Praxis

Digitalkameras in der Streetphotography bzw. Streetfotografie von Fotomonat bis Filtermix

klassiker_streetphotography3a

Alles ist möglich aber nicht alles ist gut.

So würde ich meine Erfahrungen zusammenfassen, wenn es um Digitalkameras und das Fotografieren auf der Straße geht.

Ich meine dabei Fineart Streetfotografie.

Als im Jahre 2006 die Pananonic Lumix DMC-L1 (als Kooperation mit Olympus) auf den Markt kam, war dies wie ein kleines digitales Wunder.

Es gab nur DSLRs und einige Bridgekameras. Das klassische rechteckige Format wie es bei Pentax, Leica, Olympus etc. zu analogen Zeiten vorhanden war, gab es nicht.

Leica war damals digital kaum existent und übernahm die Kamera als Digilux 3 ins eigene Programm.

Die Lumix L1 holte das Handling aus analogen Zeiten in die digitale Welt, sie bot alle die Knöpfe und Rädchen, die viele haben wollten, sie hatte das Format, das viele mochten und sie war so stabil wie alte Kameras.

Ich weiß noch wie ich und andere diese Kamera zum damaligen Einstiegspreis von 2998.- Euro bei Fotokoch anschauten. Da standen wir echt in einer Reihe bis jeder mal dran war und die Kamera in die Hand nehmen konnte. Das waren noch Zeiten!

Das war 2006.

Jetzt sind wir zehn Jahre weiter.

Was ist in dieser Zeit bei Sucherkameras mit Wechseloptiken für Streetfotografie geschehen?

Wenn wir uns das Bild betrachten, wird es auf einen Blick klar.

klassiker_streetphotography

Die Digitalkameras sind kleiner geworden und Panasonic ist sich dabei wirklich treu geblieben und bietet aktuell mit der DMC-GM5 eine Kamera an, die im Format einer Kompaktkamera mit großem MFT-Sensor und Sucher alles das kann, was auch eine ausgewachsene DSLR konnte – und noch ein bißchen mehr (inklusive totalem Videospaß).

Dazwischen drängen konnte und kann sich eigentlich nur die V1 von Nikon, deren 1er Sensor mit der unglaublichen Fokussierschnelligkeit und dem Sucher doch ebenfalls richtig gute Streetfotografie ermöglicht.

Diese Kameras sind für mich die Klassiker unter den Digitalkameras mit Sucher, klassischer Form und Wechseloptik im Bereich der Streetfotografie in der Abfolge von damals bis heute.

Aber es wurden seitdem ja noch mehr Kameras gebaut.

Und wenn ich mich für Digitalkameras interessiere, die einen Sucher und eine fest verbaute Optik haben, dann gibt es eine andere Reihe.

klassiker_streetphotography2

Haben Sie die Kameras erkannt?

Wenn nicht, dann zeige ich sie Ihnen hier noch mal von vorn:

klassiker_streetphotography2a

Wie Sie sehen handelt es sich um die Fuji X100, die der Pionier für die Rückkehr des klassischen Suchers in die Streetfotografie ist. Sie wurde auch ein Ersatz für viele, die von Leica kamen und sie ist bis heute im Kreis von Fotoreportern sehr beliebt.

Die Fuji X100 hatte und hat drei Dinge, die es so vorher und bis heute nicht mehr gab. Erstens hat sie einen unerreicht guten Sucher, der sowohl optisch als auch digital sein kann. Zweitens hat sie die klassische Form der Reportagekamera, die ein ganzes Jahrhundert dominierte. Drittens traf sie den Nerv der Zeit, weil sehr viele darauf warteten endlich eine Kamera zu bekommen, die das beste aus analogen Zeiten mit dem besten aus digitalen Zeiten miteinander vereint und bezahlbar ist.

Und Fuji war eben klug genug in einer Kamera beide Möglichkeiten anzubieten bis hin zur Wahl zwischen Sucher und Monitor und dies alles mit einem Preis zu koppeln, der für arbeitende Menschen annehmbar ist.

Die langen Schlangen auf der Photokina waren damals so erstaunlich, daß die Fuji Verantwortlichen selbst aus dem Staunen nicht mehr rauskamen.Ich war dabei. Und auch spätere Berichte beschreiben diese ganz besondere Erwartungshaltung.

Es war nicht nur Zeitgeist sondern es war die vorgeformte Erwartungshaltung ganz vieler Menschen, die mit analogem Equipment aufgewachsen waren und nun endlich die kompromisslose digitale Umsetzung wollten. Das hat sich nur Fuji getraut.

Doch zurück zum Foto.

Hier kommt die Fuji X10 mit ihrem optischen Sucher hinzu und als neuste Kamera in dieser Reihe die Panasonic Lumix DMC-LF1, klein und fein, wenn auch mit elektronischem Sucher.

Doch auch dies war nicht alles.

Denn es gab ja viele Jahre fast ausschließlich Kameras mit Monitor und ohne Sucher.

Für Streetfotografie sind die besten Digitalkameras ohne Sucher und mit Monitor dabei hier zu sehen:

klassiker_streetphotography3

Es handelt sich um die Olympus XZ-10 (wobei die XZ-1 bis heute genau so gut ist aber noch etwas anders), die Ricoh GR Digital 3 bzw. 4 (als Festbrennweite) und die Casio EX-ZR 700 bzw. 1000. Es sind alles Kameras mit kleinen Sensoren. Das ist kein Zufall weil schnelle und spontane Monitorfotografie vielfach mit kleineren Sensoren auf die Schnelle bessere Ergebnisse erzielen kann.

Ich habe vor einigen Jahren an anderer Stelle schon einmal über die besten Kameras für Streetphotography aus meiner Sicht geschrieben.

Das war zu einer Zeit als ich noch nicht wußte was noch kommt und womit ich weiter Erfahrungen sammeln werde. Auch damals waren es alles gute Kameras aber es gab im Ergebnis auch dabei noch bessere.

Insofern ist der damalige Bericht ein guter Querschnitt, ersetzt aber nicht diese Zeilen, weil ich hier technische Entwicklungen und eigene Erfahrungen Jahre später im Längsschnitt zusammenführe.

Denn für gute Streetfotografie ist eine gute Kamera erforderlich, die etwas haben muß, was alle Kameras hier haben.

Wissen Sie was?

Genau, es ist das RAW-Format.

Meiner Erfahrung nach kann man zwar den Moment in der Streetfotografie nicht wiederholen aber man kann die Fotos danach im digitalen Labor so bearbeiten daß die Anmutung entsteht, die man haben will.

Denn fertige jpgs sind ja nichts anderes als im kamerainternen Digitallabor bearbeitete Fotos. Die kann man dann auch selbst mit den eigenen Möglichkeiten später herstellen mit dem RAW-Format, dem digitalen Negativ.

Alle Kameras haben aber noch etwas. nämlich die Möglichkeit der Zeitvorwahl (S wie Shutter Speed). Nur wenn ich die Verschlußzeit selbst bestimmen kann, kann ich auch die Gestaltung des Bildes beeinflussen.

Und man muß sich entscheiden, ob man mit Monitor oder Sucher fotografiert. Sucherfotografie ist anders, weil das Fotografieren durch einen Sucher sehr viel intensiver ist.

Natürlich habe ich viele Kameras ausgelassen.

Verfechter des Vollformats werden sicherlich von Leica und Sony sprechen wollen. Aber die Verknüpfung von Vollformat und Streetfotografie war nur solange sinnvoll wie es keine Alternative gab.

Cartier-Bresson stieg z.B. damals von größeren Kameras auf die kleinere Leica mit dem Kleinbild um, weil so schnelleres und unauffälligeres Fotografieren möglich war und die Kamera einfach kleiner war.

Genau dieser Mut zur Veränderung war die technische Voraussetzung für seine Fotos.

Und diesen Schritt sollte man heute auch machen, denn der Umstieg vom Kleinbild auf kleinere Kameras und kleinere Sensoren lohnt sich, weil die Bildqualität kein Thema mehr ist und die Möglichkeiten durch den Umstieg zum Teil wachsen und mehr Kreativität ermöglichen.

Kleine Sensoren sind auch gute Sensoren und zunehmend auch besser für Street und Still.

Hinzu kommt noch, daß sich das Sozialverhalten verändert hat.

Kameras und das Fotografieren werden heute vielfach anders wahrgenommen. Das hat mit Edward Snowden ebenso zu tun wie mit der Smartphone-Fotografie und sozialen Netzwerken mit ihrer neuen Öffentlichkeit.

Eine Antwort darauf ist meine Fineart-Streetfotografie, die sich genau aus dieser Auseinandersetzung entwickelt hat.

Von 2006 bis 2016 sind nun zehn Jahre in der Digitalfotografie um.

Ich war rund um Fotomonat ca. zehn Jahre dabei.

Aber es zeichnete sich schon 2015 ab, daß es einen Übergang geben wird aus unterschiedlichen Gründen.

Ich brauchte mehrere Versuche über mehrere Jahre, um zurück ins Fotografieren zu finden.

Das Ergebnis steht nun fest: weniger ist mehr und mehr Zeit fürs Fotografieren und weniger Zeit für das Schreiben ist eine gute Veränderung, die ja auch wieder nur vorübergehend ist.

Übrigens heißt mehr Zeit für das Fotografieren nicht mehr Fotos – ganz im Gegenteil!

Ist Leben im Moment mehr Leben oder einfach nur das Leben, weil es mehr als den Moment zu leben nicht gibt?

Vielleicht finde ich es heraus.

Danken möchte ich abschließend Hans Treffer für die Kameras, die er mir zur Verfügung gestellt hat.

Text 1.1

60 Jahre Fotografie pur: Winter in Rüdesheim 1956 – Die Welt auf dem Sensor 2016

Henri Cartier-Bresson hat ein Foto gemacht mit dem Titel Winter in Rüdesheim.

Dabei handelt es sich nicht um Streetfotografie, höchstens um Streetsfotografie.

Wenn wir aber deutsch sprechen wollen ist Landschaftsfotografie oder Still-Fotografie eher eine richtige Bezeichnung.

Für dieses Foto hat er keine Kamera mit Monitor benutzt sondern einen optischen Sucher ohne weitere Hilfsmittel, höchstens für die Scharfstellung die Vereinigung des Doppelbildes im Messsucher (wenn…).

Dieses Foto entstand 1956. Es dient mir als Anlaß um meinen fotografischen Schwerpunkt im Jahr 2016 ebenfalls unter den Schwerpunkt Sucher pur und eher Schwarzweiss zu stellen.

Dafür greife ich dann auf Kameras mit Optik pur zurück.

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche.

Nach jetzigem Stand wird dies die Fuji X10 sein mit ihrem optischen Sucher und an zweiter Stelle wird dies dann mit der puren ersten Fuji X100 und ihrem hybriden optischen Sucher geschehen. Vielleicht ergibt sich noch die Nutzung einer anderen Kamera mit optischem Sucher.

Natürlich könnte man auch andere Kameras nutzen, wenn sie über entsprechende optische Sucher verfügen. Natürlich könnte man auch digitale Produkte nehmen, die dies nachahmen. Aber genau dies ist es nicht.

Nachahmen geht immer. Die Herausforderung besteht darin es so zu tun, daß man es selbst kann und nicht die Kamera alles macht.

Natürlich könnte man auch analog fotografieren. Aber mir geht es weniger um das Herstellen der Fotos im Labor als um den Prozess des Fotografierens mit dem Sucher.

Denn der Sucher verdichtet und fokussiert. Das ist für mich das Geheimnis.

Und es muß eben nicht nur auf der Straße geschehen, es kann auch bei Landschaften sein.

Dafür gibt es aber dann in meinem Fall die Herausforderung der geometrischen Komposition.

Im Fall von Henri Cartier-Bresson ist dies die doppelte Geometrie mit der Aufteilung des Fotos in der Fläche und der Aufteilung des Fotos in der Tiefe. Er arbeitet hier einerseits mit Motiv im Vordergrund und Motiv im Hintergrund und andererseits mit der Aufteilung des gesamten Fotos in mindestens drei Teile, Weinberg, Dorf und Rhein.

So kann man Fotos erstellen, die das jeweilige Motiv betonen und es in die visuelle Geometrie einpassen:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Oder ein Foto besteht nur aus Geometrie und der Ausschnitt aus der Wirklichkeit wird benutzt, um durch die Geometrie eine Ordnung in eine sonst rein funktionale und nichtssagende Anordnung zu bringen. Dann wird durch die Geometrie aus der Summe der Teile etwas Ganzes wie hier:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Fotografisch kommt es also darauf an der unendlichen Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und nach eigenen Anforderungen damit die Wirklichkeit visuell zu gestalten.

 

Kommerzielle Landschaftsfotografie zwischen Rothaarsteig und Eschbachtalsperre

Es gibt sie noch, die kommerziell erfolgreiche Landschaftsfotografie.

Sie soll die schönen Seiten zeigen und Sehnsucht oder Neugier wecken, damit man dorthin gelangt.

Um dies an einem Beispiel zu zeigen, möchte ich auf das Buch Rothaarsteig von Klaus-Peter Kappest verweisen. 

rhs

Ich halte das Buch deshalb für gelungen, weil hier nicht eine exotische Märchenlandschaft präsentiert wird, sondern die Wälder und Wanderwege nebenan so fotografiert wurden, daß die Auftraggeber zufrieden waren und Fotos entstanden sind, die auch gut wirken.

Herr Kappest hat einige der Fotos auf seiner eigenen Webseite präsentiert, so daß Sie sich selbst ein Bild machen können.

Zusätzlich gibt es z.B. im Outdoor-Magazin online auch Fotos von ihm zu diesem Wanderweg.

Die Landschaft am Rothaarsteig gefällt mir. Aber es gibt natürlich noch mehr landschaftlich schöne Ecken.

Wer im Bergischen Land wohnt oder öfter auf der A1 am Rasthof Remscheid vorbeifährt, dem sei ein anderer kleiner Geheimtipp anvertraut.

Direkt hinter dem Rasthof und Motel ist die „Remscheider Talsperre“.

Diese lädt zum kurzen Erholen und Wandern ein – nicht zu lang und nicht zu kurz.

Danach gibt es im Cafe und Restaurant alles, was vor einer guten Weiterfahrt nötig ist.

Übrigens war dieses Restaurant mit dieser Talsperre der Lieblingsort von Herbert Wehner. Das ist zwar schon lange her aber vielleicht erinnern sich einige noch an ihn.

Und die privaten Fotos, die ihnen einen Eindruck von diesem schönen Ort vermitteln, finden Sie hier.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Hotel hat übrigens eine eigene (kommerzielle?) Webseite mit Fotos.

Ein sehr schönes kommerzielles Luftbild von der Remscheider Talsperre hat der Fotograf Holger Klaes auf seiner Webseite.

Und zum Abschluß noch etwas besonderes, das es nur auf der Webseite der Stadt Remscheid gibt  Da wird über dem Text der Eschbachtalsperre ein Foto von einer anderen Talsperre gezeigt.

Wenn man nun die kommerziellen und die privaten Angebote vergleicht, dann wird sehr deutlich, wo die Unterschiede sind und welche Unterschiede es gibt.

  • Es ist einmal der Aufwand (Luftbild), der sich durch Drohnen zukünftig vielleicht reduzieren läßt und
  • es ist die Nachbearbeitung und die Auswahl des Zeitpunktes und
  • es ist die geometrische Gestaltung des Fotos.

Ich hoffe, dieser Artikel hat deutlich gemacht, wo gute Landschaftsfotografie anfängt und wo sie ungefähr aufhört. Letztlich entscheidet der Auftraggeber und manches ist zu sehen, was andere nicht bezahlen würden.

Aber da es hier um die Landschaft geht, die vor unserer Haustür liegt, ist die Frage natürlich besonders interessant, wie Fotos sein müssen, für die bezahlt wird.

Und das Buch von Klaus-Peter Kappest aus dem Tecklenborg-Verlag zeigt uns, wie es geht.

Raben und Krähen oder wie lerne ich unauffälliges Fotografieren?

Der entscheidende Moment bei Kind und Krähen - Foto: Michael Mahlke

Der entscheidende Moment bei Kind und Krähen – Foto: Michael Mahlke

Unauffälliges Fotografieren ist die Königskunst der Streetphotography und des ungestellten Porträts.
Aber das ist sehr schwer. Es gibt eine Übung.

Ich nenne diese Übung die Krähen- und Rabenübung.
Dabei geht es um genau das, was die Wörter beinhalten.
Es geht um das Fotografieren von Krähen und Raben.
Diese Vögel sind bei uns weit verbreitet und das ganze Jahr über verfügbar.

Versuchen Sie doch mal, diese Vögel aus der Nähe ohne Tele mit 35 oder 50mm Brennweite so zu fotografieren, daß mehr als die Silhouette sichtbar wird.

Diese Vögel sind zwar frech aber genaue Beobachter und dann plötzlich sehr scheu und schnell weg.
Sie haben eine Fluchtdistanz, die es zu überwinden gilt.

  • Wenn Sie mit einer großen DSLR an einem Acker stehen werden Sie erleben, daß die Vögel wegfliegen.
  • Wenn Sie mit einer Bridgekamera an einer Straße stehen werden Sie erleben, daß die Vögel wegfliegen.
  • Wenn Sie mit einer kleineren Kamera sich ca. drei Meter den Vögeln nähern werden Sie erleben, daß die Vögel wegfliegen.

Und genau das ist die Gretchenfrage?

Wie kann ich diese Distanz überwinden, so daß ich näher rankomme?

Es ist mit Menschen nicht so schwer wie mit diesen Vögeln.

Wenn Sie es schaffen, gute Fotos aus der Nähe mit kurzen Brennweiten von diesen Vögeln zu machen, dann sind Sie auch in der Lage, unauffällig Menschen zu fotografieren.

Sie werden auch erleben, daß die Größe und das Handling der Kameras sehr unterschiedlich sind und es soziale Standards bei Tieren und bei Menschen gibt.

Ich sage Ihnen jetzt schon, daß es dauert.

Ich habe mehrere Jahre gebraucht.

In diesem Sinne viel Spaß!

 

 

F 1.4 – Lichtmalerei

Lichtstarke Objektive

Wie lange haben wir darauf gewartet, eine Kompaktkamera mit F1.4 zu bekommen?

Geliefert hat uns diese Kamera Panasonic mit der LX7.

Ein Traum?

Realisiert im Jahre 2012 und bis heute und auch noch in zehn Jahren ein wundervolles Instrument für gute Fotos.

Doch neben der Optik kommt es auch auf den Sensor an. Derselbe Sensor ist auch in der Panasonic Lumix LF-1.

Lumix LF-1 Foto: Michael Mahlke

Lumix LF-1 Foto: Michael Mahlke

Diese Kamera ist die heimliche Geliebte vieler Fotojournalisten geworden, also echter Fotopraktiker, die wissen, was sie wollen.

So ist aktuell (2015) auf dem Fotomarkt das verfügbar, was wirklich zum klassischen Fotografieren mit Kamera und guter Optik optimal – wenn nicht maximal – geeignet ist.

Es ist nur nicht mehr so schwer.

Was will man mehr?

Aber die Menschen sind nie zufrieden.

Neuheit ist die neue Sucht.

Neu ist besser auch wenn es nicht besser ist.

F1.8, F1.4 oder sogar F1.2 oder F0.95 sind die Pinselgrößen der Maler unter den Fotografen.

Foto: Michael Mahlke mit einem älteren Pentax SMC 1:1.2 50mm

Foto: Michael Mahlke mit einem älteren Pentax SMC 1:1.2 50mm

 

Steffen Böttcher hat in seinem gut gemachten Buch „Abenteuer Fotografie“ dies aufgegriffen. Hier ein Zitat aus der Leseprobe bei digitalkamera.de:

Und so gibt es dann manchmal Kombinationen von Kameragehäusen mit Objektiven oder neuerdings eine eingebaute Lösung bei der Panasonic LX7, die in der Hand von Lichtkünstlern wahre fotografische Wunder hervorbringen.

Mit einer so lichtstarken offenen Blende zu fotografieren oder etwas abgeblendet – das muß man können.

Bokeh-Wunder – das sind relativ viele ältere Objektive, wenn man sie richtig benutzen kann.

Dazu gehört Wissen und Übung.

Und so ist der wahre Lichtkünstler so selten wie der wahre Maler. Aber ob er oder sie entdeckt werden, steht wieder auf einem anderen Blatt.

 

 

Streetfotografie mal ganz anders

Streetphotography means photography in public – Straßenfotografie bedeutet Fotografieren im öffentlichen Raum.

Da wir dort Menschen sehen, müssen wir auf die Menschenrechte achten. Die sind bei der Frage des Fotografierens in einigen Ländern sehr unterschiedlich geregelt.

Streetfotografie heute bedeutet in Deutschland und Österreich, wenn jemand eindeutig zu erkennen ist, nur mit Einwilligung zu fotografieren, sonst ist es im Zweifel rechtswidrig.

Das ist aber nicht so schwer wie man denken könnte.

Das kann man online selbst trainieren oder offline mit einem Fototrainer.

Man kann aber auch ganz anders Streetphotography machen indem man die Motive umkehrt.

Dabei spielt man mit Licht und Schatten. Wenn die Lichtverhältnisse draußen mitspielen und man aufmerksam genug ist, die entscheidenden Momente einzufangen, dann fotografiert man nicht die Menschen sondern deren Schatten im Zusammenspiel.

So kann man Geschichten erzählen und macht dabei Strassenfotografie pur.

Man kann sogar Familien und Kinder fotografieren ohne juristische Probleme zu bekommen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Probieren Sie es einfach mal aus.

Aber man muß nicht nur die Schatten fotografieren, man kann auch eine fotografische Mischung festhalten, die die Schatten neben Personen im Licht setzt, wie man hier sehen kann.

Es macht richtig viel Spaß!

Straßenphotographie ist eben mehr als auf den Auslöser zu drücken, wenn man Ansprüche an sich selbst hat.

Um so schöner ist es, wenn man den Erfolg dann auf einem Foto sehen kann.

 

Triptychon 3 – sozialer Wandel im Bild

Wie kann man sozialen Wandel darstellen und zusammenfassen? Wie läßt sich Dynamik – Flow – visuell darstellen im Foto?

Die Veränderungen in der Industrieregion Bergisches Land bis 2010 habe ich mit 15 Fotos dargestellt. Diese bezogen sich aber auf Remscheid, Solingen und Wuppertal.

Nun kommt ein neuer Versuch begrenzt auf Remscheid, und für die Jahre 2014, 2015 und 2016:

Sozialer Wandel anhand von baulichen Veränderungen im öffentlichen Raum von Remscheid.

Ich habe dazu drei Motive gewählt, die mir sinnbildlich sinnvoll erscheinen.

Es ist ein Triptychon (lt. duden griechisch tríptychos = dreifach, aus drei Schichten, Lagen übereinander bestehend), weil es mit drei Bildern – drei szenischen Geschichten – ganz viel erzählt über die einzelnen Geschichten hinaus.

Beim Triptychon entsteht im Ganzen mehr als die drei Teile einzeln erzählen.

Es ist ein Beispiel für radical art. Das bedeutet auf Englisch etwas anderes als die Übersetzung radikale Kunst zunächst vermuten läßt. Diese Art von Kunst lebt, weil sie Bezüge zum eigenen Leben in der Gegenwart herstellt jenseits des reinen Selfie. Es ist das Tor zum Sozialen. Radical art verbindet mich mit der Gesellschaft und den Normen und nimmt mich auf, um mitzumischen, dabei zu sein und mir eine Meinung zu bilden.

Schauen Sie einfach mal hin und drauf, es ist nur einen Mausklick entfernt!

 

 

Ein Besuch im Zoo – Beispiele für Fineart-Streetphotography

Auch heute finden sich die Situationen, wenn man den entscheidenden Moment sieht. So kann man ganz entspannt Straßenfotografie praktizieren und dabei werden keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Ich war im Zoo.

Die Regeln der Fineart-Streetphotography helfen dabei und geben klare Orientierung.

1. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Sie sehen drei Personen. Sie schauen den Eisbären an und der Eisbär blickt zu ihnen. Die Personen sind aber nicht erkennbar. Das ist pure Lichtmalerei, weil zu diesem Zeitpunkt die Sonne auf das Glas schien. So war es möglich eine wunderbare Szene festzuhalten.

2. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier blickt ein Mann zu dem tauchenden und gerade auftauchenden Eisbären. Eine schöne Geschichte. Bitte achten Sie auf die Verlaufslinie des Wassers. Sie beginnt am Kopf des Mannes und und bildet noch mal ein Dreieck. Das Foto ist geometrisch ein schönes Spiel mit mehreren Varianten. Ich habe hier einfach gewartet. Ich wußte nicht ob er sich nach vorne beugt. Für ein paar Sekunden tat er es.

3. Foto

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier sieht man die Fotografinnen und Fotografen ihre Kameras hochreißen als der Löwe kurz vorbeikommt. Dabei schien uns allen die Sonne voll ins Gesicht – wie man auf dem Foto ja auch sehen kann. Bei diesem Foto ist es so, daß ich kein anderes machen konnte. Hochreißen und abdrücken. Entweder ich zeige dieses Foto oder es gibt nichts zu sehen.

Drei sehr schöne Fotos, die sich ungestellt so ergeben haben.

Was will man fotografisch mehr.

Um zu zeigen, daß es nicht auf Farbe ankommt, habe ich bei allen Fotos einen schwarzweissen Filter gewählt.

Entscheidend für mich ist die Geometrie.

Sie stimmt auf allen Fotos.

Wie real und wie symbolisch ist Dokumentarfotografie?

Einige persönliche Gedanken

Wenn man sich mehr als zehn Jahre theoretisch und praktisch mit Dokumentarfotografie beschäftigt, dann tauchen neue Fragen auf.

Neben technischen Fragen

  • wie man fotografiert

gesellen sich soziale Fragen

  • wie man die Fotos gebraucht.

Und dann kommen plötzlich Fragen nach der Symbolik der Fotos – zumindest bei mir.

Da in der letzten Zeit viele meiner dokumentarischen Fotos in Remscheid entstehen, sind die dortigen lokalen Themen automatisch auf den Fotos.

Remscheid liegt in Amerika, auch wenn es in Deutschland liegt.

So weit bin ich schon.

Aber es geht noch weiter.

In Remscheid wurden in letzter Zeit im Rahmen einer Marketingaktion an zentralen Stellen Werbebotschaften aufgestellt.

Diese sollen offenkundig als Überbleibsel einer „Löwenparade“ mit Beigeschmack noch an vielen anderen Stellen stehen.

Diese Art der symbolischen Stadtentwicklung auf der Grundlage eines Nazidenkmals wäre schon Grund genug, um über den symbolischen Wert von dokumentarischen Fotos nachzudenken.

Aber ich möchte dies alles noch etwas erweitern.

Betrachten wir das folgende Foto:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Es handelt sich hier um die Kreuzung am „Zentralpunkt“, die zugleich der Verkehrsknotenpunkt in Richtung Südbezirk mit den größten Arbeitgebern von Remscheid ist.

Dabei handelt es sich u.a. um das Sana-Krankenhaus und die Firmen Vaillant, Mannesmann sowie andere Firmen drumherum. Es sind alles private Gesellschaften.

Und hier auf dem Berg thront nun eine Kopie des Nazidenkmals mit dem Symbol einer Zeitarbeitsfirma.

Das ist in sich schon symbolisch.

Das Jobcenter in Remscheid stellte in diesem Jahr fest: “Der Remscheider Arbeitsmarkt ist geprägt durch die Zeitarbeit.”

Insofern symbolisiert diese Figur als ein Denkmal etwas zum „Denk mal!“.

Damit aber nicht genug.

Welches der Unternehmen in diesem Stadtteil greift eigentlich nicht auf Zeitarbeitsfirmen zurück?

So ist für mich die Symbolik viel tiefer.

Hier wird der Triumph einer Gesellschaft symbolisiert, die immer mehr Arme in Arbeit und ohne Arbeit hervorbringt und soziale Verunsicherung in jeder Form.

Daß in diesem Stadtteil auch ein Teil der ganz Reichen wohnt, ist vielleicht die andere Seite und ein Grund mehr, warum es gerade hier steht.

Aber damit ist der Symbolgehalt immer noch nicht hinreichend beschrieben.

Denn hier steht nicht nur etwas, es steht auch auf etwas.

Genau, es ist eine rechteckige Box.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Auch dies ist ein Symbol.

Remscheid wird rechteckig.

Die Industriehallen-„Architektur“ des total häßlichen Funktionalismus greift an jeder Ecke um sich.

Eigentlich ist es schon schlimm genug, wenn in einem Industriegebiet solche hässlichen Hallen als Arbeitsboxen stehen. Sie sprechen eine andere Sprache wie die früheren Fabrikgebäude.

Aber nun kommt dies massiv an jeder Ecke.

Private Neubauten, Einkaufszentren und nun auch noch als „krönender“ Abschluß der Fuß eines denkwürdigen symbolischen Aktes des Stadtmarketings.

So ist auch hier eine Symbolik zu finden, die das Ergebnis der Tatsache ist, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt.

Dies alles zeigen die Fotos.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Aber das meiste davon sieht man nicht direkt.

Es ist in der Symbolik solcher Fotos angelegt, besser: in der Situation, die hier fotografiert wurde.

So kann ein Foto symbolisch etwas zeigen, was sich dem erschließt, der um die Zusammenhänge weiß.

Genau deshalb ist die Aussagekraft eines Fotos, selbst wenn es nur eine „oberflächliche“ Aufnahme ist, je nach Wissen und Zeitpunkt enorm groß.

Und es bedeutet, daß man den öffentlichen Raum nicht genug aufnehmen kann, weil Fotos gute Quellen für die Betrachtung der Realität in Geschichte und Gegenwart sind.

Denn was für Fotos aus Remscheid gilt, gilt eigentlich überall.

Insofern ist Remscheid fotografisch der Nabel der Welt – aber nur insofern.