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Über Fotografie schreiben

Fotobücher und Texte zur Fotografie und Streetfotografie – Michael Mahlke

Über Fotografie schreiben bedeutet für mich über Dokumentarfotografie, soziale Fotografie und Digitalkameras zu schreiben. Die Digitalfotografie hat für mich das Fotografieren demokratisiert, weil sich heute jeder einen Fotopparat leisten kann, sogar zusätzlich zum Handy bzw. Smartphone.

Das Fotobuch und seine Bedeutung in der Dokumentarfotografie

Michael Mahlke Fotobücher

Michael Mahlke Fotobücher

Einige Erfahrungen online und offline

Nun schreibe ich über zehn Jahre digital über Dokumentarfotografie.

Da lohnt sich für mich die Frage, welche Rolle dabei Fotobücher gespielt haben?

Denn in digitalen Zeiten sind viele Fotos ja auf Webseiten zu finden – sollte man meinen.

Aber da fängt es schon an.

Eyes on Paris. Paris im Fotobuch 1890 bis heute

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Jede Zeit hat eigene Fotobücher.

Die meisten sind vergessen, einige schaffen es in die Haushalte der Menschen, noch weniger in die Köpfe der Menschen.

Und mit dem Aufkommen digitaler Technik schien das Fotobuch zu verschwinden.

Es war ein Irrtum.

Und im Zuge der Wiederentdeckung des Fotobuchs kam auch die Aufarbeitung der Geschichte der Fotobücher.

Spannung pur – zumindest hier beim Thema Paris!

Es gab für Paris und seine Fotobücher eine Fotoausstellung.

Und dazu gibt es bis heute ein gut gemachtes Buch darüber, das die vergangene Ausstellung aufleben läßt und den Gang durch die Geschichte der Fotobücher über Paris ermöglicht.

Wer hätte gedacht, daß es so viele Fotobücher über Paris gab!

Hans-Michael Koetzle hat nur die „wichtigen“ Fotobücher dargestellt. Eine faszinierende Auswahl und eine visuelle Reise durch die Blicke auf Paris und die Zeiten in Paris.

Zudem sehen wir wie verstreut die Buchwelt weltweit ist.

Wer sich auf das Buch einläßt wird sehr belohnt.

Wunderbare Artikel erzählen über die Bücher und die Menschen, die sie gemacht haben.

Ich finde die japanischen Fotografen faszinierend, die Realismus und Farbe und Dokumentation zusammenbrachten und Fotos erstellten, die auch heute noch ansprechen.

In dem Buch über die Fotobücher von Paris fehlt sicherlich nichts, was wichtig wäre im Bereich der Monografien.

Viele gute Fotos aus den Büchern laden zu einem Spaziergang durch die Fotobücher von Paris ein.

Man schlendert durch Paris und erlebt Jahrzehnte mit ihren Problemen und der jeweiligen Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Denn natürlich sind die Sehenswürdigkeiten und die Strassen immer wieder die Bühne für die Fotos. Und so sieht man den Wandel je nach dem Blick des Fotografen oder der Fotografin.

Es ist eine faszinierende Reise durch Paris und die Fotografie.

So entstand ein Buch, das ganz ohne den Versuch auskommt, bestimmte Kameramarken vorzustellen. Vielmehr sieht man, was fotografisch schon vor Jahrzehnten in der analogen Welt möglich war und wie schön manches auch im Rückblick ist.

Der Hirmer Verlag hat hier ein Buch im Programm, das auf hohem Niveau und mit wunderbarer Ausstattung für viele Jahre immer wieder zum Aufschlagen animiert.

Es ist auch irgendwie ein Reiseführer und natürlich macht das Buch Lust auf Paris und vor allem Lust auf das Fotografieren mit verschiedenen Techniken monochrom und in Farbe.

Das Buch ist zeitlos aber nicht langweilig und das macht auch das Empfehlenswerte aus. Es ist irgendwie der beste Reiseführer, ohne daß man das Buch in die Reisetasche stecken könnte. Aber es ist ein wunderbarer Weg, um zu sehen, wie viel Geschichte und Veränderung in dieser Stadt steckt.

Dies wird alles sichtbar und daran kann man sich erinnern, wenn man sich entschließt, durch die Straßen von Paris zu schlendern und an einem Boulevard einen Cafe zu trinken.

Wenn man dann schon mal da ist, sollte man auch fotografieren und sein eigenes Fotobuch über Paris machen – zum kleinen Preis und online.

Und wenn man es in Händen hat sollte man es mit dem Buch Eyes on Paris vergleichen. Denn Eyes on Paris lohnt sich sehr als Geschenk und für die fotografische Inspiration.

Es ist im Hirmer-Verlag erschienen.

 

400 Seiten, 899 teils farbige Abbildungen
24 x 30 cm, gebunden
ISBN: 978-3-7774-4131-3

Gisèle Freund, Fotografische Szenen und Porträts von Janos Frecot und Gabriele Kostas

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„Wer bei Gisele Freund über Porträts spricht, spricht auch über Farben.“

So schildern Yoann Thommerel und Lorraine Audric das Archiv ihrer Fotos.

Es sind Fotos aus schwierigen Zeiten.

Sie erzählen Geschichten vom Leben und Sterben. Immer dabei Walter Benjamin.

Hnzu kommen Fotoreportagen und der Briefwechsel zwischen Walter Benjamin und Gisele Freund in Paris.

So entstand ein Buch, das Gisele Freund zeigt, ohne daß die Fotografin dazu noch etwas sagen könnte.

Janos Frecot und Gabriele Kostas betonen, daß die Auswahl der Fotos nicht nur die Porträts zeigen, sondern den Alltag der Abgebildeten, eben fotografische Szenen.

Daraus entstand ein Buch, das die Vergangenheit fast aktuell zurückholt.

Es sind bemerkenswert lebendige Fotos und man kann in dem Buch genau sehen, wie versucht wurde, verblassende Farben digital wieder hinzubekommen.

Das ist gelungen und spannend.

Das Buch liefert aber auch eine Untersuchung über die Art, wie Gisele Freund Porträts machte.

Fast immer war eine Hand zu sehen.

Interessant ist die These, daß die Fotos nicht aus einer Freude am Visuellen entstanden sind sondern aus inhaltlichen Gründen.

Wie schön, daß es das im Fotojournalismus noch gab!

„Die farbigen Nahansichten von Schriftstellern, besonders die berühmt gewordenen Porträts, die Gisele Freund um 1939 aufgenommen hat, verhindern oft durch ihre porentiefe, nicht nur den Dargestellten selbst unangenehme Genauigkeit die nötige Distanz, die uns gleichzeitig wieder anlocken würde.“

So steht es im Buch.

Enno Kaufhold untersucht in dem Buch die Rezeption und weist darauf hin, daß Gisele Freund erst 1977 in Deutschland im Rahmen einer Ausstellung mit Porträts und Fotoreportagen öffentlich zur Kenntnis genommen wurde.

Nun hat der Nicolai-Verlag dieses Buch herausgegeben und es wird die Frage erneut aufwerfen, ob es einen weiblichen Blick gibt.

Im Buch selbst wird genau dies diskutiert und mit Zitaten von Hans Georg Puttnies und Verena Lueken mit Pro und Contra versehen.

Egal ob oder ob nicht.

Das Buch eignet sich wunderbar, wenn man Menschen in einer Nähe und Lebendigkeit sehen möchte, die man sonst nur aus der Literatur kennt. Und es ist ein großartiges Buch, wenn man die Fotos von Gisele Freund im Großformat sehen möchte und Fotos sehen will, die sich verkauften

Am Ende des Buches sind auch die Fotos von Eva Peron zu sehen und die Geschichte mit den Fotos, mit der Politik und der Agentur Magnum wird so erzählt wie wir sie noch nicht kannten.

Die vielen Autorinnen und Autoren liefern viele verschiedene Ansichten und insgesamt ein Puzzle zu Leben, Werk und Wirken einer Frau und Fotografin, die die Reproduzierbarkeit der Fotografie auch als Broterwerb hatte.

Ein spannendes, umfassendes und gut gemachtes Buch aus dem Nicolai-Verlag.

Janos Frecot, Gabriele Kostas (Hg.)
Gisèle Freund
Fotografische Szenen und Porträts
224 Seiten, 22 x 27 cm
175 farbige und Duotone-Abbildungen
gebunden
ISBN 978-3-89479-848-2

 

Wieder einmal ist Fotomonat Quelle für Inspirationen und Fachkompetenz

Durch mein Studium von Fotobüchern gestern und heute sind mir einige Perlen ins Auge gefallen und mir war klar, daß es einen Markt gibt für Neuauflagen bestimmter Werke.

Ich habe deshalb vor über einem Jahr vorgeschlagen, ein Buch von Henri Cartier-Bresson neu aufzulegen zu einem Preis um die 100 Euro, weil ich mir sicher war, daß dieses Buch gekauft wird.

Faszinierenderweise wird es nun neu aufgelegt und für 98 Euro verkauft.

Fotomonat ist eben eine fachkompetente und seriöse Quelle für Fotografie mit dem Schwerpunkt Dokumentarfotografie auf die man hört.

 

Digitalfotografie und Geschichtsschreibung

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Foto: Michael Mahlke

Das persönliche Fotobuch zwischen Zeitgeist und Lebenszeit

Ich habe lange dafür gebraucht.

Für die Fotos ebenso wie für den Artikel und noch länger bis es so weit war.

Die Geschichte der Kompaktkameras

Ab 1999 ermöglichten die preiswerten Digitalkameras von Jenoptik mir den Zugang zur Digitalfotografie. Dann glaubte ich mit der teuren Canon Powershot G1 eine langlebige Kamera zu kaufen. Das stellte sich technisch als Illusion heraus. So ging es bis 2005.

Danach gab es ja das Feuerwerk der Kompaktkameras auf dem Markt. Es war die Zeit der Experimente für Kunden und Unternehmen.

Für mich waren es mit 5 und 6 Megapixel die Sanyo E6, die Fuji F10  und die Fuji Z3.

Später wurden diese durch 8 bis 10 Megapixel Kameras abgelöst, die Lumix LX37, die Olympus C70 Zoom und die Ricoh GX200.

Erinnern Sie sich noch daran? Eher weniger?

Die Geschichte und die eigene Lebenszeit

Genau so ist es mit der eigenen Lebenszeit und den extremen Belastungen, die damals vorhanden waren.

Erst wollte ich die Bilder einfach liegenlassen für später. Aber wer wüßte dann noch was und wie, warum und wo?

Nach einiger Zeit entschloß ich mich, daraus ein persönliches Fotobuch zu machen. Und in diesem Fall hält das Buch mehr als die Seiten zwischen den Buchdeckeln.

Dokumentarfotografie 2000 bis 2010

Es sind Fotos aus der Zeit zwischen 2000 und 2010 – nicht viele aber exemplarische Momente, die fast immer öffentlich waren, aber von denen die Öffentlichkeit nur sehr begrenzt Kenntnis nahm.

Es ist sehr persönlich, weil darin mein Herzblut und die Energien vieler anderer Menschen zu finden sind. Es ist eine fotografische Dokumentation, die viele Erinnerungen und Gefühle freisetzt.

Nicht einfach vergessen

Ich hatte neben Füller und Notizbuch immer öfter eine Kamera dabei und fragte die Menschen, ob sie Lust hätten auf Fotos zu sein, die an uns erinnern und von denen ich noch nicht weiß, wann und wo ich sie als „Geschichtsbuch“ veröffentliche. Sie sagten immer ja und freuten sich, daß sie nicht einfach vergessen werden.

Dann erzählte ich über andere Bücher von mir und ich endete jedes Mal mit der Feststellung, wenn wir uns nicht dokumentieren, dann wird uns niemand dokumentieren.

Das wußte ich seit meinem ersten historischen Buch über eine lokale soziale Bewegung und der Recherche dafür im Archiv. Die Menschen damals waren nur in den Polizeiberichten der Bismarckzeit auffindbar, ohne Fotos und nur so wie die Geheimpolizei dies damals sah.

Worte reichen nicht

Den Menschen ein Gesicht geben, die Namenlosen zumindest als Teil des Geschehens sichtbar festhalten, um an sie zu erinnern und ihnen so einen Platz im Gedächtnis der Gesellschaft einräumen.

Worte allein reichen nicht, wenn man lebendig im historischen Gedächtnis von Menschen und Archiven bleiben will. Das war mir klar nach vielen Jahren zwischen Wörtern, Bildern und Geschehen.

Auch Niederlagen muß man dokumentieren, weil sie gut sind, wenn man daraus lernen will. Sie bringen uns an die Grenze jenseits der Illusionen.

Es geht um die Bedingungen von Arbeit und Leben und um Ereignisse, die stattfanden und vieles veränderten.

Das ist Geschichtsschreibung heute.

Und deshalb setzte ich dieses Wissen dann erstmalig digital und visuell bei Mannesmann um.

Das war der Beginn meiner fotografischen Erfahrungen.

Ja so war das.

Das beste Foto ist das, das überhaupt existiert

Einige Fotos sind unscharf, weil die, die die Kamera bedienten, der Automatik vertrauten und damals bei schlechtem Licht kleine Kameras noch größere Probleme hatten.

Aber es sind die einzigen Fotos, die überhaupt zeigen, wie es war.

Außer in der Erinnerung der Beteiligten ist vieles nicht mehr auffindbar und sichtbar erst gar nicht. Viele Betriebe von damals als soziale Veranstaltungen sind verschwunden, Gebäude sind abgerissen, es wurde umgezogen und vieles mehr.

Die Globalisierung mit ihrer menschenfeindlichen Fratze hat in dieser Region bei so vielen Menschen so viele Wunden geschlagen, dass jede neue Erinnerung auch neue Schmerzen hervorruft.

Erinnerungen zwischen Würde und Schmerz

Aber der Entschluß, daraus dann doch ein Fotobuch zu machen, setzte viele Dinge in Bewegung. Nun sehe ich Menschen und Ereignisse noch einmal und sie haben nichts von ihrer Würde und ihrem Ringen verloren.

Die Ereignisse sind vorbei – aber nicht die Erinnerungen daran und die Wunden und Schmerzen, die sie hervorbrachten. Diese sind nicht sichtbar aber für den spürbar, der sie erlitten hat. Sie sind in der Seele und schmerzen immer wieder, wenn sie geweckt werden. Globalisierung bedeutet legalisierte Gemeinheit und den Sieg von Gier und Ungerechtigkeit. Davon profitieren nie die kleinen Leute vor Ort. Diese zahlen immer den Preis dafür.

Natürlich gibt es in Momenten des sozialen Kampfes und von Situationen, in denen man weiß, daß man verliert, auch die Momente des Zusammenhalts, die wirklich helfen, diese Zeiten durchzustehen.

Auch daran erinnert man sich. Aber es ist nur ein Trost, weil die Wirklichkeit so trostlos war.

Die Zeiten mit diesem brutalem Umbau sind in dieser Region momentan so massiv vorbei.

Fotos bleiben als sichtbare Dokumente der Erinnerung

Die Fotos sind die einzigen Überbleibsel dieses „Wandels“, der zehntausenden von Menschen und hunderten von Betrieben aus der Region (Remscheid, Solingen etc.) die Arbeit und die Zukunft nahm. Das steht alles exemplarisch für andere Regionen, in denen Ähnliches passierte.

Die Menschen wollten alle arbeiten und ihre Arbeitsplätze behalten. Viele davon wurden arbeitslos und dann stigmatisiert durch Hartz 4.

Und der soziale Ausgleich in dieser Gesellschaft, der zu Beginn dieser Entwicklung manches abfederte, ist einer asozialen Gesetzeslage gewichen, die fast keine gut bezahlten Arbeitsplätze mehr hervorbringt ausserhalb des Beamtentums, sondern die Zeitarbeit als Normaleinstiegsarbeitsverhältnis definiert und damit den Menschen die Perspektive und die Identifikationsmöglichkeit mit diesem System nimmt.

Globalisierung und Industrialisierung

Ich finde, daran sollte man erinnern, weil wir bessere Gesetze verdient haben und weil diese Menschen in dieser Region als lokale Akteure die Namenlosen der Geschichte sind, die man heute unter Globalisierung zusammenfasst so wie man über die Industrialisierung spricht und dabei die Menschen vergißt, die damals Betroffene und Opfer waren.

Blickt man auf die Geschichte der Fotografie, dann war eine Folge der Industrialisierung die Entwicklung der sozialdokumentarischen Fotografie, um das festzuhalten, was in Bildern aussagekräftiger ist und mit Texten dann richtig zugeordnet werden kann.

Und wir?

Wir sind vor kurzem erst dabei gewesen als Betroffene(?) und schon Teil der Geschichte, auch wenn wir noch leben.

Und es geht weiter. So ist das eben.

 

Erfolglos und frustriert? – Leben mit der Fotografie und der eigene Weg durch die Welt

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wer fotografiert will etwas zeigen. Sich selbst und eigentlich auch der Mitwelt. Damit ist dann die Ebene der sozialen Beziehungen erreicht, privat und öffentlich. Erfolg ist dabei dann die Währung. Diesen gibt es ohne Geld und mit Geld. Heute ist der Erfolg in sozialen Netzwerken durch positive Kommentare gegeben. Aber der eigentliche Erfolg ist der Verkauf der Fotos.

Wenn nun beides ausbleibt, was passiert dann?

Ich möchte mit Robert Frank beginnen.

Martina Mettner hat in ihrem Buch Fotografie mit Leidenschaft dem Buch The Americans und der Person Robert Frank ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie schildert dort wie Fotografie mit Leidenschaft echte Leiden schafft. Das Buch hatte eine Druckauflage von 2600 Exemplaren von denen 1100 verkauft wurden und Robert Frank verdiente damit ca. 800 Dollar.

Für das Buch erhielt er öffentlich viele Prügel und das Buch wurde zerrissen. Einzig der New Yorker urteilte über das Buch, dass es „die Charakteristik des amerikanischen Lebens … mit brutaler Sensibilität entblößt.“

Danach verschwand das Buch in der Versenkung.

Erst mehr als zwanzig Jahre später wurde es 1978 durch den einflussreichen John Szarkowski rückblickend zum wichtigsten Fotobuch in der amerikanischen Fotografie der 50er Jahre erklärt.

Frau Mettner hat Robert Frank beispielhaft für die Transformation eines Fotografen zum Künstler dargestellt. Für sie ist das Buch ein „wunderbarer Beleg dafür, dass Knipsen und Kunst zusammengehen können“.

Robert Frank hat nach diesem Buch viele Jahre mit der Fotografie aufgehört. Im Buch von Patricia Bosworth über Diane Arbus schildert die Autorin das Leben und das Verhältnis zwischen Diane und Frank. Dabei wird deutlich, dass Frank von der Fotografie kaum leben konnte. „Bei Frank und seinen Freunden wurde das Thema Geld nie angeschnitten. (Um die Miete bezahlen zu können, nahm man alle möglichen Jobs an.)“

Und er begann dann mit dem Erstellen von Dokumentarfilmen. Der erste nach dem Buch war Pull my Daisy. Walter Gutman, ein Wall Street Makler, investierte 12.000 Dollar in diesen Film, der ein klassischer Dokumentarfilm wurde.

Publikum und Totschweigen

Fotografie braucht Publikum, wenn sie Themen für die Menschen und von den Menschen enthält. Das ist ja fast immer der Fall. Und deshalb ist Publikum so wichtig – auch für die eigene fotografische Entwicklung, selbst wenn die Fotos auf Ablehnung stossen.

Aber es kommt eben auch darauf an, um welches Publikum es sich handelt. Man kann sich zwar sein Publikum nicht aussuchen, aber man kann unterscheiden nach denen, die was zu sagen haben und denen, die aus Neid etwas tun.

Und wenn etwas besonders gut ist und besonders trifft, dann passiert damit oft genau das, was Martina Mettner so schön in ihrem Buch geschildert hat:

Man „breitete den Mantel des Schweigens über diese Darstellung der Schattenseiten des amerikanischen Traums (aus, M.M.)“

Daß dies dann für den Menschen Robert Frank ein Vierteljahrhundert später dazu führte, dass sein Buch Fotografiegeschichte schrieb, hat er dem „Geschichtsschreiber“ John Szarkowski zu verdanken.

Totschweigen ist also ein Geheimrezept, wenn man unliebsames und besonders Gutes nicht haben möchte. Für die Betroffenen kann dies zu Frust führen, weil sie ja ihre Lebenszeit mit Engagement investieren. Ohne Engagement führt dies wahrscheinlich nicht zu Frust, weil die persönliche Betroffenheit nicht ausgeprägt ist.

Heute sind wir einige Schritte weiter. Belohnung und Strafe liegen beim Posten von Fotos nur einen Klick voneinander entfernt. Und das Gefällt mir ist oft nur noch eine Sache von Sekunden. Meinungen bilden sich unabhängig von sachlichen Kriterien aus Launen heraus.

Daher sollten soziale Netzwerke eher Hinweisorte sein und die Fotos selbst woanders sein, offline und online.

Ende ohne Happy oder happy ohne Ende?

Soll man weitermachen, wenn der Erfolg sozial und finanziell ausbleibt?

Robert Frank hörte für viele Jahre auf. Nur die Existenz des Buches gab die Gelegenheit für den späteren Zugriff.

Heute werden für einzelne Fotos aus dem damaligen Buch als Druck mehr als 600.000 Dollar gezahlt.

Das ist im digitalen Zeitalter noch schwieriger.

Wenn du die Seiten mit deinen Fotos löschst, dann sind sie weg.

Somit ist heute sogar die Hoffnung auf den Erfolg in der Zukunft weg, wenn man die Dinge nur digital hat und nicht gedruckt und digital gesichert.

Schwierige Zeiten.

Aber damit nicht genug!

Wo kann man denn heute noch erfolgreich sein?

  • Das finanzielle Erfolgskriterium ist die „Museumsqualität“.
  • Die Teilnahme an Fotowettbewerben ist wie eine Fotolotterie und
  • das Hochladen in Communities ist meistens nicht mehr als das tägliche Sichten von gespeicherten Bildermassen.

An dieser Stelle möchte ich nun noch hinweisen auf ein besonderes Phänomen. Diane Arbus und viele andere Fotografinnen und Fotografen haben es erlebt: je mehr Fotowettbewerbe sie gewonnen haben und je prominenter sie wurden, desto weniger Aufträge erhielten sie. So gibt es nicht einmal hier einen garantierten Weg zum finanziellen Erfolg.

Wenn ich das alles so beschreibe, dann wird man auf sich selbst zurückgeworfen.

Hilft da die Erzählung von Albert Camus  mit dem Titel Jonas oder der Künstler bei der Arbeit?

Was mir an dem Buch von Frau Mettner so gefällt ist die Auseinandersetzung mit dem Thema, die bei mir zu Fragen führt wie

  • Was mache ich eigentlich, wenn ich nicht berühmt und reich werde?
  • Welche Rolle spielt dann die Fotografie für mich?
  • Was will ich mit diesem Medium ausdrücken?
  • Worum geht es mir?

Wenn die Fotografie dann nicht das ganze eigene Leben ist und man weiß, welche Antworten man darauf gibt, dann ist vielleicht der Weg erreicht, der es möglich macht, weiter zu fotografieren.

Im Kreis und im Fluß

Dieser Artikel kreist um einen Fluß ohne Anfang und ohne Ende. Daher sind alle Antworten nur Momente für Momente.

Der Weg zu sich ist offenkundig das Ziel.

Dieser Weg ist aber finanziell so gut wie nie erfolgreich. Er ist eher die Essenz, die den Misserfolg leicht verdaubar macht und dem Leben mehr Gewicht einräumt als dem Nachlaufen zum finanziellen Erfolg.

Wie man diesen erreicht, haben Piroschka Dossi und Martina Mettner in ihren Büchern analysiert. Dabei geht es überwiegend um Vernetzen und Verbinden.

The Americans

Um nun das Buch von Robert Frank noch einmal anzusprechen. Es gefällt mir, weil es echte Momente dokumentiert. Die Fotografien erzählen etwas. Aber ich habe immer das Gefühl, er hat mit dem Foto so lange gewartet bis die Person, die fotografiert wurde, missbillig sagt, was willst du von mir, pass auf, ich komme gleich rüber. So ist der Fotograf aktiver Teil des dann als Reaktion darauf aufgenommenen Geschehens. Es sind dann wohl eher herausgeforderte Momente, die genau dann fotografiert wurden.

Das war der Moment, den er festhielt.

An dem Buch gefällt mir aber noch etwas anderes. Es hat ein Format, das aus Fotos keine Tapeten macht und die Fotos wirken trotzdem gut. Es dürfte sich um Fotos im Format 13×19 handeln im Querformat.

So möchte ich diesen Artikel beenden und stelle rückblickend fest, dass es mir gelungen ist, die Schwierigkeit und die Widersprüche aufs Papier zu bringen, die entstehen, wenn die Fotografie ein Teil meines Lebens ist. Und ich konnte dokumentieren, warum Erfolg und Mißerfolg oder fehlender Erfolg nichts über Qualität  und die eigene Person aussagt. Es kommt auch da auf die richtigen Verbindungen und den richtigen Zeitpunkt an.

So enden diese Ausführungen mit Antworten und Fragen – wie im echten Leben!

Und danken möchte ich Patricia Bosworth, Piroschka Dossi, Martina Mettner und Robert Frank für ihre Bücher und Gedanken, die mir eine vielfältige Inspiration waren beim Erzeugen eigener Gedanken, beim Finden von Zusammenhängen und beim Schreiben dieses Artikels.

Das Ebook in der Fotografie – Chancen und Grenzen

Der digitale Siegeszug

Seitdem die digitale Technologie immer mehr Bereiche der Welt erfasst hat, spricht man von einem Siegeszug. Dazu gehört der Glaube, dass bald auch gedruckte Bücher von elektronischen Büchern ersetzt werden.

Geht man in einen Buchladen, dann merkt man schnell, dass sich was verändert hat. Ja, es liegen viele Bücher herum, die gekauft werden wollen. Aber zunehmend gibt es sogenannte Reader. Man soll einen kleinen Monitor kaufen, der es ermöglicht, Bücher elektronisch zu lesen.

Nun haben wir digitale Buchangebote ja schon im Projekt Gutenberg, sogar mehrmals und vor allem kostenlos. Aber da reicht ein einfacher Computer und ein Zusatzgerät ist nicht erforderlich.

Natürlich ist eine Welt vorstellbar, in der Inhalte nur noch auf Bildschirmen oder Projektionsflächen angeschaut werden. Vielleicht ist deshalb im Moment der Kampf um das Urheberrecht auch so groß. Die großen Firmen nutzen Technologien, die die Einzellizenz abrechenbar machen.

Das gedruckte Buch

Aber da geht es eben um das Lesen mit einem elektronischen Gerät. Ich persönlich lese sehr viele Bücher elektronisch. Aber es sind Bücher, bei denen es nur auf den Informationsinhalt ankommt wie Fachbücher zu wissenschaftlichen Fragen, Dissertationen und Aufsätze. Und ich lese sie am 20 Zoll Monitor in der FullScreen Ansicht, weil mir das sonst zu klein wäre.

Völlig anders ist es mit Büchern, die ein gestaltetes Werk darstellen. Wenn ein Buch schon vom Einband her – was leider immer seltener wird – ein gelungenes Erscheinungsbild abgibt und man dann in dem Buch grafisch und textlich auf Entdeckungsreise geht, dann ist dies etwas völlig anderes als das Lesen eines elektronischen Buches.

Wenn der Tastsinn das Papier erfasst und der Geruchssinn die Druckerschwärze und die Papierart, dann wird das Lesen eine sinnliche Erfahrung und kein rein kognitives Ding.

Genau so ist es mit Fotobüchern. Es ist ein Unterschied, ob ich ein gedrucktes Foto in einem Buch anschaue (und das Papier anfassen kann und das Buch vor mir liegt) oder ob ich mir ein Foto elektronisch anschaue. Das Foto im Buch ist anders und irgendwie fotografisch umfassender (im wahren Wortsinn!).

Dabei meine ich mit dem Begriff Fotobuch keine online bestellten persönlichen Fotoalben sondern in erster Linie von Verlagen produzierte Bücher zu fotografischen Themen.

Aber der Erfolg der persönlich gestalteten und gedruckten Fotoalben, die man nun auch als Fotobuch bezeichnet, zeigt ja, dass man schon hier der digitalen Flüchtigkeit etwas entgegensetzen will.

Elektronische Chancen und Grenzen

Denn durch Handys, Smartphones, Tablets, PCs und anderes wird unser Verhalten zunehmend von Flüchtigkeit und Abrufbarkeit geprägt. Das ist aber eindimensional. Es gab früher schon das Telefonbuch und das Kursbuch.

Da ist es gut, dass es dies heute in elektronischer Form gibt. Und auch die schnelle Information ist heute besser digital verfügbar. Aber wer mehr will als Telefonbücher und Kursbücher und aktuelle Infos, der findet in gedruckten Büchern die Chance, gestaltete Werke zu erhalten, die Inhalt und Form in Übereinstimmung bringen.

Aktualität und/oder Verbreitung sind die Vorteile digitaler Technologien. Und digitale Inhalte zu gestalten und zu publizieren sind ebenso dafür geeignet. Und dies sogar international im Internet verfügbar zu machen ist auch ein Vorteil. So sind Ebooks für die schnelle Verbreitung gut geeignet.

Ein Beispiel: Mein kleines Ebook zum Thema Streetphotography/Strassenfotografie in Farbe mit kleinen Kompaktkameras wurde in den letzten zehn Wochen gut 10.000 mal runtergeladen.

Man kann so Wissen zu kleinen und speziellen Sachfragen schnell weitergeben.

Etwas Ähnliches gilt für  elektronische Bücher zum Blättern. Man kann damit Dinge machen, die sich elektronisch gut darstellen lassen.

Da sind sie zum Teil heute sogar sinnvoll und besser als gedruckte Bücher, weil es sonst gar keinen Markt dafür geben würde und sie nie entstehen würden. Dort passen sie sogar hin und es macht Sinn.

So hat das Ebook auch eine kreative Funktion und ist ein erstklassiges Instrument und Medium.

Und damit ist in meinen Augen auch die Chance und die Grenze für Ebooks beschrieben.

Sie bieten Möglichkeiten, die normale Bücher nicht haben durch die Chance, aktuell und schnell Infos anzubieten und sie können gute Bücher im Sinne von gestalteten Werken nicht ersetzen.

Es kommt eben drauf an.

Aber dann ist auch Schluß, denn gedruckte Bücher können etwas haben, was man digital nicht kriegen kann. Das fängt banal digital an.

Wir wissen ja, dass eine Grafik (und damit auch ein Foto) auf jedem Monitor mit jeder Grafikkarte anders aussieht.

Das ist bei einem gedruckten Foto anders.

Leider gibt es mittlerweile viele Bücher, die aus einem Einband bestehen und dann nur noch gedruckte Buchstaben haben ohne gestaltete Elemente. Da ist es klar, dass dort der Versuch gestartet wird, dies über elektronische Reader anzubieten, weil die Kosten letztlich viel geringer sind und die Chance, Mehrwert zu kreieren, viel höher.

Letztlich kommt es darauf an. Manche Menschen haben nur ein Buch. Manche Menschen haben nur ein Handy. Manche Menschen haben kein Buch und kein Handy.

Und so sind Fotobücher aus Verlagen – wie zum Beispiel einige der hier vorgestellten Bücher zeigen – eine echte Bereicherung von privaten und öffentlichen Bibliotheken.

Sie nehmen dem einzelnen Foto etwas von seiner Flüchtigkeit in der digitalen Welt, sie sichern in der wirklichen Welt digitale Inhalte und sind damit ein Teil des echten Gedächtnisses, weil sie fälschungssicher sind, und sie bereichern ungemein eine Welt, die sich zunehmend durch digitale Normierbarkeit auszeichnet.

 

 

Das Fotobuch, das Fotografiebuch und das Fotoalbum

Wo ist der Unterschied zwischen einem Fotobuch, einem Fotoalbum und einem Fotografie-Buch?

Da wandelt sich gerade die Begrifflichkeit im Verkaufsgeschehen. Ein Fotobuch ist ein Buch mit Fotos. Das ist heute die gebundene und gedruckte Ausgabe eines Fotoalbums. Früher druckte man Fotos aus und klebte sie in ein Fotoalbum.  Das kann man auch heute noch. Aber eleganter ist natürlich die Erstellung eines eigenen Fotobuches. Dieses Buch ist in der Regel aber nur ein Buch im Sinne von gebundenen Blättern mit Bucheinband.

Es ist aber kein mit einer ISBN Nummer versehener und über den Buchhandel versehener Verkaufsartikel. Und hier ist dann die Grenze zum Fotografiebuch. Das ist ein Buch über Aspekte der Fotografie, ein Buch mit Fotos, mit Texten und vielem mehr, das man kaufen kann.

Nun verschwimmen langsam die Grenzen. Fotobuchanbieter bieten einzelne Bücher ihrer Kunden zum Verkauf bzw. Nachdruck an. Online-Anbieter von Medien bieten ebenfalls Ausdrucke, gebunden oder anders, von digitalen Medien an. So entwickelt sich aktuell eine neue Welt.

Aber diese Welt beruht in der Fotografie immer noch auf den Fotos, allerdings digital (sofern es nicht ein künstlich erstelltes Bild (kein Foto) ist). Damit bin ich bei der nächsten Unterscheidung.

Ein Bild ist kein Foto. Ein Foto nimmt etwas auf, was gerade existiert für den/die Fotografien/Fotografen. Ein Bild kann ein aus einer Software erstelltes Ergebnis sein.

Beides ist existent, aber nur eines davon ist real. Stimmt das? An dieser Stelle höre ich zunächst mit dieser gedanklichen Einlassung auf. Denn der Unterschied zwischen real und existent ist etwas schwierig zu beantworten.

Aber wenn sie bei Suchmaschinen das Wort „fotobuch“ eingeben, dann geschieht etwas bemerkenswertes. Es kommen nur Fotobuchanbieter wie Photographerbook, CeWe, Pixum, Fotokasten und viele mehr. Es kommen gar keine Artikel oder sonstiges. Eigentlich sollte bei Suchergebnissen doch eine Mischung kommen aus werbebezahlten Suchergebnissen, die auch direkt erkennbar sind und generischen Suchergebnissen.

So gibt uns der Umgang mit dem Wort auch noch Hinweise darauf, wie man sich bei Suchmaschinen verhalten muss: man muss vor allem mehrere Seiten anklicken und sich die jeweiligen Suchergebnisse anschauen, um das zu finden, was am besten gefällt.

Damit erhält auch der Satz „Die Letzten werden die Ersten sein“ eine völlig neue Bedeutung.