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Smarter fotografieren ohne Smartphone und mit Sucher

Kunstpause - Foto Michael Mahlke

Kunstpause – Foto Michael Mahlke

Aktuell werden ca. 80% aller Fotos mit Smartphones und 20% mit Digitalkameras aufgenommen. Die Smartphonefotos sind Fotos, die Teil der visuellen Kommunikation sind. Es sind nicht die Fotos, die nur mit speziellen Digitalkameras aufgenommen werden können.

Und es fehlt der Sucher.

Ich habe diesen Sommer viel mit elektronischen Suchern in Digitalkameras fotografiert. Sobald die Sonne blendete und ich den Monitor kaum noch erkennen konnte wechselte ich auf den Sucher und konnte darin fast genauso wenig sehen, weil er nicht richtig abgeschottet war. Nur wenn ich die Hand schützend über den Sucher legte hatte ich klare Sicht.

Das war bei optischen Suchern besser und so wurde mir klar, daß das Neue nur neu ist aber nicht unbedingt auch besser.

Das ist eben auch so eine 80:20 Regel. In 80% Prozent aller fotografischen Situationen sind die neuen elektronischen Sucher ok, aber in den entscheidenden 20% aller Situationen ist der optische Sucher besser wie z.B. starke Sonne, viele verschiedene Lichtquellen oder maximale Unauffälligkeit.

Daher bin ich ganz froh, daß ich noch ältere Digitalkameras nutzen kann wie die Fuji X10.

Damit bin ich aber raus aus dem Rennen zum Thema neuste Technik und drin im Thema wie fotografiere ich authentisch?

Stattdessen bin ich immer up to date, wenn ich smart berichte über zeitlos gute Dinge. Zeitlos bedeutet, es sind Fotos und Themen, die authentisch aus ihrer Zeit berichten oder heute brennen aber nicht unbedingt prominent waren. Zeitlos gut sind z.B. die Fotos von Friedrich Seidenstücker.

Daher erscheinen hier eher wenig Artikel über neuste Technik, dafür aber aktuelle Artikel über gute alte oder neue Fotografie in sozialen Zusammenhängen.

Auf der Photokina dieses Jahr hatte ich ein sehr intensives Gespräch mit einem kompetenten Mann, dem ich sagte, daß ich nicht verstehe, wieso mir Kamerahersteller nie langfristig Kameras zur Verfügung stellen sondern lieber über ihre PR-Agenturen Frauenblogs oder reine Technikblogs unterstützen und dort auch werben. Es gab eine Zeit, da hat es mich sehr frustriert, daß ich hier alles privat bezahlen muß. Der Mann lachte und sagte zu mir: „Ich kenne ihre Blogs und die stehen für sich voller Kompetenz, Authentizität und Engagement. Wollen Sie sich wirklich davon abhängig machen, daß man Ihnen für sechs Monate eine Kameraausrüstung für 2000 oder 3000 Euro zur Verfügung stellt und Sie dann gezwungen sind, ihre ganze Arbeitsweise davon abhängig zu machen? Und was haben Sie denn letztlich davon außer Abhängigkeit ohne echte Gegenleistung?“

Diese Worte taten mir richtig gut und das war die Befreiung. Der Mann hatte so was von Recht, daß ich ihm mit diesen Zeilen noch einmal unbekannterweise danken möchte – zumal hier im Schnitt täglich gut 5000 echte Besucher auf den Fotoblogs lesen.

Und nun?

Fotografieren nach dem Weltuntergang in unserer Endzeit kann für mich bedeuten, das Humanistische in trostlosen Zeiten festzuhalten.

Es gibt ja keine Alternative dazu, weil die eigene biologische Lebenszeit klare Grenzen setzt und die politischen Bedingungen aktuell sozial nur Unsicherheit schüren.

So ist dieser Artikel eine Skizze wie auf einem Blatt Papier, die dazu dient, einen Blick darauf zu werfen und sich dann zu entscheiden ob, ob hier oder ob nicht…

Digitalkameras in der Streetphotography bzw. Streetfotografie von Fotomonat bis Filtermix

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Alles ist möglich aber nicht alles ist gut.

So würde ich meine Erfahrungen zusammenfassen, wenn es um Digitalkameras und das Fotografieren auf der Straße geht.

Ich meine dabei Fineart Streetfotografie.

Als im Jahre 2006 die Pananonic Lumix DMC-L1 (als Kooperation mit Olympus) auf den Markt kam, war dies wie ein kleines digitales Wunder.

Es gab nur DSLRs und einige Bridgekameras. Das klassische rechteckige Format wie es bei Pentax, Leica, Olympus etc. zu analogen Zeiten vorhanden war, gab es nicht.

Leica war damals digital kaum existent und übernahm die Kamera als Digilux 3 ins eigene Programm.

Die Lumix L1 holte das Handling aus analogen Zeiten in die digitale Welt, sie bot alle die Knöpfe und Rädchen, die viele haben wollten, sie hatte das Format, das viele mochten und sie war so stabil wie alte Kameras.

Ich weiß noch wie ich und andere diese Kamera zum damaligen Einstiegspreis von 2998.- Euro bei Fotokoch anschauten. Da standen wir echt in einer Reihe bis jeder mal dran war und die Kamera in die Hand nehmen konnte. Das waren noch Zeiten!

Das war 2006.

Jetzt sind wir zehn Jahre weiter.

Was ist in dieser Zeit bei Sucherkameras mit Wechseloptiken für Streetfotografie geschehen?

Wenn wir uns das Bild betrachten, wird es auf einen Blick klar.

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Die Digitalkameras sind kleiner geworden und Panasonic ist sich dabei wirklich treu geblieben und bietet aktuell mit der DMC-GM5 eine Kamera an, die im Format einer Kompaktkamera mit großem MFT-Sensor und Sucher alles das kann, was auch eine ausgewachsene DSLR konnte – und noch ein bißchen mehr (inklusive totalem Videospaß).

Dazwischen drängen konnte und kann sich eigentlich nur die V1 von Nikon, deren 1er Sensor mit der unglaublichen Fokussierschnelligkeit und dem Sucher doch ebenfalls richtig gute Streetfotografie ermöglicht.

Diese Kameras sind für mich die Klassiker unter den Digitalkameras mit Sucher, klassischer Form und Wechseloptik im Bereich der Streetfotografie in der Abfolge von damals bis heute.

Aber es wurden seitdem ja noch mehr Kameras gebaut.

Und wenn ich mich für Digitalkameras interessiere, die einen Sucher und eine fest verbaute Optik haben, dann gibt es eine andere Reihe.

klassiker_streetphotography2

Haben Sie die Kameras erkannt?

Wenn nicht, dann zeige ich sie Ihnen hier noch mal von vorn:

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Wie Sie sehen handelt es sich um die Fuji X100, die der Pionier für die Rückkehr des klassischen Suchers in die Streetfotografie ist. Sie wurde auch ein Ersatz für viele, die von Leica kamen und sie ist bis heute im Kreis von Fotoreportern sehr beliebt.

Die Fuji X100 hatte und hat drei Dinge, die es so vorher und bis heute nicht mehr gab. Erstens hat sie einen unerreicht guten Sucher, der sowohl optisch als auch digital sein kann. Zweitens hat sie die klassische Form der Reportagekamera, die ein ganzes Jahrhundert dominierte. Drittens traf sie den Nerv der Zeit, weil sehr viele darauf warteten endlich eine Kamera zu bekommen, die das beste aus analogen Zeiten mit dem besten aus digitalen Zeiten miteinander vereint und bezahlbar ist.

Und Fuji war eben klug genug in einer Kamera beide Möglichkeiten anzubieten bis hin zur Wahl zwischen Sucher und Monitor und dies alles mit einem Preis zu koppeln, der für arbeitende Menschen annehmbar ist.

Die langen Schlangen auf der Photokina waren damals so erstaunlich, daß die Fuji Verantwortlichen selbst aus dem Staunen nicht mehr rauskamen.Ich war dabei. Und auch spätere Berichte beschreiben diese ganz besondere Erwartungshaltung.

Es war nicht nur Zeitgeist sondern es war die vorgeformte Erwartungshaltung ganz vieler Menschen, die mit analogem Equipment aufgewachsen waren und nun endlich die kompromisslose digitale Umsetzung wollten. Das hat sich nur Fuji getraut.

Doch zurück zum Foto.

Hier kommt die Fuji X10 mit ihrem optischen Sucher hinzu und als neuste Kamera in dieser Reihe die Panasonic Lumix DMC-LF1, klein und fein, wenn auch mit elektronischem Sucher.

Doch auch dies war nicht alles.

Denn es gab ja viele Jahre fast ausschließlich Kameras mit Monitor und ohne Sucher.

Für Streetfotografie sind die besten Digitalkameras ohne Sucher und mit Monitor dabei hier zu sehen:

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Es handelt sich um die Olympus XZ-10 (wobei die XZ-1 bis heute genau so gut ist aber noch etwas anders), die Ricoh GR Digital 3 bzw. 4 (als Festbrennweite) und die Casio EX-ZR 700 bzw. 1000. Es sind alles Kameras mit kleinen Sensoren. Das ist kein Zufall weil schnelle und spontane Monitorfotografie vielfach mit kleineren Sensoren auf die Schnelle bessere Ergebnisse erzielen kann.

Ich habe vor einigen Jahren an anderer Stelle schon einmal über die besten Kameras für Streetphotography aus meiner Sicht geschrieben.

Das war zu einer Zeit als ich noch nicht wußte was noch kommt und womit ich weiter Erfahrungen sammeln werde. Auch damals waren es alles gute Kameras aber es gab im Ergebnis auch dabei noch bessere.

Insofern ist der damalige Bericht ein guter Querschnitt, ersetzt aber nicht diese Zeilen, weil ich hier technische Entwicklungen und eigene Erfahrungen Jahre später im Längsschnitt zusammenführe.

Denn für gute Streetfotografie ist eine gute Kamera erforderlich, die etwas haben muß, was alle Kameras hier haben.

Wissen Sie was?

Genau, es ist das RAW-Format.

Meiner Erfahrung nach kann man zwar den Moment in der Streetfotografie nicht wiederholen aber man kann die Fotos danach im digitalen Labor so bearbeiten daß die Anmutung entsteht, die man haben will.

Denn fertige jpgs sind ja nichts anderes als im kamerainternen Digitallabor bearbeitete Fotos. Die kann man dann auch selbst mit den eigenen Möglichkeiten später herstellen mit dem RAW-Format, dem digitalen Negativ.

Alle Kameras haben aber noch etwas. nämlich die Möglichkeit der Zeitvorwahl (S wie Shutter Speed). Nur wenn ich die Verschlußzeit selbst bestimmen kann, kann ich auch die Gestaltung des Bildes beeinflussen.

Und man muß sich entscheiden, ob man mit Monitor oder Sucher fotografiert. Sucherfotografie ist anders, weil das Fotografieren durch einen Sucher sehr viel intensiver ist.

Natürlich habe ich viele Kameras ausgelassen.

Verfechter des Vollformats werden sicherlich von Leica und Sony sprechen wollen. Aber die Verknüpfung von Vollformat und Streetfotografie war nur solange sinnvoll wie es keine Alternative gab.

Cartier-Bresson stieg z.B. damals von größeren Kameras auf die kleinere Leica mit dem Kleinbild um, weil so schnelleres und unauffälligeres Fotografieren möglich war und die Kamera einfach kleiner war.

Genau dieser Mut zur Veränderung war die technische Voraussetzung für seine Fotos.

Und diesen Schritt sollte man heute auch machen, denn der Umstieg vom Kleinbild auf kleinere Kameras und kleinere Sensoren lohnt sich, weil die Bildqualität kein Thema mehr ist und die Möglichkeiten durch den Umstieg zum Teil wachsen und mehr Kreativität ermöglichen.

Kleine Sensoren sind auch gute Sensoren und zunehmend auch besser für Street und Still.

Hinzu kommt noch, daß sich das Sozialverhalten verändert hat.

Kameras und das Fotografieren werden heute vielfach anders wahrgenommen. Das hat mit Edward Snowden ebenso zu tun wie mit der Smartphone-Fotografie und sozialen Netzwerken mit ihrer neuen Öffentlichkeit.

Eine Antwort darauf ist meine Fineart-Streetfotografie, die sich genau aus dieser Auseinandersetzung entwickelt hat.

Von 2006 bis 2016 sind nun zehn Jahre in der Digitalfotografie um.

Ich war rund um Fotomonat ca. zehn Jahre dabei.

Aber es zeichnete sich schon 2015 ab, daß es einen Übergang geben wird aus unterschiedlichen Gründen.

Ich brauchte mehrere Versuche über mehrere Jahre, um zurück ins Fotografieren zu finden.

Das Ergebnis steht nun fest: weniger ist mehr und mehr Zeit fürs Fotografieren und weniger Zeit für das Schreiben ist eine gute Veränderung, die ja auch wieder nur vorübergehend ist.

Übrigens heißt mehr Zeit für das Fotografieren nicht mehr Fotos – ganz im Gegenteil!

Ist Leben im Moment mehr Leben oder einfach nur das Leben, weil es mehr als den Moment zu leben nicht gibt?

Vielleicht finde ich es heraus.

Danken möchte ich abschließend Hans Treffer für die Kameras, die er mir zur Verfügung gestellt hat.

Text 1.1

Welchen Zweck hat eine Kamera? – die fotografische „Klassen“-Fahrt

Auf dem Weg zur Photokina – Foto: Michael Mahlke

Neue Kameras schlüpfen aus den Eiern der Kamerahersteller

Nun ist es soweit. Überall vor der Photokina schlüpfen neue Kameras aus den Nestern der Kamerahersteller.

Um mich der Frage dieses Artikels anzunähern möchte ich ein Zitat als Einstieg in meine gedankliche Argumentation nehmen.

 

Das Zitat beginnt mit den Worten: „Wenn die X100 die Leica des armen Mannes ist, dann sieht die RX1 aus wie die Leica der Mittelklasse…..“

 

Es stammt von cnet.com:

„If the X100 is the poor man’s Leica, than the RX1 looks like the middle-class man’s Leica. Do I think Sony can achieve great photo quality with it? Yes; all the pieces are there. And it looks especially yummy if you like street shooting. Do I want to try it? Hell yeah. But for $2,799, especially for a first-generation model, as a potential buyer I’d expect a little more.“

Und damit bin ich schon beim Thema dieses Artikels.

 

Welchen Zweck hat eine Kamera?

Eigentlich ist eine Kamera dazu da, um Fotos zu erstellen nach den Einstellungen des Bedieners, sprich der Fotografin oder des Fotografen.

Das ist in meinen Augen der Zweck einer Digitalkamera.

Das Zitat läßt aber nach meiner Auffassung etwas anderes vermuten.

Es geht davon aus, dass es hier um Statusfragen geht. Die Kamera soll in erster Linie Symbol für eine bestimmte Klasse sein (soziologisch oder marxistisch?).

Damit wären (und sind) wir dann natürlich mitten im Thema der sozialen Gebrauchsweisen von Digitalkameras gelandet.

Wohlgemerkt von Digitalkameras und nicht von Fotos!

Die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Fotos ist eine andere Frage als die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Digitalkameras.

 

Zwischen Zweck und Gebrauch

Der Zweck einer Digitalkamera, das Erstellen von Fotografien, tritt somit immer mehr in den Hintergrund.

Die Aussage des Autors impliziert auch nicht, dass die Leica die besten Fotos macht.

Sie impliziert dafür aber direkt, dass die Leica ebenso ein Statussymbol ist wie die Sony eines werden soll und die Fuji X100 eines ist.

 

Gebrauch statt Qualität?

Wenn man die Frage nach der Qualität der Fotos stellt, dann ist das ganze Thema anders.

Niemand kann sagen, dass die besten Fotos mit den teuersten Kameras gemacht werden.

  • Das würde erstens allen Wettbewerbssiegern widersprechen,
  • Es  würde die Kompetenz der gesamten Juroren und fotografischen Organisationen in Frage stellen und
  • Es würde zudem einen Massstab definieren für gute Fotografie, der allgemeingültig ist ohne objektive Belegbarkeit. Gut ist aber subjektiv.

Daher ist der Ansatz, der durch PR und Marketing in meinen Augen mittlerweile in die Köpfe eingepflanzt werden soll oder wurde, ein anderer: die Klassenzugehörigkeit als Verkaufsargument.

 

Sind Kameras in Handys klassenrelevant?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dies alles auf dem riesigen Massenmarkt der Handys und Smartphones nicht oder noch nicht so eine große Rolle spielt.

Dort kann man sich sein Handy zwar vergolden lassen und mit Diamanten besetzen lassen, aber die Technik ist im Prinzip für alle erschwinglich.

Und die Kamerafrage ist auch ganz praktisch gelöst.

Heute wissen wir laut den Ankündigungen, dass Apple im Iphone 5 keine bahnbrechend neue Kamera eingebaut hat sondern im Prinzip bei der alten Kamera geblieben ist. Zugleich hat Nokia in meinen Augen zwar die mit Abstand aktuell wohl beste Kamera im  Nokia 808 Pureview verbaut, aber der Rest des Handys ist nach der Einschätzung vieler Nutzer durch das Betriebssystem nicht besonders gut im Vergleich zu den Wettbewerbern, allen voran Samsung. Und die neuen Nokia Handys haben dann die Superkamera aus dem 808 nicht eingebaut.

So ist hier der Zweck der Kamera eindeutig weniger fotografischer Natur sondern die Kamera hat nur einen eher praktischen Wert. Und da reichen eben die von den Herstellern eingebauten Geräte aus.

 

Eher modisch als monetär

Man könnte daraus auch schliessen, dass Handys sich nicht mehr so gut für Klassenzugehörigkeit eignen sondern eher für Gruppenzugehörigkeiten, die weniger monetäre als modische Massstäbe anlegen.

Wenn man zurückkommt zu der Frage, welchen Zweck eine Kamera hat, dann ist die Antwort für mich klar.

Damit will ich gute Fotos machen.

Und die sind auch mit den meisten Kameras möglich, die hier nicht erwähnt worden sind und viel weniger kosten.

Oder sie sind eben auch mit den eingebauten Kameras in Handys und Smartphones möglich.

Da diese für die meisten fotografischen Zwecke ausreichen und mittlerweile sogar kunstfähig werden, brauche ich darüber hinaus aus fotografischen Gründen eigentlich kaum noch eine zusätzliche Kamera.

(Es gibt noch andere Gründe für Kameras statt Handys wie z.B. der optische Sucher, aber ich möchte hier einfach bei der Hauptargumentation bleiben und verkürze daher darauf.)

Es sei denn, die Kamera hat einen anderen Zweck, der jenseits der Fotografie liegt.

Wenn die Kamera nämlich als Statussymbol dienen soll.

Und dann sind wir da, wo dieser Artikel angefangen hat.

Aber das ist dann keine fotografische Frage mehr sondern eine Frage der kulturellen Konvention und der soziologischen Einordnung: welche Kamera gehört zur Oberklasse, zur Mittelklasse oder zur Unterklasse – wenn es das denn so gibt?

Da wünsche ich auf und nach der Photokina viel Spass auf der „Klassen“-fahrt!

Text Version 1.1

 

Fuji X10 – die Versöhnung ist das Schönste

Fuji X10 und Fuji X100 – Foto: Michael Mahlke

Die zweite Chance der Fuji X10

Die zweite Chance ist meistens der beste Weg. Die Fuji X10 war für mich nach dem Abschied von der Leica CL die richtige Kamera – neben der Fuji X100 als Nachfolgerin meiner analogen Leica M, um als Träger einer Gleitsichtbrille die klassische Sucher-Fotografie digital ausüben zu können.

 

Nach der Trennung wegen der „weissen Scheiben“ habe ich nun eine Fuji X10 Kamera mit dem neuen Sensor knapp zwei Monate ausführlich getestet und kann heute meine Versöhnung bekanntgeben.

Fuji X10 und Fuji X100, die Spezialisten

Zusammen mit der Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich mit Abstand die am meisten und am liebsten genutzte Kamera. Einzige Ausnahme ist der schnelle Schnappschuss aus der Hosentasche und im Regen. Dazu gibt es andere Kameras und nun auch andere Handys.

Beide Kameras sind keine Kameras für alle Fälle sondern für ihre Fälle. Die Fuji X100 hat eine feste Brennweite und einen grossen Chip und ist mir daher so lieb. Die Fuji X10 ist im Bereich 28 bis ca. 112mm angesiedelt. Beide Kameras sind keine Hosentaschenkameras, sind keine Telekameras und keine Handschmeichler. Wer so etwas mag, sollte sich eine andere Kamera zulegen – wenn man es braucht.

Es gäbe viel zu schreiben über das Verhalten von Fuji. Aber ich glaube, dass unter dem Druck der Kunden durch das Internet letztlich die Dinge sich zum Besseren wendeten.

Der Umgang mit Fehlern ist entscheidend

Und wie immer im Leben sind Fehler entscheidend gewesen für die Erfahrungen, die dann zu Verbesserungen führten. Wenn es um technische Produkte geht, lernen Menschen offenbar eher aus Fehlern als bei den grossen sozialen und politischen Fragen. Darüber lohnt es sich auch nachzudenken…

Ebenso wie die Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich nun ein echtes Arbeitsinstrument geworden, wenn ich sicher gute Fotos machen will.

In der Praxis bewährt

Ausschlaggebend  für den Artikel heute war das fotografische Porträt eines sehr bekannten deutschen Beraters und Coach, Franz Jochen Schwarz.

Während der Sitzung stellten wir fest, wie störend die Geräusche des Auslösers der digitalen Spiegelreflexkamera waren und ich nahm die Fuji X10.

Die Kamera beflügelte nicht nur das Gespräch sondern wurde auch ein akzpetierter und stiller Begleiter, der geräuschlos richtig gute Fotos machte.

Und als Franz Jochen Schwarz mir auf einem Spaziergang die wunderschöne Landschaft rund um Bingen zeigte, da freute sich auch die Fuji X10 und fing diese schöne Natur ein.

Rochuskapelle mit der Fuji X10 aus RAF entwickelt mit PS als HDR – Foto: Michael Mahlke

So eignet sich Bingen – direkt gegenüber von Rüdesheim – als traumhaftes Ziel für einen kurzen Ausflug.

Der lukullische Geheimtipp

Und jetzt kommt noch ein Geheimtipp, den ich natürlich auch mit der Fuji festgehalten habe. Es gibt ein wunderbares Ess- und Weinlokal in direkter Nähe, das man zu Fuß oder mit dem Auto erreichen kann, das Weinlokal-Bingium.

Foto: Michael Mahlke

Gemütlich sitzen, herrlicher Ausblick, drinnen und draussen, und dabei gut Essen und Trinken. Das haben wir hier angetroffen.

Foto: Michael Mahlke

So trug die Fuji X10 im zweiten Anlauf dazu bei, Freude zu schaffen und neue schöne Dinge zu entdecken.

Nachtrag:

Nun ist mehr als ein Jahr vergangen seit der Artikel geschrieben wurde. Mittlerweile ist schon die X20 auf dem Markt. Aus meiner Sicht zeigt sich nun, dass die Fuji X10 mit dem veränderten Sensor eine besondere Kamera bleiben wird. Denn dieser Sensor ist aus der Praxis heraus digital „geschmiedet“ worden.

Die Kamera wird nicht mehr produziert, der veränderte Sensor ist wohl ein einzigartiges Praxisprodukt in der Kamerageschichte und die Kameras mit diesem Sensor machen erstklassige Fotos. Die X20 macht auch erstklassige Fotos aber wieder anders. So bleibt die X10 ein Fotoapparat, der noch viele Jahre gute Fotos macht und es ist eine digitale Pionierarbeit.

2012 – Meine besten Digitalkameras für die nächsten 5 Jahre

Pusteblume mit der FZ150 Foto: Michael Mahlke

Als im Jahr 2008 die Ricoh GX200 eingeführt wurde, hätte ich nicht geglaubt, dass ich mit dieser Kamera quasi fünf Jahre lang ohne Probleme fotografieren würde.

Jetzt sind fast fünf Jahre rum und die Kamera ist heute noch wunderbar.

Sie ist heute immer noch eine der wenigen professionellen kleinen Kameras mit u.a. Panfokus, speichert DNGs+JPGs und besitzt einen unglaublich guten Makromodus. Sie kann lediglich bei höheren ISO nur schwer mit anderen aktuellen Kameras mithalten, wenn es um rauschfreie und detailreiche Fotos geht.

Das allein ist aber kein Grund, denn für Strassenfotografie und andere Aufnahmen ist sie bestimmt auch noch in vielleicht zehn Jahren sehr gut nutzbar. Zumal vor nicht einmal 15 Jahren Filme mit 400 ASA schon eher eine Ausnahme waren und meistens mit 100 oder 200 ASA fotografiert wurde. Und Rauschen mag ich auf Fotos immer noch. Heute gibt es sogar Software, die das Rauschen auf die Fotos zurückbringt.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf möchte ich ein paar Blicke in die aktuelle Digitalkameraszene werfen. Und so habe ich mir gedacht, schreib doch mal über Kameras, die es heute gibt und die man fotografisch ohne Probleme die nächsten fünf Jahre nutzen kann – und die ein gutes Preis/Leistungsverhältnis haben.

1. Kategorie – wasserdichte kleine Kompaktkamera

Sony TX5

Immer noch griffig, wasserdicht und schnell. Die Bildqualität wunderbar. Wehrmutstropfen ist für mich, dass man nirgendwo eine Verschlusszeit vorgeben kann. Aber um am Strand und im Regen einfach zu fotografieren ist sie wirklich gut.

2. Kategorie – Kompaktkamera mit RAW

Canon Powershot S100

Sie hat eine gute Irisblende, RAW, macht gute Fotos bei schlechtem Licht, hat GPS, einen Brennweitenbereich von 24-120 und kann so in der Jackentasche mitgenommen werden

3. Kategorie – schnelle Kompaktkamera

Casio ZR200

Sie ist sehr schnell beim Fokussieren und ermöglicht durch den Modus S eine Verschlusszeitenvorwahl. Ihre Bildqualität finde ich erstaunlich.

4. Kategorie – Bridgekamera

Panasonic Lumix FZ150

Der Sucher könnte noch einen Tick schärfer sein aber dann wäre die Kamera wohl größer und schwerer. Und das wiederum möchte ich nicht. Die FZ150 kann wirklich alles, was man braucht, um Fotos mit einer guten Qualität zu erhalten – und Video.

5. Kategorie – kleine DSLR

Nikon D3100

Die Nikon D3100 hat ein Handling, das der Nachfolgerin meiner Meinung nach schon wieder fehlt. Mit 14 Megapixel ist mehr als ausreichend Platz für Fotos vorhanden und sie ist sehr klein.

6. Kategorie – wasserdichte DSLR

Pentax K-5

Sie ist leise, wasserdicht, zuverlässig und relativ klein.

7. Kategorie – Individualkamera

Fuji Finepix X100

Die Finepix X100 erlaubt das Fotografieren mit einem grossen und augenfreundlichen Sucher auf hohem Niveau. Der APS-C Chip ermöglicht qualitativ hochwertige Aufnahmen und die Kamera erfüllt nur einen einzigen Zweck: mit der klassischen Reportagebrennweite von ca. 35mm ununterbrochen fotografisch zu inspirieren. Sie ist für die klassische Art des Fotografierens gemacht und dort kompromisslos gut. Dabei verschmelzen die Vorteile der klassischen Fotografie mit den Vorteilen der digitalen Welt.

Fuji Finepix X10

Nach fast einem Jahr hat Fuji die Kameraprobleme am Sensor wahrscheinlich gelöst. Damit wird sie zu meiner Immerdabei-Gleitsichtbrillenträger-Kamera, weil sie erstaunlich schöne JPGs in hoher Qualität produziert, die mich an die Finepix S5 Pro erinnern und weil sie natürlich einen nutzbaren Sucher hat. Der Sucher der Fuji X100 ist wesentlich besser aber der Sucher der Fuji X10 ist danach für mich immer noch der mit Abstand beste Sucher an einer Kompaktkamera.

8. Kategorie – digitale Retrokamera

Panasonic  Lumix DMC-L1

Die Kamera gibt es nur gebraucht und sie macht sehr schöne Fotos. Wer sich den Luxus einer stabilen Kamera gönnen will, die Bilder auf eine besondere Art aufnimmt, der ist hier richtig. Sie ist für mich der Panzer der digitalen Sucherkameras.

Sony DSC-R1

Ebenfalls nur noch gebraucht erhältlich hat diese Kamera wie eine Mittelformatkamera ein elektronisches Blickfeld oben und einen Chip, der in Kombination mit der fest eingebauten erstklassigen Optik immer noch in der ersten Liga spielt.

Fazit

Ich denke, wer mit diesen Kameras in den nächsten fünf Jahren fotografiert, wird nicht das Gefühl haben, fotografisch etwas falsch zu machen. Es sind gute Arbeitsinstrumente für fast jede Art von Fotografie.

Mir ist dies bei der Ricoh GX200 aufgefallen, weil ich zwar andere Kameras jahrelang verglichen habe, aber letztlich die Zufriedenheit mit der vorhandenen Kamera überwog.

Und so ist auch meine Liste zu verstehen. Wer eine solche Kamera neu oder gebraucht erwerben kann, der wird in meinen Augen kaum das Gefühl haben, zu viel bezahlt zu haben oder fotografisch hintenan zu stehen.

Sicherlich wird es in den nächsten fünf Jahren eine Menge neue Kameras geben. Aber ob die fotografische Notwendigkeit besteht, sich etwas Neues zu kaufen …

Beim Wechsel von analog zu digital war klar, dass das Thema analoge Fotografie endlich ist und zur Nische werden wird. Da die Menge an guten Digitalkameras gerade in den letzten Jahren aber sehr gewachsen ist und seit der Optimierung der 8 Megapixel eigentlich eine durch die Biologie und Monitor- und Drucktechnik vorgegebene Grenze erreicht hat, sind technische und fotografische Gründe eher sekundär.

Natürlich gibt dieser Artikel nur meine persönlichen Erfahrungen in der Praxis und meine Meinung wieder. Er ist daher weder repräsentativ noch allgemeingültig. Er ist einfach eine Einschätzung aus der Kombination von Rückblick und Ausblick.

Am besten drucken Sie sich den Artikel aus und wir sprechen im Jahre 2017 dann gemeinsam noch einmal darüber.

Das wird interessante fotografische und technische Rückschlüsse zulassen.

Und vielleicht gibt es dann auch eine Outdoorkamera mit 1 Zoll-Chip im wasserdichten Gehäuse und vollständigen PASM-Modi, damit man die Zeit vorwählen kann und eine Kamera wie die Sony TX5 mit einem kleinen Sucher, damit man auch bei Sonne was sehen kann (was wichtig wäre, da Outdoorkameras ja gerade auch für Wasser und Sonne gedacht sind).

Abwarten.

Zuguterletzt noch eine Frage: wie lange hält heute noch eine Kamera? Die Ricoh GX200 hat bei mir fünf Jahre gehalten und hält immer noch. Das gilt auch für andere Kameras. Aber gilt dies zukünftig auch noch?

Meine alten Handys von vor zehn Jahren habe ich immer noch und sie halten. Die neueren Handys sind schon fast alle an verschiedenen Stellen kaputt. So ist nicht nur das Neue oft nicht besser als das Alte sondern je nach Gesichtspunkten sogar schlechter. Ein Unternehmen, das langfristig Erfolg haben will, sollte auch langfristig denken.

Und da lohnt es sich schon, wenn man nach fünf oder mehr Jahren Gebrauch  einer Kamera wieder eine gute Kamera kaufen will und sagen kann, die alte Kamera war von guter Qualität, ich vertraue dem Unternehmen weiterhin…

 

Text Version 1.1

Diogenes in der Tonne oder welche Kamera ist gut für diskrete Reportagefotos?

Ein bisschen Meinung

Foto: Michael Mahlke

Von der Leica zur Fuji?

Früher war es die Leica M. Cartier-Bresson fotografierte am liebsten mit einer 50mm Brennweite, zumindest wird ihm das nachgesagt. Daneben benutzte er die 35mm. So wurde er bekannt als Fotograf, der mit einer Normalbrennweite wunderbare Fotos schoß.

Stellt man sich die Frage, womit man heute die Reportagefotografie am besten erledigt, dann merkt man schnell, dass dies einige Gedanken wert ist.

Kriterien sind im klassischen Sinne

  • Sucher,
  • grosser Sensor,
  • leises Auslösegeräusch,
  • umgerechnet auf Kleinbild ca. 35mm Objektiv
  • und nicht zu groß.

Wobei mir bei den Sensoren der APS-C Chip mit dem Cropfakter 1,5 besser gefällt als das Vollformat.

Natürlich kann es die Leica M mit einem 35mm Objektiv, aber sie hat einen manuellen Fokus und ist sehr teuer im Verhältnis zum Ergebnis, nämlich digitalen Fotos.

Natürlich kann es die Fuji X100, meiner Einschätzung nach DIE Kamera für Reportagefotografie in traditioneller Kameraform auf modernem Niveau aktuell überhaupt, zumal nach dem umfassenden Firmware-Update.

Und dann?

Bei Nikon und Canon ist mir nichts bekannt, was den umgerechnet 35mm-Kriterien entsprechen würde. Oder kennt jemand ein kleines, lichtstarkes 24mm Objektiv mit Autofokus, leicht und bezahlbar, welches man auf Canon oder Nikon Kameras mit 1,5 Cropfaktor schrauben könnte?

So griff ich zum Schluss zu meiner D3100 mit dem Nikkor 35mm/F1.8 Objektiv. Das ist umgerechnet ein 50mm Objektiv, die klassische Brennweite von Cartier-Bresson. Das ist ok für 50mm.

Da würden mir dennoch umgerechnet 35mm besser gefallen (eben ein kleines und bezahlbares 24mm F1.8 oder F2 oder 2.8 Objektiv). Alternativ gibt es noch das 30mm F1,4 von Sigma, welches mir sehr gut gefällt und bei ca. 45mm Brennweite wäre. Das ist es aber schon.

Und die neuen Stars in den digialen Medien?

Soweit ich gelesen habe ist die neue Canon Powerhot G1X laut Testergebnis zu langsam für Schnappschüsse, die neuen Kameras von Fuji wie die Pro-1 bringen für das Thema in meinen Augen keine wirklichen Verbesserungen ausser Wechseloptiken, wenn sie für Reportagen denn nötig sein sollten.

Systemkameras sind eher nicht geeignet für Reportagefotografie

Bei den Systemkameras ist mir aktuell keine Kamera mit einem sehr leisen Auslösegeräusch bekannt, am ehesten noch die E-PM1. Und mit den Systemkameras habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich war unterwegs an diesem sonnigen Tag. Da die Sonne schien, war es nicht möglich, mit meinen Systemkameras ohne Sucher zielgerichtet und gestaltend zu fotografieren. Die Displays waren im Sonnenlicht alle so gut wie nicht ablesbar. Mit einem aufgesteckten Sucher sind die Systemkameras aber so unhandlich, dass sie weder in der Größe noch von der Mechanik besser als DSLRs sind.

Bleiben die Panasonic G2/G3 mit dem 17mm F2.8 Objektiv von Olympus und dem 20mm F1.7 von Panasonic. Die Kameras haben einen Sucher, der flackert aber z.T. bei Kunstlicht. Leider ist auch das Auslösegeräusch in leiser Umgebung einfach zu laut und die Kameras sind so gross, dass eine kleine DSLR für mich unzweifelhaft besser ist.

Drei Alternativen mit grossen Sensoren als Lösung

Somit schließt sich der Kreis mit größeren Sensoren und leisem Auslösegeräusch und mündet für mich im Ergebnis

  • in die Fuji X100
  • die Nikon D3100 oder deren Nachfolger mit Quiet-Modus
  • oder die Leica M9 (Vollformat, nur manuell)

Es ist also nicht so, dass wir schon alles hätten im Bereich der Digitalkameras, wir warten eher drauf, dass es endlich mehr Reportagekameras für unauffälliges Fotografieren gibt.

Je nach Anspruch klappt es auch mit Kompaktkameras

Ergänzen kann man dies durch Kameras mit kleineren Sensoren.

Dann ist das Bokeh aber nur nachträglich digital erzeugbar.

Die neuen Kameras wie die Fuji X10/X20 und die Nikon V1/J1 haben ja einen Sucher und einen S-Modus.

Der ist entscheidend, weil nur so die Auslösegeschwindigkeit vorgewählt werden kann. Das ist in meinen Augen unerläßlich.

Wer auf die Gestaltung mit Bokeh durch Festbrennweiten und einen Sucher verzichten kann und auf RAW und die Dinge lieber der Kamera überläßt, der kann sicherlich schon mit Kompaktkameras mit/ohne Sucher glücklich werden.

Diese Geschichte muß man auch diskutieren. Dann fallen meine Kriterien weg. Das wird sicherlich die Richtung im Zeitalter der Software-Fotos sein. Und für Webfotos ist dies immer ausreichend und erlaubt durch den nachträglichen Filtermix unendliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Mein Wunsch für eine kompakte Strassenkamera

Mein persönlicher Wunsch wäre eine Kamera ähnlich wie die Sony TX5 aber mit 1/1,7 oder größerem Sensor, dem Periskopobjektiv und RAW sowie einem kleinen optischen Sucher (wie in der Canon A1200), griffig, gutem Monitor und einer sehr guten Schnappschussfähigkeit sowie einem S-Modus.

Und wenn nur ein elektronischer Sucher möglich wäre, dann so wie ein ausfahrender Blitz: der Sucher würde links oben oder oben auf der Kamera bei Bedarf rausklappen wie bei anderen Kameras der Blitz.

(Info im Jahr 2015: Diesen Satz muß Sony gelesen haben, denn zwei Jahre nach dem Publizieren dieses Artikels ist die RXIII mit dieser Lösung auf dem Markt. Ich hätte erwartet dafür von Sony wenigstens eine Kamera als Anerkennung für die Nutzung meiner Gedanken zu bekommen. Ich warte mal noch ab.)

Oder man könnte auch einfach den gesamten Monitor nehmen und einen kleinen Teil davon links oben als separat zuschaltbaren Sucher nehmen und dafür einen kleinen Kunststoffrahmen zum Aufsetzen mitliefern, zum Drüberhängen von oben oder mit Magneten etc. Da ist vieles praktisch möglich.

Na ja.

Diogenes weiß Rat

So ist vieles eine Sache der Bewertung.

Der alte Diogenes fragte dazu immer, im Vergleich wozu?

Das ist die Frage.

Im Vergleich zu welcher Reportage brauche ich welche Kamera?

Und damit sind wir in einer Diskussion, die gerade erst begonnen hat und ich stelle die Frage, für welche Reportage brauche ich eigentlich noch eine größere Kamera als eine Kompaktkamera?

Und letztlich wird das Handy Nokia 808 sowie nunmehr ab 2013 eine Vielzahl anderer Nachfolger das Thema Smartphone-Fotografie eine neue Runde bei der Beantwortung der Frage dieses Artikels einläuten. Wobei ich das Smartphone vom Halten her als unpraktisch empfinde.

Nachtrag 2014:

Nun gibt es auch bei den Systemkameras geräuschlose Modelle mit Sucher wie die Panasonic G5.

Aber es gibt zunehmend kompakte Kameras, die auch mit einem kleinen Chip gute Arbeit leisten und kleine Kameras mit einem größeren Chip, die ebenso interessant sind – und meistens ohne Sucher sind, wobei für mich der Sucher das entscheidende Merkmal bleibt, wenn es eher unauffällig und leise bei Veranstaltungen und zwischen Menschen sein soll.

Es stellt sich heraus, dass kleine Sensoren durchaus auch Vorteile gegenüber den größeren Sensoren haben.

Ich würde die Olympus XZ-10 bei den Kompaktkameras ohne Sucher für Reportagefotografie wählen, weil sie extrem viele optische und haptische Vorteile hat.

Bei den Kameras mit Sucher würde ich die Fuji X10 oder X20 nutzen, wobei die Fuji X10 ein echtes Lowlight-Luder ist.

Das sehen die PR-Abteilungen der Kameraindustrie sicherlich anders.

So ist heute die Aufnahme nicht das Ende des Fotos sondern vielfach der Anfang des fotografischen Prozesses – wie früher.

Aber digital ist manches dann doch besser.

Und wenn Sie wissen wollen, welche Kamera sich der liebe Herr Cartier-Bresson 2016 kaufen würde, dann klicken Sie doch einfach mal hier…

Text 1.5

Das Auslösegeräusch als Hindernis für leise Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Seit Jahren verfolge ich die Debatte um das leise Fotografieren. Dabei geht es darum, dass man unauffällig Fotos macht. Das kann Strassenfotografie sein, das kann aber auch in einer Theateraufführung sein.

Im Prinzip gibt es verschiedene Probleme im Zusammenhang mit dem leisen Fotografieren:

1. Ein Monitor

Wer einmal in einem halb abgedunkelten Raum gesessen hat und mit einem Digitalkameramonitor fotografieren wollte, der weiss, was ich meine. Auffälliger geht es kaum. Automatisch wenden sich andere Zuschauer dem Licht zu. Das geht gar nicht!

2. Eine grosse Kamera

Eine grosse Kamera erfordert immer ein grosses Volumen, beim Transport, beim Anpacken und beim Benutzen. Im Zeitalter der Handys sind grosse Kameras zudem nicht normierte Teile am Menschen. Während Handys in Händern kaum noch wahrgenommen werden, würde man bei dicken Kamerabrocken sofort hinschauen. Das geht gar nicht!

3. Ein lautes Auslösegeräusch

Das lauteste Problem. Alles kann klappen, wenn es keiner merkt. Aber ich war schon sehr enttäuscht über die vielen neueren Kameras – auch Systemkameras – die wie Schüsse knallen, wenn sie auslösen.

Aktuell finde ich die Idee von Nikon sehr gut, die bei der D3100 und der D7000 mit dem Quiet-Modus am besten verwirklicht wurde. Aber auch die Pentax K5 ist sehr leise. Und ich finde die Lautstärke bzw. die fehlende Lautstärke der Fuji X100 sehr gut. Das reicht alles fürs normale Leben, aber für Kirche, Theater oder Wildlife würde es nicht reichen. Dort haben die Tiere feinere Ohren und bei  Chorauftritten oder im Theater oder bei Vorträgen ist oft absolute Ruhe angesagt. Da geht es wirklich nur ganz ohne Geräusche und blitzen ist ebenfalls out.

Bei den Kompaktkameras kenne ich keine lautlose mit optischem Sucher und relativ guter Bildqualität außer der Olympus C70 Zoom, der Canon S80 und der Nikon P6000 – oder in der Gehäusegröße von Systemkameras mit Einschränkungen die Nikon P8400 und die Nikon P7000 und die Powershot G11+G12-G15.

Nachtrag:

Mittlerweile gibt es neue Systemkameras mit Sucher wie die Nikon V1 oder die Panasonic G5 und Kompaktkameras mit Sucher wie die Fuji X10 plus Nachfolger, die auch lautlos fotografieren und lichtstark sind.

2015 sind noch mehr Kameras hinzugekommen, die diese Ansprüche erfüllen. Aber alle Ansprüche erfüllen nicht alle.

So ist zwar das Neue manchmal der Feind des Guten, aber das Alte öfter immer noch besser als das Neue?!

Man kann es auch anders sagen.

Langsam sind einige neuere Kameras so gut wie einige ältere Kameras schon sind.

Nachtrag 2016:

Dieser Artikel erschien ursprünglich 2011. Seitdem wurde er zigtausendfach gelesen. Und 2016 kann ich feststellen, daß nun fast alle Hersteller Kameras mit lautlosem Verschluß anbieten. Geht doch!

Der Sucher der Fuji X10 zwischen Marketing und Langzeittest

Ich war schon überrascht, unter der Überschrift „Gernegroß-Kamera mit Retro-Chic“ folgendes zu lesen: „Der optische Sucher der X10 hilft bei der Bildkomposition, wenn das Kameradisplay zum Beispiel im gleißenden Sonnenlicht schlecht zu erkennen ist. Allerdings hilft das Sucherbild eben nur bei der ungefähren Komposition. Im Sucher ist nicht zu erkennen, welche Bildbereiche fokussiert sind, welche Werte für Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit gewählt wurden und ob diese Kombination bei den aktuellen Lichtverhältnissen eine ausreichend belichtete Aufnahme produziert.“

So schlecht hatte ich mir den Sucher nicht vorgestellt. Da ist ja im Prinzip dasselbe wie die Einfachsucher bei den kleinen digitalen Kompaktkameras. Leider ist die Kamera ja noch gar nicht auf dem Markt, so dass der Spiegel sicherlich eine spezielle Quelle hatte, um die Kamera zu testen.

Aus der Werbeseite von Fuji selbst geht dies leider so nicht hervor. Damit ist die Hoffnung, eine echte Sucherkamera zu bekommen, geplatzt und der Unterschied beim Sucher zwischen Canon A1200, G12 oder Nikon P7000 und der Fuji X10 nur rein in der Größe und im Blickfeld zu finden.

Der Sucher scheint noch nicht einmal einen Markierungspunkt in der Mitte zu haben und man sieht das Objektiv.

In einem anderen Test sagt der Autor unumwunden, dass er bei der X100 lieber den Sucher benutzt und bei der X10 lieber das Display (!), weil der Sucher der X10 nur über eine grüne und eine orange LED Auskunft über Autofokus etc. gibt.

Nach einer anderen Auskunft gibt es sogar nur einen Ton, der den Autofokus an“zeigt“ und die Kamera hat eine extrem langsame Schreibgeschwindigkeit. – Puuuh!

Die Fuji-Guys haben informiert, dass es nur eine LED gibt, die blinkt, wenn der Fokus nicht stimmt.

Wenn Fuji echt nur den Einfachstsucher vieler Kamerahersteller der Vergangenheit vergrößert hat, dann ist meine Hoffnung bei der X100 steckengeblieben. Abgesehen davon verstehe ich nicht, wieso nicht wenigstens ein Weitwinkel von 24mm die Anfangsbrennweite ist. So hat die Kamera schon zwei Stolpersteine, bevor sie ins Rennen geschickt wird.

Aber man kann es auch gelassener sehen.

So argumentiert ein User hunz auf dpreview, dass der Sensor sowieso so klein ist, dass eigentlich immer alles scharf abgebildet wird, egal worauf man scharfstellt. Immerhin hätte der 2/3 Sensor nur 24 % der Fläche eines MFT-Sensors, nur 15,5 % der Fläche eines APS-C Sensors und nur 6,7 % der Fläche eines Vollformat-Kleinbildsensors.

Ich paraphrasiere den User hunz deshalb, weil er dort noch etwas sehr Interessantes zum Thema Strassenfotografie geschrieben hat: „Doing street with either the high-end Nikon Coolpix 5000 or 8400 worked just fine by setting it on Continuous, so it would shoot whether it thought it was in focus or not. Even at close street distances, it was never an issue and no out-of-focus images resulted.“

Auf Deutsch hat er mit der Nikon P5000 und der Nikon P8400 Strassenfotografie praktiziert und dabei einfach den Autofokus auf Continuos/dauerhaft gestellt. So sind eigentlich immer Bilder zustandegekommen, die scharf waren. (Wenn ich mir vorstelle, dass ich vor 4 Jahren ebenfalls genau diese Kameras genutzt habe, dann ist es schon interessant, was man aktuell dazu findet. Abgesehen davon sind die Kameras immer noch top… !)

Mittlerweile gibt es ganz viele Tests und einige User schreiben auch über Staub im Sucher (?). Bemerkenswerterweise ist die Kamera in Deutschland auch Anfang November 2011 nicht erhältlich, dafür gibt es aber schon ein Firmware-Update. So ist das eben im digitalen Leben…

Zuguterletzt noch ein Hinweis auf die zwarte kat im rangefinderforum. (der Beitrag ist hier mit google übersetzt). Der User zwarte kat hat sie nicht gekauft, aus denselben hier diskutierten Gründen.

Und auch bei Cnet hat man die Kamera einem „Vorab-Test“ (was ist das?) unterzogen. Dort heisst es: „Die Fujifilm X10 verfügt über ein weiteres Feature, dass man bei aktuellen Kompaktkameras eher selten sieht: einen optischen Sucher. Das kleine Guckloch verfügt über eine Linsenkonstruktion, so dass der Sucher die Brennweitenveränderung mitmacht. Im Vergleich zur Konkurrenz aus Canon G12 und Nikon P7100 ist das Guckloch etwas größer. An den raffinierten Hybrid-Sucher der X100 kommt es allerdings nicht heran. Außerdem werden hier keine Informationen zu Blende, Belichtungszeit & Co. dargestellt. Im Weitwinkel ist außerdem das Objektiv leicht im Sucher zu sehen.“

Damit ist die Kamera eine Konkurrenz zur Nikon P7000/7100 und der G11/G12, aber nicht mehr eine Klasse für sich. Und dann – glaube ich – wird es schwer für Fuji.

Abgesehen davon ist es schon bezeichnend, dass man die Kamera selbst nicht erhält (5.11.2011) sondern auf Informationen angewiesen ist, die sehr oft aus Quellen kommen, bei denen die Hersteller auch werben.

Dieser Artikel ist ein kompletter Second-Hand-Artikel. Es kam mir darauf an zu zeigen, wie wir gezielt mit Informationen versorgt werden, die wir nicht nachprüfen können. Damit entsteht eine Meinung im Kopf ohne dass diese geprüft werden konnte.

Und da Journalismus mittlerweile weltweit gesehen werden muß und dort manchmal eingehaltene deutsche Standards sehr relativ sind und oft mit Werbung gleichgesetzt werden, ist das Ganze sehr nüchtern zu sehen.

Bis hierhin ist also alles Gerücht und auch in meinen Kopf ist alles second Hand.

Bis hierhin.

Ab hier konnte ich die Kamera selbst nutzen. Den Bericht finden Sie hier.

Nachtrag 2015:

Dieser Artikel ist von 2011. Man sieht hier sehr schön, wie sich Informationen entwickeln, wie sie im Netz gestreut werden und wie man selbst versucht, diese zu interpretieren.

Ich arbeite nun schon einige Jahre mit der Kamera und ich finde sie rückblickend wunderbar mit dem neuen Sensor und mit dem Sucher: groß, einfach, pur, gut…

Hinzu kommt, daß die Fuji X10 wahrscheinlich die einzige Kamera ist, deren Sensor verändert wurde während der Laufzeit des Modells. Das wußte 2011 auch noch niemand.

Ich bin von dieser Kamera ebenso überzeugt wie von ihrer großen Schwester, der X100. Aber weil ich keinen anderen Artikel kenne, der so die Zusammenhänge von PR, Vorabinformationen und realer Bewertung darstellt, habe ich ihn online gelassen. Denn er ist ein einzigartiges Studienobjekt – auch für mich.

Text 1.5

Fuji und die X10 – wird Fujifilm zum Hoffnungsträger für echte Innovationen?

Mit der Fuji X10 wird Fujifilm seine Innovationskraft wohl endgültig unter Beweis gestellt haben.

Endlich wieder Innovationen

Während die meisten anderen Kamerahersteller mit eher winzigen Detailveränderungen immer neue Lifestyle-Kameras auf den Markt werfen, wird Fuji offenkundig immer innovativer und kreativer.

Nach der Fuji X100 jetzt die Fuji X10. Wenn sich dies so entwickelt, dann kann Fotografieren wieder richtig Spass machen.

Fuji hat verstanden

Es scheint so wie beim Iphone 4. Auch da verweisen einige darauf, dass man damit nur eingeschränkt telefonieren kann.

Ähnlich beim Fotografieren: Immer mehr Kameras, die man kaum noch richtig halten konnte, ohne Griff und mit Knöpfen oder Buttons, deren haptisch richtige Bedienung zur Glückssache wurde.

Fuji hat verstanden: viele, die eine Kamera kaufen, wollen damit einfach gut fotografieren können unter Berücksichtigung der körperlichen Beschaffenheit des Menschen, also Sucher, gute Haptik, schnelles Speichern und gute Optik. Und dies alles zu akzeptablen und fairen Preisen.

7 auf einen Streich

So wären es sieben gute Gründe auf einen Streich:

  • Gute Schnappschussfähigkeit,
  • schnelles Speichern von RAW,
  • wirklich benutzbarer optischer Sucher,
  • stabile Ausführung,
  • guter Sensor,
  • gute Haptik und
  • faire Preise

So kehrt man nach dem Design zum echten Fotografieren zurück.

Das Video

Auf der IFA sieht man die Fuji X10 schon live:

Hier nun ein aktuelles Promo-Video zur Fuji X10 zum Anschauen:

Ricoh

Bei Ricoh-Kameras gefällt mir, dass ich sie nur mit einer Hand bedienen kann. Dies hat die Fuji X10 leider nicht. Aber ansonsten scheint sie sehr attraktiv – ich hoffe auch für Strassenfotografie.

Nach dem Anschauen der Videos ist meine Begeisterung für diese Kamera noch gewachsen.

Viele werden Sie wahrscheinlich mit der Canon Powershot G11/12 oder der Nikon P7000/7100 vergleichen, so dass sich eine Kaufentscheidung auch am Preis orientieren wird.

Ich wünsche Fuji viel Glück auf diesem Weg.

Samsung

Nun möchte ich abschließend noch kurz einen Aspekt bei Systemkameras anschneiden, weil es in diesem Artikel um die Identifizierung echter Innovationen geht.

Die Firma Samsung hatte schon Anfang 2009 eine offenbar fertige Designstudie einer total schicken MFT-Systemkamera mit eingebautem Sucher. Da waren auch die Knöpfe an der richtigen Stelle.

Die wäre bestimmt auch ein Knaller geworden, wenn das Zusammenspiel der fotografischen Komponenten gestimmt hätte. Zumindest für mich wäre es eine Ergänzung zur X100 gewesen und zu allen anderen bisherigen Systemkameras sowieso.

Wieso diese nicht realisiert wurde, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Die Fuji X10 – in der Nachfolge der Fuji X100?

Fuji scheint sehr aktiv im Markt für spezielle Digitalkameras zu werden. Laut Photorumors.com plant Fuji drei neue Kameras. Eine davon soll eine Fuji X10 sein, die je nach Markt auch Fuji X50 heissen soll. Ein 2/3 Sensor, 4fach Zoom und F 2.0 sollen diese Kamera auszeichnen. Mittlerweile gibt es Fotos im Netz.

Wenn das stimmt, dann konnte man so ein ähnliches Model schon kaufen (natürlich mit der nicht schlechten Technik von 2005): die Nikon Coolpix 8400.

Ich habe diese Kamera bis heute und kann nicht klagen.
Sie hat sogar einen dreh- und schwenkbaren Monitor. Vielleicht muß man sogar eine gedankliche Kette bilden von der Modellreihe der Nikon Coolpix P8400 über die Canon Powershot G11/G12 bis zur neuen Fuji X10/X50.

Sollten diese Andeutungen von Photorumors wahr werden, dann würde man sich bei der neuen Fuji natürlich einen guten Sucher wünschen wie bei der Fuji X100, schnelle Speicherung von RAW-Aufnahmen, ein abstellbares Auslösegeräusch und einen guten EXR-Sensor.

Ein ähnlicher Sucher wie bei der Fuji X100 mit einem guten EXR-Sensor gekoppelt wären die absoluten Alleinstellungsmerkmale gegenüber den Mitbewerbern. Selbst wenn der Sucher etwas kleiner wäre, so wäre er in meinen Augen doch um Klassen besser als die bisherigen Sucher vergleichbarer Modelle.

Mal sehen, was sonst noch passiert. Das wird alles sehr spannend und verspricht einen interessanten Herbst 2011.

 

Mit der Fuji X100 Fotografieren

Der Weg war länger als gedacht. Nachdem ich die Fuji erhalten hatte, probierte ich sie eine Weile aus. Dabei wurde mit klar, dass die Kamera keine Fehler verzeiht.

 

Blick durch den Sucher der Fuji X100

1. Die meisten Probleme macht nicht die Kamera sondern die Person dahinter

Es fängt mit dem banalen Beispiel an, wo ich die Kamera zur Belichtungsmessung hinhalte. Wenn ich zur Belichtungsmessung Richtung Himmel halte, dann wird der Rest dunkler aber dafür kann ich alle Feinheiten später rausarbeiten aus den RAW-Dateien. Wenn ich zur Erde  halte oder auf das Motiv, dann ist der Himmel oft ausgefressen und weiss. Allein dieses Beispiel zeigt, wie sehr es auf den Fotografen ankommt.

2. Die Fuji X100 braucht noch ein paar Software-Updates, ist aber schon gut nutzbar

Nach dem Updaten auf die neuste Firmware Version hatte ich das Gefühl, dass die Kamera nun einen nutzbaren Arbeitszustand erreicht hat. Und ich wurde nicht enttäuscht. Sobald man sich wieder an den grossen Sucher gewöhnt hat, wird das Fotografieren fast zur Sucht.

3. Eine Festbrennweite erfordert immer eine andere Art des Fotografierens

Aber die Kamera ist eben mit einer Festbrennweite versehen. Daher ist die Art des Fotografierens anders. Man muß sich mehr bewegen, um den richtigen Standpunkt zu finden. Somit tut man indirekt auch noch was für seine Gesundheit.

4. Reale Beispielfotos sind immer ein Ergebnis von Fotograf, Software und Moment

Dabei sind einige Fotos entstanden, die in den nächsten Monaten ergänzt werden. Ich habe die Fotos bewusst bei flickr reingestellt. Es sind nur eine Handvoll, aber sie zeigen die Möglichkeiten und Grenzen der Kamera.

Ich empfehle besonders das Foto mit dem leichten Morgennebel über dem Wasser, weil es die Feinheiten der Natur wiedergibt. Und bei flickr kann jeder sie ergänzen oder kommentieren.

Wem meine Fotos nicht reichen (mir wären das auch zu wenig), der findet dort zwei weltweite Gruppen mit Fotos der Fuji X100. Wem das nicht reicht, der kann bei dem Prominenten Kai Pflaume noch mehr Fotos finden, wobei mir nicht klar ist, was davon PR und was davon privat ist. Noch mehr Fotos gibt es u.a. bei Fred Miranda.

Mit der Fuji gelingen kreative und schöne Portraits, wie hier zu sehen ist. Und es gibt einen sehr engagierten Fuji X100 Fotografen, der viele Fotos und eine interessante Besprechung zu bieten hat (wer kein Englisch kann, bitte mit translate.google.de übersetzen…)

5. Die alte Art des Fotografierens

Die Philosophie der Fuji X100 ist klar. Sie ist eine Kamera der alten Art des Fotografierens. Sie wird daher keine Freude für Handyfotografen sein. Aber sie ist eine wahre Wonne für qualitätsbewusste Fotografinnen und Fotografen alten Stils.

6. Die Strassenfotografie von heute ist mit anderen Kameras besser zu machen

Eigentlich kam ich ja von Henri Cartier-Bresson über die Leica und die Strassenfotografie zur Fuji. Aber es hat sich eben doch etwas geändert. Unauffällige Strassenfotografie heute erfordert zum Teil andere Kameras als die M-Leicas und die X100-Fujis.

Erforderlich sind blitzschnelle und kleine, kaum auffallende Kameras, um die Situation und das Recht am eigenen Bild auf möglichen Motiven gut zu kombinieren. Dazu sind m.M. die Leicas und Fujis einfach zu groß. Anderen ist die Fuji wiederum zu klein.

Auch andere Systemkameras sind mir persönlich zu gross und zu schwer und zu laut. Davon abgesehen wäre die Fuji für mich aber erste Wahl. Ich komme zu dieser Einschätzung, weil ich es mit der Leica M6 und nun mit der Fuji X100 mehrfach ausprobiert habe.

(Lustigerweise habe ich nach dem Schreiben dieser Zeilen einen Artikel entdeckt, der genau die Leica M6 mit der Fuji X100 vergleicht, auch mit analog zu digital etc. Aber wer die Kommentare dort zu Ende liest, der merkt, dass teilweise Glaubenskriege geführt werden und hinkende Vergleiche zu finden sind. Das schmälert aber nicht den Informationswert dieser Seite und deshalb füge ich dies hier noch in Klammern an.)

Die Kameras erregten Aufmerksamkeit oder provozierten, weil sie zu groß und auffällig sind, obwohl sie es ja eigentlich nicht sind. Aber mit einer Sony TX oder WX oder der Ricoh hatte ich diese Probleme nicht.

Dieses Phänomen habe ich vor Jahren schon einmal erlebt. Damals war die Nikon P5000 akzeptiert und die Canon Powershot G7 nicht mehr. Es gibt offenkundig heute eine sozial unbewußt akzeptierte Größe in unseren Breiten, die nicht über ein Handy hinausgehen darf.

Aber auch dieser Gedanke gilt nur da, wo ich so denke. In San Franciso scheint Streetphotography mit der Fuji X100 möglich und alle Aufgenommenen sind gut zu sehen. Da scheint wohl das Recht am eigenen Bild nicht so eine Rolle zu spielen wie hier.

7. Das Neue ist der Feind des Guten

Und ob ich will oder nicht, damit komme ich wieder auf schnelle, kleine und leise Kompaktkameras zurück.

So ist das im Leben. Wie sagte schon Tucholsky sinngemäß, du wünschst dir eine große Blonde und bekommst eine kleine Schwarze.

Ja, so ist das.