Tag Archive for Handy

Wann ist eine Digitalkamera eigentlich „alt“?

In dem Film „Kaufen für die Müllhalde“ zeigen die Autorinnen und Autoren am Beispiel eines Druckers, wie ein gutes Produkt zum Müll wird.

Hier geht es zwar nicht um Drucker sondern um Digitalkameras.  Aber in in diesem Jahr sind hunderte von neuen Kameras auf den Markt gekommen und im Herbst steht sogar noch die Photokina vor der Tür mit noch mehr Neuerungen.

Angeregt durch den Film möchte ich daher die Frage stellen, was heute unter „alt“ verstanden wird.

Produktlebenszyklus

Im Film empfehle ich besonders ab der 40. Minute zu schauen. Dort geht es um den Produktlebenszyklus, den der Auftraggeber bestimmt. Und ab der 55. Minute wird der ganze Elektroschrott als sog. „Gebrauchtwaren“ in die dritte Welt exportiert.

Was hat das nun mit „alt“ zu tun?

Eine Menge in meinen Augen. Meiner Erfahrung nach sind ältere Digitalkameras weniger als Lifestyleprodukte und mehr als dauerhaft technische Geräte konstruiert worden. Das hat sich vielleicht z.T. mittlerweile geändert.

Früher war eine analoge Kamera und später eine Digitalkamera „alt“, wenn sie kaputt war. Heute ist eine Digitalkamera „alt“, wenn ein neues Modell auf dem Markt ist.

Mit dem Zweck der Kamera – dem Fotografieren – hat das dann eigentlich nichts mehr zu tun.

  • Als die älteren Kompaktkameras durch neuere ersetzt wurden, fehlte fast überall der optische Sucher. Für mich waren damit die neueren Kompaktkameras schlechter als die älteren Digitalkameras.
  • Durch die Nutzung neuer Verbindungstechniken ist vieles nicht mehr so dauerhaft wie früher

Ältere Digitalkameras sind daher nicht automatisch schlechter als neue Modelle, sie sind anders. Deshalb sollte man sich immer wieder die Frage stellen, ob sich ein Neukauf lohnt.

Das Neue ist der Feind des Guten

Offenkundig ist es also falsch, „alt“ mit schlechter und „neu“ mit besser zu verwechseln. Vielmehr kommt es darauf an, was ich wofür brauche.

  • Wer im Vollformat im absoluten Lowlight bewegte Objekte ohne Blitz fotografieren will, der braucht mehr als die alte Canon EOS 5D. Wer aber mit Stativ fotografieren will oder tagsüber, der braucht keinesfalls mehr.
  • Aktuell erleben wir ja die Wiedergeburt der 2/3 oder 1 Zoll Chips in Kompaktkameras. Die gab es schon einmal. Wer z.B. noch eine Nikon Coolpix 8400 hat, der kann damit ebenso gute Fotos machen wie mit neueren Kameras.
  • Zudem haben wir als Menschen biologische Grenzen, die immer mehr Megapixel sinnlos erscheinen lassen

Aber es gibt bei dieser Frage noch eine Dimension, die Handydimension.

Die Handydimension

Seit 15 Jahren benutze ich Handys und früher bekam man ja alle zwei Jahre ein neues Handy von seinem Provider. Alle meine alten Handys funktionieren noch. Nicht eins ist bis heute kaputt.

Die neuen Handys sind Lifestyleprodukte, die dann als gut bewertet werden, wenn sie noch größere Displays, noch leistungsfähigere Prozessoren und noch bessere Digitalkameras und Klangqualitäten haben. Wie lange halten diese Handys wohl durch?

Da gerade die Digitalkameras in den Handys immer besser werden (braucht man das?), ist die Überlegung angebracht, wie viel denn ein solches Handy kosten soll, wenn es sich um ein nicht für lange Haltbarkeit konstruiertes Lifestylemodell handelt.

Bei Lifestyleprodukten scheint es ja entscheidend, dass sie neu sind.  Es ist eben technische Mode. Daher werden die Antworten unterschiedlich ausfallen, je nach Geldbeutel und Interesse.

Und es kommt offenbar auf den Gebrauchswert an. Will ich es gebrauchen, weil es funktioniert oder will ich es gebrauchen, um Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren? Das beeinflusst Kaufentscheidungen.

Alt ist also nicht dasselbe wie früher. Damit ist eigentlich heute alles „alt“ und nur noch das gerade Neueste nicht. So leben wir denn in einer technisch und sozial völlig alten Welt, wenn man es aus dieser Warte sehen will – muß man aber nicht.

In diesem Sinne

Neue Fotografie – reicht zukünftig die Handy-Qualität als Standard für Medien?

M. Mahlke

M. Mahlke

Wenn man einen sehr interessanten Artikel bei heise.de gedanklich weiterdenkt, dann reicht zukünftig ein Iphone, ein Samsung, ein Nokia oder anderes Handy, um Reportagefotos von Kriegsschauplätzen und „Fotokunst“  zu erstellen, zu verkaufen und damit sogar Ausstellungen zu machen.

Die aktuelle Aufnahmequalität von Handys

Die Bildaufnahmequalität des Samsung Galaxy S3  und des Iphone 4 und der Iphones und einiger Kameras wurde ja schon mehrfach getestet, wobei nicht alle Tests echte Tests sind. Und die schiere Zunahme an Handyfotos, die auch dokumentierbar ist, tut ihr Übriges.

Allerdings hat die Kameratechnik im Nokia Pureview 808 das Zeug dazu, ernsthaft ein Handy mit dieser Technik für bestimmte (nicht alle) fotografische Zwecke zu nutzen, zumal es besser als die Lumix LX5 zu sein scheint.

Beispiele für die Qualität der Fotos habe ich hier gefunden, einen Vergleich zwischen dem Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview hier und einen Vergleich mit einer Olympus Pen hier.

(Nachtrag: Jetzt hat auch dpreview einen Vergleich mit Digitalkameras online, der sehr gut ist.)

Dabei kann man in den von mir verlinkten Quellen sehen, dass die Bildqualität der eingebauten Kamera für ein Smartphone hervorragend zu sein scheint und besser als bei vielen Digitalkameras, aber die Telefoneigenschaften von anderen Smartphones z.T. als besser beurteilt werden. Ich finde z.B. nach dem Anschauen des Videos mit dem Vergleich zwischen dem Samsung Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview, dass das Betrachten von Webseiten auf dem Samsung wesentlich besser gelöst ist.

Fototherapie

Doch zurück zum Artikel. Der Artikel ist eigentlich ein Interview, das Daniela Zinser für seen.by geführt hat (und welches dann Jobst H- Kehrhahn? in einen Artikel gegossen hat).

Der Artikel beschreibt den Tod von Kriegsreportern, das Überleben und das Iphone als Halt in einer psychologisch schwierigen Situation. Und dann in der Folge die Fotos, die nun als Objekte und eventuell als Verkaufsprodukte eine Rolle spielen.

Fotografie kann eine gute Therapie sein, wie ich schon an anderer Stelle ausgeführt habe und ich denke, dass es sich hier um ein Musterbeispiel für eine Fototherapie handelt.

Zugleich ist aber die Wirkung der Fotos erstaunlich hoch. Im Museum of Fine Arts in Houston gibt es damit eine Ausstellung und seen.by als Unternehmen, das Fotokunst verkauft, engagiert sich offenkundig stark in diesem Bereich.

Ziemlich abenteuerlich finde ich aber folgende Aussage aus dem Artikel des Fotografen Brown: „Es (das Iphone) ist weniger im Weg und man ist freier, auch wenn die iPhone-Kamera viel langsamer ist als die andere, weil man mit Hipstamatic nur neun Fotos machen kann bevor man ein paar Minuten warten muss, während Hipstamatic alles verarbeitet. Man muss sich stärker überlegen, warum und was man fotografieren will, und weniger, wie man es technisch machen will.“

Wegen der Hipstamatic Software muss man sich überlegen, warum und was man fotografieren will – nicht wegen des richtigen Motivs oder des richtigen Moments?!

Das ist eben neues Denken. Dies muss man anerkennen aber nicht übernehmen und damit weiter im Text.

Handyfotos als Objekte für Kunst und Kapital?

Wenn ich nun den Gedankenkern des Artikels verlasse und nach vorne blicke, dann wird gerade ein neues Kapitel im Buch der professionellen Fotografie und der Fotokunst aufgeschlagen. Wenn man das zu Ende denkt, dann ist es Fakt, dass ein Handy und ein kleines Softwareprogramm, welches automatisch arbeitet, ausreichen, um zunehmend erfolgreich in Bereichen des Marktes professioneller Kameraprodukte zu sein.

Und das hängt dann weniger an den bisherigen professionellen Produkten, die technisch zweifellos sehr gut sind, sondern vielmehr an geänderten Ansprüchen und Interessen.

Wenn z.B. statt besserer Technik mehr Lifestyle gefragt ist und heute die Technik vielfach ihren Grenznutzen kaum noch erhöhen kann, dann wird es eben schwierig. Und niemand braucht Handschuhe für sieben Finger, wenn er nur fünf Finger hat.

Ich möchte dies aber noch an einem anderen Beispiel zeigen.

Linke Hand und rechte Hand

So gut wie alle Kameras sind für die Bedienung mit der rechten Hand ausgelegt. Eigentlich alle Handys können mühelos mit der linken und mit der rechten Hand bedient werden. Alle Linkshänder sind also systematisch jahrzehntelang von der Kameraindustrie ausgegrenzt worden. Bei den Handys nie. Und nun werden die Bilder durch neue Sensoren in den Handys immer besser….

Der Markt bestimmt ?!

Wenn wir mal das Vokabular der Deregulierer nutzen, dann würde ich davon sprechen, dass der Markt bestimmt, was als Qualität gilt und was nachgefragt wird (wobei dies bitte niemand ungefragt übernimmt!).

Deshalb ist es offenkundig so, dass die Masse an Fotos und die Tyrannei des Augenblicks mit ihrem abnehmendem Grenznutzen auch den Umgang mit Fotos verändert.

So setzt sich  dieses Thema fort und wird neue soziale und visuelle Gebrauchsweisen im Alltag und im Bereich von Fotografie als Ware etablieren.

Das Projekt Fotomonat dient dazu, die Phase des Übergangs zu begleiten und die Veränderungen der Fotografie von der analogen Technik und ihren Gebrauchweisen bis zu den digitalen Techniken und ihren Gebrauchsweisen aufzuzeigen. Daneben entsteht nun eine neue digitale Welt.

Zwischen Fotomonat zum Filtermix

Da enden dann die Themen von Fotomonat mit der klassischen Fotografie. Die neuen Trends der nächsten Jahre erfordern neue Wege.

Wenn man analog und digital denkt, kann man es so einteilen:

  • Aufnahmen sind mit technischen Geräten festgehaltene Inhalte.
  • Fotografien sind gestaltete Aufnahmen.
  • Bilder sind der Oberbegriff. Das können  Fotografien,  Grafiken und Malereien sein, also im Prinzip alles, was irgendwie erstellt wird, analog und digital.

Wenn man digital denkt, gibt es gute Gründe

  • als absoluten Oberbegriff die Grafik zu nehmen und alles darunter als verschiedene Formen von Grafiken,
  • erstellt als Foto,
  • erstellt als digitale Malerei = Bild,
  • erstellt als Logo.

Abgesehen davon wird sich die Begrifflichkeit sowieso noch weiterentwickeln. Und überall wird digital gefiltert, während der Produktion der Fotos ebenso wie danach.

Das Wort Foto wird zudem für alles eingesetzt werden, was aufgenommen wird. Aber dennoch lohnt es sich, Begriffe auch differenziert zu analysieren, weil es faktisch ja Unterschiede gibt, die dann auch ein entsprechend differenziertes Vokabular benötigen.

Der wachsende Trend

Und ein wachsender und immer stärker werdender Trend sieht so aus:

  • neben guten Büchern kommen immer mehr Buch-Apps für Handys und Smartphones,
  • neben Fotos mit persönlicher Note und digitaler Handschrift treten immer mehr Handyfotos mit automatisierter Bearbeitung,
  • und die sozialen Gebrauchsweisen wenden sich diesem Trend immer mehr zu, wie man auch hier sehen kann.

Es gibt einen wachsenden Anteil von immer mehr Menschen,

  • deren soziale Gebrauchsweisen,
  • deren visuelles Wahrnehmen und
  • deren fotografisches Verständnis sich dorthin entwickelt.

Meine persönliche Sicht

Es gibt immer parallele Welten, nur die dominierenden Trends wechseln.

Ich mag z.B. immer noch die Sucherfotografie und ein Handy mit Sucher gibt es nicht. Ich mag gute Sucherkameras wie z.B. die Fuji X100 und die Fuji X10 und ich habe gar kein Interesse daran, meine Sucherfotografie durch ein Handy abzulösen, weil schon das eigene Gestalten der Aufnahme mir gefällt.

Handys banalisieren

Ich persönlich finde auch, dass das Handy das Aufnehmen banalisiert in Fortsetzung des Monitors auf aktuellen Digitalkameras. Aber auch dies entspricht sicher nicht der Mehrheitsmeinung.

Doch die Zukunft gehört wohl mehrheitlich dem Hinhalten und Abdrücken und weniger dem vorherigen Hinschauen und Gestalten. Das meine ich aber nicht negativ sondern lediglich beschreibend. Menschen orientieren sich sowieso primär an Bildern und erst später an Texten.

Bilderkommunikation

Vor der Schrift gab es die Malerei und vor dem Text gibt es nun die digitale Aufnahme. So sind Bilder vom Handy heute der schnellste Weg der nonverbalen Kommunikation, schneller als jede SMS und schneller als jeder Text und wahrscheinlich auch jede verbale Kommunikation.

Man kann die Augen nicht davor verschliessen, dass die Massstäbe sich gerade verändern und erweitern. Das ist unübersehbar. Welche Auswirkungen dies alles auf Fotoagenturen und Magazine haben wird, werden wir sehen. Aber die zunehmende Integration in die Onlinemedien spricht für Veränderungen.

Alles wie früher

Für mich bleibt allerdings eine Erfahrung. Vor ein paar Jahren habe ich mit einem Sony-Ericsson Handy und einer 3,2 Megapixelkamera direkt Fotos online auf flickr hochgeladen. Ich konnte so massenhaft Fotos machen, aber es waren eben nie gestaltete Fotos. Sie waren so wie heute die Fotos in den Kameras auch noch sind.

Damals gab es noch keine Apps mit digitalen Filtern. Aber die hätten auch nicht viel genutzt. Und letztlich habe ich dies alles beendet, weil ich damit keine Fotos so hinbekam wie sie mir gefielen und weil die massenhafte Fotoproduktion weder sinnvoll noch befriedigend war. Das hat sich bei den heutigen Handys nicht geändert.

Gebrauchswert steigt

Nur wenn es um ganz praktische Fragen ging wie das Zeigen von Waren, Dokumenten – also der Gebrauchswert hoch war – machte dies alles Sinn. Aber hier ist dann schon der veränderte Anspruch an den Umgang mit Fotografie sichtbar, meinerseits und andererseits.

So endet dieser Artikel für mich mit der Frage: Wer fotografiert hat mehr vom Leben – ob das beim Handy noch gilt?

Text 1.3

 

 

Fotos am Strand oder womit wird heute fotografiert?

Video mit dem Ipad am Strand - Foto: Michael Mahlke

Bei 30 Grad im Schatten habe ich echt einen gesehen. Er trug dicke Schuhe, eine kurze Hose, eine Weste und eine Kappe und ein dickes Einbeinstativ mit einer grossen DSLR-Kamera und einem bestimmt 3 bis 4 Kilo schwerem Objektiv. Es war einer.

Alle anderen, die ich am Meer getroffen habe, fotografierten anders. Bikini oder Badehose und Fotografieren mit dem Handy. An zweiter Stelle das Ipad und viel später und viel weniger waren es dann kleine Kompaktkameras.

Spezielle Outdoorkameras habe ich gar keine gesehen.

So entdeckte ich bei meinen fotografischen Beobachtungen klare Prioritäten. Die Menschen nehmen das Handy mit und machen damit auch Fotos. Videos waren mit dem Ipad sehr beliebt und alles andere kam unter später liefen…..

Viele Menschen ohne Arbeit - Foto: Michael Mahlke

Mir ist klar, wohin die fotografische Reise geht: zum Handy oder Smartphone mit Kamera und Multimedia-Designgeräten, die auch strandtauglich sind. Fotografie als Alltagselement wird zunehmend über das Handy definiert.

Wobei ich damit überhaupt nicht zurecht kam, weil ich auf den Displays nur wenig bis nichts sehen konnte. Aber wie man sieht, stört viele es auch nicht, wenn man nichts sieht. Es reicht das Hinhalten in die Richtung, das Auslösen und das Vertrauen in die Technik.

So entscheiden die Käufer über die Richtung, in die sich der Markt entwickelt.

Text Version 1.1

Fotografie zwischen Algorithmus und App – und ohne Grenzen?

Haare und Blicke – Foto: Michael Mahlke

Persönliche Beobachtungen und Einschätzungen

Wir leben in einer fotografisch spannenden Zeit. Weil immer mehr von der Hardware auf die Software verlagert wird, verschmelzen immer mehr Bereiche. Es entsteht die digitale Softwarewelt. Dies hat Auswirkungen auf das Fotografieren und das Entstehen von Fotos. Die aktuelle Zeit scheint ein Meilenstein in dieser Veränderung zu werden.

Das Nokia 808 PureView

Symbol für die neue Zeit ist das Nokia 808 PureView. Das Handy setzt auch fotografisch neue Massstäbe und wird in meinen Augen den Wechsel von der Kompaktkamera zum Handy mit integrierter Kompaktkamera beschleunigen, zumal es im Gegensatz zur Kamera für Rechts- und Linkshänder gleichermassen geeignet ist.

Und es ist eben nicht nur eine Kamera sondern eine neue Technik für das Aufnehmen, die neue Wege nutzt. Durch Software Algorithmen wird  es möglich, Pixel zu bündeln und Fotos auf neuem Weg entstehen zu lassen, die scharf und klar sind. Algorithmen sind auch in Apps und sie haben etwas miteinander zu tun.

Die Apps

Am Anfang war das Programm, das Software-Programm. Wenn wir mit den DOS-Rechnern anfangen, dann gab es dort ein Betriebssystem, MS-DOS. Dieses Betriebssystem bestand aus einer Reihe von Programmen, die alle eine spezielle Aufgabe hatten. Eins regelte das Zusammenspiel von Tastatur und Zentraleinheit, ein anderes sorgte für die Zeichen am Bildschirm, das Programm Format.exe ist sicherlich auch noch einigen bekannt usw.

Was das Betriebssystem nicht hatte, wurde von Dritten angeboten. Spezielle Software zum Schreiben, Rechnen, Drucken etc. Darauf aufbauend entwickelte sich eine ganze Softwareindustrie und so wurde das Betriebssystem DOS immer flexibler.

Das gleiche Spiel erlebten wir bei Windows und später bei MACs. Aber diese Betriebssysteme boten immer mehr Programme schon direkt dabei an, integriert. Als die Prozessoren immer schneller wurden und die Rechner immer kleiner und dann der Rechner mit dem Handy verschmolz entstand wiederum die App.

Programm = Applikation = App – so einfach ist das. Nun gibt es Millionen von Apps für immer mehr Dinge, einige sind kostenlos erhältlich gegen Nutzung der Anwenderdaten, andere muss man kaufen.

Der Algorithmus

Jürgen A. Lamers hat einmal geschrieben: „Die Zutaten sind die Eingabe (Input) des Prozesses, der Kuchen ist die Ausgabe (Output) und das Rezept der Algorithmus.“

Auf informatikjahr.de finden wir den Satz: „Algorithmen sind clevere Verfahren, Probleme verschiedenster Art effizient lösen.“

Wenn es ein Wort geben würde, das die aktuelle Situation in unserer Zeit bezogen auf unser Thema zusammenfasst, dann ist dies in meinen Augen der Algorithmus.

Denn die Algorithmen sind das Herz jeder modernen Technik und sie regeln letztlich alles in diesem Bereich.

Sie sind die Grundlage für jede App und sie sind auch die Grundlage für die neue Technik des Fotografierens.

Sie können uns das Leben leichter machen. Diesen Fall erleben wir gerade. Das Fotografieren und das Erstellen von Fotos kommt in eine neue Dimension. Die nächsten Jahre werden dabei ebenso umwälzend sein wie die Erfindung des Buchdrucks es war.

Und wir sind mittendrin in dieser Zeit. Wir sind Zeitgenossen und leben und erleben diesen Teil der neuen Technik.

Der Kampf der Sensoren

Was haben wir nicht alles für Sensoren in der letzten Zeit kennengelernt. BSI und EXR sollten schon die Technik revolutionieren. Und dieses Jahr sind schon sehr viele neue Kameras herausgekommen oder angekündigt worden, die das Fotografieren mit noch besseren Fotos ermöglichen sollen.

Besser ist nicht immer mehr. Und mehr ist oft weniger. Und manchmal ist mehr anders.

Die meisten Menschen haben heute neben einem Portemonaie = Geldbeutel und einem Schlüssel ein Handy dabei. Das Portemonaie, neudeutsch Portmonee, soll ja abgeschafft werden, weil mit dem Handy bezahlt werden soll. Mit solchen Ansätzen wird der Kampf um das Handy einer der Schlüsselkämpfe des 21. Jhrdts. werden.

Früher war der Kampf um das Wohnzimmer der Schlüsselkampf. Welcher Fernseher, in welcher Größe und mit welchen Programmen war die Frage? So ähnlich wird es jetzt wohl beim Kampf um das Handy werden.

Und wenn das Handy der Ort zum Bezahlen, zum Fotografieren und zum Kommunizieren wird, dann ist klar, was geschieht. Es ist der Kampf um die Schlüssel zur Zukunft. Denn es ist der Ort, an dem das Geld verdient werden kann. Noch mehr, noch individueller und noch längerfristiger.

(Obwohl dies ein Artikel zum Thema Fotografie ist, will ich doch darauf hinweisen, dass der Kampf um das Handy mehr ist. Es ist ein Kampf um Kontrolle und Macht, politisch, sozial und ökonomisch.  Aber dies hier nur am Rande.)

Die Blog-Fotografie

Wenn ich mir einige neuere Blogs anschaue, dann fällt mir auf, daß immer mehr fotografiert wird. Und zwar mit dem Handy. Und diese Fotos werden per Instagram oder anderer Software als Photo-Sharing/Foto-Verteilung täglich eingestellt.

Also, ich weiß nicht. Warum sollte man so viel Zeit dafür aufwenden, sich durch hunderte dieser banalen Fotos zu wühlen? Abgesehen davon scheinen nicht wenige davon die Rechte Dritter zu verletzen.

Wer da viel Streetfotografie per Handy macht, der sollte vielleicht mal ein Buch zum Thema Fotografie und Recht lesen.

So werden auch noch andere als nur visuelle und mediale Kompetenzen für den Umgang mit digitaler Fotografie erforderlich werden.

Und hier zeigt sich auch mal wieder, daß der Schutz der Persönlichkeit immer wieder neu erfunden werden muß. Nur weil man technisch so vieles kann bedeutet dies nicht, dass man deshalb damit auch alles machen darf. Die Zukunft der Privatsphäre liegt gerade darin, dass man sie im digitalen Zeitalter neu schafft und nicht abschafft. Zu den Menschenrechten gehört das Recht auf  Privatsphäre auch ausserhalb der eigenen Wohnung. Und draussen ist übrigens auch nicht gleich Öffentlichkeit.

Bis zum Tod

Ich schreibe dies bewusst, weil es mittlerweile immer mehr Trauer-Webseiten gibt, bei denen man eigene Fotogalerien einstellen kann zu Traueranzeigen. Und ich erlebe auf Beerdigungen zunehmend das ungefragte Fotografieren.

Ich finde dies unverschämt und verletzend, weil ich das Recht zum Trauern und zum Abschiednehmen allein und nicht fotografiert wahrnehmen will.

Aber auch hier kann es sein, daß solche Angebote auf Webseiten erst das Verhalten schaffen, was man vorher nicht gemacht hat.

Und deshalb sind klare Schutzbestimmungen wichtig.

Es fehlt eine App

Mir fehlt eine App, die Zuschauer-App. Ich finde, wer heute als Zuschauer gezwungen werden soll, sich durch hunderte von banalen Fotos zu wühlen, die auch noch fast täglich massiv erneuert werden per Handy, der sollte für das Anschauen der Fotos bezahlt werden.

Pro Foto einen halben Cent oder so.

Denn wer sich nicht mal die Mühe macht,  für seine Besucher eine Vorauswahl zu bieten und sie quasi zwingt, sich erst durch diesen ganzen digitalen Wust zu wühlen, der sollte auch dafür bezahlen.

Wäre das was?

Das Fotografieren

Es wird wohl noch eine Weile so bleiben, daß man einfach zur Kamera greifen kann, um damit durch die Städte, Strassen und Länder zu streifen und die Natur zu beobachten.

Damit ist die Kamera auch eine Chance, den Weg zurück in die echte Welt und die nicht-digitale Wirklichkeit der Menschen, Tiere und Gesellschaften zu finden und sich an der einfachen Wahrheit zu erfreuen.

„Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ – wobei immer mehr digitale Fotos nicht immer mehr Leben sind.

In diesem Sinne

Text 1.1

808 – Der Rubikon ist überschritten oder Nokia schlägt zurück

Es ist wahrscheinlich nicht nur die Kriegserklärung an Apple sondern eine Kriegserklärung an die gesamte traditionelle Kameraindustrie. Nokia bringt ein Smartphone mit einer 41 Megapixel Kamera und einem 1/1.2 inch Sensor, das Nokia 808.

Bei dpreview ist es schon vorgestellt und Videos gibt es hier. Für Dpreview ist das „Pixel-Binning“ entscheidend. Einfach gesagt werden Pixel gebündelt, um insgesamt ein besseres Bild zu erzeugen. Dann bleiben zwar keine 41 MP übrig, aber immer noch genug für Ausdrucke und vieles mehr. Weitere technische Infos sind gut bei heise.de erklärt.

Damit ist Fotografie ohne bisherige Kameras möglich. Es ist der Schritt, der vielleicht eine neue Ära real werden läßt. Aber man muß aufpassen. Neue Fragen kommen auf:

  • Preisqualität – wie teuer wird so ein Handy mit Kamera sein, teurer als eine DSLR für 500 Euro?
  • Bildqualität – welche Ansprüche an digitale Fotos werden damit in der Praxis genutzt?
  • Ist es der Beginn einer neuen Zeit, markiert durch ein neues Produkt?
  • Sind Handyfotos die Zukunft im Journalismus?
  • Welche Rolle spielen Videos, wenn nun eine erheblich bessere Qualität möglich sein soll?

Wenn es reicht, hinterher mit kleinen Programmen die Fotos digital schnell zu bearbeiten, ihnen einen Look und/oder ein digitales Bokeh zu geben, dann wird dies in den meisten Fällen reichen für Fotos im Netz und in Zeitungen.

Bei cnet lesen wir: „Das anfängliche Entsetzen ist mehr und mehr der Faszination gewichen. Der für ein Smartphone sehr große und gleichzeitig extrem hochauflösende Sensor ist nämlich ein völliges Novum. Und auch wenn es sicherlich noch eine ganze Menge Unbekannte in dieser Gleichung gibt, so hat das neue Nokia-Mobiltelefon ein gewaltiges Potenzial, das mit Abstand beste Kamera-Handy aller Zeiten zu werden – und sogar die Kompaktkameras ernsthaft nass zu machen.“

Und hier erzählt Ina Fried die Hintergrundgeschichte zur Entwicklung dieses Kamera. Wer kein Englisch kann, der klicke hier.

Meistens ist ja die erste Version einer technischen Neuerung verbesserungswürdig und die zweite Variante dann passend.

So gibt es an dem Handy schon Kritik:

  • Warum ist nicht Windows sondern ein anderes Betriebssystem eingebaut?
  • Warum ist die Auflösung des Display so niedrig?
  • Warum ist wenig Arbeitsspeicher drin?
  • Warum ist der Prozessor nicht schneller?

Da wird sicherlich noch mehr kommen.

Aber: welchen Einfluss wird diese Art von Handy auf die Foto- und Videowelt und den Journalismus haben?

Natürlich ist dies nicht das Ende der Fotografie mit Bokeh, Tele etc.

Aber es ist ja so, die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Genau darum geht es.

  • Warum soll ich mir noch eine zweite Kamera kaufen, wenn mir die Kamera im Handy reicht?
  • Reichen die technischen Möglichkeiten für Reportagebedürfnisse (wie dies heute vielfach schon Kompaktkameras tun)?
  • Kann ich damit sogar Multimedia ins Spiel bringen?
  • Kann ich das Material einfach nacharbeiten, evtl. sogar im Handy?
  • Ist es schnell verwertbar?

Wenn man dieses Handy, wie es dpreview getan hat, einfach mal vom Sensor her gegen das Nikon J1/V1 System setzt, welche Vorteile hat dann noch das Nikon System?

Oder: Sony hat heute neue Kameras wie die HX20V angekündigt. Lohnt es sich noch, so eine Kamera zu kaufen nur wegen des Zooms?

Gerade die Aktualität, das Hochladen auf Blogs etc. kann nur durch die Handytechnologie gewährleistet sein. Und wenn man dann im Handy noch eine schnelle Bildbearbeitung und Videobearbeitung hat, was braucht man mehr?

Hier wird ein wachsender Bereich der Fotografie zunehmend durch das Handy besetzt. Die weitere Entwicklung ist unglaublich spannend.

Übrigens, sollten nun die Mitbewerber ebenfalls in diese Richtung gehen, dann wird diese Entwicklung noch mehr verstärkt.

Kaum erlebt schon vorbei? – Zeitgeist ab 2012

Foto: Michael Mahlke

Der digital programmierte Mensch 2.0

Es verändert sich was. Heute sprach ich mit einer Kindergärtnerin (die heute auch anders heisst). Sie sagte mir, dass sie früher eine Gruppe mit zwei Kindergärtnerinnen und neun bis 15 Kindern waren. Heute sind in der Gruppe neben den zwei Kindergärtnerinnen noch eine Psychotherapeutin, eine Logopädin und noch eine weitere Spezialistin. Und die Kinder können weder Spiele wie „Mensch ärgere dich“ noch einfach in der Gruppe miteinander zurecht kommen. Es werden zunehmend sog. Störungen bei immer mehr Kindern gefunden. Aber sie haben fast alle ein Handy, eine Spielekonsole, einen Fernseher und weitere digitale Geräte.

Es entstehen neue Menschen, die 2. Generation digital.  Sie wachsen in eine Welt, die sie von klein auf mit Bildern prägt. Der Stellenwert des Bildes wird alltäglich und banal in einer Weise, wie es früher nicht der Fall war. Auch früher gab es Bilder. Aber es war anders.

Heute im Bus und an der Universität erlebe ich fast nur Menschen, die ein Handy in ihrer Hand halten. Musik hören im Bus, zwischendurch SMS tippen und neue Nachrichten abrufen oder kleine Videos anschauen. Man spricht nicht miteinander eher nebeneinander. Man spricht über sichtbare (oder hörbare) Dinge. Handys und Computer sind die neuen Zauberwerkzeuge. Sie sind die neue Normalität. Es ist die 1. Generation digital. Zunehmend ist derjenige unnormal (entspricht nicht der Norm), der dies nicht lebt oder hat.

Man ist online und glaubt, man sei dabei und oft auch noch informiert. Es ist die perfekte Augenzeugenillusion und vielleicht schon die Angst, einmal offline zu sein (nicht biologisch sondern digital!).

Neue Wirklichkeit

Diese Worte sind der Versuch, eine neue Wirklichkeit ins Auge zu fassen. In der Geschichte sprechen wir vom Zeitgeist einer Epoche. Hier handelt es sich um Schilderungen zum Zeitgeist dieser Epoche.

Da passt natürlich ein Gedanke wie der, dass man Erlebnisse sofort digital teilen soll, besonders gut.

Aber es ist natürlich ein Irrtum so zu denken, weil dies erhebliche Auswirkungen hat auf Wahrnehmung und Verhalten. Die Welt als permanente Gegenwart reduziert den Horizont. Und nicht umsonst schrieb Neil Postman Bücher wie „Wir amüsieren uns zu Tode“.

Menschen bleiben Menschen – nur die Programmierung ändert sich

Heute erleben wir um uns herum eine Digitalisierung, die wenig an der Lage der Menschheit verbessert hat. Man könnte sogar vom Gegenteil ausgehen. In jedem Fall hat das Internet die Sicht auf die Welt erweitert und verändert. Aber die Menschen haben sich ja in ihrer Struktur nicht geändert sondern es gibt durch die digitale Welt veränderte Wahrnehmung und ein verändertes Verhalten. Und man kann schon die Folgen sehen.

Die neuen Menschen auch in ihrer Neuheit zu sehen kann vielleicht am besten von denen geleistet werden, die noch „alt“ sehen und „alt“ denken. Da bietet es sich an, dies alles mit digitalen Fotos festzuhalten, das Alte und das Neue, das Bestehende und das Veränderte.

Zeitgeist ist das, was die Menschen in einer Zeit denken und tun.

Es ist z.B. das,

  • was man wahrnimmt,
  • wie man sich verhält,
  • welche Waren und Dienstleistungen angeboten werden,
  • welche Architektur, welches Essen, welche Kleidung da sind,
  • welche Gedanken vorherrschen

Das langfristige Projekt Zeitgeist ab 2012

Aus diesem Grund will ich ein Projekt beginnen, bei dem ich über einen längeren Zeitraum Fotos erstelle, die dies zum Thema haben.

Gedacht ist an den Zeitraum ab 2012. Ich stelle meine Sicht und meine Erlebnisse auf verschiedenen Webseiten dar und versuche so, die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie und viele andere Dinge des aktuellen Zeitgeistes zu finden.

Text 1.1

Nachtrag Jahre später:

Das Projekt ist in dieser Form beendet. Ein Teil ist sichtbar auf flickr und ein anderer hier.

 

Ist es „normal“, jedes Jahr eine neue Kamera zu kaufen?

Die Frage hat eine Schwesterfrage: ist es normal, jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen?

Da kommt es wahrscheinlich darauf an, was man unter „normal“ versteht.

Einige Menschen weisen immer wieder darauf hin, dass eine „normale“ Welt aktuell offenkundig irrationales Verhalten, Betrug, Mord und Totschlag bedeutet.

Da wäre es sicherlich auch „normal“, ununterbrochen die neusten Digitalkameras zu kaufen, so wie Schuhe, Handys und Kleidung, Autos, Tattoos etc.

Dabei geht es dann wohl um Gruppendynamik, also darum, die gleichen Identifikationsmerkmale zu haben wie die anderen, mit denen man gerne zusammen ist. Das hat was mit Statussymbolen und sozialer Anpassung zu tun. Oder man will sich das Gefühl kaufen, „besser“ zu sein (aber worin besser?).

Ich möchte hier noch einmal einen Absatz aus einem früheren Artikel von mir einfügen. „Ich werde beobachtet, also bin ich.“ Der Hinweis von Thomas Miessgang auf diesen Satz von Stefan Römer als neue Haltung des Normalverbrauchers scheint mir das wesentlichste Kennzeichen dieser Situation zu sein. „Die Penetration öffentlicher und privater Sphären durch immer zielgenauer agierende mediale Projektoren… hat dazu geführt, dass der Karneval der Waren und Sensationen nicht der Ausnahmezustand ist, sondern ein Hochamt sinnbefreiter Permanenz.“ Es gilt die „Simultanität des Sensationalistischen. Man hat ständig das Gefühl, zu spät zu kommen, etwas zu versäumen, den Ereignissen hinterherzuhecheln.“ Diese Beschreibung von Miessgang in dem Buch „Das Prinzip Prominenz. Superstars von Warhol bis Madonna“ zeigt unsere neue Wirklichkeit.

Es gibt aber auch eine andere Sichtweise. Dabei würde sich die Frage stellen, was brauche ich, um gute Fotos zu machen?

Dazu braucht man keine neue Kamera. Wer schon zehn Jahre oder länger fotografiert, der weiß, daß man auch mit älteren Kameras gute Fotos machen kann.

Gehen Sie doch einfach mal auf eine Webseite, die die Bildqualität von Kameras vergleicht und setzen Sie einfach mal Topmodelle wie die Canon 5D Mark II oder die Nikon D700 bei ISO 100 oder 200 neben einfache und preiswerte Kompaktkameras. Sie werden kaum sichtbare Unterschiede in der Bildqualität feststellen – auch bei älteren Modellen.

Wenn man sich also die Frage stellt, ob ich eine neue Kamera brauche, um eine bessere Bildqualität zu erhalten, dann muß man klar sagen: nein. Natürlich werden High-ISO Fans sagen, das stimmt nicht. Daher will ich auch an dieser Stelle sagen, wer als hauptberuflicher Topreporter anerkannt werden will, der kann zu der Auffassung gelangen, das nur das Neuste gut genug ist. Aber diese Gruppe meine ich nicht. Ich meine die, die da nicht drunter fallen.

Henri Cartier-Bresson war sogar der Meinung man brauche keine Farben, um gute Fotos zu machen, weil der Detailreichtum der schwarz-weissen Fotos unübertroffen sei.

Nun gibt es aber doch Gründe für neue Kameras. Diese können in der Umsetzung eines haptischen klugen Konzeptes liegen wie bei der Nikon D3100 oder einer neuen optisch-digitalen Technik wie bei der Fuji X100 oder bei der Miniaturisierung einer schnellen Kompaktkamera wie der Sony TX5. Das sind Gründe, sich eine neue Kamera zu kaufen. Aber eben nicht jährlich, sondern wenn sie technisch reif sind. Und das hätte eigentlich dann keinen Jahresrhythmus zur Folge.

Zudem scheint die Fotoindustrie nicht bereit zu sein, die vorhandene Kreativität umzusetzen, sondern folgt eher dem betriebswirtschaftlichen Credo, echte Innovationen so spärlich zu setzen, dass die Tippelschritte hundert Jahre brauchen, um nur einen Schritt weiterzukommen. Dazu hat sich u.a. Nick Devlin ausführlich geäußert.

Und so möchte ich auf die Eingangsfrage zurückkommen. Ja, es ist für viele Menschen normal, sich jedes Jahr eine neue Kamera zu kaufen. Denn es kommt nicht auf die technischen und fotografischen Fragen an, sondern auf die soziale Identität.

Und da nichts schneller wechselt als die Mode, ist die Antwort logisch. Lifestyle-Kameras haben meistens keine neue Technik, sondern verpacken die vorhandene Technik in neue Designs.

Und genau dort sind wir mittlerweile im Bereich der Digitalkameras angelangt. Es gibt so viele neue Kameras, dass niemand mehr sie wirklich überblicken kann. Aber es sind eben fast nur neue Designs und nicht neue Technik, die hier vorgestellt wird.

Insofern muß man die Frage auch bejahen. Ja, es ist „normal“, sich jedes Jahr, wenn nicht jedes halbe Jahr, eine neue Kamera zu kaufen, wenn ich immer die topaktuelle Kollektion haben möchte.

Aber diese „Normalität“ hat nichts mit Vernunft oder gar besseren Fotos zu tun, sondern nur mit Status und Konsum. Ken Rockwell hat mal eine andere Frage diskutiert, soll ich upgraden?

Die Antwort war: No.

So kann man von zwei völlig verschiedenen Fragestellungen zu gleichen Ergebnissen kommen. Für gute Fotos ist es selten erforderlich, neue Kameras zu kaufen und wenn man Kameras hat, ist ebenso selten ein Upgrade erforderlich.

Die Frage wird eher sein, wofür brauche ich die Kamera? Ist sie ein Statussymbol, ein fotografisches Instrument, ein sozialer Schlüssel oder einfach eine praktische Erfordernis?

Und wie immer wir die Frage auch beantworten, aus Sicht des Marktes (wo wohnt der?) ist es unnormal, wenn wir bei unserer guten und bewährten Kamera bleiben und uns keine neue Digitalkamera kaufen. Es kommt eben auf die Sichtweise an, was dann „normal“ oder „unnormal“ ist.

Wieviel Foto braucht der Mensch?

1. Aktuelle Fotos aus der Weltpresse

Heute gibt es Fotos von dem aus der Haft entlassenen Künstler Ai Weiwei. Wer die Fotos sieht, der wird denken, es kann sich nur um einfache Kompaktkameras handeln, mit denen hier fotografiert worden ist.

2. Die meisten Fotos sind vom Handy

Aber es geht noch weiter. Flickr ist ja die größte Fotosammlung der Welt. Laut eines Webmagazins werden die meisten Fotos mittlerweile mit dem Iphone hochgeladen.

3. Handyfotos werden professionell akzeptiert

Und der Spiegel merkt zudem an, dass der Fotograf Damon Winter dieses Jahr einen Preis für seine Iphone Fotos erhalten hat.

4. Der Maßstab für Reportagefotos muß neu definiert werden

Die Praxis zeigt uns hier den Maßstab für Fotos. Es sind ja alles öffentliche Fotos. Damit wird ein Standard für öffentliches und akzeptiertes fotografisches Niveau gegeben.

5. Das Handy als neue Kamera für Streetphotography?

Aber es geht noch weiter. Wenn Handykameras das neue Werkzeug sind, dann sind sie es auch, die das Maß für unauffälliges und akzeptiertes Fotografieren sind. Und damit wird auch der Bereich der Strassenfotografie neu definiert. Diese Trends dokumentieren sich gerade in Zahlen. Sie werden mittelfristig eine neue Diskussion über Fotografie auslösen.

6. Der neue Trend der digitalen Fotografie: blinde Flecken finden

Digitale Fotos sind mittlerweile überall selbstverständlich. Veränderte Wahrnehmung erfordert mehr Fotos. Sie sind an immer mehr Stellen erforderlich, so dass es letzlich darauf ankommt, die offenkundigen blinden Flecken der digitalen Fotografie zu finden.

Im Gegensatz zu früher wird im politischen Bereich weniger fotografiert. Ich meine damit nicht die Menge sondern die Situationen. Zudem gibt es auch von vielen Plätzen und Situationen der Welt sehr wenig aktuelle Fotos, dafür von anderen Plätzen immer mehr ähnliche Fotos. So ist die Herausforderung geblieben, aktuell, dokumentierend und interessant über viele Dinge zu berichten. Da gibt es auch für engagierte weltenbummelnde Journalisten noch eine Menge zu tun.

7. Woran messe ich was – über das richtige Maß in der Diskussion

Und ich möchte noch etwas aufschreiben. Bei henner.info gibt es einen Vergleich „Auflösung Vollformat gegen 1/2,3 Sensor“. Das möchte ich sehr empfehlen. Da wird dann deutlich, welcher Maßstab für Fotos heute angelegt werden kann und wieviel Foto bzw. Kamera nötig ist.

8. Ungeheure Dynamik

Wenn man darüber nachdenkt, spürt man die Dynamik in der Fotografie. Es wird nicht weniger, sondern es wird mehr Herausforderungen geben und es gibt viel zu fotografieren…