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Streetphotography als HDR Strassenfotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Neue Zeiten, neue Kameras.

Aber nicht alles ist neu.

  • Die Motivsuche,
  • der manchmal entscheidende Moment,
  • die Auswahl aus der Wirklichkeit

Diese drei Dinge muß man schon selbst suchen und/oder sehen.

Aber dann?

Dann fangen die neuen Zeiten an.

Dazu gehört die Aufnahme in HDR oder die nachträgliche Bearbeitung als HDR.

So kann auch die Strassenfotografie heute neue und ausdrucksvolle Bilder bieten, die die ausgewählten Motive noch mehr betonen.

Bei masterphotos finden Sie nun eine erste Sammlung von Fotos, die speziell und ungestellt als HDR aufgenommen oder später zur Betonung so farblich gestaltet wurden.

Wie man dort sieht spricht nichts gegen solche Streetfotos. Sie sind bunt und monochrom möglich und sehen jeweils auf ihre eigene Art ziemlich gut aus.

Drei Momente – Streetphotography zwischen HDR und ART

Straßenfotografie mit den vielen neuen Möglichkeiten der digitalen Kameras läßt Filter und Effekte zur Wirkung kommen. Das ist sehr schön und verleiht den Fotos einen neuen Ausdruck oder unterstreicht die Aussage in einem Foto.

1. Flow

So kann aus einem Moment auf der Treppe eine Art Zeichnung für die Ewigkeit entstehen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das war einer der Momente, in denen wirklich jede Sekunde zählt. Du gehst in einer Menschenmenge eine Treppe hinunter und mitten auf der Treppe haben es sich zwei jüngere Frauen gemütlich gemacht. Sie blocken fast den gesamten Fußgängerstrom ab. Entweder spielt in diesem Moment die Kamera und deine Reaktion mit oder die Situation ist vorbei.

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Foto: Michael Mahlke

Mir gelang es, diesen Moment festzuhalten in seiner Dynamik. Darüber hinaus hat gerade die monochrome Art für diesen Fall die Symbolkraft für die Gesamtheit dieser Situation. Die Menschen kennen sich nicht und bilden nur durch die Blockade der Frauen ein Kette der Bewegung. Diese Kette der Bewegung löst sich schon unterhalb der beiden Frauen auf und die Menschen verschwinden wieder in der Anonymität. Das wird durch die vergehenden Umrisse im Licht sehr deutlich. Während die zweite Person im Licht noch voll mit dem Kopf sichtbar ist und nur der Körper mit dem weißen T-Shirt schon im Licht verschwindet ist die erste Person nur noch als Schatten erkennbar.

Hier ist aber noch etwas wichtig: die Persönlichkeitsrechte. Keine Person ist identifizierbar, sie sind alle nur als Menschen erkennbar.

Das Problem ist auf einem anderen Foto leider nicht lösbar.

2. Angst

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier sieht man einen kleinen Jungen, der durch seine gesamte Körperhaltung Angst ausdrückt. Er ist zudem in eine Ecke gequetscht auf der Fußgängerzone. Damit aber nicht genug. Er hat auch die Angst in seinen Augen und in seinem Gesicht und die Dominanz der Erwachsenen, die man aus der aufgenommenen Perspektive sieht und seine eigene Kleinheit im Verhältnis dazu unterstreichen dies.

Und dann das Maschinengewehr – so als ob Waffen und Krieg spielen helfen gegen die Angst….

Im vorbeigehen sah ich die Angst und das Gewehr. Da der Junge aber erkennbar war, blieb mir nichts anderes übrig, als einen dicken schwarzen Balken über sein Gesicht zu ziehen, damit er nie erkannt werden kann.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto gefällt mir dennoch sehr gut, weil sogar mit Balken im Gesicht die Angst des Kindes durch die Körperhaltung sichtbar wird und der Versuch, sich mit dem Maschinengewehr irgendwie zu schützen. Und der Bildaufbau tut sein übriges. So kann ein monochromer Filter enorm gute Resultate erzielen.

3. Harmonie

Aber es geht auch in bunt mit HDR.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto  ist ebenfalls nur ein Moment gewesen. Es strahlt Ruhe aus und absolute Harmonie. Zugleich zeigt es die Verbundenheit zwischen Mensch und Tier und erinnert in diesem Moment daran, daß die beiden wie ein altes Ehepaar auf der Parkbank sitzen.

Ich finde es einfach wunderschön, weil es genau dies wiederspiegelt. Es wurde aufgenommen im HDR-Modus und zeigt damit auch die Elemente von Hitze und Schatten und der angenehmen Kühle.

Drei Fotos aus dem echten Leben und aus den letzten Wochen zeigen, was man heute mit wenig Aufwand machen kann. Wer den Moment sieht und dann die richtige Kamera hat, der kann auch solche Fotos machen.

Was die Fotos aus einem selbst dann machen, ob sie der Wahrnehmung des eigenen Leben dienen, ob sie dem Einüben der Achtsamkeit dienen oder ob sie als Ausstellungsobjekte dienen – das können Sie dann selbst entscheiden.

 

ct Digitale Fotografie 2/12 oder eine gelungene Mischung

Im Heise-Verlag ist eine neue Special-Ausgabe zum Theme digitale Fotografie erschienen. Obwohl ich eigentlich zwischen puren Büchern und reinem Internet pendel („richtig“: pendle), ist dieses Heft schon einige Bemerkungen wert.

Denn es gibt fundierte Einstiege in verschiedene Arbeitsbereiche der Fotografie. Das Thema HDR wird dort ebenso detailliert von Ralph Altmann besprochen wie das richtige Freistellen von Maike Jarsetz.

Dr. Klaus Peeck und Jobst-H. Kehrhahn besprechen aktuelle Kameras und es gibt viele Infos zum Thema Farbmanagement und Drucken von Reinhard Merz und Erich Baier.

Man findet in diesem Heft viele Namen von Autoren, die auch Bücher publiziert haben, gute Bücher. Und so verwundert es nicht, wenn man dieses Buchwissen als kompakte Workshops in diesem Heft angepasst wiederfindet.

Die ct steht für Qualität bei Informationen und so ist es auch in diesem Fall.

Aber das ist es nicht allein. Dem Heft liegt eine DVD bei und über bzw. mit der DVD erhalten sie komplette Bücher als kostenlose PDF-Dateien zum Runterladen, in diesem Fall die auf dem obigen Foto beschriebenen Bücher zum Farbmanagement und zur HDR-Fotografie.

Selbst wenn es sich um eine Zweitverwertung handeln sollte (was ich nicht weiß), ist dies doch nicht nur attraktiv sondern eine mehr als aufeinander abgestimmte Kombination von Informationen zur Fotografie auf verschiedenen Medien.

Die ct Digitale Fotografie zeigt, was journalistisch gelingen kann, wenn man Fachautoren, Journalisten, Büchermacher und Fotografen zusammenbringt, die ein Interesse an gutem Journalismus haben, bei dem zwischen der Werbung recherchierte und tiefe Informationen stecken.

Wer Interesse an diesen Informationen und Themen hat, der erhält für ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis sehr viel fotografisches Know-how und vergrößert dadurch seine fotografische Kompetenz.

Es macht richtig Spass über dieses Heft zu schreiben, weil es sehr vielfältig, anregend und tiefgehend informiert. Wer es sieht, sollte es einmal in die Hand nehmen und sich fragen, ob dies nicht eine gute Investition wäre.

 

 

Neue Themen im Land der Digitalfotografie

Foto: Michael Mahlke

Wenn sich die Dinge weiterentwickeln, dann ergeben sich auch neue Probleme, die gelöst werden müssen. Meiner persönlichen Meinung nach zeigen sich gerade einige als Elemente des digitalen Zeitgeistes, die neu beantwortet werden müssen:

1. Welche Rolle spielt Firmware von Digitalkameras für Testmagazine?

Der Fall der Fuji X10 ist aktuell ein gutes Beispiel. Genau dazu gibt es einen Hinweis im DSLR-Forum auf ein Zitat eines Mitarbeiters bei digitalkamera.de zum Problem der weissen Scheiben bei der Fuji X10: „Fujifilm will dieses Problem per Firmwareupdate beseitigen, also scheint es sich nicht um einen Hardwarefehler zu handeln und er wird nicht dauerhaft bleiben. Sobald er beseitigt ist, wird es niemanden mehr kümmern. Wir vergeben für die Tests unter anderem Testnoten und ein Testlogo, das sich hinterher nicht mehr ändern darf. Es steht genauso wie der Test für immer bzw. solange es diese Seite gibt im Internet und möglicherweise wird dieses Logo auch woanders zu sehen sein, z. B. auf der Herstellerseite, vielleicht wird es sogar auf dem Kamerakarton kleben. Da können wir doch nicht nach einem Firmwareupdate eine andere Testnote vergeben und dann sind zwei Logos im Umlauf. Ich vertraue in diesem Punkt dem Hersteller und das Problem würde mich nicht vom Kauf der Kamera abhalten und hält scheinbar auch andere Kunden nicht ab.“

Nichts gegen digitalkamera.de. Vielmehr Danke für diese Momentaufnahme. Manchmal sagt man ja Dinge, die helfen nach dem Aussprechen eine neue Position zu finden. Das könnte auch hier sein. Denn hier taucht ein Problem auf, das letztlich alle Testmagazine beantworten müssen. Und deshalb wende ich den Blick hin zu anderen Webseiten.

So findet sich beispielsweise im Focus ein Test, der das Problem mit keinem Wort erwähnt. Umgekehrt hat Cnet im Test das Problem der weissen Scheiben angesprochen, so dass klar ist, die Kamera hat noch Probleme, die gelöst werden müssen.

Inwiefern dies alles nun in Testergebnisse einfliessen könnte, kann man am Beispiel der Sony WX-1 bei dkamera.de sehen. Hier wurde der Prozesscharakter beim Testen dargestellt und es wurden Testergebnisse verändert nachdem sich die Messergebnisse verändert haben.

(Nachtrag: Mittlerweile ist bei dkamera.de ein Testbericht über die X10 erschienen, bei dem die weißen Scheiben als „Sensorfehler“ im Bericht angesprochen wurden und laut eigenen Angaben in die Bewertung einbezogen wurden, wobei ich das Ergebnis nicht verstehe.)

Doch davon abgesehen muss man natürlich auch fragen, welcher Test hat welchen Rahmen. Ein Test der Blooming und anderes in der Praxis austestet ist etwas anderes wie ein Test, der nur im Labor entsteht, ein Labortest eben und kein Praxistest.

Ich habe an anderer Stelle mit der Frage „Wo bleibt die Firmware?“ darauf hingewiesen, dass wir heute eigentlich von Software-Fotos sprechen müssen, wenn wir über Fotos aus einer Digitalkamera reden. Das wird irgendwann auch den Begriff Test neu definieren.

Leider hat das aktuelle Firmware-Update 1.03 der Fuji X10 das Problem aus Sicht vieler Anwender nicht gelöst, wie man in den einschlägigen Foren lesen kann. Daher muss natürlich die Frage zu stellen sein, was ich in einem Test schreibe.

Lasse ich solche  – aus meiner Sicht – erheblichen Einschränkungen für das Fotografieren weg oder weise ich in einem Test darauf hin und lasse dies in die Testergebnisse einfliessen?

Daher wird dieses Thema – unabhängig vom konkreten Fall der Fuji X10 – ein Thema bleiben.

2. Darf man HDR-Fotos im Fotojournalismus benutzen?

Diese Frage wurde bei dpreview diskutiert. Während Photoshopping bisher einfach vielfach praktiziert wurde, ist dies bei HDR-Fotos offenkundig noch anders.

Aber warum eigentlich? Wer die Diskussion verfolgt hat, der merkte schnell, dass es auf den Blickwinkel ankommt. Da HDR-Fotos Sachverhalte nicht verändern sondern nur die Wahrnehmung der Farben für das menschliche Auge optimieren – so einige Diskutanten -, gibt es aus erzählerischer Sicht  keinen Grund, der gegen HDR im Journalismus spricht.

Andererseits gibt es die Sichtweise, dass der Moment der dokumentarischen Fotografie durch mehrere hintereinander aufgenommene Fotos, aus denen dann ein einziges Foto erstellt wird, nicht mehr authentisch ist.

Da neue Kameras zum Teil sofort mehrere Fotos aufnehmen und zu einem verrechnen, ist dies schwierig bei der Aufstellung von Kriterien für „echte“ und „unechte“ Fotos.

Darauf wird die praktizierte und akzeptierte Dokumentarfotografie eine Antwort geben müssen.

Umgekehrt könnte man aber auch sagen, dass Schwarzweissfotos nie eine Situation „echt“ wiedergegeben haben, weil die Fotos eben nicht (farb)-identisch mit der Situation waren. Aber stimmt das Argument?

Hier kommen Fragen auf, die auch zu einem neuen Selbstverständnis führen werden und wahrscheinlich unterschiedlich in der Betrachtung bleiben.

3. Welche Qualitätskriterien gibt es für Fotografie-Seminare?

Bei den einschlägigen Seiten für Fotokurse und Seminare wird man mittlerweile von Angeboten erschlagen. Aber ich habe mittlerweile zu oft erlebt, dass Fotografen oft glauben, wer mit einer Kamera umgehen kann, der kann auch unterrichten. Und dies geht sehr oft schief.

Didaktik und Methodik muss man eigentlich an einer Uni lernen. Das setzt das Wissen um die verschiedenen Lerntechniken, die verschiedenen Arten von Intelligenz, die Psychologie des Lernens, Gruppendynamik und vieles mehr voraus. Nur so kann ich Fragen beantworten wie die, mit welchen Methoden ich in welcher Gruppe am besten arbeite und welche Inhalte ich warum auswähle.

Aufgrund eigener Erfahrungen bin ich von Fotokursen ziemlich enttäuscht. Um ein Beispiel für gute Arbeit zu nennen muß ich rückblickend sagen, die besten (Wochen-)Kurse habe ich an der Akademie Remscheid erlebt.

Ich will dies einmal an einem Beispiel deutlich machen. Dort wurde zu einem Kurs zum Thema Porträtfotografie eingeladen. Alle Teilnehmer (6-8 max. 10) mussten vorher klar mitteilen, wo sie stehen und was sie können. In dem Seminar wurde nicht nur eine historische und aktuelle Einführung gegeben sondern danach erhielten alle Teilnehmer mehrere Aufgaben. Sie mussten sich gegenseitig porträtieren, was gut für die Gruppenbildung war. Später musste man für eine gewisse Zeit eine Person in der Arbeitswelt begleiten (mehrere Tage). Dazu waren die Personen vorher angesprochen worden, z.B. ein Künstler, eine Unternehmerin, eine Ladenbesitzerin, ein Sozialarbeiter, ein Förster etc.

Das war wichtig, weil Fotografie heute nicht mehr im luftleeren Raum arbeitet, sondern Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, Datenschutz (!), Rechte an Produktabbildungen, fotografische Möglichkeiten und vieles mehr besprochen werden mussten.

Die zu Porträtierenden mussten ja auch in einem Vorgespräch ihre Erwartungen, den Umgang miteinander und einiges mehr klären. So entstand ein Seminar, das dann nach den Aufnahmen mehrere Tage Zeit in Anspruch nahm, um die Fotos zu bearbeiten, eine Geschichte daraus zu machen und diese dann untereinander zu präsentieren und später in einer Ausstellung zu zeigen, zu der alle Beteiligten eingeladen waren. Es war auch viel Arbeit für die beteiligten Dozentinnen und Fotografen.

Das war ein sehr gutes Seminar, didaktisch und methodisch hervorragend aufbereitet und für alle Beteiligten eine intensive Qualifizierung. Natürlich kostet dies auch Geld, aber das ist ein Investition gewesen, die sich fotografisch lebenslang auszahlt.

Danach habe ich mehrere Seminare im weiten Bereich Fotojournalismus erlebt, die von Fotografen meiner Meinung nach ohne didaktische und methodische Kenntnisse durchgeführt wurden. Je größer die Namen in der Fotoszene, je teurer, desto – na ja.

Dort wurde z.B. erklärt, wenn man zu dem Seminar komme, müsse man selber schon dafür gesorgt haben, dass an dem Seminarort eine Person ist, die man porträtieren kann (!). Die Seminare hatten i.d.R. zwischen 12 und 18 Teilnehmern. Es waren keine klaren Kenntnisse über die Teilnehmer vorhanden. Nach dem Motto „Learning by doing“ wurde man dort in unstrukturierte Überarbeitungssituationen gebracht. Darauf angeprochen war die Antwort meistens, dass dies ja sonst auch so sei.

Mitnichten, denn gerade ein Seminar soll ja Lernsituationen schaffen, die förderlich sind für das Thema und die Teilnehmer sollen sich auf das Thema konzentrieren können. Die Seminarleiter und Dozenten müssen eigentlich die Arbeit vorbereiten und die Gruppen müssen so klein sein, dass ein gemeinsames Lernen möglich ist. Das ist bei 12 und mehr Personen in solchen Seminaren nicht der Fall.

Dies ist natürlich nur ein skizzenhafter Einblick. Aber ich wollte zumindest deutlich machen, dass hier mittlerweile ein grosser Markt entstanden ist, der gutes Lernen oft nicht möglich macht. Aber wie gesagt, es gibt auch Qualität und dies nicht nur in der Akademie Remscheid sondern auch an anderen Stellen. Aber man soll auch Beispiele für gute Arbeit nennen. Deshalb wollte ich zeigen, dass gute Kurse nicht unbedingt nur in den grössten Städten zu finden sind sondern eher abseits der Hauptstrassen…

Fazit

Die digitale Welt verändert sich ununterbrochen. Daher müssen transparente Überlegungen, klare Kriterien und klare Grenzen in vielen Bereichen entwickelt werden. Und diese müssen verändert werden, wenn sich die Voraussetzungen ändern.

Dies erleben wir gerade. Drei Bereiche habe ich rausgegriffen. Die Fotografie und das, was daraus wird, entsteht und entwickelt sich auch im Kopf und wenn auch nur als Reaktion auf Veränderungen in der Technik. Deshalb lohnt es sich, solche Entwicklungen in Worte zu fassen, darüber zu schreiben und darüber nachzudenken.

In diesem Sinne

Software-Fotos und das Scheitern von Labortests – der neue Trend

ein zusammengerechnetes Foto bei wenig Licht - Foto: Michael Mahlke

RAW ist nicht Roh

Es ist schon länger bekannt, dass selbst RAW-Fotos schon bearbeitet sind.

Aber während diese digitalen Ergebnisse noch einigermassen „roh“ sind, ist fast alles danach mittlerweile ein Ergebnis ausgeklügelter Software. Wenn man sich „fertige“ JPGs anschaut, dann kann man u.a. folgende Tendenzen feststellen:

  • Verzeichnungen durch Objektive werden rausgerechnet, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Dunkle Stellen werden durch Lightning-Funktionen (Erhellen) aufgehellt, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Durch HDR-Funktionen werden mehrere unterschiedlich belichtete Fotos zu einem Foto zusammengerechnet, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Bei schlechtem Licht wird „DSLR-Qualität“ einfach durch das Zusammenrechnen eines Fotos aus mehreren Einzelfotos erzielt, bevor das JPG gespeichert wird.
  • In den EXR-Modi wird durch Software Licht und Schatten erzeugt ohne das z.T. Eingriffe möglich sind.

So übernimmt immer mehr Software den Versuch, das „Gelingen“ von Fotos zu garantieren. Auch hier ist das Verlassen auf die Technik in eine neue Dimension gekommen, die weit über das pure Einfangen einer Situation hinausgeht. Das muß nicht schlecht sein.

Ohne Software keine Fotos

Aber es ist eine neue Zeit, die dadurch eingeläutet wurde. Es ist die Zeit der Software-Fotos. Software und Fotos gehören untrennbar zusammen. Umgekehrt könnte man auch sagen ohne Software keine Fotos.

Firmware als neue Lösung

Einer der Vorteile dieser Lösung ist ja die Möglichkeit der Firmware-Updates. Das ist Software, die das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten einer Kamera (Sensor, Prozessor, Linsen) beeinflusst. Da ein Software-Update weltweit die Möglichkeit bietet, preiswert die Kunden ohne grossen Aufwand zu erreichen, ist dies eine kluge Sache.

Aber heute ist es so, dass einige Unternehmen lieber nach ein paar Monaten neue Kameras auf den Markt bringen statt die bisherigen Modelle einfach von Fehlern oder Ungereimtheiten zu befreien.

Das Scheitern von Labortests

Neue Kameras werden von verschiedenen Magazinen getestet, um sie in Bestenlisten einzuordnen und um Verkaufsentscheidungen zu geben/beeinflussen. Dies wird zunehmend schwerer. Allerdings behalten Tests wie z.B. der von DxO für die traditionellen Messungen ihre Gültigkeit. Aber in meinen Augen sind die traditionellen Messfaktoren zunehmend nicht mehr allein relevant für Aussagen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer Kamera.

Als Sony z.B. mit der WX1 und Fuji mit der F200EXR auf den Markt kamen, konnte man merken, dass etwas nicht mehr stimmt bzw. bewertet werden kann in der bisherigen Form. Da wurden neue Modi angeboten, um Fotos bei schlechtem Licht durch das Zusammenrechnen mehrer Aufnahmen zu einem Foto oder durch das Zusammenlegen mehrerer Sensorpixel zu verbessern. In den Magazinen wurden aber meistens nur die bisherigen Einfachaufnahmen getestet.

Das Ergebnis war klar: die Werte waren nicht so toll. Hätte man die neuen Fotos genommen, wären die Werte eventuell anders gewesen. Dieses Problem setzt sich aktuell fort. Und normalerweilse müsste auch nach jedem Firmware-Update eine Kamera neu getestet werden. Aber umgekehrt reichen den meisten Lesern die einfachen Tests.

Und wer Goethe kennt, der erinnert sich vielleicht an den Satz „Die Anschauung ist die Grundlage jeder Erkenntnis.“ Aber es geht auch ohne Goethe, denn dies bedeutet auf gut Deutsch, man gehe in einen Fotoladen und nehme die Kamera in die Hand, probiere sie aus und entscheide sich dann.

Die Fotoformel

Und wenn man zuguterletzt statt einer Rentenformel eine Fotografieformel entwerfen wollte, dann könnte diese folgendermassen aussehen:

Sensor + Software + Optik / Können des Fotografierenden = Foto