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Der Weg der Armut

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wenn du in dein Schicksal einwilligst wird es dich leiten…

So muß man sich das auch in der Fotografie vorstellen. Die Dinge geschehen und wenn du dann offen genug dafür bist sie zu sehen, dann hat das Schicksal dir die Chance gegeben selbstbestimmt diese Dinge anzunehmen und umzusetzen – auch in der Fotografie.

Dann entwickelt sich sogar Streetfotografie plötzlich zu einer stillen sozialdokumentarischen Fotografie.

So wurde die Serie Der Weg der Armut geboren.

Nur so.

Unbeachtet und vergessen oder warum 90 Prozent der Wirklichkeit nicht fotografiert werden

Der Blick auf die Erinnerung - Foto: Michael Mahlke

Der Blick auf die Erinnerung – Foto: Michael Mahlke

Philip Blenkinsop hat darauf hingewiesen, daß Fotografen nicht zu den Wurzeln der Wirklichkeit gehen, wenn sie damit kein Geld verdienen können. Umgekehrt gehen sie dorthin wo sie Geld verdienen, in seinen Worten: „Photographer do not go to the sources, they look what can be sold.“

Einen anderen Aspekt für die blinden Flecke in der Dokumentarfotografie hat Stephen Mayes genannt: „Ein bedeutender Teil der Realität bleibt auf der Strecke. Vermutlich sind Konventionen der Grund.“

Und er nennt ein Beispiel: „Dennoch glaube ich, dass es viele unwichtige Themen gibt, die enorm überrepräsentiert sind. Ein Beispiel war das Thema Drogen. Es gibt ein unglaubliches Problem der Drogensucht in der Mittelklasse in  Nordamerika und Europa. Doch darüber wird nicht berichtet. Berichtet wird über arme Drogensüchtige. Als ob Drogengebrauch ein Thema der Armen, der verelendeten Gegenden ist.“ (in photonews 4/12).

Und damit kommen wir zum digitalen Paradoxon. Es entstehen immer mehr Fotos von immer weniger Themen. Was mir bei meinen Streifzügen durch die digitale Welt aufgefallen ist, hat Stephen Mayes, Geschäftsführer eine Agentur für „Konfliktfotografie“, auf die Formel gebracht, dass 90 Prozent der Nachrichten sich mit 10 Prozent der Welt beschäftigen.

Die Fotografin Isolde Ohlbaum äußerte sich in einem Interview bei stern.de zum Thema Fotografie folgendermassen:

„Würden Sie Bauarbeiter fotografieren?

Das könnte ganz reizvoll sein. Die haben ja zum Teil interessante Gesichter. Oft sehen sie gar nicht aus wie Bauarbeiter. Auch bei der Müllabfuhr finden sich manchmal überraschende Männer.

Müllmann-Porträts von Ohlbaum. Spannend.

Auch Toilettenfrauen!

Würden Sie das machen: Einen Band über Klofrauen?

Warum nicht! Aber wer will das kaufen?“

Diese drei erfahrenen Fotografinnen und Fotografen haben uns erklärt, warum die Namenlosen und Unsichtbaren keine Aufmerksamkeit erfahren.

Es geht um´s Geld.

Das war in England und den USA einmal anders.

Das ist auch anders als bei NGO´s weil es hier um die eigene Gesellschaft geht.

Für das Thema Armut ist das sogar untersucht und dokumentiert.

Lena Mann und Jana Tosch schreiben dazu: „Je näher Armut dem westlich-weiß dominierten Kulturkreis rückt, desto unsichtbarer wird sie.“

Weil es um´s Geld geht wird Armut nicht fotografiert. Denn das würde ja Geld kosten und dazu führen, daß es ein Thema wird und vielleicht für die Abschaffung der Armut Geld ausgegeben werden müßte!!!!?!

Aber wenn man etwas verändern will für die Menschen, um diese Ungerechtigkeit zu reduzieren und mehr Stabilität in die Demokratie zu bringen, dann müßte genau dafür Geld eingesetzt werden.

Aber wer will schon die Demokratie stärken und die Gesichter der Menschen sehen, die nicht reich und schön sind oder sich entblößen? Da sind wir bei den Konventionen.

Die Fotografie kann dies ändern und heute ist sie das mächtigste Werkzeug um etwas zu ändern, weil die Bilder das Bewußtsein schaffen können – nicht allein und dauerhaft aber immer wieder.

Wenn man das zu Ende denkt, dann lande ich bei Dieter Hacker und Susan Sontag:

Dieter Hacker sagt:

„Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat der Amateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was dem Berufskünstler kaum gelingt, nämlich die Realisation seiner Intentionen; was ihm deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem wahren Charakter des Kunstwerkes Zwänge ergeben, denen er sich schwer entziehen kann, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Amateurarbeit nicht leben.

Amateurarbeit, die sich von ihrer Fixierung an die Arbeit der Profis befreit, könnte eine Ahnung davon vermitteln, was nicht entfremdete Arbeit ist und so eine wichtige Utopiefunktion erfüllen. Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.“

Und Susan Sontag schreibt:

„Das hätte zur Folge, daß die Theorie der Fotografie sich zur eigentlichen Gesellschaftstheorie ausbreiten muß.“

 

Armut in der Kunst der Moderne

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Armut wächst auch in Deutschland gerade unter denen, die sich früher durch Arbeit davon befreien konnten.

Seit die soziale Marktwirtschaft – mit der Chance durch Fleiß und dem Angebot an gut bezahlter und sozialversicherter Arbeit aufzusteigen – durch eine liberale Politik ersetzt wurde, die Menschen arm trotz Arbeit läßt und mit Hartz 4 diese Menschen bei Verlust des Arbeitsplatzes bewußt finanziell und materiell ausbluten läßt bis sie ganz arm (dran) sind, ist die Hoffnungslosigkeit und die Zeit der extremen Gegensätze auch in Deutschland angebrochen.

Verkneifen kann ich mir dabei nicht den Hinweis, daß ausgerechnet die Sozialdemokraten die Armut in Deutschland wieder eingeführt haben zusammen mit den grünen Ökos. Und beide Parteien beharren bis heute darauf, daß es richtig war die Bevökerung in Armut zu stürzen statt die entstandenen Probleme zu lösen.

Ob dies in einem kleinen Land wie Deutschland aber so konfliktfrei bleibt wie in den USA, die allein durch ihre territoriale Größe manches nebeneinander ermöglichen, darf bezweifelt werden.

In Karlsruhe fand eine Tagung statt, die die neue Wirklichkeit und ihre Verarbeitung in der Kunst als Ausdruck des Umgangs mit der vorgefundenen Realität dokumentierte. Daraus wurde dann ein Buch.

Gut gedacht und gut gemacht! – möchte man den Veranstaltern zurufen.

Die Herausgeber legten den Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert und ermöglichen so ein wirkliches Verstehen.

Das Buch ist ein wirkliches Highlight, auch wenn es eher still und bescheiden daherkommt.

Wer Dokumentarfotografie bzw. sozialdokumentarische Fotografie verstehen will, der findet hier ein gutes und aktuelles Buch.

Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, das Festhalten von sichtbaren sozialen Zuständen und die künstlerische Verarbeitung, um damit zu leben, es zu zeigen, Öffentlichkeit zu erreichen und Bewusstsein zu schaffen – alles dies ist in diesem Band vereint.

Substanzreich und gut, ohne Geschwafel und voller Essenz entfaltet sich dem Leser ein Bild von Entwicklungen und Zuständen, die oft genug das neue Gesicht unserer Zeit bilden.

2011 erschienen ist das Buch heute noch aktueller, weil es alles zusammenfaßt, was zu dem geführt hat, was wir heute sehen.

Große und kleine Namen, aktuelle Medienereignisse und dokumentiertes Handeln sind in dem Buch zu finden. Sebastiao Salgado kommt darin vor. Der Film von Wim Wenders über ihn ist gerade rausgekommen. Martin Parr und Richard Billingham erleben gerade eine immer größere Öffentlichkeit. Aber auch Käthe Kollwitz und Heinrich Zille. Andres Serrano und das Morrinho Project sind bei uns eher unbekannt.

„Ein letzter Schritt bestand darin, das Thema nach Leipzig zu tragen, eine Großstadt, die nach den letzten Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes derzeit die ärmste der Bundesrepublik ist.“

Völlig ungewollt erhält damit das Buch auch noch eine fast tagespolitische Aktualität.

Ich erinnere nur an die PEGIDA Bewegung in Dresden und die Aktionen in Leipzig (LEGIDA). Allerdings wurde in keinem einzigen offiziellen Kommentar dazu Armut thematisiert oder als Ursache erwähnt obwohl dies hier schon 2011 publiziert wurde. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut, Hartz 4 und Ausländerfeindlichkeit? Eine brisante Frage, die in der Geschichte bei anderen Gelegenheiten schon oft beantwortet wurde. Bei uns ist es ein Tabuthema. Und würde man dieses Problem verkleinern können, wenn man das Problem der Armut anpacken würde? Eine Frage, die an der bestehenden Verteilung und Hartz 4 rüttelt, wo jeder arbeitslose Arbeitnehmer, der jahrlang das Sozialsystem gestützt hat, materiell mit allen gleichgesetzt wird, die dies nie getan haben oder die hier Schutz suchen.

So schürt man politisch gewollt Hass und so zersetzt man die Toleranz, Leistungsbereitschaft und das Engagement der Menschen, die eine Demokratie im Inneren zusammenhalten.

Doch mit Worten, die diese Realität beschreiben, macht man sich keine Freunde. Also packen wir die Fragen und Gedanken besser wieder ein.

Die extremen Gegensätze, die das neue Deutschland prägen, werden unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Das ist das Ergebnis politisch bewußter Entscheidungen. Es ist das Gesicht der Neoliberalen, das wir hier sehen. Woanders war es schon früher und dort versuchte man es zu dokumentieren.

Arme wehren sich meistens nicht gegen die Reichen sondern kämpfen eher untereinander. Und so dokumentieren die Beiträge die wenigen Versuche, Öffentlichkeit zu schaffen und Wirklichkeit festzuhalten, die verändert werden sollte. Vielleicht müßte man kontrastierend dazu Fotos von Reichen und Reichtum heute setzen, damit deutlich wird, wie extrem groß die Lücke ist.

Es geht ja nicht darum, daß einige mehr und andere weniger haben. Das gab es früher auch. Aber heute ist es anders. Je extremer die Gegensätze desto weniger staatliche Absicherung für alle, weil die Reichen u.a. auch die Gesetze machen (für sich) und kaum Steuern zahlen. Das zeigen die USA ebenso wie die Sowjetunion und zunehmend auch Europa und Deutschland. Die entmutigenden Widersprüche zersetzen langsam alles.

Auch der Hinweis in dem Sammelband, daß Armut eigentlich nicht den Wohlfahrtsverbänden überlassen werden darf, halte ich für wichtig. Denn diese verfestigen die Armut und legitimieren die bestehenden Verhältnisse – so weh diese Aussage auch tut.

Nun gut, dies steckt alles in diesem Buch als Darstellung der sozialen Wirklichkeit „in der Kunst der Moderne.“

Eine gute Grundlage für ein tieferes Verständnis von sozialdokumentarischer Fotografie und sozialer Realität und von Armut – und für eigene Gedanken!

Das Buch ist im Jonas-Verlag erschienen.

herausgegeben von
Franziska Eißner und Michael Scholz-Hänsel
Armut in der Kunst der Moderne
Verklärend oder verstörend, nüchtern oder obszön: Bilder von Armut lösen ein breites Spektrum an Gefühlen aus. Moderne Kunst positioniert sich dabei nicht selten in einem Spannungsfeld zwischen Ethik und Ästhetik. Sie will für ein aktuelles, aber gern verdrängtes Thema sensibilisieren und zur Diskussion darüber anregen. Von Käthe Kollwitz und Heinrich Zilles konträren Darstellungen des Berliner Milieus um 1900 über Arte povera und Sebastião Salgado bis hin zu Boris Mikhailovs fotografischen Inszenierungen nackter und kranker Körper von sozial Ausgeschlossenen weist die Kunst- und Kulturgeschichte eine Vielzahl oft widersprüchlicher Darstellungsarten auf.

Die weitgehend am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig konzipierten Beiträge basieren auf einer gleichnamigen Tagung, die kurz vor 2010, dem »Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung« in Karlsruhe stattfand. Dem Autorenteam gehören neben Kunst- und Fotografiehistorikern auch ein Soziologe und ein Ausstellungsmacher an.

Schönheit und Last von Peter Alexis Albrecht (Hg.)

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„Bildnisse vom Alter“ lautet die ergänzende Unterschrift des Titels. Und damit nähern wir uns einem sehr interessanten Buch.

Drei Fotografinnen – Ilona Ripke, Karin Wieckhorst und Irene Zandel – haben für die Cajewitz-Stiftung in deren Seniorenhäusern fotografiert.

Wie kann man im Alter mit Würde leben?

Kann dies selbstbestimmt und durchorganisiert funktionieren?

Die Cajewitz-Stiftung will zeigen, daß dies geht und zwar für alle.

So kosten die Wohnungen dort zwischen 600 und 1200 Euro.

Allerdings machen die Fotos deutlich, daß es ohne Geld trotzdem nicht geht, da man ab einem bestimmten Alter „Wahlleistungen“ braucht, weil die Bewältigung mancher Aufgaben sonst zur Qual werden würde.

Das Buch ist schon deshalb sehr sympathisch, weil es mit Fotos Würde im Alter zeigen will.

Das gelingt und ist völlig entgegengesetzt zu dem, was uns die Politik über längeres Arbeiten medial vermitteln will.

Das zeigt uns jedes Foto in diesem Buch: Aktivität im Alter ja – fremdbestimmte Geldarbeit zum Überleben nein.

Bei den Fotos der „Hochbetagten“ sind allerdings nur Kopfarbeiter mit wahrscheinlich höherem Einkommen. Es wäre interessant zu erfahren, ob dies sich aus der Auswahl der Fotos so ergeben hat oder real auch so ist. Dann würde ich fragen, wer arm ist stirbt früher? Und könnte dann auch nicht mehr fotografiert werden!

Barrierefreies Wohnen ohne die Lebenswelt eines Altenheimes ist das Ziel der Stiftung.

Aber sie sagt auch, daß soziale Sicherheit im Alter dafür unerläßlich ist.

Insofern ist dieses Buch hochpolitisch und so gesehen sind auch die Fotos der drei Fotografinnen hochpolitisch.

Jede Fotografin nähert sich dem Thema anders, alle fotografieren hier ausschließlich monochrom.

Es sind Fotos, die Menschen zeigen. Zu den Fotos gibt es Aussagen der Fotografierten und Erläuterungen.

Man spürt die Aktivität im Alter.

Man sieht die Würde, die sich auf den Fotos zeigt durch die Art, wie die Menschen sich für die Fotos zeigen.

Früher hätte ich geschrieben von Dänemark und Schweden lernen, heißt siegen lernen.

Heute schreibe ich von solchen Projekten lernen heißt siegen lernen.

Ilona Ripke zeigt Menschen im Raum, in ihren Räumen und versucht „die Spiegelungen eines ganzen Lebens abzubilden.“

Karin Wieckhorst hat als Thema Kultur und Lebensweise. Wie leben Menschen mit ihrer Umwelt, wie ist die Dynamik des Zusammenlebens in den Häusern der Stiftung?

Irene Zandel erzählt Fotogeschichten, die Lebenslinien aufzeigen.

Texte treten überall erläuternd zur Seite und ermöglichen so Einordnungen, die sich durch die Fotos allein nicht erschließen.

Denn es gibt in dem Buch eine fotografisch unsichtbare Seite. Es ist der bisherige Lebensweg. Dieser zeigt sich auf den Fotos nicht durch Erinnerungsstücke sondern durch die Erzählungen dazu.

Die Texte sind auch durchaus kritisch. Die Kritik bezieht sich sowohl auf Erfahrungen wie auf die Bauweise mancher Wohnung, so daß die Würde durch das Buch gelebt wird und dadurch wiederum Glaubwürdigkeit vermittelt wird.

Interessanterweise sind alle Fotos monochrom. Kein Foto ist langweilig und die Individualität der Menschen wird so wirklich gut betont.

So ist das Buch ein gelebtes Beispiel dafür, wie stark monochrome Fotos im Zeitalter der Farbfotografie sein können. Sie sind manchmal die bessere Wahl.

Sie strahlen auch Ruhe aus und schaffen ein angenehmes visuelles „Klima“.

Es ist ein großartiges Buch mit guten Botschaften, das soziale Wirklichkeit in Deutschland zeigt und eine Antwort auf die Frage gibt, wie wir selbstbestimmt leben können, auch wenn wir keine Millionäre sind.

Dies führt automatisch zu der Frage, wieso die Politik dann genau das Gegenteil macht?

So ist dieses Buch ein politisches Fotobuch im besten Sinne, das uns visuell Wege zeigt wie wir heute schon ohne Angst im Alter mit Würde leben können.

Und nun?

Nun ist es an uns, politische Forderungen zu stellen, die dafür sorgen, daß jung und alt mit Perspektive leben können.

Das Buch ist im Nicolai-Verlag erschienen.

 

Armut im Blickfeld – Wege der Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Armut wird unsichtbar

„Je näher Armut dem westlich-weiß dominierten Kulturkreis rückt, desto unsichtbarer wird sie.“

Diese Aussage aus einer Untersuchung (pdf) von Lena Mann und Jana Tosch zeigt einen blinden Fleck in der heutigen Fotografie.

Ihr Ergebnis ist sehr ernüchternd: „Strukturelle Ursachen von Armut werden kaum bildlich thematisiert. Armut wird dann präsent, wenn eine medientaugliche, soll heißen spektakuläre Krisensituation eintritt, die Armut verstärkt, verursacht oder durch sie bedingt ist. Armut ist trotz ihrer Realität diesbezüglich kein Thema für sich. In teuren Hochglanzmagazinen (z.B. GEO, Unicef) findet man ab und an Fotoreportagen über Armut in der so genannten ‚3. Welt’. Fachmagazine haben allerdings ihren Preis: Diese Reportagen erreichen im Vergleich zur Tagespresse nur ein sehr kleines Publikum. Armut wird in diesem Fall meist durch Ästhetisierung verklärt und exotisiert, was das Bild eines imaginär ‚Anderen’ produziert, um von eigenen Problematiken abzulenken. Das Thema Armut gehört zur Definition des ‚3. Welt’-Klischees (‚3. Welt’ = arm) und nicht zu derjenigen der Wohlstandsstaaten. Dieser Mangel wird hierzulande durch das Persönlichkeitsrecht untermauert: Veröffentlichungen von Nahaufnahmen sind in Deutschland und einigen anderen europäischen Staaten nur mit dem Einverständnis der fotografierten Personen (bei Kindern muss die Erlaubnis der Eltern eingeholt werden) möglich.“

Und so ist die Realität da verschleiert, wo sie gezeigt werden müßte.

Das neue Bild der Gesellschaft ist ohne Armut

Man kann es aber auch anders sehen. Es gibt ja die sog. visuelle Soziologie, die sich ein Bild von der Gesellschaft macht. Wenn die Armut nicht mehr sichtbar ist, dann ist dies auch ein Bild von einer Gesellschaft.

Rudolf Stumberger hat dies einmal sehr schön formuliert: „Die sozialdokumentarische Fotografie des 20. Jahrhunderts ist auch eine Dokumentation des sozialen Wandels wie auch des Wandels des Sozialen, an dem sie als Mittel in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in unterschiedlicher Intensität beteiligt ist. Sie steht für die visuelle Seite der Interpretation von Gesellschaft, die selbst diese Gesellschaft durch ihre Wirkkraft mit hervorbringt. Die sozialdokumentarische Fotografie ist so nicht nur ein fotografisches Genre, sondern soziale und politische Praxis.“

Das finden Sie komplett hier (pdf).

Wer will soziale Verhältnisse der Armen sehen?

Aber es geht noch weiter. Roland Günter hat in seinem Buch Fotografie als Waffe die drei entscheidenden Fragen gestellt, die für politische Fotografie weiterführend sind:

  • Wer hat Interesse an einer Darstellung der sozialen Verhältnisse?
  • Wer hat Interesse, Partei zu nehmen zugunsten der “Schwächeren”?
  • Wer finanziert diese Art von Fotografie?

Das sind die Leitfragen (man könnte auch von Leidfragen sprechen) für politische Fotografie.

Und das Thema Armut hat sehr viel damit zu tun. Eigentlich muß man nur die Fragen anwenden auf das Thema Armut und dann wird einiges klar.

Fotojournalistisch

Das Fotografieren dieses Themas wird kaum bezahlt, man setzt sich dem Vorwurf aus, am Leid anderer Geld verdienen zu wollen und man hat nur Ärger. Wenn man es dann selbstlos macht (wovon lebt man denn selbst?), dann ist es letztlich zwar massenmedial ehrenwert und „berührend“ aber es folgen keine gesellschaftlichen Debatten. Zudem ist dies alles sehr unwirklich. Wenn nur die Reichen die Armen fotografieren dürfen, weil sie kein Geld verlangen, dann passt nichts mehr.

Gesellschaftlich

Wenn die Armen kein fotografisches Thema mehr sind, dann gibt es auch keine „arme“ Öffentlichkeit mehr. Dann verschwinden die Bilder für eine Debatte aus dem öffentlichen Raum und dem öffentlichen Bewußtsein. Symbolisch könnte das Fehlen dieser Fotos auch als Visualisierung der Entsolidarisierung interpretiert werden. Was nicht gezeigt wird will man nicht sehen. So ist dies vielleicht einer der letzten Artikel in den nächsten Jahren, der dies alles anspricht und aufschreibt – wer weiß!

Methodisch und technisch

Wie kann man Armut fotografieren?

Folgendes habe ich im Netz dazu gefunden:

Es gibt sicherlich noch mehr Möglichkeiten.

Noch mehr Infos zu diesem Thema gibt es hier.

Text 1.1

Die Fotografie muss würdigen und Menschenwürde zeigen

Als im letzten Jahr an der Bergischen Universität Wuppertal eine Armutskonferenz stattfand, war dort auch eine Fotoausstellung über Armut in Deutschland heute zu sehen.

Am 23.11.2013 veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, das Interdisziplinäres Zentrum: Kindheiten. Gesellschaften der Bergischen Universität Wuppertal und das Beratungs- und Unterstützungswerk Tacheles Wuppertal eine Armutskonferenz. Im Vorfeld der Veranstaltung eröffnete R-Mediabase am 21.11. die Fotoausstellung „Armut in Deutschland“ ebenfalls in der Bergischen Universität Wuppertal. Gezeigt wurden Arbeiten von Kurt Feisel, Hans-Dieter Hey, Karin Richert, Dr. Marcus Richter, Hubert Perschke und Jochen Vogler.

Ein schwieriges Thema in einer schwierigen Zeit.

Diese Ausstellung wurde seitdem ununterbrochen an verschiedenen Orten gezeigt.

  • Hat Armut in der Fotografie heute noch Gesichter?
  • Führt die Anonymisierung dazu, daß dieses Thema nicht mehr sichtbar ist?
  • Wie gehen die beteiligten Fotografen damit um?

Ich hatte das Glück zwei der beteiligten Fotografen zu treffen, Kurt Feisel und Jochen Vogler. Die Fotoausstellung ist ein Projekt von r-mediabase mit Unterstützung von ver.di nrw und der Rosa- Luxemburg Stiftung NRW an dem 5 Fotografen und 1 Fotografin beteiligt sind.

von links: Jochen Vogler und Kurt Feisel im Cafe Tacheles, hinter ihnen Fotos der Ausstellung - Foto: Michael Mahlke

von links: Jochen Vogler und Kurt Feisel im Cafe Tacheles, hinter ihnen Fotos der Ausstellung – Foto: Michael Mahlke

Wir trafen uns im Cafe Tacheles des Tacheles e.V. , der nicht nur bei der Armutskonferenz Mitveranstalter war sondern aktuell auch die Ausstellung im Cafe zeigt.

Foto: Michael Mahlke

Jochen Vogler – Foto: Michael Mahlke

Der aktuelle Ausstellungsort Tacheles ist in ununterbrochener Folge der 4. Ausstellungsort. Danach wird sie weiterwandern. Sie umfaßt aktuell 25 Fotos und kann gerne über r-mediabase ausgeliehen werden.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten ist auch fotografisch entscheidend. Kurt Feisel und Jochen Vogler haben dies gemeinsam mit den anderen Beteiligten versucht.

Wie unterschiedlich man dies fotografisch machen kann finden Sie hier dargestellt.

Von der Waffe zur Partizipation? – Die Methode Photovoice

Visuelle Kommunikation

Wir leben immer mehr in einer visuellen Welt.

Wir machen uns Bilder von der Welt und wir erhalten Bilder, die wir sehen sollen.

Was sehen wir?

Sehen wir die Dinge in unserem Kopf oder sehen wir die Dinge um uns herum?

  • Daneben gab es immer eine politische Fotografie zwischen dokumentierender Fotografie als Waffe und der Manipulation mit Bildern.
  • Und es entstand im angelsächsischen Raum die Methode Photovoice bei der thematische Fotos von Betroffenen selbst erstellt werden und dann in Gruppen besprochen werden mit der Frage, was man tun kann
  • Neben diesen sozialen Funktionen der Fotografie gab es immer schon parallel die persönlichen Funktionen. Fotografie diente und dient zur Bewältigung persönlicher Erfahrungen zwischen Krieg und Krankheit, Lebensereignissen wie Hochzeiten und Geburten und natürlich der Begegnung mit dem Tod.

 

Fotografie & darüber Sprechen = Photo Voice

Photovoice bedeutet in der Praxis, dass Menschen, die etwas zum Thema machen wollen, dies fotografieren und dann gemeinsam darüber sprechen.

Diese Methode hat in UK eine eigene Webseite, die zeigt, was man damit machen kann: Partizipative (mitbestimmende und mitmachende) Fotografie für soziale Veränderungen

Grafik: Michael Mahlke

 

Das kann alles sein was aktivierend angesprochen werden soll, um es besser und weiter gemeinsam zu bearbeiten.

In einem sehr guten Vortrag von  Tanja Gangarova (Deutsche AIDS-Hilfe e.V.) und Melike Yildiz (AfroLeben+) auf einer Fachtagung zur Inklusion wurde dies folgendermassen ausgedrückt:

„Mitglieder einer Gruppe oder Community machen Fotos von ihren Lebenswelten und werten diese gemeinsam aus, um Veränderungsprozesse zu initiieren“

Somit ist Photovoice so neutral wie ein Messer. Die Methode kann engagiert für demokratische Veränderungsprozesse eingesetzt werden oder sozialpädagogisch für Kleingruppenarbeit mit konkreten lokalen und persönlichen Themen.

Es gibt von China über Kanada bis Amerika Beispiele dafür, wie mit dieser Methode

  • neue Blicke auf die Dinge,
  • ein anderer Umgang mit einem Thema oder auch
  • eine Lösung festgefahrener Strukturen

erreicht werden konnte.

Beispiele sind
  • Die Visualisierung von Berufswünschen
  • Das Abholzen von Bäumen in einem Stadtviertel
  • Die Verschmutzung durch Hundekot
  • Bessere Versorgung von Brustkrebspatienten
  • Umgang mit Prothesen
  • Diskriminierung im Alltag von Einwanderern in Kanada
  • HIV-Präventation
  • Leben im Seniorenheim
  • Umgang mit Alter und neue Kontakte
  • Migrationsarbeit zu vielen Themen
  • Migranten und Immigration
  • etc.

Es ist also alles möglich, wobei es eher um schwierige Themen geht, die meistens auch persönliche Erfahrungen über Fotos nonverbal zum Thema machen, das dann sprachlich formulierbar wird.

Interessanterweise habe ich nirgendwo die Thematisierung von Armut von Alg 2 Betroffenen gefunden. Das wird eher gar nicht oder kaum angepackt, so daß auch hier photovoice eine Methode wäre, um Veränderungen und eine neue Sichtweise und ein neues Selbst-Bewußtsein zu erzeugen.

Photovoice ist eine Methode für soziale Dynamik

Es reicht bei dieser Methode allerdings nicht, eine Kamera zu nehmen. Fotografieren geschieht ebenso in einem rechtlichen Rahmen wie die Gruppenarbeit und die Thematisierung. Vorbereitung, Ziele, Begleitung – in der Regel handelt es sich um Projekte, die Wochen wenn nicht Monate mit Gruppenarbeit umfassen plus Konzept, begleitende Dokumentation und Auswertung mit Abschlußbroschüre.

Das kostet alles Geld und sollte auch entsprechende Erfahrungen und Gruppenarbeit voraussetzen.

Die Fotografie nimmt aktuell eine neue Rolle ein.

Sie ist das digitale visuelle Messer geworden. Das Messer begleitet die Menschen seit Jahrtausenden und hat viele Funktionen. Es kann zum Brotschneiden, dem Operieren oder dem Ermorden genutzt werden.

Ebenso viele Möglichkeiten hat die Fotografie.

Die Grafik zeigt,

  • was man mit der Fotografie machen kann,
  • welche Funktionen sie haben kann und
  • wie man sie einordnen kann.

Und Photovoice hilft, soziale Wirklichkeiten anzustossen und Veränderungsprozesse umzusetzen.
Deshalb schreibe ich darüber und sie sollten nach dem Lesen darüber sprechen.
Geben Sie dieser fotografischen Methode ihre Stimme.

Photovoice ist also eine gute Methode für Sozialarbeit und Photovoice ist zugleich eine visuelle Sprache, die Brücken bauen kann und Photovoice ist eine soziale Gebrauchsweise der Fotografie.

Übrigens landen Sie auf diesem Artikel, wenn sie www.photovoice.de eingeben.

Damit Sie wissen, mit wem Sie ein solches Projekt machen können.

Armut 2.0 in Deutschland – Fotografie zwischen Dokumentation und Kunst

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Armut hat Gesichter.

Doch wir haben mehr als zehn Jahre nach der Einführung von Hartz 4 in Deutschland eine besonders beschämende Situation.

Denn die Armut in Deutschland ist staatlich verordnet.

Selbst wer Arbeit findet, ist meistens schlecht bezahlt und nur befristet eingestellt.

Es sind diese Gesetze, die den ehrlichen Menschen die Chancen nehmen, sie zum finanziellen Abstieg zwingen und jeden Arbeitslosen, der dieses Sozialsystem vorher mitfinanziert hat, diskriminieren.

Hartz 4 – Alg 2

Hartz 4 ist die herzlose Antwort der Asozialen auf die sozialen Herausforderungen in Deutschland nach der Wiedervereinigung.

Wie geht man damit nun fotografisch um?

Man kann es ignorieren und nicht fotografieren.

Man kann es auch fotografieren wollen, aber keine Gesichter dazu finden oder man macht die Gesichter – selbst wenn man sie im öffentlichen Raum findet – dann doch unkenntlich.

Die mögliche soziale Stigmatisierung hat in den letzten Jahren dazu geführt, daß es zu diesem Thema so gut wie keine sozialdokumentarische Fotografie gibt.

Das, was bekannt ist, ist eher anonyme Armutsfotografie, die symbolhaft vorgeht.

Armut 2.0

Armut 2.0 ist Armut in hochentwickelten Ländern wie Deutschland, die den echten Sozialstaat abschaffen und durch eine Armenspeisung mit diktaturähnlichem Überwachungssystem ersetzen.

Wie kann man diese gesellschaftlichen Zustände festhalten?

Ich habe dazu eine kleine Webwanderung durchgeführt und möchte die interessanten Beispiele hier vorstellen.

Obdachlosigkeit

Unter Anleitung von Andreas Herzau hat dazu Anna Stumpf eine Fotoserie mit dem Titel „Trügerisches Idylle“ vorgestellt. Sie schreibt auf ihrer Webseite dazu: „Nach dem Armutsbericht der Bundesregierung sind 330.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. … Der Bremer Hauptbahnhof bildet das im Takt des Alltags pulsierende Herz der Stadt. Der daneben ansässige ehemalige Güterbahnhof bietet einen Rückzugsort für Obdachlose. Vermeintliche Müllberge entpuppen sich als stille Zeugen einer Gesellschaft, die neben unserer existiert.“

Genau diese Dokumentation ist besonders bemerkenswert, weil der liebe Herr Steinmeier als Architekt der Hartz-Gesetze eine Dissertation mit dem Titel „Bürger ohne Obdach: zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum; Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“ erstellt hat.

Und dann sind in Deutschland 330.000 Menschen offiziell obdachlos?

Diese Fotoserie ist damit viel mehr als nur eine fotografische Momentaufnahme. Sie dokumentiert darüber hinaus das absolute Versagen der politischen Klasse am Beispiel von Frank-Walter Steinmeier und ist damit hochpolitisch und aktuell.

Wahrnehmung von Armut

Ist Armut bei uns schon selbstverständlich?

Bei Masterphotos gibt es eine Serie mit dem Titel Beiläufige Wahrnehmung.

Darin befinden sich auch einige Fotos, die zeigen, wie selbstverständlich heute Armut im öffentlichen Raum vorhanden ist und gar nicht mehr darauf reagiert wird. Sie ist nicht mal mehr einen bewussten Blick wert, könnte man sagen. Und genau dies wird dort fotografisch festgehalten.

Verarmte Wohnviertel

Schon etwas älter ist die Serie von Jonas Bendiksen zum Thema „Slums des 21. Jahrhunderts.“ Diese Serie setzt Deutschland in ein Verhältnis zu anderen Ländern, weil sie international angelegt ist und keine Fotos von Deutschland zeigt.

Hier setzt Steffen Diemer an.  Er hat dies am Beispiel der Bayreuther Strasse in Ludwigshafen umgesetzt. Wir sehen dort wie Menschen leben, die etwas besseres verdient haben als Hartz 4, nämlich echte Chancen.

Verfestigung von Armut

Berichte über die Verfestigung von Armut oder auch strukturelle Armut habe ich nur mit Symbolfotos gefunden.

So gäbe es noch eine Menge zu fotografieren, wenn man nur diese deutschen Verhältnisse in ihrer Wirklichkeit festhalten will.

Aber will man das?

Demos gegen Armut und Hartz 4

Natürlich gibt es viele anständige Menschen, die das dokumentieren wollen und die etwas ändern wollen. Einige davon dokumentieren die vielen Demonstrationen und Kundgebungen auch zu diesem Thema:

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Und so gibt es Projekte und fotografische Aktivitäten von, mit und über Armut und Hartz 4 in Deutschland.

Und noch mehr zu diesem Thema gibt es hier.

 

 

Das Bergische Land zwischen Arbeit und Leben und Tourismus

Tourismusregion Bergisches Land, das Foto zeigt alles, was das Bergische Land ausmacht: Metallverarbeitung, Wasser und Bäume – Foto: Michael Mahlke

Manchmal ergeben sich die Dinge von selbst im Ablauf der Zeit. Wer sich ein Bild vom Bergischen Land machen will, der hat nun die Möglichkeit, dies alles online und mit Fotos zu tun.

  • Wenn Sie die Tourismusregion Bergisches Land im Bereich Remscheid, Solingen, Wuppertal sehen wollen, dann klicken Sie hier. **
  • Wenn Sie Blicke auf das soziale Leben in der Industrie und den Arbeitsplatz- und Sozialabbau im Bergischen Land im Bereich Remscheid, Solingen, Wuppertal werfen wollen, dann klicken Sie hier.

Beides gehört zur Geschichte und Gegenwart des Bergischen Landes.

So ermöglichen zwei Klicks zwei völlig verschiedene Blicke auf eine Region.

In beiden Fällen handelt es sich um Dokumentarfotografie. Aber die Art der Fotos und die Darstellung sind verschieden. Die einen Fotos wollen einladen zum Besuchen und Entdecken und die anderen Fotos wollen Festhalten, Erinnern und Zeigen.

Und es gibt aus fotografischer Sicht noch einen entscheidenden Unterschied:

  • Es ist leicht Menschen und Motive zu finden, um damit Fotos für touristische Zwecke zu gestalten. Denn es handelt sich durchweg um unproblematische, eher gestellte und „schöne“ Motive.
  • Es ist sehr viel schwerer Menschen und Motive zu finden, die zeigen, wie Demokratie im Betrieb funktioniert, wie man sich gegen Sozialabbau wehrt oder mit welch einfachen Mitteln Engagement – auch unternehmerisch – funktioniert. Denn dies sind in der Regel einzigartige und echte Momente mit historischem Wert.

Dazu braucht es Charakterköpfe und Profil. Das sind in meinen Augen dann die Menschen, die das echte Profil einer Region ausmachen und die ihr den Charakter geben.

Und zum Profil gehören entscheidend auch Fotos über das, was hier geschehen ist mit strukturprägendem Charakter.

So sind beide Blicke wichtig und beide Blicke stimmen.

 

**  Der Link geht manchmal nicht, da gibt es noch ein Problem bei den www.die-bergischen-drei.de. Aber so stellt sich die Bergische Entwicklungsagentur das vor.

 

A bis Z – Armut und Zensur dokumentieren

Ein Thema von Dokumentarfotografie ist das Leben der Reichen, ein anderes Thema ist das Leben der Armen.

Aktuell gibt es eine mediale Kampagne, die erstklassig informiert über die Ursachen unserer Armut. Es ist die gesellschaftliche Ungerechtigkeit, die dabei die Hauptrolle spielt. Wenn Sie dies interessiert, dann sollten Sie die Seite whypoverty (warum Armut) besuchen oder den deutschen Bereich auf artetv.

Und es gibt seit heute eine neue Webseite gegen Zensur im Internet und gegen zensierte Inhalte. Diese Webseite wurde von Reporter ohne Grenzen ins Leben gerufen und heisst auf Deutsch „Wir kämpfen gegen Zensur“.

Leider ist dies alles nur auf Englisch. Man kann es mit google auch nicht übersetzen, so dass die Initiatoren daran noch arbeiten müssen. Da das Projekt von der Europäischen Union gefördert wird, sollte es möglich sein, auch die Mitgliedssprachen der EU dort zu finden.

Insgesamt ist dies eine sehr wichtige Seite gegen Zensur. Bitte berichten Sie darüber, twittern Sie es und verbreiten Sie es in social networks.

Übrigens zeigen sich hier auch interessante Perspektiven und Grenzen von Dokumentarfotografie. Über nicht Sichtbares kann man nicht berichten und manchmal ist ein Video oder ein Text besser als ein Foto. Jedes Medium hat seine Ausdrucksart. Hier sind es Videos und Texte, bei der Recht auf Information Kampagne sind es Fotos.