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Je teurer die Digitalkamera desto ärmer die Motive !?

„Soziales Elend hat die im Wohlstand lebenden stets unwiderstehlich zum Fotografieren angeregt – der schmerzlosesten Art, etwas zu erbeuten, um damit eine verborgene, das heißt, eine ihnen verborgen gebliebene Realität zu dokumentieren.“

Susan Sontag (S57)

Ihre Beobachtungen sind auch heute noch zutreffend. Je teurer die Digitalkamera desto öfter werden Bilderstrecken oder Regionen voller Armut gezeigt, wo die Menschen angeblich noch natürlich leben und die Farben eine so bunte Welt zeigen. Gerne wird aktuell die Armut auf Kuba gezeigt oder in Slums oder bei Käfigmenschen in Hongkong. Es geht so gut wie immer um Voyeurismus, den man mit der teuren Kamera ausleben kann.

Aber es wird noch schlimmer. In der aktuellen digitalen Streetfotografie-Szene wird vor allem das Leben der Armen, Gescheiterten und Obdachlosen als andauerndes Thema gewählt.

Das ist in Amerika ebenso zu sehen wie in Deutschland. Das wird dann monochrom oft verkauft als fotografische Hinwendung zu diesen Personen.

Wer es sich nicht leisten kann in den Slum zu fliegen, der fotografiert Obdachlose in Köln, Berlin oder München und nennt das Streetfotografie? Vom Namen her stimmt das sogar aber früher war das Opferfotografie und heute wissen wir ja, daß jeder in Deutschland Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf erhält durch die Grundsicherung.

Es gäbe viel bessere Motive. Wieso fotografiert man nicht die Reichen auf der Kö oder sonstwo, wieso die Armen?

An die Reichen traut man sich fotografisch schon nicht ran, weil man nicht so gut fotografieren kann, daß die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden?

Dann wäre Übung angesagt, denn man kann immer in der Öffentlichkeit fotografieren und gute Streetfotografie produzieren, wenn man es richtig macht.

Dann paßt auch die teure Kamera, denn dann ist die Kamera auf Augenhöhe mit den Motiven – teure Kamera, teure Motive.

Aber meistens nennt man es Streetfotografie und produziert Statusfotografie unter dem Aspekt der sozialen Gebrauchsweisen.

 

Industriekultur und Fotografie oder wie Susan Sontag zu Leica kam

Wer Fotografie über Texte entdeckt hat schon Vorstellungen von Bildern in seinem Kopf und auch, welche er wo und wann und wie noch erstellen will.

„Reisen wird zu einer Strategie, die darauf abzielt, möglichst viele Fotos zu machen. Allein schon das Hantieren mit der Kamera ist beruhigend und mildert das Gefühl der Desorientierung, das durch Reisen oft verschärft wird… Nicht wissend, wie sie sonst reagieren sollten, machen sie eine Aufnahme. So wird Erfahrung in eine feste Form gebracht… Diese Methode kommt insbesondere jenen Touristen entgegen, die zu Hause einer erbarmungslosen Arbeitsehtik unterworfen sind – den Deutschen, Japanern, Amerikanern. Die Handhabung einer Kamera dämpft die innere Unruhe, die ständig unter Streß arbeitende Menschen empfinden, wenn sie Urlaub machen und sich nur amüsieren wollen.“

Diese Sätze stammen aus In Platos Höhle von Susan Sontag.

Da steckt viel drin. Wenn wir mit der Reisefotografie beginnen, dann wissen wir nun, daß die Kameraindustrie sich keine Sorgen machen muß, solange es verreisen gibt. Denn es werden nicht nur Smartphones gekauft werden sondern auch die Kameras mit den Knöpfen und Drehrädern. Wer aus einer Industriekultur kommt, der ist mit Mechanik aufgewachsen. Er fühlt sich dann bei den Kameras wohl, die auch so eine Mechanik haben. So wird die eigene Kultur immer mitgenommen, wenn man unterwegs ist.

Sobald die Mechanik aber durch das Display ersetzt wird, sieht die Sache langsam etwas anders aus.

Die Kameras haben aber auch eine psychologische Funktion: sie sind die Methode der Begegnung und der Distanz. Solange das Objektiv dazwischen ist und ich meine eigene Kamera habe, ist die Distanz da, die ich für meine Sicherheit brauche.

Wer immer funktionieren muß, will auch eine Kamera, die immer funktioniert.

Damit ist aber noch lange nicht Schluß.

Sontag beschreibt dann eine Anzeige mit einer Gruppe von Menschen, die alle unruhig sind bis auf eine Person – die fotografiert. „Dieser hält eine Kamera ans Auge; er macht einen selbstsicheren Eindruck und scheint fast zu lächeln….Der Text der Anzeige … besteht lediglich aus sechs Worten: Prag … Woodstock … Vietnam …Saporro … Londonderry … LEICA. … Kolonialkriege und Wintersport werden von der Kamera gleichgesetzt. Das Fotografieren hat eine chronisch voyeuristische Beziehung zur Welt geschaffen, die die Bedeutung aller Ereignisse einebnet. Eine Fotografie ist nicht nur das Ergebnis der Begegnung zwischen einem Ereignis und einem Fotografen. Eine Aufnahme zu machen ,  ist selbst schon ein Ereignis, und zwar eines, das immer mehr gebieterische Rechte verleiht… Es bedeutet, im Komplott mit allem zu sein“ was ein Objekt interessant macht, …auch mit dem Leid und Unglück eines anderen Menschen.“

So symbolisiert Leica die Umsetzung der Industriekultur in die Kamera.

Wenn Kameras Ausdruck der Arbeitswelt sind, dann erfordert eine Veränderung in der Arbeitswelt veränderte Kameras.

Stimmt.

Je mehr Büroarbeitsplätze mit Monitoren, Tablets und Smartphones, desto mehr Kameras mit Monitoren, Touchdisplay etc.

Aber es gibt nicht nur eine Wahrheit sondern die Wahrheit ist, es gibt viele Wirklichkeiten.

Und Industriekultur ist männlich.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Aber wir sind ja auf dem Weg in die nachindustrielle Gesellschaft.

Was kommt fotografisch danach ist dann die logische Frage?

Die weibliche Seite.

Die weibliche Seite zeigt sich immer mehr, seitdem es digitale Zeiten gibt.

Frauen nutzen immer mehr Digitalkameras. Aber Frauen nutzen vor allem auch Smartphones mit Digitalkameras.

Und Frauen aus anderen Ländenr und Kulturen scheinen oft in der extensiven Nutzung nach meinen Beobachtungen sogar schon weiter oder noch weiter zu sein. Mir scheint es oft, als ob sie mit den Smartphones Tag und Nacht kommunizieren.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Es geht dabei fast nie um den entscheidenden Moment und fast immer um visuelle Kommunikation. Viele Fotos sind nach der Kommunikation schon nutzlos. Und die Kommunikation findet mit den Fotos über whatsapp statt, weil man glaubt, dort unter sich zu sein.

Zumindest sind dies meine Erfahrungen mit Frauen aus der Mitte des Lebens.

Je jünger desto mehr Facebook stelle ich in meinem Umfeld fest.

Es geht also darum, Fotos direkt in die Kommunikation einzubringen. Entscheidend ist die Funktion und daher funktioniert dies natürlich auch alles nur mit Handys und Smartphones.

Eine dicke Kamera ist absolut nichts für die tägliche Kommunikation unterwegs.

Unsere Zeit ist weiblicher und dies wirkt sich auch auf das Fotografieren aus.

Sobald aber das Smartphone nicht reicht, werden die Wünsche differenzierter. Und da ist dann die Frage zu stellen, was brauche ich noch mehr? Insofern sind die Kamerahersteller schon auf dem richtigen Weg. Aber die Marktanteile verteilen sich neu auf einem neuen Markt mit neuen Möglichkeiten. Einige sind noch gar nicht richtig da, andere schon.

Und so ist dies alles nicht nur faszinierend sondern auch erfrischend spannend.

Denn es zeigt sich, es ist noch nicht vorbei mit der Fotografie – ganz im Gegenteil.

 

Welche Digitalkamera würde sich heute Henri Cartier-Bresson kaufen?

Von Leica zu Lumix - Foto: Michael Mahlke

Von Leica zu Lumix – Foto: Michael Mahlke

Diese Frage stelle ich mir, weil ich wissen möchte, ob meine Wahl auch seine Wahl gewesen wäre.

Die Frage habe ich vor sechs Jahren so ähnlich schon einmal gestellt.

Als er intensiv zu fotografieren begann, hat er sich für eine Kleinbildkamera von Leica entschieden, weil dies die kleinste Kamera auf dem Markt mit Wechselobjektiven war. Es ging also primär um technische und praktische Gesichtspunkte, die für seine Art unterwegs zu sein, Momente schnell und diskret aufzunehmen und fotografisch zu sehen entscheidend waren.

Der Preis spielte für ihn eher keine Rolle, da er aus einer sehr reichen Familie stammte.

Er hat aber nicht mit einer Leica Fotografieren gelernt. Und sein Benutzen der Festbrennweite um die 50mm ist legendär.

Die Fotos, die er mit diesen Kameras gemacht hat, wären heute in digitalen Zeiten auch mit jeder durchschnittlichen Kompaktkamera in dieser Qualität möglich.

 

Hätte sich Cartier-Bresson heute überhaupt eine Digitalkamera gekauft oder direkt nur noch ein Smartphone?

Ich glaube, er hätte den Sucher gemocht, weil Sucherfotografie intensiver ist und weil der Sucher seiner Art entsprach, der Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und das Foto geometrisch zu gestalten.  Deshalb wäre das Smartphone wohl nur eine Ergänzung gewesen.

Er wollte ja immer eine kompakte und schnelle Kamera haben, die er unauffällig benutzen kann.

Und da würde es heute natürlich eine andere und bessere Auswahl geben.

In der Tradition von Leica mit einem besseren Sucher wäre die Fuji X100 interessant.

Entscheidend wäre sicherlich eine Kombination von Sucher und Monitor und er wäre bestimmt auch experimentierfreudig genug, um Aufnahmen mit dem Monitor zu machen.

Zudem bin ich überzeugt davon, daß er auch in Farbe fotografiert hätte. Das hat er ja auch zu seiner Zeit, aber es gefiel ihm nicht so. Auf dem Monitor und mit der Möglichkeit sofort mehr zu sehen, wäre dies vielleicht anders gewesen.

Denn auch er wußte, daß manche Fotos monochrom und manche farbig besser wirken.

 

Wäre er bei einer größeren Kamera geblieben oder hätte er sich eine kleinere Kamera geholt?

Das ist ein Kapitel aus dem Themenbereich der ungeschehenen Geschichte.

Er hat gerne mit der Minilux fotografiert als es sie gab: „Die Leica ist eigentlich gar keine Leica, sondern sie wurde von 1995 bis 2003 von der Firma Panasonic aus japanischen Bauteilen gefertigt.  Lediglich das Summarit-Objektiv stammt aus deutscher Rechnung, aber auch nicht aus deutscher Fertigung.“

Es war also nicht der Messsucher und die Kameragröße an sich, da der Sucher der Minilux bzw. Minilux Zoom  ja viel kleiner war und die berühmten zwei Lämpchen hatte, die bis vor kurzem bei allen optischen Suchern mit Autofokus zu finden waren: „Sucher:  Realbild-Sucher mit Markierungen für das Autofocus-Meßfeld, für Aufnahmen im Nahbereich und für Panorama-Aufnahmen. Blitz-Funktionsanzeige durch eine rote Leuchtdiode. Funktionsanzeige für Autofocus und Belichtungsmessung durch eine grüne Leuchtdiode.“

Das ist sehr gut in dem Buch Faceless zu sehen.

Aus heutiger Sicht hat danach und bis heute überhaupt die wahrscheinlich besten optischen Sucher die Firma Fuji mit der X100 für eine größere und mit der Fuji  X10 bzw. X20 für eine kleinere Digitalkamera mit Autofokus angeboten und bei den „kleineren“ optischen Suchern war und ist der optische Sucher der Fuji X10 davon letztlich wohl der beste.

(Anmerkung 2018: Hier eine kleine Ergänzung dazu)

 

Was würde Henri Cartier-Bresson heute nutzen?

Wenn ich mir nun anschaue, was aktuell auf dem Markt verfügbar ist, dann wäre für mich die Wahl klar.

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Es wäre unter technischen Gesichtspunkten und der Bequemlichkeit, wenn man unterwegs ist, eine Panasonic Lumix TZ-71.

Da diese Digitalkamera ein Leica-Objektiv hat, wären alte Namen und neue Möglichkeiten hier taschenfreundlich vereint.

Auch das Design ist fein.

Und man kann neben allen klassischen und fortschrittlichen Techniken sogar mit Sucher manuell sehr detailliert scharfstellen mit elektronischer Hilfe. Nur die Olympus Stylus 1 ist besser aber auch etwas größer. Sie hätte ihn vielleicht auch interessiert. Ohne Sucher aber mit der Möglichkeit einen Sucher aufzustecken könnte es auch die Ricoh GR mit dem APS-C Sensor sein, weil die auch klasse für Street ist.

 

Hätte Herr Cartier-Bresson meine Meinung geteilt?

Es bleibt offen, ob Monsieur Cartier-Bresson sich aus sozialen Gründen als reicher Mann dann nicht doch lieber eine teurere oder größere Kamera gekauft hätte. Wahrscheinlich hätte er sie sogar geliehen oder geschenkt bekommen.

Aber für Reportage und Street und schnelle Schnappschüsse unterwegs ist die Lumix TZ-71 eine gute Wahl.

„Alles dran und alles drin“ stimmt wirklich.

Das liegt vielleicht auch daran daß es nicht die erste Kamera in der Serie ist und Panasonic auch Erfahrungen integriert. Sie ersetzt in meinen Augen auch eine so gute Kamera wie z.B. die DMC-FZ150, die im Bereich der Bridgekameras bis heute wirklich gut ist. Ich persönlich würde sogar noch schwanken zwischen der Lumix TZ-71 und der DMC-LF1 alias Leica C.

Na gut!

Andere leichte, technisch und optisch ausgereifte und flexible Kameras mit Sucher wären sicher auch möglich und wenn ich den Artikel in fünf Jahren noch mal schreiben sollte, würde das Ergebnis sicher wieder neu ausfallen.

Aber wer kennt dann noch seinen und meinen Namen und stellt sich so eine Frage?

Vielleicht mehr als man heute meint.

Wer weiß!

Die Kamera ist sicherlich nicht die beste Kamera, um eine Kartoffel zu fotografieren oder eine Handtasche und dafür dann 1 Million Dollar zu erhalten.

Dafür muß die Kamera wohl teurer sein.

Aber sie ist gut genug um das Soziale im Ablauf von Begegnungen, Momenten und dem Leben festzuhalten. Dafür gibt es dann aber nicht so viel Geld – aber mehr Leben.

Da man nach dem Leben und dem Sterben im Himmel alle Menschen wiedertrifft, werde ich dann die Gelegenheit nutzen, um Monsieur Henri Cartier-Bresson selbst zu fragen. Ich hoffe es dauert noch ein Weilchen, aber wenn es so weit ist, bin ich auf seine Antwort gespannt.

Nun hoffe ich, daß ich in fünf Jahren (heute ist 2016) den nächsten Artikel mit dieser Frage schreiben kann – ich bleibe dran.

Augen auf! 100 Jahre Leica

leica_kehrer

Es wird wohl DAS Buch über Leica bleiben für die Zeit bis heute.

Großformatig und mit genügend Platz wurde ein Buch geschaffen, das die Leica als Kamera und die Welt der Leica-Fotografie zeigt. Besonders interessant fand ich die vielen Artikel, die wirklich versuchen, neue Horizonte zu öffnen.

Was fotografierte man in Portugal, wie wurde die Leica in Kriegszeiten genutzt, welche Rolle spielte die Technik?

„Eine Notiz im Werkstattbuch belegt: Spätestens im März 1914 hatte Oskar Barnack das erste funktionstüchtige Modell einer
Kleinkamera für 35-mm-Kinofilm fertiggestellt. Damit war nicht nur ein neuer Fotoapparat erfunden. Mit der kriegsbedingt erst 1925 eingeführten Leica (= Leitz / Camera) kündigte sich ein Paradigmenwechsel in der Fotografie an. Nicht nur fotografierenden Amateuren, Quereinsteigern und emanzipierten Frauen erleichterte die Leica den Zugang zum Lichtbild. Sie provozierte auch eine neue Art des Sehens, einen schnelleren, dynamischen Blick auf die Welt aus neuen Perspektiven. Rechtzeitig zum runden Geburtstag der legendären Kleinbildkamera und erstmals in dieser thematischen Breite bietet der mit etwa 800 Fotografien bebilderte Band eine umfassende Kunst- und Kulturgeschichte der Leica von den 1920er-Jahren bis in unsere Tage.
Essays internationaler Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der technischen Genese der Leica, ihrem Einfluss auf den modernen Bildjournalismus und nicht zuletzt ihrer Bedeutung für verschiedenste Strömungen innerhalb der fotografischen Avantgarde. Bis dato unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Leica Camera AG runden die facettenreiche 100-jährige Kulturgeschichte ab.“

Das Buch ist wirklich so wie hier beschrieben und es regt dazu an, sich mit der Technik des Fotografierens a la Leica zu beschäftigen.

Wußten Sie, daß bei der Leica Aufnahmen vom Rand gedacht werden und nicht von der Mitte?

Wußten Sie, daß die Aufnahmen gedacht werden?

Sehen Sie, die Leica war eine besondere Kamera.

Fotografieren a la Leica eben.

Daher ist das Buch auch so besonders wie die Kameras waren.

Und wer das Besondere will in dieser Form, der ist bei diesem Buch auch bestens aufgehoben.

100 Jahre Leica ist im Kehrerverlag erschienen.

Herausgegeben von Hans-Michael Koetzle
Gestaltet von Detlef Pusch
Festeinband mit Banderole
27 x 32 cm
564 Seiten mit 12 Seiten eingelegtem Beiheft
ca. 1.200 Farbabbildungen
Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-86828-523-9
Englische Ausgabe ISBN 978-3-86828-530-7

Das neue Image der Streetphotography

Subjektive Beobachtungen objektiv vorhandener Kommunikation

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Imagebildung bedeutet Bilder bzw. Eindrücke von einer Sache zu vermitteln, um gefühlsmäßig Meinungen anderer zu beeinflußen.

Und so ist die Streetphotography oder Strassenfotografie gerade dabei, ein neues Bild zu erhalten, das  der neuen Zeit angepaßt wird. Da lohnt sich schon das Hinschauen.

Fotografieren im Museum zwischen Dallas und Düsseldorf

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Vor ein paar Jahren war es noch erlaubt in Museen zu fotografieren. Wenn ich eine Fotoausstellung besuchte sagte man mir, ich darf nicht das einzelne Foto eins zu eins fotografieren aber die Ausstellung insgesamt schon.

Dann erlebte ich zunehmend, dass es wegen des Hausrechtes und wegen der Rechte der Eigentümer strikt verboten wurde, zu fotografieren. Einige Mussen wollten auch bei Fotos über die Hängung bestimmen und nur ihre eigenen Fotos von ihren Räumen zeigen.

So wurde die Fotografie verbannt.

Auf der Photokina 2012 zeigte dann Leica eine Fotoausstellung mit Bildern von Mccurry, Gurski und anderen.

Dort stand die ganze Welt und fotografierte die meisten Fotos 1:1 ab. Einige der Fotos fanden sich dann auf diversen Blogs wieder.

Daraufhin schrieb ich Leica an und fragte nach, wie es denn mit den Bildrechten aussehen würde. Ich bekam nie eine Antwort.

Das Ganze ist aber deshalb so interessant, weil Urheberrecht und Copyright weltweit verschieden gesehen werden.

Und wenn verschiedene Menschen und Rechtssysteme aufeinandertreffen, dann ist es nicht immer einfach, genau zu regeln, wer wo Recht hat.

Wenn der asiatische Besucher in Köln ein Foto macht und dieses Foto in Asien bloggt und dabei deutsches Urheberrecht verletzt, spielt das überhaupt noch eine Rolle?

Nun gibt es eine neue Diskussion – aber außerhalb von Deutschland.

In der New York Times hat Deborah Solomon darauf hingewiesen, dass das Dallas Museum of Art einen anderen Weg geht.

Da immer mehr Menschen mit Smartphones leben und in Museen auch damit fotografieren, um diese Fotos später zu sehen und zu posten, hat man im Dallas Museum of Art mit den Ausstellern versucht, die Fotografieerlaubnis zu integrieren.

Aus Sicht von Frau Solomon ist dies richtig, weil die Welt sich verändert hat und Fotos keine Kunstwerke zerstören.

Ob sich dies in Deutschland aber umsetzen läßt wird interessant sein zu beobachten.

Vielleicht gibt es in Deutschland vorher eine Art Gema für „Kunstwerke“.

Genau wie man Musik vervielfältigen kann und nutzt, muß man dann für das Vervielfältigen durch Abfotografieren bezahlen und bloggen kostet extra.

Denn es ist real egal und technisch identisch, ob ich Musik oder Fotos kopiere. Da das Internet durch den Datendownload ja immer „kopiert“ müßte eigentlich alles ununterbrochen bezahlt werden. Das wäre zwar der Tod des Internets aber es wird nur eine Frage der Zeit sein bis das angepackt wird.

Wetten, daß so ein Vorschlag in Deutschland schon in einer Schublade liegt und nur darauf wartet, Luft zu schnappen?

Aber bevor ich hier die Satire weiter verfolge möchte ich das Ganze noch einmal ganz konkret machen.

Im NRW-Forum wird gerade eine Ausstellung gezeigt „Foto von A-Z“.

Bildschirmfoto 2013-10-03 um 08.51.30

Dazu ist beim WDR eine Bilderstrecke publiziert worden, die einige Fragen offenläßt.

Denn nur weil es sich um ein öffentlich-rechtliches Medium handelt sind ja die Urheberrechte der jeweiligen Fotografinnen und Fotografen nicht außer kraft gesetzt.

  • So wäre zu fragen, ob die abfotografierten und beim WDR publizierten Künstler/Rechteinhaber alle ihre Veröffentlichungsrechte dafür abgegeben haben. Diese Rechte müßte ja das NRW-Forum haben und dann an den WDR weitergegeben haben. Der WDR selbst legt viel Wert darauf, die Bildrechte an den Aufnahmen zu besitzen und schreibt: Bildrechte: WDR/Phillip J. Bösel.
  • Darüber hinaus wäre zu fragen, ob diese Fotos auch von einem Blogger hätten gemacht werden dürfen und ob dieser Blogger dieselben Rechte erhalten hätte wie der WDR (Thema Journalismus).
  • Wie man dem obigen Foto entnehmen kann enthält die Hausordnung im NRW-Forum einen klaren Passus: „Das Fotografieren der Ausstellungsobjekte ist nicht gestattet.“ Gehen Sie doch mal hinein und fotografieren sie als Blogger und fragen sie um Veröffentlichungserlaubnis im Netz. Darf der WDR mehr als andere journalistische Medien?

Ein sehr bemerkenswerter Vorgang.

 

Von Leica und Rollei zu Instagram und Oggl oder das Quadrat ist zurück

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„Nach dem generellen Wechsel vom Kleinbildformat zum Format 6×6 bei Kriegsende bleibt Almasys fotografischer Stil nun über die nächsten Jahrzehnte hinweg konstant. Almasy hat das unbemerktere Arbeiten mit der Rolleiflex der Kleinbildkamera vorgezogen, auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Cadrage.“

Dieser Satz von Axel Schmidt aus dem Buch „Paul Almasy. Zaungast der Weltgeschichte“ läßt uns völlig neue Blicke auf die Fotojournalisten und Reporter und ihre Kameras im 20. Jhrdt. werfen.

Die Rollei sei unbemerkter als die Leica. Das widerspricht völlig dem Bild, das wir gewonnen haben durch Cartier-Bresson und seine Schnappschüsse.

Rollei  war also für Reporter ebenso wichtig wie Leica. Aber 6×6 verlor letztlich die Attraktivität des 4×3 oder 3×2 Formats.

Doch auch das quadratische Fotografieren kehrte zurück als Ricoh in die GX200 diesen Aufnahmemodus integrierte und mit dem Sucher ein Gefühl wie bei einer Mittelformatkamera mit echtem 6×6 Film vermittelte.

Ricoh GX200

Ricoh GX200

Und damit nicht genug.

Wer ein Smartphone hat weiß, was passierte.

Instagram, Hipstamatic und viele mehr haben das quadratische Format neu entdeckt.

Mit der Iphone- und Smartphone Fotografie kehrt genau das Format zurück, welches so lange uninteressant war.

Und es hat komplett die digitale Welt erobert. Denn die meisten Fotos heute werden mit Smartphones und im quadratischen Format aufgenommen und gepostet/veröffentlicht.

So hat die neue Zeit auch eine neue Form. Sie ist viereckig.

Perlen der Photokina – Orte der Lust zwischen Leica und Lomography

Die Photokina gefällt mir dieses Jahr besser. Sie ist irgendwie aufgelockerter und es gibt viele Ausstellungen an vielen Orten in vielen Hallen. Die Partner der Ausstellungen sind Druckerhersteller, Papierhersteller, Kamerahersteller und viele Vereine, die wiederum unterstützt werden von Druckerherstellern, Fotobuchherstellern, Kameraherstellern etc.

Daneben gibt es ein gutes Vortragsprogramm. Die Auswahl ist riesig.

Ich habe mir den Vortrag von Georg Banek angehört zum Thema „Aus Fehlern lernen…“

Grundehrlich und dadurch sympathisch und unter Anwendung der 80:20 Regel. Der Vortrag war gut, die Inhalte auch.

Banek sagte auch, dass man viele Fotos machen solle, denn sie kosten ja nichts mehr im digitalen Zeitalter. Das war der Moment als ich aufspringen wollte und am liebsten gesagt hätte, doch Lebenszeit! Aber ist nicht das Fotografieren ein schönes Ausfüllen von Lebenszeit. Ich blieb sitzen und denke da noch mal drüber nach…

Einen Vortrag zum Thema wie man erfolgreich wird mit der Fotografie habe ich nicht gefunden. Aber das liegt daran, dass es da weniger auf die Fotos ankommt als auf die Verbindungen.

Was ich gefunden habe war eine Messe, die auch als Quelle vielfältiger Inspirationen dienen kann.

Vielleicht bin ich gerade stark von Neptun beeinflusst. Aber mein Weg führte mich immer wieder an Orte, die ich als energetisch und fotografisch gut empfand.

Es war die grosse Ausstellung von Leica und es war die Welt der Lomografie. Daraus schloss ich dann auch, dass es eben meistens weniger auf die Fotos und mehr auf die Verbindungen ankommt.

Die Leica-Galerie zeigte viele Fotos von prominenten Fotografen. Mir gefiel der gesamte Aufbau sehr gut. Stringent, klar, mit viel Luft, eindeutig und kreisförmig. Alles rund um einen Gursky positioniert, so dass die mediale Fotoprominenz und die Investitionsobjekte gut zusammenkamen.

Bei Lomo gab es keinen Gursky aber eine wunderbar kreative Werkstatt für das Erstellen, Riechen, Fühlen und Kleben von Fotos. Der Kontrast zu Leica wie Yin und Yang. Nur beides zusammen kann funktionieren. Dazwischen und darin war die Welt, die die Fotografie zusammenhält.

Ich habe mir erlaubt, einige wenige Momente digital festzuhalten, lomografisch zu bearbeiten und als Photokina-Fotokunst, leiloart, hier vorzustellen, um auf diese sehr schöne Situation fotografisch aufmerksam zu machen.

 

In meinen Augen zeigt die Photokina das neue visuelle Leben der Menschen in allen Kulturen. Fotografieren ist eben keine Frage des Geldbeutels mehr. Nur wenn man Geld damit verdienen will, dann kommt es darauf an, was die Zielgruppen an Technik erwarten.

Die Verlagerung vieler Tätigkeiten aus dem physischen in den digital-virtuellen Bereich schreitet dabei fort. Ein Beispiel: Ich fotografiere am liebsten Porträts mit einer Nikon D90 und einem Sigma 50-150 Objektiv. Das Objektiv ist relativ weich bei den Aufnahmen und dadurch besonders gut für Porträts geeignet. So werden die Porträts fast immer schön ohne viel Nachbearbeitung.

Heute nehme ich manchmal andere Kameras und Objektive, die „detailreichere“ und schärfere Fotos machen. Das führte jetzt dazu, dass ich ein sehr detailreiches Porträt hinterher mit einem digitalen Filter wieder weicher zeichnete, damit die Schönheit des Gesichtes auch voll zur Geltung kommt.

So ist die Welt.

 

Warmlaufen für die Photokina 2012

Photokina 2010 – Foto: Michael Mahlke

Endlich kommt sie wieder, die Photokina. Köln wartet auf die Welt und die Welt wartet darauf, dass in Köln die Photokina ihre Tore öffnet.

  • Leica wird der visuelle Magnet werden, weil Leica in Halle 1 eine grosse Fotoausstellung für alle Besucher anbietet.
  • Das Trendthema ist „Mobile Imaging“ und der Hersteller HTC hat die Zeichen der Zeit erkannt. Fotografieren soll so locker wie mit der Lomo werden – mal sehen!

Die Ästhetik des Bildes hat sich durch das Smartphone generell verändert“. So steht es in der PRessemitteilung der Photokina. Wer weiss denn eigentlich, was Ästhetik ist? Auf Deutsch hätte man auch schreiben können, die sinnliche Wahrnehmung der Bilder durch die Menschen hat sich durch das Smartphone generell verändert.

Generell natürlich nicht durch die Smartphones sondern durch die Digitalisierung und maximale Vermassung bei minimalem Gebrauchswert. Aber das wurde bei Fotomonat ja schon mehrfach diskutiert.

Jetzt ist auch die Zeit gekommen, in der die Zunft der Onlinemagazine immer mehr Informationen und Ankündigungen erhält. PRessemitteilungen noch und noch.

Wie immer wird angeblich alles besser sein und angeblich brauchen wir nun alle neue Kameras, kann man daraus ableiten.

Die Photokina wird für eine interessante Zeit sorgen und vielleicht durch das Thema „Mobile Imaging“ irgendwie dazu beitragen, die bevorstehenden Umbrüche in der digitalen Fotografie zu dokumentieren.

Es beginnt gerade eine neue Zeit und wer zur Photokina geht, der kann sagen, er/sie/es ist dabei gewesen.

 

Diogenes in der Tonne oder welche Kamera ist gut für diskrete Reportagefotos?

Ein bisschen Meinung

Foto: Michael Mahlke

Von der Leica zur Fuji?

Früher war es die Leica M. Cartier-Bresson fotografierte am liebsten mit einer 50mm Brennweite, zumindest wird ihm das nachgesagt. Daneben benutzte er die 35mm. So wurde er bekannt als Fotograf, der mit einer Normalbrennweite wunderbare Fotos schoß.

Stellt man sich die Frage, womit man heute die Reportagefotografie am besten erledigt, dann merkt man schnell, dass dies einige Gedanken wert ist.

Kriterien sind im klassischen Sinne

  • Sucher,
  • grosser Sensor,
  • leises Auslösegeräusch,
  • umgerechnet auf Kleinbild ca. 35mm Objektiv
  • und nicht zu groß.

Wobei mir bei den Sensoren der APS-C Chip mit dem Cropfakter 1,5 besser gefällt als das Vollformat.

Natürlich kann es die Leica M mit einem 35mm Objektiv, aber sie hat einen manuellen Fokus und ist sehr teuer im Verhältnis zum Ergebnis, nämlich digitalen Fotos.

Natürlich kann es die Fuji X100, meiner Einschätzung nach DIE Kamera für Reportagefotografie in traditioneller Kameraform auf modernem Niveau aktuell überhaupt, zumal nach dem umfassenden Firmware-Update.

Und dann?

Bei Nikon und Canon ist mir nichts bekannt, was den umgerechnet 35mm-Kriterien entsprechen würde. Oder kennt jemand ein kleines, lichtstarkes 24mm Objektiv mit Autofokus, leicht und bezahlbar, welches man auf Canon oder Nikon Kameras mit 1,5 Cropfaktor schrauben könnte?

So griff ich zum Schluss zu meiner D3100 mit dem Nikkor 35mm/F1.8 Objektiv. Das ist umgerechnet ein 50mm Objektiv, die klassische Brennweite von Cartier-Bresson. Das ist ok für 50mm.

Da würden mir dennoch umgerechnet 35mm besser gefallen (eben ein kleines und bezahlbares 24mm F1.8 oder F2 oder 2.8 Objektiv). Alternativ gibt es noch das 30mm F1,4 von Sigma, welches mir sehr gut gefällt und bei ca. 45mm Brennweite wäre. Das ist es aber schon.

Und die neuen Stars in den digialen Medien?

Soweit ich gelesen habe ist die neue Canon Powerhot G1X laut Testergebnis zu langsam für Schnappschüsse, die neuen Kameras von Fuji wie die Pro-1 bringen für das Thema in meinen Augen keine wirklichen Verbesserungen ausser Wechseloptiken, wenn sie für Reportagen denn nötig sein sollten.

Systemkameras sind eher nicht geeignet für Reportagefotografie

Bei den Systemkameras ist mir aktuell keine Kamera mit einem sehr leisen Auslösegeräusch bekannt, am ehesten noch die E-PM1. Und mit den Systemkameras habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich war unterwegs an diesem sonnigen Tag. Da die Sonne schien, war es nicht möglich, mit meinen Systemkameras ohne Sucher zielgerichtet und gestaltend zu fotografieren. Die Displays waren im Sonnenlicht alle so gut wie nicht ablesbar. Mit einem aufgesteckten Sucher sind die Systemkameras aber so unhandlich, dass sie weder in der Größe noch von der Mechanik besser als DSLRs sind.

Bleiben die Panasonic G2/G3 mit dem 17mm F2.8 Objektiv von Olympus und dem 20mm F1.7 von Panasonic. Die Kameras haben einen Sucher, der flackert aber z.T. bei Kunstlicht. Leider ist auch das Auslösegeräusch in leiser Umgebung einfach zu laut und die Kameras sind so gross, dass eine kleine DSLR für mich unzweifelhaft besser ist.

Drei Alternativen mit grossen Sensoren als Lösung

Somit schließt sich der Kreis mit größeren Sensoren und leisem Auslösegeräusch und mündet für mich im Ergebnis

  • in die Fuji X100
  • die Nikon D3100 oder deren Nachfolger mit Quiet-Modus
  • oder die Leica M9 (Vollformat, nur manuell)

Es ist also nicht so, dass wir schon alles hätten im Bereich der Digitalkameras, wir warten eher drauf, dass es endlich mehr Reportagekameras für unauffälliges Fotografieren gibt.

Je nach Anspruch klappt es auch mit Kompaktkameras

Ergänzen kann man dies durch Kameras mit kleineren Sensoren.

Dann ist das Bokeh aber nur nachträglich digital erzeugbar.

Die neuen Kameras wie die Fuji X10/X20 und die Nikon V1/J1 haben ja einen Sucher und einen S-Modus.

Der ist entscheidend, weil nur so die Auslösegeschwindigkeit vorgewählt werden kann. Das ist in meinen Augen unerläßlich.

Wer auf die Gestaltung mit Bokeh durch Festbrennweiten und einen Sucher verzichten kann und auf RAW und die Dinge lieber der Kamera überläßt, der kann sicherlich schon mit Kompaktkameras mit/ohne Sucher glücklich werden.

Diese Geschichte muß man auch diskutieren. Dann fallen meine Kriterien weg. Das wird sicherlich die Richtung im Zeitalter der Software-Fotos sein. Und für Webfotos ist dies immer ausreichend und erlaubt durch den nachträglichen Filtermix unendliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Mein Wunsch für eine kompakte Strassenkamera

Mein persönlicher Wunsch wäre eine Kamera ähnlich wie die Sony TX5 aber mit 1/1,7 oder größerem Sensor, dem Periskopobjektiv und RAW sowie einem kleinen optischen Sucher (wie in der Canon A1200), griffig, gutem Monitor und einer sehr guten Schnappschussfähigkeit sowie einem S-Modus.

Und wenn nur ein elektronischer Sucher möglich wäre, dann so wie ein ausfahrender Blitz: der Sucher würde links oben oder oben auf der Kamera bei Bedarf rausklappen wie bei anderen Kameras der Blitz.

(Info im Jahr 2015: Diesen Satz muß Sony gelesen haben, denn zwei Jahre nach dem Publizieren dieses Artikels ist die RXIII mit dieser Lösung auf dem Markt. Ich hätte erwartet dafür von Sony wenigstens eine Kamera als Anerkennung für die Nutzung meiner Gedanken zu bekommen. Ich warte mal noch ab.)

Oder man könnte auch einfach den gesamten Monitor nehmen und einen kleinen Teil davon links oben als separat zuschaltbaren Sucher nehmen und dafür einen kleinen Kunststoffrahmen zum Aufsetzen mitliefern, zum Drüberhängen von oben oder mit Magneten etc. Da ist vieles praktisch möglich.

Na ja.

Diogenes weiß Rat

So ist vieles eine Sache der Bewertung.

Der alte Diogenes fragte dazu immer, im Vergleich wozu?

Das ist die Frage.

Im Vergleich zu welcher Reportage brauche ich welche Kamera?

Und damit sind wir in einer Diskussion, die gerade erst begonnen hat und ich stelle die Frage, für welche Reportage brauche ich eigentlich noch eine größere Kamera als eine Kompaktkamera?

Und letztlich wird das Handy Nokia 808 sowie nunmehr ab 2013 eine Vielzahl anderer Nachfolger das Thema Smartphone-Fotografie eine neue Runde bei der Beantwortung der Frage dieses Artikels einläuten. Wobei ich das Smartphone vom Halten her als unpraktisch empfinde.

Nachtrag 2014:

Nun gibt es auch bei den Systemkameras geräuschlose Modelle mit Sucher wie die Panasonic G5.

Aber es gibt zunehmend kompakte Kameras, die auch mit einem kleinen Chip gute Arbeit leisten und kleine Kameras mit einem größeren Chip, die ebenso interessant sind – und meistens ohne Sucher sind, wobei für mich der Sucher das entscheidende Merkmal bleibt, wenn es eher unauffällig und leise bei Veranstaltungen und zwischen Menschen sein soll.

Es stellt sich heraus, dass kleine Sensoren durchaus auch Vorteile gegenüber den größeren Sensoren haben.

Ich würde die Olympus XZ-10 bei den Kompaktkameras ohne Sucher für Reportagefotografie wählen, weil sie extrem viele optische und haptische Vorteile hat.

Bei den Kameras mit Sucher würde ich die Fuji X10 oder X20 nutzen, wobei die Fuji X10 ein echtes Lowlight-Luder ist.

Das sehen die PR-Abteilungen der Kameraindustrie sicherlich anders.

So ist heute die Aufnahme nicht das Ende des Fotos sondern vielfach der Anfang des fotografischen Prozesses – wie früher.

Aber digital ist manches dann doch besser.

Und wenn Sie wissen wollen, welche Kamera sich der liebe Herr Cartier-Bresson 2016 kaufen würde, dann klicken Sie doch einfach mal hier…

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