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Nach dem Tod des deutschen politischen Foto-Journalismus oder die neue parallele digitale Welt

Die tägliche Langeweile

Langweiliger geht es kaum noch. Die politische Klasse wird fast nur noch mit Tele fotografiert und so langweilig, dass die Artikel ohne Fotos genauso gut oder schlecht wären. Und wo findet der politische Foto- Journalismus von heute statt?

Irgendwie nicht mehr da, wo er früher einmal war – ausser manchmal in der Bild-Zeitung (und das meine ich durchaus positiv).

Wichtig: hier gibt es Gedanken zum Thema Foto-Journalismus, nicht Journalismus. Früher waren Stern und Spiegel, Bunte etc. bekannt dafür, die Bilder zu liefern, um die es ging. Aktuell versucht das View-Magazin so etwas, abgedrängt als Spezialzeitung und nicht mehr an entscheidenden Stellen. Es gibt sicher noch mehr Beispiele. Aber das ist alles Print, also gedruckt.

Obwohll es noch nie so viele digitale Fotos gab, ist der Foto-Journalismus im Netz im Verhältnis und überhaupt offenkundig wesentlich weniger zu finden. Und dies, obwohl es viel leichter wäre als im Druckbereich. Dabei beziehe ich mich natürlich auf das Durchstöbern der Blogs der traditionellen Print-Medien.

Fotos sind mittlerweile eher Garnierung geworden, obwohl es auch umgekehrt sein könnte.

Nun kann man argumentieren, dass ja Fotos nicht so schnell sind wie Livestreams und Filme. Das stimmt sogar manchmal. Dennoch bleibt ein schaler Geschmack, wenn man sich überlegt, was aus der Königsklasse des Foto-Journalismus geworden ist, zumal Fotos im Internet gerade heute viel umfassender Einblicke geben könnten.

Aktuell heisst Internet

Wenn man aktuelle dokumentierende und erzählende Fotos im Netz sucht, dann wird man kaum fündig. Es gibt eher multimediale aktuelle digitale Dokumente als Pixeljournalismus. Ich  nenne als Beispiele Globalrevolution und Nocommenttv.

Globalrevolution

Watch live streaming video from globalrevolution at livestream.com

Nocommenttv

Doch da hört es schon auf. Wenn es um Fotos und/oder Videos geht, dann können Seiten wie flickr und facebook nicht mithalten. Das ist schon in einigen Artikeln kritisch beleuchtet worden, da geht es auch um die Frage der Zensur.

Soziale Netzwerke sind ungestaltete und zufällige Informationskanäle. Gerade soziale Netzwerke können sogar zur Falle werden, wie z.B. hier beschrieben wird. Es ist kein Journalismus. Der fängt mit dem Aufbereiten der Informationen auf freien Webseiten an.

Und in Deutschland – von immer weniger immer mehr?

Wenn wir über das Internet sprechen und die GEZ bezahlten und privaten digitalen Angebote, dann gibt es weder multimediale Filme über das Geschäft der Grossen und Mächtigen noch Fotos über politische Szenen aus dem Berliner Leben. So gut wie nichts ist an exponierten Stellen zu finden. Was machen die Reporter eigentlich die ganze Zeit?

In Deutschland findet eine Zensur nicht statt, weil offenkundig massiv im Kopf zensiert wird. So wird von immer weniger immer mehr fotografiert, ohne dass dies wirklich die Wirklichkeit erfassen würde.

Der deutsche politische Journalismus mit den vielen Fotos und den Szenen aus dem politischen Leben ist tot, denn er findet nicht einmal mehr im Netz statt (wo doch alles reingesetzt werden könnte.)

Im traurigen Monat Oktober war´s, die Zeiten wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, die politische Fotografie war hinüber.

Ja, so ist das. Man kann sein Geld eben anders leichter und konfliktfreier verdienen und so boomt die Fotografie dort, wo sie Kunst sein soll. So ist der Zeitgeist von heute in der journalistischen Klasse anders als der Zeitgeist in den digitalen Medien.

Doch Tod und Leben liegen eng nebeneinander

Parallel  entsteht eine von medial sensiblen Menschen gesteuerte Nutzung der neuen digitalen Möglichkeiten. Neue Formen der digitalen Informationsaufbereitung und des Pixeljournalismus wachsen – langsam und zufällig, aber immer mehr.

Es entwickelt sich gerade eine parallele Welt, die informiert und diskutiert – und dies völlig parallel und ausserhalb der etablierten Medien. Es entsteht eine digitale Öffentlichkeit jenseits der Leitmedien. Nicht in Deutschland sondern im Netzland, im Internet.

Schöne neue Gefängnisse für die neue Öffentlichkeit

Deshalb soll sie durch neue Gefängnisse, die im schönen Gewand daherkommen, schon wieder abgeschafft werden. Die neuen Gefängnisse heissen Cloud oder sind soziale Netzwerke, die die letztliche Kontrolle über die Veröffentlichung haben und jederzeit das kollektive Gedächtnis abschalten können, ausserhalb von gesicherten Grundrechten wie der freien Meinungsäusserung.

Etwas wie „Wir sind die 99 Prozent“ ist innerhalb der traditionellen deutschen Medien weder offline noch online möglich und auch nicht in den dominierenden sozialen Netzwerken. Paradoxerweise ist es in tumblr – also jederzeit von Dritten abschaltbar! In meinen Augen ein großes Problem.

Leider sind die dort abgebildeten Geschichten auf Englisch und daher nicht für die meisten Deutschen zugänglich. Es sind Geschichten, die auf jeweils einem Foto die Lebenswirklichkeit eines Menschen erzählen wie „Ich bin Krankenschwester und habe selber keine Krankenversicherung. Ich gehöre zu den 99 Prozent.“

Unter dem Gesichtspunkt sozialdokumentarischer Fotografie ist dies ein besonders gutes Projekt, weil es Wirklichkeit und soziales Handeln miteinander verknüpft und dokumentiert.

Übrigens, aus der Sicht eines sozialdokumentarischen Fotografen beginnt gerade eine digital äußerst spannende Zeit mit einer ungelösten Frage. Denn es gibt zwar immer mehr Webseiten, die dokumentieren, aber wer dokumentiert diese Webseiten und wie?

Da zeigt sich auch, dass die neue Welt mit den alten journalistischen Mitteln nicht mehr zu erfassen ist, die von Anzeigen finanziert werden.

Oder doch! Es ist ja nicht alles so schwarz und weiss. Bei Heise.de finden wir z.T. sehr gute eher strukturelle Artikel und Interviews.

Und bei N-TV ist ein wunderbarer journalistischer Artikel zu den Zusammenhängen und Hintergründen der Occupy-Bewegung zu finden. Diese sind zwar kein politischer Foto-Journalismus. Sie zeigen aber, dass es noch journalistische Recherche gibt und tiefergehende Infos, die Zusammenhänge aufzeigen. Interessanterweise sind beide Artikel aus dem nicht GEZ-Bereich. Diese verstreuten kleinen Perlen sind umgeben von digitalen Ablenkungsmanövern.

Man muß also die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht gibt es ja doch noch gegenseitige Befruchtungen.

So wird die Zukunft fotografisch und multimedial spannend. Die einen wollen uns fangen und zensieren auf ihren Seiten und die anderen wollen ein freies Internet mit mehr Informationen für eine Welt, die das Unrecht durch lupenreine Infos begrenzen will.

Doch auf dem Friedhof des deutschen Foto-Journalismus wird dieser Kampf kaum stattfinden.

Denn freie Berichterstattung erfordert Mut zum Berichten und Recherieren und ist unbequem und ist mehr als die GEZ-Kontrolle in der Region und vor allem ist sie mehr als die fotodokumentarische Berichterstattung über symbolische Politik.

Sie fängt eigentlich dort an, wo die Symbolik aufhört …. – und die entsprechenden Kameras und fotografischen Möglichkeiten dafür sind doch vorhanden, wie man auch hier lesen kann!

 

 

Wer ist ein Fotograf und wer darf fotografieren?



Im Internet habe ich folgendes gefunden: „Ich lebe im Ausland (Irland), und hier gibt es keine Fotografenlehre. Entweder man lernt durchs Assistieren, oder durchs college, oder beides. Ich habe ein ‚Certificate‘ in ‚Commercial Photography‘ von einem college of art and design, aber auch ohne dies koennte ich mich hier ‚photographer‘ nennen!“

Wenn man nun in Deutschland nachschaut, dann scheint es ja ziemlich viele Debatten zu geben über dieses Thema. Der Wikipedia-Artikel dazu scheint bei den Revisionen von einem Kampf um die Frage geprägt, wer darf sich Fotograf nennen?

Der Journalist als “Marke” oder kostenlos aber nicht umsonst

Das gute Buch von Mcadams und LangerEigentlich ist es ganz einfach. Statt eine Zeitung zu kaufen, die gedruckte und bezahlte Werbung hat, macht man einen Blog mit Werbung von Google. Diese Werbung ist bei Google schon bezahlt. Jetzt müssen die Leser/innen nur noch in dem Blog auf die Anzeigen klicken und schon haben alle Geld verdient.

Doch was machen die Leser/innen. Sie klicken nicht auf die Anzeigen, obwohl sie damit alle glücklich machen würden und zugleich dafür sorgen, dass in dem Blog, den sie dann gerade lesen, auch weiter gute Artikel geschrieben werden. Deshalb lautet das erste Gesetz für Onlineleser: immer auf Anzeigen klicken!

Bis die Leser dies flächendeckend tun, gibt es Möglichkeiten, sich selbst als Journalist/Journalistin weiter zu verbessern. Eine gute Chance ist das Buch von Mindy McAdams in der Übersetzung von Ulrike Langer zu lesen.  Das Buch finden Sie kostenlos hier.

Es enthält viele wichtige Dinge für Onlinearbeit. Es ist eine gelungene und gute Arbeit von Frau Langer wie von Frau Mcadams. Die Webseite lauten http://www.mindymcadams.com und zur Webseite der Übersetzerin http://www.medialdigital.de setzen. Und nun viel Erfolg beim Lesen und der Umsetzung bis die Leser klicken lernen…