor in der optischen Achse
  2. das diskrete Auslösegeräusch sowie
  3. das kompakte Handling

Damit ist ein weiterer digitaler Schatz entdeckt worden, der bestimmt auch noch günstig und/oder gebraucht erworben werden kann.

Hier noch ein Video mit der D5000 im Sandsturm:

Übrigens kann man mit der Kamera auch die Occupy-Bewegung fotografieren. Auch da macht sie gute Fotos.

Viel Erfolg bei der Jagd nach digitalen Schätzen und guten Fotos!

Die Aufgabe der Fotografie bei der Zerstörung unserer Welt

Eine gedankliche Reise zur aktuellen Einordnung einer historischen Situation

Im 21. Jahrhundert erhält die Fotografie neue Aufgaben. Diese ergeben sich schon dadurch, dass das Medium Foto digital geworden ist. Dadurch wird der Pixel die neue Einheit und das neue Arbeitsgebiet. Aber das ist nicht alles.

Menschen sind immer schon die Mörder ihrer Mitmenschen gewesen, wenn man nichts dagegen getan hat. Das liegt in der Struktur unseres Wesens. Einerseits sind wir mit dem Verstand ausgestattet, der uns ein Bewusstsein über uns und die Welt ermöglicht.

Andererseits sind wir eine Weiterentwicklung von Dinosauriern und Einzellern. Der vernünftige Umgang mit unserem Wesen hat in der Geschichte ebenso funktioniert wie der unvernünftige Umgang. Das Soziale ist Schicksal und Chance der Menschen.

So wurden Verfassungen und Gesetze verabschiedet, die der Gier und dem Neid des Menschen Grenzen setzten. Gesetze sorgten für relative Sicherheit und relative Gerechtigkeit und relative Beseitigung der Not. Ein Beispiel für die Erkenntnisse des menschlichen Charakters und die Umsetzung in einer Verfassung ist das Grundgesetz. Andere Versuche waren die Bleiwirtschaft in Sparta, das Losverfahren bei demokratischen Wahlen in Griechenland etc. Dies alles und noch viel mehr ist in der Geschichte zum Teil erfolgreich ausprobiert worden.

Zeit der Entscheidungen

Doch etwas ist hinzugekommen. Das 21. Jhrdt. ist die Zeit, die der Menschheit durch ihr eigenes Handeln die gesamten Lebensgrundlagen weltweit rauben kann.

Das ist eine neue Dimension und diese ist nicht verhandelbar (aktuelle Beispiele sind die Erdölpest im Golf von Mexiko im Atlantik im Jahr 2010 und die atomare Verseuchung in Japan im Pazifik ab 2011). Dieser Prozess ist schleichend mit katalysatorischen Momenten. Denn nach dem Ablassen des verseuchten Wassers in Japan werden die Fische und die degenerierten Gene erst in den nächsten Jahren aus dem Meer auf unsere Tische kommen und zum Schluss uns krank werden lassen …

Dies wissen einige Menschen, dies weiß auch ein Teil der Politik. Aber der Vorhang der Massenmedien, das Wirtschaftssystem und die Machtverhältnisse sorgen dafür, dass sich fast nichts ändert.

Als ich in den 80er Jahren Seminare zum Thema „Global denken – vor Ort handeln!“ gab, wurden Szenarien entworfen: Was passiert in 30 Jahren, wenn nichts passiert? Es war klar, es wird nicht so weitergehen, wenn es so weitergeht. Die Szenarien des Club of Rome und Bücher wie „Friedlich in die Katastrophe“ von damals sind eigentlich alle eingetreten, selbst der atomare GAU, der nach Tschernobyl nun mit Fukuschima grosse Teile Japans und der Weltmeere umfasst und so bei uns im Körper landet.

Damals fragte man auch, was eigentlich passiert, wenn die Chinesen auch so leben wollen wie die USA. Heute wollen immer mehr Chinesen so leben und das Ergebnis hat sehr eindrücklich Wang Jiuliang für die Region um Peking mit Fotos dargestellt.

Diese Tendenzen werden Ende 2011 auch bestätigt. Aber das weiß man natürlich schon länger. Sehr gut ist dies bei Home dokumentiert (bis auf die makabre Werbung zu Beginn…).

Und sogar beim ZDF – öffentlich-rechtlich – macht man da mal eine Sendung zu, die dokumentiert und eine Fotostrecke hat.

Und 2012 hat der Club of Rome auch noch einmal darauf hingewiesen, dass leider die Prognosen von der Wirklichkeit noch übertroffen werden.

Aktuell ist der Zeitgeist trotz gegenteiliger Beteuerungen darauf ausgerichtet, so weiterzumachen. Die letzte Rettung scheint sich mittelfristig im Besuch von Ausserirdischen oder der Entwicklung des Raumschiff Enterprise zu verfestigen.

Noch ziehen die Vögel gen Süden, Treffen der Schwärme über Wermelskirchen mittags am 5.11.2011 – Foto: Michael Mahlke

Fotografisch betrachtet gab es noch nie so viele Fotos.

Welche Aufgabe hat die Fotografie in dieser Zeit?

Eine Antwort beruht sicherlich auf der Hoffnung, dass das Dokumentieren der aktuellen Zustände etwas nützt.

Wer so denkt, der wird aber hinter den Fotos nicht aufhören können. Er oder sie wird Fotos und daraus entwickelte Produkte wie Slideshows, Multimedia etc. in die gesellschaftliche Diskussion einbringen müssen. Dazu gehört die systematische Veröffentlichung im Internet und der Versuch, in vorhandenen Massenmedien und neuen Medien dies vielfach zu veröffentlichen. Und dann muß man selber mitmachen und nicht auf die anderen warten. Dies geschieht zum Teil seit einigen Jahren in aktuellen politischen Krisen wie wir gerade in Nordafrika und Arabien erleben. Aber es sind fast nur Bilder unserer bisherigen Probleme: poltische Systeme, Gewalt, Kämpfe. Das größere Problem der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen spielt als Ast, auf dem wir alle sitzen, auch dabei noch keine große Rolle.

Eine andere Antwort kann auch darin bestehen, dass man mit dem Elend Geld verdienen möchte ohne sich zu engagieren. Einige nennen dies auch Opferfotografie.

Und es geht noch tiefer. Solange z.B. aktuelle IT vielfach nur mit den Folgen der Zerstörung von Natur und Menschen gebaut werden kann, wird die Menschheit an den Folgen von Werbung und Massenmedien und Statussymbolen in alter Form langsam zugrunde gehen.

Die eigene Endlichkeit, das Denken in Status, Gier und Abgenzung, die Angst vor dem Unbekannten und vieles mehr, die trainiert werden, tun ihr übriges.

Es geht bei all dem nicht um die Frage, ob wir die Erde retten. Die Erde existiert auch ohne Menschen, aber wir existieren nicht ohne Erde und die darauf für uns vorherrschenden Lebensgrundlagen.

Für Deutschland gedacht:

Ganz deutsch gesprochen: Man stelle sich vor, öffentliche Gelder wie die GEZ-Gebühren würden z.B. genutzt,

um für Kostendeckung statt Gewinnorientierung zu werben oder
für einen neuen Leistungsbegriff, bei dem derjenige mehr erhält, der mehr für andere und die Natur tut, oder
für Patente, die ohne privaten Gewinn der Menschheit zur Verfügung gestellt werden, um die Grundprobleme zu lösen

statt die Risiken der Banken zu sozialisieren und die Gewinne zu privatisieren,
statt die Sozialsysteme und damit die Demokratie zu zerstören,
statt die Förderung schlechter Technik zu fördern,

was wäre dann schon medial möglich…

Fotografie neu gedacht

Damit zurück in die Welt des Geistes. Real ist die aktuelle unbeherrschbare Zerstörung, weil es kein weltweites Teilen gibt und keine systematische Beschränkung von Macht. So ist die Welt. Wenn wir davon ausgehen, dass sich die Menschheit nicht ändert, dann rettet uns nur die eigene biologische Endlichkeit vor der Übernahme echter Verantwortung für die Zukunft der Menschheit. Das kann sogar erleichternd sein.

Die Fotografie kann die bewohnbare Welt nicht retten, aber sie kann die Folgen unseres Handelns sichtbar machen. Insofern ist sie – ob kommerziell oder ideell – ein Teil des aktuellen Zeitgeistes. Es gibt keine Weltregierung, es gibt keine Menschheitsinteressen und es gibt keine Lösung ausserhalb von uns selbst.

Dies sind die Bedingungen unserer Existenz. Die Fotografie ist Teil davon. Sie kann sich engagieren oder die schöne Illusion einfangen. Aber sie ist mehr als nur eine digitale Droge.

Sie ist die Chance, Einfluss zu nehmen oder zu lassen. Fotografie ersetzt nicht das Engagement, sie gehört als Mittel dazu. Und die Fotografie hat ein Alleinstellungsmerkmal: sie ist international verstehbar ohne Worte.

Natürlich gibt es immer auch kulturelle Symbolik, aber das Foto kann eine Botschaft sein, die ohne Worte auskommt und zwar weltweit. Das macht sie einzigartig.

Und man darf sie nicht überschätzen. Wir haben in Deutschland alle die Bilder gesehen, als führende Klimapolitiker mit einem Hubschrauber zu einem Eisberg flogen, um symbolisch etwas für den Klimaschutz zu tun (!). Die Chancen stehen also weltweit und gerade in den industriell geprägten Ländern nicht gut, um sich selbst zu retten trotz Bilder und Videos.

In den letzten Jahrzehnten gab es einige Fotografinnen und Fotografen, die unterwegs waren. Sie haben sich vielfach engagiert, ob als Kriegsreporter oder für NGO´s oder auch nur, um in ihrem Land verbotene Wahrheiten ans Licht zu bringen. Aber welche Wirkung hatten sie? Es kommt natürlich darauf an.

Nun gibt es neue Fotografen, die die Zerstörung der Natur dokumentieren. Reicht dies oder wird das Bild nicht erst durch das Engagement danach zu mehr?

Die Frage greift zu kurz, weil nicht überall Pressefreiheit und Meinungsfreiheit herrscht. Und dennoch ist es die richtige Frage, denn sie zeigt, dass Fotos wichtig sind und Pressefreiheit unersetzlich ist. Und deshalb ist Pressefreiheit als Voraussetzung für Fotografie wichtiger als jemals zuvor.

Es geht nicht so weiter, wenn es so weitergeht

Mittlerweile gibt es die weltweite Occupy-Bewegung, die sich gegen die Banken richtet und hoffentlich das allgemeine Unbehagen weiterträgt.

Aber letztlich ist es auch eine Frage des Überlebens der menschlichen Rasse. Mittlerweile haben wir 7 Milliarden Menschen. Das kann sich schnell ändern wie die menschliche Geschichte gezeigt hat. Darauf hat u.a. Frank Fenner hingewiesen.

Vor 30 Jahren haben wir gewusst, was passiert, wenn nichts passiert. Ich selbst habe Seminare dazu gegeben. Aber so wunderbar die Gabe des Wissens ist, so wenig hat sie doch Macht über das Geschehen, wenn es die Menschen nicht interessiert. Aktuell sehen wir, wie es passiert.

Und wer in Geschichtsbüchern gelesen hat, der weiß, es ist nicht unvorstellbar, dass es eine neue Völkerwanderung gibt. Wenn nur 100 Millionen Menschen vor den Türen Europas oder Russlands oder der USA stehen, dann wird man wohl ein echtes Problem haben…

Menschen ändern ihr Verhalten überwiegend nur, wenn der Leidensdruck steigt. Dies alles wird die Fotografie dokumentieren können. Sollte die Menschheit dies überleben, dann werden Fotografien diese Geschichten erzählen ebenso wie andersrum vom Untergang – aber wem?

Bildung und Aufklärung

Die Voraussetzung für verbessernde Veränderung ist einerseits Bildung und Aufklärung und andererseits Leidensdruck. Das lehrt die Geschichte. Soziale Absicherung, repräsentative Demokratie und Transparenz sind die wichtigsten Ziele  und eine dauerhafte Herausforderung.

Das ist der Weg, der auch das Ziel wäre. Die Fotografie kann dies begleiten, übrigens auch multimedial.

Doch dokumentiert sie aktuell eher das Gegenteil, so dass es wichtig ist, in den Bilderfluten ihre wichtigsten Aufgaben nicht zu vergessen: sich fotografisch einmischen und selbst mitmachen!

Dieser Artikel wurde ursprünglich in etwas kürzerer Form schon im April 2011 publiziert und mehrfach erweitert, weil dieses Thema sich entwickelt, Version 1.3.

Occupy – ein Tag geht um die Welt

Das ist ein Fest für Flickr-Freunde. Wer auf flickr.com geht und dort „occupy“ ohne Gänsefüßchen eingibt, der kann ausnahmsweise die Vorteile der Fotovereinigung sehen. Dort gibt es hunderttausende Fotos aus aller Welt zu diesem Begriff.

Wobei „Tag“ einmal ein englisches Wort ist und übersetzt auf deutsch  „Schlagwort“ bedeutet und Tag auf deutsch als Wochen-Tag genutzt wird, also als Zeiteinheit.

Hinzu kommt bei flickr eine Gruppe zum Thema Photojournalism = Fotojournalismus, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt.

Das ist nun wirklich neu. Die Bürger nutzen weltweit den Tag (= das Schlagwort), um Bilder sichtbar zu machen für Menschen auf der ganzen Welt.

Occupy ist das englische Wort für „Besetzen“, in diesem Fall das Besetzen öffentlicher Plätze, um auf die Misere mit den Finanzmärkten aufmerksam zu machen. Man könnte ja auch das Wort „Demonstration“ oder „Demo“ eingeben, weil es sogar weltweit gleich ist.

Aber „Occupy“ geht weiter. Es sagt, wir demonstrieren gegen die Finanzmärkte und ihre Macht und für eine Gesellschaft, die den Menschen gehört. Es ist ein Akt der Rückeroberung der Zivilgesellschaften. Es ist auch ein Eintreten für Meinungsfreiheit und Demokratie. Einige sprechen sogar vom Dritten Weltkrieg.

Die Occupy-Bewegung ist ein weltweite Bewegung für eine demokratische Zivilgesellschaft, die den Menschen Chancen und Sicherheiten gibt. Aber das wird sicherlich an anderer Stelle diskutiert werden. Hier geht es um die fotografischen Blicke.

Und hier geschieht fotografisch etwas Neues. Man könnte sagen, ein Schlagwort( = engl. Tag) erobert die fotografische Welt. Weltweit nutzen Menschen dies, um ihre Fotos darzustellen.

So hat flickr eine weltweite Bedeutung für soziale Bewegungen. Das ist hochpolitisch, positiv und hoffentlich ohne Zensur.

Damit aber nicht genug. Die Occupy-Bewegung macht ihre eigenen Medien, weil sie wohl zu Recht vielen Medien nicht traut.

Dass ausgerechnet im Spiegel ein Artikel erschien mit der Überschrift „99 Prozent blieben zu Hause“ ist von einer seltsamen journalistischen Ignoranz. Der Journalist Carsten Volkery scheint überhaupt nicht zu verstehen, was die Menschen bewegt. Natürlich waren nicht alle Menschen dabei. Denn die Macht der Verhältnisse führt unter anderem dazu, dass sehr viele Menschen von den 99 Prozent auch samstags jobben müssen, zum Teil kein Geld haben, um in große Städte zu fahren und viele andere Verpflichtungen. Aber so viel Zuspruch von Menschen, die sonst eher unpolitisch sind, gab es selten. Schade, da hätte ich vom Spiegel mehr erwartet und vor allem mehr Differenzierung. Die scheint in diesem Fall eher im Spiegel-Forum zu erfolgen, aber da dort nicht jeder Beitrag veröffentlicht wird, ist es wohl nicht so viel wert. Nach diesem Schwenk in den aktuellen Journalismus zurück zu den Fotos.

Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen von Fotos, da dokumentiert sich gerade eine weltweite Bewegung fotografisch. So haben viele Handys und Digitalkameras und eine weltweite Community eines gemeinsam, sie besetzen digitalen Raum und gelangen in das Bewusstsein der Menschen, die dies nutzen können.