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Gibt es eine globale visuelle Kultur?

Wirklichkeit ist nichts für Adobe

„Die Mitglieder von Kollektiven wie Activestills hingegen verstehen sich dezidiert als langfristige Agenten des politischen Wandels in einer globalen visuellen Kultur.“

Dieser Satz von Evelyn Runge aus ihrem Aufsatz AGENTEN DES GLOBALEN POLITISCHEN WANDELS. Das Kollektiv Activestills fordert Stereotype des Fotojournalismus heraus führte mich gedanklich zu der Eingangsfrage.

Und daraus entstanden diese Gedanken und Notizen zum Thema globale visuelle Kultur.

Like auf Facebook schützt nicht vor dem Verhungern

Die Kampagne war großartig und eigentlich ist sie nie zu Ende.

Auf Facebook zu klicken reicht nämlich nicht aus, um etwas gegen den Hunger zu tun.

Liking isn´t helping war die große Schlagzeile und sogar in Cannes war man damit beschäftigt.

Und jetzt – jetzt ist die Medienkarawane weitergezogen.

Was lernen wir daraus?

Ganz einfach: Klicken Sie auf Like bei diesem Artikel und twittern sie darüber.

Vielleicht erzeugt dies etwas neues Bewusstsein.

 

A wie Abmahnung und F wie Fotografie – ein Hochrisikogeschäft?

Foto: Michael Mahlke

Mit einem Klick kann es teuer werden. Das ist eine neue Situation im Zeitalter der Klickwirtschaft.

Dazu gibt es aktuell einige Beispiele, die ich hier ansprechen möchte, um das Thema der Bildrechte und der Folgen der Nichtbeachtung zu beleuchten.

In den internationalen und nationalen Diskussionen rund um das Thema Strassenfotografie taucht immer wieder auf, dass die Beachtung der Persönlichkeitsrechte nicht so wichtig sei.

Wer die Aussagen von Menschen liest, die nicht im deutschen Rechtsraum leben, der sollte sich daran erinnern, dass es nicht überall so wie in Deutschland ist. Hier gelten Regeln, die ich an aktuellen Beispielen benennen möchte.

Darauf sollte man als Fotografin oder Fotograf ein Auge haben.

  • Auf medienrecht-urheberrecht.de wird folgendes geschildert: „Für ein Foto, welches selbst in der höchsten Auflösung zwischen 20 Cent und 1,30 Euro kostet, werden Schadensersatz und Abmahnkosten von regelmäßig insgesamt ca. 1.349,00 Euro gefordert. Wir vertreten auch einen Mandanten, von dem 1.700,00 Euro Schadensersatz allein wegen der versehentlich vergessenen Angabe des Namens des Fotografen gefordert werden.“
  • Auf welikethat.de gibt es einen anderen Sachverhalt: „Vor 2 Tagen haben wir diesen Artikel veröffentlicht, in dem wir über eine Abmahnung berichteten die uns ins Haus geflattert ist. Wir wurden aufgefordert knappe 3.000 € für EIN Bild aus einem Artikel von 2009 zu zahlen und wie sich mittlerweile herausgestellt hat sind wir nicht die Einzigen die in diesem Fall betroffen sind. „
  • Bei Facebook kann ein Klick auf den „Teilen“ Knopf schon Probleme verursachen wie bei toalster.de zu lesen ist: „Liegt für die Veröffentlichung eines Fotos bei Facebook (etwa durch “Teilen” des Bildes) keine Erlaubnis vor, handelt es sich um eine widerrechtliche Veröffentlichung. „
  • Bei lhr-law.de wurde offenkundig einer der ersten Fälle zum Thema „Teilen“ auf Facebook durch Dritte auf der eigenen Pinnwand vertreten: „Die Besonderheit des Falles besteht darin, dass das betreffende Lichtbild von einem Dritten auf die Pinnwand unseres Mandanten hochgeladen wurde. Dieser kann naturgemäß gar nicht überprüfen, ob derjenige auch Rechteinhaber ist, der es auf der Pinnwand postet.“ Diese Seite ist deshalb so interessant, weil dort geklagt wurde, ein Urteil gesprochen wurde und dieses Urteil auch im Wortlaut zu lesen ist.
  • Ich empfehle sonst Bücher wie das von Wolfgang Rau: „Wolfgang Rau schildert auch das Problem der Strassenfotografie und analysiert die Fotos von Henri Cartier-Bresson. Und er schreibt den heutigen “Strassenfotografen” eine klare Botschaft ins Stammbuch: entweder liegt eine Einwilligung vor oder die Personen dürfen nicht erkennbar sein.“

Was kann man daraus lernen?

  • Am besten benutzt man nur Fotos, die man selbst gemacht hat mit Motiven, die keine rechtlichen Probleme auslösen.
  • Bei Facebook sollte man nur Artikel hochladen bei denen auch das Miniaturbild weggelassen wird.  Und „Teilen“ sollte man nur Artikel, bei denen klar ist, dass die verwendeten Grafiken oder Fotos oder Fotos mit Texten auch urheberrechtsfrei sind oder verwendet werden dürfen
  • Bei Flickr sollte man nur Fotos in seine Seiten einbinden, bei denen es eine CCC-Lizenz gibt. Wo alle Rechte vorbehalten sind, darf man diese Fotos auch nicht in einer Sidebar einbinden!
  • Kamera ist Kamera und Foto ist Foto, egal ob mit einem Handy und nur ganz klein oder mit einer grossen DSLR und ganz gross!

Das ist alles nicht so einfach und das muss man üben. Und manchmal vergisst man es auch. Da nicht alles und immer kontrolliert wird, sollte man im Zweifel lieber nachträglich löschen.

Fotografisch betrachtet ist es einfacher. Durch geschicktes Fotografieren kann man weiter fast alles fotografieren. Man muss sich nur an die Regeln halten, wenn man nicht das hohe Risiko einer Abmahnung eingehen will, denn die Suchsoftware für Fotos wird immer besser.

Das ist eigentlich ein guter Grund, um die eigenen fotografischen Fähigkeiten zu verbessern, das Vermeiden solcher Probleme durch geschicktes Fotografieren zu üben und dann noch mehr Fotos zu erstellen.

Abgesehen davon darf man in nichtgewerblichen Fällen nach § 97a Abs. 2 UrhG eigentlich bei einfachen Urheberrechtsverletzungen nur 100 Euro verlangen laut einem interessanten Artikel.  So gibt es noch viel zu tun.

Dieser Artikel stellt natürlich keine Rechtsberatung dar sondern gibt lediglich meine Meinung und Interpretation rechtlich-sozialer Informationen und individueller Verhaltensmöglichkeiten wieder.

Mit Amnesty Fotografieren lernen

„Wenn ihnen ein solcher Aktivist in die Hände fällt, fordert man ihn auf, seinen Facebook-Account zu öffnen, genauso den Skype- und den Email-Account. Man will alles wissen, was dieser Mensch im Internet geschrieben und zu wem er Kontakt hat..“ Eine spezielle Überwachungstechnik wurde übrigens von Siemens geliefert, wie das Fernsehmagazin FAKT im April dieses Jahres berichtete.“

Diese Sätze aus dem Artikel über Syrien von Larissa Bender „Teilen und überwachen“ zeigen exakt die Kehrtseite und Schattenseite der viel umjubelten neuen Technik.

Hier wird auch der Stellenwert von Meinungsfreiheit, sozialer Sicherheit und Grundrechten sehr deutlich. Diese drei Elemente sind entscheidend und bisher nur in Demokratien verwirklicht.

Doch dieser Artikel ist nicht nur sehr wichtig und informativ. Er ist auch Teil eines Magazins, des Amnesty Magazins 11/12 2012.

Und das hat es in sich!

Hier findet sich eine Sammlung aktueller Berichte rund um das Thema Fotografie und Menschenrechte. Dabei geht es weniger um das technische Wissen.

Soziale Zusammenhänge und Probleme engagierter Fotografie sowie Erfahrungen von Fotografinnen und Fotografen stehen im Mittelpunkt.

Das Amnesty Magazin ist ein aktuelles zeitgeschichtliches Dokument über Dokumentarfotografie. Und es hat einen hohen Gebrauchswert.

„In unzähligen Fällen haben Fotografien dazu beigetragen, dass Menschenrechtsverletzungen in Krisenregionen ein konkretes Gesicht erhielten.“ So ein Satz aus dem Artikel von Ute Wrocklage und Daniel Veit in dieser Ausgabe.

Und hier ist genau die andere Seite der Medaille zu sehen. Sonst schreibe ich gerne über das Recht am eigenen Bild. Aber in Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten kann das Recht am eigenen Bild kein Menschenrecht für die Menschen sondern gegen die Menschen sein. Denn in solchen Regionen und Ländern sind Fotos von Menschen wichtig z.T. sogar als Schutz vor Attacken.

Deshalb ist es wichtig, dass engagierte dokumentarische Fotografie in Nicht-Demokratien die Menschen und ihr Verhalten zeigt (meist mit deren direkten Einverständnis).

Zu Ende gedacht könnte sich sonst ein Mörder darauf berufen, dass er ja ein Recht am eigenen Bild habe und daher nicht bei seiner Tat fotografiert werden dürfe.

Gesetze sind eben auch abhängig von Umständen. Das geht nach dem Motto, wo Recht zu Unrecht wird …

Die Fotografie hat hier eine sehr politische und engagierte Aufgabe.

Wayne Minter erläutert in einem Interview, wie und warum welche Fotos für Amnesty wichtig sind. Ein Satz daraus lautet:

„Amnesty setzt Bilder für Menschenrechte und gegen Menschenrechtsverletzungen ein.“

Dieses und vieles mehr ist in diesem gedruckten Magazin zu finden. Einige Auszüge daraus finden Sie hier (link nur begrenzt gültig).

Doch das ist noch lange nicht alles.

Dann kommt die andere Hälfte des Magazins mit aktuellen Berichten zu Menschenrechten und anderen Themen von Deutschland bis Simbabwe.

Dort finden wir aktuelle Fotos, die zeigen, wie Menschenrechtsverletzungen ein Gesicht bekommen. Es ist beeindruckender Fotojournalismus und hier besteht die Chance, daraus zu lernen. Denn diese Fotos sind ja erfolgreich sonst würden sie hier nicht abgedruckt und sie sind entstanden und haben einen Aufbau und einen Ausdruck.

Das Magazin ist in meinen Augen rundherum thematisch und fotografisch lesenswert und aufbewahrenswert. Denn in solch einer Fülle und Dichte findet man so etwas nur sehr selten.

Es lohnt sich wirklich und man kann es kaufen.

Übrigens kann man bei Amnesty auch mitmachen