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Altersdiskriminierung im Foto-Journalismus?

Nun habe ich mich über ein Jahr durch das Thema Arbeit und Alter gearbeitet. Ich habe viele Untersuchungen gelesen und musste viele Meinungen im Kopf revidieren.

Aber dabei entstand auch ein neuer Blick. Es ist der Blick auf eine Gesellschaft, die wie selbstverständlich Probleme nicht löst.

Ältere Menschen ab 50

  • sind vielfach kaum sozial besser gestellt als jüngere Menschen und haben oft noch schlechtere Perspektiven,
  • sind bei Arbeitslosigkeit eher chancenlos und
  • die vorhandenen „Altersbilder“ reduzieren den Prozess des Alterns eher auf sozialdarwinistische menschenfeindliche ökonomische „Leistungs“-kategorien statt eine Gesellschaft für die Menschen und für mehr altersoptimale Leistungen zu bauen

Hinzu kommen soziale Wirklichkeiten, über die gerne hinweggesehen wird:

  • Seit der Hartz 4 Reform muss jeder nach ca. einem Jahr Arbeitslosigkeit seine Ersparnisse aufbrauchen und arm werden bevor er/sie staatliche Hilfe erhält.
  • In dieser Gesellschaft wird man ab 50 selbst von der Arbeitsagentur überwiegend als nicht mehr vermittelbar eingestuft.
  • Angeblich werden wir immer älter und sollen daher länger arbeiten obwohl es die Arbeitsplätze gar nicht gibt.

Da neben diesen Ansätzen eines meiner Themen die Dokumentarfotografie ist, habe ich mir die dortige Situation etwas genauer angeschaut.

Offenbar gilt auch dort, dass junge Talente, junge Fotografen, junge Journalisten, junge Medienmacher gefördert werden. Dies gilt auch für Online-Portale und Projekte. Jüngere können sich bewerbern, meistens bis maximal 35, eher noch drunter.

Ältere finden dort kaum bis nicht statt, höchstens als Verliererthema. Das fehlende Stattfinden spiegelt einen Teil der sozialen Realität in Deutschland wieder.

Interessant dabei ist, dass man offenkundig davon ausgeht, Menschen ab 50 kommen sowieso in diesen Berufen (Journalist, Reporter, Fotograf) nicht mehr unter und als Quereinsteiger sowieso nicht. Dabei sollen sie doch noch bis 67 arbeiten!

Das gilt übrigens auch für viele Online-Magazine. Bei Bewerbungen wird man offenbar sofort aussortiert und wenn man schon älter ist meistens sowieso.

Aus diesem Grund suche ich Webseiten und Arbeitgeber, die ältere Menschen ab 50 in diesem Bereich einstellen. Darüber würde ich hier gerne im Rahmen einer Serie mit Fotos, Texten und multimedial berichten.

Wer mir dazu einen Hinweis geben kann oder dies sogar selbst als UnternehmerIn praktiziert, der schicke mir bitte eine Email an michael_mahlke@t-online.de

Vielen Dank!

22.10.2012 bis heute keine Rückmeldung

20.02.2013 bis heute keine Rückmeldung

Wie viel sind die Folgen von berlinfolgen wert? Wie verdient man Geld im Netz oder mit dem Netz?

Das hat was. Die taz hat laut meedia ca. 11.000.000 – elf Millionen – an Einlagen und pro Jahr in letzter Zeit ca. 300.000 Euro Gewinn gemacht.

Die taz ist auch sehr experimentierfreudig und hat sich mit dem Thema Foto- und Videojournalismus beschäftigt.

Dazu hat sie die Serie berlinfolgen mit 2470media produziert. Und nun folgt die Frage, wie viel ist Multimediajournalismus als Dokumentarjournalismus im Alltag wert?

Wie viel ist Multimediajournalismus wert?

Um das Projekt weiter laufen zu lassen, hat die taz 13.000 Euro bereitgestellt und bei startnext ein crowdfunding Projekt erstellt, um die anderen 13.000 Euro zu bekommen, damit die Serie weiterläuft.

Eigentlich dürfte es in einer Stadt wie Berlin überhaupt kein Problem sein, die Summe zusammen zu bekommen. Oder doch? Das Projekt hat noch gut einen Monat Zeit, um die Summe an Spenden bzw. Zuschüssen zu erhalten.

Wenn es gelingt, dann wissen wir, wie viel Werbung erforderlich ist, um für solche kleinen Projekte Geld zu erhalten. Wenn es misslingt, dann wissen wir, wie mühselig das Geschäft der Dokumentarfotografie ist, wenn sie diese Themen fotografiert und mit Videoszenen darstellt.

Und dabei ist dies in der Hauptstadt angesiedelt, wird gut promotet und hat viele Follower.

Wie verdient man Geld im Netz?

Wenn wir das Thema erweitern und die Frage stellen, wie man Geld im Netz verdient, dann kommen wir zur Ulrike Langer. Diese hat auf ihrem Blog medialdigital einen Artikel mit umfangreichen Verlinkungen und Folien zu diesem Thema bereitgestellt.

Die Folien sind sehr empfehlenswert, weil sie aus der journalistischen Praxis mit einem weiten Blick in andere Erdteile gemacht sind.

No magic bullet

Wer Zeit hat, dem kann ich ein Video zur Zukunft der Dokumentarfotografie empfehlen, leider nur auf Englisch.

Mission possible oder Dokumentarfotografie als Ausdruck einer persönlichen Mission

Wenn wir uns anschauen, wo der digitale Leuchtturm für Dokumentarfotografie als Multimediafotografie steht, dann ist es offenbar immer noch Mediastorm. Die Signale von dort inspirieren ganz unterschiedliche Aktivitäten.

Bemerkenswert finde ich die christliche Dokumentarfotografie und Spillthebeans. Beide haben völlig unterschiedliche Themen und wollen doch ihre Mission dokumentieren: engagierte Fotografie im Sinne von Engagement für ….

Dokumentarfotografie = Verliererfotografie?

Und es bleibt doch irgendwie dabei, dass Dokumentarfotografie „Verliererfotografie“ (im Sinne massenmedialer Kategorien) ist – von Verlierern für Verlierer?

Wenn ich mir die bemerkenswert eindrucksvollen Fotos von Saiful Huq in Bangladesh anschaue, dann sind die Themen dort wie hier.

Es geht immer wieder um die existenziellen Fragen der Menschen und des Menschseins. Hier werden Situationen der Lebendigkeit und der Absurdität der Welt dokumentiert.

Und so will ich schließen mit dem Hinweis auf Christopher Keeley, der auf seiner Seite tunlaw.org eine schier unglaubliche Sammlung an sozialdokumentarischer Fotografie hat  zwischen Obsession und Occupy – die nicht in den empflindlichsten Momenten der Seele angeschaut werden sollte, denn sie ist ein Spiegel eines Teils dieser Welt und dieser Zeit.

 

 

 

 

Die im Dunkeln sieht man nicht – ist Dokumentarfotografie ein Geschäftsmodell?

Das Ende der Dokumentarfotografie – Foto: Michael Mahlke

Eine gedankliche Reise

Verlierer

Soziale Dokumentarfotografie ist eigentlich Verliererfotografie, denn es sind nicht die Schönen und Reichen, die als Thema dienen, sondern die Namenlosen und sonst Unsichtbaren, also wir, die wir nicht im Rampenlicht stehen oder wirtschaftliche/politische Macht haben.

Und wollen wir unsere Verhältnisse sehen oder lieber die Schönen und die Reichen?

Aus der Antwort auf die Frage ergeben sich die fotografischen Folgen. Kritisches Medienbewusstsein, demokratisches Denken, politisches Engagement und vieles mehr werden ja zunehmend weniger.

World Press Photo Award – Presse & PR heute

künstliche Welt – Foto: Michael Mahlke

Kostenlose Reklame statt bezahlter Fotografie

„Für viele Redakteure bei Onlinemedien sind Bilder nur Mittel zum Zweck; und der heißt nicht etwa Geschichten erzählen, sondern: viele Klicks generieren! Da sind 40 Bilder aus dem Agentur-Abo besser als eine Reportage von 20 Bildern anzukaufen. Und wenn die Agentur von einem Motiv eins hoch und eins quer liefert, dann packt man beide da rein. Jeder Klick ein Treffer….

Es stößt einem bitter auf, wenn sich derzeit jedes Käseblatt mit den Bildern Honstras und anderer schmückt und vor seinen Lesern so tut als sei all das “Presse” und man als Blatt sei selbst ein Teil davon und würde all das für den Leser möglich und die Leser das mit ihrem Abo möglich machen. Dabei druckt man nur die kostenlosen Handouts des Wettbewerbs, hat die eigenen Fotografen längst abgeschafft und Leute wie Honstra lassen im Internet den Klingelbeutel rumgehen.“

So die Einschätzung des Photojournalisten Sascha Rheker in seinem Blog aus Anlass der Bekanntgabe der prämierten Fotos des World Press Photo Award.

Offenkundig schreibt er mit Erfahrung. Und so ist seine hier geäußerte Ansicht als Photojournalist genau das Problem, in dem heute Journalismus und Photojournalismus stecken.

Die kommunikative Kette

Es gibt eine Kette, die man mit den drei Wörtern Journalismus, Presse und Public Relations (PR) beschreiben kann.

  • Dabei meint Journalismus eigentlich den Begriff des seriösen und recherchierenden Menschen, der mit Wort und/oder Bild als Informationsmedium arbeitet.
  • Und PR steht für Lobbyismus und Wording.

Lieber PR als Presse?

Das ist natürlich eine Mischung mit Schnittmengen.

Aber man muß sehen, dass die Vierte Gewalt eine wesentliche Rolle in der Demokratie spielt. Daher ist es wichtig zu sehen, was passiert und dies nüchtern zu analysieren. Da reicht die Feststellung:

„Die Krise des Journalismus erweist sich … vor allem als Krise seiner Kritikfunktion“ (Siegfried Weischenberg).

Warum dies so ist, ergibt sich wesentlich aus dieser Schnittmenge. Dies weiter auszuführen ist überflüssig, weil man es im Alltag der Informationen immer wieder sehen kann.

Deshalb möchte ich kurz noch einen Blick auf eine interessante erweiternde Frage werfen.

„Warum gehen Journalisten in die PR?“ fragte das Mediummagazin.de . Die Antworten zeigen, wie es momentan vielfach aussieht: irgendwie ist es in der PR attraktiver, finanziell und strukturell (Arbeitszeiten, Selbstbestimmung, Hierarchie).

Es kann natürlich auch sein, dass die neuen digitalen Kanäle journalistische Medien zunehmend überflüssig machen und die neuen Kanäle ausreichen.

Am Beispiel des Reisejournalismus sieht man diese Entwicklungen. Wahrscheinlich wird es eine neue Parallelität von allgemeineren Rankingseiten für pauschale Angebote und schnelle Buchungen einerseits und differenzierten und spezialisierten Berichten auf Blogs für eher individuell orientierte Reisende geben. Doch in beiden Fällen ist Journalismus nicht mehr notwendig sondern lediglich evtl. nützlich.

Und weiter. Wenn Journalisten letztlich nur noch News-Manager sind, dann sind sie auch für interessante und recherchierende Artikel nicht mehr notwendig. Dann werden es wohl Bloggerinnen und Blogger sein, die für die Inhalte sorgen.

Mal ganz persönlich: wenn ich mir einige bis viele Artikel z.B. bei spiegel.de anschaue, dann schreiben die Journalisten ja wirklich vielfach ihr Wissen aus Blogs zusammen und übersetzen zum Teil quasi nur noch, was auf englischsprachigen Seiten steht. Das ist News-Management und die eigene geistige Leistung ist eher logistischer Natur. Das Entstehen eigener Gedanken und eigener Artikel mit eigenem Durchdachten ist dem Berichten von anderswo gefundenen News gewichen. Für den Technikbereich habe ich dies hier gefunden.

Und was die Fotos angeht bei vielen Medien, da kann man Herrn Rheker wohl nur beipflichten.

Fotostudenten lernen Sponsoring ?

Was hat dies nun mit Fotojournalismus zu tun?

Das möchte ich an einem Beispiel deutlich machen. Was lernen Fotostudenten an der Fachhochschule Hannover?

Ich zitiere aus der Webseite:

„Dabei steht den Studenten eine der modernsten Fotoabteilungen Europas zur Verfügung, sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich. Dank unseres Sponsors Lumix verfügen wir über unsere eigenen Geräte hinaus über eine große Anzahl von Leihkameras. Betreut werden die etwa 160 Fotostudenten von zwei Professoren, einem Fachlehrer und drei technischen Angestellten. Unsere Heimat ist das ehemalige »Global House« auf dem Expo-Gelände, ein wunderbar lichter, transparenter und moderner Bau.

Weiterhin arbeiten wir in berufsvorbereitender Weise für Unternehmen der Wirtschaft (Marc Shoes, Baden-Baden Event GmbH, Klinikum GmbH), für Stiftungen und Verbände (Museumsbund, Niedersächsische Sparkassenstiftung) und für Zeitungen und Zeitschriften (F.A.Z., Hannoversche Allgemeine Zeitung, Brigitte, mare)….

Stolz sind wir darauf, dass uns seit mehreren Jahren eine Zusammenarbeit bei Redaktions-Praktika mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verbindet und dass uns so renommierte Unternehmen wie Panasonic und die niedersächsiche Versicherungungsgruppe VGH finanziell kontinuierlich unterstützen.“

Man lernt offenkundig, dass Presse und PR irgendwie doch sehr miteinander verbunden sind. Das finde ich deshalb so interessant, weil es sich ja gerade hier um die – in meinen Augen – Hochburg des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie in Deutschland handelt, wenn ich diese Aussage ernst nehme: „Damit ist die Fachhochschule Hannover die einzige deutsche Hochschule, die die international übliche Bezeichnung »Photojournalism and Documentary Photography« als Begriff für das Kernprofil in der fotografischen Ausbildung trägt.“

Inwiefern wird die oben genannte „Kritikfunktion“ denn bewusst und unbewusst hier noch zugelassen?

Ist sie zugelassen? Übt man an den Sponsoren die Kritikfunktion?

Dürfte man zum Beispiel Fotoserien über Betriebsschließungen im Zuge der Globalisierung rund um Hannover bei den beteiligten Unternehmen publizieren in Ausstellungen etc.?

Oder wäre es unerwünscht, weil dann zwei Sachverhalte miteinander assoziiert würden, die – ich sag mal – nicht so passend wären aus Sicht eines der Beteiligten?

Würde eine Bilderserie über eine Betriebsschließung und über Massenentlassungen in Hannover einen Preis gewinnen bei den beteiligten Wettbewerben?

Was heisst das?

Wenn man nun alle diese Informationen verknüpft, dann könnte man denken, es gibt vielfach eine unbegrenzte Nähe. Die Messlatte dafür ist die praktizierte bzw. nicht praktizierte Kritikfunktion.

Presse und PR gehen völlig neue Verbindungen ein. Das soll ja auch schon dazu geführt haben, dass Pressemitteilungen von PR-Agenturen als Journalismus verstanden wurden.

Denn auch hier ist das Rollenbild gerade komplett im Wandel zwischen Autodidakten, die medial (journalistisch oder pr ?) arbeiten und dem Scout und eventuell noch mehr Richtungen.

Und wieder andere wechseln von der PResse zur PR.

Wie stark dies auch institutionell im Reisejournalismus (welcher Widersinn im Wort!, es müsste ReisePR heissen) zu finden ist, habe ich schon beschrieben.

Wir leben in einer Zeit, die gerade neue Weichen stellt. Beim Netzwerk Recherche gibt es eine gute Dokumentation zur Frage von Journalismus und PR.

Und bei vocer.org finden Sie noch viel mehr an aktuellen Beiträgen.

Fazit

Nun denn, am Beispiel des World Press Photo Award kann man sehen, wie es aktuell vielfach und nicht nur in Deutschland um die Fotografie und die Situation von Presse und PR in Deutschland bestellt ist.

Gut, dass wir mit unseren GEZ Gebühren die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft aufgebaut haben. Dort ist die Demokratie und die Meinungsfreiheit in guten Händen.

Dort werden täglich großartige Fotos publiziert und solche Dinge, wie oben beschrieben, würden dort nie passieren – oder, oder vielleicht nur ein bisschen?

Nachtrag: Ich hatte ganz übersehen, dass es mittlerweile das Berufsbild des „PR-Journalisten“ gibt. So wird eine Verbindung kreiert, die das Image von seriöser Recherche und Unabhängigkeit vermittelt statt bezahlter Interessengebundenheit. Ich würde sagen, das ist PR pur.

Damit wir uns richtig verstehen. Ich habe nichts gegen PR. Aber sie muss transparent sein, d.h. ich muss wissen, dass interessengeleitet geschrieben oder geworben wird. Das ist in meinen Augen für die Produkte und die PR gut. Aber so tun als ob man seriös recherchiert hat und dann bewusst nur gefakte Test oder Ähnliches zu publizieren, ist unseriös und im Zeitalter sozialer Netzwerke meistens auch dumm.

2012: Immer teurer, schlechte Pflege und „falsch“ informiert? – Bitte nicht!

Was ist los im Kameraleben auf dieser Welt?

Wenn wir es runterbrechen auf die konkreten Handlungsweisen, dann fallen meiner Meinung nach einige aktuelle Entwicklungen auf:

  • Fuji löst z.B. wesentliche Probleme nicht, die von Kunden bzgl. der Kameras formuliert werden. Statt hochpreisige Produkte (X100, X10) durch Firmware-Updates zu optimieren bzw. voll einsetzbar zu machen, werden noch höherpreisige neue Produkte angeboten. Aber warum sollte man die kaufen, wenn die vorherigen Produkte nicht mal richtig ok sind? Nun steht Fuji nicht alleine da, wie man in diversen Foren lesen kann. Aber das ist schon bemerkenswert. Ich finde, das hat erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen in eine Marke.
  • Neue Kameras werden mit empfohlenen Preisvorstellungen auf den Markt gebracht, die dem technischen Mehrwert in keiner Weise entsprechen.
  • Der Journalismus verabschiedet sich teilweise. Die Internet-Oligarchie wächst. Es scheint z.B. so, dass offenkundig nur ein kleiner Kreis ausgewählter Webmagazine spezielle Kameras erhält und diese dort entsprechend besprochen werden, sogar bewertet werden und mit Beispielgalerien gefüllt werden ohne dass die Kameras tatsächlich kaufbar und die dort publizierten Inhalte überprüfbar wären. Einmal scheint spiegel.de dies ausgehebelt zu haben.
  • Die Zahl der „Previews“ und „Hands on“ bei Artikeln in Testmagazinen nimmt zu. Das sind in meinen Augen Tests ohne Tests, die aber schon bewerten. Aber sind dies noch journalistische Artikel oder eher (bezahlte?) Werbung bzw. PR? Zweifel sind spätestens angebracht, wenn diese Magazine von den Herstellern Werbung schalten.

Der DJV fordert mehr Qualitätsjournalismus. Das muss gerade auch im Bereich des Fotojournalismus und im Internet gelten. Allerdings ist das Thema grösser als ich es hier anschneiden kann. So wird die Gegenwart ein Ort neuer und alter Herausforderungen.

 

W. Eugene Smith von Britt Salvesen, Enrica Vigano

Deleitosa – die Foto- und Textreportage über das spanische Dorf zog mich in ihren Bann und ließ mich nicht mehr los. Anders kann ich den Weg in dieses Buch nicht beschreiben. Wer es aufschlägt und mit dem Lesen und dem Betrachten der Fotos beginnt, der wird es nie mehr aus seiner Erinnerung streichen können.

Das im Kehrer Verlag erschienene Buch zum Werk von W. Eugene Smith ist eine souveräne Konzeption, die die Fotos und Texte und den Menschen W. Eugene Smith dem heutigen Publikum zeigt. Die Fotos und Texte sind so aktuell und so spannend, dass sie Menschen, die Einfühlungsvermögen besitzen, unversehens in ihren Bann ziehen.

Waren Sie schon einmal in Spanien, auf Mallorca oder auf dem Festland? Wenn sie die Reportage über „Das Spanische Dorf“ gelesen haben, werden sie auch das heutige Spanien mit anderen Augen sehen.

Interessanterweise zitiert Enrica Viganò, der Kurator, in seinem Aufsatz den Autor Philippe Halsman mit dem Satz: „Cartier-Bresson registriert die Wahrheit. Gene Smith schafft seine eigene.“

Und dann landet er bei Smith selbst und zitiert ihn mit dem Satz: „Ich habe mich nie damit begnügt, ein Fotograf zu sein, der die Ereignisse bloß registriert. Ich glaube vielmehr, dass es mir in meinen besten Arbeiten gelingt, das Besondere einer Situation abzubilden und das Universale symbolisch auszudrücken.“

Er führt dann in Anlehnung an Serge Tisseron den Begriff der „emblematischen Fotografie“ ein, die weit über die Betrachtung hinausgeht.

Dann kommt W. Eugene Smith selbst mit einer autobiografischen Erklärung zu Wort. Und dann sprechen seine Fotos und Reportagen.

Das Buch schenkt dem Menschen und dem Werk neues Leben. Und es ist ein Geschenk für unsere Zeit, denn es zeigt, dass die intensive Reportage in schwarz-weiß nicht durch die Farbfotografie abgelöst werden kann. Farbe ist anders und Texte werden zeitlos, wenn sie gut sind.

Dem amerikanischen Publikum war W. Eugene Smith lange bekannt, er war dort einer der bekanntesten Fotografen. Aber hier ist er wohl nur in Fachkreisen bekannt gewesen. Neben dem Werk kommt auch der Mensch zum Vorschein und wir erleben die Tragödie und die Absurdität der menschlichen Existenz, die  uns auf unsere eigene Weise alle betrifft.

In einer Zeit ohne Geschichte bringen Bücher wie dieses das Verhältnis von Geschichte zur Gegenwart zurück. Die beeindruckenden Reportagen führen zudem dazu, dass man heute automatisch überlegt, ob es Ähnliches nicht heute auch zu finden gibt.

Denn W. Eugene Smith hat seine beeindruckendsten Reportagen (in diesem Buch) in unserem Alltag gefunden. Er ging dort hin, wo andere zur Arbeit gehen oder leben. So geben seine Fotos uns einen Spiegel über unser Leben in diesen Zeiten.

Und wir – zumindest ich – sehe(n), dass die grossen Reportagen letztlich vom Auge und Einfühlungsvermögen des Reporters (mit Foto und Text) und von den Massenmedien (Publizierung) abhängig sind.

Mit diesen Gedanken versuche ich schon den Transfer in die heutige digitale Welt. Es ist eben ein wirklich inspirierendes und in den Bann ziehendes Buch.

Wer etwas für seine fotografische Entwicklung haben möchte oder ein wirklich gutes Geschenk sucht, der findet mit diesem Buch eine gute Antwort.

So will ich enden mit einem Zitat von W. Eugene Smith, das mir gefällt: “Ich denke, dass Fotojournalismus Dokumentarfotografie mit einer bestimmten Absicht ist.”

 

W. Eugene Smith

Autoren: Britt Salvesen, Enrica Vigano, W. Eugene Smith
Künstler: W. Eugene Smith

ISBN 978-3-86828-255-9

 

Multimedia Storytelling – ein neuer Hungerjournalismus?

Foto: Michael Mahlke

Die Technik ist billig, Speicherplatz auch und die Geschichten sind umsonst zu haben. Das ist das Rezept aus dem der neue freie und unabhängige Journalismus geboren wird. Er ist auf der Welt, aber er wird nicht bezahlt. Es sind Webseiten von Menschen, die es „nebenher“ machen und woanders das Geld zum Leben beziehen.

Multimedia kommt

Journalismus und Multimedia haben eine Schnittmenge, sind aber nicht deckungsgleich. Es gibt Beispiele für diese neuen Ansätze.

www.spillthebeans.de

www.colonista.de

inmotion.magnumphotos.com

www.2470media.eu

Die befruchtende Mutter von allen scheint Mediastorm zu sein.

Nun ist das Erstellen einer Bildgeschichte technisch natürlich anders als die Erstellung eines Fotos.

Geld kommt auch

Doch wie kann man damit Geld verdienen?

Offenkundig ziemlich einfach, wenn man es richtig macht: schrill, seltsames Niveau und GEZ-finanziert. Ein gutes Beispiel dafür finden Sie hier.
Hier sind dann aber keine Fotografen und/oder Journalisten am Werk sondern andere Menschen.

Für Fotografen sieht die Sache anders aus. Sicher wird es noch NGOs geben, die Fotos brauchen, aber mehr Fotos werden in der Industriefotografie, in der Produktfotografie und beim Foto-Shooting gebraucht. Was man da verdient, wird vorzugsweise hier diskutiert.

Lokales kommt

Eine Alternative ist die privat geführte Lokalzeitung. Das Solinger Tageblatt TV ist ein gutes Beispiel für eine neue Art der Berichterstattung von Multimedia-Journalistinnen und Journalisten. Es sind natürlich lokale Geschichten mit tagesaktuellem Bezug, aber hier tut sich was und offenkundig zahlt das Solinger Tageblatt auch dafür.

So sind wir auf dem Weg in unsere eigene Zukunft. Wir leben dabei von Journalismus, der Multimedia nicht mit Nachbarschaftsgeschichten verwechselt, so wie ich es im WDR nicht leiden kann.

Was Journalismus sein kann, habe ich mal kommentierend mit Jörg Schieb ausgetauscht, wobei ich sehr zur Haltung von Jörg Schieb tendiere aber das Gegenteil mehrheitlich erlebe.  Da gibt es noch viel mehr zu sagen.

Es wird also viele Fragen geben, nicht nur die der Bezahlung, auch die des Stellenwertes und der Themen.

Und nach den bisherigen gedanklichen Spaziergängen ist auch klar, dass Storytelling und Journalismus nur eine begrenzte Schnittmenge haben.

Aktuell scheint es so zu sein, dass journalistische Beiträge wie im Solinger Tageblatt und die Videos von Sixtus/Lobo am ehesten zu Geld führen. Das eine ist privat finanziert, das andere GEZ finanziert.

Hier bleibe ich erst einmal gedanklich stehen. Es tut sich was und die privaten Ansätze scheinen interessant.

Aber: es gibt jeden Tag tausende von neuen Videos und allein bei Facebook pro Tag 250.000.000 neue Fotos. Da wird es unabhängig von der Qualität auf andere Kriterien ankommen.

Die Diskussionen darüber finden sich zum Teil auf medialdigital.de.

Es bleibt spannend und die Frage ist noch offen, ob es beim Hungerjournalismus bleibt oder daraus noch ein gedeckter Tisch wird. Denn eines ist auch klar. Geld für journalistische Leistungen wird ausgegeben von einem grossen Teil der denkenden Menschen. So ist der Markt da.

Storytelling als ebook?

Vielleicht sollte man aber noch anders denken und Multimedia-Storytelling als Teil der ebook-Landschaft sehen und ebenso gestalten und vermarkten. Das hätte den Vorteil, dass für das Anschauen bezahlt wird, entweder einzeln oder im Rahmen eines Magazins.

Umgekehrt wird aber alles nicht gesehen, was nicht gekauft wird. Da im öffentlich-rechtlichen Raum aber vieles im Internet steht durch die Zwangsbezahlung der GEZ-Gebühren, ist das private Engagement entsprechend benachteiligt.

 

Nach dem Tod des deutschen politischen Foto-Journalismus oder die neue parallele digitale Welt

Die tägliche Langeweile

Langweiliger geht es kaum noch. Die politische Klasse wird fast nur noch mit Tele fotografiert und so langweilig, dass die Artikel ohne Fotos genauso gut oder schlecht wären. Und wo findet der politische Foto- Journalismus von heute statt?

Irgendwie nicht mehr da, wo er früher einmal war – ausser manchmal in der Bild-Zeitung (und das meine ich durchaus positiv).

Wichtig: hier gibt es Gedanken zum Thema Foto-Journalismus, nicht Journalismus. Früher waren Stern und Spiegel, Bunte etc. bekannt dafür, die Bilder zu liefern, um die es ging. Aktuell versucht das View-Magazin so etwas, abgedrängt als Spezialzeitung und nicht mehr an entscheidenden Stellen. Es gibt sicher noch mehr Beispiele. Aber das ist alles Print, also gedruckt.

Obwohll es noch nie so viele digitale Fotos gab, ist der Foto-Journalismus im Netz im Verhältnis und überhaupt offenkundig wesentlich weniger zu finden. Und dies, obwohl es viel leichter wäre als im Druckbereich. Dabei beziehe ich mich natürlich auf das Durchstöbern der Blogs der traditionellen Print-Medien.

Fotos sind mittlerweile eher Garnierung geworden, obwohl es auch umgekehrt sein könnte.

Nun kann man argumentieren, dass ja Fotos nicht so schnell sind wie Livestreams und Filme. Das stimmt sogar manchmal. Dennoch bleibt ein schaler Geschmack, wenn man sich überlegt, was aus der Königsklasse des Foto-Journalismus geworden ist, zumal Fotos im Internet gerade heute viel umfassender Einblicke geben könnten.

Aktuell heisst Internet

Wenn man aktuelle dokumentierende und erzählende Fotos im Netz sucht, dann wird man kaum fündig. Es gibt eher multimediale aktuelle digitale Dokumente als Pixeljournalismus. Ich  nenne als Beispiele Globalrevolution und Nocommenttv.

Globalrevolution

Watch live streaming video from globalrevolution at livestream.com

Nocommenttv

Doch da hört es schon auf. Wenn es um Fotos und/oder Videos geht, dann können Seiten wie flickr und facebook nicht mithalten. Das ist schon in einigen Artikeln kritisch beleuchtet worden, da geht es auch um die Frage der Zensur.

Soziale Netzwerke sind ungestaltete und zufällige Informationskanäle. Gerade soziale Netzwerke können sogar zur Falle werden, wie z.B. hier beschrieben wird. Es ist kein Journalismus. Der fängt mit dem Aufbereiten der Informationen auf freien Webseiten an.

Und in Deutschland – von immer weniger immer mehr?

Wenn wir über das Internet sprechen und die GEZ bezahlten und privaten digitalen Angebote, dann gibt es weder multimediale Filme über das Geschäft der Grossen und Mächtigen noch Fotos über politische Szenen aus dem Berliner Leben. So gut wie nichts ist an exponierten Stellen zu finden. Was machen die Reporter eigentlich die ganze Zeit?

In Deutschland findet eine Zensur nicht statt, weil offenkundig massiv im Kopf zensiert wird. So wird von immer weniger immer mehr fotografiert, ohne dass dies wirklich die Wirklichkeit erfassen würde.

Der deutsche politische Journalismus mit den vielen Fotos und den Szenen aus dem politischen Leben ist tot, denn er findet nicht einmal mehr im Netz statt (wo doch alles reingesetzt werden könnte.)

Im traurigen Monat Oktober war´s, die Zeiten wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, die politische Fotografie war hinüber.

Ja, so ist das. Man kann sein Geld eben anders leichter und konfliktfreier verdienen und so boomt die Fotografie dort, wo sie Kunst sein soll. So ist der Zeitgeist von heute in der journalistischen Klasse anders als der Zeitgeist in den digitalen Medien.

Doch Tod und Leben liegen eng nebeneinander

Parallel  entsteht eine von medial sensiblen Menschen gesteuerte Nutzung der neuen digitalen Möglichkeiten. Neue Formen der digitalen Informationsaufbereitung und des Pixeljournalismus wachsen – langsam und zufällig, aber immer mehr.

Es entwickelt sich gerade eine parallele Welt, die informiert und diskutiert – und dies völlig parallel und ausserhalb der etablierten Medien. Es entsteht eine digitale Öffentlichkeit jenseits der Leitmedien. Nicht in Deutschland sondern im Netzland, im Internet.

Schöne neue Gefängnisse für die neue Öffentlichkeit

Deshalb soll sie durch neue Gefängnisse, die im schönen Gewand daherkommen, schon wieder abgeschafft werden. Die neuen Gefängnisse heissen Cloud oder sind soziale Netzwerke, die die letztliche Kontrolle über die Veröffentlichung haben und jederzeit das kollektive Gedächtnis abschalten können, ausserhalb von gesicherten Grundrechten wie der freien Meinungsäusserung.

Etwas wie „Wir sind die 99 Prozent“ ist innerhalb der traditionellen deutschen Medien weder offline noch online möglich und auch nicht in den dominierenden sozialen Netzwerken. Paradoxerweise ist es in tumblr – also jederzeit von Dritten abschaltbar! In meinen Augen ein großes Problem.

Leider sind die dort abgebildeten Geschichten auf Englisch und daher nicht für die meisten Deutschen zugänglich. Es sind Geschichten, die auf jeweils einem Foto die Lebenswirklichkeit eines Menschen erzählen wie „Ich bin Krankenschwester und habe selber keine Krankenversicherung. Ich gehöre zu den 99 Prozent.“

Unter dem Gesichtspunkt sozialdokumentarischer Fotografie ist dies ein besonders gutes Projekt, weil es Wirklichkeit und soziales Handeln miteinander verknüpft und dokumentiert.

Übrigens, aus der Sicht eines sozialdokumentarischen Fotografen beginnt gerade eine digital äußerst spannende Zeit mit einer ungelösten Frage. Denn es gibt zwar immer mehr Webseiten, die dokumentieren, aber wer dokumentiert diese Webseiten und wie?

Da zeigt sich auch, dass die neue Welt mit den alten journalistischen Mitteln nicht mehr zu erfassen ist, die von Anzeigen finanziert werden.

Oder doch! Es ist ja nicht alles so schwarz und weiss. Bei Heise.de finden wir z.T. sehr gute eher strukturelle Artikel und Interviews.

Und bei N-TV ist ein wunderbarer journalistischer Artikel zu den Zusammenhängen und Hintergründen der Occupy-Bewegung zu finden. Diese sind zwar kein politischer Foto-Journalismus. Sie zeigen aber, dass es noch journalistische Recherche gibt und tiefergehende Infos, die Zusammenhänge aufzeigen. Interessanterweise sind beide Artikel aus dem nicht GEZ-Bereich. Diese verstreuten kleinen Perlen sind umgeben von digitalen Ablenkungsmanövern.

Man muß also die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht gibt es ja doch noch gegenseitige Befruchtungen.

So wird die Zukunft fotografisch und multimedial spannend. Die einen wollen uns fangen und zensieren auf ihren Seiten und die anderen wollen ein freies Internet mit mehr Informationen für eine Welt, die das Unrecht durch lupenreine Infos begrenzen will.

Doch auf dem Friedhof des deutschen Foto-Journalismus wird dieser Kampf kaum stattfinden.

Denn freie Berichterstattung erfordert Mut zum Berichten und Recherieren und ist unbequem und ist mehr als die GEZ-Kontrolle in der Region und vor allem ist sie mehr als die fotodokumentarische Berichterstattung über symbolische Politik.

Sie fängt eigentlich dort an, wo die Symbolik aufhört …. – und die entsprechenden Kameras und fotografischen Möglichkeiten dafür sind doch vorhanden, wie man auch hier lesen kann!

 

 

Die TAZ macht Multimedia

Seit einiger Zeit erscheint bei der taz unter dem Titel „Berlin Folgen“ eine Foto-Video-Serie. Das ist interessant und empfehlenswert. Der inhaltliche rote Faden ist die Geschichte eines Menschen, der mediale rote Faden ist Audio. Das entspricht dem Soundslides Prinzip. Inhaltlich gibt es wenige Videoszenen und dazwischen Fotos.

Man kann einen solchen Clip nicht allein mit einer Digitalkamera machen. Es muss immer eine separate Audioaufzeichnung dabei sein. Eine aktuelle digitale Kompaktkamera und ein Audiorecorder würden zusammen aber reichen. Bei der taz entstehen dadurch interessante Reportagen. Sie ersetzen aber nicht die Texte und die Fotos anderer Beiträge.

Solche Geschichten, die übers Ohr in den Kopf kommen, sind meiner Meinung nach eindringlicher. Ich könnte mir andersrum aber nicht vorstellen, eine Webseite nur über solche Clips zu entdecken. Solche Clips sind in meinen Augen – richtig eingesetzt – ein gutes Mittel für eine verbesserte fotografische Berichterstattung.

Sie bieten durch die Stimme (Audio) eine Individualität, die weiter geht, als dies nur mit Text oder Foto möglich wäre. Und sie werten vielfach Fotos auf, weil dadurch auch mehr Fotos in einem tieferen Zusammenhang gezeigt werden können. Diese Fotos wiederum sind dann reine Digitalprodukte und können mit kleinen Kameras gemacht werden.

Aber für mich ist auch die Grenze klar. Solche Multimediaclips sind ein Mittel journalistischer Berichterstattung. Sie ersetzen nicht grundsätzlich Texte oder Fotos, sie sind manchmal das beste Mittel und manchmal das schlechteste Mittel einer Berichterstattung. Bei der taz sind sie an dieser Stelle sicherlich das beste Mittel.

In einem anderen Artikel habe ich schon einmal auf die Wahl des besten Mittels für journalistische Berichterstattung hingewiesen.Wenn man nun die Clips bei arte mit denen bei der taz vergleicht, dann fallen Unterschiede auf. Bei arte werden Fotoserien verknüpft, bei der taz werden Videoszenen mit eingebunden. Aber in beiden Fällen ist die Audiospur entscheidend. Sie verbindet nicht nur sondern wertet letztlich auch die Fotos auf. Ich persönlich glaube, dass eine neue Reportageform geboren wurde. Es ist die Koppelung von Ken Burns und Soundslides plus etwas Video.

Im Prinzip ist es schön, dass Pixel-Journalisten bzw. Online-Journalisten oder Multimedia-Journalisten nun mehr Möglichkeiten zur Berichterstattung haben. Damit sind die Berufe des Fotoreporters und des Bildjournalisten nicht auf dem Friedhof sondern in der neuen Welt gelandet. Gerade diese Clips zeigen, dass Fotos, Audio und Video eine neue und gute Form der Berichterstattung zusammen hervorbringen können.

Platz dazu gibt es im Internet satt. Nur die Bezahlung wird meistens das Problem sein.

Fotografie für Journalisten von Kay-Christian Heine

„Fotografie für Journalisten“ ist ein richtig feines Lehrbuch für die Praxis. Das Buch richtet sich in erster Linie an Journalisten, die ihre Texte mit eigenen guten Fotos ergänzen wollen. Der Autor Kay-Christian Heine gibt von Beginn an viele Infos, die in der Praxis wichtig sind. Man könnte auch sagen, er kommt sofort zur Sache…

Ein Beispiel ist die Schärfentiefe. Auf Seite 14 finden wir eine „Kurzanleitung Schärfentiefe“. Dort wird erklärt, welche Objektive ich für welchen Zweck benötige. Danach kommen Themen wie Porträtfotos oder Landschaftsfotos und dann die Frage des Standpunktes.

Korrekte Belichtung wird am Beispiel eines Fussballspielers im vollen Lauf erklärt. Etwas später kommt das Thema „Dunkle Räume – ein typisches Journalistenbiotop“. Ausführlich wird das Thema Blitzen erläutert oder was mache ich bei schlechtem Wetter?

Da es im Journalismus um Berichterstattung geht, folgen dann Themen wie Motivwahl, Terminplanung und Ablauf. Er diskutiert Fragen wie die nach der Anzahl der Fotos in einer Reportage und alle wichtigen Regeln der Bildgestaltung werden mit Beispielen sehr ausführlich für die Praxis besprochen.

Nach dem Licht kommt der Schatten. Auch darüber schreibt der Autor. Wie vermeide ich typische Fehler? Das Problem störender Details, schiefer Ebenen, ungewollter Schnitte und anderes mehr werden beprochen und es werden sofort einfache Lösungen bzw. Fehlervermeidungsstrategien formuliert.

Dateiverwaltung. Bildunterschriften, Bilder in Blogs und viele andere Fragen werden ebenso informativ behandelt. Ab Seite140 folgt dann von Rechtsanwalt Jan Christian Seevogel ein Kapitel „Von Rechts wegen…“ Dort werden alle wichtigen journalistischen Bildfragen substanziell angeschnitten.

Selbst der Anhang hat noch praktische Tipps wie die nach der richtigen Fotoausrüstung und vieles mehr.

Insgesamt ist dieses Buch ein wirklich praktischer Einstieg in die wichtigen Fragen der journalistischen Bildberichterstattung. Gerade die Beschränkung macht es so sympathisch und substanziell nutzbar. Es erfüllt in meinen Augen den Anspruch voll, Textjournalisten einen qualifizierten und guten Einstieg in das journalistische Fotografieren zu geben.

Wer mehr über den Autor und das Buch wissen will, der findet hier den Link dazu.


Kay-Christian Heine

Fotografie für Journalisten

ISBN 978-3-89721-979-3

Die verfluchten Fotoreporter oder digitale Fallen im Multimedia-Journalismus

Fotoreporter sind verflucht. Sie erleben nun zunehmend denselben Abbau ihrer Tätigkeitsbereiche durch das Aufkommen von Verlust an Print, Istockphotos und multipler Duplikation digitaler Ware wie dies im Rahmen der Globalisierung und der technologischen Entwicklung auch in anderen Berufsfeldern geschah.

Und jetzt gibt sich ein großer Teil Mühe und versucht den Umstieg in die Welt der Videos und des größeren Arbeitsfeldes des Multimedia-Journalismus. Das bietet sich ja beim parallelen Aufkommen der digitalen Spiegelreflexkameras mit Video an.

Da kommen dann die digitalen Fallen, in die sie sehr leicht tappen können. Doch der Reihe nach.

Ein Fotoreporter erzählte mir, dass er sich bei verschiedenen Tageszeitungen im englischsprachigen Raum vorgestellt hat. Alle (!) fragten ihn, ob er Fotos und Videos zusammen liefern könne, das sei die Anforderung der Zukunft – und zwar unbearbeitet. Dies führt offenkundig dazu, dass immer mehr nicht nur Foto sondern auch Video liefern. Damit sind sie zwar noch keine Multimedia-Journalisten, aber sie kommen in eine Welt voller neuer Probleme.

Über ein paar dieser digitalen Fallen will ich hier schreiben.

1. Die H.264 und MPEG Falle

Erstmals breit diskutiert wurde beim Erscheinen der neuen D7000 bei nikonrumors.com und kenrockwell.com mit anschließenden weltweiten Diskussionen folgendes: die Lizenz für die Nutzung der mit der Kamera erstellten Videos ist FOR THE PERSONAL AND NON-COMMERCIAL USE. Dies bedeutet, sie ist nur für den privaten Gebrauch. Sollten Filme oder das Rohmaterial, die damit erstellt werden, kommerziell genutzt werden, sind dafür Gebühren fällig. Dies führt dazu, dass einige sich die Handbücher anderer Fabrikate von anderen Herstellern wie Canon und Panasonic anschauten und zu denselben Schlüssen gekommen sind. Auf neunzehn72.de ist sehr schön dargestellt, wie man sich das von Seiten des MPEGLA vorstellt: wenn man als Enduser weniger als 100.000 Subscriber (ich würde mal Nutzer sagen) hat, dann zahlt man nichts, kommt man drüber, dann zwischen 25.000 und 250.000 Dollar. Parallel dazu scheint zu gelten, wenn man weniger als 12 Minuten am Stück filmt, dann zahlt man auch nichts, bei mehr als 12 Minuten gibt es zwei Abrechnungsmodi, prozentual oder per Stück (ich nehme an Aufruf). Am besten mal selbst nachlesen, mir ist das noch nicht so klar. Mitglieder dieses Konsortiums sind sehr viele bekannte Namen. Wenn man das zu Ende denkt, dann kann man auf den Gedanken kommen, dass in ein paar Jahren durch z.B. die Verlagerung aller Inhalte ins Internet auf Dienstleister, maschinelle Abrechnungssysteme kommen, die dann jeden Zugriff protokollieren und dann direkt abbuchen bei dem, der das Video ins Internet gesetzt hat. So würde man sich neue Quellen erschließen. Aber wie gesagt, das ist nur zu Ende gedacht.

Übrigens, 2011 hat nun Google beschlossen, dieses Problem ebenfalls zu lösen und wird bei Chrome den H.264 Standard nicht mehr unterstützen – warum wohl?

2. Die Urheberrechtsfalle

Gerade das Urheberrecht, welches in Deutschland wie überall auf der Welt, die Eigenheiten des nationalen Rechtssystems wiederspiegelt, ist Schutz und Sicherheit und Falle in diesem Zusammenhang zugleich. Man stelle sich vor, jemand, der bisher als Fotoreporter unterwegs war, macht nun auch Videos von den Interviewpartnern. (Interviewen muß man übrigens auch können und dies setzt völlig andere Fähigkeiten voraus als Fotografieren). Nun wird das Rohmaterial bei der Zeitung oder dem Onlinemagazin abgegeben. Dazu sagte mir ein erfahrener Filmer: „Gib nie dein Rohmaterial heraus.“ Er verwies darauf, dass man dann komplett in den Händen anderer ist. Wenn nun vom Schnitt her das Interview anders geschnitten wird als die Interviewten es wollten, dann könnte von dieser Seite Ärger kommen. Andersrum könnte im schlimmsten Fall der Auftraggeber sagen, sie haben uns zwar Material geliefert aber es fehlt genau das, was wir wollten. Daher gibt es kein Geld. Und es kann noch schlimmer kommen. Das Foto ist still, das Video hat die Dimension Audio. Audio wird vielfach unterschätzt. Man kann nicht einfach irgendwo ein Video aufnehmen und dabei spielt im Hintergrund lautstark ein moderner Musiktitel. Da steht man schnell mit einem Bein bei der Gema oder woanders auf der Liste, zumal wir ja über Videos schreiben, die kommerziell genutzt werden. Da der Fotoreporter aber der Urheber solcher Videos wäre, wäre die Redaktion frei von allen Ansprüchen – oder sehe ich das falsch?

3. Die Sozialversicherungsfalle

Bis heute ist es in Deutschland so, dass ein Reporter, egal ob Fotoreporter oder Textreporter, durch seinen Beruf die Möglichkeit hat, über die Künstlersozialkasse versichert zu sein. Dies bedeutet, diese Kasse zahlt den Arbeitgeberanteil am Sozialversicherungsbetrag. Wenn Rechnungen geschrieben werden, müssen Auftraggeber sich daran beteiligen. So ist das geregelt. Nun ändert sich ja massiv das Verhältnis von Print und Online.

Das führt dazu, dass auch neue Einnahmeformen erforderlich sind, um zu überleben. Auf medialdigital.de beantwortet der Steuerberater Rüdiger Schaar die Frage, ob man als Blogger Einnahmen aus Social Payments wie Flattr, aus Werbebannern, Google AdSense oder Affiliate-Netzwerken dem Finanzamt melden muss. Er kommt zu dem Schluß: “ Aus steuerlicher Sicht handelt es sich um eine nachhaltige Tätigkeit, die mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird. Und die ist steuerpflichtig! Der Journalist hat die Einnahmen deshalb als Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit zu versteuern. Dies bedeutet, dass ein freiberuflicher Journalist die Zahlungen als Betriebseinnahmen, zusätzlich zu seinen Texthonoraren, zu erfassen hat. Ein angestellter Journalist, der als Blogger nebenher tätig ist und Zahlungen erhält, ist gezwungen, die selbständige Tätigkeit beim Finanzamt anzuzeigen und den Gewinn zu erklären. Zu einer Versteuerung kommt es allerdings nur dann, wenn sein Gewinn über 410 Euro vorliegt. Darunter greift der sogenannte Härteausgleich, eine „Steuervergünstigung“ für Arbeitnehmer, die lediglich geringe Nebeneinkünfte erzielen.“ Ich empfehle auf medialdigital.de den gesamten Artikel zu lesen und die Kommentare. Das ist sehr informativ!

Das ist aber noch nicht alles. Wenn man bei der Künstlersozialkasse anruft und fragt, ob man dort noch versichert sein kann, wenn man auch Werbung mit Google-Anzeigen schaltet, dann habe zumindest ich im Gespräch ein klares Nein erhalten und ich scheine nicht allein zu sein. Rechtsanwalt Andri Jürgensen weist auf seinem ksk-blog.de im Mai 2010 dabei auf folgende Situation hin: „Im Falle eines Online-Journalisten, der Einkünfte über das Schalten von Werbeanzeigen erzielt, hat das Bundessozialgericht die Revision zugelassen. Sowohl das Landessozialgericht als auch das Sozialgericht in den Vorinstanzen haben dem Journalisten den Zutritt zur KSK verwehrt – weil er seine Einkünfte aus dem Vermieten von Werbeanzeigen verdiene, die neben den redaktionellen Texten geschaltet werden, nicht aus dem Verkauf seiner Texte.  Das sich die Medienwelt in den vergangenen zehn Jahren massiv gewandelt hat und es weltweit bislang kaum möglich ist, publizistische Inhalte im Internet gegen Geld zu verkaufen, hat die Richter nicht beeindruckt – genauer gesagt hatten sie sich damit gar nicht auseinandergesetzt. Sie stellten allein auf die formale Einordnung im Einkommensteuerbescheid ab. Dort aber wurden die Einnahmen aus den Werbeflächen als „Einkünfte aus Gewerbebetrieb“ eingestuft.“

Dies bedeutet im Klartext, wenn ein Fotoreporter auf seiner Internetseite bezahlte Werbung schaltet, dann kann es passieren, dass er sich mit dem Finanzamt und der Künstlersozialkasse aktiv auseinandersetzen muß.

(Nachtrag am 12.08.2011: Das ist mittlerweile vom Bundessozialgericht zugunsten des Online-Journalisten entschieden worden.)

Ich möchte mit diesen drei digitalen Fallen aufhören, die zeigen, wie genau man hingucken muß im digitalen Leben. Vor allem zeigt sich hier, dass die reale digitale Welt und die Welt der Gesetze und Verordnungen ziemlich stark auseinanderklaffen. Das deutsche Denken ist offenkundig noch völlig an dem Fotoreporter ausgerichtet, der angestellt oder frei seine Fotos verkauft und für jede Veröffentlichung Geld erhält. Die neue Welt taucht hier noch nicht als Teil des Ganzen auf. Insofern werden die nächsten Jahre spannend.