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Streetfotografie und EU-Datenschutz – wie es klappen kann/könnte !?

Fotografieren ist digital ein Prozess der Datenverarbeitung in der Logik der EU-Datenschutzverordnung, wenn ich das richtig verstehe.

Auch ich als Privatperson speichere im öffentlichen Raum nach dieser Logik Daten, wenn ich fotografiere und soll mich daran halten. So gesehen besteht die ganze Welt nur noch aus Daten, weil Daten und Digital quasi eins werden. Gilt diese Logik immer und überall und werden damit alle Grundrechte außer Kraft gesetzt?

EU-Datenschutzrecht – wird das Fotografieren bald verboten?

Foto Mahlke

Das Ende der Fotoindustrie steht bevor könnte man meinen. Mit dem Untertitel „Neues EU-Recht bedroht ungestellte Bilder“ schreibt Hendrik Wieduwilt in photonews 4/18 folgendes:

„Wer künftig auf den Auslöser drückt, beginnt einen Datenverarbeitungsvorgang…. Noch vor dem Schuss muss die Person einwilligen … und zwar nachdem der Fotograf … informiert hat… Damit ist sämtliche Fotografie ungestellter Szenen von Event-, Straßen- oder Hochzeitsfotografie verboten – oder kann sich jemand vorstellen, 300 Hochzeitsgästen rechtssichere Einwilligungen abzuverlangen?“

Strassenfotografie = Strassenüberfall?

Foto: Michael Mahlke

Eine Meinungsäußerung – keine Rechtsberatung

Es gibt zunehmend Menschen, die verwechseln Fotografieren mit Überfallen. Sie scheinen eine Pistole und eine Kamera gleichzusetzen.

Es wird in Deutschland zwischen materiellen und immateriellen Gütern unterschieden.

Wenn ein Räuber einen Überfall mit einer Pistole auf der Strasse begeht und mir meine materiellen Güter wegnimmt oder ein Fotograf/eine Fotografin mich ungefragt fotografiert und mir immaterielle Güter wegnimmt – wo ist da der Unterschied?

Der Räuber hat mir meine materiellen Güter weggenommen, der Fotograf hat mir meine immateriellen Güter weggenommen, in diesem Fall einen Teil meiner Persönlichkeitsrechte wie z.B. das Recht über Abbildungen von mir selbst zu verfügen.

Das gilt, wenn ich direkt erkennbar bin und Hauptteil eines Fotos.

Wenn ich nicht direkt erkennbar bin, dann sehe ich dies nicht so.

Denn es gibt auch eine Öffentlichkeit und einen öffentlichen Raum, der fotografisch genutzt werden kann.

Aber so?

Da eine oder mehrere Abbildungen von mir gemacht wurden, auf denen ich direkt erkennbar bin und ich deren Gebrauch nicht kontrollieren kann, ist dies meiner Meinung nach eine Verletzung meiner persönlichen Rechte.

Zudem können diese ohne Erlaubnis und unter Verletzung meiner Rechte erstellten Abbildungen materiell, immateriell und illegal ohne mein Einverständnis genutzt werden.

Man kann mir meine Uhr klauen, aber wenn man Fotos von mir ohne Einverständnis macht und woanders nutzt, dann klaut man mir sogar noch meine Anonymität und erweckt eventuell Eindrücke, die nicht stimmen!

Das ist neu und hat eine andere Qualität.

Da wir in einer neuen Zeit leben, die in einer Demokratie die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen wie die Selbstbestimmung über die eigenen Daten (wozu gerade heute auch Fotos gehören) zu recht wichtig nimmt, wäre zu fragen, ob Strassenfotografie den Tatbestand des Datendiebstahls erfüllen kann und ab wann die Verletzung der Persönlichkeitsrechte erfolgt nach deutscher Rechtsauffassung?

Zudem wäre zu fragen, ist es ein Akt der Gewalt, denn dies erfolgt gegen meinen Willen?

Und das Gewaltmonopol liegt bei uns allein beim Staat.

Eine anderer Fall ist es, wenn es um die öffentliche Berichterstattung von Ereignissen geht.

Was wann öffentlich ist, das ist dann die Frage.

Und Strasse allein ist keine Öffentlichkeit!

Wer Stockphotos verkaufen will mit erkennbaren Personen, der muß bei einigen Agenturen für jedes Foto ein Model-Release vorlegen, bevor das Foto freigeschaltet wird – warum wohl?

Ich empfehle in diesen Fällen immer das Buch von Wolfgang Rau. Dort findet man gute Orientierung.

Übrigens gilt das auch für Drohnen und fliegende Kameras. Wer glaubt mit einer Drohne einfach mal so Grundstücke und Strassen überfliegen und aufnehmen zu können, der sollte nicht an den Falschen geraten.

Aber es gibt ja fotografische Lösungen, die das Konfliktpotential fast völlig minimieren und den Spass am Fotografieren erhöhen.

Wer nach  den 5 Sterne-Kriterien der Strassenfotografie vorgeht, trainiert sein fotografisches Können und hat diese Probleme dann auch eher nicht.

Und wer 5-Sterne Fotografie betreibt, der hat noch einen ganz grossen Vorteil.

Er gibt der neuen Gesichtserkennungssoftware keine Chance. Das kann sich in Zukunft noch als sehr nützlich erweisen.

Darüber hinaus haben meine hier niedergeschriebenen Gedanken noch eine große Einschränkung.

Das alles gilt nämlich nur dort, wo es das Recht am eigenen Bild gibt und der Sinn des Ganzen nicht verdreht wird.

Was meine ich damit?

Wo gefoltert würde, wäre es richtig, Folteropfer und Täter erkennbar zu fotografieren, um die Folter belegen zu können.

Dazu finden Sie hier mehr.

Text 1.3

 

Die Offline und die Online Fotografie oder warum für Handyfotografen Demokratie und Datenschutz wichtig sind

Foto: Michael Mahlke

 

Ja so kann es gehen. Während ich und andere sich eine Menge Gedanken zum richtigen Umgang mit Persönlichkeitsrechten auf Fotos machen, ist die neue Onlinewelt schon weiter.

Folgende Informationen machen mich stutzig (leider habe ich bisher nirgendwo gelesen, dass dies nicht stimmt):

So gibt es also erhebliche Unterschiede zwischen der bisherigen digitalen Fotografie, die offline war, und der neuen Fotografie, die online ist:

  • Wer ein gedrucktes Fotobuch liest, der wird weder überwacht noch wird aufgezeichnet, was und wie lange er gelesen hat.
  • Wer eine normale digitale Kompaktkamera oder eine DSLR hat, der entscheidet selbst, was er mit seinen Daten auf der Speicherkarte macht.

Was bedeutet das?

Menschen neigen dazu, Dinge zu nutzen, die möglich sind.

Daher wird durch

  • die Speicherung dieser ganzen Daten im grossen Stil durch Privatunternehmen und ungeregelt von Staatsdiensten,
  • die fehlende Kontrolle der Daten durch die „Clouds“
  • und die weichen Datenschutzbestimmungen kaum etwas getan,

um die Menschen zu schützen. Und dieser notwendige Datenschutz ist ja auch nur in Demokratien mit Transparenz und Kontrolle möglich.

In anderen Ländern wurden und werden diese oder ähnliche Daten  ja schon heute gegen die Menschen eingesetzt: „Mitte 2009 wurde bekannt, dass die iranische Polizei Facebook-Profile verwendet, um bei Verhören den Freundeskreis von Regimegegnern und Demonstranten auszumachen und namentlich zu identifizieren.“

Und dieser Bericht von tagesschau.de, der in der wikipedia erwähnt wurde, ist mittlerweile spurlos gelöscht, so dass man diese Praktiken nicht mal mehr dokumentieren kann – wegen des Staatsvertrages (!!!).

Das läßt sich wohl endlos fortsetzen, je nach Land, Transparenz, politischem System und der Stabilität von Grundrechten, der Meinungs- und der Pressefreiheit.

Und gerade einige der Unternehmen, die diese Daten speichern, zeichnen sich z.T. nicht dadurch aus, Diktaturen oder politische Systeme mit einem intransparenten Verhältnis zur Demokratie besonders zu meiden, solange das Geld nicht stinkt – so ist zumindest mein Eindruck.

Und „Datenskandale“ gab es doch schon genug!

Man könnte aus der Geschichte lernen und dies rigoros lösen durch gute Gesetze und klare Kontrollen, zumindest in den Demokratien als Bollwerke. Doch da wird schon geschwächelt. Stattdessen wird es eher wie bei der Zerstörung der Welt sein. Wir können sie dokumentieren während andere davon profitieren, so paradox dies alles ist.

Hat das was mit Fotografie zu tun?

Wenn sie mehr sein soll als eine Blende und ein Verschluss, dann schon – zumindest hier, wo es um Dokumentarfotografie und Menschenrechte geht. Denn wer ernsthaft Dokumentarfotografie betreibt, für den sind die Themen und Probleme hier nicht überraschend.

Dokumentarfotografie zeigt ja gerade die Schattenseiten der Macht und des Menschen auch auf, wenn sie sie auch mit Licht malt….

Aber manchmal muss man sie auch in einen Zusammenhang bringen. Und die Frage nach den sozialen Gebrauchsweisen der Online-Fotografie führt automatisch zu der Antwort, dass man quasi zeigt, was man wann und wo fotografiert hat und mit wem man was, wann und wo was zu tun hatte.

Und sobald man dann Kerneuropa verläßt und in Länder kommt, in denen andere Regeln gelten, könnte das Handy oder Smartphone im Zweifel dort schon in den falschen Händen mächtig Ärger bedeuten. Und das kann spätestens Otto Normalverbraucher schon im „Urlaub“ passieren und Geschäftsleuten noch viel früher am Rande der EU oder darüber hinaus.

Daher lohnt es sich für Handyfotografen besonders, sich zu engagieren und sich für Demokratie, Datenschutz und Transparenz einzusetzen.

Und damit schliesst sich dann der Kreis. Denn wer für Grundrechte, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit ist, der müsste logischerweise auch für das Recht am eigenen Bild sein.

 

Cloud – Digitale Demenz oder das langsame Verschwinden der echten Fotografie?

Verkehrs-und Datenströme Foto: Michael Mahlke

Cloud – das Wort steht für Wolke und jetzt auch für Datenwolke. Nun sind Wolken sehr temporär, verändern sich ständig und können ziemlich schnell abregnen oder durch die Sonne aufgelöst werden.

Und so ist es auch digital. Sind sie schon einmal im Aufzug steckengeblieben? Haben Sie schon einmal den Zusammenbruch des Handynetzes nach einem Fußballspiel erlebt? Dann wissen Sie auch, wie störanfällig und sensibel diese Systeme sind und in meinen Augen bleiben werden.

Und die Fotografie? Die Fotografie war immer eine Sache des Fotos. Foto bedeutete aber bedrucktes Papier. Das war dann eine je nach Papiersorte kurzlebige oder langlebige Sache. Die fertigen Fotos hielten länger als manches Menschenleben. Und Fotografie war untrennbar mit Ausdrucken auf Papier verbunden.

Das ist vorbei. Fotografie heute bedeutet ohne Papier Fotos mit digitalen Hilfsmitteln zu sehen – zeitgleich überall, wo es Datenautobahnen gibt. Das Bild ist geblieben, aber die Eigenschaften haben sich geändert. Das ist weder schlecht noch gut, es ist einfach so.

Und genau dies macht den entscheidenden Unterschied im Gedächtnis aus. Natürlich gibt es auch heute noch Drucker und es wird noch viele gedruckte Fotos geben, auch Fotobücher. Aber die dokumentierte Wahrnehmung der Welt wird zunehmend digital gespeichert werden.

Und zwar dort, wo ich ohne Computer und Strom nicht mehr hinkomme. Aber das allein wäre noch zu verkraften. Entscheidender ist der reglementierte Zugriff. Bei meinen Fotos konnte ich ins Wohnzimmer gehen und sie aus dem Schrank holen. Bei einem Computer konnte ich sie in meinem Büro auf der Festplatte finden.

In der Cloud bestimmen andere – und zwar allein und irgendwo – darüber, was ich sehe und wann. Daraus entstehen viele Probleme, wenn man sie sehen will, so zum Beispiel:

1. Datenschutz ist überall anders und er wird – wie im Fall von Twitter und Wikileaks gerade sichtbar – weltweit massiv anders ausgelegt von viel Schutz bis kein Schutz

2. Das gespeicherte digitale Gedächtnis kann mehr oder weniger manipuliert oder sogar kontrolliert werden

3. Was passiert eigentlich, wenn es mal eine Gedächtnispolizei gibt und die Demokratie abgeschafft würde?

Ich möchte nicht als Bedenkenträger gelten, aber wenn wir eines aus der Geschichte lernen können, dann ist es, dass Technikglaube nicht den menschlichen Charakter, das Streben nach Macht, Reichtum und Gier ersetzt hat sondern umgekehrt neue Technik eher zur Manipulation und zum Beherrschen und Siegen eingesetzt wurde.

Und auch in der Fotografie gilt, dass die neuen Möglichkeiten auch die Funktionen der Fotos ändern.

Sollen Fotos noch als visuelles Gedächtnis dienen? Gibt es zukünftig noch Fotoarchive, die gedruckte Momente bewahren? Welche Rolle soll und wird die Fotografie spielen? Wie nehmen wir sie wahr und was ändert sich für uns im Umgang damit?

Wird die Geschichtslosigkeit manifestiert durch Bilderfluten ohne Vertiefung, ist die Gegenwärtigkeit als zeitlose Kultur in der Fotografie sichtbar durch den Wandel vom Print zur Cloud?

Gedächtnis bedeutet spätere Wiederaneignung von Situationen und Wissen. Dazu bedarf es der Möglichkeit, nach etwas suchen zu können und es auch finden zu können. Wie soll das in einer Cloud möglich sein, in der Anbieter kommen und gehen und Dinge unter materiellen Gesichtspunkten da sind oder abgeschaltet werden?

Ich habe nur Fragen, ich mache Beobachtungen, aber ich habe noch keine Antworten. Aber wissen Sie was? Warum soll ich die Antworten suchen? Das ist etwas für die freie Presse und die Journalisten, denn es ist ihr Job!