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Fred Herzog Modern Color

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Solche Fotos habe ich noch nicht gesehen. Sie erzählen etwas über Zeitgeist, Fotografie, den Unterschied von Monochrom und Farbe und über ein Leben, das Leben von Fred Herzog.

In einem umfassenden Buch aus dem Hatje Cantz Verlag wird Fred Herzog vorgestellt. Beruflich in der medizinischen Fotografie tätig, privat mit der Kamera unterwegs. Seine Fotos erzählen aus seiner Sicht über die Welt, in der er lebte.

Er lebte in Vancouver und deshalb enthält dieses Buch einen zusätzlichen Essay von Jeff Wall.über Vancouver in den Fotografien von Fred Herzog. Hinzu kommen sehr informative Texte von David Campany und Hans-Michael Koetzle.

Gerade die Nutzung von Farbe zu einer Zeit als die Reportage in Schwarzweiss fotografiert wurde, läßt uns heute auf fast gemalte Fotos blicken. Sie sind sehr detailliert fotografiert. Obwohl es auch Fotos mit Bokeh gibt, sind die meisten Fotos von vorne bis hinten scharf und beinhalten mindestens zwei Ebenen mit vielen Details auf jedem Foto.

Hinzu kommt ein Selbstporträt aus dem Jahr 1959.

Dort wird sichtbar, daß Fred Herzog kein Blitzer sondern ein Maler mit Licht war. Er nutzte die Sonne, um sich selbst einen Rahmen zu setzen, der so ausgeleuchtet ist und darin befindet er sich selbst – toll!

Er scheute sich nicht die Verschiedenheit auch verschieden zu zeigen.

Mich persönlich faszinieren besonders Fotos wie die mit dem Titel Boys Wrestling.

Sie zeigen nicht nur kämpfende Jungen sondern sie zeigen auch das Umfeld und lassen viele Rückschlüsse zu auf die Welt, wo dies so passiert. Es sind ungeheuer interessante Fotos.

Man merkt dem Buch an, daß es einer Person gerecht werden soll. Daher ist es auch gut gebunden und groß genug gedruckt, um auch noch in 30 Jahren wirken zu können.

Es sind die Themen des Alltags im öffentlichen Raums, die Herzog uns zeigt und die seine Aufmerksamkeit gefunden haben. Heute könnten wir ähnliche Situationen aufnehmen aber das Umfeld wäre zivilisatorisch anders. Neben seine Fotos gelegt würden sie uns die Differenz von gestern zu heute deutlich machen.

Aber das Ganze hat noch eine andere Dimension.

Nicht alle Fotos sind aus Vancouver aber ein erheblicher Teil.

Jeff Wall hat dazu über Fred Herzog folgendes geschrieben: „„Das soll nicht heißen, dass es nicht Fotografen gibt, die dazu in der Lage wären, dasselbe wie er zu schaffen und mit behutsamer Zuneigung jene Straßen, Eingänge, Hinterhöfe und Schaufenster einzufangen. Es geht viel eher darum, dass man, um diese Zuneigung zu empfinden, auch etwas benötigt, das sie verdient.“

Und er schreibt weiter: „Was diese Objekte der Zuneigung ersetzte, sind Gebilde, die dieses Gefühl nicht mehr auslösen können, da sie es nicht beinhalten. Es wurde ihnen nicht mitgegeben, als man sie schuf.“

So sind die Fotos von Fred Herzog zugleich Dokumente einer Zeit, die vorbei ist.

Aus Fotos wurden Geschichten aus dem Alltag einer Stadt, einer Zeit, eines Menschen auf der Suche.

Es ist ein Buch, das man nicht nur einmal aufschlägt, denn es lädt auch dazu ein, detailliert und länger einzelne Fotos zu betrachten.

Ein einziges Foto in dem Buch ist aus Deutschland, Loco in Rain von 1952 in Schwarzweiss. Es ist nicht so schön wie die farbigen Fotos.

So zeigt uns dieses Buch aus dem Hatje Cantz Verlag die Welt des Fotografen Fred Herzog, der mit seiner Kamera durch seine Lebenszeit ging und das festhielt, was ihn in einem Moment fesselte.

Es war Streetfotografie vor der Streetfotografie, es war Farbfotografie vor der Farbfotografie, es war detaillierte Fotografie vor der Makrofotografie, es war seine Fotografie und keine Auftragsfotografie.

Still erzählen uns seine Fotos aus seinem Leben mit der Kamera und es ist sehr schön, daß wir seinen Blicken folgen können und so eine Welt sehen, die schon lange vorbei ist und doch ein wenig an heute erinnert.

Ein schönes Buch, in das man gerne seine Lebenszeit investiert.

Es ist im HatjeCantz-Verlag erschienen.

Fred Herzog

Texts by David Campany, Hans-Michael Koetzle, Jeff Wall

German, English

2016. ca. 320 pp., ca. 230 ills.

27.00 x 27.30 cm
hardcover

ISBN 978-3-7757-4181-1

 

Eyes on Paris. Paris im Fotobuch 1890 bis heute

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Jede Zeit hat eigene Fotobücher.

Die meisten sind vergessen, einige schaffen es in die Haushalte der Menschen, noch weniger in die Köpfe der Menschen.

Und mit dem Aufkommen digitaler Technik schien das Fotobuch zu verschwinden.

Es war ein Irrtum.

Und im Zuge der Wiederentdeckung des Fotobuchs kam auch die Aufarbeitung der Geschichte der Fotobücher.

Spannung pur – zumindest hier beim Thema Paris!

Es gab für Paris und seine Fotobücher eine Fotoausstellung.

Und dazu gibt es bis heute ein gut gemachtes Buch darüber, das die vergangene Ausstellung aufleben läßt und den Gang durch die Geschichte der Fotobücher über Paris ermöglicht.

Wer hätte gedacht, daß es so viele Fotobücher über Paris gab!

Hans-Michael Koetzle hat nur die „wichtigen“ Fotobücher dargestellt. Eine faszinierende Auswahl und eine visuelle Reise durch die Blicke auf Paris und die Zeiten in Paris.

Zudem sehen wir wie verstreut die Buchwelt weltweit ist.

Wer sich auf das Buch einläßt wird sehr belohnt.

Wunderbare Artikel erzählen über die Bücher und die Menschen, die sie gemacht haben.

Ich finde die japanischen Fotografen faszinierend, die Realismus und Farbe und Dokumentation zusammenbrachten und Fotos erstellten, die auch heute noch ansprechen.

In dem Buch über die Fotobücher von Paris fehlt sicherlich nichts, was wichtig wäre im Bereich der Monografien.

Viele gute Fotos aus den Büchern laden zu einem Spaziergang durch die Fotobücher von Paris ein.

Man schlendert durch Paris und erlebt Jahrzehnte mit ihren Problemen und der jeweiligen Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Denn natürlich sind die Sehenswürdigkeiten und die Strassen immer wieder die Bühne für die Fotos. Und so sieht man den Wandel je nach dem Blick des Fotografen oder der Fotografin.

Es ist eine faszinierende Reise durch Paris und die Fotografie.

So entstand ein Buch, das ganz ohne den Versuch auskommt, bestimmte Kameramarken vorzustellen. Vielmehr sieht man, was fotografisch schon vor Jahrzehnten in der analogen Welt möglich war und wie schön manches auch im Rückblick ist.

Der Hirmer Verlag hat hier ein Buch im Programm, das auf hohem Niveau und mit wunderbarer Ausstattung für viele Jahre immer wieder zum Aufschlagen animiert.

Es ist auch irgendwie ein Reiseführer und natürlich macht das Buch Lust auf Paris und vor allem Lust auf das Fotografieren mit verschiedenen Techniken monochrom und in Farbe.

Das Buch ist zeitlos aber nicht langweilig und das macht auch das Empfehlenswerte aus. Es ist irgendwie der beste Reiseführer, ohne daß man das Buch in die Reisetasche stecken könnte. Aber es ist ein wunderbarer Weg, um zu sehen, wie viel Geschichte und Veränderung in dieser Stadt steckt.

Dies wird alles sichtbar und daran kann man sich erinnern, wenn man sich entschließt, durch die Straßen von Paris zu schlendern und an einem Boulevard einen Cafe zu trinken.

Wenn man dann schon mal da ist, sollte man auch fotografieren und sein eigenes Fotobuch über Paris machen – zum kleinen Preis und online.

Und wenn man es in Händen hat sollte man es mit dem Buch Eyes on Paris vergleichen. Denn Eyes on Paris lohnt sich sehr als Geschenk und für die fotografische Inspiration.

Es ist im Hirmer-Verlag erschienen.

 

400 Seiten, 899 teils farbige Abbildungen
24 x 30 cm, gebunden
ISBN: 978-3-7774-4131-3