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„Nepotism built this industry“ – Fotograf & Fotografieren – von der Berufung für Reiche zum Beruf für alle?

„Für „Stand der Dinge“ haben Sie digital fotografiert. Eigentlich sind Sie aber ein Verfechter des Analogen. Warum das Umdenken?

Jim Rakete: Das hatte in diesem Fall auch finanzielle Gründe. Aber ich sehe es tatsächlich so, die Fotografie ist uns durch das Digitale mit wenigen Ausnahmen ein bisschen weggestorben. Das ist jetzt ein Beruf, den jeder machen kann. Das, was früher Handwerk oder kompliziert daran war, kann jetzt die Kamera. Und das, worum es eigentlich geht, also ein Bild zu machen, das irgendeine Bedeutung hat, wird immer schwieriger, bei sinkenden Auflagen, sterbenden Magazinen, usw. Ich möchte heute ums Verrecken kein junger Fotograf mehr sein.“

Was Jim Rakete hier in der Tiroler Tageszeitung sagt, faßt grob die Entwicklung der Fotografie in den letzten hundert Jahren zusammen.

Vor kurzem sprachen wir bei einem Fototalk noch darüber, wie es in den 80er und 90er Jahren war.

Wie sagte ein Teilnehmer?

„Ja wir hatten diese Kameras mit Filmen, aber wir mussten immer rechnen. Denn ein Film kostete mit Entwicklung und Druck um die 30 D-Mark.“

Fotografie war eben ein teures Hobby und daher nur sehr selten etwas für Arme. Gegen Ende der analogen Zeit wurden die Fotos billiger, nur noch 20 Pfennig für 10×15 plus Entwicklung, also ca. 14 Euro pro Film. Aber das war auch nur Basis.

Und heute?

Heute ist alles drin. Denn das Smartphone macht und zeigt. Und wer es größer mag, der nutzt den Computer.

Aber wenn wir uns Fotografenkarrieren anschauen, dann waren es doch fast immer Menschen ohne finanzielle Sorgen, die in den letzten Jahrzehnten der analogen Fotografie als Beruf „Fotograf“ angegeben haben.

Damit meine ich nicht den bezahlten festangestellten Fotograf einer Tageszeitung und ich meine auch nicht den Fotohändler, der Passfotos macht.

Ich spreche von denen, die in den deutschen Medien eine besondere Aufmerksamkeit erhielten.

Wer war davon nicht finanziell privilegiert?

Es war eben auch ein soziales Unterscheidungsmerkmal. Diese Art von Fotograf hatte eben Einstiegsvoraussetzungen, die sich aus Kontakten, Geld und Einfluß ergaben – so wie heute auch noch.

Wird heute anders gewürfelt?

Nein, es hat sich nichts geändert wie dieser Artikel (2016) über den Sohn von David Beckham zeigt.

„Nepotism built this industry“ schrieb ein User als Kommentar. Besser geht es nicht.

Die Dauerikonen der Fotografie sind weg, die industriellen Eintagsfliegen der Fotografie sind da?

Das ist gemein.

Einmal der Erste sein bei einem Marketing-Wettbewerb und unter den „größten“ und „schönsten“ und … gewesen sein.

Fotografie macht Spaß.

Daher wollen immer mehr davon leben.

Aber wie soll das gehen?

Genau, es geht nicht.

Doch die alten Träume sind noch in den Köpfen der Menschen einer neuen Zeit.

Jeder kann heute fast umsonst fotografieren.

Wer damit zufrieden ist und davon nicht leben will, der hat einen fast idealen Weg zur Selbstverwirklichung entdeckt, der früher so nur einigen Reichen vorbehalten war.

Es ist so wie mit dem Leben.

Eine einfache Wohnung heute ist besser ausgestattet als zur Zeit von Goethe.

Aber wen interessiert das?

So kommt es darauf an, was ich womit vergleiche, um zufrieden oder unzufrieden zu leben.

Dennoch träumen noch viele diesen Traum vom großen Geld mit der Fotografie.

Diesen Traum am Leben zu halten ist eine Geschäftsgrundlage der Fotoindustrie.

Einen bemerkenswerten Gedanken fand ich in der photonews 11/14.

Dort zitiert Sabine Weier den Fotografen Julian Röder: „Mit seinen Genua-Bildern gewinnt Röder den Deutschen Jugendfotopreis und wird als Teilnehmer einer Masterclass der World-Press-Photo-Stiftung ausgewählt. Seine Begegnung mit dem internationalen Fotojournalismus ist ernüchternd. Es habe ihm missfallen, dass ausgerechnet aus privilegierten Verhältnissen stammende Fotojournalisten das Elend der Welt zeigten, sagt Röder.“

Diese Erfahrung wird durch eine aktuelle Untersuchung bestätigt.

Dort lesen wir: “Der Zugang zum Berufsfeld des Journalismus ist hierzulande an eine wohlbehütete soziale Herkunft gebunden; Kollateralschäden mit nicht-akademischem Elternhaus werden nur geduldet, wenn sie bedingungslos bereit sind, einen hochkulturellen Habitus anzunehmen. In ihrer Doktorarbeit belegt die Sozialwissenschaftlerin Klarissa Lueg, dass Journalisten zu mehr als zwei Dritteln eine privilegierte soziale Herkunft aufweisen und vor allem Eltern haben, die als Beamte oder Angestellte mit Hochschulabschluss im gehobenen bis sehr gehobenen Dienst tätig (gewesen) sind. Auf den Chefsesseln der Medien beträgt der Anteil der Bürger- und Großbürgerkinder sogar satte 77 Prozent.”

So können zwar heute alle ihr Essen fotografieren, aber die wichtigen Fotos für die Massenmedien jenseits der reinen Ereignisfotos werden immer noch von denen gemacht und ausgewählt, die privilegiert sind. Von Demokratie sind wir dabei noch weit entfernt und von sozialem Aufstieg erst recht.

Wer mehr aus sich machen will jenseits des reinen Journalismus, dem möchte ich das Fotopraxis Buch von Martina Mettner ans Herz legen.

Es hilft sehr, wenn man eigene Wege gehen will.

Text 1.1

Fast 50 Prozent weniger Fotojournalisten als im Jahr 2000

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

So steht es zumindest in einer Statistik über die Entwicklung der Jobs in den USA.

Und in Deutschland?

Der Vorsitzende von Freelens ist umgeschwenkt vom Fotojournalismus auf PR und Werbung.

Als ich vor ein paar Jahren bei Freelens nach einem Presseausweis fragte erklärte man mir, den würde man nur hauptberuflich tätigen Fotojournalisten ausstellen.

In dieser Logik dürfte der Vorsitzende von Freelens keinen Presseausweis mehr bei Freelens erhalten.

Ja so ist das, wenn man mal darüber nachdenkt…

Ulrike Kaiser vom DJV weist darauf hin, daß es für Deutschland keine genauen Zahlen gibt. Aber auch die ungenauen Zahlen malen ein Bild.

Was wird von diesen Zahlen bleiben? Warten wir mal die nächsten zehn Jahre ab.

Endlich klar: Jeder darf sich Fotograf nennen

Foto: Michael Mahlke

Es war lange strittig, wer sich in Deutschland Fotograf nennen darf.

Ich habe diese Frage vor längerer Zeit schon thematisiert.

Der Rechtsanwalt Wolfgang Rau hat nun ein Buch mit dem Titel „Recht für Fotografen“ geschrieben.

Er ist ehrenamtlich Justitiar des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF).

Im Kapitel „Gewerblich fotografieren“ gibt er eine klare Information.

Dort schreibt er: „Entgegen vielfach gegenteilig vertretener Auffassung ist die (Berufs-)Bezeichnung „Fotograf“ nicht geschützt und kann von jedem, der fotografiert, verwendet werden.“

Es war auch eine sehr paradoxe Situation, dass man sich die Frage stellen musste, bin ich ein Fotografierer oder darf ich mich Fotograf nennen?

Wer im Ausland als „photographer“ arbeitete, der durfte sich in Deutschland z.T. offenkundig nicht Fotograf nennen.

Selbst im Bundesinstitut für Berufsbildung war man 2011 noch anderer Auffassung: „Eigentlich ist es ganz einfach: Fotograf oder Fotografin darf sich nennen, wer eine Ausbildung nach der anerkannten Verordnung über die Berufsausbildung zum Fotografen/zur Fotografin erfolgreich absolviert hat. Diese Ausbildungsverordnung wurde zuletzt 2009 modernisiert, sie trat am 1. August 2009 in Kraft. Allerdings kann jeder/jede diesen Beruf ausüben, da es keine gesetzlichen Voraussetzungen gibt. Er/sie muss sich nur anders nennen.“

Ich freue mich sehr, dass der Fotograf und die Fotografin nun nochmals publizistisch-juristisch in die Freiheit entlassen worden sind.

Es kommt eben auf die Bilder an und nicht auf das Etikett.

Aber. Wer sich Fotograf nennt oder dies durch Fotografieren praktiziert, der hat eben nicht nur das Recht, sich Fotograf oder Fotografin nennen zu dürfen, sondern auch die Pflicht, die für Fotografinnen und Fotografen geltenden und beschränkenden Gesetze zu respektieren und anzuwenden.

Und deshalb reicht es nicht, diesen Artikel zu lesen, sondern ich empfehle dringendst ein Buch wie das von Wolfgang Rau zu lesen, online oder gedruckt. Denn wer bloggt, mit dem Handy fotografiert oder mit der Kamera, der hat auf eine Menge zu achten – egal wie er/sie sich nennt.

 

 

Warum gute Fotos kommerziell zunehmend sinnlos sind

Auf fotofeinkost.de gibt es einen Artikel zum Thema „Erschütterungen im Traum vom Fotografenberuf“. Und es gibt dazu den Kommentar von Marcus aus Berlin. Er schreibt: „Die Qualität der Fotografie liegt im Auge des Betrachters, welches in der jungen Kultur wenig geschult ist und mit einer Bilderflut überschwemmt wird, die eine objektive Beurteilung gar nicht mehr zulässt. Warum sollte ein Unternehmer für ein vermeintlich gutes Bild mehr bezahlten, wenn er das gleiche Ziel auch mit einer schlechten Aufnahme erreichen kann.“

Stimmt.

Kommerziell ist gute Fotografie vielfach nicht mehr so wichtig in der sichtbaren Praxis des Journalismus, im PR-Bereich kaum noch und darüber hinaus nur noch in Nischen.

Ich finde den Gedanken von Marcus so gut, dass ich ihn hier gerne wiedergebe.

Denn auch wenn gute Fotos kommerziell nicht mehr so wichtig sind, so ist es doch weiterhin so, dass man gute und schlechte Fotos unterscheiden kann.

Ein neues fotografisches Zeitalter ist angebrochen.

Wer ist ein Fotograf und wer darf fotografieren?



Im Internet habe ich folgendes gefunden: „Ich lebe im Ausland (Irland), und hier gibt es keine Fotografenlehre. Entweder man lernt durchs Assistieren, oder durchs college, oder beides. Ich habe ein ‚Certificate‘ in ‚Commercial Photography‘ von einem college of art and design, aber auch ohne dies koennte ich mich hier ‚photographer‘ nennen!“

Wenn man nun in Deutschland nachschaut, dann scheint es ja ziemlich viele Debatten zu geben über dieses Thema. Der Wikipedia-Artikel dazu scheint bei den Revisionen von einem Kampf um die Frage geprägt, wer darf sich Fotograf nennen?