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Neue Fotografie – reicht zukünftig die Handy-Qualität als Standard für Medien?

M. Mahlke

M. Mahlke

Wenn man einen sehr interessanten Artikel bei heise.de gedanklich weiterdenkt, dann reicht zukünftig ein Iphone, ein Samsung, ein Nokia oder anderes Handy, um Reportagefotos von Kriegsschauplätzen und „Fotokunst“  zu erstellen, zu verkaufen und damit sogar Ausstellungen zu machen.

Die aktuelle Aufnahmequalität von Handys

Die Bildaufnahmequalität des Samsung Galaxy S3  und des Iphone 4 und der Iphones und einiger Kameras wurde ja schon mehrfach getestet, wobei nicht alle Tests echte Tests sind. Und die schiere Zunahme an Handyfotos, die auch dokumentierbar ist, tut ihr Übriges.

Allerdings hat die Kameratechnik im Nokia Pureview 808 das Zeug dazu, ernsthaft ein Handy mit dieser Technik für bestimmte (nicht alle) fotografische Zwecke zu nutzen, zumal es besser als die Lumix LX5 zu sein scheint.

Beispiele für die Qualität der Fotos habe ich hier gefunden, einen Vergleich zwischen dem Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview hier und einen Vergleich mit einer Olympus Pen hier.

(Nachtrag: Jetzt hat auch dpreview einen Vergleich mit Digitalkameras online, der sehr gut ist.)

Dabei kann man in den von mir verlinkten Quellen sehen, dass die Bildqualität der eingebauten Kamera für ein Smartphone hervorragend zu sein scheint und besser als bei vielen Digitalkameras, aber die Telefoneigenschaften von anderen Smartphones z.T. als besser beurteilt werden. Ich finde z.B. nach dem Anschauen des Videos mit dem Vergleich zwischen dem Samsung Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview, dass das Betrachten von Webseiten auf dem Samsung wesentlich besser gelöst ist.

Fototherapie

Doch zurück zum Artikel. Der Artikel ist eigentlich ein Interview, das Daniela Zinser für seen.by geführt hat (und welches dann Jobst H- Kehrhahn? in einen Artikel gegossen hat).

Der Artikel beschreibt den Tod von Kriegsreportern, das Überleben und das Iphone als Halt in einer psychologisch schwierigen Situation. Und dann in der Folge die Fotos, die nun als Objekte und eventuell als Verkaufsprodukte eine Rolle spielen.

Fotografie kann eine gute Therapie sein, wie ich schon an anderer Stelle ausgeführt habe und ich denke, dass es sich hier um ein Musterbeispiel für eine Fototherapie handelt.

Zugleich ist aber die Wirkung der Fotos erstaunlich hoch. Im Museum of Fine Arts in Houston gibt es damit eine Ausstellung und seen.by als Unternehmen, das Fotokunst verkauft, engagiert sich offenkundig stark in diesem Bereich.

Ziemlich abenteuerlich finde ich aber folgende Aussage aus dem Artikel des Fotografen Brown: „Es (das Iphone) ist weniger im Weg und man ist freier, auch wenn die iPhone-Kamera viel langsamer ist als die andere, weil man mit Hipstamatic nur neun Fotos machen kann bevor man ein paar Minuten warten muss, während Hipstamatic alles verarbeitet. Man muss sich stärker überlegen, warum und was man fotografieren will, und weniger, wie man es technisch machen will.“

Wegen der Hipstamatic Software muss man sich überlegen, warum und was man fotografieren will – nicht wegen des richtigen Motivs oder des richtigen Moments?!

Das ist eben neues Denken. Dies muss man anerkennen aber nicht übernehmen und damit weiter im Text.

Handyfotos als Objekte für Kunst und Kapital?

Wenn ich nun den Gedankenkern des Artikels verlasse und nach vorne blicke, dann wird gerade ein neues Kapitel im Buch der professionellen Fotografie und der Fotokunst aufgeschlagen. Wenn man das zu Ende denkt, dann ist es Fakt, dass ein Handy und ein kleines Softwareprogramm, welches automatisch arbeitet, ausreichen, um zunehmend erfolgreich in Bereichen des Marktes professioneller Kameraprodukte zu sein.

Und das hängt dann weniger an den bisherigen professionellen Produkten, die technisch zweifellos sehr gut sind, sondern vielmehr an geänderten Ansprüchen und Interessen.

Wenn z.B. statt besserer Technik mehr Lifestyle gefragt ist und heute die Technik vielfach ihren Grenznutzen kaum noch erhöhen kann, dann wird es eben schwierig. Und niemand braucht Handschuhe für sieben Finger, wenn er nur fünf Finger hat.

Ich möchte dies aber noch an einem anderen Beispiel zeigen.

Linke Hand und rechte Hand

So gut wie alle Kameras sind für die Bedienung mit der rechten Hand ausgelegt. Eigentlich alle Handys können mühelos mit der linken und mit der rechten Hand bedient werden. Alle Linkshänder sind also systematisch jahrzehntelang von der Kameraindustrie ausgegrenzt worden. Bei den Handys nie. Und nun werden die Bilder durch neue Sensoren in den Handys immer besser….

Der Markt bestimmt ?!

Wenn wir mal das Vokabular der Deregulierer nutzen, dann würde ich davon sprechen, dass der Markt bestimmt, was als Qualität gilt und was nachgefragt wird (wobei dies bitte niemand ungefragt übernimmt!).

Deshalb ist es offenkundig so, dass die Masse an Fotos und die Tyrannei des Augenblicks mit ihrem abnehmendem Grenznutzen auch den Umgang mit Fotos verändert.

So setzt sich  dieses Thema fort und wird neue soziale und visuelle Gebrauchsweisen im Alltag und im Bereich von Fotografie als Ware etablieren.

Das Projekt Fotomonat dient dazu, die Phase des Übergangs zu begleiten und die Veränderungen der Fotografie von der analogen Technik und ihren Gebrauchweisen bis zu den digitalen Techniken und ihren Gebrauchsweisen aufzuzeigen. Daneben entsteht nun eine neue digitale Welt.

Zwischen Fotomonat zum Filtermix

Da enden dann die Themen von Fotomonat mit der klassischen Fotografie. Die neuen Trends der nächsten Jahre erfordern neue Wege.

Wenn man analog und digital denkt, kann man es so einteilen:

  • Aufnahmen sind mit technischen Geräten festgehaltene Inhalte.
  • Fotografien sind gestaltete Aufnahmen.
  • Bilder sind der Oberbegriff. Das können  Fotografien,  Grafiken und Malereien sein, also im Prinzip alles, was irgendwie erstellt wird, analog und digital.

Wenn man digital denkt, gibt es gute Gründe

  • als absoluten Oberbegriff die Grafik zu nehmen und alles darunter als verschiedene Formen von Grafiken,
  • erstellt als Foto,
  • erstellt als digitale Malerei = Bild,
  • erstellt als Logo.

Abgesehen davon wird sich die Begrifflichkeit sowieso noch weiterentwickeln. Und überall wird digital gefiltert, während der Produktion der Fotos ebenso wie danach.

Das Wort Foto wird zudem für alles eingesetzt werden, was aufgenommen wird. Aber dennoch lohnt es sich, Begriffe auch differenziert zu analysieren, weil es faktisch ja Unterschiede gibt, die dann auch ein entsprechend differenziertes Vokabular benötigen.

Der wachsende Trend

Und ein wachsender und immer stärker werdender Trend sieht so aus:

  • neben guten Büchern kommen immer mehr Buch-Apps für Handys und Smartphones,
  • neben Fotos mit persönlicher Note und digitaler Handschrift treten immer mehr Handyfotos mit automatisierter Bearbeitung,
  • und die sozialen Gebrauchsweisen wenden sich diesem Trend immer mehr zu, wie man auch hier sehen kann.

Es gibt einen wachsenden Anteil von immer mehr Menschen,

  • deren soziale Gebrauchsweisen,
  • deren visuelles Wahrnehmen und
  • deren fotografisches Verständnis sich dorthin entwickelt.

Meine persönliche Sicht

Es gibt immer parallele Welten, nur die dominierenden Trends wechseln.

Ich mag z.B. immer noch die Sucherfotografie und ein Handy mit Sucher gibt es nicht. Ich mag gute Sucherkameras wie z.B. die Fuji X100 und die Fuji X10 und ich habe gar kein Interesse daran, meine Sucherfotografie durch ein Handy abzulösen, weil schon das eigene Gestalten der Aufnahme mir gefällt.

Handys banalisieren

Ich persönlich finde auch, dass das Handy das Aufnehmen banalisiert in Fortsetzung des Monitors auf aktuellen Digitalkameras. Aber auch dies entspricht sicher nicht der Mehrheitsmeinung.

Doch die Zukunft gehört wohl mehrheitlich dem Hinhalten und Abdrücken und weniger dem vorherigen Hinschauen und Gestalten. Das meine ich aber nicht negativ sondern lediglich beschreibend. Menschen orientieren sich sowieso primär an Bildern und erst später an Texten.

Bilderkommunikation

Vor der Schrift gab es die Malerei und vor dem Text gibt es nun die digitale Aufnahme. So sind Bilder vom Handy heute der schnellste Weg der nonverbalen Kommunikation, schneller als jede SMS und schneller als jeder Text und wahrscheinlich auch jede verbale Kommunikation.

Man kann die Augen nicht davor verschliessen, dass die Massstäbe sich gerade verändern und erweitern. Das ist unübersehbar. Welche Auswirkungen dies alles auf Fotoagenturen und Magazine haben wird, werden wir sehen. Aber die zunehmende Integration in die Onlinemedien spricht für Veränderungen.

Alles wie früher

Für mich bleibt allerdings eine Erfahrung. Vor ein paar Jahren habe ich mit einem Sony-Ericsson Handy und einer 3,2 Megapixelkamera direkt Fotos online auf flickr hochgeladen. Ich konnte so massenhaft Fotos machen, aber es waren eben nie gestaltete Fotos. Sie waren so wie heute die Fotos in den Kameras auch noch sind.

Damals gab es noch keine Apps mit digitalen Filtern. Aber die hätten auch nicht viel genutzt. Und letztlich habe ich dies alles beendet, weil ich damit keine Fotos so hinbekam wie sie mir gefielen und weil die massenhafte Fotoproduktion weder sinnvoll noch befriedigend war. Das hat sich bei den heutigen Handys nicht geändert.

Gebrauchswert steigt

Nur wenn es um ganz praktische Fragen ging wie das Zeigen von Waren, Dokumenten – also der Gebrauchswert hoch war – machte dies alles Sinn. Aber hier ist dann schon der veränderte Anspruch an den Umgang mit Fotografie sichtbar, meinerseits und andererseits.

So endet dieser Artikel für mich mit der Frage: Wer fotografiert hat mehr vom Leben – ob das beim Handy noch gilt?

Text 1.3

 

 

Ist das Nokia 808 besser als die Lumix LX5?

Die digitale Revolution scheint einen technischen Schritt weiter zu sein. Bei Cnet wurde ein Test veröffentlicht. In diesem Test schneidet das Nokia 808 Pureview bei ISO 1600 besser ab als die Panasonic Lumix LX5. Damit überholt erstmals ein Handy eine Spitzenkamera. Das dürfte nicht ohne Folgen bleiben.

Den Test und die Testfotos gibt es hier.

Technisch erhebliche Auswirkungen

Wahrscheinlich wird dies mittelfristig die Struktur der Fotoindustrie und der Handyhersteller verändern, weil der eine auf dem Markt des anderen sein wird.

Allerdings rechnet Fuji im EXR-Modus ja auch schon Pixel zusammen, so dass der Ansatz bei Nokia auch schon bei Fuji vorkommt. Erst wenn es ein Nokia 808 in einer Fuji X10 geben wird (als z.B. Nokia 808 X10) würde eine völlig neue technische Dimension entstanden sein. Das wird wohl noch dauern, zumal das 808 noch nicht einmal Android oder Windows Phone als Betriebsystem hat.

Im Immerdabeibereich wird sicherlich das Handy bessere Chancen haben, es sei denn, die Kamerahersteller entwickeln Verknüpfungen – aber selbst da ist dann das Handy dabei.

Sozial die Fortsetzung bisheriger Trend

Im Bereich der sozialen Gebrauchsweisen ändert sich weniger. Man kann nun die banalen Augenblicke in noch besserer Bildqualität festhalten und die Onlineberichterstattung für Journalisten und im Internet wird technisch noch schneller.

Es wird also tendenziell eher noch mehr Handyfotos und dafür weniger Kamerafotos geben. Aber insgesamt wird es noch mehr Fotos geben.

Wahrscheinlich weniger Fotos von den Dingen, bei denen man lieber wegschaut und noch viel mehr Fotos von den Dingen, bei denen man lieber hinschaut.

Immer weniger seriöse, tiefe und kritische Informationen

So bedeutet noch mehr Fotos vielfach nicht noch mehr seriöse journalistische Information sondern vielfach noch mehr pures Marketing. Und politisch wird von immer weniger immer mehr fotografiert.

Na ja, das wird die Fotomacher und die Handymacher weniger interessieren. Aber ich schreibe es auf, weil man mit den Handys eben auch anders fotografieren könnte.

In diesem Sinne  …

Nachtrag 31.07.2012: Nun gibt es auf dpreview auch ein Review des Nokia 808.

Vom Zauber älterer Neuentdeckungen oder digitale Oldtimer und der besondere Charme

von der Leica M6 zur Lumix DMC-L1 – Foto: Michael Mahlke

Digitale Oldtimer werden aktuell

Manchmal erleben verschiedene Menschen dasselbe. Immer wieder und in letzter Zeit verstärkt „spiele“ ich mit der Panasonic DMC-L1. Die gab es auch als Digilux 3. Alle Fotos, die ich damit gemacht habe, waren irgendwie besonders schön. Sie hatten einen besonderen Zauber.

Aber als ich dann die Erfahrung machte, dass in der Strassenfotografie unauffälliges Fotografieren aus der Nähe nur noch mit handyähnlichen Kameras möglich ist und in der Reisefotografie das „standardisierte“ Weitwinkelbild geliebt wird, suchte ich andere Kameras.

Doch der Geschmack an grossen Kameras kam zurück und die Bilder der DMC-L1 hatten immer einen besonderen Schick, den ich mit keiner anderen Kamera hinbekam. Selbst die Nachbearbeitung mit digitalen Filtern veränderte die Fotos anderer Kameras nicht so, dass ich sagen könnte, ja es ist praktisch gleich.

Digitale Oldtimer haben Charme

Und jetzt schreiben wir das Jahr 2012 und plötzlich veröffentlicht C. Garrard einen Artikel über die DMC-L1. Man muss sich natürlich fragen, warum macht Carl Garrard das. Das kann ja auch PR sein, wenn Panasonic eine DMC-L2 plant und die alte Kamera aktualisiert bewertet  und in die fotografische Diskussion gebloggt werden soll. Das kann so sein. (Nachtrag 2015: Und tatsächlich kam 2013 die GX7 heraus)

Es kann aber auch sein, dass da einfach jemand einen Artikel über eine Kamera schreibt, die ihm gefällt und die auch noch mal gewürdigt werden soll im Ozean der fotografischen Nachrichten. Das hat Mr Garrard früher auch schon getan. Ich erinnere an seinen sehr substanziellen Artikel zur GX200/GX300.

Wir werden sehen, was davon stimmt. Aber davon abgesehen gibt es in dem Artikel Argumente, die auch meine wären.

von der Leica M6 mit Festbrennweite zur Lumix DMC-L1 mit Varioobjektiv – Foto: Michael Mahlke

Warum?

Auch er schreibt vom Zauber, den die Fotos dieser Kamera ausstrahlen und von dem besonderen Gefühl, mit dieser Kamera zu fotografieren.

Was dem einen sein Oldtimer, ist dem anderen seine digitale Oldtimer-Kamera. Und es scheint, dass langsam die Zeit beginnt, bei der ältere digitale Kameras noch einen hohen Nutzwert haben und die Zeit der digitalen Oldtimer beginnt.

Die Digitalkameras der ersten Jahre waren von den Versuchen mit der neuen Technik bestimmt. Und die Kameras mit bis zu 5 Megapixel waren zwar für den Monitor gut nutzbar aber für Ausdrucke weniger.

Seit es mehr als 5 Megapixel gibt und seit die Modelle technisch, optisch, sensormässig und softwaremässig ausgereifter wurden, entstanden dann Kameras, die heute ebenso nutzbar sind wie neue Modelle. Der meistens einzige echte Unterschied für das Fotografieren ist die ISO-Zahl bei schlechtem Licht.

Der ISO-Faktor

Man kann mit allen älteren Modellen mit niedrigen ISO auf Stativ hervorragende Fotos machen bei unbewegten Objekten. Nur bei bewegten Objekten im Schummerlicht geht es nicht mit hohen ISO und kurzen Verschlusszeiten. Dafür gibt es heute eben Kameras wie die D3S, die das können. Aber wer will so eine Kamera dabei haben?

Hinzu kommt natürlich, dass man die älteren Kameras mit mehr als 5 Megapixel auch noch in zehn oder zwanzig Jahren nutzen kann für Web und Druck. Und wenn immer mehr ins Web verlagert wird, dann wohl noch länger.

Zudem wird es sicherlich irgendwann auf minimale Unterschiede bei der Darstellung digitaler Fotos am Monitor und im Netz ankommen. Dann wird auch deutlich werden, dass digitale Filter nicht alles können.

In diese Kategorie der digitalen Oldtimer gehören sicherlich u.a. auch die Sony DSC-R1, von Canon die EOS 5D und die EOS 40D, die Sigma DP1s  und die Olympus E400. Sie haben alle bemerkenswerte Chips, die die Kameras für Kenner auf Fotos auch heute noch eindeutig identifizierbar machen.

Nur Erfahrung zählt

Aber was ich hier schreibe, ist nicht durch Tests erfahrbar und erlebbar. Es ist die Folge

  • von Erfahrung durch die Benutzung verschiedener Kameras in unterschiedlichen fotografischen Situationen,
  • das Betrachten sehr unterschiedlicher Fotos verschiedener Kameras im Vergleich
  • und das Gefühl für technisch-fotografische Zusammenhänge

So wird dann aus einer vermeintlich alten Kamera ein Luxusobjekt der digitalen Oldtimerszene. Dabei sind es eben nicht die teuersten Kameras, um die es geht. Sondern es sind besondere Kameras mit heute nicht mehr hergestellten Sensoren, die für besondere Fotos und besonderes Fotografieren stehen. Das ist natürlich auch in der analogen Ära so gewesen.

Der Genuss, Momente mit einer Kamera festzuhalten, die über besondere Merkmale verfügte oder die dem Fotografierenden einen besonderen Zugang vermittelte für das Festhalten der Motive oder die Gestaltung – das ist und bleibt etwas besonderes.

Es gibt bei den grossen Fotocommunities schon länger Treffen von Analogfotografen, die sich speziell auf ein Modell konzentriert haben und dann als Gruppe damit Fotos machen und sich danach zusammensetzen. Das wird es sicherlich in absehbarer Zeit auch für digitale Kamera-Oldtimer geben.  Vielleicht gibt es dann Aufrufe zum Fototreff auf der Kö/ am Dom oder in Elberfeld, um die Wirklichkeit mit dem Sensor einer DMC-L1/Digilux 3 gemeinsam festzuhalten und danach ein Alt/Kölsch oder einen guten Kaffee zu trinken.

So bieten sich völlig neue Möglichkeiten, dabei zu sein, und auch danach online Bilderwelten auszutauschen und die Freude am Fotografieren mit diesen digitalen Oldtimern zu pflegen.

Über 50 neue Kameras – der Tanz der Technik

„So viele waren´s noch nie“ schreibt Fotohits in der Ausgabe 3/2011. Man muß sich dies auf der Zunge zergehen lassen und sich freuen, dass man kein Einkäufer in einer Elektronikabteilung ist. Wie soll man denn damit umgehen? Wieviel ist eine Kamera denn noch wert und wie oft soll man sich eine neue Kamera kaufen?

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel zum Thema „Über den Wert alter Digitalkameras“ geschrieben. Dort ging ich davon aus, dass die Kameras auch wirklich Eigenheiten haben, die im Bild sichtbar werden.

Aber heute? Das ist nicht nur wie bei PCs und Fernseher, das ist darüber hinaus eine reine Modefrage. Denn was gibt es bei den Kameras wirklich Neues?

Ich sehe aktuell drei Trends:

1. Es werden regelmäßig die Bildauflösungen erhöht. Erst 8, dann 10, dann 12, dann 14, dann 16 Megapixel. Aber wird dadurch die Bildqualität wirklich besser? Natürlich nicht, deshalb sind die besten Kompaktkameras die, die kleinere Chips vergrößert haben auf i.d.R. 1/1,7 und bei 10 Megapixel geblieben sind. Aber dennoch sind die meisten neuen kleinen Kompaktkameras mit noch mehr Megapixel ausgestattet.

2. Das Design ändert sich so schnell wie bei den Handys. Und weil es nicht nur ein Design gibt, ändern sich quasi alle Designs. Aber echte Veränderungen gibt es kaum. Das liegt auch daran, dass die Hände und das Gesicht des Menschen immer noch gleich geblieben sind. Das hat sich in den letzten 100 Jahren nicht geändert, an jeder Hand sind immer noch fünf Finger und im Gesicht zwei Augen. Und das Touchdisplay, welches so beliebt ist bei Handys und Tablet-Computern, kann beim Fotografieren wirklich nur bedingt punkten.

3. Die Displayauflösungen werden höher. Das ist ein Trend, um besser beim Fotografieren gucken zu können. Leider ist die Sonne immer noch stärker. Wer mit der Sonne im Rücken fotografiert, weiß, was ich meine.

Neben den Trends gibt es in meinen Augen nur folgende längerfristigen „Innovationen“ bzw. echte aktuelle technische Veränderungen:

1. Fuji, Kodak, Sigma und Sony haben neue Sensoren entwickelt, die wirklich bessere Auflösungen anbieten auf kleinem Raum bzw. bei Leica für den Kodaksensor.

2. Sony hat die Logik der Optik einfach überholt, indem die Firma mit leistungsfähigen Chips ein Bild aus mehreren Bildern zusammenrechnen läßt. Der Ansatz ist so neu und erweitert die Optik. Das ist natürlich eine neue Art zu fotografieren, die klassische Ansätze und Regeln zum Teil außer kraft setzt. Aber es ermöglicht neue Fotos mit kleinen Kameras auf kleinem Raum, die so sonst nicht möglich waren.

3. Das Fotografieren ohne Spiegel. Die Systemkameras von Olympus, Lumix und Sony Nex bzw. nun auch Samsung und Fuji ermöglichen das Fotografieren ohne Spiegel mit relativ grossen Chips.

4. Das Video als integrierter Bestandteil der Digitalkameras. Das ist ein Zeichen einer neuer Zeit. Jeder kann mit seiner Digitalkamera Video machen. Gottseidank muß sich nicht jeder alles anschauen, aber es ist ein neues Medium, was nun durchgängig jeder bei sich haben kann (nach dem Handy).

5. GPS kommt. Es war zwar schon in der Coolpix P6000 vor ein paar Jahren, aber durchgesetzt hat es sich mit der Panasonic TZ10 bzw. der Leica V-Lux 20.

Weitere größere Neuerungen sind bisher nicht in Sicht. Aber die hier aufgeschriebenen Dinge werden nun mit immer neuen Details als immer neu und immer wieder neu vermarktet.

So kommt man dann auf über 50 neue Kameras in einem halben Jahr. Das ist technisch und fotografisch sinnlos und wird nicht zu mehr guten Fotos führen, höchstens zu mehr Fotos.

So ist der Tanz der Technik im Jahre 2011 fotografisch auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Aber die Kameras des Jahres 2010 und früher funktionieren noch.

Wer das Glück hat, noch substanziell kritische Testberichte zu finden, der wird immer öfter lesen, dass es zu dem Modell des Jahres vorher keine wirklichen Verbesserungen gegeben hat, es sei denn der Zoomhebel vorne statt hinten ist so etwas.

Das Geheimnis ist ein anderes. Wer eine Kamera gefunden hat, die sie oder er gut bedienen kann, bei der die Bilder bei niedrigen ISO rauschfrei sind und die man gerne mitnimmt, der hat fast alles, was man zum Fotografieren braucht.

Nur die Motive fehlen, aber das ist keine Frage der Kamera…

Der Schnappschuss wurde neu erfunden? Über Hoffnungen und Enttäuschungen

Ich bin Anhänger der Strassenfotografie und damit der Schnappschussfotografie. Das ist einfach wunderbar. Doch mit den Displays verschwanden die Sucher. Damit gab es mehrere Probleme. Einige davon habe ich in fotomonat.de schon erörtert. Ich sehnte mich zurück nach den klaren optischen Suchern, weil sie einfach klasse sind.

Doch da muß es bei der Firma Panasonic Menschen geben, die mit höchster Raffinesse ihre vielleicht eigenen fotografischen Wünsche umsetzten.

Und so geschah es im Jahre 2010. Die Firma Panasonic hat den Schnappschuss neu erfunden. Diesmal auf dem Monitor und mit einer wunderbaren Technik.

Was meine ich damit?

Hier auf dem Foto ist das Display der Panasonic DMC-G2 zu sehen. Dort sieht man als kleines gelbes Symbol eine Hand mit Daumen und Zeigefinger. Das ist das Geheimnis. Wenn dies aktiviert ist (gelb eben) dann tippt man mit dem Finger einfach irgendwo auf dem Display und sofort wird ein Foto mit der intelligenten Automatik aufgenommen. Dabei stellt innerhalb von zum Teil fast Millisekunden die Kamera scharf und alles ist im Kasten.

Natürlich gibt es Argumente, die meine Begeisterung in ein Verhältnis zur umgebenden technischen Realität setzen: Ich kann nicht im Vorhinein durch den optischen Sucher mir alles so auswählen wie ich dies bisher traditionell gemacht habe. Aber vielleicht muß ich auch einfach an dieser Stelle neu denken. Und jetzt kommt das weil: Weil ich mit dieser Art der Fotografie einfach schneller bin als wenn ich beim Sehen die Kamera erst ans Auge holen muß, um dann noch genau die Schärfe dorthin zu legen wo sie hin soll. Auf gut Deutsch: ich bin in vielen Situationen mit der neuen Technik der Panasonic einfach schneller – wenn es um Schnappschüsse geht.

Und genau dies ist doch einen solchen Artikel wert. Denn hier geschieht etwas Wunderbares. Die Panasonic G2 erlaubt einmal den Blick durch einen guten (elektronischen) Sucher und zeitgleich eine neue Art des Schnappschusses auf dem Monitor. Die Kamera ist leider zu groß für eine Systemkamera, denn sie ist keine echte Alternative zu einer DSLR und hat das Problem, dass die Objektive für diese Kamera zu groß werden, wenn sie kleiner wird. Da wird noch manches zu lösen sein.

Ich hätte mir zwar eine rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher gewünscht, aber vielleicht kommt das noch.

Nachtrag einige Monate später:

Die Begeisterung hat nachgelassen, weil der Finger zwar schnelle Fotos erlaubt aber keine gestalteten Fotos wie bei einem Sucher. Und jetzt?

Immer kleiner, immer glatter, immer schlechter zu halten?

  • Ich hätte erwartet, dass der Sucher insgesamt kleiner wird und das Sucherbild größer.
  • Ich hätte erwartet, dass das Auslösegeräusch leiser wird
  • und die rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher, Schwenkdisplay und guter Haptik kommt.

Nichts davon wurde wahr. Mir persönlich gefällt von allen MFT-Kameras die E-PL1 am besten. Sie hat nur leider keinen Sucher. Sie ist gut anzupacken, hat sinnvolle Knöpfe für die Bedienung und ist klar strukturiert. Die Lumix G2 hat den Schnappschuss auf dem Display, ist aber zu groß. Was danach kam mit der G3 finde ich nicht besser und die kleineren Panas haben keinen Sucher und sind mir zu laut. Die  E-PL3  kann ich kaum noch festhalten, unter dem Gesichtspunkt ist sogar die GF3 noch besser.  Hoffnung macht die Pen Mini und der Ansatz MFT. So viel von mir zum Thema Strassenfotografie in diesem Rahmen. Aber das ist eben Geschmackssache und wird es auch bleiben.

Optische Aufstecksucher – Die Letzten ihrer Art

optische AufstecksucherEs ist viel vom Artensterben die Rede. Langsam stirbt nun auch die alte Form der Digitalkamera aus. Als bekennender Fan von Henri Cartier-Bressons Art der Fotografie ist für mich der optische Sucher etwas Wunderbares.

Lange hielt ich am Messsucher fest, doch davor und dabei gab es auch den optischen Aufstecksucher, den ich zunehmend schätzen lernte.

Dieser hatte einen inneren Rahmen, der der Brennweite des Objektivs entsprach. Das Schöne am optischen Aufstecksucher war die wunderbare helle und klare Sicht.

Sie waren fast schon vergessen, doch dann kamen Sie vor knapp zwei Jahren wieder. Als die Versuche einsetzten, die Digitalkameras kleiner zu machen und die Chips darin größer, gab es sie wieder: die optischen Aufstecksucher. So wurde die LX3 von Panasonic und ihre Schwester von Leica mit diesem Zubehörteil ausgestattet, auch bei Ricoh wurde die GR mit diesem Zubehör verwöhnt.

Und die Olympus PEN E-P1, das erste Modell. Die Pen wurde mit einem wunderbaren Aufstecksucher und dem dazugehörigen Pancake Objektiv mit 17mm und Lichtstärke 2.8 ausgeliefert. Dies entsprach genau 34mm Brennweite im Kleinbildformat mit einer hervorragenden Blende 2.8 bei der Festbrennweite – also ziemlich genau (35mm) dem, womit in analogen Zeiten sehr viele Reporter fotografierten. Sigma liefert seit der DP1 über die DP1s bis zu weiteren Varianten ebenfalls einen optischen Aufstecksucher als Zubehör. So ist es also möglich, in digitalen Zeiten mit wunderbar klaren Blicken – auch mit Brille – zu fotografieren und dabei „alte“ Zeiten zu spielen.

Aber diese alten Zeiten haben einen besonderen Reiz. Denn man kann mit dem Autofokus arbeiten und dennoch durch einen wunderbaren optischen Aufstecksucher blicken. Das ist besser als zum Beispiel mit einer Leica M9 nur manuell fokussieren zu können. Man kann die V-Lux 3 oder die X1 von Leica nehmen, um sich den optischen Genuss mit Autofokus zu gönnen, um bei Leica zu bleiben. Ansonsten eben die von mir hier erwähnten Kameras.

Mir gefällt das, doch es scheint bald vorbei zu sein. So haben die meisten Nachfolgermodelle keinen optischen Sucher mehr sondern einen EVF, also einen elektronischen Aufstecksucher. Das muss nicht schlechter sein, ist aber anders und verändert die Möglichkeiten die Fotografierens. Dies wird im schnelllebigen Geschäft der Kameraindustrie kaum wahrgenommen werden. Aber für alle, die sich das Spiel mit der alten Art des Fotografierens gönnen wollen, sei daher darauf hingewiesen, dass diese Kameras bald abgelöst werden durch Modelle mit elektronischen Lösungen.

Ob dann ihr Wert steigt, glaube ich eher nicht. Aber ihre Seltenheitswert wird steigen, das ist gewiß!