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Soziale Konditionierungen bei der Street-Fotografie

Ganz heimlich fotografieren geht nicht, wenn man echte Streetphotography machen will.

Heute kann man zwar auch ganz heimlich fotografieren aber der Reiz besteht ja im bewußten Gestalten eines Fotos im entscheidenden Moment, wenn man sich eigene Maßstäbe gesetzt hat.

Und da hat sich was verändert.

Unauffälliges Fotografieren bedeutet unbeobachtetes Fotografieren.

Unbeobachtet ist man eher wenn man nicht auffällt.

Ab wann fallen Digitalkameras nicht auf?

Nach meinen Beobachtungen wird heute die Handygröße bei Digitalkameras akzeptiert.

Bei größeren Kameras wird man mehr beobachtet, so daß die ungestörte Konzentration auf einen Ablauf schwieriger ist oder sogar beeinflußt wird.

Handys bzw. Smartphones selbst als Ersatz mag ich nicht obwohl die wiederum völlig akzeptiert sind.

Aber damit kann man nicht unauffällig mit Sucher fotografieren.

Streetfotografie bzw. Straßenfotografie fängt mit S an.

S steht für Street, Sucher und Shutterspeed (Zeitvorwahl).

Zudem muß die Kamera griffig und kantig sein oder ein tolles Design haben.

Und dann geht es hinaus in die Welt, um zu schauen, ob mann/frau es schafft nach den Kriterien der Fineart-Straßenfotografie die entscheidenden Momente so einzufangen, daß möglichst viele der fünf Kriterien erfüllt sind.

Und da wo der Sucher fehlt sollte Fineart-Straßenfotografie noch einfacher sein – aber unauffällig.

Das hier ist nicht unauffällig:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Und das hier ist keine Streetfotografie sondern Streetsfotografie – da ist auch wieder ein S bei:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Nachdem nun klar ist, was keine Straßenfotografie ist, sollten Sie schon ahnen, was echte Streetfotografie ist.

Wenn Sie in diesem Blog weiterlesen, finden Sie davon noch eine ganze Menge.

 

Fotografieren wie Cartier-Bresson nach den Regeln der Fineart-Strassenfotografie von M. Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Heute ist das Fotografieren so einfach.

 

Draufhalten, drücken, fertig.

Die Herausforderung fängt an, wenn man etwas anderes will, nämlich gestaltete Fotos nach eigenen Maßstäben mit zufälligen Momenten.

Dann ist es schwer.

Dazu gehört zum Beispiel das Fotografieren nach den Regeln der Fineart-Strassenfotografie.

 

Man kann es sich aber noch schwerer machen.

Wie früher! Da gab es noch keinen Autofokus.

Der Meister des Schnappschuss war Henri Cartier-Bresson.

Er fotografierte zu einer Zeit als es noch keinen Autofokus gab.

 

Warum sollte man heute so fotografieren?

Weil man damit ein Gefühl für das richtige Verhältnis von Schärfe und Abstand erhält und weil man damit besser „sehen“ lernt.

 

Wie macht man das?

Wichtig ist eine Kamera, die das noch kann.

Es muß eine Kamera sein bei der man den Fokus einstellen kann auf einen bestimmten Abstand.

Die Schlüsselwörter dabei sind Panfokus oder Fixfokus oder auch Prefocus.

Dabei wird grob gesprochen auf 1m, 2,5 m oder 4 m scharfgestellt und alles danach ist dann je nach Blende, Sensor und Abstand sowieso scharf.

Oder man stellt manuell an einem Objektiv einen bestimmten Abstand für die Schärfe ein.

 

Welche Kameras sind sinnvoll?

Es können preiswerte und kleine Kompaktkameras genommen werden oder teure und große Digitalkameras.

Die Kamera muß nur über diese technische Möglichkeit verfügen.

Übrigens gibt es auch Smartphones mit solchen Fixfokus-Objektiven, die ab ca. 20 oder 50 cm alles scharfstellen.

 

Wie geht es weiter?

Der Rest ist raus und üben.

Cartier-Bresson hatte eine analoge Filmkamera im sog. Kleinbildformat und er hatte eine Festbrennweite, am liebsten 50mm.

Heute geht es digital besser, weil man sofort sehen kann, ob man richtig lag mit der Schärfe und dem Abstand zum Motiv.

 

Viel Spaß!

 

Und wenn Sie fertig sind merken Sie, daß das Schwere vieles leichter macht – auch digital.

Aber nur, wenn Sie eine persönliche Ausrichtung beim Fotografieren entwickeln.

Sonst lohnt sich alles nicht.

Streetfotografie auf die feine Art – Beispiele aus der Praxis

Es lohnt sich immer wieder die 5 Kriterien für gute Streetphotography in der Praxis auszuprobieren.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier muß man nicht viel erzählen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier geht es um die Zigarettenkippen und die Umweltverschmutzung da, wo Kinder spielen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier geht es um die Kirmes und die Menschen, die ihren Spaß haben.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier geht es um die Besucher der Strasse.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Und hier geht es um eine Ausstellung in einem EInkaufscenter.

In allen Fällen sind die Kriterien der Fineart-Streetphotography erfüllt. Es sind Geschichten, die Persönlichkeitsrechte werden geachtet und die Fotos sind gestaltet.

Allerdings sind die bisherigen Beispiele eher langweilig. Sie konzentrieren sich auf die Form und nicht auf den Inhalt.

Bessere Beispiele gibt es hier und hier.

Die Löwen sind los – ein Beispiel für Fineart Streetfotografie

Fineart-Streetphotography ist heute die neue fotografische Herausforderung. Es gibt aber immer wieder Debatten dazu. Ich erhalte einige Zuschriften, die das ablehnen, weil es zu schwierig erscheint.

Wer sich die Frage stellt, ob er/sie es schafft, diese Kritierien zu erfüllen, dem möchte ich an einem konkreten Beispiel zeigen, wie es geht:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto zeigt sehr schön, um was es geht. Es war nur ein Moment, ungefähr fünf Sekunden, als eine Mutter mit ihren beiden Töchtern vorbeiging und die Töchter spontan den Löwen anfassten.

Sind auf dem Foto die Kriterien für Fineart-Streetfotografie erfüllt?

1. keine entlarvenden und verletzenden Fotos

Offenkundig wird hier niemand auf dem Foto in einer entblößenden Weise dargestellt

2. immer geometrisch gestaltet

Die Kinder ziehen den Blick auf den Löwen und der Löwe dominiert nach der Drittel-Regel das Foto

3. die Achtung aller Persönlichkeitsrechte, d.h. entweder Einwilligung oder ohne direkte Erkennbarkeit fotografiert, das ist ja genau die Kunst

Niemand ist direkt erkennbar obwohl alle individuell sichtbar sind

4. optisch gestaltete Situationen, z.T.  mit Bokeh

Hier ist kein Bokeh angesagt sondern Tiefenwirkung. Es wäre aber auch möglich, das Foto mit Bokeh hier darzustellen. Dazu hätte man entweder bei der Aufnahme eine andere Kamera nehmen müssen oder einfach hinterher ein Bokeh (besser: Unschärfeverlauf) ins Fotos filtern können so wie hier:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

5. die Fotos erzählen eine Episode bzw. Geschichte

Die Geschichte, die hier erzählt wird, braucht keine weiteren Worte.

Fineart-Streetphotography ist also jederzeit auch heute möglich mit allen Kriterien der klassischen Geometrie und des klassischen Anspruchs. Wenn man jetzt noch die monochrome Variante wählt, dann ist man wieder da, wo Cartier-Bresson war:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Streetfotografie und NSA – wo ist der Unterschied?

Streetphotography bzw. Strassenfotografie ist heute immer noch eines der beliebtesten fotografischen Themenbereiche. Und seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist es noch interessanter weil ein neuer Aspekt hinzukommt, die Frage der persönlichen Doppelzüngigkeit.

Persönlichkeitsrechte sind unteilbar. Freiheit ist ebenso immer die Freiheit des Andersdenkenden wie der Schutz der eigenen Persönlichkeit auch für andere gilt.

Wenn man die fotografische Bloglandschaft durchstreift, dann schreiben immer mehr über ihre persönlichen Erfahrungen mit Kameras, Objektiven und der Strassenfotografie.

Denn sie gehen ja mit ihren Kameras vor die Haustür und machen Fotos.

Dabei ist nun sehr oft festzustellen, dass sich in Blogbeiträgen dazu geäußert wird, daß es zwar das Recht der Menschen gibt, nicht öffentlich einfach fotografiert werden zu wollen und sie das Recht haben, selbst darüber zu bestimmen, ob man sie digital festhält oder dies sogar noch veröffentlicht wird.

Aber dann kommt oft ein Satz danach, der mit irgendwelchen Argumenten rechtfertigt, warum man dann doch einfach fremde Menschen fotografiert, die erkennbar sind und diese Fotos sogar noch online setzt.

Ich hoffe, diese Menschen verstehen irgendwann, daß sie sich damit auf eine Stufe mit der NSA stellen. Auch dort werden deutsche Gesetze einfach gebrochen, weil man der Auffassung ist, man stehe über dem Gesetz.

Dabei ist es fotografisch so einfach.

Deshalb will ich noch eimal auf die goldene Regel zur Strassenfotografie hinweisen.

Denn es ist mit einfachen fotografischen Mitteln möglich, besser zu werden, gute Fotos zu machen und sich selbst zu vervollkommnen.

 

Beispiele für Fineart-Streetfotografie

Fineart-Streetfotografie ist eine Art zu fotografieren, die die goldene Regel der Streetfotografie anwendet im fotografischen Prozess.

Dabei geht es um den richtigen Moment und den Datenschutz.

Da dies auch eine fotografische Herausforderung ist, möchte ich an einigen Beispielen zeigen, wie man es richtig macht. Dabei habe ich genau die Beispiele herausgesucht, die jeder vor der eigenen Haustür finden kann und die keine besondere fotografische Ausrüstung erfordern. Es kommt auf den Menschen hinter der Kamera an.

1. Beispiel

Das erste Beispiel zeigt Personen am Rhein, die dort am Ufer versammelt sind. Das Foto wirkt wie gestellt, weil alle Personen zum Rhein gucken (bis auf den Mann ganz rechts, der die Szene weiterführt) und weil die Laterne genau in der Mitte im Vordergrund alles teilt und im Hintergrund alles fließt. Das wird auch durch das Schiff gezeigt.

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Foto: Michael Mahlke

Das Ganze war nur einen Moment so sichtbar, danach löste sich alles auf. Das Foto könnte auch als moderne Kunst durchgehen unter dem Titel „Rheinblick“.

Aber es ist eben nicht konstruiert sondern direkt aufgenommen.

Die Auswahl des Ausschnitts mit der Laterne in der Mitte ist vom Fotografen so gewählt, alles anders hat sich so ergeben.

Die Frau rechts nimmt mit einem Tablet die ganze Szene auf, so daß hier noch einmal Fotografie als Thema auftaucht.

Das Foto erzählt mehr als eine Geschichte, ergibt aber durch die Anordnung in meinen Augen eine gelungene und nicht langweilige Darstellung, die allen Kriterien der Fineart-Streetfotografie gerecht wird.

2. Beispiel

Wieder spielt das Thema Fotografie eine Rolle und wieder ist die Szene  direkt am Rhein aufgenommen.

Nun wird die Geschichte von Personen erzählt, die am Rhein stehen und ein Mann nimmt mit einem Smartphone eine Frau mit Kind auf.

Alles ist erkennbar und dennoch sind die Personen nicht identifizierbar. Genau darum geht es. Der Moment muß passen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier steht die Streetfotografie für das Festhalten der Idylle der familiären Gemeinsamkeit, wobei nicht klar ist, ob alle Personen auf dem Foto zusammengehören.

Übrigens sieht man nicht, daß hinter dem Mann noch ein Kind steht. Wäre es sichtbar gewesen, wäre es auch erkennbar gewesen.

Da muß man abwarten und riskieren, daß man die Szene so nicht einfangen kann.

3. Beispiel

Ganz anders.

Eigentlich auch ein Farbfoto wurde es in ein monochromes Foto verwandelt, um die Einteilung besser sichtbar zu machen.

Wie man sieht geht es darum, dass ein Bushaltestellenschild entfernt wird und ein neues Schild angebracht wird. Wenn man länger draufschaut wird klar, daß es auch einen neuen Namen gibt.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Es war der Tag als die Bushaltestelle umbenannt wurde. Eigentlich ein Reportagefoto. Wenn man aber genau zu diesem Zeitpunkt in einem Bus sitzt und an der Bushaltestellte vorbeifährt, wenn die Umbenennung erfolgt, wie kann man dies fotografisch festhalten?

Es war ja nur ein Moment, Streetfotografie aus dem Bus im Wortsinn also. Die Entscheidung war mit der Trennungslinie im Busfenster zu arbeiten und so den Ausschnitt zu wählen. Man hätte auch näher ans Fenster gehen können oder durch den oberen Fensterausschnitt fotografieren können.

Damit wurde unterteilt zwischen Vergangenheit mit dem alten Namensschild unten, Gegenwart mit dem Mann, der die Linie durchbricht und Zukunft mit dem neuen Schild, das im oberen Abschnitt zu sehen ist.

So wurde aus dem Bus heraus ein Moment festgehalten, der so nie mehr wiederkehren wird.

Fineart-Streetphotography ist also nichts, was man selbst nicht jeden Tag umsetzen kann. Es ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, mit dem, was man sieht, woran man nur eben mal vorbeigeht und was geschieht, wenn man in dem Moment aufpasst und es so kombiniert.

Um so weit zu kommen, empfehle ich in jedem Fall eine gründliche Auseinandersetzung mit dieser Webseite.

Allerdings sind die bisherigen Beispiele eher langweilig. Sie konzentrieren sich auf die Form und nicht auf den Inhalt.

Bessere Beispiele gibt es hier und hier.

 

 

Die goldene Regel der Streetphotography – Straßenfotografie im Zeitalter von NSA und Google

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Ich erlebe heute vielfach einen Umgang miteinander, der immer respektloser, distanzloser und menschenverachtender wird.

Dazu gehört auch das Fotografieren von Menschen im Bereich Streetfotografie.

Ich finde, dies ist Grund genug, um klare Verhaltensweisen zu definieren, die man einhalten sollte, wenn man nicht mit diesen Entwicklungen einverstanden ist.

Denn man kann nicht gegen die totale Überwachung sein und Demokratie mit Menschenrechten, Datenschutz und Menschenwürde fordern, wenn man gleichzeitig glaubt, mit einer Kamera in der Hand alles außer Kraft setzen zu können.

Der Respekt vor dem anderen fängt bei der Nutzung der Kamera an.

Deshalb hier die goldene Regel zur Streetfotografie im 21. Jhrdt.:

Respekt vor Menschen und ihren Rechten

Strassenfotografie ist keine Spannerfotografie.

Bei der Strassenfotografie gibt es eine besondere Herausforderung, der sich auch die Klassiker meistens bewusst waren.

Und heute sollte man sich im Zeitalter der maschinellen Gesichtserkennung dieser Frage noch bewusster sein.

Es geht um die Persönlichkeitsrechte der Fotografierten.

Einfach ausgedrückt gilt für die Strassenfotografie und die aufgenommenen Personen: Einwilligung oder nicht erkennbar!

Und auch das gerne angeführte Argument, dass es sich ja auf der Strasse um einen öffentlichen Raum handelt, gilt so einfach nicht.

Sind Besucher einer Kirmes, Menschen an einer Bushaltestelle oder Frauen auf der Einkaufsstrasse Teil einer Öffentlichkeit, die einfach fotografiert werden darf, sozusagen fotografisches Freiwild?

Ist dies das Ende der Strassenfotografie?

Ganz im Gegenteil!

Gerade dieses klare Kriterium erfordert eine neue Art des Fotografieren, bei der man sich anstrengen muß.

Der neue Klassiker der modernen Strassenfotografie ist die Fineart-Streetphotography.

So ist Fotografie auch wieder mehr als bloßes Draufhalten und Abdrücken.

Sie wird zur höchsten Kunstform der Fotografie und ermöglicht einzigartige Chancen.

Einfache Beispiele dafür finden Sie hier.

Übrigens gibt es hier einen langen Artikel über einen Instagramer, der Leute fotografierte. Als er dann auch noch oben-ohne Fotos machte flog er bei instagram raus. Das geschah in Amerika und nun denkt der Mensch das erst Mal über Persönlichkeitsrechte nach in digitalen Zeiten.

 

Was ist “Besseres Fotografieren” heute?

Besseres Fotografieren

Wir leben in einer Zeit der absoluten Bilderwelten. Die Bilder sind still oder bewegen sich, aber sie sind allgegenwärtig. Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Streifzug durch die aktuelle digitale Landschaft zu unternehmen. Ziel sind Antworten auf die Frage, was denn besseres Fotografieren im Zeitalter nach dem „Ende der Dunkelkammer als zentraler Ort für die Herstellung von Bildern“ (Robert Hirsch) bedeutet?

Dazu habe ich aktuelle Bücher untersucht, die aus meiner Sicht den Zeitgeist widerspiegeln. Das muß man übrigens immer wieder tun, um sich klar zu machen, wie veränderlich auch diese Gedankenwelt ist.

Beginnen möchte ich mit einer Frau und deren Buch. Die Frau heisst Jacqueline Esen und das Buch heisst „Digitale Fotopraxis. Rezepte für bessere Fotos“. Das Buch lohnt sich. Es bietet eine Fülle an Anregungen, die bezeichnenderweise auf ganz traditionelles Fotografieren ausgerichtet sind. Die Autorin stellt sich dann ab der Seite 312 in ihrem Buch die Frage „Was ist ein gutes Bild?“

Ihre Antwort fällt so aus: „Eine absolute Aussage darüber, ob ein Foto gut oder schlecht ist, kann man nicht treffen. Es ist immer nötig, den Kontext zu sehen, in dem das Bild erscheint. Wenn jemand ein Bild als Wandschmuck für die Küche sucht und sich für das Foto einer grünen Tomate entscheidet, dann ist das Bild nicht besser als ein Porträt von Marilyn Monroe, sondern einfach nur besser für den Zweck geeignet“ – wobei sie meiner Meinung nach aber die Anwendung der vorher dargestellten Techniken und Verhaltensweisen voraussetzt.

Damit ist eine erste Annäherung an das bessere Fotografieren durch den Zweck definiert. Es geht also um das richtige Foto für den richtigen Zweck.

Wenn wir uns auf diese Argumentation einlassen, dann geht es nun zu den unterschiedlichen Zwecken und Zielen der Fotografie.

Damit will ich zum ersten Zweck kommen, einem gelungenen Portrait. Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck haben ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Fotoschule in Bildern: Porträtfotografie“. Es ist ein wunderbares Buch über das Motiv „Mensch“.

Porträts

Und so beginnt das Buch auch mit dem klassischen Porträt und dort gibt es einen Absatz mit der Überschrift „Linien, Linien, Linien“.

Bei der Erklärung einiger dort gezeigter Bilder finde ich dann als Erläuterung: „Beim kleineren Bild setzt die Linie im Hintergrund die Aufwärtsdiagonale des Körpers fort und schafft so ein ausgewogenes, harmonisches Bild.“ Und dann wird man in diesem Buch entführt in die Welt der Porträts. Welches Porträt für welchen Zweck? Darf es ein Charakterporträt sein oder ein Beauty-porträt? Sollen Paare, Kinder oder Serien augenommen werden? Sollen Emotionen, Action, Erotik oder „Ältere Menschen“ aufgenommen werden?

Alles dies wird dargestellt und zeigt, dass es schon bei der Porträtfotografie sehr viele Zwecke bzw. Ziele gibt. Ich persönlich finde hier das bessere Fotografieren im Kapitel über „Klassische Porträts.“ Dort gibt es neben dem Abschnitt über „Linien, Linien, Linien“ weiter hinten im Buch das Kapitel „Porträts gestalten“.

Darin findet sich der meiner Meinung nach entscheidende Schlüsselsatz. Er lautet: „Achten Sie bewusst auf störende Bildelemente und komponieren Sie ihr Foto.“

Genau das ist es. Die Komposition, die Geometrie ist die Grundlage guter Porträtfotografie. Damit ist dieses Buch, wenn man es richtig benutzt, eine wunderbare Anleitung für das schöne Fotografieren von Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens auf klassischer Grundlage.

Nun möchte ich meinen Streifzug fortsetzen. Dazu wende ich mich einem anderen Bereich zu und einem anderen Fotografen. Es ist George Barr. Er beginnt sein Buch „Der Blick über die Schulter“ mit folgenden Sätzen: „Ich habe dieses Buch aus verschiedenen Gründen geschrieben. Zuallererst wollte ich ein Buch mit realen Bildbeispielen aus der Sicht eines Fine-Art-Fotografen und nicht aus der Sicht eines kommerziellen Fotografen erstellen.“ Damit begeben wir uns gedanklich in ein neues Feld.

Gedanken

In mehr als zwanzig Kapiteln gelingt es Barr zu zeigen, wie man das beste aus einem Bild herausholt. Dazu zeigt er viele Photoshop, Akvis Enhancer, Helicon Focus Pro und andere Techniken auf, um aus einer Aufnahme ein Kunstwerk zu machen. Dazu gehört das Betonen von Strukturen, die Perspektive und vieles mehr. Bei den Gedanken zu seinem Bild vom Stoney Park schreibt er: „An einem Bild wie diesem kann man erkennen, dass gute Fotografie häufig darin bestehen kann, das Bild zu finden, aber ebenso häufig darin, das Bild zu machen.“

Blickführung

George Barr druckt seine Bilder selber aus und verkauft sie. Daher ist sein Ziel, ein Bild zu erstellen, welches im Ausdruck genau dem entspricht, was er sich bei der Bearbeitung vorgestellt hat. Insofern ist eine Annäherung an die Frage des besseren Fotografierens sicherlich die Übereinstimmung der vorgestellten mit der tatsächlichen Bearbeitung. Doch ich will hier mit diesem Buch von George Barr nicht enden. Jahre zuvor hat er ein Buch mit dem Titel „Besser fotografieren. Die hohe Schulde der kreativen Fotografie“ veröffentlicht. Dort entwickelt er unter den Themen Sehen, Motivsuche und Komponieren seine Sicht der Dinge. In diesem Buch schreibt er einen aus meiner Sicht entscheidenden Satz auf Seite 165. Er lautet: „Auch wenn wir nicht alle dieselben Phasen durchmachen, so bin ich doch der Meinung, dass es wichtig ist, das Niveau der handwerklichen Fähigkeiten, der Kreativität und des künstlerischen Ausdrucks zu erkennen, auf dem Sie sich gerade befinden.“ Und er stellt präzise Kriterien vor.

Diese sind im Bereich der handwerklichen Fähigkeiten u.a. gute Bildkorrekturen, Detailreichtum, Tiefe und perfekter Tonwertreichtum. Im Bereich der ästhetischen bzw. kreativen Fähigkeit ist es eine durchdachte Komposition, richtiges Arrangement der Bildelemente und ob sie eine emotionale Reaktion erzeugen.

Der künstlerische Ausdruck ergibt sich dann letztlich aus dem, was sich durch die eigene Persönlichkeit darin umsetzen und dann ausdrücken läßt. Das kann man dann nur schwer in Worte fassen. Ich nenne als Beispiele den Fotografen Alexander Rodtschenko und den Maler und Künstler Dali. Da weiß jeder sofort, das ist von ihm, wenn man ein entsprechendes Bild sieht.

Nach diesem Ausflug in die Fineartfotografie streife ich noch etwas umher und entdecke dabei die „Sprache des Sehens“. So betitelt Robert Hirsch in seinem Buch „Mit der Kamera sehen“ ein Kapitel, welches er dann so beginnt: „Es war Sokrates, der im antiken Griechenland von der ewig gültigen Schönheit geometrischer Formen sprach. Im Laufe der Zeitgeschichte hat sich aus diesen Formen eine Art visuelle Grammatik entwickelt, die das bildnerische Gestalten erheblich beeinflusst hat. Die Bausteine dieser Sprache des Sehens sind Licht, Farbe, Kontrast, Linien, Formen, Muster, Oberfläche, Ähnlichkeit und Bewegung. Aus diesen formalen visuellen Elementen können Bilder entstehen, die der Welt unsere eigene Vorstellung darüber mitteilen, was betrachtenswert ist, was wir in Bildern festhalten dürfen und wie wir Bilder interpretieren.“

Nachdem ich nun auch noch auf Sokrates gestossen bin als Helfer und Gedankengeber, sollte ich meinen Streifzug abschließen und zur Ausgangsfrage zurückkehren.

Daher frage ich mich nun, wie diese zu beantworten ist. Gerry Badger hat in seinem exzellenten Buch „The Genius of Photography“, welches leider nicht auf Deutsch erschienen ist, im letzten Kapitel geschrieben „Anyone can do it.“

Auf Deutsch: Jeder kann es, das Fotografieren. Das stimmt und das ist in einer sehr viel umfassenderen Weise möglich als früher.

So lebt ein Teil der Dokumentarfotografie – gerade der aktuellen Ereignisfotografie – davon, dass eben Herr oder Frau Jedermann mit dem Handy die Fotos oder Videos aufnehmen, welche die Ereignisse zeigen. Aber das alles ändert nichts daran, dass dies zwar ein Teil der neuen Fotografie ist, aber natürlich alle hier aufgeführten Bereiche nicht errsetzt sondern nur ergänzt.

Und gerade deshalb bleibt die Frage nach dem „Besseren Fotografieren“ so wichtig und muß hier auch beantwortet werden.

Nach diesem Streifzug durch Porträtfotografie, die Fineartfotografie und die Dokumentarfotografie ist mir deutlich geworden, dass besseres Fotografieren heute bedeutet, die klassische Sichtweise kehrt zurück.

Doch auch dies ist begrenzt. „Farbe ist Fläche, Linie das Charakteristische“, sagte einmal Henri Cartier-Bresson. Er fotografierte Schwarzweiss und betonte dies damit. Heute werden wesentlich mehr Farbfotos produziert. Wo farbige Flächen dominieren ist die Gestaltung der Fotos anders. Dies ist eine neue Herausforderung. Cartier-Bresson blieb bei Schwarzweiss, weil – in meinen Augen – er wusste, dass die Vermischung von Fläche und Linie meistens nicht die beste Lösung ist. Aber heute müssen wir dies neu beantworten. Denn Farbe dominiert die digitale Bilderwelt.

Beim Schreiben dieses Satzes frage ich mich, ob ich damit nicht all die experimentellen, halbschummrigen und ungenauen Fotos ausgrenze. Ja genau, das mache ich, weil ich klar abgrenze und eingrenze. Es handelt sich bei diesen Dingen eben nicht um besseres Fotografieren. Für mich bedeutet „besser“ die Anwendung der „visuellen Grammatik“ nach Sokrates.

Diese Grammatik geht über den Bildaufbau bis zur Kameratechnik, also der Gestaltung fotografischer Kompositionen bis zur Anwendung entsprechender kameratechnischer Möglichkeiten wie Freistellen und Unschärfe, Beschneidung und – ich füge dies hinzu – Bearbeitung.

Damit ist zwar weiterhin alles möglich, aber aus meiner Sicht ist klar, was „besser“ ist. Vielleicht bezieht sich „besser“ dabei auch nur auf bestimmte Dimensionen eines Fotos: die fotografische Komposition und die Darstellung des Inhalts. Alles andere ist damit nicht ausgeschlossen aber das Andere ist eben nicht „besser“ im fotografischen Sinne. Vielleicht kann sich die andere Fotografie sogar besser verkaufen. Aber fotografisch „besser“ ist sie dadurch nicht.

Um dies alles in die fotografische Praxis zu überführen, habe ich dies in zwei Bereichen umgesetzt:

1. Für Strassenfotografie in Farbe mit Kompaktkameras habe ich zehn Beispiele in ein kostenloses Ebook gepackt.

2. Hinweise wie man klassisch gute Streetphotography mit der visuellen Grammatik des Sokrates macht finden Sie hier.

Viel Spass!

 

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