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Über Fotografie schreiben

Fotobücher und Texte zur Fotografie und Streetfotografie – Michael Mahlke

Über Fotografie schreiben bedeutet für mich über Dokumentarfotografie, soziale Fotografie und Digitalkameras zu schreiben. Die Digitalfotografie hat für mich das Fotografieren demokratisiert, weil sich heute jeder einen Fotopparat leisten kann, sogar zusätzlich zum Handy bzw. Smartphone.

Smarter fotografieren ohne Smartphone und mit Sucher

Kunstpause - Foto Michael Mahlke

Kunstpause – Foto Michael Mahlke

Aktuell werden ca. 80% aller Fotos mit Smartphones und 20% mit Digitalkameras aufgenommen. Die Smartphonefotos sind Fotos, die Teil der visuellen Kommunikation sind. Es sind nicht die Fotos, die nur mit speziellen Digitalkameras aufgenommen werden können.

Und es fehlt der Sucher.

Ich habe diesen Sommer viel mit elektronischen Suchern in Digitalkameras fotografiert. Sobald die Sonne blendete und ich den Monitor kaum noch erkennen konnte wechselte ich auf den Sucher und konnte darin fast genauso wenig sehen, weil er nicht richtig abgeschottet war. Nur wenn ich die Hand schützend über den Sucher legte hatte ich klare Sicht.

Das war bei optischen Suchern besser und so wurde mir klar, daß das Neue nur neu ist aber nicht unbedingt auch besser.

Das ist eben auch so eine 80:20 Regel. In 80% Prozent aller fotografischen Situationen sind die neuen elektronischen Sucher ok, aber in den entscheidenden 20% aller Situationen ist der optische Sucher besser wie z.B. starke Sonne, viele verschiedene Lichtquellen oder maximale Unauffälligkeit.

Daher bin ich ganz froh, daß ich noch ältere Digitalkameras nutzen kann wie die Fuji X10.

Damit bin ich aber raus aus dem Rennen zum Thema neuste Technik und drin im Thema wie fotografiere ich authentisch?

Stattdessen bin ich immer up to date, wenn ich smart berichte über zeitlos gute Dinge. Zeitlos bedeutet, es sind Fotos und Themen, die authentisch aus ihrer Zeit berichten oder heute brennen aber nicht unbedingt prominent waren. Zeitlos gut sind z.B. die Fotos von Friedrich Seidenstücker.

Daher erscheinen hier eher wenig Artikel über neuste Technik, dafür aber aktuelle Artikel über gute alte oder neue Fotografie in sozialen Zusammenhängen.

Auf der Photokina dieses Jahr hatte ich ein sehr intensives Gespräch mit einem kompetenten Mann, dem ich sagte, daß ich nicht verstehe, wieso mir Kamerahersteller nie langfristig Kameras zur Verfügung stellen sondern lieber über ihre PR-Agenturen Frauenblogs oder reine Technikblogs unterstützen und dort auch werben. Es gab eine Zeit, da hat es mich sehr frustriert, daß ich hier alles privat bezahlen muß. Der Mann lachte und sagte zu mir: „Ich kenne ihre Blogs und die stehen für sich voller Kompetenz, Authentizität und Engagement. Wollen Sie sich wirklich davon abhängig machen, daß man Ihnen für sechs Monate eine Kameraausrüstung für 2000 oder 3000 Euro zur Verfügung stellt und Sie dann gezwungen sind, ihre ganze Arbeitsweise davon abhängig zu machen? Und was haben Sie denn letztlich davon außer Abhängigkeit ohne echte Gegenleistung?“

Diese Worte taten mir richtig gut und das war die Befreiung. Der Mann hatte so was von Recht, daß ich ihm mit diesen Zeilen noch einmal unbekannterweise danken möchte – zumal hier im Schnitt täglich gut 5000 echte Besucher auf den Fotoblogs lesen.

Und nun?

Fotografieren nach dem Weltuntergang in unserer Endzeit kann für mich bedeuten, das Humanistische in trostlosen Zeiten festzuhalten.

Es gibt ja keine Alternative dazu, weil die eigene biologische Lebenszeit klare Grenzen setzt und die politischen Bedingungen aktuell sozial nur Unsicherheit schüren.

So ist dieser Artikel eine Skizze wie auf einem Blatt Papier, die dazu dient, einen Blick darauf zu werfen und sich dann zu entscheiden ob, ob hier oder ob nicht…

Welche Digitalkamera würde sich heute Henri Cartier-Bresson kaufen?

Von Leica zu Lumix - Foto: Michael Mahlke

Von Leica zu Lumix – Foto: Michael Mahlke

Diese Frage stelle ich mir, weil ich wissen möchte, ob meine Wahl auch seine Wahl gewesen wäre.

Die Frage habe ich vor sechs Jahren so ähnlich schon einmal gestellt.

Als er intensiv zu fotografieren begann, hat er sich für eine Kleinbildkamera von Leica entschieden, weil dies die kleinste Kamera auf dem Markt mit Wechselobjektiven war. Es ging also primär um technische und praktische Gesichtspunkte, die für seine Art unterwegs zu sein, Momente schnell und diskret aufzunehmen und fotografisch zu sehen entscheidend waren.

Der Preis spielte für ihn eher keine Rolle, da er aus einer sehr reichen Familie stammte.

Er hat aber nicht mit einer Leica Fotografieren gelernt. Und sein Benutzen der Festbrennweite um die 50mm ist legendär.

Die Fotos, die er mit diesen Kameras gemacht hat, wären heute in digitalen Zeiten auch mit jeder durchschnittlichen Kompaktkamera in dieser Qualität möglich.

 

Hätte sich Cartier-Bresson heute überhaupt eine Digitalkamera gekauft oder direkt nur noch ein Smartphone?

Ich glaube, er hätte den Sucher gemocht, weil Sucherfotografie intensiver ist und weil der Sucher seiner Art entsprach, der Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und das Foto geometrisch zu gestalten.  Deshalb wäre das Smartphone wohl nur eine Ergänzung gewesen.

Er wollte ja immer eine kompakte und schnelle Kamera haben, die er unauffällig benutzen kann.

Und da würde es heute natürlich eine andere und bessere Auswahl geben.

In der Tradition von Leica mit einem besseren Sucher wäre die Fuji X100 interessant.

Entscheidend wäre sicherlich eine Kombination von Sucher und Monitor und er wäre bestimmt auch experimentierfreudig genug, um Aufnahmen mit dem Monitor zu machen.

Zudem bin ich überzeugt davon, daß er auch in Farbe fotografiert hätte. Das hat er ja auch zu seiner Zeit, aber es gefiel ihm nicht so. Auf dem Monitor und mit der Möglichkeit sofort mehr zu sehen, wäre dies vielleicht anders gewesen.

Denn auch er wußte, daß manche Fotos monochrom und manche farbig besser wirken.

 

Wäre er bei einer größeren Kamera geblieben oder hätte er sich eine kleinere Kamera geholt?

Das ist ein Kapitel aus dem Themenbereich der ungeschehenen Geschichte.

Er hat gerne mit der Minilux fotografiert als es sie gab: „Die Leica ist eigentlich gar keine Leica, sondern sie wurde von 1995 bis 2003 von der Firma Panasonic aus japanischen Bauteilen gefertigt.  Lediglich das Summarit-Objektiv stammt aus deutscher Rechnung, aber auch nicht aus deutscher Fertigung.“

Es war also nicht der Messsucher und die Kameragröße an sich, da der Sucher der Minilux bzw. Minilux Zoom  ja viel kleiner war und die berühmten zwei Lämpchen hatte, die bis vor kurzem bei allen optischen Suchern mit Autofokus zu finden waren: „Sucher:  Realbild-Sucher mit Markierungen für das Autofocus-Meßfeld, für Aufnahmen im Nahbereich und für Panorama-Aufnahmen. Blitz-Funktionsanzeige durch eine rote Leuchtdiode. Funktionsanzeige für Autofocus und Belichtungsmessung durch eine grüne Leuchtdiode.“

Das ist sehr gut in dem Buch Faceless zu sehen.

Aus heutiger Sicht hat danach und bis heute überhaupt die wahrscheinlich besten optischen Sucher die Firma Fuji mit der X100 für eine größere und mit der Fuji  X10 bzw. X20 für eine kleinere Digitalkamera mit Autofokus angeboten und bei den „kleineren“ optischen Suchern war und ist der optische Sucher der Fuji X10 davon letztlich wohl der beste.

(Anmerkung 2018: Hier eine kleine Ergänzung dazu)

 

Was würde Henri Cartier-Bresson heute nutzen?

Wenn ich mir nun anschaue, was aktuell auf dem Markt verfügbar ist, dann wäre für mich die Wahl klar.

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Foto: Michael Mahlke Lumix TZ71

Es wäre unter technischen Gesichtspunkten und der Bequemlichkeit, wenn man unterwegs ist, eine Panasonic Lumix TZ-71.

Da diese Digitalkamera ein Leica-Objektiv hat, wären alte Namen und neue Möglichkeiten hier taschenfreundlich vereint.

Auch das Design ist fein.

Und man kann neben allen klassischen und fortschrittlichen Techniken sogar mit Sucher manuell sehr detailliert scharfstellen mit elektronischer Hilfe. Nur die Olympus Stylus 1 ist besser aber auch etwas größer. Sie hätte ihn vielleicht auch interessiert. Ohne Sucher aber mit der Möglichkeit einen Sucher aufzustecken könnte es auch die Ricoh GR mit dem APS-C Sensor sein, weil die auch klasse für Street ist.

 

Hätte Herr Cartier-Bresson meine Meinung geteilt?

Es bleibt offen, ob Monsieur Cartier-Bresson sich aus sozialen Gründen als reicher Mann dann nicht doch lieber eine teurere oder größere Kamera gekauft hätte. Wahrscheinlich hätte er sie sogar geliehen oder geschenkt bekommen.

Aber für Reportage und Street und schnelle Schnappschüsse unterwegs ist die Lumix TZ-71 eine gute Wahl.

„Alles dran und alles drin“ stimmt wirklich.

Das liegt vielleicht auch daran daß es nicht die erste Kamera in der Serie ist und Panasonic auch Erfahrungen integriert. Sie ersetzt in meinen Augen auch eine so gute Kamera wie z.B. die DMC-FZ150, die im Bereich der Bridgekameras bis heute wirklich gut ist. Ich persönlich würde sogar noch schwanken zwischen der Lumix TZ-71 und der DMC-LF1 alias Leica C.

Na gut!

Andere leichte, technisch und optisch ausgereifte und flexible Kameras mit Sucher wären sicher auch möglich und wenn ich den Artikel in fünf Jahren noch mal schreiben sollte, würde das Ergebnis sicher wieder neu ausfallen.

Aber wer kennt dann noch seinen und meinen Namen und stellt sich so eine Frage?

Vielleicht mehr als man heute meint.

Wer weiß!

Die Kamera ist sicherlich nicht die beste Kamera, um eine Kartoffel zu fotografieren oder eine Handtasche und dafür dann 1 Million Dollar zu erhalten.

Dafür muß die Kamera wohl teurer sein.

Aber sie ist gut genug um das Soziale im Ablauf von Begegnungen, Momenten und dem Leben festzuhalten. Dafür gibt es dann aber nicht so viel Geld – aber mehr Leben.

Da man nach dem Leben und dem Sterben im Himmel alle Menschen wiedertrifft, werde ich dann die Gelegenheit nutzen, um Monsieur Henri Cartier-Bresson selbst zu fragen. Ich hoffe es dauert noch ein Weilchen, aber wenn es so weit ist, bin ich auf seine Antwort gespannt.

Nun hoffe ich, daß ich in fünf Jahren (heute ist 2016) den nächsten Artikel mit dieser Frage schreiben kann – ich bleibe dran.

Digitalkameras in der Streetphotography bzw. Streetfotografie von Fotomonat bis Filtermix

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Alles ist möglich aber nicht alles ist gut.

So würde ich meine Erfahrungen zusammenfassen, wenn es um Digitalkameras und das Fotografieren auf der Straße geht.

Ich meine dabei Fineart Streetfotografie.

Als im Jahre 2006 die Pananonic Lumix DMC-L1 (als Kooperation mit Olympus) auf den Markt kam, war dies wie ein kleines digitales Wunder.

Es gab nur DSLRs und einige Bridgekameras. Das klassische rechteckige Format wie es bei Pentax, Leica, Olympus etc. zu analogen Zeiten vorhanden war, gab es nicht.

Leica war damals digital kaum existent und übernahm die Kamera als Digilux 3 ins eigene Programm.

Die Lumix L1 holte das Handling aus analogen Zeiten in die digitale Welt, sie bot alle die Knöpfe und Rädchen, die viele haben wollten, sie hatte das Format, das viele mochten und sie war so stabil wie alte Kameras.

Ich weiß noch wie ich und andere diese Kamera zum damaligen Einstiegspreis von 2998.- Euro bei Fotokoch anschauten. Da standen wir echt in einer Reihe bis jeder mal dran war und die Kamera in die Hand nehmen konnte. Das waren noch Zeiten!

Das war 2006.

Jetzt sind wir zehn Jahre weiter.

Was ist in dieser Zeit bei Sucherkameras mit Wechseloptiken für Streetfotografie geschehen?

Wenn wir uns das Bild betrachten, wird es auf einen Blick klar.

klassiker_streetphotography

Die Digitalkameras sind kleiner geworden und Panasonic ist sich dabei wirklich treu geblieben und bietet aktuell mit der DMC-GM5 eine Kamera an, die im Format einer Kompaktkamera mit großem MFT-Sensor und Sucher alles das kann, was auch eine ausgewachsene DSLR konnte – und noch ein bißchen mehr (inklusive totalem Videospaß).

Dazwischen drängen konnte und kann sich eigentlich nur die V1 von Nikon, deren 1er Sensor mit der unglaublichen Fokussierschnelligkeit und dem Sucher doch ebenfalls richtig gute Streetfotografie ermöglicht.

Diese Kameras sind für mich die Klassiker unter den Digitalkameras mit Sucher, klassischer Form und Wechseloptik im Bereich der Streetfotografie in der Abfolge von damals bis heute.

Aber es wurden seitdem ja noch mehr Kameras gebaut.

Und wenn ich mich für Digitalkameras interessiere, die einen Sucher und eine fest verbaute Optik haben, dann gibt es eine andere Reihe.

klassiker_streetphotography2

Haben Sie die Kameras erkannt?

Wenn nicht, dann zeige ich sie Ihnen hier noch mal von vorn:

klassiker_streetphotography2a

Wie Sie sehen handelt es sich um die Fuji X100, die der Pionier für die Rückkehr des klassischen Suchers in die Streetfotografie ist. Sie wurde auch ein Ersatz für viele, die von Leica kamen und sie ist bis heute im Kreis von Fotoreportern sehr beliebt.

Die Fuji X100 hatte und hat drei Dinge, die es so vorher und bis heute nicht mehr gab. Erstens hat sie einen unerreicht guten Sucher, der sowohl optisch als auch digital sein kann. Zweitens hat sie die klassische Form der Reportagekamera, die ein ganzes Jahrhundert dominierte. Drittens traf sie den Nerv der Zeit, weil sehr viele darauf warteten endlich eine Kamera zu bekommen, die das beste aus analogen Zeiten mit dem besten aus digitalen Zeiten miteinander vereint und bezahlbar ist.

Und Fuji war eben klug genug in einer Kamera beide Möglichkeiten anzubieten bis hin zur Wahl zwischen Sucher und Monitor und dies alles mit einem Preis zu koppeln, der für arbeitende Menschen annehmbar ist.

Die langen Schlangen auf der Photokina waren damals so erstaunlich, daß die Fuji Verantwortlichen selbst aus dem Staunen nicht mehr rauskamen.Ich war dabei. Und auch spätere Berichte beschreiben diese ganz besondere Erwartungshaltung.

Es war nicht nur Zeitgeist sondern es war die vorgeformte Erwartungshaltung ganz vieler Menschen, die mit analogem Equipment aufgewachsen waren und nun endlich die kompromisslose digitale Umsetzung wollten. Das hat sich nur Fuji getraut.

Doch zurück zum Foto.

Hier kommt die Fuji X10 mit ihrem optischen Sucher hinzu und als neuste Kamera in dieser Reihe die Panasonic Lumix DMC-LF1, klein und fein, wenn auch mit elektronischem Sucher.

Doch auch dies war nicht alles.

Denn es gab ja viele Jahre fast ausschließlich Kameras mit Monitor und ohne Sucher.

Für Streetfotografie sind die besten Digitalkameras ohne Sucher und mit Monitor dabei hier zu sehen:

klassiker_streetphotography3

Es handelt sich um die Olympus XZ-10 (wobei die XZ-1 bis heute genau so gut ist aber noch etwas anders), die Ricoh GR Digital 3 bzw. 4 (als Festbrennweite) und die Casio EX-ZR 700 bzw. 1000. Es sind alles Kameras mit kleinen Sensoren. Das ist kein Zufall weil schnelle und spontane Monitorfotografie vielfach mit kleineren Sensoren auf die Schnelle bessere Ergebnisse erzielen kann.

Ich habe vor einigen Jahren an anderer Stelle schon einmal über die besten Kameras für Streetphotography aus meiner Sicht geschrieben.

Das war zu einer Zeit als ich noch nicht wußte was noch kommt und womit ich weiter Erfahrungen sammeln werde. Auch damals waren es alles gute Kameras aber es gab im Ergebnis auch dabei noch bessere.

Insofern ist der damalige Bericht ein guter Querschnitt, ersetzt aber nicht diese Zeilen, weil ich hier technische Entwicklungen und eigene Erfahrungen Jahre später im Längsschnitt zusammenführe.

Denn für gute Streetfotografie ist eine gute Kamera erforderlich, die etwas haben muß, was alle Kameras hier haben.

Wissen Sie was?

Genau, es ist das RAW-Format.

Meiner Erfahrung nach kann man zwar den Moment in der Streetfotografie nicht wiederholen aber man kann die Fotos danach im digitalen Labor so bearbeiten daß die Anmutung entsteht, die man haben will.

Denn fertige jpgs sind ja nichts anderes als im kamerainternen Digitallabor bearbeitete Fotos. Die kann man dann auch selbst mit den eigenen Möglichkeiten später herstellen mit dem RAW-Format, dem digitalen Negativ.

Alle Kameras haben aber noch etwas. nämlich die Möglichkeit der Zeitvorwahl (S wie Shutter Speed). Nur wenn ich die Verschlußzeit selbst bestimmen kann, kann ich auch die Gestaltung des Bildes beeinflussen.

Und man muß sich entscheiden, ob man mit Monitor oder Sucher fotografiert. Sucherfotografie ist anders, weil das Fotografieren durch einen Sucher sehr viel intensiver ist.

Natürlich habe ich viele Kameras ausgelassen.

Verfechter des Vollformats werden sicherlich von Leica und Sony sprechen wollen. Aber die Verknüpfung von Vollformat und Streetfotografie war nur solange sinnvoll wie es keine Alternative gab.

Cartier-Bresson stieg z.B. damals von größeren Kameras auf die kleinere Leica mit dem Kleinbild um, weil so schnelleres und unauffälligeres Fotografieren möglich war und die Kamera einfach kleiner war.

Genau dieser Mut zur Veränderung war die technische Voraussetzung für seine Fotos.

Und diesen Schritt sollte man heute auch machen, denn der Umstieg vom Kleinbild auf kleinere Kameras und kleinere Sensoren lohnt sich, weil die Bildqualität kein Thema mehr ist und die Möglichkeiten durch den Umstieg zum Teil wachsen und mehr Kreativität ermöglichen.

Kleine Sensoren sind auch gute Sensoren und zunehmend auch besser für Street und Still.

Hinzu kommt noch, daß sich das Sozialverhalten verändert hat.

Kameras und das Fotografieren werden heute vielfach anders wahrgenommen. Das hat mit Edward Snowden ebenso zu tun wie mit der Smartphone-Fotografie und sozialen Netzwerken mit ihrer neuen Öffentlichkeit.

Eine Antwort darauf ist meine Fineart-Streetfotografie, die sich genau aus dieser Auseinandersetzung entwickelt hat.

Von 2006 bis 2016 sind nun zehn Jahre in der Digitalfotografie um.

Ich war rund um Fotomonat ca. zehn Jahre dabei.

Aber es zeichnete sich schon 2015 ab, daß es einen Übergang geben wird aus unterschiedlichen Gründen.

Ich brauchte mehrere Versuche über mehrere Jahre, um zurück ins Fotografieren zu finden.

Das Ergebnis steht nun fest: weniger ist mehr und mehr Zeit fürs Fotografieren und weniger Zeit für das Schreiben ist eine gute Veränderung, die ja auch wieder nur vorübergehend ist.

Übrigens heißt mehr Zeit für das Fotografieren nicht mehr Fotos – ganz im Gegenteil!

Ist Leben im Moment mehr Leben oder einfach nur das Leben, weil es mehr als den Moment zu leben nicht gibt?

Vielleicht finde ich es heraus.

Danken möchte ich abschließend Hans Treffer für die Kameras, die er mir zur Verfügung gestellt hat.

Text 1.1

Welchen Zweck hat eine Kamera? – die fotografische „Klassen“-Fahrt

Auf dem Weg zur Photokina – Foto: Michael Mahlke

Neue Kameras schlüpfen aus den Eiern der Kamerahersteller

Nun ist es soweit. Überall vor der Photokina schlüpfen neue Kameras aus den Nestern der Kamerahersteller.

Um mich der Frage dieses Artikels anzunähern möchte ich ein Zitat als Einstieg in meine gedankliche Argumentation nehmen.

 

Das Zitat beginnt mit den Worten: „Wenn die X100 die Leica des armen Mannes ist, dann sieht die RX1 aus wie die Leica der Mittelklasse…..“

 

Es stammt von cnet.com:

„If the X100 is the poor man’s Leica, than the RX1 looks like the middle-class man’s Leica. Do I think Sony can achieve great photo quality with it? Yes; all the pieces are there. And it looks especially yummy if you like street shooting. Do I want to try it? Hell yeah. But for $2,799, especially for a first-generation model, as a potential buyer I’d expect a little more.“

Und damit bin ich schon beim Thema dieses Artikels.

 

Welchen Zweck hat eine Kamera?

Eigentlich ist eine Kamera dazu da, um Fotos zu erstellen nach den Einstellungen des Bedieners, sprich der Fotografin oder des Fotografen.

Das ist in meinen Augen der Zweck einer Digitalkamera.

Das Zitat läßt aber nach meiner Auffassung etwas anderes vermuten.

Es geht davon aus, dass es hier um Statusfragen geht. Die Kamera soll in erster Linie Symbol für eine bestimmte Klasse sein (soziologisch oder marxistisch?).

Damit wären (und sind) wir dann natürlich mitten im Thema der sozialen Gebrauchsweisen von Digitalkameras gelandet.

Wohlgemerkt von Digitalkameras und nicht von Fotos!

Die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Fotos ist eine andere Frage als die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Digitalkameras.

 

Zwischen Zweck und Gebrauch

Der Zweck einer Digitalkamera, das Erstellen von Fotografien, tritt somit immer mehr in den Hintergrund.

Die Aussage des Autors impliziert auch nicht, dass die Leica die besten Fotos macht.

Sie impliziert dafür aber direkt, dass die Leica ebenso ein Statussymbol ist wie die Sony eines werden soll und die Fuji X100 eines ist.

 

Gebrauch statt Qualität?

Wenn man die Frage nach der Qualität der Fotos stellt, dann ist das ganze Thema anders.

Niemand kann sagen, dass die besten Fotos mit den teuersten Kameras gemacht werden.

  • Das würde erstens allen Wettbewerbssiegern widersprechen,
  • Es  würde die Kompetenz der gesamten Juroren und fotografischen Organisationen in Frage stellen und
  • Es würde zudem einen Massstab definieren für gute Fotografie, der allgemeingültig ist ohne objektive Belegbarkeit. Gut ist aber subjektiv.

Daher ist der Ansatz, der durch PR und Marketing in meinen Augen mittlerweile in die Köpfe eingepflanzt werden soll oder wurde, ein anderer: die Klassenzugehörigkeit als Verkaufsargument.

 

Sind Kameras in Handys klassenrelevant?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dies alles auf dem riesigen Massenmarkt der Handys und Smartphones nicht oder noch nicht so eine große Rolle spielt.

Dort kann man sich sein Handy zwar vergolden lassen und mit Diamanten besetzen lassen, aber die Technik ist im Prinzip für alle erschwinglich.

Und die Kamerafrage ist auch ganz praktisch gelöst.

Heute wissen wir laut den Ankündigungen, dass Apple im Iphone 5 keine bahnbrechend neue Kamera eingebaut hat sondern im Prinzip bei der alten Kamera geblieben ist. Zugleich hat Nokia in meinen Augen zwar die mit Abstand aktuell wohl beste Kamera im  Nokia 808 Pureview verbaut, aber der Rest des Handys ist nach der Einschätzung vieler Nutzer durch das Betriebssystem nicht besonders gut im Vergleich zu den Wettbewerbern, allen voran Samsung. Und die neuen Nokia Handys haben dann die Superkamera aus dem 808 nicht eingebaut.

So ist hier der Zweck der Kamera eindeutig weniger fotografischer Natur sondern die Kamera hat nur einen eher praktischen Wert. Und da reichen eben die von den Herstellern eingebauten Geräte aus.

 

Eher modisch als monetär

Man könnte daraus auch schliessen, dass Handys sich nicht mehr so gut für Klassenzugehörigkeit eignen sondern eher für Gruppenzugehörigkeiten, die weniger monetäre als modische Massstäbe anlegen.

Wenn man zurückkommt zu der Frage, welchen Zweck eine Kamera hat, dann ist die Antwort für mich klar.

Damit will ich gute Fotos machen.

Und die sind auch mit den meisten Kameras möglich, die hier nicht erwähnt worden sind und viel weniger kosten.

Oder sie sind eben auch mit den eingebauten Kameras in Handys und Smartphones möglich.

Da diese für die meisten fotografischen Zwecke ausreichen und mittlerweile sogar kunstfähig werden, brauche ich darüber hinaus aus fotografischen Gründen eigentlich kaum noch eine zusätzliche Kamera.

(Es gibt noch andere Gründe für Kameras statt Handys wie z.B. der optische Sucher, aber ich möchte hier einfach bei der Hauptargumentation bleiben und verkürze daher darauf.)

Es sei denn, die Kamera hat einen anderen Zweck, der jenseits der Fotografie liegt.

Wenn die Kamera nämlich als Statussymbol dienen soll.

Und dann sind wir da, wo dieser Artikel angefangen hat.

Aber das ist dann keine fotografische Frage mehr sondern eine Frage der kulturellen Konvention und der soziologischen Einordnung: welche Kamera gehört zur Oberklasse, zur Mittelklasse oder zur Unterklasse – wenn es das denn so gibt?

Da wünsche ich auf und nach der Photokina viel Spass auf der „Klassen“-fahrt!

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