Praxis

In Zwickau mit dem Kestrel 28 – eine Fototour

Zwickau 1 - Foto: Michael Mahlke

Ein Praxisbericht

Trabi, Gerd Fröbe und Robert Schumann. Das sind einige der positiven Begriffe aus der Vergangenheit, die man mit Zwickau in Verbindung bringt.  Ich plante seit einiger Zeit eine Reise dorthin.

Zudem suche ich seit Jahren einen richtigen Wander- und Fotorucksack für Städtetouren. Das Problem dabei war immer, dass irgendein unguter Kompromiss eingegangen werden musste. Entweder war der Tragekomfort nicht ok oder die Einteilung oder er war nicht wasserdicht oder er war ein interessantes Objekt für Diebstahl in der U-Bahn oder im Bus, da er leicht zu öffnen war.

Dann erhielt ich die Mitteilung, dass die Firma Osprey einen neuen leichten Rucksack – kein spezieller Fotorucksack – herausgebracht hat, der für Tagestouren gedacht ist, den Kestrel 28. Ich bat darum, diesen Rucksack testen zu können und war sehr erfreut, als man mir diesen zur Verfügung stellte. Ich muss sagen, dass der Rucksack mich positiv überraschte.

Zwickau 2 - Foto: Ulla Wolf

Was mir als erstes auffiel war die Kantenlosigkeit. Wenn man in einem Auto fährt, hat man immer das Problem, dass die Schnüre und Schnallen auf den Sitzen keine Kratzer hinterlassen sollen. Dies ist bei dem Kestrel 28 so gelöst, dass irgendwie alles abgeflacht und runder ist, so dass dies im Auto kein Problem war.

Zwickau 3 - Foto: Michael Mahlke

 

Da ich einen Rucksack suchte, der eine Fototasche aufnehmen kann, steckte ich meine Lieblingstasche dort hinein. So war ich sicher, dass die Fotoausrüstung geschützt ist, gut transportiert werden kann und zugleich immer ein Zugriff auf die Kameras möglich ist.

Zwickau 4 - Foto: Michael Mahlke

Wie man sieht, hatte ich oben meine Sonnebrille und das Handy im Netz und draussen eine Wasserflasche.

Lesen geht auch mit Kind - Foto: Michael Mahlke

So ging die Städtetour in Zwickau los und ich schlenderte und wanderte einige Stunden durch die Stadt und am anderen Tag durch das Umfeld.

Zwickau 5 - Foto: Michael Mahlke

Mich begrüsste eine sehr einladende Stadt mit deutscher Architektur, die aktuell zum Lesen auf der Freifläche einlud. Schick renovierte Häuser lachten der Sonne entgegen.

Zwickau 6 - Foto: Michael Mahlke

Ein grosses Denkmal erinnert an Robert Schumann und lädt mit seinen Bänken zum Verweilen ein.

Zwickau 7 - Foto: Michael Mahlke

Die Innenstadt ist sehr schön gepflastert und bleibt den Fußgängern vorbehalten.

Zwickau 8 - Foto: Michael Mahlke

Jede Stadt hat ihre Geschichte. Das ist in Zwickau nicht anders. In der DDR war sie bekannt als „Ruß-Zwicke“ und u.a. für den Trabi und den Horch.  Heute liegt in der Nähe ein VW-Werk und die Stadt ist in wunderbarer Weise wiederauferstanden mit frischer Luft und frischen Farben.

Zwickau 9 - Foto: M. Mahlke

Da macht dann auch die Pause richtig Spass und die Bänke, die überall zu finden sind, erlauben ein paar ruhige Augenblicke. Doch dann machte ich mich auf den Weg, um einen alten Bekannten wieder zu sehen. Denn in Zwickau gibt es noch etwas, das nicht mehr überall zu finden ist: ein richtig gutes Fotogeschäft.

Zwickau 11 - Foto: Michael Mahlke

Er war da und ich ließ es mir nicht nehmen, ihn zu fotografieren. Foto Gärtner in Zwickau ist ein Laden, der zum Bummeln, Einkaufen und zum Fachgespräch einlädt. Ich konnte nie daran vorbei gehen.

Zwickau 12 - Foto: Michael Mahlke

Doch irgendwann zog ich weiter und bummelte an anderen Stellen in dieser Stadt mit ca. 90.000 Einwohnern.

Zwickau 13 - Foto: Michael Mahlke

Die Stadt ist großzügig gebaut und mit viel Grünflächen versehen. Es gibt eigentlich nie das Gefühl der Enge. Und bei Sonne gibt es eben auch viel Schatten, der sehr schnell erreicht werden kann und zur Erholung einlädt.

Zwickau 14 - Foto: Michael Mahlke

Und natürlich begegnete mir auch das Ampelmännchen und begleitet mich still und farbenfroh bei meinem Gang durch die Stadt.

Zwickau 15 - Foto: Michael Mahlke

Doch leider habe ich nicht alles gefunden, was ich gesucht habe. Ich suchte nämlich eine Art Gert Fröbe Museum, weil ich mit dem Schauspieler und seinen Filmen aufgewachsen bin und er eine starke Ausstrahlung hatte.

Da klärte man mich auf. Gert Fröbe sei nicht in Zwickau sondern in Oberplanitz geboren. Heute gehört Oberplanitz zu Zwickau wie Lennep zu Remscheid. Aber das Denken in überschaubaren Einheiten hat sich offenkundig überall erhalten.

Am nächsten Tag ging es dann zu Fuß und per Bus nach Oberplanitz. Das ist ein Ortsteil auf einer Anhöhe. Dort fand ich leider kein Gert Fröbe Museum, dafür aber einen sehr schönen Wasserturm und ein angenehmes Wohnumfeld und Wandermöglichkeiten mit herrlichem Ausblick bis ins Erzgebirge.

Wasserturm in Oberplanitz (Bild mit Geodaten) - Foto: Michael Mahlke

Der Wasserturm ist umgeben von Bänken und Spielgeräten und vollständig in die Wohnbebauung integriert.

Zwickau 17 - Foto: Ulla Wolf

Im Umfeld des Wasserturms gibt es herrliche Aussichtspunkte und für den, der nicht so viel laufen will, einen Bushaltestelle.

Wohnbebauung in Oberplanitz - Foto: Michael Mahlke

 

Ich war in dieser Zeit knapp zwei Tage mit dem Rucksack Kestrel 28 unterwegs und konnte dabei folgendes feststellen:

  • Der Kestrel 28 ist sehr angenehm zu tragen. Ich hatte nicht ein Mal Rückenschmerzen oder ein unangenehmes Gefühl auf dem Rücken
  • Die Lastenverteilung war sehr angenehm
  • Die verschiedenen Klickverschlüsse und die Ziehbänder machen es potentiellen Dieben sehr schwer (das möchte ich noch einmal im Großstadtgetümmel testen)
  • Er ist für eine Städtetour mit und ohne Fahrzeug gut geeignet (insbesondere für meine Zwecke)
  • Was mir nicht so gefallen hat war die fehlende Standfestigkeit auf dem Boden. Man konnte ihn nicht hinstellen. Aber das war mit meinen bisherigen speziellen Fotorucksäcken auch nicht möglich.

Übrigens können Sie einen solchen Rucksack (bis 11. Juni 2012 lt. Webseite) gewinnen. Machen Sie doch mit und klicken Sie hier!

So hat sich der Besuch in Zwickau mehrfach gelohnt. Es war eine schöne Zeit, es gab gute Eindrücke und ich konnte Erfahrungen sammeln, die nützlich sind.

 

Der Pinsel des Malers oder die Festbrennweite in der Fotografie

Früher hieß der Fotograf Lichtbildner. Darin war die Gestaltung mit Licht enthalten. Die Malerei mit dem Licht, das Malen mit Licht, ist das Wesentliche in der Fotografie gewesen. Dadurch entstehen schöne Fotos. Dabei spielt die jeweilige Optik eine entscheidende Rolle. Die Pinselwahl des Malers entspricht der Optikwahl des Fotografen.

Die Wahl des jeweiligen Bildausschnittes, das Motiv und die jeweilige Schärfentiefe und Tiefenschärfe im Foto ist dann Ausdruck der individuellen Person. Natürlich kann man heute einiges auch digital machen. Aber vieles eben auch nicht. Dazu gehört vor allem das Festhalten des Moments mit einer Festbrennweite, die durch die Lichtführung und die Schärfeführung die Dinge so darstellt wie der Fotograf es bei der Aufnahme auch wollte.

Wie man mit Festbrennweiten „malen“ kann, möchte ich an verschiedenen Bildern zeigen.

Zigarettenrauch – Foto: Michael Mahlke

 

Dieses Bild hat als Thema Rauchen und Stimmung. Wie man sieht ist es in einer Gaststätte aufgenommen. Scharf und richtig freigestellt ist allein der Zigarettenrauch. Alles andere davor, daneben und dahinter ist nicht wirklich scharf aber dennoch so „gemalt“, dass dadurch für das Auge gut sichtbar die Situation mit Licht gemalt worden ist. Aufgenommen mit einer Lumix G2 und 20mm/1,7.

Malen mit Licht und ohne Blitz – Portrait – Foto: Michael Mahlke

 

Dieses Bild ist ein Porträt mit Blumen. Im Hintergrund sehen wir Blumen, die mit ihrer Farbenpracht gemäldeartig eine schöne und natürliche Stimmung erzeugen und im Vordergrund wird die junge Dame mit ihrer ungeschminkten Schönheit und der Natürlichkeit ihres Lachens und ihres Blickes  hervorgehoben. Das könnte ein Maler nicht besser, nur anders. Solche Bilder entstehen aber im Kopf. Man braucht dazu dann Licht, Lichtstärke und das, worum es geht. Aufgenommen mit einer Nikon D5000 und einem 50mm/1,4.

Man muß bei diesem Thema viel ausprobieren, so wie ein Maler viel ausprobiert. Es reicht nicht das Motiv.

Die 5 wichtigsten Steuerelemente sind:

  • Abstand zum Motiv
  • Sensorgrösse
  • Brennweite
  • Lichtstärke
  • Bokeh

Was man bei Festbrennweiten besser nicht tun sollte:

  • Nicht mit Blitz fotografieren
  • Nicht ohne Streulichtblende fotografieren
  • Nicht ungefähr scharfstellen sondern genau

 

Auch wenn wir heute meistens mit einem Zoomobjektiv arbeiten ist die Festbrennweite nicht überflüssig geworden. Vielleicht wird sie zukünftig sogar wieder wichtiger. Neben der „Malerei“ gibt es auch ganz handfeste andere Gründe. Wenn ich zum Beispiel in einer Gruppe eine Person fotografieren will und dies soll in ein Onlinealbum, dann muss ich ja die Persönlichkeitsrechte aller Personen auf dem Foto berücksichtigen. So kann die Tiefenschärfe die Lösung für juristische Fragen werden…

 

mit der Pentax K-r und dem SMC 1:1.2 50mm – Foto: Michael Mahlke

Wie man auf diesem Foto sieht, ist Lichtmalerei tatsächlich möglich. Hier wurde ein älteres manuelles Objektiv, ca. 30 Jahre alt, an eine neuere Kamera gesetzt. Das ermöglicht eigentlich nur das Pentax Bajonett ohne Adapter. Das manuelle Objektiv wurde mit Blende 1.2 und einem Abstand von ca. 50cm eingesetzt. Es zeigt einen kleinen Schärfebereich, wie er für eine so hohe Lichtstärke bei diesem Abstand üblich ist und dann verschmilzt der Rest zu einer wunderbaren Lichtmalerei. So ein schönes Bokeh ist eigentlich nur mit alten Objektiven möglich. In diesem Fall aufgenommen mit einer Pentax K-R und dem SMC 1:1,2 50mm.

Steffen Böttcher hat in seinem nett gemachten Buch „Abenteuer Fotografie“ dies aufgegriffen. Hier ein Zitat aus der Leseprobe bei digitalkamera.de:

Wie man lesen kann, sind gerade ältere Objektive im Bokeh oft besser. Ich wollte darauf an dieser Stelle noch einmal hinweisen, weil gerade viele neue Objektive und Festbrennweiten auf den Markt kommen, zu teilweise für mich nicht mehr nachvollziehbaren Preisen.

Parallel dazu gibt es Kameras, auch DSLRs, die gerade nahezu verschleudert werden für unter 400 Euro im Kit, obwohl sie erstklassige Fotografie erlauben und dazu noch die Möglichkeit bieten, günstig ältere manuelle Objektive zu nutzen.

Es ist an der Zeit den Wert und die teilweise heute nicht mehr erreichbare identische Qualität von älteren Objektiven zu erkennen und die Chance, damit seinen persönlichen fotografischen „Pinsel“ zu finden, um mit Licht zu malen. Denn Festbrennweiten sind die Pinsel der Fotografin und des Fotografen.

Viel Erfolg!

Dieser Artikel wurde überarbeitet und neu publiziert in der Version 1.1.

 

 

Kostenloses Ebook zur Streetphotography mit Kompaktkameras

Foto: Michael Mahlke

Gute Fotos

Strassenfotografie verbreitet sich immer mehr, je mehr Kameras es gibt. Und die meisten fotografieren mit Kompaktkameras oder Handys. Diese sind technisch begrenzt aber fast überall dabei. Daher sind folgende Fragen wichtig:

  • Wie kann ich mit einer kleinen Kompaktkamera gute Strassenfotos machen?
  • Wie fotografiere ich, um die Situation treffend einzufangen und trotzdem die Persönlichkeitsrechte zu achten?
  • Wie gestalte ich die vorhandenen Farben, d.h. welchen Bildausschnitt mit welchen vorhandenen Farben wähle ich?

Streetphotography findet im 21. Jhrdt. meistens mit Farbfotos statt. Bei Farbfotos muß man aber die Farbe auch einsetzen als Mittel zur Gestaltung.

Und deshalb finden Sie in dem kostenlosen Ebook-PDF  Beispiele für gute Strassenfotografie mit Kompaktkameras im 21. Jahrhundert.

Und Sie finden in dem Ebook zugleich diese Fotos als Beispiele, die zeigen, wie man Farbe „gezielt“ einsetzt, um die Bildaussage herbeizuführen oder zu unterstreichen.

Bitte denken Sie daran, dass es sich in allen Fällen um ungestellte und nicht geplante Beispiele aus dem echten Leben handelt.

Qualität ist teilweise messbar

„Gute“ Streetphotography mit Kompaktkameras entspricht nicht komplett den 5 Sterne-Qualitätskriterien, die ich für klassische Strassenfotografie entwickelt habe. Dort ging ich von größeren Sensoren und Schwarzweißfotografie aus.

Man kann bei Kompaktkameras und Minisensoren nicht richtig mit Bokeh arbeiten und man muss die Farbe als eigenes Gestaltungsmittel sehen. Insofern ist hier noch Raum für Entwicklung.

Das Kriterium farbige Gestaltung hängt u.a. davon ab, ob ich die Situation in ihrer Zufälligkeit mit den vorhandenen Farben entsprechend aufgenommen habe, wenn sie sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen, wie das Foto „Partnerlook“ mit dem Mann und dem Hund zeigt. Das ist die „Gestaltung“, die in diesem Fall möglich ist.

Es kommt darauf an, ob der Schwerpunkt der Aussage bei einem Foto auf den Farben liegt oder ob der Schwerpunkt z.B. auf dem Blick liegt, wie ich dies bei dem Foto „Blick – view“ mit den unterschiedlich angezogenen Menschen gezeigt habe. Das Foto wäre in Schwarzweiss noch besser, weil der Blick noch mehr betont würde. Aber es zeigt sehr gut die Grenze auf zwischen Farbe und Struktur und dient daher als Beispiel.

Das Ebook können Sie kostenlos hier runterladen.

Noch ein persönlicher Hinweis zum Adjektiv „gut“. Ich halte mich mit Wertungen eigentlich zurück. Und gerade bei der Fotografie ist es ja schwierig. Für mich gibt es Kriterien, die man festlegen kann und dann kann man sich daran messen. Sind sie erfüllt, dann ist es „gut“. Aber heute gibt es ja ununterbrochen fast nur noch die „Besten“, die „Größten“, die „Aktuellsten“ ichweissnichtwas und wenn man sich das anschaut, dann denke ich mir oft, na ja. Ich halte es da mit Diogenes, der immer zu fragen pflegte „im Vergleich wozu?“. Also nehmen sie die Wertung nicht so ernst, sondern blicken sie darauf und nutzen sie dies alles zur Bildung einer eigenen Meinung. Dann wäre es „gut“.

Neues Ebook mit vielen praktischen Beispielen

Man kann Streetphotography auch künstlerischer gestalten.

Wie das geht zeige ich in einem anderen kostenlosen Ebook (pdf) mit dem Titel Colours of Cologne – Streetfotografie als visuelle Poesie.

Der Fall der Fuji X10 – oder von der Leica CL zur Fuji X10

Foto: Michael Mahlke

Die Leica CL war meine Lieblingskamera von Leica. Sie hatte für mich die richtige Größe und Griffigkeit und ich habe viele Jahre gehofft, dass es einen digitalen Nachfolger gibt. Mir gefällt die Leica CL immer noch. Aber Leben heisst nun mal Veränderung. Mittlerweile habe ich meine Leica CL in die guten Hände eines Analogfotografen abgegeben und hoffe, dass er ebenso viel Freude damit hat wie ich sie hatte.

Ich habe mit der Fuji X10 nun meinen persönlichen Nachfolger für die Leica CL gefunden nachdem die Probleme am Sensor (WDS) in den neu produzierten Kameras behoben worden sind. Da ich der Fuji X10 zunächst eher kritisch gegenüberstand, habe ich sie aus meiner Sicht auf Herz und Nieren in der Praxis geprüft und möchte nun meine praktischen Erfahrungen hier niederschreiben.

Bildqualität – Kleinbild gegen 2/3 Sensor der Fuji X10

Die Leica CL war eine Kleinbildkamera, so wie alle Filmkameras Kleinbildkameras (= Vollformat digital) waren. Und sie war robust und hatte einen optischen Sucher.  Die Fuji X10 hat einen 2/3 Sensor.

Aber ehrlich gesagt entspricht für mich die digitale Bildqualität  der Qualität der früheren Kleinbildfilme. Und durch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung sind für mich mit dieser Kamera problemlos Ausdrucke bis A4 oder A3 möglich. Abgesehen davon bin ich persönlich nicht mehr ein bedingungsloser Verfechter des Vollformates/Kleinbildformat. Mir gefallen Fotos mit APS-C Größe oder MFT ebenso gut und nun ist der 2/3 Sensor gut genug, um das zu leisten, was er soll: beherrschbar gute Fotos zu machen auch bei schlechterem Licht.

Und bei einer kompakteren Kamera ist der 2/3 Sensor eigentlich die Antwort auf die meisten Probleme der 1/2,3 Sensoren. Was die 1/1,7 Sensoren nur teilweise lösten (wie z.B. Probleme der Detailtreue bei höheren ISO), hat zumindest Fuji mit dem EXR-Sensor in meinen Augen gut gelöst, nachdem das Problem der weissen Scheiben durch neue Sensoren gelöst worden ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an den Artikel „Wieviel Pixel braucht der Mensch?“.

Davon abgesehen stört mich persönlich etwas Rauschen nicht. Mich stört viel mehr der Verlust von Details in eher konstrastarmen Bereichen oder Unschärfe in scharf fokussierten Bereichen.

Messsucher gegen optischen Sucher

Der Messsucher der Leica CL  ermöglicht das Scharfstellen innerhalb des Suchers. Das ging mehr oder weniger genau aber es ging meistens ganz gut. Bei der Fuji X10 war ich skeptisch, weil in dem Sucher keine Anzeige ist und die Scharfstellung durch eine kleine LED rechts daneben erfolgt. Ich fokussiere einfach mittig und muss sagen, wenn die kleine LED grün wird, dann werden die Fotos auch scharf. (Aber: die Fuji X10 ist keine X100 mit dem großartigen Sucher. Nur ist die X100 einfach wesentlich größer und nicht so flexibel wie die X10.)

Geschwindigkeit

Mit der Leica CL war Fotografieren so wie man es analog kennt. Am Objektiv vorne fokussieren bis es im Messucher scharf ist (mit dem Schnittbildentferungsmesser), dann fotografieren und danach den Film weiterziehen. Bei der Fuji X10 ist es anders. Ich habe das Gefühl einen enorm schnellen und treffsicheren Autofokus zu haben, also einfach gucken, drücken und schon wieder gucken und drücken. Das Speichern in RAW und JPG geht sehr schnell und im Serienbildmodus natürlich noch schneller.

Foto: Michael Mahlke

 

Handling und Griffigkeit

Wie bei der Leica CL kann man auch bei der Fuji X10 so ziemlich alles von Hand einstellen an den aussen sichtbaren Rädchen. Das geschieht sehr schnell. Bei der Fuji X10 führt das Drehen des Objektives dazu, dass die Kamera eingeschaltet wird und die Kamera bereit ist. Die Fuji X10 ist etwas kleiner als die Leica CL.

Sie liegt gut in meinen Händen. Zudem kann man sie mit beiden Händen auch anfassen – so fotografiere ich am liebsten – und das Gehäuse ist nicht so dick. Bei so gut wie allen anderen digitalen Kameras in dieser Größe war es immer so, dass das Objektiv so weit auf der linken Seite war, dass meine linke Hand als zweite Hand nicht richtig zupacken konnte. Das hat Fuji geändert, so dass auch hier dasselbe Handling möglich ist wie bei meiner Leica CL.

Foto: Michael Mahlke

 

Weitere Vorteile der Fuji

Die Fuji X10 löst bei mir nicht nur die Leica CL aus den bisher genannten Gründen ab sondern hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. Und das hängt einfach mit der digitalen Welt zusammen. Die Fuji X10 hat den Monitor und man kann entweder den Monitor zum Fotografieren nutzen oder man kann direkt nach dem Fotografieren die Bilder anschauen.

Sie hat die eingebauten Filmsimulationen und sie hat den EXR-Sensor. Da reichen dann auch 5 bis 6 Megapixel im EXR-Modus, um in speziellen schlechten Lichtsituationen noch Bilder zu machen, die so mit einem analogen Film kaum möglich gewesen wären.

Darüber hinaus gibt es für mich persönlich noch andere Gründe, um die Fuji X10 als vollwertigen Ersatz für die Leica CL zu sehen.

Der wichtigste Grund ist: es macht mir endlich wieder so viel Spaß zu fotografieren wie ich mit der Leica CL hatte.

Für mich hat das Fotografieren auch viel mit dem Gefühl der Richtungsgebung zu tun, welches ich durch das doppelseitige Anpacken und den Sucher habe. Hinzu kommt, dass ich als Brillenträger mich bisher bei digitalen Kameras ausser bei DSLRs weitgehend vernachlässigt fühlte, weil der Monitor mir bei kritischen Situationen nie das Gefühl gab, sicher zielen und treffen zu können.

Und es hat etwas mit dem – aus meiner Sicht – sehr treffsicheren Autofokus zu tun. Ich habe bisher kaum unscharfe oder falsch fokussierte Fotos mit der Fuji X10 gehabt.

Ich glaube, dass die Fuji X10 eine gute Antwort auf die Anforderungen der klassischen Strassenfotografie des 21. Jahrhunderts ist. Sie ist darüber hinaus auch eine Antwort auf die Frage nach einer kleinen und guten Reportagekamera. Als Familienkamera würde ich sie nicht unbedingt nutzen.

Und sie vermittelt in einer aus den Fugen geratenen Welt den Eindruck, dass nicht alles, was früher gut war, heute automatisch schlecht ist, sondern dass das wirklich Gute eben nicht nur neu sondern auch gut ist und dabei das Bewährte sinnvoll um das Neue erweitert wird.

Konrad Lorenz schildert – wenn ich mich richtig erinnere –  in seinem Buch „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ wie schwer es ihm fiel, etwas Altes abzugeben, weil es ein Stück von ihm selbst wurde und wie lange es gedauert hat, bis etwas Neues den Platz einnehmen konnte.

So war auch bei mir die Suche nach einer neuen Kamera lange Zeit nicht zufriedenstellend. Abgesehen davon spielt – zumindest bei mir – auch Geld eine Rolle, denn eine teure Kamera, die so teuer  und evtl. persönlich wertvoll ist, dass sie gehütet wird wie ein Schatz, wäre für mich emotional und finanziell inakzeptabel.

Eine Kamera ist ja kein Liebesersatz sondern ein fotografisches Instrument. Und auch da zeigt Fuji mit der X10, dass eine gute Kamera für den fotografischen Alltag (wie ich ihn verstehe) zu einem akzeptablen Preis auf den Markt kommen kann.

In diesem Sinne „Tschüss Leica“ und „Hallo Fuji“!

Nachtrag am 22.07.2012:

Ich habe die erste Kamera, die auf den Fotos zu sehen ist, zurückgegeben und mir einige Monate später eine neue Fuji X10 mit einem fehlerbereinigten Sensor gekauft. Das Ergebnis ist nun überzeugend für mich. Sie finden es hier. Aber die Kommunikation der Firma Fuji mit ihren Kunden beim Problem der WDS, die ich erlebt habe, hat mich sehr enttäuscht.

Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass es nur der weltweiten Nutzung von Social Media über Monate zu verdanken ist, dass dieses Problem überhaupt gelöst wurde.

Ich traue jetzt der Kamera, weil sie einigermassen ausgereift erscheint. Aber insgesamt bin ich nach den Erfahrungen mit Fuji sehr zurückhaltend geworden und werde mir zukünftig erst Kameras kaufen, wenn sie mindestens ein Jahr auf dem Markt sind.

Text Version 1.4

Was ist “Besseres Fotografieren” heute?

Besseres Fotografieren

Wir leben in einer Zeit der absoluten Bilderwelten. Die Bilder sind still oder bewegen sich, aber sie sind allgegenwärtig. Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Streifzug durch die aktuelle digitale Landschaft zu unternehmen. Ziel sind Antworten auf die Frage, was denn besseres Fotografieren im Zeitalter nach dem „Ende der Dunkelkammer als zentraler Ort für die Herstellung von Bildern“ (Robert Hirsch) bedeutet?

Dazu habe ich aktuelle Bücher untersucht, die aus meiner Sicht den Zeitgeist widerspiegeln. Das muß man übrigens immer wieder tun, um sich klar zu machen, wie veränderlich auch diese Gedankenwelt ist.

Beginnen möchte ich mit einer Frau und deren Buch. Die Frau heisst Jacqueline Esen und das Buch heisst „Digitale Fotopraxis. Rezepte für bessere Fotos“. Das Buch lohnt sich. Es bietet eine Fülle an Anregungen, die bezeichnenderweise auf ganz traditionelles Fotografieren ausgerichtet sind. Die Autorin stellt sich dann ab der Seite 312 in ihrem Buch die Frage „Was ist ein gutes Bild?“

Ihre Antwort fällt so aus: „Eine absolute Aussage darüber, ob ein Foto gut oder schlecht ist, kann man nicht treffen. Es ist immer nötig, den Kontext zu sehen, in dem das Bild erscheint. Wenn jemand ein Bild als Wandschmuck für die Küche sucht und sich für das Foto einer grünen Tomate entscheidet, dann ist das Bild nicht besser als ein Porträt von Marilyn Monroe, sondern einfach nur besser für den Zweck geeignet“ – wobei sie meiner Meinung nach aber die Anwendung der vorher dargestellten Techniken und Verhaltensweisen voraussetzt.

Damit ist eine erste Annäherung an das bessere Fotografieren durch den Zweck definiert. Es geht also um das richtige Foto für den richtigen Zweck.

Wenn wir uns auf diese Argumentation einlassen, dann geht es nun zu den unterschiedlichen Zwecken und Zielen der Fotografie.

Damit will ich zum ersten Zweck kommen, einem gelungenen Portrait. Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck haben ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Fotoschule in Bildern: Porträtfotografie“. Es ist ein wunderbares Buch über das Motiv „Mensch“.

Porträts

Und so beginnt das Buch auch mit dem klassischen Porträt und dort gibt es einen Absatz mit der Überschrift „Linien, Linien, Linien“.

Bei der Erklärung einiger dort gezeigter Bilder finde ich dann als Erläuterung: „Beim kleineren Bild setzt die Linie im Hintergrund die Aufwärtsdiagonale des Körpers fort und schafft so ein ausgewogenes, harmonisches Bild.“ Und dann wird man in diesem Buch entführt in die Welt der Porträts. Welches Porträt für welchen Zweck? Darf es ein Charakterporträt sein oder ein Beauty-porträt? Sollen Paare, Kinder oder Serien augenommen werden? Sollen Emotionen, Action, Erotik oder „Ältere Menschen“ aufgenommen werden?

Alles dies wird dargestellt und zeigt, dass es schon bei der Porträtfotografie sehr viele Zwecke bzw. Ziele gibt. Ich persönlich finde hier das bessere Fotografieren im Kapitel über „Klassische Porträts.“ Dort gibt es neben dem Abschnitt über „Linien, Linien, Linien“ weiter hinten im Buch das Kapitel „Porträts gestalten“.

Darin findet sich der meiner Meinung nach entscheidende Schlüsselsatz. Er lautet: „Achten Sie bewusst auf störende Bildelemente und komponieren Sie ihr Foto.“

Genau das ist es. Die Komposition, die Geometrie ist die Grundlage guter Porträtfotografie. Damit ist dieses Buch, wenn man es richtig benutzt, eine wunderbare Anleitung für das schöne Fotografieren von Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens auf klassischer Grundlage.

Nun möchte ich meinen Streifzug fortsetzen. Dazu wende ich mich einem anderen Bereich zu und einem anderen Fotografen. Es ist George Barr. Er beginnt sein Buch „Der Blick über die Schulter“ mit folgenden Sätzen: „Ich habe dieses Buch aus verschiedenen Gründen geschrieben. Zuallererst wollte ich ein Buch mit realen Bildbeispielen aus der Sicht eines Fine-Art-Fotografen und nicht aus der Sicht eines kommerziellen Fotografen erstellen.“ Damit begeben wir uns gedanklich in ein neues Feld.

Gedanken

In mehr als zwanzig Kapiteln gelingt es Barr zu zeigen, wie man das beste aus einem Bild herausholt. Dazu zeigt er viele Photoshop, Akvis Enhancer, Helicon Focus Pro und andere Techniken auf, um aus einer Aufnahme ein Kunstwerk zu machen. Dazu gehört das Betonen von Strukturen, die Perspektive und vieles mehr. Bei den Gedanken zu seinem Bild vom Stoney Park schreibt er: „An einem Bild wie diesem kann man erkennen, dass gute Fotografie häufig darin bestehen kann, das Bild zu finden, aber ebenso häufig darin, das Bild zu machen.“

Blickführung

George Barr druckt seine Bilder selber aus und verkauft sie. Daher ist sein Ziel, ein Bild zu erstellen, welches im Ausdruck genau dem entspricht, was er sich bei der Bearbeitung vorgestellt hat. Insofern ist eine Annäherung an die Frage des besseren Fotografierens sicherlich die Übereinstimmung der vorgestellten mit der tatsächlichen Bearbeitung. Doch ich will hier mit diesem Buch von George Barr nicht enden. Jahre zuvor hat er ein Buch mit dem Titel „Besser fotografieren. Die hohe Schulde der kreativen Fotografie“ veröffentlicht. Dort entwickelt er unter den Themen Sehen, Motivsuche und Komponieren seine Sicht der Dinge. In diesem Buch schreibt er einen aus meiner Sicht entscheidenden Satz auf Seite 165. Er lautet: „Auch wenn wir nicht alle dieselben Phasen durchmachen, so bin ich doch der Meinung, dass es wichtig ist, das Niveau der handwerklichen Fähigkeiten, der Kreativität und des künstlerischen Ausdrucks zu erkennen, auf dem Sie sich gerade befinden.“ Und er stellt präzise Kriterien vor.

Diese sind im Bereich der handwerklichen Fähigkeiten u.a. gute Bildkorrekturen, Detailreichtum, Tiefe und perfekter Tonwertreichtum. Im Bereich der ästhetischen bzw. kreativen Fähigkeit ist es eine durchdachte Komposition, richtiges Arrangement der Bildelemente und ob sie eine emotionale Reaktion erzeugen.

Der künstlerische Ausdruck ergibt sich dann letztlich aus dem, was sich durch die eigene Persönlichkeit darin umsetzen und dann ausdrücken läßt. Das kann man dann nur schwer in Worte fassen. Ich nenne als Beispiele den Fotografen Alexander Rodtschenko und den Maler und Künstler Dali. Da weiß jeder sofort, das ist von ihm, wenn man ein entsprechendes Bild sieht.

Nach diesem Ausflug in die Fineartfotografie streife ich noch etwas umher und entdecke dabei die „Sprache des Sehens“. So betitelt Robert Hirsch in seinem Buch „Mit der Kamera sehen“ ein Kapitel, welches er dann so beginnt: „Es war Sokrates, der im antiken Griechenland von der ewig gültigen Schönheit geometrischer Formen sprach. Im Laufe der Zeitgeschichte hat sich aus diesen Formen eine Art visuelle Grammatik entwickelt, die das bildnerische Gestalten erheblich beeinflusst hat. Die Bausteine dieser Sprache des Sehens sind Licht, Farbe, Kontrast, Linien, Formen, Muster, Oberfläche, Ähnlichkeit und Bewegung. Aus diesen formalen visuellen Elementen können Bilder entstehen, die der Welt unsere eigene Vorstellung darüber mitteilen, was betrachtenswert ist, was wir in Bildern festhalten dürfen und wie wir Bilder interpretieren.“

Nachdem ich nun auch noch auf Sokrates gestossen bin als Helfer und Gedankengeber, sollte ich meinen Streifzug abschließen und zur Ausgangsfrage zurückkehren.

Daher frage ich mich nun, wie diese zu beantworten ist. Gerry Badger hat in seinem exzellenten Buch „The Genius of Photography“, welches leider nicht auf Deutsch erschienen ist, im letzten Kapitel geschrieben „Anyone can do it.“

Auf Deutsch: Jeder kann es, das Fotografieren. Das stimmt und das ist in einer sehr viel umfassenderen Weise möglich als früher.

So lebt ein Teil der Dokumentarfotografie – gerade der aktuellen Ereignisfotografie – davon, dass eben Herr oder Frau Jedermann mit dem Handy die Fotos oder Videos aufnehmen, welche die Ereignisse zeigen. Aber das alles ändert nichts daran, dass dies zwar ein Teil der neuen Fotografie ist, aber natürlich alle hier aufgeführten Bereiche nicht errsetzt sondern nur ergänzt.

Und gerade deshalb bleibt die Frage nach dem „Besseren Fotografieren“ so wichtig und muß hier auch beantwortet werden.

Nach diesem Streifzug durch Porträtfotografie, die Fineartfotografie und die Dokumentarfotografie ist mir deutlich geworden, dass besseres Fotografieren heute bedeutet, die klassische Sichtweise kehrt zurück.

Doch auch dies ist begrenzt. „Farbe ist Fläche, Linie das Charakteristische“, sagte einmal Henri Cartier-Bresson. Er fotografierte Schwarzweiss und betonte dies damit. Heute werden wesentlich mehr Farbfotos produziert. Wo farbige Flächen dominieren ist die Gestaltung der Fotos anders. Dies ist eine neue Herausforderung. Cartier-Bresson blieb bei Schwarzweiss, weil – in meinen Augen – er wusste, dass die Vermischung von Fläche und Linie meistens nicht die beste Lösung ist. Aber heute müssen wir dies neu beantworten. Denn Farbe dominiert die digitale Bilderwelt.

Beim Schreiben dieses Satzes frage ich mich, ob ich damit nicht all die experimentellen, halbschummrigen und ungenauen Fotos ausgrenze. Ja genau, das mache ich, weil ich klar abgrenze und eingrenze. Es handelt sich bei diesen Dingen eben nicht um besseres Fotografieren. Für mich bedeutet „besser“ die Anwendung der „visuellen Grammatik“ nach Sokrates.

Diese Grammatik geht über den Bildaufbau bis zur Kameratechnik, also der Gestaltung fotografischer Kompositionen bis zur Anwendung entsprechender kameratechnischer Möglichkeiten wie Freistellen und Unschärfe, Beschneidung und – ich füge dies hinzu – Bearbeitung.

Damit ist zwar weiterhin alles möglich, aber aus meiner Sicht ist klar, was „besser“ ist. Vielleicht bezieht sich „besser“ dabei auch nur auf bestimmte Dimensionen eines Fotos: die fotografische Komposition und die Darstellung des Inhalts. Alles andere ist damit nicht ausgeschlossen aber das Andere ist eben nicht „besser“ im fotografischen Sinne. Vielleicht kann sich die andere Fotografie sogar besser verkaufen. Aber fotografisch „besser“ ist sie dadurch nicht.

Um dies alles in die fotografische Praxis zu überführen, habe ich dies in zwei Bereichen umgesetzt:

1. Für Strassenfotografie in Farbe mit Kompaktkameras habe ich zehn Beispiele in ein kostenloses Ebook gepackt.

2. Hinweise wie man klassisch gute Streetphotography mit der visuellen Grammatik des Sokrates macht finden Sie hier.

Viel Spass!

 

Dieser Text liegt im Moment in Version 1.1 vor.

 

Event-Fotografie mit Kompaktkameras und digitalen Filtern

Dieser Artikel ist mitten aus dem Leben. WDR 4 und HR 4 laden zu einem Open Air in Willingen im Sauerland ein. Dort filmten unendlich viele Menschen mit Handys, Camcordern und Fotoapparaten. So benutzte auch ich eine kleine kompakte Digitalkamera und fotografierte eine dokumentierende Geschichte dieses Events. Ein Event ist ein Ereignis. Früher hätte man gesagt, man fotografiert auf dem Musikfest. Heute nennt man es anders.Ich wollte einmal an einem alltäglichen Event die Grenzen und Möglichkeiten einer einfachen Kamera ausprobieren.

Hinterher wurden einige Fotos wegen des möglichen Rechtes am eigenen Bild mit digitalen Filtern bearbeitet, obwohl sich ausser mir da wahrscheinlich niemand Gedanken zu gemacht hat. Da es ein öffentlich sichtbares Ereignis war, wäre letztlich auch zu fragen, inwiefern das Recht am eigenen Bild auf dieser Veranstaltung überhaupt eine Rolle spielt. Doch dies wurde hier durch die jeweiligen Aufnahmeperspektive bzw. die Bearbeitung mit Filtern geklärt.

Meine Geschichte entwickelte sich folgendermassen, wobei die Anmerkungen sich auf mögliche Persönlichkeitsrechte und das jeweilige Foto beziehen.

1. Bild – der Weg zum Musikfest

Auf diesem Foto ist nur eine Person richtig erkennbar, nämlich die Frau rechts unten. Da ich diese um Einwilligung gebeten habe, war das Foto kein Problem.

2. Foto – die Leinwand und das Sauerland Open Air

Auf diesem Foto kommt ein digitaler Unschärfefilter zum Einsatz. Ich konnte die Personen nicht fragen, also habe ich radial von der Mitte weg die Unschärfe zunehmen lassen. Ich hätte auch die Menschen alle wegschneiden können, um nur die Aussage zu zeigen. Aber ich finde die Leinwand eingebettet in die Wiese und mit den Menschen und dem Sauerlandstern im Hintergrund interessanter.

3. Foto – der erste Regen

Hier ist auch niemand wirklich erkennbar und/oder steht im Mittelpunkt. Den Mittelpunkt bildet die Dynamik des beginnenden Regens und der heftigen Windböen. Dies wird durch die wehenden Regenmäntel, die Schirme und die nassen Hosen und Jacken sehr gut sichtbar.

4. Foto – Musik im Regen

Auf diesem Foto ist klar, wie es war. Die farbigen und nassen Regenmäntel zeigen die Bedingungen, unter denen Musikbegeisterte dabei waren.

5. Foto – Toiletten

Trotz der Masse Mensch ist niemand persönlich erkennbar. Aber dafür sieht man, wie dort die sanitäre Situation war.

6. Foto – der Pegel steigt

Hier war der digitale Verzeichnungsfilter erforderlich. Er hat zwei Funktionen. Erstens schützt er die Persönlichkeitsrechte und zweitens fokussiert er auf die Hauptaussage des Bildes.

7. Bild – Musikbühne & Musikliebhaber

Hier ist kein Filter erforderlich. Alle schauen nach vorne zur Bühne oder sind nicht erkennbar. Zudem führt der Tisch den Blick direkt ins Bild hinein zur Bühne. Die Sonne scheint und die Wolken über der Bühne zeigen die weitere Entwicklung.

8. Bild – die Stimmung steigt noch höher

Dieses Bild braucht auch einen digitalen Filter. Zugleich wird hier trotz Unschärfe aber die Dynamik der Situation sichtbar.

9. Bild – nass und durstig

Hier ändert sich die Perspektive. Sichtbar wird die andere Seite dieses Festes.

10. Bild – Nässe überall

Der digitale Filter war erforderlich und er nutzt, um oben und unten die Hauptaussagen und Zusammenhänge zu fokussieren.

11. Bild – am Abend

Auch hier war ein Filter erforderlich an den Rändern. Ansonsten fiel das Licht genau in diesem Moment so, dass der Kopf unter der Regenhaube ebenso mit den Wassertropfen ausgeleuchtet wurde wie die Becher am Boden.

12. Foto – das war Musik

Dieses Foto erzählt symbolhaft die gesamte Geschichte dieses Events.

Event-Fotografie ist also nicht nur die Geschichte der Superstars. An diesem Beispiel sieht man, wie man mit einer kleinen Kamera und der Nachbearbeitung mit ein paar digitalen Filtern Bildgeschichten erzählen kann, die lebendig sind.

Natürlich hätte man dies auch über Freistellen und Unschärfe erreichen können. Aber dazu wären größere Kameras erforderlich gewesen.

Daher sollte dieser Artikel zeigen, was man alles machen kann, wenn man „nur“ eine kleine Digitalkamera dabei hat.

Ach so, wie der WDR selbst diese Veranstaltung darstellt finden Sie hier (danke für den Hinweis, Bernd!).

Miniatureffekt und Diorama – Möglichkeiten eingebauter kreativer Fotografie

Fotos wie im Miniland oder Spielzeugladen. In immer mehr neuen Digitalkameras gibt es sogenannte Kreative Filter oder Art Filter. Diese gelten für Fotos und manchmal auch für Videos. Ein auffälliger Effekt ist der Miniatureffekt.

„Die Täuschung entsteht durch die am Computer erschaffene geringe Schärfeausdehnung im Bild. Fotos von sehr kleinen Objekten werden mit Makro-Objektiven angefertigt, die eine charakteristische Unschärfe vor und hinter dem fokussierten Punkt am Motiv entstehen lassen. Besitzt ein Foto nun diese makrotypische geringe Schärfentiefe, entsteht sofort der Eindruck, dass es sich um kleine Objekte auf dem Bild handeln muss“, so die Erklärung bei netzwelt.de.

Was kann man damit machen? Ist es sinnvoll, diesen Effekt zu nutzen? Ich habe es auf einer einfachen Bahnfahrt nach Wuppertal und in Wuppertal mit der Schwebebahn ausprobiert. So erzähle ich nun die Geschichte einer Eisenbahnfahrt von Remscheid nach Wuppertal.

Alles fing damit an, dass ich in Remscheid am Bahnhof stand. Es erfolgte die Durchsage, dass der nächste Zug ca. 20 Minuten Verspätung hat. Ich ging auf die Treppe, die zu den Gleisen führt. Hier stand ich etwa drei Meter hoch und machte das erste Foto. Und siehe da, es wirkt irgendwie mini.

Wie man hier sieht, funktioniert der Miniatureffekt nicht, wenn man die Dinge auf gleicher Höhe aufnimmt. Dieses Foto ist lediglich oben und unten unscharf.

Das relativiert sich durch Abstand. Hier ist der Blick leicht nach unten gerichtet und schon verkleinert sich für das Auge die Situation. Und natürlich führt zunehmende Entfernung ebenfalls zu einer Verkleinerung.

Hier bin ich in Wuppertal Oberbarmen. Ein Blick aus dem Treppenhaus zur Schwebebahn auf den Vorplatz. Von oben mit Abstand wirkt der Miniatureffekt am besten. Minimenschen mit Minitischen und Minibäumen sind für das Auge die Folge.

Dieses Bild vereint beide Betrachtungsweisen. Der telefonierende Mensch ist auf gleicher Höhe und der Blick auf den Bahnhof mit den Autos und den Menschen ist tiefer. Dadurch hat das Bild sowohl einen Blick ins Miniland als auch eine normale Perspektive. Vielleicht würde man es gar nicht so wahrnehmen, wenn man nicht wüßte, dass dieser Effekt eingesetzt wurde.

Aus optischer Sicht bietet sich die Schwebebahn natürlich für den Miniatureffekt an, weil man von oben fotografieren kann. Hier ist ein Beispiel für eine echte Minilandschaft. Wenn man sich vorstellt, dass es sich um einen echten Spielplatz mit echten Menschen handelt, dann ist der Miniatureffekt hier natürlich komplett sichtbar.

Mittlerweile bin ich dann in Elberfeld angekommen. Hier sieht man den Busbahnhof aus Sicht der Schwebebahn. Echt mini!

Hier ist es die umgekehrte Perspektive: von unten nach oben und nicht von oben nach unten fotografiert.

Was kann man nun damit anfangen? Ist dies nur ein Spass oder kann man damit mehr machen? Ich finde, für reine Internetfotos und für illustrative Bereiche ist dieser Effekt nutzbar. Unter dem Gesichtspunkt der Persönlichkeitsrechte ist er sogar ideal, weil niemand mehr erkennbar ist.

Die Grenzen ergeben sich aus dem Thema.

Es gibt Möglichkeiten, um diesen Effekt selbst auf Fotos nachträglich anzuwenden. Dies geht sogar online und kostenlos.

Abgesehen davon macht es mir allerdings mehr Spass, wenn ich dies alles direkt in der Kamera machen kann.

Die Firma Canon hat dies alles in einem Prospekt erläutert mit Fotos von Schloß Burg im Bergischen Land.

Und auf legovogel.de gibt es sogar ein Video mit einer Reise durch San Franciso, welches uns die Stadt auf völlig neue Art und Weise nahebringt.

Darüber hinaus gibt es bei dasfotoportal.de eine gute Darstellung, wie man dies alles hinterher durch Photoshop machen kann.

Bei hna.de gibt es sogar Leserfotos, die ebenfalls Perspektiven und Ereignisse dokumentieren.

Und bei fotomonat.de finden Sie eine gute Anleitung, um den super Monochrom Effekt der Olympus Art-Filter mit ACDsee selbst zu machen.

Es gibt also einige Möglichkeiten für eine informative Nutzung des digitalen Miniatureffektes. Un im Zeitalter der digitalen Möglichkeiten werden Reportagen und Berichte durch solche Darstellungen interessant, weil sie unterhaltend sind. So kann man Artikel aufpeppen ohne grossen Aufwand und es entstehen zum Teil einzigartige digitale Minikunstwerke.

Und es macht immer wieder Spass!

Text 1.1

Buchfotografie oder die Verfeinerung der Buchrezension im digitalen Zeitalter – ein Praxisleitfaden

Buchrezensionen gibt es spätestens seit dem Aufkommen der Massenmedien. Nun ist doch eigentlich im digitalen Zeitalter alles klar. Man klickt auf ein Buch, sieht sich das Cover an, es gibt ein paar Beispielseiten zum Anschauen und gut ist. Mitnichten. Feine Bücher verdienen mehr.

Es mag in einem kapitalistischen Produktionssystem oft so sein, aber feine Bücher verdienen mehr als einen Klick. Sie verdienen feine Buchrezensionen, die die Details der Beteiligten sichtbar machen.

Ein Buch ist zwar eine Ware aber die Rezensentin oder der Rezensent sind die einzigen, die aus der Ware mehr machen können. Und da es heute viele Bücher gibt, die gut sind, und nur wenige Rezensentinnen und Rezensenten, die das gesamte Buch erfassen und dies auch  durch eine entsprechend gestaltete Rezension wiedergeben (= Verfeinerung),  habe ich mir erlaubt, diesen Artikel zu verfassen.

Wer als Rezensentin oder Rezensent eine Buchrezension verfeinern will, der  muß mehr tun als zu schreiben. Damit aus der Rezension eine eigenständige digitale Produktion wird, eben eine verfeinerte Buchrezesension, bedarf es neben der fachlichen und kognitiven Fähigkeiten ebenso fotografischer und visueller Fähigkeiten.

Da ich als Publizist öfter rezensiere, habe ich die Buchfotografie entwickelt. Sie ist mehr als Produktfotografie, weil sie dazu dient, Gedanken eines Rezensenten oder einer Rezensentin zu visualisieren, um spezielle Elemente oder kompositorische Zusammenhänge an und in einem Buch sichtbar zu machen.

Welche Bucharten gibt es?

Denn das Auge isst nicht nur mit, sondern das Auge liest auch mit – logischerweise.

Wie geht man dabei nun vor?

Wenn man eine Rezension nicht vom mitgelieferten „Waschzettel“ abschreibt sondern sich ernsthaft mit dem Buch auseinandersetzt, dann ergeben sich eigentlich eine Reihe von Fragen, die das Buch ausmachen.

Ein Buch ist mehr als ein Text. Ein Buch ist die gestaltete Komposition eines Textes bzw. eine gestaltete Komposition verschiedener Medien. Hinzu kommt, dass Bücher die Vergänglichkeit festhalten wollen.

Je nach Buchart gibt es

  • Bücher mit dem Schwerpunkt auf Texten oder
  • es gibt Bücher mit dem Schwerpunkt auf Text und Bild oder
  • nur Bild und
  • es gibt das Buch selbst, welches den dargebrachten Inhalten eine Form gibt.

Das Buch als gestaltete Komposition sollte eigentlich durch die Rezension verdeutlicht werden. Der Rezensent bzw. die Rezensentin sollte dabei nicht nur als Richterin bzw. Richter bezüglich einer Kaufempfehlung schreiben sondern als Rezipient darüber hinausgehen und den eigenen kreativen Umgang mit dem Buch in Inhalt und Form und als Ganzes  in der Rezension zu Wort und Bild kommen lassen.

Welchen Zweck hat die Buchfotografie?

Die Buchfotografie muß die Gedanken des Rezensenten unterstützen bzw. Bilder nutzen, die etwas verdeutlichen sollen.

1. Beispiel

Dieses Bild ist eine eher klassische Komposition. Es ging in dem Artikel um die Verknüpfung der Frage von Kunst, Literatur und Fotografie mit Gedanken von Robert Hirsch, Wolfgang Boesner und Albert Camus. Daher diente dieses Foto dazu, die drei benutzten Bücher zusammen darzustellen.

 

2. Beispiel

Dieses Foto zeigt Text aus dem Buch „Klassenbilder“ von Rudolf Stumberger. Richtig lesbar sind lediglich 5 Worte. Sie dienen aber dazu, einen Gedanken zu visualisieren, der mir bei der Buchbesprechung sehr wichtig war. Zugleich gelingt es so, recht viel Text so zu komprimieren, dass eventuell eine Lust auf die gedruckten Worte entsteht.

 

3. Beispiel

Dieses Foto zeigt ein Bild aus dem Buch „Arbeitswelten“ von Bachmeier. Da man ja keine Fotos abfotografieren darf und gerade in Bildbänden immer aufpassen muß, dass man keine Rechte verletzt. ist dieses Bild eine Konstruktion aus mehreren Elementen: man sieht das aufgeschlagene Buch, blickt auf den Mittelstreifen, sieht hinten links eine Person im Arbeitsanzug aber diese wiederum mit einer extrem kurzen Schärfeebene. Dennoch wird sofort deutlich, was das Buch an dieser Stelle vermitteln will.

 

4. Beispiel

Hier sieht man den Ansatz von George Barr aus seinem Buch „Der Blick über die Schulter“. Man sieht, dass es um ein Foto geht ohne das Foto exakt wiederzugeben. Gleichzeitig liegt die Schärfeebene nur auf der Überschrift. Durch das Spiel von Tiefenschärfe und Schärfentiefe wird deutlich, wie der Autor hier erklärt und wie er gedanklich vorgeht.

 

5. Beispiel

Wenn es um ein Buch mit purem Text geht, dann kann eine fotografische Bearbeitung durchaus sinnvoll sein, weil sie den Focus auf den Text setzt. Joachim Schmid schrieb einmal einen Text über „Hohe“ und „Niedere“ Fotografie. Um die Überschrift und die Bedeutung dieses Textes für den gedanklichen Zusammenhang darzustellen wurde hier die Bildebene so verschoben, dass man automatisch auf das Loch in der Mitte schaut, aus der die Überschrift herausragt. Hinzu kommt in diesem Fall, dass das Wort „Hohe“ auf einer höheren Ebene liegt wie das Wort „Niedere“.

 

6. Beispiel

Bei dem Buch „Ein Tag Deutschland“ von Freelens-Fotografen ging es mir darum, den Sammelcharakter und den bezug auf Deutschland und das buchbinderisch verbindende Element besonders zu betonen. Deshalb habe ich bewusst den Makroblick gewählt, um zu zeigen, worauf der Verlag offenkundig Wert gelegt hat.

 

7. Beispiel

„Biete Visionen“ von David duChemin sollte irgendwie auch „Visionen“ real erscheinen lassen, weil das Wort auf Deutsch eher Richtung gesellschaftliche Utopie rutscht und nicht so konkret gedacht als realer Plan gemeint ist. Der Smiley half mir, jedem die Möglichkeit zu geben, Visionen konkret zu veranschaulichen. Wer es verstehen will, der wird es auch verstehen.

 

8. Beispiel

Diese Formel aus dem Buch „Meisterschule Digitale Fotografie von R. Wagner u. K. Kindermann“ zeigt das Niveau und zugleich die Gestaltung des Textes. Da mir dies sehr gut gefiel, wollte ich den Fokus speziell auf dieses Element lenken in der Rezension und konnte es mit diesem Foto sehr gut wiedergeben.

 

Welche fotografischen Mittel benutze ich bei der Buchfotografie?

In erster Linie benutze ich

  1. Makrofotografie
  2. sehr lichtstarke Objektive
  3. digitale Filter

Wenn man das Buch gelesen bzw. angeschaut hat und die echte Auseinandersetzung damit beginnt, bilden sich Schwerpunkte. Wenn man diese dann der Welt mitteilen will, sollte man visuelle Elemente auch irgendwie visualisieren.

Da man eine Reihe von Rechten beachten muß und manchmal gut gemachte Dinge in einem Buch nicht sofort ins Auge springen, sind Makrofotos ideal, um solche liebevollen oder wesentlichen Details einer Argumentation zu illustrieren.

Bei allen Büchern, egal ob purer Text, oder Text und Bild oder nur Bild oder gekoppelt mit CD oder als Hörbuch, gilt der Gedanke von Edmund Schalkowski: „Das geeignete Verfahren besteht darin, den Gegenstand mit allen Sinnen auf sich wirken lassen, sich entweder von ihm ergreifen oder abstoßen lassen, und diese Anrührung argumentativ nachzuvollziehen.“

Eine echte Rezension ist eben mehr als eine Buchvorstellung, es ist die persönliche  Buchverarbeitung und die Darstellung des Ergebnisses in einer Rezension.

Und wie man mit Hilfe der Buchfotografie eine Rezension verfeinert, habe ich ihnen hier vorgestellt.

 

Welche Vorteile hat Buchfotografie für Verlage und Mediahäuser?

Im Übrigen hat eine verfeinerte Buchrezension auch unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung nur Vorteile.

  1. Erstens finden mögliche Interessenten eine Rezension, die Lust auf Bücher machen kann, die auch teurer sind, weil man sieht, was in ihnen steckt.
  2. Zweitens ist die Vermittlung eines Buches über eine Rezension, bei der man sich auch auf das Geschriebene und Dargestellte verlassen kann, viel besser.
  3. Drittens hat es den nicht unangenehmen Marketingeffekt, dass ein Buch sich durch diese Rezension digital bewährt hat und einen schicken Platz im Internet gefunden hat.

Allerdings muß ich abschließend hinzufügen, die Bücher müssen auch halten, was sie versprechen – eben feine Bücher sein – und die Rezension auch. Deshalb ist eine ehrliche (und liebevolle) Auseinandersetzung mit dem Buch besser für den Verlag, den/die AutorIn und den Rezensenten.

 

In der Lüneburger Heide mit der Sony HX9V – ein Praxisversuch

Die Sony HX9V habe ich nun schon mehrfach hier diskutiert. Nun kommt der Feldversuch mit dieser Kamera. Um niemand zu überfordern wurde die Kamera in der Lüneburger Heide eingesetzt. Heide wurde dort angepflanzt als die Bäume abgeholzt worden sind, die man früher für den Salzabbau brauchte. Damit dort kein Brachland entstehen konnte, wurde dort Heide gepflanzt. So erzählte mir kurzgefasst der Kutscher die Geschichte von der Entstehung der Lüneburger Heide.

Ich habe die Fotos auf flickr im Original hinterlegt. Sie brauchen nur auf das jeweilige Foto zu klicken und können sich dann dort das Original anschauen.

In der Lüneburger Heide angekommen ging es auf den Kutschbock einer Pferdekutsche.

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Doch schon bald trafen wir auf die dort angesiedelten tierischen Bewohner, Ziegen und Heidschnucken.

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Es machte sehr viel Spaß, die Tiere bei der Nahrungsbeschaffung zu beobachten und ihr Sprungvermögen zu sehen.

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Der Schäfer hatte für alle Anwesenden sehr freundliche Worte und es gab hautnahe Begegnungen zwischen Tier und Mensch.

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Während wir neue tierische Freundschaften schlossen, zogen einige Pferdekutschen an uns vorüber.

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Doch es gab auch böse Blicke. Ein Ziegenbock schien uns als Konkurrenz zu sehen und zeigte dies uns sehr deutlich.

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Und es gab viele Fotoaufnahmen von den kleinen Stars auf den Weiden der Lüneburger Heide.

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Die Blicke der Pferde wiederum sprachen eine eigene Sprache. Liebevoll oder traurig ist hier die Frage.

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Auch ein Videofilmer hielt die Heide in all ihrer Pracht fest.

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Auf einem kleinen Stück sah man noch die farbliche Vielfalt und die verschiedenen Heidekrautsorten.

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Und so konnte die Sony auf diesem Ausflug ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Abschließend möchte ich noch ein Foto von demselben Ausflug zeigen. Dieses Foto ist aber mit der Sony WX5 aufgenommen worden. Vergleichen Sie einfach mal die Originaldateien bezüglich der Schärfe und der Details.

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Fotografieren auf Demonstrationen – ein Praxiskurs über die politische Bildreportage

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

In unserer Demokratie sind Demonstrationen wichtig. Auf einer Demonstration treten Menschen mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit (demonstrare lat. = zeigen). Es gibt in Deutschland viele kleine und grosse Demonstrationen: Menschen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, Menschen mit politischen Zielen, Menschen mit humanitären Anliegen etc.

In diesem fotografischen Praxiskurs geht es um die Frage, wie man auf einer Demonstration so fotografiert, dass das Thema sachgerecht in einer journalistischen Fotoreportage im Internet oder als Bildberichterstattung online und offline dargestellt wird.

Dieser Text besteht aus drei Teilen:

  1. Informative Fotografie und Bildaussagen
  2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte
  3. In Farbe oder in Schwarzweiss und die Frage der Darstellung

Neben den fotografischen Fragen kommt es vor Ort im Gespräch auf Freundlichkeit, Sachlichkeit und den gesunden Menschenverstand an. Die Demonstranten wollen ja in der Regel, dass ihr Thema Aufmerksamkeit erzielt und inhaltlich auch wahrgenommen und weitergetragen wird.

Der Zufall als Motiv – ein Praxiskurs zur Strassenfotografie und das Recht am eigenen Bild


Kann man in Deutschland noch Streetphotography bzw. Strassenfotografie machen, seitdem das Recht am eigenen Bild so stark betont wird? Man kann, aber man muß sich als Fotograf anstrengen.  In diesem Artikel geht es um die Fotopraxis im Bereich Streetpix mit eigenen Beispielen.

1. Beispiel

Das erste Beispiel ist das Foto  mit den beiden Puppen, die sich die Hand reichen. Fotografisch interessant wird das Foto, weil sich direkt im Hintergrund zwischen den beiden Puppen ein Ehepaar auch die Hand reicht. Dieser Moment dauert natürlich nur zwei Sekunden. Danach ist das Bild so nie mehr möglich.

Der Kampf um Mannesmann – Dokumentarfotografie im Internet vor 12 Jahren

Der Kampf um Mannesmann - Webseite von Michael Mahlke

Der Kampf um Mannesmann – Webseite von Michael Mahlke

Wer hätte 1999 und 2000 daran gedacht, dass das Internet einmal in dieser Form als Informationspool dienen könnte? Was wäre eigentlich passiert, wenn es damals schon Facebook und Google gegeben hätte?

Wer damals schon mit Computern lebte, der hatte als Highlight Windows 98 und höchstens Monitore mit 13 oder 15 Zoll. Alles andere war nicht bezahlbar. Webseiten waren in der Regel im Format 640×480 Pixel. Und die Kosten für die Datenübertragung im Internet waren immens hoch.

Damals (1999/2000) fand in Remscheid der Kampf um das Stammwerk von Mannesmann statt. Und es war eine – wenn nicht die Geburtsstunde – für engagierte Dokumentarfotografie im Internet. Ja, das Ziel war zu informieren, um Öffentlichkeit und Solidarität mit der Bevölkerung zu erhalten.

Ich stellte die Domains solidaritaet.de und solidarisch.de zur Verfügung, programmierte die gesamte Webseite und mit den ersten benutzbaren Digitalkameras machte ich Fotos. Später wurde dies noch um die Bilder von Herrn Brandt und Herrn Brand ergänzt.

Es war natürlich fotografisch digital viel weniger möglich als die heutigen technischen Möglichkeiten zulassen. So entstand eine digitale fotografische Dokumentation. Die einen nennen es Dokumentarfotografie, die anderen sozialdokumentarische Fotografie. In allen Fällen ist es eine der ersten Webseiten, wenn nicht die erste, mit Dokumentarfotografie im Internet gewesen.

Damals gab es Digitalkameras mit maximal 3 Megapixel Auflösung und in der Regel waren Fotos auf Speichermedien in der Größe von maximal 640×480 oder 320×240 Pixel gespeichert. Alles andere war unbezahlbar. Nur als Hinweis. Eine Speicherkarte (CF) mit 32 MB (nicht GB) kostete damals in meiner Erinnerung ca. 200 DM.

Es entstand damals eine komplette Webseite über einen Kampf, der die Menschen und eine Region bewegte.

Diese Tradition wurde in meinen Augen nur sehr rudimentär von den beteiligten Organisationen weiterentwickelt. Aber die damaligen Fotografen (Michael Mahlke, Lars Jorma Brandt, Gerhard Brand) haben damit ein Stück sozialdokumentarische Fotografie im Internet geschaffen – was sich aber erst 12 Jahre später mit entsprechendem Abstand zeigt.

So hat die digitale Fotografie im Internet ihren Platz in der Geschichte der Menschen, die ihre Geschichte nicht aus freien Stücken machen aber selbst, durch Mitmachen, Zulassen oder Unterlassen.

Diese Dokumentation gab es nie gedruckt. Sie ist eines der ersten Produkte des digitalen Zeitalters. Dies ist dann übrigens auch eine neue Herausforderung für Fragen der Dokumentation von Geschichte und Geschehen.

Falls so etwas möglich ist, möchte ich diese Webseite denen widmen, die damals dabei waren und deren Familien.

Dieser Kampf ist auch historisch höchst interessant. Wenn man rückblickend überlegt, wer damals schon was wusste, was man damals nicht wusste – aber das ist ein anderes Thema.

Hier geht es um dokumentierende Fotografie. Um die Webseite richtig ansehen zu können, sollten Sie die Bildschirmauflösung auf ihrem Monitor oder Notebook auf 640×480 oder 800×600 Pixel umstellen (bei Windows Rechtsklick auf dem Desktop und Bildschirmeigenschaften/Auflösung, bei Apple links oben auf den Apfel, Systemeinstellungen/Monitor). Dann wirken auch die Fotos anders, nämlich so, wie es auch eigentlich gedacht war.

Sie finden die Webseite u.a. hier.