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Art Wolfe, Die Jagd nach dem perfekten Bild

„Ich habe keine sentimentale Beziehung zu meinem Equipment – ich benutze, was ich mir leisten kann oder was ich gerade in die Finger bekommen. Wann immer möglich benutze ich ein Stativ, insbesondere bei Landschaftsaufnahmen.“

Diese wenigen Zeilen von Art Wolfe geben uns einen ersten Einblick auf das, was folgt.

Neue Sieger, neues Leben – Olympus, Panasonic, MFT und andere auf neuen Wegen

Jetzt wird Olympus verkauft. Selbst Schuld habe ich mir da gedacht. Erst machen sie gute Four Thirds Kameras und dann stellen sie die gesamte Linie ein. Dann machen sie eine neue Linie auf als Micro Four Thirds aber bauen keine Kameras mit Sucher. Jahre später bauen sie traditionelle Kameras mit Sucher und machen plötzlich neben den schönen guten kleinen noch bessere aber richtig dicke und teure Objektive. Und dann dementieren sie fast ein Jahr jedes Gerücht zum Verkauf der Sparte um plötzlich mitzuteilen, daß sie die Kamerasparte verkaufen.

So geht vielleicht Kapitalismus in der Kameraindustrie, aber so gehe ich nicht mehr mit.

Je teurer die Digitalkamera desto ärmer die Motive !?

„Soziales Elend hat die im Wohlstand lebenden stets unwiderstehlich zum Fotografieren angeregt – der schmerzlosesten Art, etwas zu erbeuten, um damit eine verborgene, das heißt, eine ihnen verborgen gebliebene Realität zu dokumentieren.“

Susan Sontag (S57)

Ihre Beobachtungen sind auch heute noch zutreffend. Je teurer die Digitalkamera desto öfter werden Bilderstrecken oder Regionen voller Armut gezeigt, wo die Menschen angeblich noch natürlich leben und die Farben eine so bunte Welt zeigen. Gerne wird aktuell die Armut auf Kuba gezeigt oder in Slums oder bei Käfigmenschen in Hongkong. Es geht so gut wie immer um Voyeurismus, den man mit der teuren Kamera ausleben kann.

Aber es wird noch schlimmer. In der aktuellen digitalen Streetfotografie-Szene wird vor allem das Leben der Armen, Gescheiterten und Obdachlosen als andauerndes Thema gewählt.

Das ist in Amerika ebenso zu sehen wie in Deutschland. Das wird dann monochrom oft verkauft als fotografische Hinwendung zu diesen Personen.

Wer es sich nicht leisten kann in den Slum zu fliegen, der fotografiert Obdachlose in Köln, Berlin oder München und nennt das Streetfotografie? Vom Namen her stimmt das sogar aber früher war das Opferfotografie und heute wissen wir ja, daß jeder in Deutschland Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf erhält durch die Grundsicherung.

Es gäbe viel bessere Motive. Wieso fotografiert man nicht die Reichen auf der Kö oder sonstwo, wieso die Armen?

An die Reichen traut man sich fotografisch schon nicht ran, weil man nicht so gut fotografieren kann, daß die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden?

Dann wäre Übung angesagt, denn man kann immer in der Öffentlichkeit fotografieren und gute Streetfotografie produzieren, wenn man es richtig macht.

Dann paßt auch die teure Kamera, denn dann ist die Kamera auf Augenhöhe mit den Motiven – teure Kamera, teure Motive.

Aber meistens nennt man es Streetfotografie und produziert Statusfotografie unter dem Aspekt der sozialen Gebrauchsweisen.

 

Strassenfotografie mit der Canon Powershot SX150

Und es geht doch und wie!

Nancy Stone arbeitet als Fotografin für die Chicago Tribune.

Sie produzierte ein Video über Gloria Cassens.

Gloria Cassens?

Nie gehört?

Ging mir genauso.

Es handelt sich um eine ältere Frau, die wunderbare Streetphotography macht zwischen Saul Leiter und Henri Cartier-Bresson.

Ihre Fotos zeigen einen Blick für Farbe und Details, der sehr überzeugend ist.

Achtung Brillenträger! 400 Euro sind genug – gute Sucherkameras zum Schnäppchenpreis

Als Brillenträger sind für mich immer noch Sucherkameras erste Wahl. Daher sind Schnäppchen, also zeitlich begrenzte günstige Angebote, sehr interessant.

Aktuell ist es mal wieder soweit nach der Photokina und vor dem Weihnachtsgeschäft.

Welche Sucherkameras werden aktuell sehr günstig angeboten?

  • Die Canon EOS 1100D mit zwei Objektiven für 399 Euro
  • Die Nikon 1 V1 mit einem Objektiv für 390 Euro
  • Die Panasonic G3 mit Objektiv für 395 Euro

Das sind alles Spitzenkameras, deren Bildqualität und Kameraeigenschaften keine Vergleiche zu scheuen brauchen. Und sie sind auch in fünf Jahren noch einsetzbar.

Eine Sucherkamera für 400 Euro erscheint preiswert, ist aber eigentlich schon teuer, denn es sind 800 DM. Und dennoch bezeichne ich mittlerweile eine 400 Euro Sucherkamera mit Objektiv als preiswert in Relation zu den anderen Kameras, die meistens fast keine grossen Verbesserungen haben, dafür aber wesentlich teurer sind.

Wie immer handelt es sich hier nur um einen unverbindlichen Hinweis. Die Preise habe ich im Laden gesehen oder im Internet am 30.10.2012.  Ob die Preise wieder nach oben gehen oder noch tiefer, können Sie bei eigener Recherche im Internet herausfinden.

 

 

Canon EOS 1100D, Das Handbuch zur Kamera von Dietmar Spehr

Das Buch lohnt sich sehr, wenn man Fotografieren lernen will mit der Canon EOS 1100D. Der Autor Dietmar Spehr scheint mit „Liebe“ an das Thema heranzugehen und so ist ein Buch gemacht worden, welches dazu anregt, es ebenso mitzunehmen in den Urlaub wie die Canon EOS  1100D.

Die 1100D ist eine Einsteigerkamera. Aber was ist eine Einsteigerkamera?

Es bedeutet, dass es viele Hilfsmittel in der Kamera gibt, um gute Bilder zu machen. Es bedeutet keine Qualitätseinbussen.

Und so hat Dietmar Spehr ein Buch geschrieben, das sich völlig befreit vom Ballast alten fotografischen Denkens der Gegenwart zuwendet. Die Botschaft lautet, nimm die Kamera und fang an zu fotografieren!

Und wenn du verstehen willst, was du tust oder warum etwas nicht funktioniert, dann schaue in dieses Buch.

Aber das Buch hat einen Vorteil, der weit über das „Handbuch“ hinausgeht. Tatsächlich kann man das Buch von vorne bis hinten lesen und hat dabei eine wunderbare Einführung in die Digitalfotografie.

Foto: Michael Mahlke

Man lernt quasi spielerisch die optischen und technischen Bedingungen kennen wie Cropfaktor, Brennweite, Aufnahmestandort etc.

Dietmar Spehr nutzt aber auch Exkurse wie „Problemzonen der Belichtung“. Dabei gibt er Hinweise, die zeigen, dass das Buch über den Anfängerstatus hinaus Übungsmaterial zur Weiterentwicklung enthält.

„Gerade bei einer kritischen Konstellation empfiehlt es sich, eher zu den Lichtern hin zu belichten. Das Wiederherstellen von leicht überbelichteten Stellen funktioniert wesentlich besser als das nachträgliche Aufhellen dunkler Bereiche.“

Das stimmt, wenn man es so fein im Auge behält. Und genau dazu beschreibt er mit vielen Beispielen das Histogramm als Hilfsmittel, um dies auch erreichen zu können.

So ist dieses Buch ein gut gemachtes Buch, gut gebunden, gutes Layout und gut zu lesen.

Wer so etwas sucht, der hat es hier gefunden.

 

Das Buch ist im Vierfarben-Verlag erschienen.

Dietmar Spehr

Canon EOS 1100D, Das Handbuch zur Kamera

ISBN 978-3-8421-0039-8

Die Canon Powershot S100 als Reisekamera

Kann die Canon Powershot S100 eine vollwertige Einsteiger-DSLR ersetzen, wenn man vom Sucher einmal absieht? Diese Frage trieb mich um, als ich überlegte, welche Kamera sich als kleine und schmale Reisekamera eignet.

So probierte ich die Canon Powershot S100 mehrere Wochen unterwegs aus. Sie kann RAW und JPG, sie hat ein funktionierendes GPS und sie hat eine Blendenvorwahl bzw. überhaupt PASM.

Foto: Michael Mahlke

In südlichen Gefilden sitzt man nun einmal länger draussen. Den ersten Teil des Praxistests machte ich daher in Südfrankreich, genauer in Orange. Dort gibt es ein uraltes Theater aus römischer Zeit und wunderschöne Opern- und Operettenaufführungen, in diesem Fall La Boheme von Puccini.

Foto: Michael Mahlke

Schon der Weg dorthin war ein Genuss und viele Ausgrabungen zeigten stolz die Verbindung von Geschichte und Gegenwart.

Foto: Michael Mahlke

Hunderte von Frauen kamen uns entgegen, die alle von der Bühne kamen und sofort wieder auf die Bühne gingen.

Foto: Michael Mahlke

In Orange sind die Nächte lang. Nach der Aufführung geht es zum gepflegten Speisen in kleine Restaurants.

Foto: Michael Mahlke

Es war ein faszinierender Ort und ich war nicht der Einzige, der fotografierte.

Foto: Michael Mahlke

Aber die Canon eignete sich nicht nur für das Fotografieren bei schwierigen Lichtverhältnissen sondern auch am Strand und am Meer bei gutem Licht und gutem Wetter.

Foto: Michael Mahlke

Und sie braucht keinen Vergleich mit schweren grossen Kameras zu scheuen bei niedrigen ISO.

Foto: Michael Mahlke

Hier ein Ausschnitt in 100 Prozent Ansicht 1:1 vom vorherigen Bild:

Foto: Michael Mahlke

Wenn ich eine Kamera ohne Sucher als Reisekamera mit GPS, RAW und voller manueller Steuerung haben möchte, dann ist die Canon Powershot S100 für mich eine gute Wahl. Sie dürfte auch professionellen Ansprüchen genügen, wenn man kontrollierte Fotos haben möchte für Ausdrucke bis A3 und im Internet. Im Prinzip ist dies eine Kamera, die eine gute Wahl für Profis aus der Hosentasche ist, ohne weiteres Gepäck.

Einzig der Akku hält nicht so lange durch, wenn man GPS eingeschaltet hat. Aber ein zweiter Akku ist normalerweise kein Problem. Mit Stativ gelingen die Fotos zum Teil natürlich noch besser. Aber da man eher kein Stativ hat, habe ich die Fotos ebenfalls ohne Stativ aufgenommen.

Man kann mit dieser Kamera durchgängig gut und kontrolliert fotografieren und mit dem ND-Filter sogar dann, wenn es sehr hell ist. Allerdings gibt es bei Sonnenlicht auf dem Display das Problem, dass man fast nichts mehr sehen kann. Aber damit muss man leben, wenn die Kamera klein und flach sein soll, denn eine kleine und flache Kamera mit Sucher in dieser Art gibt es nicht.

Übrigens gefällt mir die Powershot S110 nicht besser. Ich halte sie schon haptisch und von den Feinheiten des Designs her eher für einen Rückschritt. Aber vielleicht sollten Sie selbst einfach mal beide Kameras in die Hand nehmen, dann verstehen Sie, was ich meine.

 

Aktuelle Kamera-Schnäppchen

Über 100 neue Kameras wurden dieses Jahr schon vorgestellt.

 

  • Sind sie besser als die Kameras vom letzten Jahr oder davor?
  • Welches Preis-Leistungsverhältnis stimmt?
  • Wie findet man die richtige Kamera und bezahlt nicht zu viel? Dazu habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben.

 

Ich möchte hier ein paar aktuelle Eindrücke wiedergeben von Kameras und Preisen (zum Zeitpunkt meiner Abfrage im Internet), die ich empfehlenswert finde:

 

  • Die Nikon P300 gibt es aktuell mit original Nikon Tasche und 4 GB Karte für 179 Euro. Es ist eine Kamera mit Lichtstärke F1,8, sehr gutem Weitwinkel und ausser RAW kann sie eigentlich alles, was man sich als Fotoprofi für das Web wünscht.
  • Die Casio EX-H20G mit GPS gibt es aktuell für 125 Euro. Es ist eine Reisekamera für Automatikfreunde, die komplette Reisen aufzeichnet und einen sehr langlebigen Akku hat.
  • Die Olympus E-PM1 kostet 199 Euro, die E-P2 kostet 254 Euro, die E-PL1 kostet 143 Euro. Alle Preise beziehen sich auf das Gehäuse plus Zubehör ohne Objektiv. Damit erhält man erstklassige Systemkameras, die mit jeder Art von MFT-Objektiv genutzt werden können und diese sind preiswert gebraucht oder neu erhältlich.
  • Die Ricoh CX4 gibt es aktuell für 123 Euro. Es ist eine Kamera, die mit sehr gutem Display und guter Optik von 28-300 Millimeter punktet.
  • Die Canon Powershot s95 gibt es für 270 Euro. Eine der besten und professionellsten kleinen Kameras, die jemals gebaut wurden.
  •  Und es gibt aktuell komplette Einsteiger-Kombinationen von DSLR und Kit-Objektiv für 400 bis 450 Euro.

 

Natürlich können die hier von mir genannten Preise für Neuware mittlerweile schon wieder verändert sein. Ich habe sie am 17.03.2012 um 7 Uhr im Internet abgefragt. Übrigens sind sie in manchem Fotoladen und Fotomarkt noch günstiger, wie ich immer wieder bei Besuchen feststelle.

Es lohnt sich schon zu schauen. Denn für gute bis sehr gute Bildqualität bei niedrigen ISO sind diese Kameras allemal gut. Und welchen Mehrwert Kameras haben, die teurer sind, sollte man sich genau anschauen.

Wichtig: Dieser Artikel gibt nur meine persönliche Meinung wieder.

Canon EOS 5D Mark III, die Software Generation

Die Vorstellung der neuen Canon EOS 5D Mark III zeigt auch den neuen Stand der Technik. Es ist Software-Technik.  In der englischen Presseerklärung wird dies auch sehr schön formuliert:

„Digital Lens Optimizer – new in Digital Photo Professional v3.11

The EOS 5D Mark III comes complete with the most advanced version of Digital Photo Professional (DPP) yet – Canon’s free, in-box software enabling high-speed, high quality processing of RAW images. New in DPP v3.11 is Digital Lens Optimizer – a revolutionary new tool designed to drastically improve image resolution.

Digital Lens Optimizer (DLO) precisely imitates lens performance, with a series of complex mathematical functions replicating each stage of the journey of light through the optical path. Using this information DLO can correct a range of typical optical aberrations and loss of resolution caused by a camera’s low pass filter, by applying an inverse function to each shot to take the image nearer to how the scene appears to the naked eye. This creates exceptionally detailed, high-quality images with highly manageable file sizes, providing photographers with maximum image quality and greater flexibility.“

Der digitale Objektivverbesserer (DLO) ahmt die Fähigkeiten der Objektive nach mit einer Serie von mathematischen Funktionen.

So entstehen die neuen Fotos. Es sind Softwarefotos. Die Software entscheidet über die Qualität einer Fotografie. Deshalb wird die Zukunft einer Kamera entscheidend von der Software und den Updates abhängen.

Aber dies ist der zweite Schritt. Er findet ausserhalb der Kamera statt.

Der erste Schritt lautet „Wo bleibt die Firmware?“ und findet innerhalb der Kamera statt.

So werden wir natürlich auch in Zukunft noch eine Kamera brauchen, die optische Elemente hat und dazu einen Sensor. Aber dies allein reicht absolut nicht aus.

Firmware innerhalb der Kamera und Software ausserhalb der Kamera lassen dann die Ergebnisse entstehen, die wir zukünftig als Fotos bezeichnen.

Die Digitalfotografie, unendliche Welten …..

2012: Immer teurer, schlechte Pflege und „falsch“ informiert? – Bitte nicht!

Was ist los im Kameraleben auf dieser Welt?

Wenn wir es runterbrechen auf die konkreten Handlungsweisen, dann fallen meiner Meinung nach einige aktuelle Entwicklungen auf:

  • Fuji löst z.B. wesentliche Probleme nicht, die von Kunden bzgl. der Kameras formuliert werden. Statt hochpreisige Produkte (X100, X10) durch Firmware-Updates zu optimieren bzw. voll einsetzbar zu machen, werden noch höherpreisige neue Produkte angeboten. Aber warum sollte man die kaufen, wenn die vorherigen Produkte nicht mal richtig ok sind? Nun steht Fuji nicht alleine da, wie man in diversen Foren lesen kann. Aber das ist schon bemerkenswert. Ich finde, das hat erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen in eine Marke.
  • Neue Kameras werden mit empfohlenen Preisvorstellungen auf den Markt gebracht, die dem technischen Mehrwert in keiner Weise entsprechen.
  • Der Journalismus verabschiedet sich teilweise. Die Internet-Oligarchie wächst. Es scheint z.B. so, dass offenkundig nur ein kleiner Kreis ausgewählter Webmagazine spezielle Kameras erhält und diese dort entsprechend besprochen werden, sogar bewertet werden und mit Beispielgalerien gefüllt werden ohne dass die Kameras tatsächlich kaufbar und die dort publizierten Inhalte überprüfbar wären. Einmal scheint spiegel.de dies ausgehebelt zu haben.
  • Die Zahl der „Previews“ und „Hands on“ bei Artikeln in Testmagazinen nimmt zu. Das sind in meinen Augen Tests ohne Tests, die aber schon bewerten. Aber sind dies noch journalistische Artikel oder eher (bezahlte?) Werbung bzw. PR? Zweifel sind spätestens angebracht, wenn diese Magazine von den Herstellern Werbung schalten.

Der DJV fordert mehr Qualitätsjournalismus. Das muss gerade auch im Bereich des Fotojournalismus und im Internet gelten. Allerdings ist das Thema grösser als ich es hier anschneiden kann. So wird die Gegenwart ein Ort neuer und alter Herausforderungen.

 

Wie man die richtige Kamera findet und nicht zu viel bezahlt

Designessen oder einfache Schnitte? - Foto: Michael Mahlke

Ein persönlicher Blick auf die nächste Zeit im Konsumerbereich (private Endkunden)

Das Jahr wirft große Schatten voraus. Es wird ein Feuerwerk an „neuen“ Kameras geben. Dabei ist vielfach „neu“ ein anderes Design wie bisher, in der Software ein neues Feature (Element) und ein bisschen was auf dem Chip, das vielfach praktisch so gut wie irrelevant ist. Es macht daher auch keinen Sinn, möglichst viele Kameras hier zu testen. Denn die Aussagekraft von Tests ist oft viel zu gering. Daher will ich hier ein paar Gedanken vorstellen, die man immer nutzen kann, um im Angesicht überquellender Fotoläden zu der Kamera zu kommen, die man wirklich haben will.

Was ist „neu“?

„Neu“ ist semantisch (inhaltlich) sehr oft falsch besetzt.

Ein Beispiel: Bis vor kurzem hatten viele Kameras einen vernünftigen Handgriff, so dass man sie gut halten konnte. Heute sind die meisten „neuen“ Kameras so flach und ohne Handgriff, dass man sie nicht mal mehr richtig anpacken kann. „Neu“ ist eben oft nicht besser wie allein dieses kleine Beispiel zeigt.

Wieviel Kamera ist überhaupt möglich?

Wenn ich eine fast beliebige kleine Kompaktkamera mit einer Vollformatkamera vergleiche – z.B. hier – dann sehe ich, dass bei niedrigen ISO bis ca. 200 so gut wie überhaupt kein sichtbarer Unterschied auf den Fotos zu finden ist. Natürlich kann ich dann sagen, ich will eine Kamera, die besser ist als das menschliche Auge – aber was bringt mir das?

Hinzu kommen die vielfachen Beschränkungen des Menschen durch die Vorgaben der Biologie, Natur und Technik.

Die 500 Euro-Grenze

Wenn man nun schaut, wie sich die Kamerapreise entwickelt haben, dann wird deutlich, dass es Relationen gibt zwischen Preis und Leistung in der Fotografie. Nehmen wir als Beispiel die D3100 von Nikon, die ja auch bei den Verkaufszahlen je nach Region sehr weit oben liegt. Mir gefällt die Kamera auch sehr gut und sie hat durch ihren grossen Chip und ihr Handling im Prinzip alles, was man bei einer Kamera mit gutem und schlechtem Licht braucht. Sie liegt mit Objektiv ungefähr um die 500 Euro. Und sie überschreitet schon vielfach die Möglichkeiten des menschlichen Auges und der Darstellung am PC und beim Druck.

Wenn man diese Kamera und ihre Technik als Optimum im Verhältnis von Geld und Leistung im Bereich der Fotografie sieht, dann kann man von dort gut Relationen bilden.

Theoretisch müssten Kameras, die teurer sind, auch technisch besser sein. Aber viele sind ja wohl eher nur vom Design anders. Natürlich gibt es auch technisch bessere Kameras. Die Frage ist dann nur, wieviel Preisdifferenz macht Sinn für wieviel Mehrwert. Denn es geht ja nicht um die Kamera, die am Nordpol einsatzbereit ist, sondern unterwegs in der Stadt und auf der Strasse.

Daraus schließe ich: So kommt wie in der Mode, neudeutsch Fashion, der Preis wohl weniger wegen der Technik sondern mehr wegen des Designs zustande. Wieviel Aufpreis ist Ihnen denn Design wert?

Wenn wir bei Nikon bleiben und uns nur die J1 und V1 anschauen, dann frage ich mich, wieso diese Kameras mehr kosten als die D3100. Fotografisch betrachtet müssten sie eigentlich zwischen 200 und 400 Euro kosten mit Objektiv – maximal.

Ähnlich interessant wird es dann bei den Systemkameras. Sie sind teilweise sehr hochpreisig, aber warum eigentlich? Welchen fotografischen Nutzen haben sie, der dies alles rechtfertigt? Und wieso kostet eine Systemkamera mehr als eine D3100? Offenkundig geht es auch hier ums Design und den Wunsch, Neues zu haben, das anders ist.

  • Nehmen wir als Beispiel die  Powershot G1X von Canon. Ist sie mehr als 500 Euro wert? Natürlich kann man, weil sie neu ist, für das Neue einen Aufpreis zahlen – wenn man will. Aber verglichen mit fotografischen Kriterien wäre zu fragen, welchen Mehrwert sie gegenüber der D3100 hat?
  • Oder nehmen Sie die Fuji X-Pro 1? Ist sie diesen hohen Preis wert? Was hat sie so besonderes, dass ein Preis jenseits aller Systemkameras und semiprofessioneller DSLRs definiert wird?
  • Das wird spannend. Angeblich soll Olympus eine digitale OM-D auf den Markt bringen mit eingebautem elektronischem Sucher. Wieviel wird diese Kamera kosten? Wenn wir auf die D3100 oder die Panasonic G3 schauen, dann dürfte diese Kamera nicht mehr als maximal 550 Euro mit Objektiv auf der Strasse kosten.

Es hilft ungemein, mit diesem Raster über Preise und Wünsche zu sprechen. Wenn Geld aber keine Rolle spielen sollte, dann ist dies alles hier natürlich irrelevant.

Die 100 Euro-Grenze bei Kompaktkameras

Dieselbe Entwicklung unter umgekehrten Vorzeichen gibt es bei Kompaktkameras. Bei Canon gibt es aktuell für ca. 80 Euro die Canon Powershot A1200. Die Kamera hat einen optischen Sucher, der mitzoomt und die Kamera hat praktisch alles ausser einem optischen Bildstabilisator.

Darauf will ich noch etwas eingehen. Den Bildstabilisator hatte bis vor zehn Jahren so gut wie keine Kamera und dieser kann auch nur bei langsamen Belichtungszeiten mit unbeweglichen Motiven helfen. Dafür könnte man in diesem Fall auch ein Ministativ nehmen. Aber wenn man mit der Powershot A1200 bei Sonne Fotos aufnimmt, dann sind in der Regel die Belichtungszeiten ja auch besonders kurz. Und da hat diese kleine und preiswerte Kamera eben etwas, das fast keine andere Kompaktkamera hat: den optischen Sucher, der auch bei Sonne echten Durchblick erlaubt.

Die Kamera macht gute Fotos fürs Web und reicht für kleine Ausdrucke (in Relation zu einem kleinen Sensor). Und bei niedrigen ISO gibt es wohl überhaupt keine Probleme in der Praxis.

Wenn man nun diese Kompaktkamera ebenfalls als Massstab nimmt und sich dann fragt, wieso andere Kompaktkameras bis zu 300 oder sogar 500 Euro kosten, dann ist die Beschäftigung mit der Frage, wofür soll ich denn mehr bezahlen, hochinteressant.

Versuchen Sie mal, darauf eine fotografisch substanzielle Antwort zu erhalten. Das hilft sehr bei der Auswahl der richtigen Kamera.

Der Trend

Offenkundig bezahlen wir mehr, weil es neu ist. Aber wie gesagt, neu ist meistens nicht besser – zumindest in der Fotografie aufgrund meiner eigenen Erfahrungen. Machen Sie sich einfach klar, sie bezahlen nur dafür, dass sie digitale Fotos erhalten. Und die sind von kleinen bis grossen Kameras heute schon in einer Qualität, die den normalen Nutzen vielfach überschreitet.

Umgekehrt will ich aber nicht die sozialen Unterschiede einebnen oder die professionellen Werkzeuge kleinreden. Da es hier aber um Konsumerprodukte geht (im Vergleich die Autoklassen von Golf und Twingo sozusagen), wäre dies ein anderes Thema.

Text Version 1.1

Die „besten“ Fotos – Blicke auf fotografische Wirklichkeiten

Naturkunst - Foto: Michael Mahlke

Womit ist man fotografisch sozial anerkannt innerhalb einer medienwirksamen Gruppe? Der Versuch, diese Frage zu beantworten ist zugleich ein Blick auf Werbung und Wirklichkeit.

Ich wollte hier ein paar Infos wiedergeben, die ich gefunden habe und die Anlass zum Weiterdenken sein können.

Deutschlands beste Fotografen bei Computerbild sind 2011 erfolgreich mit folgenden Kameras:

  1. analoge Kleinbildkamera
  2. Canon Sx200 IS
  3. Panasonic FZ50
  4. Nikon D90

 

Wer von der Fotografie leben will oder muß, der ist laut laif und Peter Rigaud erfolgreich, wenn er/sie folgendes erreicht:

  1. bessere Platzierungen in Magazinen
  2. bessere Preispolitik bei der Gage
  3. das richtige Image (Fotografen-Story) – wie man es macht sieht man z.B. hier
  4. besser Reportagen und Serien verkaufen

 

Die besten Fotos, eine Auswahl verschiedener Ausgewählter:

  1. die besten Fotos der DPA
  2. die besten Fotos vom Sony Wettbewerb
  3. die besten World Press Photos
  4. die besten Fotos vom Lumix Wettbewerb

 

1969 hat Andreas Feininger die Frage beantwortet „Wodurch wird eine Fotografie gut?“

Er schrieb: „Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als »gut« empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:

  1. Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Absicht und Sinn zu offenbaren
  3. gefühlsmäßig zu wirken
  4. grafische Gestaltung zu besitzen.“

 

Und nun noch die besten besonderen Listen

  1. Die besten Fotografen aller Zeiten
  2. Die besten internationalen Fotos der Lucie Foundation
  3. Die 100 besten Fotografen mit dem meisten Einfluss
  4. Die besten Fotos von Fotojournalisten
  5. Die besten Fotoblogs 2011 laut Life

Wenn Sie die Verlinkungen aufmerksam studieren, dann werden Sie feststellen, dass man ausserhalb von Deutschland ganz anders auf Fotos schaut und zum Teil auch Fotos bewertet.

So sind die „besten“ Fotos abhängig vom Zeitgeist, den Themen, den Kriterien, den Zielen, den Interessen etc.

Aber dies gilt natürlich nur für Reportage. Werbung, Lifestyle etc. haben andere Ziele.

Und Fotokunst ist wieder anders. „Ein Kunstfoto ist ein Foto, das keinen Zweck erfüllt.“ So lautet eine Sendung bei arte. Und eine andere Sicht auf die beste fotografische Welt.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen nur das Beste…