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Abschied von der politischen Fotografie

Foto und Motiv: Michael Mahlke

Es ist Zeit. Und deshalb entstanden einige Texte zur Fotografie und sozialdokumentarischen Fotografie, die meine Lebenszeit als Dokumentarfotograf reflektierten.

Da kann man ja nichts machen. Sie entstehen innerlich von allein, wenn der Ablösungsprozess beginnt.

So ist unser Leben.

Diese Artikel haben  Vorläufer (es ging darin um meine fotografische Entwicklung jenseits der politischen Themen).

Heute kann ich das Ende des Jahres 2017 als Zeitpunkt ansehen, an dem ich mich vom sozialen Einsatz durch meine Fotografie auf meine Kosten verabschiede, d.h. ich gehe von fremden Inhalten zum eigenen Ich. Real geschah es ja viel früher aber mental jetzt. Ich habe gerne und viel getan und immer dafür „bezahlt“: persönlicher, sozialer, seelischer und fotografischer Einsatz unter materiellen Verlusten im eigenen Überlebenskampf war dabei die Bedingung für inhaltlich erfolgreiche Projekte hier und auf frontlens.de – Brutale Paradoxie pur!

Dabei habe ich immer wieder erfahren, daß soziale und seelische Waffen in „Friedenszeiten“ genauso tiefe Wunden schlagen können wie das Leben im direkten Krieg mit Waffen. Sobald existenzielle Unsicherheit auftritt reagieren Menschen verunsichert – auf jede Weise und viele leiden und sterben daran.

Das Schwerste ist die Realität zu sehen und zu akzeptieren – auch die eigene.

Bilder helfen zu sehen oder wie es Boris Mikhailov einmal sagte:

„Ich weiß, dass die Leute solche Fotos nicht betrachten wollen, aber erst wenn man das Elend im Bild sieht, beginnt man es auch auf der Straße wahrzunehmen.“

Nun sind als soziale Dokumentarfotografen/innen andere dran (oder es macht eben keiner). Ich möchte mich anderen Elementen der Lebenszeit zuwenden solange es geht. Saturn weist die Richtung (der aus der Astrologie).

Aber ich möchte nicht versäumen zu motivieren und verlinke deshalb als Botschaft den wunderbaren Artikel von Frau Martina Kötters „Fotografie als Waffe – Kann Fotografie die Welt verändern?“

Frau Kötters gelingt es die politische Fotografie in und nach 2018 zukunftsfähig zu machen.

So nun kommt der politische Abgesang.

Da ich meine gesamte bewußte Zeit in der Dokumentarfotografie im Rahmen dieser Webseiten unter verschiedenen Namen über ca. zehn Jahre als Ort der Reflexion, Dokumentation und Zusammenfassung verbracht habe, bot es sich natürlich an, die inneren Entwicklungen auch hier jetzt aufzuschreiben. Das ist ja das Neue in digitalen Zeiten. Das Ende ist immer nur der Schritt vor dem Update oder dem Wechsel des Betriebssystems.

So blicke ich nun auf eine beendete Entwicklung zurück und bin gespannt auf das Update.

Kommerzielle Landschaftsfotografie zwischen Rothaarsteig und Eschbachtalsperre

Es gibt sie noch, die kommerziell erfolgreiche Landschaftsfotografie.

Sie soll die schönen Seiten zeigen und Sehnsucht oder Neugier wecken, damit man dorthin gelangt.

Um dies an einem Beispiel zu zeigen, möchte ich auf das Buch Rothaarsteig von Klaus-Peter Kappest verweisen. 

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Ich halte das Buch deshalb für gelungen, weil hier nicht eine exotische Märchenlandschaft präsentiert wird, sondern die Wälder und Wanderwege nebenan so fotografiert wurden, daß die Auftraggeber zufrieden waren und Fotos entstanden sind, die auch gut wirken.

Herr Kappest hat einige der Fotos auf seiner eigenen Webseite präsentiert, so daß Sie sich selbst ein Bild machen können.

Zusätzlich gibt es z.B. im Outdoor-Magazin online auch Fotos von ihm zu diesem Wanderweg.

Die Landschaft am Rothaarsteig gefällt mir. Aber es gibt natürlich noch mehr landschaftlich schöne Ecken.

Wer im Bergischen Land wohnt oder öfter auf der A1 am Rasthof Remscheid vorbeifährt, dem sei ein anderer kleiner Geheimtipp anvertraut.

Direkt hinter dem Rasthof und Motel ist die „Remscheider Talsperre“.

Diese lädt zum kurzen Erholen und Wandern ein – nicht zu lang und nicht zu kurz.

Danach gibt es im Cafe und Restaurant alles, was vor einer guten Weiterfahrt nötig ist.

Übrigens war dieses Restaurant mit dieser Talsperre der Lieblingsort von Herbert Wehner. Das ist zwar schon lange her aber vielleicht erinnern sich einige noch an ihn.

Und die privaten Fotos, die ihnen einen Eindruck von diesem schönen Ort vermitteln, finden Sie hier.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Hotel hat übrigens eine eigene (kommerzielle?) Webseite mit Fotos.

Ein sehr schönes kommerzielles Luftbild von der Remscheider Talsperre hat der Fotograf Holger Klaes auf seiner Webseite.

Und zum Abschluß noch etwas besonderes, das es nur auf der Webseite der Stadt Remscheid gibt  Da wird über dem Text der Eschbachtalsperre ein Foto von einer anderen Talsperre gezeigt.

Wenn man nun die kommerziellen und die privaten Angebote vergleicht, dann wird sehr deutlich, wo die Unterschiede sind und welche Unterschiede es gibt.

  • Es ist einmal der Aufwand (Luftbild), der sich durch Drohnen zukünftig vielleicht reduzieren läßt und
  • es ist die Nachbearbeitung und die Auswahl des Zeitpunktes und
  • es ist die geometrische Gestaltung des Fotos.

Ich hoffe, dieser Artikel hat deutlich gemacht, wo gute Landschaftsfotografie anfängt und wo sie ungefähr aufhört. Letztlich entscheidet der Auftraggeber und manches ist zu sehen, was andere nicht bezahlen würden.

Aber da es hier um die Landschaft geht, die vor unserer Haustür liegt, ist die Frage natürlich besonders interessant, wie Fotos sein müssen, für die bezahlt wird.

Und das Buch von Klaus-Peter Kappest aus dem Tecklenborg-Verlag zeigt uns, wie es geht.

„Nepotism built this industry“ – Fotograf & Fotografieren – von der Berufung für Reiche zum Beruf für alle?

„Für „Stand der Dinge“ haben Sie digital fotografiert. Eigentlich sind Sie aber ein Verfechter des Analogen. Warum das Umdenken?

Jim Rakete: Das hatte in diesem Fall auch finanzielle Gründe. Aber ich sehe es tatsächlich so, die Fotografie ist uns durch das Digitale mit wenigen Ausnahmen ein bisschen weggestorben. Das ist jetzt ein Beruf, den jeder machen kann. Das, was früher Handwerk oder kompliziert daran war, kann jetzt die Kamera. Und das, worum es eigentlich geht, also ein Bild zu machen, das irgendeine Bedeutung hat, wird immer schwieriger, bei sinkenden Auflagen, sterbenden Magazinen, usw. Ich möchte heute ums Verrecken kein junger Fotograf mehr sein.“

Was Jim Rakete hier in der Tiroler Tageszeitung sagt, faßt grob die Entwicklung der Fotografie in den letzten hundert Jahren zusammen.

Vor kurzem sprachen wir bei einem Fototalk noch darüber, wie es in den 80er und 90er Jahren war.

Wie sagte ein Teilnehmer?

„Ja wir hatten diese Kameras mit Filmen, aber wir mussten immer rechnen. Denn ein Film kostete mit Entwicklung und Druck um die 30 D-Mark.“

Fotografie war eben ein teures Hobby und daher nur sehr selten etwas für Arme. Gegen Ende der analogen Zeit wurden die Fotos billiger, nur noch 20 Pfennig für 10×15 plus Entwicklung, also ca. 14 Euro pro Film. Aber das war auch nur Basis.

Und heute?

Heute ist alles drin. Denn das Smartphone macht und zeigt. Und wer es größer mag, der nutzt den Computer.

Aber wenn wir uns Fotografenkarrieren anschauen, dann waren es doch fast immer Menschen ohne finanzielle Sorgen, die in den letzten Jahrzehnten der analogen Fotografie als Beruf „Fotograf“ angegeben haben.

Damit meine ich nicht den bezahlten festangestellten Fotograf einer Tageszeitung und ich meine auch nicht den Fotohändler, der Passfotos macht.

Ich spreche von denen, die in den deutschen Medien eine besondere Aufmerksamkeit erhielten.

Wer war davon nicht finanziell privilegiert?

Es war eben auch ein soziales Unterscheidungsmerkmal. Diese Art von Fotograf hatte eben Einstiegsvoraussetzungen, die sich aus Kontakten, Geld und Einfluß ergaben – so wie heute auch noch.

Wird heute anders gewürfelt?

Nein, es hat sich nichts geändert wie dieser Artikel (2016) über den Sohn von David Beckham zeigt.

„Nepotism built this industry“ schrieb ein User als Kommentar. Besser geht es nicht.

Die Dauerikonen der Fotografie sind weg, die industriellen Eintagsfliegen der Fotografie sind da?

Das ist gemein.

Einmal der Erste sein bei einem Marketing-Wettbewerb und unter den „größten“ und „schönsten“ und … gewesen sein.

Fotografie macht Spaß.

Daher wollen immer mehr davon leben.

Aber wie soll das gehen?

Genau, es geht nicht.

Doch die alten Träume sind noch in den Köpfen der Menschen einer neuen Zeit.

Jeder kann heute fast umsonst fotografieren.

Wer damit zufrieden ist und davon nicht leben will, der hat einen fast idealen Weg zur Selbstverwirklichung entdeckt, der früher so nur einigen Reichen vorbehalten war.

Es ist so wie mit dem Leben.

Eine einfache Wohnung heute ist besser ausgestattet als zur Zeit von Goethe.

Aber wen interessiert das?

So kommt es darauf an, was ich womit vergleiche, um zufrieden oder unzufrieden zu leben.

Dennoch träumen noch viele diesen Traum vom großen Geld mit der Fotografie.

Diesen Traum am Leben zu halten ist eine Geschäftsgrundlage der Fotoindustrie.

Einen bemerkenswerten Gedanken fand ich in der photonews 11/14.

Dort zitiert Sabine Weier den Fotografen Julian Röder: „Mit seinen Genua-Bildern gewinnt Röder den Deutschen Jugendfotopreis und wird als Teilnehmer einer Masterclass der World-Press-Photo-Stiftung ausgewählt. Seine Begegnung mit dem internationalen Fotojournalismus ist ernüchternd. Es habe ihm missfallen, dass ausgerechnet aus privilegierten Verhältnissen stammende Fotojournalisten das Elend der Welt zeigten, sagt Röder.“

Diese Erfahrung wird durch eine aktuelle Untersuchung bestätigt.

Dort lesen wir: “Der Zugang zum Berufsfeld des Journalismus ist hierzulande an eine wohlbehütete soziale Herkunft gebunden; Kollateralschäden mit nicht-akademischem Elternhaus werden nur geduldet, wenn sie bedingungslos bereit sind, einen hochkulturellen Habitus anzunehmen. In ihrer Doktorarbeit belegt die Sozialwissenschaftlerin Klarissa Lueg, dass Journalisten zu mehr als zwei Dritteln eine privilegierte soziale Herkunft aufweisen und vor allem Eltern haben, die als Beamte oder Angestellte mit Hochschulabschluss im gehobenen bis sehr gehobenen Dienst tätig (gewesen) sind. Auf den Chefsesseln der Medien beträgt der Anteil der Bürger- und Großbürgerkinder sogar satte 77 Prozent.”

So können zwar heute alle ihr Essen fotografieren, aber die wichtigen Fotos für die Massenmedien jenseits der reinen Ereignisfotos werden immer noch von denen gemacht und ausgewählt, die privilegiert sind. Von Demokratie sind wir dabei noch weit entfernt und von sozialem Aufstieg erst recht.

Wer mehr aus sich machen will jenseits des reinen Journalismus, dem möchte ich das Fotopraxis Buch von Martina Mettner ans Herz legen.

Es hilft sehr, wenn man eigene Wege gehen will.

Text 1.1

Das Foto als PR-Waffe im Fall Hoeneß?

Ich weiß nicht ob das, was ich sehe stimmt oder einen Eindruck erwecken soll, der stimmen soll.

Nach der Urteilsverkündung und der schnellen Annahme durch Herrn Hoeneß gibt es ein Foto in der Presse, das mich sehr nachdenklich macht.

Sie finden es unter anderem hier.

Man sieht auf dem Foto Herrn Hoeneß in einem weißen Hemd (weiße Weste?) und rechts einen Kinderwagen (Opa und Enkel?).

Nun ist es ja in Deutschland verboten, mit Teleobjektiven Personen auf ihren privaten Grundstücken zu fotografieren. Und hier ist Herr Hoeneß auf dem eigenen Grundstück.

Welcher Fotograf wäre so dumm, sich da auf einen Rechtsbruch einzulassen, der sehr teuer werden kann?

Das Foto taucht überall auf, einmal mit Thomson Reuters, einmal mit rtr und einmal mit dpa als Nachweis.

Das Foto scheint Teil eines größeren Fotos zu sein. Dieses ist bei n24 zu finden.

Da ist der Kinderwagen exakt in der Mitte und rechts eine gemütliche Sitzgruppe. Wenn Geometrie eine Rolle in Fotos spielt, dann bestimmt hier.

Wurden da PR-Berater eingesetzt, um das richtige Bild zur richtigen Zeit zu entwerfen? Und wieso wird das Foto so oft verwendet?

An anderer Stelle gibt es auch ein Foto vom Anwesen des Herrn Hoeneß. Hier ist das Haus aber Teil der Landschaft und die ist frei einsehbar. Da dürfte es keine Probleme geben.

Ich stelle mir daher die Frage, ob es sich bei diesem Foto um eine gezielt eingesetzte fotografische Waffe handelt?

Kann das sein?

 

Jeder darf sich Fotograf nennen – auch in Österreich

Nach Deutschland nun Österreich.

Wer Fotos macht und verkauft, darf sich nun Pressefotograf und Fotodesigner nennen: „Seither gibt es das freie Gewerbe des „Pressefotografen und Fotodesigners“. Das heißt, diese Fotografen dürfen nun Fotos jeder Art machen, vorausgesetzt, sie verkaufen sie an Geschäftskunden. Die Zusammenarbeit mit privaten Kunden ist allerdings erst nach drei Jahren erlaubt – ein letzter Rest an Widerstand seitens der Innung, die Angst gehabt hat, dass durch die Liberalisierung Qualität und Preise der Fotografie verfallen – besonders im Kerngeschäft der Meisterfotografen bei Hochzeits-, Porträt- und Passfotos.“

Noch mehr Hinweise gibt uns derstandard, der auf ein aktuelles Gerichtsurteil verweist, welches auch diese Beschränkungen aufhebt.

Na dann viel Erfolg!

 

Angela Merkel als Nazi

Was man in Deutschland nicht zeigt aber dennoch von Deutschland aus zu sehen ist, findet man im Internet. Auf der letzten Demonstration in Griechenland wurde auch deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind. Während in Deutschland alles-ist-gut medial vorherrscht, kämpfen in Griechenland die Armen dagegen, dass sie die Zeche für die Reichen bezahlen müssen.

Dazu gehören auch starke Fotos. Ein Foto sehen Sie hier. Es zeigt eine Demonstration und einen Mann, der u.a. ein Schild hochhält mit Angela Merkel als Nazi bzw. in Naziuniform.

Dieses Foto erzählt mehr als eine Geschichte. Es ist einerseits visuelle Soziologie und andererseits ein Zeitdokument. Es zeigt aber auch, dass die deutsche Geschichte nicht vorbei ist sondern bis in die Gegenwart wirkt. Die Sparpolitik ist sicherlich eine absolut asoziale Angelegenheit. Sie hat allerdings nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Aber vielleicht sind es auch alte Wunden, die nun noch einmal aufgesprungen sind.

Fotografisch ist es allerdings ein starkes Foto, das viel erzählt und viel Raum für Deutungen läßt. Es geht in dem Foto auch gar nicht um Angela Merkel in Naziuniform, das ist nur der Aufhänger. Vielmehr sieht man einen Mann, der seine politischen Aussagen durch das Symbol der Henkerschlinge um seinen Hals, das Angela-Merkel-Schild und ein Plakat zeigt. Das Foto ist insgesamt sehr erzählfreudig, so dass man mit einem Blick viele Geschichten finden kann.

Demotix ist eine Agentur für freiberufliche Fotografen (freelancer). Wenn Sie dort einmal wöchentlich nachschauen, sehen Sie alles das, was in Deutschland in den Medien nicht zu sehen ist.

Sie sehen dort auch, wie interessant Reportage- und Dokumentarfotografie sein kann.

 

Kennen Sie Otto Steinert?

Ein anonymer Klaus schrieb in einer Diskussion: „Eine schöne und spannende Diskussion mit vielen interessanten Anmerkungen. Um nichts zu wiederholen vielleicht nur eine kleine Anmerkung, was der berühmte Prof. Dr. Otto Steinert zu seinen Schülern gesagt hat, wenn es um technische oder ähnliche Fragen ging. ” Entscheidend ist, was auf dem Tisch liegt ! ” Gemeint waren die 30 x 40 Vergrößerungen, die bei seinen Korrekturstunden Pflicht waren, und die er im schlimmsten Falle mit seinem Stempel “SCHEISSE” qualifizierte. Menschlich war der Mann unmöglich, aber am Ende sind etliche GUTE Fotografen aus seiner Schule hervorgegangen.“

Das hört sich für mich anders an.

Muss man so gequält worden sein, um ein guter Fotograf zu werden?

Seltsam.

Das hat dann etwas von Folterer und Peiniger.

Rückwirkend erklärt man dann die Leidenszeit irgendwie positiv, weil man sonst damit nicht zurechtkommen würde und verklärt die Realität.

Ich wollte also mehr über diesen Mann wissen, zumal er ja „berühmt“ sein soll. Das kommt von Ruhm. In der deutschen Wikipedia steht „einer der wichtigsten…“ in der englischen steht „important“.

Und dann findet man die Information, dass er fotografischer Autodidakt war.

Gibt es eigentlich irgendeinen „berühmten“ Fotografen, der kein Autodidakt war?

Das spricht alles nicht für ein Studium der Fotografie oder des Fotodesigns oder der Ausbildung zum Fotografen.

Das spricht eher für das Gegenteil.

Aber das ist ein anderer Gedankengang.

Es gibt sogar einen Preis mit seinem Namen und die DGPH sieht in ihm einen „großen Photographen und Pädagogen.“

Wenn Sie mehr über Otto Steinert wissen wollen, dann können Sie eine Doktorarbeit online hier (pdf) lesen oder sie geben bei google otto+steinert ein und klicken auf die Bilder.

Im Zeitalter des alles ist möglich wären seine Fotos wohl höchstens noch ein „gefällt mir“ wert.

Aber so ist das mit der Fotografie und mit dem digitalen Leben.

Alles ist möglich.

Nachtrag:

Mittlerweile gibt es noch mehr Infos über ihn.

 

Dokumentarfotografie konkret – Die Auguststrasse in Remscheid

… oder wenn Architektur und Stadtgeschichte sichtbar werden.

Wie kann man Veränderungen dokumentieren? Wie kann man mit Fotos die Veränderungen der Architektur einer Stadt festhalten? Was macht den Charakter der Architektur einer Stadt aus? Was sagt die Architektur über die Geschichte einer Stadt aus?

Alle diese Fragen möchte ich mit einigen Bildern beantworten. Dazu dient mir die  Auguststrasse in Remscheid.

Warum gerade dort? Weil es sich angeboten hat. Die Auguststrasse ist so unbekannt, dass sie genau deshalb sinnvoll ist. Denn es geht nicht um die Dokumentation des Abrisses der Volkskammer in Berlin. Es geht um die Dokumentation von dem, was vor Ort überall immer wieder geschieht. Dokumentarfotografie ist daher überall sinnvoll und das will ich damit zeigen.

Noch etwas zu Remscheid. Remscheid liegt zwischen Düsseldorf und Köln und hat drei Autobahnauffahrten und noch ca. 100.000 Einwohner mit ca. 120 Nationalitäten. Hier ist also die Welt zuhause. Sie liegt im Zentrum einer wachsenden Megalopolis der Rhein/Ruhrmetropolen. Sie ist eine Art Bergdorf des Bergischen Landes und daher trotz der Strassen relativ für sich gelegen.

Remscheid war früher bekannt als die „Seestadt auf dem Berge“ und hatte vor allem Handwerksbetriebe und Industrie und natürlich den Handel. Der hat viele reich gemacht. Der prominenteste Fotograf aus Remscheid ist Wolfgang Tillmans, der aus einer Kaufmannsfamilie stammt, der bekannteste Arzt war Wilhelm Conrad Röntgen und die bekanntesten aktuellen Unternehmen sind sicherlich Dirostahl und Vaillant.

Heute nach der starken Deindustrialisierung der Region und der wachsenden Attraktivität anderer Regionen stellt sich Remscheid aktuell auf eine schrumpfende Bevölkerung ein. Weil das Wetter in Remscheid wie im Sauerland eher feucht ist, ist auch die Bauweise der Häuser früher entsprechend gewesen.

Die Auguststrasse in Remscheid zeigt nun sehr schön, was Dokumentarfotografie festhalten und zeigen kann. Die Wohnsiedlung in der Auguststrasse gehörte der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewag.

Diese plante spätestens seit 2008 einen Abriss und eventuell Neubau.

Man sieht hier eine gewachsene Siedlung mit schönen Vorgärten und einer gemütlichen Atmosphäre.

Die Siedlung Auguststrasse 2010 – Foto: Michael Mahlke

Die Haustüren sind so wie man sie hier seit Menschengedenken kennt.

Die Siedlung Auguststrasse 2010 – Foto: Michael Mahlke

Aber die meisten Häuser sind verlassen. Eine Renovierung kam offenbar nicht in Betracht.

Die Siedlung Auguststrasse 2010 – Foto: Michael Mahlke

Hier sieht man die Siedlung mit den gelben Häusern im Jahre 2010:

Die Siedlung Auguststrasse 2010 – Foto: Michael Mahlke

Und hier im Jahre 2012. Die Häuser sind abgerissen:

Die verschwundene Siedlung Auguststrasse 2012 – Foto: Michael Mahlke

Die Häuser, Bäume und Gärten sind verschwunden.

wo Häuser standen ist jetzt Luft

Stattdessen erblickt man nun die dahinter bisher verborgen liegende älteste Architektur von Remscheid:

Die verschwundene Siedlung Auguststrasse 2012 – Foto: Michael Mahlke

Kleine Schieferhäuschen mit Spitzdach und kleinem Garten:

Die verschwundene Siedlung Auguststrasse 2012 – Foto: Michael Mahlke

Auf der anderen Strassenseite wird es ebenfalls noch einmal sehr deutlich. Plötzlich sticht die frühere Architektur und die ursprüngliche Bebauung ins Auge. So sah Remscheid aus bevor die Siedlung an der Auguststrasse gebaut wurde. Von der Vorderseite der Strasse kann man dies nicht so deutlich sehen. Und wenn hier wieder gebaut wird ist dies auch nicht mehr sichtbar.

Im Prinzip sieht man hier drei Etappen der städtebaulichen Entwicklung.

  • Es gab eine ursprüngliche Architektur mit kleinen Schieferhäuschen. Diese war ca. 50/70 Jahre nicht sichtbar.
  • Dafür war in dieser Zeit eine sehr schöne Siedlung der Blickfang. Diese prägte das Leben einer ganzen Generation.
  • Und jetzt wird nach dem Abriss dieser sehr schönen Siedlung der Blick wieder frei auf die ursprüngliche Architektur und es wird etwas Neues entstehen.

Man sieht auch auf einen Blick, was man von Remscheid halten kann. Ob die neue Architektur eher natur- und menschenfreundlich ist wird dann später zu dokumentieren sein.

Mir kommt es in diesem Artikel darauf an zu zeigen, was Dokumentarfotografie kann. Sie kann Veränderungen dokumentieren und festhalten, indem sie Orte und Zustände zu verschiedenen Zeitpunkten festhält.

Das ist wichtig, weil wir sonst nicht mehr verstehen, was einmal war und warum es so geworden ist. Dadurch ersetzt sie bei solchen Themen sogar die Texte. Wir leben zwar in einer Zeit, die eine Art permanenter Gegenwart produziert, aber das wird den Menschen irgendwann nicht mehr reichen.

Und so kann die Dokumentarfotografie ihren Beitrag leisten, um die Entwicklungen festzuhalten oder wie hier sogar den Blick noch einmal so einzufangen wie er vor langer Zeit – vor dem Bau der ersten Siedlung – gewesen sein musste.

 

Endlich klar: Jeder darf sich Fotograf nennen

Foto: Michael Mahlke

Es war lange strittig, wer sich in Deutschland Fotograf nennen darf.

Ich habe diese Frage vor längerer Zeit schon thematisiert.

Der Rechtsanwalt Wolfgang Rau hat nun ein Buch mit dem Titel „Recht für Fotografen“ geschrieben.

Er ist ehrenamtlich Justitiar des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF).

Im Kapitel „Gewerblich fotografieren“ gibt er eine klare Information.

Dort schreibt er: „Entgegen vielfach gegenteilig vertretener Auffassung ist die (Berufs-)Bezeichnung „Fotograf“ nicht geschützt und kann von jedem, der fotografiert, verwendet werden.“

Es war auch eine sehr paradoxe Situation, dass man sich die Frage stellen musste, bin ich ein Fotografierer oder darf ich mich Fotograf nennen?

Wer im Ausland als „photographer“ arbeitete, der durfte sich in Deutschland z.T. offenkundig nicht Fotograf nennen.

Selbst im Bundesinstitut für Berufsbildung war man 2011 noch anderer Auffassung: „Eigentlich ist es ganz einfach: Fotograf oder Fotografin darf sich nennen, wer eine Ausbildung nach der anerkannten Verordnung über die Berufsausbildung zum Fotografen/zur Fotografin erfolgreich absolviert hat. Diese Ausbildungsverordnung wurde zuletzt 2009 modernisiert, sie trat am 1. August 2009 in Kraft. Allerdings kann jeder/jede diesen Beruf ausüben, da es keine gesetzlichen Voraussetzungen gibt. Er/sie muss sich nur anders nennen.“

Ich freue mich sehr, dass der Fotograf und die Fotografin nun nochmals publizistisch-juristisch in die Freiheit entlassen worden sind.

Es kommt eben auf die Bilder an und nicht auf das Etikett.

Aber. Wer sich Fotograf nennt oder dies durch Fotografieren praktiziert, der hat eben nicht nur das Recht, sich Fotograf oder Fotografin nennen zu dürfen, sondern auch die Pflicht, die für Fotografinnen und Fotografen geltenden und beschränkenden Gesetze zu respektieren und anzuwenden.

Und deshalb reicht es nicht, diesen Artikel zu lesen, sondern ich empfehle dringendst ein Buch wie das von Wolfgang Rau zu lesen, online oder gedruckt. Denn wer bloggt, mit dem Handy fotografiert oder mit der Kamera, der hat auf eine Menge zu achten – egal wie er/sie sich nennt.

 

 

Recht für Fotografen von Wolfgang Rau

Dieses Buch sollten alle Bloggerinnen und Blogger lesen, die Fotos ins Internet setzen und alle, die Ärger beim und nach dem Fotografieren vermeiden wollen.

Es ist ja so einfach. Ich gehe mit dem Handy (oder einer Kamera) los und mache an der S-Bahn ein paar Fotos. Ich fotografiere einen Mann beim Essen oder Trinken, ich fotografiere den Bahnsteig mit vielen wartenden Menschen, ich schicke über mein Smartphone, Iphone oder ähnliches die Fotos sofort ins Internet auf z.B. Instagram, Blogspot, Facebook, Google oder an eine andere Adresse.

Das ist modern – und das kann die Verletzung von Gesetzen in vielfältiger Weise sein!

Wolfgang Rau, Jurist und Fotograf, hat im Galileo Press Verlag ein Buch veröffentlicht, das als Nachschlagewerk und Einstieg die schwierige juristische Materie auch für Laien gut erklärt und durch die übersichtliche Gliederung erfahrbar macht.

Wenden wir uns nun noch einmal dem obigen Fall zu!

Ich stehe also an der S-Bahn in Berlin und warte auf meinen Zug. Die S-Bahn hat eine Hausordnung. Und da steht drin: „Folgendes ist nur nach vorheriger Genehmigung durch das Bahnhofsmanagement gestattet: ….. Gewerbliche Foto-, Film- und Fernsehaufnahmen.“

Ich sage/denke natürlich, das ist nur für meinen privaten Gebrauch. Aber darf ich das dann und wo ist der Unterschied zwischen gewerblich und privat?

Auf Seite 84 in seinem Buch schreibt Wolfgang Rau zu dieser Art von Situation: „In der praktischen Konsequenz bedeutet die Einschränkung „nur zum privaten Gebrauch“, dass Sie für die eigene Nutzung und die Nutzung durch ihre Familie und engsten Freunde Fotos anfertigen können. Veröffentlichen dürfen Sie die Bilder jedoch nicht! Auch dann nicht, wenn damit keine kommerziellen Interessen verfolgt werden. Es sind mehr oder weniger nur Erinnerungsfotos zulässig, die danach ihr Dasein im Fotoalbum oder auf der Festplatte fristen.“

Privat bedeutet hier eben nicht, ich darf es einfach online setzen.

Privat bedeutet eben, ich darf es nicht online setzen, so dass es sehr darauf ankommt, was ich auf dem Foto habe.

So gibt uns der Autor die Möglichkeit, unser Online-Verhalten auch juristisch besser zu kontrollieren.

Wolfgang Rau stellt Fragen und gibt Antworten: Worin besteht der qualitative Unterschied zwischen Lichtbild und Lichtbildwerk? Was ist Öffentlichkeit, was ist Panoramafreiheit? In welchen europäischen Ländern gilt sie und wo nicht?

So gelingt es dem Autor, uns beim Fotografieren sicherer zu machen, weil wir wissen, was wir dürfen und was nicht.

Und dann kommt er zum Thema Menschen, natürlich ein Kernthema der juristischen Betrachtung von Fotografie.

Ob minderjährig, verstorben, nackt oder in der Gruppe. Alle relevanten Probleme werden zielsicher angesprochen und praktisch klar beantwortet.

Sehr schön sind auch die im Text befindlichen Kästen mit Merksätzen wie „Aufnahmen ohne Einwilligung sind im Zweifel rechtswidrig“.

Wenn wir uns weiter durch das Buch arbeiten, stossen wir auf eine einfache Frage: Was ist eine Versammlung?

Es wird ja gerne als Entschuldigung für publizierte Fotos gesagt, das sei in der Öffentlichkeit und/oder auf einer Versammlung gemacht worden.

Aber sind Sonnenbadende auf einer Wiese, sind Passagiere in der Wartehalle, sind Besucher einer Kirmes oder wartende Menschen eine Versammlung oder Teil einer Öffentlichkeit, die frei fotografiert werden darf?

Und es geht weiter: Wolfgang Rau schildert auch das Problem der Strassenfotografie und analysiert die Fotos von Henri Cartier-Bresson. Und er schreibt den heutigen „Strassenfotografen“ eine klare Botschaft ins Stammbuch: entweder liegt eine Einwilligung vor oder die Personen dürfen nicht erkennbar sein.

Wie man dies macht, habe ich an anderer Stelle versucht, praktisch zu vermitteln.

Aber er schreibt auch über die andere Seite.

Wie schützt man seine Rechte, was bedeutet Herausgabe des Verletzergewinns, gibt es evtl. Entschädigungen? Klar und präzise wird dies alles erläutert. Und er gibt viele Hinweise, wie man richtige Verträge macht, um die Rechte an Fotos zu schützen.

Sehr schön ist auch das Kapitel „Wenn das Hobby zum Beruf wird“.

Für mich persönlich ist seine klare Aussage zur Frage, wer sich Fotograf nennen darf, sehr bemerkenswert. Er sagt, die Bezeichnung „kann von jedem, der fotografiert, verwendet werden.“

Damit habe auch ich endlich eine klare Antwort zu diesem Thema, das ich schon vor längerer Zeit problematisiert hatte.

Abgerundet wird das Buch mit  Beispielen für Property Release, Model-Vertrag etc.

Man merkt sehr schnell, wie hoch der Nutzwert dieses Buches ist.

Es ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis und es ist ein Buch von einem Juristen, der eben auch als Fotograf blicken kann. Das ist wohl die seltene Kombination, die aus diesem Buch ein gelungenes Buch mit einem sehr hohen Nutzen macht.

So erfüllt es umfassend den eigenen Untertitel „Der Ratgeber für die fotografische Praxis“.

Wolfgang Rau:

Recht für Fotografen. Der Ratgeber für die fotografische Praxis

Galileo Design

ISBN 978-3-8362-1795-8