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Welche Digitalkamera würde sich heute Henri Cartier-Bresson kaufen?

Von Leica zu Lumix - Foto: Michael Mahlke

Von Leica zu Lumix – Foto: Michael Mahlke

Diese Frage stelle ich mir, weil ich wissen möchte, ob meine Wahl auch seine Wahl gewesen wäre.

Die Frage habe ich vor sechs Jahren so ähnlich schon einmal gestellt.

Als er intensiv zu fotografieren begann, hat er sich für eine Kleinbildkamera von Leica entschieden, weil dies die kleinste Kamera auf dem Markt mit Wechselobjektiven war. Es ging also primär um technische und praktische Gesichtspunkte, die für seine Art unterwegs zu sein, Momente schnell und diskret aufzunehmen und fotografisch zu sehen entscheidend waren.

Der Preis spielte für ihn eher keine Rolle, da er aus einer sehr reichen Familie stammte.

Er hat aber nicht mit einer Leica Fotografieren gelernt. Und sein Benutzen der Festbrennweite um die 50mm ist legendär.

Die Fotos, die er mit diesen Kameras gemacht hat, wären heute in digitalen Zeiten auch mit jeder durchschnittlichen Kompaktkamera in dieser Qualität möglich.

 

Hätte sich Cartier-Bresson heute überhaupt eine Digitalkamera gekauft oder direkt nur noch ein Smartphone?

Ich glaube, er hätte den Sucher gemocht, weil Sucherfotografie intensiver ist und weil der Sucher seiner Art entsprach, der Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und das Foto geometrisch zu gestalten.  Deshalb wäre das Smartphone wohl nur eine Ergänzung gewesen.

Er wollte ja immer eine kompakte und schnelle Kamera haben, die er unauffällig benutzen kann.

Und da würde es heute natürlich eine andere und bessere Auswahl geben.

In der Tradition von Leica mit einem besseren Sucher wäre die Fuji X100 interessant.

Entscheidend wäre sicherlich eine Kombination von Sucher und Monitor und er wäre bestimmt auch experimentierfreudig genug, um Aufnahmen mit dem Monitor zu machen.

Zudem bin ich überzeugt davon, daß er auch in Farbe fotografiert hätte. Das hat er ja auch zu seiner Zeit, aber es gefiel ihm nicht so. Auf dem Monitor und mit der Möglichkeit sofort mehr zu sehen, wäre dies vielleicht anders gewesen.

Denn auch er wußte, daß manche Fotos monochrom und manche farbig besser wirken.

 

Wäre er bei einer größeren Kamera geblieben oder hätte er sich eine kleinere Kamera geholt?

Das ist ein Kapitel aus dem Themenbereich der ungeschehenen Geschichte.

Er hat gerne mit der Minilux fotografiert als es sie gab: „Die Leica ist eigentlich gar keine Leica, sondern sie wurde von 1995 bis 2003 von der Firma Panasonic aus japanischen Bauteilen gefertigt.  Lediglich das Summarit-Objektiv stammt aus deutscher Rechnung, aber auch nicht aus deutscher Fertigung.“

Es war also nicht der Messsucher und die Kameragröße an sich, da der Sucher der Minilux bzw. Minilux Zoom  ja viel kleiner war und die berühmten zwei Lämpchen hatte, die bis vor kurzem bei allen optischen Suchern mit Autofokus zu finden waren: „Sucher:  Realbild-Sucher mit Markierungen für das Autofocus-Meßfeld, für Aufnahmen im Nahbereich und für Panorama-Aufnahmen. Blitz-Funktionsanzeige durch eine rote Leuchtdiode. Funktionsanzeige für Autofocus und Belichtungsmessung durch eine grüne Leuchtdiode.“

Das ist sehr gut in dem Buch Faceless zu sehen.

Aus heutiger Sicht hat danach und bis heute überhaupt die wahrscheinlich besten optischen Sucher die Firma Fuji mit der X100 für eine größere und mit der Fuji  X10 bzw. X20 für eine kleinere Digitalkamera mit Autofokus angeboten und bei den „kleineren“ optischen Suchern war und ist der optische Sucher der Fuji X10 davon letztlich wohl der beste.

(Anmerkung 2018: Hier eine kleine Ergänzung dazu)

 

Was würde Henri Cartier-Bresson heute nutzen?

Wenn ich mir nun anschaue, was aktuell auf dem Markt verfügbar ist, dann wäre für mich die Wahl klar.

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Es wäre unter technischen Gesichtspunkten und der Bequemlichkeit, wenn man unterwegs ist, eine Panasonic Lumix TZ-71.

Da diese Digitalkamera ein Leica-Objektiv hat, wären alte Namen und neue Möglichkeiten hier taschenfreundlich vereint.

Auch das Design ist fein.

Und man kann neben allen klassischen und fortschrittlichen Techniken sogar mit Sucher manuell sehr detailliert scharfstellen mit elektronischer Hilfe. Nur die Olympus Stylus 1 ist besser aber auch etwas größer. Sie hätte ihn vielleicht auch interessiert. Ohne Sucher aber mit der Möglichkeit einen Sucher aufzustecken könnte es auch die Ricoh GR mit dem APS-C Sensor sein, weil die auch klasse für Street ist.

 

Hätte Herr Cartier-Bresson meine Meinung geteilt?

Es bleibt offen, ob Monsieur Cartier-Bresson sich aus sozialen Gründen als reicher Mann dann nicht doch lieber eine teurere oder größere Kamera gekauft hätte. Wahrscheinlich hätte er sie sogar geliehen oder geschenkt bekommen.

Aber für Reportage und Street und schnelle Schnappschüsse unterwegs ist die Lumix TZ-71 eine gute Wahl.

„Alles dran und alles drin“ stimmt wirklich.

Das liegt vielleicht auch daran daß es nicht die erste Kamera in der Serie ist und Panasonic auch Erfahrungen integriert. Sie ersetzt in meinen Augen auch eine so gute Kamera wie z.B. die DMC-FZ150, die im Bereich der Bridgekameras bis heute wirklich gut ist. Ich persönlich würde sogar noch schwanken zwischen der Lumix TZ-71 und der DMC-LF1 alias Leica C.

Na gut!

Andere leichte, technisch und optisch ausgereifte und flexible Kameras mit Sucher wären sicher auch möglich und wenn ich den Artikel in fünf Jahren noch mal schreiben sollte, würde das Ergebnis sicher wieder neu ausfallen.

Aber wer kennt dann noch seinen und meinen Namen und stellt sich so eine Frage?

Vielleicht mehr als man heute meint.

Wer weiß!

Die Kamera ist sicherlich nicht die beste Kamera, um eine Kartoffel zu fotografieren oder eine Handtasche und dafür dann 1 Million Dollar zu erhalten.

Dafür muß die Kamera wohl teurer sein.

Aber sie ist gut genug um das Soziale im Ablauf von Begegnungen, Momenten und dem Leben festzuhalten. Dafür gibt es dann aber nicht so viel Geld – aber mehr Leben.

Da man nach dem Leben und dem Sterben im Himmel alle Menschen wiedertrifft, werde ich dann die Gelegenheit nutzen, um Monsieur Henri Cartier-Bresson selbst zu fragen. Ich hoffe es dauert noch ein Weilchen, aber wenn es so weit ist, bin ich auf seine Antwort gespannt.

Nun hoffe ich, daß ich in fünf Jahren (heute ist 2016) den nächsten Artikel mit dieser Frage schreiben kann – ich bleibe dran.

Der Fall der Fuji X10 – oder von der Leica CL zur Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Die Leica CL war meine Lieblingskamera von Leica. Sie hatte für mich die richtige Größe und Griffigkeit und ich habe viele Jahre gehofft, dass es einen digitalen Nachfolger gibt. Mir gefällt die Leica CL immer noch. Aber Leben heisst nun mal Veränderung. Mittlerweile habe ich meine Leica CL in die guten Hände eines Analogfotografen abgegeben und hoffe, dass er ebenso viel Freude damit hat wie ich sie hatte.

Ich habe mit der Fuji X10 nun meinen persönlichen Nachfolger für die Leica CL gefunden nachdem die Probleme am Sensor (WDS) in den neu produzierten Kameras behoben worden sind. Da ich der Fuji X10 zunächst eher kritisch gegenüberstand, habe ich sie aus meiner Sicht auf Herz und Nieren in der Praxis geprüft und möchte nun meine praktischen Erfahrungen hier niederschreiben.

Bildqualität – Kleinbild gegen 2/3 Sensor der Fuji X10

Die Leica CL war eine Kleinbildkamera, so wie alle Filmkameras Kleinbildkameras (= Vollformat digital) waren. Und sie war robust und hatte einen optischen Sucher.  Die Fuji X10 hat einen 2/3 Sensor.

Aber ehrlich gesagt entspricht für mich die digitale Bildqualität  der Qualität der früheren Kleinbildfilme. Und durch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung sind für mich mit dieser Kamera problemlos Ausdrucke bis A4 oder A3 möglich. Abgesehen davon bin ich persönlich nicht mehr ein bedingungsloser Verfechter des Vollformates/Kleinbildformat. Mir gefallen Fotos mit APS-C Größe oder MFT ebenso gut und nun ist der 2/3 Sensor gut genug, um das zu leisten, was er soll: beherrschbar gute Fotos zu machen auch bei schlechterem Licht.

Und bei einer kompakteren Kamera ist der 2/3 Sensor eigentlich die Antwort auf die meisten Probleme der 1/2,3 Sensoren. Was die 1/1,7 Sensoren nur teilweise lösten (wie z.B. Probleme der Detailtreue bei höheren ISO), hat zumindest Fuji mit dem EXR-Sensor in meinen Augen gut gelöst, nachdem das Problem der weissen Scheiben durch neue Sensoren gelöst worden ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an den Artikel „Wieviel Pixel braucht der Mensch?“.

Davon abgesehen stört mich persönlich etwas Rauschen nicht. Mich stört viel mehr der Verlust von Details in eher konstrastarmen Bereichen oder Unschärfe in scharf fokussierten Bereichen.

Messsucher gegen optischen Sucher

Der Messsucher der Leica CL  ermöglicht das Scharfstellen innerhalb des Suchers. Das ging mehr oder weniger genau aber es ging meistens ganz gut. Bei der Fuji X10 war ich skeptisch, weil in dem Sucher keine Anzeige ist und die Scharfstellung durch eine kleine LED rechts daneben erfolgt. Ich fokussiere einfach mittig und muss sagen, wenn die kleine LED grün wird, dann werden die Fotos auch scharf. (Aber: die Fuji X10 ist keine X100 mit dem großartigen Sucher. Nur ist die X100 einfach wesentlich größer und nicht so flexibel wie die X10.)

Geschwindigkeit

Mit der Leica CL war Fotografieren so wie man es analog kennt. Am Objektiv vorne fokussieren bis es im Messucher scharf ist (mit dem Schnittbildentferungsmesser), dann fotografieren und danach den Film weiterziehen. Bei der Fuji X10 ist es anders. Ich habe das Gefühl einen enorm schnellen und treffsicheren Autofokus zu haben, also einfach gucken, drücken und schon wieder gucken und drücken. Das Speichern in RAW und JPG geht sehr schnell und im Serienbildmodus natürlich noch schneller.

Foto: Michael Mahlke

 

Handling und Griffigkeit

Wie bei der Leica CL kann man auch bei der Fuji X10 so ziemlich alles von Hand einstellen an den aussen sichtbaren Rädchen. Das geschieht sehr schnell. Bei der Fuji X10 führt das Drehen des Objektives dazu, dass die Kamera eingeschaltet wird und die Kamera bereit ist. Die Fuji X10 ist etwas kleiner als die Leica CL.

Sie liegt gut in meinen Händen. Zudem kann man sie mit beiden Händen auch anfassen – so fotografiere ich am liebsten – und das Gehäuse ist nicht so dick. Bei so gut wie allen anderen digitalen Kameras in dieser Größe war es immer so, dass das Objektiv so weit auf der linken Seite war, dass meine linke Hand als zweite Hand nicht richtig zupacken konnte. Das hat Fuji geändert, so dass auch hier dasselbe Handling möglich ist wie bei meiner Leica CL.

Foto: Michael Mahlke

 

Weitere Vorteile der Fuji

Die Fuji X10 löst bei mir nicht nur die Leica CL aus den bisher genannten Gründen ab sondern hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. Und das hängt einfach mit der digitalen Welt zusammen. Die Fuji X10 hat den Monitor und man kann entweder den Monitor zum Fotografieren nutzen oder man kann direkt nach dem Fotografieren die Bilder anschauen.

Sie hat die eingebauten Filmsimulationen und sie hat den EXR-Sensor. Da reichen dann auch 5 bis 6 Megapixel im EXR-Modus, um in speziellen schlechten Lichtsituationen noch Bilder zu machen, die so mit einem analogen Film kaum möglich gewesen wären.

Darüber hinaus gibt es für mich persönlich noch andere Gründe, um die Fuji X10 als vollwertigen Ersatz für die Leica CL zu sehen.

Der wichtigste Grund ist: es macht mir endlich wieder so viel Spaß zu fotografieren wie ich mit der Leica CL hatte.

Für mich hat das Fotografieren auch viel mit dem Gefühl der Richtungsgebung zu tun, welches ich durch das doppelseitige Anpacken und den Sucher habe. Hinzu kommt, dass ich als Brillenträger mich bisher bei digitalen Kameras ausser bei DSLRs weitgehend vernachlässigt fühlte, weil der Monitor mir bei kritischen Situationen nie das Gefühl gab, sicher zielen und treffen zu können.

Und es hat etwas mit dem – aus meiner Sicht – sehr treffsicheren Autofokus zu tun. Ich habe bisher kaum unscharfe oder falsch fokussierte Fotos mit der Fuji X10 gehabt.

Ich glaube, dass die Fuji X10 eine gute Antwort auf die Anforderungen der klassischen Strassenfotografie des 21. Jahrhunderts ist. Sie ist darüber hinaus auch eine Antwort auf die Frage nach einer kleinen und guten Reportagekamera. Als Familienkamera würde ich sie nicht unbedingt nutzen.

Und sie vermittelt in einer aus den Fugen geratenen Welt den Eindruck, dass nicht alles, was früher gut war, heute automatisch schlecht ist, sondern dass das wirklich Gute eben nicht nur neu sondern auch gut ist und dabei das Bewährte sinnvoll um das Neue erweitert wird.

Konrad Lorenz schildert – wenn ich mich richtig erinnere –  in seinem Buch „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ wie schwer es ihm fiel, etwas Altes abzugeben, weil es ein Stück von ihm selbst wurde und wie lange es gedauert hat, bis etwas Neues den Platz einnehmen konnte.

So war auch bei mir die Suche nach einer neuen Kamera lange Zeit nicht zufriedenstellend. Abgesehen davon spielt – zumindest bei mir – auch Geld eine Rolle, denn eine teure Kamera, die so teuer  und evtl. persönlich wertvoll ist, dass sie gehütet wird wie ein Schatz, wäre für mich emotional und finanziell inakzeptabel.

Eine Kamera ist ja kein Liebesersatz sondern ein fotografisches Instrument. Und auch da zeigt Fuji mit der X10, dass eine gute Kamera für den fotografischen Alltag (wie ich ihn verstehe) zu einem akzeptablen Preis auf den Markt kommen kann.

In diesem Sinne „Tschüss Leica“ und „Hallo Fuji“!

Nachtrag am 22.07.2012:

Ich habe die erste Kamera, die auf den Fotos zu sehen ist, zurückgegeben und mir einige Monate später eine neue Fuji X10 mit einem fehlerbereinigten Sensor gekauft. Das Ergebnis ist nun überzeugend für mich. Sie finden es hier. Aber die Kommunikation der Firma Fuji mit ihren Kunden beim Problem der WDS, die ich erlebt habe, hat mich sehr enttäuscht.

Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass es nur der weltweiten Nutzung von Social Media über Monate zu verdanken ist, dass dieses Problem überhaupt gelöst wurde.

Ich traue jetzt der Kamera, weil sie einigermassen ausgereift erscheint. Aber insgesamt bin ich nach den Erfahrungen mit Fuji sehr zurückhaltend geworden und werde mir zukünftig erst Kameras kaufen, wenn sie mindestens ein Jahr auf dem Markt sind.

Text Version 1.4