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F 1.4 – Lichtmalerei

Lichtstarke Objektive

Wie lange haben wir darauf gewartet, eine Kompaktkamera mit F1.4 zu bekommen?

Geliefert hat uns diese Kamera Panasonic mit der LX7.

Ein Traum?

Realisiert im Jahre 2012 und bis heute und auch noch in zehn Jahren ein wundervolles Instrument für gute Fotos.

Doch neben der Optik kommt es auch auf den Sensor an. Derselbe Sensor ist auch in der Panasonic Lumix LF-1.

Lumix LF-1 Foto: Michael Mahlke

Lumix LF-1 Foto: Michael Mahlke

Diese Kamera ist die heimliche Geliebte vieler Fotojournalisten geworden, also echter Fotopraktiker, die wissen, was sie wollen.

So ist aktuell (2015) auf dem Fotomarkt das verfügbar, was wirklich zum klassischen Fotografieren mit Kamera und guter Optik optimal – wenn nicht maximal – geeignet ist.

Es ist nur nicht mehr so schwer.

Was will man mehr?

Aber die Menschen sind nie zufrieden.

Neuheit ist die neue Sucht.

Neu ist besser auch wenn es nicht besser ist.

F1.8, F1.4 oder sogar F1.2 oder F0.95 sind die Pinselgrößen der Maler unter den Fotografen.

Foto: Michael Mahlke mit einem älteren Pentax SMC 1:1.2 50mm

Foto: Michael Mahlke mit einem älteren Pentax SMC 1:1.2 50mm

 

Steffen Böttcher hat in seinem gut gemachten Buch „Abenteuer Fotografie“ dies aufgegriffen. Hier ein Zitat aus der Leseprobe bei digitalkamera.de:

Und so gibt es dann manchmal Kombinationen von Kameragehäusen mit Objektiven oder neuerdings eine eingebaute Lösung bei der Panasonic LX7, die in der Hand von Lichtkünstlern wahre fotografische Wunder hervorbringen.

Mit einer so lichtstarken offenen Blende zu fotografieren oder etwas abgeblendet – das muß man können.

Bokeh-Wunder – das sind relativ viele ältere Objektive, wenn man sie richtig benutzen kann.

Dazu gehört Wissen und Übung.

Und so ist der wahre Lichtkünstler so selten wie der wahre Maler. Aber ob er oder sie entdeckt werden, steht wieder auf einem anderen Blatt.

 

 

Hautnah Fotografieren – ein Praxiskurs zum Thema Freistellen und Tiefenschärfe als Lösung für das Recht am eigenen Bild

Wie kann man hautnah gute Fotos machen und dabei das Recht am eigenen Bild beachten?


Ich möchte an dieser Stelle zeigen, wie es geht. Dazu stellte sich freundlicherweise Herr Bernd Schiele, bekannt als Astromant, als Fotomodell zur Verfügung.

Wir gingen dorthin, wo immer etwas los ist: auf die Düsseldorfer Königsallee. Alle Fotos wurden mit einer Nikon D90 und dem Sigma 30mm/1.4 aufgenommen. Das Sigma hat umgerechnet auf Kleinbild ungefähr 50mm Brennweite und entspricht damit der normalen Wahrnehmung des menschlichen Auges. Es ist zudem im Bereich der klassischen Brennweiten für Reportage zwischen 35 und 50 mm angesiedelt.

Und schon ging es los. Wie man auf dem nachfolgenden Bild gut sehen kann, stehen wir mitten auf der Strasse an einem Hinweisschild auf das Museum Kunstpalast. An uns gehen Menschen vorbei und wie man unschwer rechts sehen kann, schaut ein Herr im dunklen Anzug mitten in die Kamera.

Er ist zwar sichtbar aber zugleich nicht erkennbar. Und dies, obwohl er nur ca. drei Meter entfernt an uns vorüber ging.

Und weiter geht es. Bei diesem Wetter sitzen natürlich sehr viele Menschen in den Strassencafes. So gingen wir ebenfalls dorthin und machten ein Foto von der Atmosphäre. Dieses Foto hat eigentlich alles, was juristisch wichtig und fotografisch wichtig ist.

Man beachte, dass wir nur gut zwei Meter von den ersten Tischen stehen und der Mann im Hintergrund, der weiß gekleidet über der Schulter sichtbar ist, voll in die Kamera schaut. Was sieht man? Man sieht die Szenen im Strassencafe mit zunehmender Unschärfe auf der linken Seite. Alle Personen sind sichtbar aber nicht erkennbar. Auf der rechten Seite sieht man den Strom von Fußgängern auf der Königsallee. Man kann die gesamte Stimmung gut einfangen und dabei zugleich durch diese Art der Freistellung und dem Spiel von Schärfentiefe und Tiefenschärfe wunderbare Fotos machen.

Nun änderten wir die Perspektive. Wir stellten uns vor ein Cafe und eine Gruppe sitzender Männer.

Auch hier sieht man, wie die gesamte Situation eingefangen werden kann und dabei dennoch die Schärfentiefe vor dem Recht am eigenen Bild schützt.

Damit komme ich abschließend zu dem wohl interessantesten Bild zu diesem Thema.

Sie sehen, dass links unten der Mann voll in die Kamera schaut. Parallel dazu schaut der Mann rechts mit dem gelben Hemd ebenfalls direkt in die Kamera. Man sieht es und dennoch sind beide nicht erkennbar. Trotzdem sieht man, dass wir zwischen Cafe und Fußweg stehen und uns mitten zwischen anderen Menschen befinden.

Es ist also jederzeit möglich, hautnah zwischen Menschen durch das Spiel mit Schärfentiefe und Freistellung gute Fotos zu machen und das Recht am eigenen Bild aller dort sich befindlichen Personen zu berücksichtigen.

Alle Fotos wurden mit Blende 1.4 aufgenommen. Um den Unterschied in der Blende noch einmal zu demonstrieren abschließend zwei Fotos, eines mit Blende 1.4 und eines mit Blende 6.3.

Hier mit Blende 1.4:

Und nun Blende 6.3:

Als letztes Fotos etwas ganz anderes. Hier ist alles andersrum. Das ist ein Spiel mit vielen optischen Pinseln.

Hier sehen Sie, dass nicht das Modell im Vordergrund scharf ist sondern seine Spiegelung im Werbefenster. Sie blicken zudem direkt auf das, was sie sonst gar nicht sehen können. Der dunkle Teil von dem Werbebild führt nämlich dazu, dass sie den Fotografen sehen (in diesem Fall mich) und mit abnehmender Schärfentiefe sich die Königsallee ebenfalls auf dem Foto wiederspiegelt. Und dabei werden wir beobachtet von all den Figuren, die auf dieser Werbung zu sehen sind. Dadurch entsteht ein Bild in dem Bild mit mehreren Ebenen und einem vollständigen Eigenleben. Wofür geworben wird, ist nicht sichtbar. Dafür der Gedanke „Be the Inspiration“ – Sei die Anregung.

In genau diesem Sinne will ich enden und hoffe, mit diesem kleinen Ausflug auf die Königsallee und dem Spiel mit der Schärfentiefe deutlich gemacht zu haben, wie man gut und sicher hautnah fotografieren kann.

Wie billig wird ein gutes Bokeh und warum F1,4 nicht immer F1,4 ist?

Der Weltmarkt verändert sich. Bekannt sind Namen wie Canon, Nikon, Leica. Hinzu kamen Namen wie Sony, Pentax, Panasonic und noch einige mehr. Aber wie ist das mit Objektiven? Meiner Meinung nach waren die welt führenden Namen Leica, Zeiss, Schneider-Kreuznach, Canon, Nikon. Dann wurde es aber schon eng.

Neue Sterne

Nun kommen neue Sterne. Die Firma Noktor brachte das Nokton 25mm F0,95 auf den Markt. Das Objektiv ist so lichtstark und dafür so „preiswert“ (unter 900 Euro), dass z.B. das Leica Noctilux mit F0,95 sehr „teuer“ (knapp 8.000 Euro) wirkt.

Aber es geht noch günstiger. Die Firma Samyang vertreibt Objektive, die angeblich auch mit baugleicher Optik unter dem Namen Walimex, Rokinon, Vivitar erscheinen. Da stechen dann besonders die Festbrenntweiten heraus. Das Samyang 85mm F1,4 gibt es unter 300 Euro.

Gute Qualität zum kleinen Preis?

Es scheinen immer mehr Objektive auf den Weltmarkt zu kommen – insbesondere Festbrennweiten -, die enorme optische Leistung zum kleinen Preis bieten. Das Problem ist nur, dass die meisten dieser Objektive keinen Autofokus bieten. Und damit sind wir dort, wo man sich entscheiden muss, wie man fotografieren will.

Wer ein Objektiv mit der Lichtstärke 1,4 benutzen will (oder 1,2 etc.), der muss sich darüber klar sein, dass nur ein kleiner Bereich wirklich scharf gestellt werden kann mit offener Blende. Und dies geschieht manuell – also mit dem Auge. Fehler werden nicht verziehen, man muß genau Hinschauen.

Hier zeigt sich dann auch, wer in dieser Liga wirklich mitspielen will. Denn klar ist natürlich, dass damit echt klasse Fotos geschossen werden können. Vor einem unscharfen Hintergrund, der künstlerisch zerfliesst (Bokeh), kann man dann das Motiv scharfstellen und herausstellen. Damit können wunderbare Fotos gelingen.

Aber es kommt natürlich auch auf die Brennweite an. Noch ist der Kreis lichtstarker Optiken mit Blende 1,4 oder 1,2 oder 1 klein, der für „kleines“ Geld gekauft werden kann. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern. Dann wird auch das handwerkliche Fotografieren im Sinne manueller Scharfstellung eine Rolle spielen.

Konsequent manuell ist nur die Leica M. Wer ein ähnliches Gefühl haben will für weniger Geld und mit der Möglichkeit, jederzeit zum Autofokus zurückzukehren, der sollte eine der preiswerten Festbrennweiten einfach an einer DSLR ausprobieren.

Einen sehr interessanten Vergleich hat John Caz vorgenommen. Dabei kam zumindest in diesem Fall heraus, dass das Samyang 85mm aus seiner Sicht mit DSLRs nicht nur ein manuelles Fokussieren erlaubt, sondern er als Brillenträger damit schneller und genauer scharfstellt als mit dem im Vergleich angeführten Nikon.

F1,4 ist nicht F1,4

Und damit ist dann auch ein wunderbares Bokeh möglich. Aber ich bitte zu beachten: „Die weit verbreitete Praxis, Bildwinkel von Objektiven durch Angabe der äquivalenten Kleinbildbrennweite zu beschreiben, ist also inkonsequent, wenn sie nicht auch die Blende umrechnet. Das kann man aber andererseits nicht machen, weil eine umgerechnete Blendenzahl als Belichtungsparameter falsch wäre.“

Dieser Satz aus dem Buch der Firma Zeiss ist wichtig für das bewusste Erzeugen eines guten Bokeh.

Damit wird aber auch der Rückschluss möglich, dass bei einem Objektiv mit z.B. 20mm F1,7 für 4/3 der optisch reale Wert nicht bei F1,7 liegen kann.

Und wenn bei einer Kompaktkamera dann als Blende F1,9 angegeben wird bei einem Sensor von 1/2,3 oder 1/1,7, dann bedeutet dies zwar mehr Licht aber eben nicht die Chance, damit ein Bokeh zu erzeugen wie mit einem 4/3-Sensor oder einem APS-C-Sensor.

Wie schreibt Herr Nasse in dem Buch der Firma Zeiss? „Ein unscharfer Hintergrund löst das Hauptmotiv von ablenkenden unwichtigen Details und erhöht die plastische Wirkung des Bildes. Unscharfe Partien des Bildes können auch dekorativ sein und eine durchaus wichtige Rolle in der Bildkomposition haben.“

In diesem Sinne wünsche ich viel Spass mit dem Gestalten der unscharfen Partien eines Bildes. Denn die Unschärfe ist die Voraussetzung für die Schärfe am Motiv.