Tag Archive for Foto

Sind die Wörter Foto und Photo jetzt geschützte Marken?

Interessant was man so findet:

picanova

Screenshot der Meldung

Ich wollte mal wissen, wer sich die Domains foto.guru und photo.guru gesichert hat. Deshalb gab ich diese ein und erhielt dazu folgende Meldung:

„You have received this Trademark Notice because you have applied for a domain name which matches at least one trademark record submitted to the Trademark Clearinghouse.

You may or may not be entitled to register the domain name depending on your intended use and whether it is the same or significantly overlaps with the trademarks listed below. Your rights to register this domain name may or may not be protected as noncommercial use or „fair use“ by the laws of your country.

Please read the trademark information below carefully, including the trademarks, jurisdictions, and goods and services for which the trademarks are registered. Please be aware that not all jurisdictions review trademark applications closely, so some of the trademark information below may exist in a national or regional registry which does not conduct a thorough or substantive review of trademark rights prior to registration. If you have questions, you may want to consult an attorney or legal expert on trademarks and intellectual property for guidance.

If you continue with this registration, you represent that, you have received and you understand this notice and to the best of your knowledge, your registration and use of the requested domain name will not infringe on the trademark rights listed below.“

Auf gut Deutsch habe ich das so verstanden, daß der, der das Wort Foto oder Photo registrieren will, eine Marke verletzt.

Ich habe dies dann mit anderen Endungen ausprobiert und erhielt immer wieder bei Foto oder Photo dieselbe Meldung mit derselben Firma.

Das Trademark Clearinghouse ist laut wikipedia „eine Datenbank der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, die im Zuge der Einführung neuer Top-Level-Domains für Inhaber eingetragener Marken geschaffen wurde. Sie fungiert seit März 2013 als Clearingstelle, die Markeninhaber automatisiert über die Verwendung ihrer Marken in Domains informiert.“

Wie geht denn das jetzt weiter?

Da dürfen wir ja gespannt sein, wenn wir zukünftig das Wort Foto oder Photo benutzen…

Nachtrag:

Kurz nach dem Erscheinen dieses Artikels kam ein Artikel von Daniel Dingeldey, der offenkundig dieses Thema verfolgt hat. Sie finden ihn hier.

Er schreibt: „Dies lässt vermuten, dass eine Art von »chilling effect« zu einer Selbstbeschränkung der Domain-Anmelder führt, um in vorauseilendem Gehorsam das Risiko unliebsamer juristischer Auseinandersetzungen zu vermindern. Zudem dürften automatisierte Abfragen von Domainern auf der Suche nach attraktiven Domain-Namen zu Mehrfach-Benachrichtigungen bezogen auf einzelne allgemeinbeschreibende Wörter geführt haben.“

Das läßt aber viele Fragen offen. Entweder handelt es sich um eine Datenbank, die eingetragene Marken hat oder nicht. Wenn möglichen Registranten vermittelt wird, es handele sich um eine Rechtsverletzung, dann muß das doch auch stimmen. Ansonsten wäre doch zumindest der Hinweis wichtig, dass niemand für die Richtigkeit der Angaben in der Datenbank garantieren kann. Habe ich was übersehen? Mir erscheint hier immer mehr immer fragwürdiger. Wenn eine eingetragene Marke existiert für diesen Bereich dann ist es ja ok. Aber wenn keine existiert und die Datenbank so tut als ob, dann gibt es doch Interessen anderer Natur – oder sehe ich das falsch?

Davon abgesehen ist es für mich aktuell undenkbar, daß die Wörter Foto und Photo geschützt werden können. Die Zukunft wird dies sicherlich klären.

Das Foto als PR-Waffe im Fall Hoeneß?

Ich weiß nicht ob das, was ich sehe stimmt oder einen Eindruck erwecken soll, der stimmen soll.

Nach der Urteilsverkündung und der schnellen Annahme durch Herrn Hoeneß gibt es ein Foto in der Presse, das mich sehr nachdenklich macht.

Sie finden es unter anderem hier.

Man sieht auf dem Foto Herrn Hoeneß in einem weißen Hemd (weiße Weste?) und rechts einen Kinderwagen (Opa und Enkel?).

Nun ist es ja in Deutschland verboten, mit Teleobjektiven Personen auf ihren privaten Grundstücken zu fotografieren. Und hier ist Herr Hoeneß auf dem eigenen Grundstück.

Welcher Fotograf wäre so dumm, sich da auf einen Rechtsbruch einzulassen, der sehr teuer werden kann?

Das Foto taucht überall auf, einmal mit Thomson Reuters, einmal mit rtr und einmal mit dpa als Nachweis.

Das Foto scheint Teil eines größeren Fotos zu sein. Dieses ist bei n24 zu finden.

Da ist der Kinderwagen exakt in der Mitte und rechts eine gemütliche Sitzgruppe. Wenn Geometrie eine Rolle in Fotos spielt, dann bestimmt hier.

Wurden da PR-Berater eingesetzt, um das richtige Bild zur richtigen Zeit zu entwerfen? Und wieso wird das Foto so oft verwendet?

An anderer Stelle gibt es auch ein Foto vom Anwesen des Herrn Hoeneß. Hier ist das Haus aber Teil der Landschaft und die ist frei einsehbar. Da dürfte es keine Probleme geben.

Ich stelle mir daher die Frage, ob es sich bei diesem Foto um eine gezielt eingesetzte fotografische Waffe handelt?

Kann das sein?

 

Tarifregister für Fototarife und Bildhonorare

Ausserhalb von Deutschland sind Tarifverträge vielfach anders oder es gibt sie gar nicht.

Um so interessanter ist es, mehr über den Wert von Fotos und die Zahlungsmoral der Kunden zu erfahren. Dazu gibt es jetzt eine Webseite, auf der anonym Informationen dazu mitgeteilt werden können.

Preiswert

Da steht zum Beispiel, dass die dpa für 8 Stunden bis zu 260 Euro zahlt, der Stern 350 Euro für einen Tag, die Bild-Zeitung 195 Euro pro Tag und vieles mehr.

Das scheint aber schon ziemlich viel zu sein im Vergleich mit anderen Ländern und anderen Kunden. In der angloamerkanischen Welt scheinen z.T. Tarife eher bei 125 Dollar für einen halben Tag und 250 Dollar für einen ganzen Tag zu liegen oder für ein Foto bei z.B. der Chicago Sun zwischen 65 und 90 Dollar, wobei es auch ein Smartphone sein kann.

Die zusätzlichen Hinweise zum Verlust oder Nichtverlust der Rechte an den Fotos sind auch sehr interessant. Bemerkenswert finde ich auch den Hinweis auf die Berichterstattung aus Krisengebieten und die Vergütung dafür.

Ich weiss nicht, ob die Angaben stimmen, aber der Ansatz entspricht dem anderer Webseiten, auf denen auch Tarife mitgeteilt werden können. Das sorgt für mehr Transparenz und informiert über das, was möglich ist und über das, wovon es unmöglich ist zu leben.

Preiswerter

Es gibt auch in Deutschland Empfehlungen für Bildhonorare.

Diese weichen doch erheblich ab. Interessant ist es auch zu lesen, wie einzelne Medien damit umgehen. Hinweise auf die Wochenzeitung Die Zeit finden sich hier.

Der Spiegel ist auf der Seite nicht zu finden. Er hat seine Honorare aber selbst sehr transparent online veröffentlicht, so dass jeder weiß, was gezahlt wird.

Die komplette Tabelle mit den Tarifen in der Übersicht findet sich hier.

Darüber hinaus hat sich nun auch Freelens zu den am Tag der Arbeit in kraft getretetenen neuen Vergütungsregelungen für freie hauptberufliche Fotojournalisten an Tageszeitungen mit einem Auszug zu Wort gemeldet. Danach gibt es für ein Bild in einer Tageszeitung mit über 200.000 Auflage und über 4 Spalten 75,50 Euro. Alles andere ist geringer.

Der dort angesprochene „Preisverfall“ läßt berufliche Perspektiven kaum noch zu.

Wie sich dies im Reisejournalismus auswirkt, kann man hier lesen.

Noch billiger

Aber es geht noch billiger bei der waz, wie hier beschrieben worden ist.

Hoffen wir nur, dass jeder jeden Tag einen guten Auftrag bekommt, sonst gehen wohl die meisten Rechnungen nicht auf.

Obwohl es kein Trost ist. Diese Situation ist nicht neu. Es gab Zeiten, da waren 50 Dollar für ein Foto viel und die sind noch nicht so lange her.

Neu ist, dass es – auch in den USA – keine Magazine mehr gibt, die weltweite Akzeptanz bei fotografischen Fragen haben und eine vielfach unterstützende Wirkung für fotografische Experimente jeder Art bieten.

Heute wird alles digital publiziert, aber dafür gibt es kein Geld mehr. So wird irgendwann der Fotograf eine reine Tätigkeitsbeschreibung sein wie z.B. Jogger aber keine Berufsbezeichnung mehr.

Und noch billiger

Übrigens geht es noch billiger. Die Firma Crowdmedia sammelt Fotos von Twitter Nutzern und fragt, ob sie diese verkaufen dürfen. Für jeden Verkauf gibt es von aktuellen Fotos 20 Dollar, von denen der Twitterer 50 Prozent erhält. Wenn sich ein Foto 100 mal verkauft, dann geht es. Spider übenehmen dort die Arbeit von Menschen und suchen für aktuelle Ereignisse die Fotos nach den Geodaten, die den getwitterten Fotos beiliegen.

Und nochmals billiger

Am billigsten sind allerdings die Bürgerreporter von Bild und Co. Die machen es umsonst.

So zeigt dieser Artikel den Übergang in eine neue Welt.

Aber wir wissen, auch die bleibt nicht so.

Ich bin gespannt, was da noch kommt.

Angela Merkel als Nazi

Was man in Deutschland nicht zeigt aber dennoch von Deutschland aus zu sehen ist, findet man im Internet. Auf der letzten Demonstration in Griechenland wurde auch deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind. Während in Deutschland alles-ist-gut medial vorherrscht, kämpfen in Griechenland die Armen dagegen, dass sie die Zeche für die Reichen bezahlen müssen.

Dazu gehören auch starke Fotos. Ein Foto sehen Sie hier. Es zeigt eine Demonstration und einen Mann, der u.a. ein Schild hochhält mit Angela Merkel als Nazi bzw. in Naziuniform.

Dieses Foto erzählt mehr als eine Geschichte. Es ist einerseits visuelle Soziologie und andererseits ein Zeitdokument. Es zeigt aber auch, dass die deutsche Geschichte nicht vorbei ist sondern bis in die Gegenwart wirkt. Die Sparpolitik ist sicherlich eine absolut asoziale Angelegenheit. Sie hat allerdings nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Aber vielleicht sind es auch alte Wunden, die nun noch einmal aufgesprungen sind.

Fotografisch ist es allerdings ein starkes Foto, das viel erzählt und viel Raum für Deutungen läßt. Es geht in dem Foto auch gar nicht um Angela Merkel in Naziuniform, das ist nur der Aufhänger. Vielmehr sieht man einen Mann, der seine politischen Aussagen durch das Symbol der Henkerschlinge um seinen Hals, das Angela-Merkel-Schild und ein Plakat zeigt. Das Foto ist insgesamt sehr erzählfreudig, so dass man mit einem Blick viele Geschichten finden kann.

Demotix ist eine Agentur für freiberufliche Fotografen (freelancer). Wenn Sie dort einmal wöchentlich nachschauen, sehen Sie alles das, was in Deutschland in den Medien nicht zu sehen ist.

Sie sehen dort auch, wie interessant Reportage- und Dokumentarfotografie sein kann.

 

Grosse Magnum Ausstellung bei CO Berlin

Zehn Jahre CO-Berlin sind Anlass für eine tolle Ausstellung in Kooperation mit Magnum. Die Fotoagentur Magnum zeigt ihren Weg von Fotos für Tageszeitungen, über grosse Bilderstrecken bis zu digitalen Installationen und multimedialen Shows. Die Ausstellung zeigt Geschichte und Dynamik. Die Räume zeigen die Verbindung von alt und neu und vor allem zeigt CO-Berlin die Einbettung in die Gegenwart. Die Agentur Magnum ist nun mal etwas besonderes.

Aber Magnum zeigt gerade durch diese Ausstellung in meinen Augen auch „nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“ Und dadurch wird die Ausstellung zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der neuen Welt.

Ausstellungseröffnung Magnum bei CO BerlinNeben der großartigen Ausstellung hat CO-Berlin an diesen Tagen aber noch mehr zu bieten, nämlich die photography days. Dabei geht es an drei Tagen um fotografische Themen und am ersten Tag um nichts geringeres als die Zukunft des Fotojournalismus. Und dieser Tag mit seinen Diskussionen hat es in sich. Man spürt, dass alles im Umbruch ist. Thomas Hoepker ist Teilnehmer dieser Veranstaltung und zugleich einer der Fotografen, dessen Stärke die klassisch guten Fotos sind, also Fotos, die über den Nachrichtenwert hinausgehen – das Schwierigste überhaupt. Doch neben seinen fotografischen Fähigkeiten hat er auch den nüchternen und klaren Umgang mit der Wirklichkeit und es gelang ihm daher, auch hier durch seine wohlgesetzten Worte die Diskussion in den Köpfen voranzutreiben.
Man merkt, dass es sich um historische Veränderungen handelt. Nach der Erfindung des Buchdrucks wurden ganz viele Mönche „arbeitslos“, weil Bücher nicht mehr kopiert werden mussten. Es fielen auch Monopole. Heute ist die Parallelität von Druck und Digital vorhanden. Alte Bezahlsysteme funktionieren im Web nicht mehr, neue sind so einfach nicht umzusetzen. Es geht um die Definition einer neuen Welt und da kommt noch einiges auf uns zu, das wir beantworten müssen.

photography daysIch weiss nicht, ob es Stefan Erfurt und seinen Mitstreitern bewusst war als sie die photography days planten und die Ausstellung mit Magnum. Aber es ist symbolisch und gut. Denn Magnum entstand, weil die Arbeits- und Bezahlungsbedingungen für Cartier-Bresson, Capa und viele andere sehr schlecht waren. Sie brachten den Mut auf, Durststrecken durchzuhalten und für ihre Rechte neue Bezahl- und Vertriebswege zu entwickeln und in einem mehrjährigen Prozess zu etablieren. Und hier schliesst sich der Kreis. Die Geschichte von Magnum ist in meinen Augen die Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Fotojournalismus.  Es wird niemand kommen, der einem das Einbringen der eigenen Interessen abnimmt und es wird schwierig. Aber so war es immer schon und andere haben es auch geschafft.