Praxis

Buchfotografie oder die Verfeinerung der Buchrezension im digitalen Zeitalter – ein Praxisleitfaden

Buchrezensionen gibt es spätestens seit dem Aufkommen der Massenmedien. Nun ist doch eigentlich im digitalen Zeitalter alles klar. Man klickt auf ein Buch, sieht sich das Cover an, es gibt ein paar Beispielseiten zum Anschauen und gut ist. Mitnichten. Feine Bücher verdienen mehr.

Es mag in einem kapitalistischen Produktionssystem oft so sein, aber feine Bücher verdienen mehr als einen Klick. Sie verdienen feine Buchrezensionen, die die Details der Beteiligten sichtbar machen.

Ein Buch ist zwar eine Ware aber die Rezensentin oder der Rezensent sind die einzigen, die aus der Ware mehr machen können. Und da es heute viele Bücher gibt, die gut sind, und nur wenige Rezensentinnen und Rezensenten, die das gesamte Buch erfassen und dies auch  durch eine entsprechend gestaltete Rezension wiedergeben (= Verfeinerung),  habe ich mir erlaubt, diesen Artikel zu verfassen.

Wer als Rezensentin oder Rezensent eine Buchrezension verfeinern will, der  muß mehr tun als zu schreiben. Damit aus der Rezension eine eigenständige digitale Produktion wird, eben eine verfeinerte Buchrezesension, bedarf es neben der fachlichen und kognitiven Fähigkeiten ebenso fotografischer und visueller Fähigkeiten.

Da ich als Publizist öfter rezensiere, habe ich die Buchfotografie entwickelt. Sie ist mehr als Produktfotografie, weil sie dazu dient, Gedanken eines Rezensenten oder einer Rezensentin zu visualisieren, um spezielle Elemente oder kompositorische Zusammenhänge an und in einem Buch sichtbar zu machen.

Welche Bucharten gibt es?

Denn das Auge isst nicht nur mit, sondern das Auge liest auch mit – logischerweise.

Wie geht man dabei nun vor?

Wenn man eine Rezension nicht vom mitgelieferten „Waschzettel“ abschreibt sondern sich ernsthaft mit dem Buch auseinandersetzt, dann ergeben sich eigentlich eine Reihe von Fragen, die das Buch ausmachen.

Ein Buch ist mehr als ein Text. Ein Buch ist die gestaltete Komposition eines Textes bzw. eine gestaltete Komposition verschiedener Medien. Hinzu kommt, dass Bücher die Vergänglichkeit festhalten wollen.

Je nach Buchart gibt es

  • Bücher mit dem Schwerpunkt auf Texten oder
  • es gibt Bücher mit dem Schwerpunkt auf Text und Bild oder
  • nur Bild und
  • es gibt das Buch selbst, welches den dargebrachten Inhalten eine Form gibt.

Das Buch als gestaltete Komposition sollte eigentlich durch die Rezension verdeutlicht werden. Der Rezensent bzw. die Rezensentin sollte dabei nicht nur als Richterin bzw. Richter bezüglich einer Kaufempfehlung schreiben sondern als Rezipient darüber hinausgehen und den eigenen kreativen Umgang mit dem Buch in Inhalt und Form und als Ganzes  in der Rezension zu Wort und Bild kommen lassen.

Welchen Zweck hat die Buchfotografie?

Die Buchfotografie muß die Gedanken des Rezensenten unterstützen bzw. Bilder nutzen, die etwas verdeutlichen sollen.

1. Beispiel

Dieses Bild ist eine eher klassische Komposition. Es ging in dem Artikel um die Verknüpfung der Frage von Kunst, Literatur und Fotografie mit Gedanken von Robert Hirsch, Wolfgang Boesner und Albert Camus. Daher diente dieses Foto dazu, die drei benutzten Bücher zusammen darzustellen.

 

2. Beispiel

Dieses Foto zeigt Text aus dem Buch „Klassenbilder“ von Rudolf Stumberger. Richtig lesbar sind lediglich 5 Worte. Sie dienen aber dazu, einen Gedanken zu visualisieren, der mir bei der Buchbesprechung sehr wichtig war. Zugleich gelingt es so, recht viel Text so zu komprimieren, dass eventuell eine Lust auf die gedruckten Worte entsteht.

 

3. Beispiel

Dieses Foto zeigt ein Bild aus dem Buch „Arbeitswelten“ von Bachmeier. Da man ja keine Fotos abfotografieren darf und gerade in Bildbänden immer aufpassen muß, dass man keine Rechte verletzt. ist dieses Bild eine Konstruktion aus mehreren Elementen: man sieht das aufgeschlagene Buch, blickt auf den Mittelstreifen, sieht hinten links eine Person im Arbeitsanzug aber diese wiederum mit einer extrem kurzen Schärfeebene. Dennoch wird sofort deutlich, was das Buch an dieser Stelle vermitteln will.

 

4. Beispiel

Hier sieht man den Ansatz von George Barr aus seinem Buch „Der Blick über die Schulter“. Man sieht, dass es um ein Foto geht ohne das Foto exakt wiederzugeben. Gleichzeitig liegt die Schärfeebene nur auf der Überschrift. Durch das Spiel von Tiefenschärfe und Schärfentiefe wird deutlich, wie der Autor hier erklärt und wie er gedanklich vorgeht.

 

5. Beispiel

Wenn es um ein Buch mit purem Text geht, dann kann eine fotografische Bearbeitung durchaus sinnvoll sein, weil sie den Focus auf den Text setzt. Joachim Schmid schrieb einmal einen Text über „Hohe“ und „Niedere“ Fotografie. Um die Überschrift und die Bedeutung dieses Textes für den gedanklichen Zusammenhang darzustellen wurde hier die Bildebene so verschoben, dass man automatisch auf das Loch in der Mitte schaut, aus der die Überschrift herausragt. Hinzu kommt in diesem Fall, dass das Wort „Hohe“ auf einer höheren Ebene liegt wie das Wort „Niedere“.

 

6. Beispiel

Bei dem Buch „Ein Tag Deutschland“ von Freelens-Fotografen ging es mir darum, den Sammelcharakter und den bezug auf Deutschland und das buchbinderisch verbindende Element besonders zu betonen. Deshalb habe ich bewusst den Makroblick gewählt, um zu zeigen, worauf der Verlag offenkundig Wert gelegt hat.

 

7. Beispiel

„Biete Visionen“ von David duChemin sollte irgendwie auch „Visionen“ real erscheinen lassen, weil das Wort auf Deutsch eher Richtung gesellschaftliche Utopie rutscht und nicht so konkret gedacht als realer Plan gemeint ist. Der Smiley half mir, jedem die Möglichkeit zu geben, Visionen konkret zu veranschaulichen. Wer es verstehen will, der wird es auch verstehen.

 

8. Beispiel

Diese Formel aus dem Buch „Meisterschule Digitale Fotografie von R. Wagner u. K. Kindermann“ zeigt das Niveau und zugleich die Gestaltung des Textes. Da mir dies sehr gut gefiel, wollte ich den Fokus speziell auf dieses Element lenken in der Rezension und konnte es mit diesem Foto sehr gut wiedergeben.

 

Welche fotografischen Mittel benutze ich bei der Buchfotografie?

In erster Linie benutze ich

  1. Makrofotografie
  2. sehr lichtstarke Objektive
  3. digitale Filter

Wenn man das Buch gelesen bzw. angeschaut hat und die echte Auseinandersetzung damit beginnt, bilden sich Schwerpunkte. Wenn man diese dann der Welt mitteilen will, sollte man visuelle Elemente auch irgendwie visualisieren.

Da man eine Reihe von Rechten beachten muß und manchmal gut gemachte Dinge in einem Buch nicht sofort ins Auge springen, sind Makrofotos ideal, um solche liebevollen oder wesentlichen Details einer Argumentation zu illustrieren.

Bei allen Büchern, egal ob purer Text, oder Text und Bild oder nur Bild oder gekoppelt mit CD oder als Hörbuch, gilt der Gedanke von Edmund Schalkowski: „Das geeignete Verfahren besteht darin, den Gegenstand mit allen Sinnen auf sich wirken lassen, sich entweder von ihm ergreifen oder abstoßen lassen, und diese Anrührung argumentativ nachzuvollziehen.“

Eine echte Rezension ist eben mehr als eine Buchvorstellung, es ist die persönliche  Buchverarbeitung und die Darstellung des Ergebnisses in einer Rezension.

Und wie man mit Hilfe der Buchfotografie eine Rezension verfeinert, habe ich ihnen hier vorgestellt.

 

Welche Vorteile hat Buchfotografie für Verlage und Mediahäuser?

Im Übrigen hat eine verfeinerte Buchrezension auch unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung nur Vorteile.

  1. Erstens finden mögliche Interessenten eine Rezension, die Lust auf Bücher machen kann, die auch teurer sind, weil man sieht, was in ihnen steckt.
  2. Zweitens ist die Vermittlung eines Buches über eine Rezension, bei der man sich auch auf das Geschriebene und Dargestellte verlassen kann, viel besser.
  3. Drittens hat es den nicht unangenehmen Marketingeffekt, dass ein Buch sich durch diese Rezension digital bewährt hat und einen schicken Platz im Internet gefunden hat.

Allerdings muß ich abschließend hinzufügen, die Bücher müssen auch halten, was sie versprechen – eben feine Bücher sein – und die Rezension auch. Deshalb ist eine ehrliche (und liebevolle) Auseinandersetzung mit dem Buch besser für den Verlag, den/die AutorIn und den Rezensenten.

 

In der Lüneburger Heide mit der Sony HX9V – ein Praxisversuch

Die Sony HX9V habe ich nun schon mehrfach hier diskutiert. Nun kommt der Feldversuch mit dieser Kamera. Um niemand zu überfordern wurde die Kamera in der Lüneburger Heide eingesetzt. Heide wurde dort angepflanzt als die Bäume abgeholzt worden sind, die man früher für den Salzabbau brauchte. Damit dort kein Brachland entstehen konnte, wurde dort Heide gepflanzt. So erzählte mir kurzgefasst der Kutscher die Geschichte von der Entstehung der Lüneburger Heide.

Ich habe die Fotos auf flickr im Original hinterlegt. Sie brauchen nur auf das jeweilige Foto zu klicken und können sich dann dort das Original anschauen.

In der Lüneburger Heide angekommen ging es auf den Kutschbock einer Pferdekutsche.

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Doch schon bald trafen wir auf die dort angesiedelten tierischen Bewohner, Ziegen und Heidschnucken.

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Es machte sehr viel Spaß, die Tiere bei der Nahrungsbeschaffung zu beobachten und ihr Sprungvermögen zu sehen.

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Der Schäfer hatte für alle Anwesenden sehr freundliche Worte und es gab hautnahe Begegnungen zwischen Tier und Mensch.

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Während wir neue tierische Freundschaften schlossen, zogen einige Pferdekutschen an uns vorüber.

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Doch es gab auch böse Blicke. Ein Ziegenbock schien uns als Konkurrenz zu sehen und zeigte dies uns sehr deutlich.

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Und es gab viele Fotoaufnahmen von den kleinen Stars auf den Weiden der Lüneburger Heide.

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Die Blicke der Pferde wiederum sprachen eine eigene Sprache. Liebevoll oder traurig ist hier die Frage.

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Auch ein Videofilmer hielt die Heide in all ihrer Pracht fest.

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Auf einem kleinen Stück sah man noch die farbliche Vielfalt und die verschiedenen Heidekrautsorten.

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Und so konnte die Sony auf diesem Ausflug ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Abschließend möchte ich noch ein Foto von demselben Ausflug zeigen. Dieses Foto ist aber mit der Sony WX5 aufgenommen worden. Vergleichen Sie einfach mal die Originaldateien bezüglich der Schärfe und der Details.

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Fotografieren auf Demonstrationen – ein Praxiskurs über die politische Bildreportage

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

In unserer Demokratie sind Demonstrationen wichtig. Auf einer Demonstration treten Menschen mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit (demonstrare lat. = zeigen). Es gibt in Deutschland viele kleine und grosse Demonstrationen: Menschen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, Menschen mit politischen Zielen, Menschen mit humanitären Anliegen etc.

In diesem fotografischen Praxiskurs geht es um die Frage, wie man auf einer Demonstration so fotografiert, dass das Thema sachgerecht in einer journalistischen Fotoreportage im Internet oder als Bildberichterstattung online und offline dargestellt wird.

Dieser Text besteht aus drei Teilen:

  1. Informative Fotografie und Bildaussagen
  2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte
  3. In Farbe oder in Schwarzweiss und die Frage der Darstellung

Neben den fotografischen Fragen kommt es vor Ort im Gespräch auf Freundlichkeit, Sachlichkeit und den gesunden Menschenverstand an. Die Demonstranten wollen ja in der Regel, dass ihr Thema Aufmerksamkeit erzielt und inhaltlich auch wahrgenommen und weitergetragen wird.

Der Zufall als Motiv – ein Praxiskurs zur Strassenfotografie und das Recht am eigenen Bild


Kann man in Deutschland noch Streetphotography bzw. Strassenfotografie machen, seitdem das Recht am eigenen Bild so stark betont wird? Man kann, aber man muß sich als Fotograf anstrengen.  In diesem Artikel geht es um die Fotopraxis im Bereich Streetpix mit eigenen Beispielen.

1. Beispiel

Das erste Beispiel ist das Foto  mit den beiden Puppen, die sich die Hand reichen. Fotografisch interessant wird das Foto, weil sich direkt im Hintergrund zwischen den beiden Puppen ein Ehepaar auch die Hand reicht. Dieser Moment dauert natürlich nur zwei Sekunden. Danach ist das Bild so nie mehr möglich.

Der Kampf um Mannesmann – Dokumentarfotografie im Internet vor 12 Jahren

Der Kampf um Mannesmann - Webseite von Michael Mahlke

Der Kampf um Mannesmann – Webseite von Michael Mahlke

Wer hätte 1999 und 2000 daran gedacht, dass das Internet einmal in dieser Form als Informationspool dienen könnte? Was wäre eigentlich passiert, wenn es damals schon Facebook und Google gegeben hätte?

Wer damals schon mit Computern lebte, der hatte als Highlight Windows 98 und höchstens Monitore mit 13 oder 15 Zoll. Alles andere war nicht bezahlbar. Webseiten waren in der Regel im Format 640×480 Pixel. Und die Kosten für die Datenübertragung im Internet waren immens hoch.

Damals (1999/2000) fand in Remscheid der Kampf um das Stammwerk von Mannesmann statt. Und es war eine – wenn nicht die Geburtsstunde – für engagierte Dokumentarfotografie im Internet. Ja, das Ziel war zu informieren, um Öffentlichkeit und Solidarität mit der Bevölkerung zu erhalten.

Ich stellte die Domains solidaritaet.de und solidarisch.de zur Verfügung, programmierte die gesamte Webseite und mit den ersten benutzbaren Digitalkameras machte ich Fotos. Später wurde dies noch um die Bilder von Herrn Brandt und Herrn Brand ergänzt.

Es war natürlich fotografisch digital viel weniger möglich als die heutigen technischen Möglichkeiten zulassen. So entstand eine digitale fotografische Dokumentation. Die einen nennen es Dokumentarfotografie, die anderen sozialdokumentarische Fotografie. In allen Fällen ist es eine der ersten Webseiten, wenn nicht die erste, mit Dokumentarfotografie im Internet gewesen.

Damals gab es Digitalkameras mit maximal 3 Megapixel Auflösung und in der Regel waren Fotos auf Speichermedien in der Größe von maximal 640×480 oder 320×240 Pixel gespeichert. Alles andere war unbezahlbar. Nur als Hinweis. Eine Speicherkarte (CF) mit 32 MB (nicht GB) kostete damals in meiner Erinnerung ca. 200 DM.

Es entstand damals eine komplette Webseite über einen Kampf, der die Menschen und eine Region bewegte.

Diese Tradition wurde in meinen Augen nur sehr rudimentär von den beteiligten Organisationen weiterentwickelt. Aber die damaligen Fotografen (Michael Mahlke, Lars Jorma Brandt, Gerhard Brand) haben damit ein Stück sozialdokumentarische Fotografie im Internet geschaffen – was sich aber erst 12 Jahre später mit entsprechendem Abstand zeigt.

So hat die digitale Fotografie im Internet ihren Platz in der Geschichte der Menschen, die ihre Geschichte nicht aus freien Stücken machen aber selbst, durch Mitmachen, Zulassen oder Unterlassen.

Diese Dokumentation gab es nie gedruckt. Sie ist eines der ersten Produkte des digitalen Zeitalters. Dies ist dann übrigens auch eine neue Herausforderung für Fragen der Dokumentation von Geschichte und Geschehen.

Falls so etwas möglich ist, möchte ich diese Webseite denen widmen, die damals dabei waren und deren Familien.

Dieser Kampf ist auch historisch höchst interessant. Wenn man rückblickend überlegt, wer damals schon was wusste, was man damals nicht wusste – aber das ist ein anderes Thema.

Hier geht es um dokumentierende Fotografie. Um die Webseite richtig ansehen zu können, sollten Sie die Bildschirmauflösung auf ihrem Monitor oder Notebook auf 640×480 oder 800×600 Pixel umstellen (bei Windows Rechtsklick auf dem Desktop und Bildschirmeigenschaften/Auflösung, bei Apple links oben auf den Apfel, Systemeinstellungen/Monitor). Dann wirken auch die Fotos anders, nämlich so, wie es auch eigentlich gedacht war.

Sie finden die Webseite u.a. hier.

Reisefotografie in Meran – 8 Beispiele aus der Praxis

Ich möchte hier einige Beispiele für Reisefotografie (Reisefotos, Urlaubsfotos und Schnappschüsse) zeigen. Mir geht es dabei um die Frage, wie man eine Situation so aufnimmt, dass sie eine Geschichte, einen Ort oder ein Ereignis zeigt. Reisefotos sind immer erzählende Fotos. Sie sind Erinnerungen, die dazu dienen, in uns etwas wieder lebendig zu machen.

1. Foto

Dazu beginne ich mit einem Schwarzweissfoto. Eigentlich sind Urlaubsfotos ja bunt. Aber hier möchte ich einfach mal zeigen, dass Schwarzweiss teilweise schöne Impressionen zaubern kann.

Dieses Foto ist eine Situation mitten aus dem Leben und erzählt dabei mindestens eine Geschichte. Man sieht an den Helligkeitsstrukturen die Hitze und die Flucht der Menschen in den Schatten. Zugleich ist das Ausruhen sichtbar. Das Cafe und die Hitze werden einerseits durch Licht und Schatten sichtbar und andererseits durch das lichthelle Schild im Vordergrund und den lichthellen Sonnenschirm im Hintergrund. Dazwischen ist der Schatten und dort sind die Menschen.  Eine Lichterkette führt zu der Situation im Hintergrund und ein heller Streifen auf dem Boden im Vordergrund zeigt die „Lichtgrenze“.

Im Vordergrund entspannt sich ein Mann bei einer Zigarette, im Hintergrund sitzt eine ganze Gruppe im Schatten und unterhält sich. Dadurch dass der Mann sich gedreht hat, ist sein Gesicht nicht zu erkennen sondern nur ein Teil des Profils. Damit ist das Foto möglich. Zugleich „zieht“ der Mann als Eyecatcher im Vordergrund den Blick in der Schräge auf die Gruppe. Das Fahrrad unterstreicht die Schatten- und Ruhesituation. Was mir persönlich an dem Bild gefällt ist die Tatsache, dass es keine Stelle gibt, die langweilig ist und hier Geschichten wie in einer Zwiebel drinstecken, Schicht für Schicht.

2. Foto

Das nächste Foto zeigt eine Situation in den „Lauben“, einer Einkaufsstrasse in Meran.

Eigentlich schien die Sonne. Doch die enge Strassenschlucht hielt viel Sonnenlicht ab. Mir gefiel die Laterne am oberen Bildende, die sich durch die hohe Ausrichtung der Kamera sehr kontrastreich vom weit sichtbaren Hintergrund der Berge abhob.

Zugleich weisen die Sonnenschirme den Blick immer tiefer in die Strasse hinein. Die vielen Menschen sind durch den Schatten nicht identifizierbar aber sichtbar, so dass der Strassencharakter voll zur Geltung kommt.

Das Bild erzählt eine Geschichte vom Einkaufen, von der Geschichte einer Strasse, von entspannten Menschen und von der Region.

3. Foto

Jetzt kommt das Gegenteil. Ich habe wieder Schwarzweiss gewählt, weil es auf die Aussage des Bildes und nicht auf die Farben ankommt.

Es ist ein Foto für den zweiten Blick. Das Foto erzählt mindestens eine Geschichte und nimmt den Betrachter sofort in seinen Bann. Die Geschichte ist nicht schön, wenn man das Schicksal des Mannes sieht und doch ist dies Teil dieser Welt. Man kann die Augen davor verschließen oder diese Realität sehen.

4. Foto

Nun kommt eine völlig andere Ansicht. Es geht um Menschen in Meran von unten.

Hier werden mehrere Geschichten erzählt. Man sieht aber nur die Füße. Man erahnt, dass die Sportschuhe und die Jeans zu einem Mann gehören, der irgendwie verbunden mit den hochhackigen Schuhen und der Jeans der Frau davor zu sein scheint. Aber es kommen dann noch mehr Füße, Sandalen und Schuhe und Geschichten. Von rechts unten nach links oben verläuft eine Diagonale. Und ein Mensch muß es besonders eilig haben. Er läuft gerade links aus dem Bild und die Bewegungsunschärfe seines Fußes zeigt die Hast.

5. Foto

Das nächste Bild könnte von einem Maler oder einer Malerin stammen, der/die die Natur sehr mag.

Auf dem Bild schaut eine Taube friedlich herüber. Sie sitzt auf einer Säule und einem Holzdach mit Rosen. Man sieht weiter entfernt einen Baum und ältere Architektur. Es war ein Moment, der dieses Stückchen Frieden hervorbrachte. Harmonie direkt neben der Hauptstrasse.

6. Foto

Nun kommt ein Foto, welches viele Vorstellungen von dort enthält.

Hier findet man alle Waren zum Verkauf, die man aus den südlichen Ländern gerne hat. Das Problem war die Beachtung der Persönlichkeitsrechte. Es geland mir nur in diesem Moment, wo der Mann mit dem breiten Kreuz für einen Moment die Augen und die Gesichter der anderen verdeckte und dennoch alle drei eine Art Gesprächskreis bildeten. So erzählt das Bild etwas über Essen und Trinken und das Wetter in Meran.

7. Foto

Nun kommt ein Foto, das ich nachbearbeiten musste.

Dieses Foto zeigt in einem Cafe im Mittelpunkt die beiden Haupterfrischungsgetränke der Region. Einmal Aperol mit Prosecco und einmal Holunder mit Minzblättern und Prosecco. Und direkt darunter das Lieblingsgetränk eines kleinen Kindes in der Trinkflasche. Obwohl es eine öffentliche Situation war, habe ich drumherum einen Unschärfefilter gelegt, um die evtl. Rechte der fremden Personen am eigenen Bild zu wahren. Entstanden ist dennoch ein schönes Foto, wie ich finde. Mit gefällt besonders die Kombination aller drei Getränke. Das Foto ist auch ein Beispiel für die Grenzen von kleinen Kompaktkameras. Die Tiefenschärfe ist von Beginn an da.

Nur eine Kamera mit grossem Chip und ein Objektiv mit Blende 1,4 hätte hier den Hintergrund schon bei der Aufnahme unscharf machen können. Stattdessen musste bei einer kleinen Kamera hinterher der digitale Filter ran.

8. Foto

Zum Abschluß noch ein Foto, welches die Anziehungskraft von Meran zeigt.

Das Foto ist sehr einfach gehalten, es hat aber einen interessanten Inhalt. Man sieht nämlich, wer sich so alles in Meran aufhält. Die Vielzahl der Nummernschilder an den Motorrädern zeigt die deutschen Urlauber. Zugleich führt die Kette der Motorräder den Blick in das Bild und zeigt eine der Hauptstrassen von Meran.

Mit diesen 8 Fotos will ich enden. Gute Urlaubsfotos bzw. gute Reisefotos haben viele Gesichter. Aber es gibt überall interessante und informative Momente, die sich für Fotomotive lohnen – und dies immer wieder.

Zeit in der Fotografie

Zeit spielt in der Fotografie eine große Rolle und in der Kunst ebenso. Vielleicht wird sie auch in der Fotokunst eine Rolle spielen. Für mich ist das wichtigste Bild zu diesem Thema „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (The Persistence of Memory), auch „Die zerrinnende Zeit“ oder „Die weichen Uhren“ des surrealistischen Malers Salvador Dalí aus dem Jahr 1931.

Doch aus der Höhe des Denkens möchte ich nun zu den ganz praktischen Fragen des Umgangs mit der Zeit in der Fotografie kommen. Denn Zeit ist eine wesentliche Variable in der Fotografie. Die folgenden Gedanken sind unterteilt und ermöglichen schnelle und klare Blicke auf das Thema aus meiner Sicht.

Zeit und Geld

Und wenn dann Geld auch eine Rolle spielt, weil man von der Fotografie leben muß, dann wird es noch interessanter. Dazu drei Beispiele:

1. Der Videofotograf

Im Focus wurden die monatlichen Bruttoentgelte vieler Berufsgruppen aufgeschrieben. Danach verdient ein Videofotograf, also ein Fotograf, der auch Videos erstellt, als Einstiegsgehalt ca. 2000 Euro brutto. Nun ist dort nicht ausgewiesen, was dafür getan werden muß. Aber in diesem Falle ist der Videofotograf angestellt. Deshalb will ich hier ein paar Gedanken hinzufügen.

Wenn das Videomaterial zusätzlich zu Fotos erstellt wird, dann hat es einen anderen Bearbeitungsweg. Entweder gibt der Videofotograf das Rohmaterial einfach im Betrieb ab, dann muß es von einem Cutter oder einer Cutterin noch komplett bearbeitet werden. Es muß also eingespielt, geschnitten und weiterverarbeitet werden. Wenn das Material verarbeitet wurde, muß es danach zu oder in einem Beitrag verarbeitet werden. Es müssen also auch noch Intro, Zwischentexte etc. reingeschnitten bzw. erstellt werden. Das ist immer zeitaufwändig.

Oder der Videofotograf bearbeitet selbst. Das ist ebenso zeitaufwendig und hat dieselben Schritte wie oben aufgezeigt. Wenn man ein kleines Video machen will, welches einen Sachbeitrag darstellt, dann kostet dies also Zeit und damit auch Geld.

2. Der wartende Fotograf

Wenn ein Fotograf seine Motive sucht, dann kann er dies entweder in gestellten oder in echten Situationen. Echte Situation bedeutet, ich gehe/fahre irgendwohin, um dort eine Situation zu suchen. Das geschieht nie auf Knopfdruck. Entweder gibt es einen Ablauf des Geschehens oder man wartet irgendwo auf die Dinge, die da kommen sollen. In dieser Zeit wird nicht fotografiert sondern gewartet. Was ist das für eine Zeit? Früher wurde dies so abgerechnet, daß es einmal eine Pauschale für einen Zeitaufwand gab und dann noch mal pro Foto eine Vergütung für einen Zweck gezahlt wurde. Das ist im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung ins Rutschen geraten.

3. Der vorbereitende Fotograf

Ähnlich aber umgekehrt sieht es beim Studiofotografen aus. Dabei kann das Studio vor Ort aufgebaut werden oder fest an einer Adresse sein. In beiden Fällen ist die Vorbereitungszeit ganz entscheidend. Wenn die Dinge stimmen wird fotografiert. Vorbereitungen brauchen Zeit, damit es stimmig ist. Diese Zeit kann nur begrenzt abgerechnet werden.

Diese drei Beispiele zeigen das Verhältnis von Zeit und Geld in der Fotografie.

Zeit und Bildkomposition

Doch es gibt noch mehr Relationen. Die nächste Relation ist die Relation von Zeit im Foto selbst. R. Wagner und K. Kindermann zeigen in ihrer „Meisterschule der Fotografie“ einen fotografischen Zusammenhang auf. Welche Rolle spielt zum Beispiel „Zeit“?

„Eine Folge der Richtung, in der man in ein Bild geht, ist die Zeitkomponente, die ein Bild hat. Links sieht man zuerst, dann wandert der Blick nach rechts. Damit ist links die Vergangenheit, rechts die Zukunft, in der Mitte die Gegenwart. Wird ein Motiv zentral platziert, ruht es in der Gegenwart.“

So ist die Dimension der Zeit ein wesentliches Instrument für den Bildaufbau. Wer damit arbeitet kann gestalterisch ganze Abläufe versinnbildlichen. Aber der Umgang mit der Zeit ist natürlich mit der Anordnung von links nach rechts auf einem Foto nicht beendet. Es gibt weitere Elemente für die Umsetzung von Zeit in der Fotografie.

1. Alles beginnt mit den Verschlusszeiten. Einfrieren oder Fließen, das ist hier die Frage.

2. Wie scharf soll es denn sein? Unschärfe und Bewegungsunschärfe auf Fotos zeigen sehr oft das Verhältnis von Zeit und Zeitfluss.

3. Die Kamera zeigt die Zeit. Dieser Effekt kann sehr schön durch das Bewegen der Kamera statt der Motive während einer Aufnahme erfolgen.

4. Langzeitbelichtungen als Ergebnis und Vorgang. Damit können Strassen menschenleer gemacht oder ein Verhältnis von Fliessen und Stillstand geschaffen werden.

5. Nachbearbeitung und Kombination, zum Beispiel in einer Bildserie…

Es gibt sicherlich noch mehr Möglichkeiten, die Zeit und die Aussagen in einem Foto sichtbar zu machen. In allen Fällen ist dies eine Entscheidung der/des Fotografin / Fotografen.

Zeit und Lebenszeit

Aber damit ist noch nicht Schluß. Es gibt noch eine wichtige Relation, sie lautet Zeit und Lebenszeit. Der wichtigste Gedanke dazu findet sich meiner Meinung nach bei Albert Camus: „Es kommt ein Tag, da stellt der Mensch fest, daß er dreißig Jahre alt ist. Damit beteuert er seine Jugend. Zugleich aber bestimmt er seine Situation, in dem er sich in Beziehung zur Zeit setzt. Er nimmt in ihren seinen Platz ein. Er erkennt, daß er sich an einem bestimmten Punkt einer Kurve befindet, die er – dazu bekennt er sich – durchlaufen muß.“

Dieser lebensbejahende Gedanke kann natürlich zu einer sinnlichen Wahrnehmung von Zeit führen. Und die ist nicht nur sinnlich. Wie formulierte Robert Hirsch so schön:

„Kurz und bündig formuliert sagt Einstein, dass es so etwas wie eine universell gültige Zeit nicht gibt – es gibt keine zentrale Uhr im Universum, nach der sich alles richtet.“

Und er führt etwas später aus: „Wenn Sie Ihre bildnerischen Möglichkeiten zum Umgang von Zeit und Raum auf einen linearen Ansatz nach den Prinzipien Newtons beschränken, werden Sie Ihr Denken und das Potenzial ihrer Kamera einschränken“ (aus: Robert Hirsch, Mit der Kamera sehen).

Damit ist die Fotografie eine der Möglichkeiten, kreativ sich in ein Verhältnis zur Welt zu setzen und dies in der eigenen Fotografie auszudrücken. Wichtige Mittel dazu sind ja weiter oben schon beschrieben worden.

Ganz praktisch kann man auch sagen, wer manuell fotografiert, der weiß sofort, was ich meine. Man kann ja fast jede bessere Kamera zur manuellen Fokussierung (und mehr) benutzen.

Entscheidend dabei ist die Entschleunigung. Da man nicht nur den Bildausschnitt sondern auch die Schärfe von Hand einstellen muß, entsteht eine längere Auseinandersetzung im Kopf mit dem, was da als Foto bzw. Bild eingefangen und entstehen soll.

Damit kann Zeit in der Fotografie zur Entschleunigung der eigenen Lebenszeit beitragen und zu einer anderen Art der gestalterischen Komposition. Dies ist ebenfalls eine wesentliche Relation der Fotografie.

Mehr

Neben diesen drei Relationen gibt es noch eine andere. „Wenn die Zeit keinen Anfang und kein Ende hat, dann kann man jeden Moment als Mittelpunkt der Zeit sehen.“ Dieser Gedanke führt uns zur Zeitlosigkeit bzw. zur Gegenwart in der Zeit (das Wort würde aber nicht passen, wenn die Zeit weder Anfang noch Ende hat…).

Dies ist vielleicht die Fortsetzung der Entschleunigung. Vielleicht führt uns die Entschleunigung dann in das Hier und Jetzt.

Das wiederum hätte Folgen für die Bildkomposition. Sie würde anders. Im einfachsten Fall würde das Motiv in der Mitte liegen, in anderen Dimensionen müßte eine andere Art der Fotografie zu sehen sein. Aber an dieser Stelle sind wir vielleicht schon – als Gesellschaft?!

Nur ist eine Gesellschaft ohne Geschichte eine richtungslose und wertelose Angelegenheit. Und genau dann kann die Fotografie wieder helfen, diese Zeitlosigkeit in eine Relation zu anderen Zeiten zu setzen. Und darüber hinaus die Zeitlosigkeit des Seins nicht mit der Zeitlosigkeit des Zeitgeistes zu verwechseln.

Wie auch immer. Es ist an der Zeit, hier zu enden, denn „Informationen werden mitgeteilt und Wissen erwirbt man durch Denken“ (wie ein kluger Mensch einmal sagte).

Wer ist ein Fotograf und wer darf fotografieren?



Im Internet habe ich folgendes gefunden: „Ich lebe im Ausland (Irland), und hier gibt es keine Fotografenlehre. Entweder man lernt durchs Assistieren, oder durchs college, oder beides. Ich habe ein ‚Certificate‘ in ‚Commercial Photography‘ von einem college of art and design, aber auch ohne dies koennte ich mich hier ‚photographer‘ nennen!“

Wenn man nun in Deutschland nachschaut, dann scheint es ja ziemlich viele Debatten zu geben über dieses Thema. Der Wikipedia-Artikel dazu scheint bei den Revisionen von einem Kampf um die Frage geprägt, wer darf sich Fotograf nennen?

MERIAN Sachsen oder auf der Suche nach fotografischer Qualität in der Reisefotografie

Was ist fotografische Qualität in der Reisefotografie? Diese Frage wird nie zu Ende diskutiert werden können. Aber es lohnt sich immer wieder neu, darüber zu sprechen. Ja, ich weiß, dass mein Liebe zu den klassischen Kriterien von Cartier-Bresson überholt ist. Und deshalb habe ich mir den MERIAN Sachsen gekauft. Ich dachte mir, dass „Deutschlands führende Internetseite für Reisen“ so die Meta-Beschreibung auf der Homepage, sicherlich dann auch den Maßstab legt.

Betrachtet man das Titelfoto, dann ist es dort gelungen, eine malerische Landschaft festzuhalten. Auf Seite 16/17 ist dann ein Foto von Bautzen zu sehen. Die auf dem Foto vorhandene Linienführung brachte mich dazu, die Frage zu stellen, ob denn die Türme gerade sind? Ob das ein perspektivisches Problem ist, wenn man mit einem Weitwinkel fotografiert, kann ich wohl nur bei einem Besuch vor Ort klären.

Auf Seite 18/19 kommt dann ein wunderbares Foto mit Elbe, Kindern und Schiffen zum Vorschein. Leider ist es so, dass hier wie so oft die Grenzen des Drucks zum Vorschein kommen, da es ja in der Mitte geknickt wird wegen der Heftung. Schöner wirkt auf mich das Foto auf Seite 20/21 mit dem Nationalpark. Ich persönlich hätte mir mehr Mitteltöne gewünscht, aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Das Foto auf Seite 28/29 unter den Arkaden von Görlitz brachte mich dann doch sehr zum Nachdenken über gerade Linien und mögliche optische Verzerrungen. Die Atmosphäre auf dem Foto gefiel mir sehr gut.

Ab Seite 36 war in diesem Heft über Sachsen etwas sehr Kluges zu sehen. Das steht zwar nicht im Heft, aber mir kam dieses Thema in den Sinn beim Anschauen der Fotos: Es geht dabei um die Frage, wie man die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen beim Fotografieren wahrt. Wie wir ja alle wissen, darf niemand (verkürzt gesagt mit Ausnahme von Promis) gegen seinen Willen auf Fotos veröffentlicht werden, es sei denn, es handelt sich um öffentliche Ereignisse, wo der Einzelne nicht die Hauptperson ist. Das hat man in diesem Merian Heft dann auch – so weit ich das beurteilen kann – juristisch sauber gelöst. Ein Foto aus der Türkischen Kammer in Dresden zeigt zwar auch Personen beim Betrachten des Interieurs, aber alle sind unscharf. Auf gut Deutsch hat man dort länger belichtet, so dass die Fotos an den scharfgestellten Stellen gut belichtet waren und die Personen nicht mehr erkennbar gewesen sind.

Dasselbe Verfahren wurde auch auf anderen Fotos aus Ausstellungen und bei Aussenaufnahmen auf der Brühlschen Terrasse eingesetzt. Daß man damit auch wirklich gute Konstellationen herbeiführen kann, zeigt das Foto mit dem Werk „Der Denker“ von Rodin auf Seite 46.

Auf einem  Foto auf Seite 58 über die Mädlerpassage stellte ich mir die Frage, ob die Personen dort wirklich so lang und dünn sind.

Ab Seite 64 folgt dann eine Reihe von Landschaftsaufnahmen. Das erste Foto zeigt sehr schön den Himmel mit interessanten Proportionen. Und beim weiteren Durchblättern fällt immer wieder auf, dass die meisten Personen durch längere Belichtungszeiten als Zuschauer nicht persönlich erkennbar gemacht wurden. Auf einigen Fotos scheinen die Personen mit einer Ablichtung einverstanden gewesen zu sein.

Auch auf dem Foto zum Thema „Das Märchen vom feinen Schlossleben“ hat man dies gelöst. Dort sieht man eine Servicekraft ins Zimmer gehen, aber eben von hinten, so dass ihre Persönlichkeitsrechte auch am Arbeitsplatz gewahrt bleiben. Auf Seite 88 sieht man eine Person von vorne, allerdings so klein, dass sie erst mit Vergrößerung direkt erkennbar wäre.

Für mich hat sich das MERIAN Heft unter fotografischen Gesichtspunkten gelohnt. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass sich die fotografische Welt weiterentwickelt hat. Nimmt man die hier veröffentlichten Fotos als Vergleich und Maßstab, dann kann ich jetzt mit gutem Gewissen Fotos veröffentlichen, die den veröffentlichten Realitäten bei Fotos heutiger Reisemagazine entsprechen.

Davon einmal abgesehen halte ich dieses Heft auch unter dem Gesichtspunkt der Wahrung von Persönlichkeitsrechten für eine gute Studiermöglichkeit. Gerade dies ist ja ein altes Thema von mir, wenn auch eher im Bereich der Strasssenfotografie. Und eine elegante Lösung wie hier kann helfen, die Tücken der deutschen Rechtsprechung einigermassen fotografisch gut zu überstehen und trotzdem auch gute Fotos zu machen.

Aber es gehört eben auch zu der deutschen Rechtsprechung, dass ich hier die Fotos nicht zeigen kann sondern nur darüber schreiben darf. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil der Kauf der Ausgabe sich in jedem Fall mehrfach lohnt:  erstens weil sich ein Besuch in Sachsen lohnt und zweitens weil bei diesem Heft meiner Meinung nach fotografische Lernerfolge eingeschlossen sind.

Übrigens, sollten Sie das hier Gelesene ergänzen wollen, dann ist hier eine gute Möglichkeit, Kommentare abzugeben.

Photokina 2010 – Impressionen

Die Photokina 2010 in Köln ist ein Ort, an dem sich die Welt trifft. Es ist ein Ort der Globalisierung. Wenn man sich anschaut, welche chinesischen Firmen damit werben, für die großen Marken der Fotografie zu arbeiten und wenn man sieht, wie viele gute Produkte gar nicht nach Deutschland kommen, dann gibt es viel Stoff zum Nachdenken. Aber auch das Miteinander im Gegeneinander zeigt, wie klein Europa und wie groß die Welt ist.

Doch dies ist längst nicht alles. Bezogen auf Innovationen ist ein echtes Highlight sicherlich die Fuji X100. Endlich traut sich eine große Firma wieder eine Kamera zu bauen, die alles hat, was ein guter Fotograf braucht. Damit will ich nicht abstreiten, dass auch woanders gute Kameras gebaut werden. Aber unbestritten ist sicherlich, dass Sony und Fuji dieses Jahr den Ton bestimmen. Sony hat mit der NEX 5 und dem Camcorder NEX-VG10  echte und bezahlbare Innovationen herausgebracht. Fuji bringt nun eine Kamera mit einem echten Sucher und einem Gehäuse, dass aus einem Monitor wieder eine Kamera macht, die man auch noch gut mit zwei Händen anpacken kann. Die Fuji ist das offensichtliche Highlight der Photokina und wird wahrscheinlich eine große und begeisterte Anhängerschaft finden. Hoffentlich ist das Auslösegeräusch abstellbar, dann gehen wirklich Wunschträume in Erfüllung.

Aber mir ist noch mehr aufgefallen. Deutsche Domains werden gefragt. Was hat das mit der Photokina zu tun? Der Grund liegt darin, dass die Internetangebote wachsen. Der einfache gute deutsche Domainname wird langsam als Orientierung für digitale Inhalte entdeckt. Und es gibt zunehmend Angebote für das Hosten und die Darstellung von Fotos. Das hat man ja in den letzten Jahren fast monopolhaft ganz wenigen Anbietern überlassen, die einfach aufgrund ihrer fast Alleinstellung auf dem deutschen Markt heute aus allen Nähten platzen. Da kommt jetzt Bewegung hinein. Im Englischen Raum gibt es diese Angebote schon länger. Jetzt kommen sie auch nach Deutschland.

Aber ich habe noch etwas entdeckt. Das Fotobuch ist weltweit ein Hoffnungsträger. Es ist ja auch nicht verkehrt, wenn es auch gedruckte Fotos gibt. In unendlichen Varianten werden sie angeboten. Und es ist ein weltweites Thema.

Da hat sich ja die Photokina anders entwickelt als prophezeit. Wenn man ein knappes Jahr zurückdenkt, dann wurde von „Insidern“ eher geschätzt, dass das Hauptthema der Photokina 2010 die DSLRs mir den schwenkbaren Monitoren sein werden. Das ist offenkundig nur bedingt der Fall.  Nun denn, das Spannende scheint ja zu sein, dass das Zurückholen einiger Klassiker in das digitale Zeitalter vielfach mehr Erfolg hat als Neues um jeden Preis. Und warum auch nicht? Die Menschen haben sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert nur die technischen Möglichkeiten wurden verändert. Insofern sind gelungene Klassiker gut, wie man mit der Olympus Pen ja schon gesehen hat. Aber offenkundig wird zunehmend den Herrstellern klar, dass das Display den Sucher doch nicht ersetzen kann. Eine kleine „Innovation“ war an einem Messestand ein Sucher für die Displays. Man setzt also auf das Kameradisplay einen Sucher, um dadurch zu gucken. Der Stand war umlagert. Das spricht wohl weniger für Kameras nur mit Display als vielmehr für gute optische und elektronische Sucher.

Ein Besuch auf der Photokina lohnt sich wirklich. Die Wege sind weit, aber es gibt so ziemlich alles, was mit Fotografie zu tun hat und vieles darüber hinaus.