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60 Jahre Fotografie pur: Winter in Rüdesheim 1956 – Die Welt auf dem Sensor 2016

Henri Cartier-Bresson hat ein Foto gemacht mit dem Titel Winter in Rüdesheim.

Dabei handelt es sich nicht um Streetfotografie, höchstens um Streetsfotografie.

Wenn wir aber deutsch sprechen wollen ist Landschaftsfotografie oder Still-Fotografie eher eine richtige Bezeichnung.

Für dieses Foto hat er keine Kamera mit Monitor benutzt sondern einen optischen Sucher ohne weitere Hilfsmittel, höchstens für die Scharfstellung die Vereinigung des Doppelbildes im Messsucher (wenn…).

Dieses Foto entstand 1956. Es dient mir als Anlaß um meinen fotografischen Schwerpunkt im Jahr 2016 ebenfalls unter den Schwerpunkt Sucher pur und eher Schwarzweiss zu stellen.

Dafür greife ich dann auf Kameras mit Optik pur zurück.

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche.

Nach jetzigem Stand wird dies die Fuji X10 sein mit ihrem optischen Sucher und an zweiter Stelle wird dies dann mit der puren ersten Fuji X100 und ihrem hybriden optischen Sucher geschehen. Vielleicht ergibt sich noch die Nutzung einer anderen Kamera mit optischem Sucher.

Natürlich könnte man auch andere Kameras nutzen, wenn sie über entsprechende optische Sucher verfügen. Natürlich könnte man auch digitale Produkte nehmen, die dies nachahmen. Aber genau dies ist es nicht.

Nachahmen geht immer. Die Herausforderung besteht darin es so zu tun, daß man es selbst kann und nicht die Kamera alles macht.

Natürlich könnte man auch analog fotografieren. Aber mir geht es weniger um das Herstellen der Fotos im Labor als um den Prozess des Fotografierens mit dem Sucher.

Denn der Sucher verdichtet und fokussiert. Das ist für mich das Geheimnis.

Und es muß eben nicht nur auf der Straße geschehen, es kann auch bei Landschaften sein.

Dafür gibt es aber dann in meinem Fall die Herausforderung der geometrischen Komposition.

Im Fall von Henri Cartier-Bresson ist dies die doppelte Geometrie mit der Aufteilung des Fotos in der Fläche und der Aufteilung des Fotos in der Tiefe. Er arbeitet hier einerseits mit Motiv im Vordergrund und Motiv im Hintergrund und andererseits mit der Aufteilung des gesamten Fotos in mindestens drei Teile, Weinberg, Dorf und Rhein.

So kann man Fotos erstellen, die das jeweilige Motiv betonen und es in die visuelle Geometrie einpassen:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Oder ein Foto besteht nur aus Geometrie und der Ausschnitt aus der Wirklichkeit wird benutzt, um durch die Geometrie eine Ordnung in eine sonst rein funktionale und nichtssagende Anordnung zu bringen. Dann wird durch die Geometrie aus der Summe der Teile etwas Ganzes wie hier:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Fotografisch kommt es also darauf an der unendlichen Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und nach eigenen Anforderungen damit die Wirklichkeit visuell zu gestalten.

 

Schwierige Lichtverhältnisse in der Fotografie am Beispiel der Grenzen der Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Tageslicht und Kunstlicht, Deckenstrahler und Beamerlampe, abgedunkelter Raum vorne und offenes Licht durch das Fenster von hinten – eine absolut extreme Lichtsituation als Voraussetzung für den Einsatz. Es war soweit. Nun mußte die Fuji X10 zeigen, was sie konnte.

Hinzu kam die Vortragssituation. Bei einer solchen Situation muß die Kamera nicht nur diskret und still sein. Sie muß auch diese Lichtmischung hinbekommen, so daß ein ausgewogenes Bild zustandekommt.

Und natürlich ohne Blitz!

Denn das ist ja gerade die Herausforderung: das Licht und die Situation so einzufangen wie man es gerade vorfindet.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto mit der Frau vor der Leinwand: Solche Schattenspiele sind eine Variante, die sich aber auch nur in dieser Gestaltung anbietet.

Hier ging es mir darum, den schönen Hut mit dem feinen Netz und die Gestaltung des Kopfes zu zeigen. Da bot sich das Schattenspiel vor der Leinwand an.

Welche Messmethode, welche Einstellung, welche Blende sind hier am besten?

Es kommt darauf an, was für ein Foto ich haben möchte.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier spricht der Chef des Kunstmuseums Solingen. Das Foto wurde aus einer RAW-Datei entwickelt und zeigt alles so wie ich es sah.

Da das Licht von hinten kam war sein Gesicht auch nicht voll ausgeleuchtet.  Ich saß ca. 15 Meter entfernt und hatte die Fuji mit Blende 2.8 auf 112 Millimeter. Es wurde lediglich hinterher per Software automatisch die Beleuchtung der RAW-Datei vorgenommen, so daß so das Ergebnis so aussieht wie es war.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier ist das Ganze noch mal mit dem Abwedeln-Pinsel im Gesicht nachbearbeitet. Ich habe das Gesicht aufhellt. So hell und gut sichtbar war es eigentlich gar nicht aber zumindest sieht man, was möglich ist (wobei es für mich schon grenzwertig ist und mir das Bild ohne Aufhellung besser gefällt).

Aber es geht auch einfacher.

fujlicht9

Man braucht die Fuji nur auf Umgebungslicht zu stellen. Dann gibt es zwar keine RAW-Dateien aber es gibt fertige Fotos. Die sehen dann so aus:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das größere Foto im Hintergrund ist die Version, die direkt aus der Kamera kam. Die kleinere und aufgehellte Version ist die, die ich einfach mit dem Aufhellen der Schatten im Foto innerhalb von 5 Sekunden erzeugt habe.

Allerdings muß ich noch einmal betonen, daß die aufgehellten Gesichter nicht der tatsächlichen Wahrnehmungssituation entsprechen, weil von hinten die Personen durch direktes Tageslicht „beleuchtet“ waren und das Fotografieren gegen das Licht ohne Blitz nicht so einfach ist.

Für mich war die Fuji genau richtig. Sie löste alle Probleme:

  • Sie schaffte es bei schlechtem Licht zu fokussieren.
  • Sie erstellte Fotos, die die echte – schwierige – Lichtsituation wiedergeben.
  • Sie war sehr diskret und leise durch den Sucher und das Ausschalten des Monitors.
  • Der Akku hielt dadurch extrem lang.
  • Die Fotos konnte ich entweder selbst gestalten mit RAW und JPG oder der Kamera überlassen.

Für Reportage und einfache Drucke in Magazinen und natürlich im Web reichen die Ergebnisse allemal, auch bei Bildausschnitten.

Umgekehrt würde ich die Kamera nicht mitnehmen auf eine Klettertour in den Alpen.

Die Fuji ist eine Kamera für extreme Lichtsituationen. Sie ist nicht unbedingt eine Kamera für extreme Outdoor-Situationen mit wechselndem Wetter etc.

Aber als Reportagekamera für das klassische diskrete Fotografieren mit Sucher ist sie optimal. Und sie hat eine der extremsten Lichtsituationen wirklich gut gemeistert.

Sie braucht allerdings Licht. Sie ist nicht für lichtloses Fotografieren gemacht. Das ist aber auch nicht der Sinn der Lichtmalerei.

 

 

Das Low Light Luder – die Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Die Fuji X10 ist eine Kamera, die schon viele Höhen und Tiefen gesehen hat.

Sie ist wohl die einzige Kamera, die während ihrer Produktion einen anderen Sensor bekam, der aus Kundenwünschen heraus realisiert wurde.

Zudem ist sie schon durch ein anderes Modell mit einem wieder anderen Sensor ersetzt worden.

Aber sie ist eben eine Kamera für eine Zehn-Jahres-Bindung, denn sie hat etwas, das andere Kameras nicht haben.

Sie ist kein Boxenluder sondern ein Lichtluder im Sinne einer Verlockung bei Lowlight-Situationen.

  1. Denn erstens kann man mit der Kamera und dem Chip Fotos auch bei schlechtem Licht machen,
  2. zweitens gibt es dafür extra Aufnahmemodi von EXR bis zum Verschmelzen von vier Fotos zu einer Aufnahme und
  3. drittens hat sie den optischen Sucher, der gerade bei wenig Licht den klaren Blick ermöglicht.

Und dies alles geht im Prinzip völlig geräuschlos vor sich, weil das Auslösegeräusch abschaltbar ist und weil man den Monitor auf der Rückseite ausschalten kann. Es bleibt am Sucher der kleine grüne Punkt, wenn man scharfgestellt hat. Das ist alles.

Man kann mit der Kamera so fotografieren als ob es sich um eine analoge Kamera handelt. Gerade der relativ große optische Sucher und das Abschalten des Monitors machen aus der Kamera eine ideale Lowlight-Kamera.

Hätte Sie einen elektronischen Sucher wäre die Sicht durch den Sucher anders und sie würde mehr Strom brauchen.

Und durch das Ausschalten des Monitors spart man noch mehr Strom und verlängert so die Anzahl der möglichen Aufnahmen erheblich.

Kennen Sie eine andere Kamera in dieser Größe, die so wunderbar für diskrete Lowlight-Fotografie genutzt werden kann?

Es gibt sie nicht, weil keine andere Kamera über einen ähnlich großen optischen Sucher verfügt außer dem Nachfolgemodell, der X20.

Die hat aber einen anderen Sensor.

So bleibt die Fuji X10 eine Kamera für fotografische Indiviudalisten, die wissen was sie wollen und was sie tun.

Sie ist die Kamera, die Lust auf mehr gute Fotografie macht, sie reizt, eben ein echtes Luder …

Power the moment – Streetfotografie als Sucherfotografie

Hat bei Fuji auch das neue Image der Streetfotografie gesiegt?

Fuji hat eine Roadshow und eine School im Angebot, wo einige Dozentinnen und Dozenten die neuen Kameras vorführen sollen. Zielgruppen sind offenkundig Kunden mit Interesse an Fashion, Porträt und anderen Themen.

Aber nicht für Street so wie es aussieht. Vielleicht liegt es daran, daß Fuji zunehmend mehr Kameras ohne Sucher im Programm hat.

Es gibt aber von einem Liebhaber der Streetphotography (ohne Unterstützung von Fuji oder eine PR-Agentur) ein komplettes Ebook (mit englischen Kurztexten und vielen wunderbaren visuellen Eindrücken) zu den Vorzügen der Sucherfotografie speziell mit der Finepix X100 und X10. Das Ebook ist speziell für die Benutzung des Suchers beim Fotografieren (viewfinder – rangefinder) gemacht worden.

Der Autor glaubt nämlich, daß dies das wirklich Einzigartige bei klassisch guter Streetfotografie ist und es sich um eine spezielle Art des Fotografierens handelt. Gute Streetphotography kann auch mit anderen Kameras gemacht werden.

Aber die Art und Weise der Entstehung durch die Auswahl mit dem Sucher gibt dem Ganzen nicht nur im Moment der Entstehung sondern auch im Prozess der Auswahl andere Qualitäten für sich selbst und für manches Foto.

Das kostenlose ebook finden Sie hier (pdf).

Es handelt sich um Fineart-Streetphotography.

Es geht eben um die Weitergabe des Feuers und nicht um das Aufbewahren der Asche.

Abschließend noch ein Beispiel für echte Fineart-Streetfotografie nach den Kriterien der goldenen Regel für Streetphotography – übrigens in der Nähe von Düsseldorf, wo Fuji residiert.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Text 1.1

Mit der Fuji X100 unterwegs – Motive zwischen Schnappschuss und Landschaft

Wenn man sich den Genuss der Sucherfotografie mit einer Reportagekamera gönnen will, dann ist die Fuji X100 sicherlich in meinen Augen erste Wahl. Was liegt also näher als damit umherzustreunen und die Qualität der fertigen Schnappschüsse als JPGs aus der Kamera zu geniessen.

So nahm ich die Kamera und ging damit einmal durch Naumburg an der Saale am frühen Nachmittag mit schlechten Lichtverhältnissen: Sonne pur, grell und heiss. Also die richtige Herausforderung für die Kameratechnik!

Schnell fand ich das erste Motiv, ein typisches Strassenfoto.

Naumburg 1 - Foto: Michael Mahlke

Dann konnte ich mich an der Landschaft gar  nicht sattsehen und hielt auch diese fest.

Naumburg 2 - Foto: Michael Mahlke

Und die Stadt bietet für Menschen viel an Architektur in Kombination mit Freiflächen, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerettet wurden.

Naumburg 5 - Foto: Michael Mahlke

Der Weg Richtung Dom ist natürlich die zentrale Anlaufstelle.

Naumburg 6 - Foto: Michael Mahlke

Hier wird Geschichte, Kultur und Gemütlichkeit angenehm miteinander verbunden.

Naumburg 7 - Foto: Michael Mahlke

Aber auch schnelle Schnappschüsse auf flotte Beine sind mit der Kamera problemlos möglich, hier mit einer 340tel Sekunde.

Naumburg 8 - Foto: Michael Mahlke

Immer wieder merkt man, dass diese Stadt großzügig geplant wurde, damit die Natur und die Menschen als Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer einen Platz haben.

Naumburg 9 - Foto: Michael Mahlke

Ünd auch in neueren Wohngebieten wurde mitgedacht und alte Bäume wurden erhalten.

Naumburg 10 - Foto: Michael Mahlke

Wenn man dies so sieht, dann merkt man, dass hier klug städteplanerisch vorgegangen wurde – auch nach der „Wende“ – um Platz für Menschen in einem natürlichen Umfeld zu schaffen und/oder zu behalten.

Naumburg 4 - Foto: Michael Mahlke

Wohnen bedeutet eben auch Wohlfühlen und dies geht bei Menschen, die Teil der Natur sind, nur mit der Natur.

Die Unwirklichkeit von anderen Städten und die bis heute fortgesetzten Fehler mancher Stadtplanung in anderen Orten werden in solchen Momenten umso deutlicher.

Und ich erlebte wieder einmal, dass die Fuji X100 für viele Gelegenheiten als Kamera eingesetzt werden kann, nur nicht im Regen und in Menschenmengen meiner Erfahrung nach. Aber für Schnappschüsse und gestaltete Geometrie ist sie einfach wunderbar.

So hatte ich fotografische und städteplanerische Erlebnisse, die ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Info: Alle Fotos wurden lediglich verkleinert und nicht nachbearbeitet (bis auf das Foto am Naumburger Dom, da war etwas perspektivische Korrektur nötig).

 

Neue Themen im Land der Digitalfotografie

Foto: Michael Mahlke

Wenn sich die Dinge weiterentwickeln, dann ergeben sich auch neue Probleme, die gelöst werden müssen. Meiner persönlichen Meinung nach zeigen sich gerade einige als Elemente des digitalen Zeitgeistes, die neu beantwortet werden müssen:

1. Welche Rolle spielt Firmware von Digitalkameras für Testmagazine?

Der Fall der Fuji X10 ist aktuell ein gutes Beispiel. Genau dazu gibt es einen Hinweis im DSLR-Forum auf ein Zitat eines Mitarbeiters bei digitalkamera.de zum Problem der weissen Scheiben bei der Fuji X10: „Fujifilm will dieses Problem per Firmwareupdate beseitigen, also scheint es sich nicht um einen Hardwarefehler zu handeln und er wird nicht dauerhaft bleiben. Sobald er beseitigt ist, wird es niemanden mehr kümmern. Wir vergeben für die Tests unter anderem Testnoten und ein Testlogo, das sich hinterher nicht mehr ändern darf. Es steht genauso wie der Test für immer bzw. solange es diese Seite gibt im Internet und möglicherweise wird dieses Logo auch woanders zu sehen sein, z. B. auf der Herstellerseite, vielleicht wird es sogar auf dem Kamerakarton kleben. Da können wir doch nicht nach einem Firmwareupdate eine andere Testnote vergeben und dann sind zwei Logos im Umlauf. Ich vertraue in diesem Punkt dem Hersteller und das Problem würde mich nicht vom Kauf der Kamera abhalten und hält scheinbar auch andere Kunden nicht ab.“

Nichts gegen digitalkamera.de. Vielmehr Danke für diese Momentaufnahme. Manchmal sagt man ja Dinge, die helfen nach dem Aussprechen eine neue Position zu finden. Das könnte auch hier sein. Denn hier taucht ein Problem auf, das letztlich alle Testmagazine beantworten müssen. Und deshalb wende ich den Blick hin zu anderen Webseiten.

So findet sich beispielsweise im Focus ein Test, der das Problem mit keinem Wort erwähnt. Umgekehrt hat Cnet im Test das Problem der weissen Scheiben angesprochen, so dass klar ist, die Kamera hat noch Probleme, die gelöst werden müssen.

Inwiefern dies alles nun in Testergebnisse einfliessen könnte, kann man am Beispiel der Sony WX-1 bei dkamera.de sehen. Hier wurde der Prozesscharakter beim Testen dargestellt und es wurden Testergebnisse verändert nachdem sich die Messergebnisse verändert haben.

(Nachtrag: Mittlerweile ist bei dkamera.de ein Testbericht über die X10 erschienen, bei dem die weißen Scheiben als „Sensorfehler“ im Bericht angesprochen wurden und laut eigenen Angaben in die Bewertung einbezogen wurden, wobei ich das Ergebnis nicht verstehe.)

Doch davon abgesehen muss man natürlich auch fragen, welcher Test hat welchen Rahmen. Ein Test der Blooming und anderes in der Praxis austestet ist etwas anderes wie ein Test, der nur im Labor entsteht, ein Labortest eben und kein Praxistest.

Ich habe an anderer Stelle mit der Frage „Wo bleibt die Firmware?“ darauf hingewiesen, dass wir heute eigentlich von Software-Fotos sprechen müssen, wenn wir über Fotos aus einer Digitalkamera reden. Das wird irgendwann auch den Begriff Test neu definieren.

Leider hat das aktuelle Firmware-Update 1.03 der Fuji X10 das Problem aus Sicht vieler Anwender nicht gelöst, wie man in den einschlägigen Foren lesen kann. Daher muss natürlich die Frage zu stellen sein, was ich in einem Test schreibe.

Lasse ich solche  – aus meiner Sicht – erheblichen Einschränkungen für das Fotografieren weg oder weise ich in einem Test darauf hin und lasse dies in die Testergebnisse einfliessen?

Daher wird dieses Thema – unabhängig vom konkreten Fall der Fuji X10 – ein Thema bleiben.

2. Darf man HDR-Fotos im Fotojournalismus benutzen?

Diese Frage wurde bei dpreview diskutiert. Während Photoshopping bisher einfach vielfach praktiziert wurde, ist dies bei HDR-Fotos offenkundig noch anders.

Aber warum eigentlich? Wer die Diskussion verfolgt hat, der merkte schnell, dass es auf den Blickwinkel ankommt. Da HDR-Fotos Sachverhalte nicht verändern sondern nur die Wahrnehmung der Farben für das menschliche Auge optimieren – so einige Diskutanten -, gibt es aus erzählerischer Sicht  keinen Grund, der gegen HDR im Journalismus spricht.

Andererseits gibt es die Sichtweise, dass der Moment der dokumentarischen Fotografie durch mehrere hintereinander aufgenommene Fotos, aus denen dann ein einziges Foto erstellt wird, nicht mehr authentisch ist.

Da neue Kameras zum Teil sofort mehrere Fotos aufnehmen und zu einem verrechnen, ist dies schwierig bei der Aufstellung von Kriterien für „echte“ und „unechte“ Fotos.

Darauf wird die praktizierte und akzeptierte Dokumentarfotografie eine Antwort geben müssen.

Umgekehrt könnte man aber auch sagen, dass Schwarzweissfotos nie eine Situation „echt“ wiedergegeben haben, weil die Fotos eben nicht (farb)-identisch mit der Situation waren. Aber stimmt das Argument?

Hier kommen Fragen auf, die auch zu einem neuen Selbstverständnis führen werden und wahrscheinlich unterschiedlich in der Betrachtung bleiben.

3. Welche Qualitätskriterien gibt es für Fotografie-Seminare?

Bei den einschlägigen Seiten für Fotokurse und Seminare wird man mittlerweile von Angeboten erschlagen. Aber ich habe mittlerweile zu oft erlebt, dass Fotografen oft glauben, wer mit einer Kamera umgehen kann, der kann auch unterrichten. Und dies geht sehr oft schief.

Didaktik und Methodik muss man eigentlich an einer Uni lernen. Das setzt das Wissen um die verschiedenen Lerntechniken, die verschiedenen Arten von Intelligenz, die Psychologie des Lernens, Gruppendynamik und vieles mehr voraus. Nur so kann ich Fragen beantworten wie die, mit welchen Methoden ich in welcher Gruppe am besten arbeite und welche Inhalte ich warum auswähle.

Aufgrund eigener Erfahrungen bin ich von Fotokursen ziemlich enttäuscht. Um ein Beispiel für gute Arbeit zu nennen muß ich rückblickend sagen, die besten (Wochen-)Kurse habe ich an der Akademie Remscheid erlebt.

Ich will dies einmal an einem Beispiel deutlich machen. Dort wurde zu einem Kurs zum Thema Porträtfotografie eingeladen. Alle Teilnehmer (6-8 max. 10) mussten vorher klar mitteilen, wo sie stehen und was sie können. In dem Seminar wurde nicht nur eine historische und aktuelle Einführung gegeben sondern danach erhielten alle Teilnehmer mehrere Aufgaben. Sie mussten sich gegenseitig porträtieren, was gut für die Gruppenbildung war. Später musste man für eine gewisse Zeit eine Person in der Arbeitswelt begleiten (mehrere Tage). Dazu waren die Personen vorher angesprochen worden, z.B. ein Künstler, eine Unternehmerin, eine Ladenbesitzerin, ein Sozialarbeiter, ein Förster etc.

Das war wichtig, weil Fotografie heute nicht mehr im luftleeren Raum arbeitet, sondern Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, Datenschutz (!), Rechte an Produktabbildungen, fotografische Möglichkeiten und vieles mehr besprochen werden mussten.

Die zu Porträtierenden mussten ja auch in einem Vorgespräch ihre Erwartungen, den Umgang miteinander und einiges mehr klären. So entstand ein Seminar, das dann nach den Aufnahmen mehrere Tage Zeit in Anspruch nahm, um die Fotos zu bearbeiten, eine Geschichte daraus zu machen und diese dann untereinander zu präsentieren und später in einer Ausstellung zu zeigen, zu der alle Beteiligten eingeladen waren. Es war auch viel Arbeit für die beteiligten Dozentinnen und Fotografen.

Das war ein sehr gutes Seminar, didaktisch und methodisch hervorragend aufbereitet und für alle Beteiligten eine intensive Qualifizierung. Natürlich kostet dies auch Geld, aber das ist ein Investition gewesen, die sich fotografisch lebenslang auszahlt.

Danach habe ich mehrere Seminare im weiten Bereich Fotojournalismus erlebt, die von Fotografen meiner Meinung nach ohne didaktische und methodische Kenntnisse durchgeführt wurden. Je größer die Namen in der Fotoszene, je teurer, desto – na ja.

Dort wurde z.B. erklärt, wenn man zu dem Seminar komme, müsse man selber schon dafür gesorgt haben, dass an dem Seminarort eine Person ist, die man porträtieren kann (!). Die Seminare hatten i.d.R. zwischen 12 und 18 Teilnehmern. Es waren keine klaren Kenntnisse über die Teilnehmer vorhanden. Nach dem Motto „Learning by doing“ wurde man dort in unstrukturierte Überarbeitungssituationen gebracht. Darauf angeprochen war die Antwort meistens, dass dies ja sonst auch so sei.

Mitnichten, denn gerade ein Seminar soll ja Lernsituationen schaffen, die förderlich sind für das Thema und die Teilnehmer sollen sich auf das Thema konzentrieren können. Die Seminarleiter und Dozenten müssen eigentlich die Arbeit vorbereiten und die Gruppen müssen so klein sein, dass ein gemeinsames Lernen möglich ist. Das ist bei 12 und mehr Personen in solchen Seminaren nicht der Fall.

Dies ist natürlich nur ein skizzenhafter Einblick. Aber ich wollte zumindest deutlich machen, dass hier mittlerweile ein grosser Markt entstanden ist, der gutes Lernen oft nicht möglich macht. Aber wie gesagt, es gibt auch Qualität und dies nicht nur in der Akademie Remscheid sondern auch an anderen Stellen. Aber man soll auch Beispiele für gute Arbeit nennen. Deshalb wollte ich zeigen, dass gute Kurse nicht unbedingt nur in den grössten Städten zu finden sind sondern eher abseits der Hauptstrassen…

Fazit

Die digitale Welt verändert sich ununterbrochen. Daher müssen transparente Überlegungen, klare Kriterien und klare Grenzen in vielen Bereichen entwickelt werden. Und diese müssen verändert werden, wenn sich die Voraussetzungen ändern.

Dies erleben wir gerade. Drei Bereiche habe ich rausgegriffen. Die Fotografie und das, was daraus wird, entsteht und entwickelt sich auch im Kopf und wenn auch nur als Reaktion auf Veränderungen in der Technik. Deshalb lohnt es sich, solche Entwicklungen in Worte zu fassen, darüber zu schreiben und darüber nachzudenken.

In diesem Sinne

2012: Immer teurer, schlechte Pflege und „falsch“ informiert? – Bitte nicht!

Was ist los im Kameraleben auf dieser Welt?

Wenn wir es runterbrechen auf die konkreten Handlungsweisen, dann fallen meiner Meinung nach einige aktuelle Entwicklungen auf:

  • Fuji löst z.B. wesentliche Probleme nicht, die von Kunden bzgl. der Kameras formuliert werden. Statt hochpreisige Produkte (X100, X10) durch Firmware-Updates zu optimieren bzw. voll einsetzbar zu machen, werden noch höherpreisige neue Produkte angeboten. Aber warum sollte man die kaufen, wenn die vorherigen Produkte nicht mal richtig ok sind? Nun steht Fuji nicht alleine da, wie man in diversen Foren lesen kann. Aber das ist schon bemerkenswert. Ich finde, das hat erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen in eine Marke.
  • Neue Kameras werden mit empfohlenen Preisvorstellungen auf den Markt gebracht, die dem technischen Mehrwert in keiner Weise entsprechen.
  • Der Journalismus verabschiedet sich teilweise. Die Internet-Oligarchie wächst. Es scheint z.B. so, dass offenkundig nur ein kleiner Kreis ausgewählter Webmagazine spezielle Kameras erhält und diese dort entsprechend besprochen werden, sogar bewertet werden und mit Beispielgalerien gefüllt werden ohne dass die Kameras tatsächlich kaufbar und die dort publizierten Inhalte überprüfbar wären. Einmal scheint spiegel.de dies ausgehebelt zu haben.
  • Die Zahl der „Previews“ und „Hands on“ bei Artikeln in Testmagazinen nimmt zu. Das sind in meinen Augen Tests ohne Tests, die aber schon bewerten. Aber sind dies noch journalistische Artikel oder eher (bezahlte?) Werbung bzw. PR? Zweifel sind spätestens angebracht, wenn diese Magazine von den Herstellern Werbung schalten.

Der DJV fordert mehr Qualitätsjournalismus. Das muss gerade auch im Bereich des Fotojournalismus und im Internet gelten. Allerdings ist das Thema grösser als ich es hier anschneiden kann. So wird die Gegenwart ein Ort neuer und alter Herausforderungen.

 

Im Suchermodus zwischen Trend und Werbung

schöne Füsse festgehalten mit alter Kamera - Foto: Michael Mahlke

Persönliche Blicke auf die aktuelle fotografische Situation

Der Mut von Fuji und der Unmut der Käufer

Es gibt aktuell (11.01.2012) keine echten innovativen Neuerungen bei Digitalkameras. Das letzte Mal betrat Fuji mit der X100 Neuland und da muß noch etwas getan werden im Bereich Firmware, um daraus eine längerfristige Entwicklung zu machen.

Der Versuch mit der X10 ist zudem in meinen Augen noch in der Warteschleife, weil die Unberechenbarkeit beim Fotografieren in bezug auf die auftretenden „weißen Scheiben“ den Einsatz der Kamera zum reinen Fotolotto macht.

Ich denke, um aus einer Pioniertat keine Bruchlandung zu machen, ist noch einiges erforderlich. Und darauf warten offenkundig viele in diesem Fall immer noch.

Insellösungen

Nachdem Ricoh mit der GXR-Reihe den APS-C ähnlichen Sensor in die spiegellose Kamera geholt hat, kam Sony mit der NEX-Reihe, dann kam Samsung, aktuell Fuji mit der X-Pro 1 nach der X100 und nun kommt Canon mit der G1X.

Alle Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze und setzen auf Insellösungen. Canon liefert eine Alles-In-Einem Kamera, Ricoh hat das flexibelste Modulsystem, Fuji wahrscheinlich den besten (optischen) Sucher und Sony die meisten Kameras in dieser Reihe. Mit allen grossen Sensoren wird man wohl gute bis sehr gute Fotos machen können, wenn auch jeder Hersteller seine Sensoren besonders loben wird.

Kundenfreundlichkeit

Stattdessen haben Panasonic und Olympus mit dem M43 (Micro-FourThirds) Standard ein für Kunden wesentlich freundlicheres System geschaffen. Hier ist es möglich, dass man beliebige Objektive des einen Herstellers mit Gehäusen des anderen Herstellers kombiniert.

Neu neben alt

Aktuell sieht man, wie versucht wird, die ausgebauten Systeme der DSLR-Kameras durch neue Systemkameras abzulösen. Da Canon und Nikon die am besten ausgebauten DSLR-Systeme haben, scheinen sie eher zurückhaltend. Das hat aber auch gute Gründe.

Für mich sprach gegen die bisherigen DSLRs insbesondere das laute Auslösegeräusch und die „Klobigkeit“ der Gehäuse (wichtig: ich spreche vom Konsumerbereich, nicht vom Semi/Profi). Beides hat z.B. Nikon mit der D3100 weitgehend beseitigt. Bei Canon stört mich das laute Auslösen immer noch.

Setze ich nun die vermeintlich kleineren Systemkameras dagegen, dann sind diese in meinen Augen

  • nicht wirklich praxistauglich  kleiner (schon gar keine Hosentaschenkameras),
  • sie haben keinen so guten (optischen) Sucher (wenn überhaupt),
  • sie sind sogar lauter im Auslösegeräusch und
  • die optischen Gesetze waren auch bei den Objektiven nicht ausser kraft zu setzen.

Lichtstärke macht auch hier die Objektive schwer und groß. Man darf die Objektive übrigens nicht nur eingefahren und im Transportmodus sehen sondern auch ausgefahren.

Wenn man dann eine DSLR wie die D3100 neben eine Systemkamera hält, wird deutlich, wie gering die Unterschiede sind, wenn zum Beispiel zwei Gehäuse mit Sucher als Vergleich dienen.

Dennoch wird versucht, neue Absatzmärkte aufzubauen und die Systemkameras als die bessere Alternative aufzubauen. Bisher sehe ich aber nicht, dass auch nur eines meiner oben aufgeführten Argumente für DSLRs durch eine Systemkamera aufgefangen und/oder verbessert wurde.

Einzig die Canon G1X ist irgendwie sehr klug konzipiert. Wer eine DSLR mit lichtstarken Objektiven nutzt, der wird dies auch weiterhin tun (oder das Ricoh GXR-System). Dagegen kann die G1X nicht an. Aber als Ergänzung zur DSLR-Kombination ist diese Kamera sicherlich sehr sinnvoll. Wenn denn alles klappt und technisch ok ist, dann wird die G1X wohl Canon und den Kunden gemeinsam viel Freude bereiten.

Wie geht es nun weiter?

Es wird wohl eine Parallelität der Systeme geben. Die aktuellen Trends  sind sehr vielschichtig.

Aber

  • große Chips,
  • Retrodesign,
  • der Einbau von Suchern und
  • Insellösungen

scheinen einige der Themen zu sein, die sich gerade entwickeln. Da fast alles jenseits der 500 Euro Marke (ca. 1000 DM) angesiedelt ist, wird auch zu fragen sein, inwiefern diese Preise durch fotografische Leistung und Mehrleistung gerechtfertigt sind.

Da werden wir alle noch viel Spass haben!

 

Wo bleibt die Firmware? Beispiele für Modellpflege und Philosophie in der Kameraindustrie

Warten auf ein Update - Foto: Michael Mahlke

Eine persönliche gedankliche Skizze in einer Zeit der fotografischen Unübersichtlichkeit

Im Zeitalter der Software-Fotos

Im digitalen Zeitalter sind Kameras nicht mehr nur von der Optik abhängig. Hinzu kommen zusätzlich der Sensor und die Software. Die Software regelt das Zusammenspiel aller Komponenten (Firmware). Man könnte sogar von Software-Fotos sprechen.

Daher ist es unerläßlich, sich die Frage zu stellen, was Kamerahersteller tun, um die Qualität einer Kamera für ihre Kunden durch die Software sicherzustellen.

Musterschüler Leica und Ricoh

Eins muß man Leica lassen. Sie pflegen ihre Produkte wie die Leica M Serie doch sehr. Man hat dabei nicht das Gefühl etwas zu kaufen, das mit dem Kauf schon wieder veraltet ist.

Vielmehr weiß man, dass es an die technischen Entwicklungen im Umfeld (Speicherkarten, Betriebssysteme,  Steuerung des Fokus, verbesserte Algorithmen etc.) angepasst wird.

Mir scheint, dass Leica diese Philosophie im Bereich der Kompaktkameras ergänzt/verändert hat.

Im Bereich der Kompaktkameras kommt nun auch bald jedes Jahr in Anlehnung an die aktuellen Panasonic Lumix Modelle etwas Neues heraus. Updates sind dort nicht so oft zu finden. Das kann aber auch daran liegen, dass es dort von vornherein sehr gute Firmware gibt.

Bei Ricoh fühlt man sich auch nicht im Stich gelassen. So werden insbesondere die Kompaktkameras der GX, GR und GXR-Serie feinabgestimmt mit sinnvollen Updates versorgt und auch noch Jahre nach Erscheinen neuer Modelle gepflegt. Ricoh möchte ich deshalb besonders erwähnen, weil man dort keine Kamera für tausende von Euro  kaufen muß, um in diesen nachhaltigen und guten Service zu kommen.

Die Gretchenfrage bei Fuji

Fuji ist nun auf diesen Zug in meinen Augen aufgesprungen. Mit der Fuji X100 und der Fuji  X10 wird  versucht, Bewährtes und Neues zu verbinden, ähnlich wie bei der M9.

Doch nun wird es für mich spannend. Wird Fuji für diese Kameras die Firmware verbessern?

Für die X100 ist dies zwar teilweise geschehen, aber die Verbesserungsmöglichkeiten sind noch sehr hoch und sehr viele Käufer erwarten auch, dass diese Optimierungen noch umgesetzt werden.

Sollte Fuji stattdessen eine neue Kamera auf den Markt bringen ohne die bisherige X100 zu optimieren, dann wird dies sicherlich dazu führen, dass man sich fragt, ob bei einer solchen Firmenphilosophie ein neuer Kauf von hochwertigen Produkten Sinn macht.

Hinzu kommt das Problem mit der X10. Die ist zwar preiswerter aber für ihr Segment sehr hochpreisig. Wird Fuji hier im Sinne der Kunden eine Lösung finden? Zumal im Vergleich mit Ricoh die Kamera noch teurer ist als zum Beispiel eine Ricoh GR 3 oder 4.

Es wird in meinen Augen nicht reichen, den Kunden neue Kameras ca. im Jahrestakt für 500, tausend oder mehr Euros anzubieten und die Software der bisherigen Modelle nicht zu optimieren und auch noch nach Erscheinen eines neuen Modells zu pflegen.

Die Sache mit Sony

Bei Sony sind sehr viele Kameras relativ schnell durch neue Kameras abgelöst worden. Man muss mindestens zwischen Nex, Alpha und Kompaktkameras unterscheiden. Bisher gab es z.B. für die Sony HX9V keine neue Firmware, obwohl man mit dieser Kamera dann durchaus jahrelang optimiert gut fotografieren könnte. Bei den höherpreisigen NEX-Kameras waren doch Firmware-Updates zu verzeichnen.

Andere

Dies alles könnte man nun noch sehr viel mehr ausführen und recherchieren. Das würde diese gedankliche Skizze sprengen.

Gretchenfrage

Aber aktuell brennt im digitalen Land vermutlich das Verhalten der Firma Fuji unter den Nägeln. Wird es diese Firma schaffen, sich Teile des Image der Firma Leica (ähnlich Leica M) oder der Firma Ricoh aufzubauen?

Diese Frage wird sich 2012 durch das Handeln der Beteiligten sicherlich von alleine beantworten. Wir werden es erleben und live dabei sein.

Text-Version 1.1.

 

Der Abschied vom Messsucher

Früher war es das Element für meditative Ruhe in der Fotografie. Heute habe ich Abschied davon genommen – nicht von der Ruhe sondern vom Messsucher.

Wir alle wissen ja, dass Leica M Kameras benutzt werden müssen, damit sie nicht verharzen. Also nahm ich heute meine M6 und machte ein paar Fotos. Dabei fiel mir auf, dass ich schon länger nicht mehr ernsthaft mit dem Messsucher und dem gekoppelten Schnittbildentfernungsmesser fotografiert hatte.

Doch es war ein Abschied. Was mir früher zur Bildgestaltung so sehr gefallen hatte, ist nun etwas Besserem gewichen, der Fuji X100. Ja, die richtige Belichtung mit Hilfe zweier roter Dreiecke zu finden war schön bei der Leica M6. Und dann das Scharfstellen mit dem Schnittbildentfernungsmesser.

Aber irgendwie ist der optische Sucher der Fuji X100 einfach augenfreundlicher für mich. Je mehr ich durch die Leica schaute und dann die Fuji nahm, desto mehr bestätigte sich mein Eindruck.

Es hat etwas Neues begonnen. Es ist für mich weniger eine Frage der Technik als eine Frage des Sehens. Das meditative Sehen ist mit der Fuji ebenfalls gegeben.

Wenn ich nun im direkten Vergleich den Messsucher der Leica M6 TTL nehme, den elektronischen Sucher der Panasonic G2 und den optischen Sucher der Fuji, dann ist meine Wahl klar: es ist der optische Sucher der Fuji.

Die Leica ist nun wieder in der Tasche und wartet – wohl aufbewahrt – auf ihren nächsten Service durch mich.

Ich gebe aber zu, dass ich mit der neuen Leica M9-P noch nicht gearbeitet habe. Insofern ist meine Meinung an dieser Stelle auf der Grundlage der M6 TTL gebildet worden.

Die Zeit wird zeigen, ob sich meine Meinung festigt oder durch neue Sucher neue Bewertungen auftauchen.

Das Loch nach der Photokina

Nun ist die Photokina schon einen Monat vorbei und ich meine, ich spüre das Loch im Internet. Fast alle technischen Fotoseiten, international und national, haben fast stündlich in ihren Blogs über die neuesten Produkte berichtet. Und jetzt? Sie scheinen alle im Urlaub zu sein oder sie testen ununterbrochen. Wie auch immer, im Internet gibt es nicht nur wenig Neues sondern über die neuen Produkte auch wenig Getestetes.

Das gibt den Gedanken neue Nahrung. Was wäre eigentlich, wenn die Photokina nicht gewesen wäre und wenn es keine neuen Produkte gegeben hätte? Die einzige echte fotografische Hoffnung war ja die Fuji X100. Ob Sie wirklich lautlos sein wird, ob sie wirklich eine neue Generation von Digitalkameras für ernsthafte und traditionell ausgerichtete Fotografinnen und Fotografen eröffnet, werden wir in knapp einem halben Jahr sehen.

Aber wenn es diese Hoffnung nicht geben würde und wenn es die Photokina nicht gegeben hätte, was wäre dann eigentlich los in der Fotografie?

Man könnte zu dem Ergebnis kommen, dass man mit den bisherigen Kameras auch gut fotografieren kann. Und man könnte auch denken, dass es nicht ein gutes Bild weniger geben würde. Nichts gegen die Photokina! Sie ist ein wunderbarer Ort, um Blicke auf die neuen Produktionsstätten der Welt in China zu werfen und die kommenden Kulturen der Zukunft schon heute auch in Deutschland und im schönen Köln am Rhein zu empfangen. Das ist wirklich schön.

Aber fotografisch sind wir nicht weiter sondern höchstens anders geworden nach dieser Messe. Der alte Schopenhauer schrieb einmal „Das Neue ist der Feind des Guten“. Ich glaube, dass die nächste Photokina dazu genutzt werden könnte, vielen asiatischen Menschen Deutschland als Reiseland noch besser zu vermitteln.

Und nach der Photokina sollte es Reisen geben, Fotoreisen durch Deutschland und Fotoreisen durch China. Man könnte Wettbewerbe machen und die Photokina Besucher könnten diese Reisen gewinnen, gesponsert von den großen Herstellern, die die Gewinner zu Botschaftern für eine bessere Kommunikation auf der Welt mit Hilfe der Fotografie machen. Das wäre übrigens auch der Stadt Köln angemessen, deren Traditionen ja gerade auf der Begegnung der Kulturen und Menschen beruhen.

Insgesamt könnte man das Loch nach Photokina mit vielen guten Ideen füllen. Denn diese Messe ist schon etwas besonderes, weil sie alle Menschen und Kulturen mit als Fotografen oder Fotografierte zusammenbringt und die Produkte in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Ob es so etwas jemals geben wird? Ich weiß es nicht, aber zumindest habe ich das Loch nach der Photokina mit einer guten Vision gefüllt.

Photokina 2010 – Impressionen

Die Photokina 2010 in Köln ist ein Ort, an dem sich die Welt trifft. Es ist ein Ort der Globalisierung. Wenn man sich anschaut, welche chinesischen Firmen damit werben, für die großen Marken der Fotografie zu arbeiten und wenn man sieht, wie viele gute Produkte gar nicht nach Deutschland kommen, dann gibt es viel Stoff zum Nachdenken. Aber auch das Miteinander im Gegeneinander zeigt, wie klein Europa und wie groß die Welt ist.

Doch dies ist längst nicht alles. Bezogen auf Innovationen ist ein echtes Highlight sicherlich die Fuji X100. Endlich traut sich eine große Firma wieder eine Kamera zu bauen, die alles hat, was ein guter Fotograf braucht. Damit will ich nicht abstreiten, dass auch woanders gute Kameras gebaut werden. Aber unbestritten ist sicherlich, dass Sony und Fuji dieses Jahr den Ton bestimmen. Sony hat mit der NEX 5 und dem Camcorder NEX-VG10  echte und bezahlbare Innovationen herausgebracht. Fuji bringt nun eine Kamera mit einem echten Sucher und einem Gehäuse, dass aus einem Monitor wieder eine Kamera macht, die man auch noch gut mit zwei Händen anpacken kann. Die Fuji ist das offensichtliche Highlight der Photokina und wird wahrscheinlich eine große und begeisterte Anhängerschaft finden. Hoffentlich ist das Auslösegeräusch abstellbar, dann gehen wirklich Wunschträume in Erfüllung.

Aber mir ist noch mehr aufgefallen. Deutsche Domains werden gefragt. Was hat das mit der Photokina zu tun? Der Grund liegt darin, dass die Internetangebote wachsen. Der einfache gute deutsche Domainname wird langsam als Orientierung für digitale Inhalte entdeckt. Und es gibt zunehmend Angebote für das Hosten und die Darstellung von Fotos. Das hat man ja in den letzten Jahren fast monopolhaft ganz wenigen Anbietern überlassen, die einfach aufgrund ihrer fast Alleinstellung auf dem deutschen Markt heute aus allen Nähten platzen. Da kommt jetzt Bewegung hinein. Im Englischen Raum gibt es diese Angebote schon länger. Jetzt kommen sie auch nach Deutschland.

Aber ich habe noch etwas entdeckt. Das Fotobuch ist weltweit ein Hoffnungsträger. Es ist ja auch nicht verkehrt, wenn es auch gedruckte Fotos gibt. In unendlichen Varianten werden sie angeboten. Und es ist ein weltweites Thema.

Da hat sich ja die Photokina anders entwickelt als prophezeit. Wenn man ein knappes Jahr zurückdenkt, dann wurde von „Insidern“ eher geschätzt, dass das Hauptthema der Photokina 2010 die DSLRs mir den schwenkbaren Monitoren sein werden. Das ist offenkundig nur bedingt der Fall.  Nun denn, das Spannende scheint ja zu sein, dass das Zurückholen einiger Klassiker in das digitale Zeitalter vielfach mehr Erfolg hat als Neues um jeden Preis. Und warum auch nicht? Die Menschen haben sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert nur die technischen Möglichkeiten wurden verändert. Insofern sind gelungene Klassiker gut, wie man mit der Olympus Pen ja schon gesehen hat. Aber offenkundig wird zunehmend den Herrstellern klar, dass das Display den Sucher doch nicht ersetzen kann. Eine kleine „Innovation“ war an einem Messestand ein Sucher für die Displays. Man setzt also auf das Kameradisplay einen Sucher, um dadurch zu gucken. Der Stand war umlagert. Das spricht wohl weniger für Kameras nur mit Display als vielmehr für gute optische und elektronische Sucher.

Ein Besuch auf der Photokina lohnt sich wirklich. Die Wege sind weit, aber es gibt so ziemlich alles, was mit Fotografie zu tun hat und vieles darüber hinaus.