Kurz & Knapp

Darf auf der photokina in Köln 2018 noch fotografiert werden?

Die Welt ist zu hause auf der photokina 2018 in Köln. Sie bleibt am Puls der Zeit wie dort zu lesen ist. Da bin ich mal gespannt.

Wenn sie in der zweiten Jahreshälfte startet und die Welt nach Köln kommt, dann gilt die EU-Datenschutzverordnung in Deutschland, weil Deutschland sie nicht in nationales Recht umgemünzt hat. Und dann dürfen Fotos von Menschen auf der photokina, auch wenn sie nur Beiwerk sind, nur noch gemacht werden, wenn die Menschen nicht erkennbar sind. Sonst muß von jeder Person nach einer mündlichen Aufklärung eine schriftliche Zustimmungserklärung vor dem Fotografieren abgegeben werden. Wie das gehen soll, wenn da die Welt kommt, ist mir noch nicht klar.

EU-Datenschutzrecht – wird das Fotografieren bald verboten?

Foto Mahlke

Das Ende der Fotoindustrie steht bevor könnte man meinen. Mit dem Untertitel „Neues EU-Recht bedroht ungestellte Bilder“ schreibt Hendrik Wieduwilt in photonews 4/18 folgendes:

„Wer künftig auf den Auslöser drückt, beginnt einen Datenverarbeitungsvorgang…. Noch vor dem Schuss muss die Person einwilligen … und zwar nachdem der Fotograf … informiert hat… Damit ist sämtliche Fotografie ungestellter Szenen von Event-, Straßen- oder Hochzeitsfotografie verboten – oder kann sich jemand vorstellen, 300 Hochzeitsgästen rechtssichere Einwilligungen abzuverlangen?“

Je teurer die Digitalkamera desto ärmer die Motive !?

„Soziales Elend hat die im Wohlstand lebenden stets unwiderstehlich zum Fotografieren angeregt – der schmerzlosesten Art, etwas zu erbeuten, um damit eine verborgene, das heißt, eine ihnen verborgen gebliebene Realität zu dokumentieren.“

Susan Sontag (S57)

Ihre Beobachtungen sind auch heute noch zutreffend. Je teurer die Digitalkamera desto öfter werden Bilderstrecken oder Regionen voller Armut gezeigt, wo die Menschen angeblich noch natürlich leben und die Farben eine so bunte Welt zeigen. Gerne wird aktuell die Armut auf Kuba gezeigt oder in Slums oder bei Käfigmenschen in Hongkong. Es geht so gut wie immer um Voyeurismus, den man mit der teuren Kamera ausleben kann.

Aber es wird noch schlimmer. In der aktuellen digitalen Streetfotografie-Szene wird vor allem das Leben der Armen, Gescheiterten und Obdachlosen als andauerndes Thema gewählt.

Das ist in Amerika ebenso zu sehen wie in Deutschland. Das wird dann monochrom oft verkauft als fotografische Hinwendung zu diesen Personen.

Wer es sich nicht leisten kann in den Slum zu fliegen, der fotografiert Obdachlose in Köln, Berlin oder München und nennt das Streetfotografie? Vom Namen her stimmt das sogar aber früher war das Opferfotografie und heute wissen wir ja, daß jeder in Deutschland Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf erhält durch die Grundsicherung.

Es gäbe viel bessere Motive. Wieso fotografiert man nicht die Reichen auf der Kö oder sonstwo, wieso die Armen?

An die Reichen traut man sich fotografisch schon nicht ran, weil man nicht so gut fotografieren kann, daß die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden?

Dann wäre Übung angesagt, denn man kann immer in der Öffentlichkeit fotografieren und gute Streetfotografie produzieren, wenn man es richtig macht.

Dann paßt auch die teure Kamera, denn dann ist die Kamera auf Augenhöhe mit den Motiven – teure Kamera, teure Motive.

Aber meistens nennt man es Streetfotografie und produziert Statusfotografie unter dem Aspekt der sozialen Gebrauchsweisen.

 

Sollen wir Streetfotografie umbenennen?

Foto Mahlke traffic and education Verkehrserziehung

Ein Herr Mason Resnick hat auf der Webseite von Adorama, einem Fotolabor und Kamerashop in New York, einen Artikel geschrieben und festgestellt, daß heute fast alles mit Suchbegriffen als Streetfotografie bezeichnet wird und daher das Wort jede Unterscheidungskraft verloren hat: „Try it yourself: Go on Twitter, flickr, or Instagram, and do a hashtag search for #streetphotography. At least 80% of what you get will get is not what one might have thought of as a street photo a few years ago. A flower. A distant shot of a city. Landscapes. Studio portraits. All tagged as street photos. I kid you not. Street photography is everything. Therefore, it’s nothing. Time to retire the term..“

Ist es Zeit das Wort Streetfotografie in Rente zu schicken?

Der neue Presseausweis – die neue Ausgrenzung

Eigentlich gibt es in Deutschland Pressefreiheit als Teil der Meinungsfreiheit.

Was das konkret bedeutet möchte ich einmal am „neuen“ Presseausweis deutlich machen, wobei mein Schwerpunkt hier auf der Fotografie bzw. dem Fotojournalismus liegt. Ich möchte mich daher auf den Pfad der Erkundung geben und online Auskünfte finden und gedanklich verarbeiten, um die aktuelle Situation zu verstehen.

Fakenews in der Streetphotography


„Übrigens hat der bekannte Theoretiker der Fotografie, Walter Benjamin, den Flaneur, der spaziert und fotografiert, als Kämpfer gegen die zunehmend arbeitsteilige Gesellschaft gesehen, weil er eben das Ganze im Blick haben wollte. Insofern kann gerade die Fotografie, die den heutigen sozialen Zustand so zeigt, wie er vor Ort ist, ein Beitrag sein, der die Sinne schärft und im Kopf Veränderungspotential erzeugt – wenn man es zeigt und drüber spricht.“

Diese Anmerkungen sind aus einem Artikel über Kameras für arme Leute im Zeitalter von Hartz4.

Was ist überhaupt ein Flaneur?

Gerhard Hentschel hat das vor 18 Jahren einmal so zusammengefaßt: „Die Erforschung der Frage, wann der Flaneur von uns gegangen sei oder ob er nicht sogar noch lebe und flaniere, hat sich zu einem eigenen Wissenschaftszweig ausgewachsen. Da der Flaneur kein normalsterbliches Individuum ist, sondern ein Typus, helfen die verfeinerten Methoden der medizinischen Diagnostik den Fachleuten nicht weiter. Sie sind sich nicht einmal darüber einig, ob sie sich am Siechbett, am Grab oder um die exhumierten Gebeine des Flaneurs versammelt haben. Während die einen sein Skelett mazerieren, messen die anderen dem Flaneur noch das Fieber. Er wird gleichzeitig beweint, beatmet und obduziert, beim Flanieren observiert und wieder totgesagt: „Auch die heutigen Fußgängerzonen“, schreibt Neumeyer, „stimmen vielmehr das Lied vom Tod des Flaneurs an, als dass sie seiner Gehbewegung durch die Schaffung einer verkehrsfreien Zone wieder einen Raum schenken. Man, das heißt der Verkäufer, spekuliert, damals wie heute, auch auf die Richtungs- und Ziellosigkeit einer Gehbewegung, um den mit ihr verknüpften freien Blick zu fesseln; man kokettiert mit dem Gehen-Sehen des Flaneurs als Kapitalanlage.“

1988 war Rüdiger Severin optimistischer gewesen: „In den letzten Jahren entstanden im Rahmen der Sanierung von Innenstädten immer mehr Passagen; Lichthöfe in Edelkaufhäusern und auch in der Industriearchitektur gelten wieder als zeitgemäß. Vielleicht findet der Flaneur hier zu seinem dritten Frühling, in Gestalt des walk-man etwa.“ Barry Smart sah den Flaneur 1994 als „zapping radio listener“ auferstehen, als „insular package-tour flanerie“ betreibenden Pauschaltouristen und als wählerischen Restaurantgast. Florian Rötzer machte 1997 den „Netzflaneur“ in den „schmutzigen, dunklen, extravaganten und innovativen Winkeln des Cyberspace“ ausfindig. Andererseits hatte Peter Handke 1980 offiziell „Das Ende des Flanierens“ verkündet. Aber ob man dem Flaneur Vitalität bescheinigt, Bulletins ausstellt oder Nachrufe widmet, tut nicht viel zur Sache: Jede Rede vom Flaneur wirft einen Distinktionsgewinn ab; ihr Inhalt ist zweitrangig.

In seiner großen Zeit war der Flaneur, in bedenklicher Ämterhäufung, unter anderem „der Priester des genius loci“ (Benjamin), Dichter, Jäger, Lumpensammler, Spurenleser, Traumdeuter, Physiognom, Detektiv, Archäologe, Dandy, Tramp und „letzter Mohikaner“ (Michael Opitz). Er erschien „als Agent der ästhetischen Moderne oder als Inspizient des Modernisierungsprozesses“ (Harald Neumeyer). Ein brandneues Werk aus Kalifornien (Anke Gleber: „The Art of Taking a Walk“) weist nach, dass der Flaneur Träumer, Historiker und moderner Künstler gewesen sei. In Abwandlung eines geflügelten, Daniel Düsentrieb von Erika Fuchs soufflierten Wortes darf man wohl sagen: Dem Flaneur war nichts zu schwör.

Benjamin zufolge trug er „die Züge des unstet in der sozialen Wildnis schweifenden Werwolf“ und war doch zugleich von äußerst scheuem und subtilem Wesen. Ins Bild des Flaneurs gingen viele Knabenträume des zwanzigsten Jahrhunderts ein: Er war Kara Ben Nemsi, Sherlock Holmes, Arsène Lupin, Howard Carter, Marco Polo, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Clochard und eiskalter Engel zugleich, dabei finanzieller Sorgen ledig, trug ein duftendes Baguette unterm Arm und eine glimmende Gauloise im Mundwinkel und war überhaupt ein ganz famoses Haus.“

Beginnt mit der digitalen Fotografie der 3. Frühling des Flaneurs und der Flaneuse?

Wenn wir heute den Umgang mit der modernen Fotografie betrachten, dann passen Streetfotografie und Flaneur richtig gut zusammen. Gerade wenn man den Flaneur vom Dandy abgrenzt wird deutlich, wo der Unterschied liegt.

Wolfgang G. Müller beruft sich auf Harald Neumeyer, wenn er dies alles so beschreibt: „Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Figurentypen liegt darin, daß sich der Dandy in der Öffentlichkeit zeigt, um gesehen zu werden, während sich der Flaneur durch die Stadt bewegt, um zu sehen.“

Und genau deshalb beginnt mit dem Aufstieg der digitalen Fotografie der 3. Frühling des Flaneurs. Denn jetzt kann das Sehen und das Fotografieren in der Stadt als Straßenfotografie in einem umfassenden Sinne und auf vielfältige Weise geschehen.

Nie war so viel möglich wie heute. Es sind nicht nur die Smartphones, die mit ihren eingeschränkten Möglickeiten als immer dabei Fotokamera die immergleichen Fotos liefern mit ungestellten gesehenen Momenten.

Gerade die Fortschritte bei den reinen Digitalkamers ermöglichen es heute schon bei der Aufnahme gestalterischer vorzugehen und Dinge auszuprobieren, die früher technisch so einfach nicht möglich waren.

Es sind aus meiner Sicht großartige Zeiten für das flanierende Fotografieren angebrochen.

Der Rahmen ist dabei die Metropole. Flanierendes Fotografieren ist weder Landschaftsfotografie noch urbaner Raum.

Konkret bedeutet dies für mich z.B. die Fotos von Peter Lindbergh zu Women on street sind eben kein Ergebnis des Flanierens und der Streetfotografie. Es sind schöne Fotos aber eben gestellt mit vorgegebenen Personen in einem vorgegebenen Rahmen.

Wenn ich Werner Spies hier richtig verstehe, dann ist Peter Lindbergh eine Ableitung (derivation) vom Flaneur und er macht keine Streetfotografie, er fotografiert nur auf der Straße aber seine Fotos sind quasi die Umsetzung einer Erzählung von Edgar Allan Poe – also dem Verbrechen auf der Spur?

Werner Spies schreibt:

„The Illegible Man, by Werner Spies

“Women on Street” – the works presented in this exhibition and catalogue are the result of “street photography.” Two entirely different, indeed incompatible approaches collide here. The scenes and vantage points that determine the images can be traced back to one of the most fascinating phenomena of the nineteenth century, the flâneur. Isn’t this figure the rightful patron of street photography? He entered the scene during the period of the discovery and rapid spread of private photography. The activity – or rather, passivity – of the flâneur depended on the city, the urban environment. Everything else remained basically foreign to him. The sight of the wares in display windows, isolated and divorced from their context, triggered a poetization of the modern world, fashion and fleetingness that was conducted most radically by Baudelaire and the Impressionists. The point was no longer a methodical involvement with the visible world and its utility. One has the impression that with the flâneur, idly strolling through streets and squares, the Enlightenment began to dim and the systematic knowledge pursued by Diderot in his work on an inventory of the world, the Encyclopedia, grew unimportant. The eye became subordinate to experience; rather than taking stock and trying to understand, it began to nervously wander and succumb to the charm of the accidental and ephemeral.

This derivation from the flâneur is obvious in the case of Garry Winogrand and Peter Lindbergh. For them, too, the street serves as a forum for discoveries and encounters. They tend to lend reality a poetic aspect. There is no admixture of evil in their imagery. Yet how different are the results that confront one another in the present selection. Winogrand’s works diverge in a key sense from what Lindbergh shows us. In order to grasp this difference, we might compare it to two approaches found in literature. In Lindbergh’s case the parallel would be with Edgar Allan Poe’s tale The Man of the Crowd, and in Winogrand’s one of the most famous and frightening passages in André Breton’s Second Manifesto of Surrealism. In fact I can think of nothing better than Poe’s story to describe the expectations and moods triggered by Lindbergh’s photographs. He retains women’s enigmatic character, their beauty and sensuousness. The point, for him, is pristineness. Even though he photographs on the street in this case, the street is not his subject.“

Und wenn wir bei dem Katalog zu der Ausstellung bleiben, dann schreibt ein Leser über den Katalog: „Where Winogrand’s work is actual street photography in the best sense of „let’s go out and see what we can find“, Lindbergh gets a model and essentially shoots test pictures for her book.“

Und dennoch wird hier einzig und allein mit dem Etikett der Streetphotography gearbeitet?

Ich möchte dies mit dem Artikel „Peter Lindbergh als Straßenfotograf“ in der sz belegen. Denn dieser Artikel ist die Bestätigung und der Beleg für meine Vermutung: Etikett aufkleben und medial umsetzen. Und in dem Artikel steht dann auch noch, daß Herr Lindbergh nichts dem Zufall überlassen hat. Aber die Überschrift ist das Etikett und das ist eindeutig.

Nur ein guter Straßenfotograf ist ein guter Fotograf? Ich vermute das Etikett Street photography bzw. Streetfotografie scheint für Fotografen ebenso wichtig wie Museumsqualität für Fotokunst. Man verleiht die Orden und Etiketten unter sich, weil man selbst beschließt, was angeblich was ist. Das geschieht in letzter Zeit öfter. Es gibt sogar einen Atlas der Streetfotografie, bei dem das Fotografieren von Achselhöhlen in der U-Bahn als Fortentwicklung von Walker Evans gilt.

Wenn man ehrlich ist, dann ist es schwer, echte Momente ungestellt einzufangen und es ist zudem nicht immer ein großartiger Moment sondern oft ein Moment, indem man etwas sieht, was der Zufall gerade so im sozialen Rahmen zusammenbrachte.

Losgelöst von Herrn Lindbergh würde ich schreiben, da man diese zufälligen Momente nicht stellen kann, wird letztlich so getan oder einfach umgedeutet. Dann werden stattdessen gestellte Szenen oder die Erweiterung zum urbanen Raum unter das Etikett Streetphotography gepackt und alles ist gut? – Ist es natürlich nicht, weil die klasse klassischen Kriterien verhunzt werden, die man ja durchaus auch digital anwenden kann.

Denn die entscheidenden Momente sind sonst ja echte Ergebnisse des Flanierens und des Fotografierens im decisive moment – ungeplant und ungestellt.

Aber so ist die Welt und es gibt kein internationales Strafgericht für fotografischen Etikettenschwindel und so bleibt es so wie es ist. Medienmacht bestimmt welches Etikett worauf paßt.

Und wer es merkt so wie ich, der kann darüber schreiben und doch nichts ändern.

So laufe ich wie Sisyphos schreibend den Berg rauf und unten hat schon wieder einer die falschen Etiketten aufgeklebt.

Der Etikettenschwindel ist ein Zeichen der Wirklichkeit, so nennt man Fakenews in der Streetphotography.

Aber das ändert nichts daran, daß jenseits der Medienetiketten heute eine schöne Zeit für das Flanieren und Fotografieren begonnen hat.

Wir sollten die Zeit nutzen.

PS: Dieser Artikel wurde am Erscheinungstag über 3000 mal plus x gelesen.

Weshalb kosten werbliche Fotos eigentlich mehr als redaktionelle Bilder?

„Weshalb kosten werbliche Fotos eigentlich mehr als redaktionelle Bilder?

Ganz einfach: Wenn ein Foto dabei helfen soll, ein Produkt besser an den Mann oder die Frau zu bringen, dann ist es mehr wert, weil es im Rahmen einer Werbung mehr Gegenwert erzeugt.“

Das sagt der MFM-Vorsitzende Dirk Sendel.

Damit ist klar, warum man für ein Kartoffelfoto auch mal eine Million bekommen kann.

Und hier zeigt sich auch der Wert von journalistischen Fotos. Sie sind solange wenig bis nichts wert bis sie ein Produkt anpreisen und damit ihren journalistischen Wert verlieren.

Ja und damit wären wir dann bei den Fotos, die eine Ware anpreisen. Die machen dann z.B. Event-Fotografen. Wie das geht ist sehr anschaulich in den 12 Tipps für Veranstalter und Event-Fotografen erläutert. Da wird auch auf die Waren und Angebote der Sponsoren eingegangen und ziemlich gut und kompakt alles dargestellt.

 

Abschied von der politischen Fotografie

Foto und Motiv: Michael Mahlke

Es ist Zeit. Und deshalb entstanden einige Texte zur Fotografie und sozialdokumentarischen Fotografie, die meine Lebenszeit als Dokumentarfotograf reflektierten.

Da kann man ja nichts machen. Sie entstehen innerlich von allein, wenn der Ablösungsprozess beginnt.

So ist unser Leben.

Diese Artikel haben  Vorläufer (es ging darin um meine fotografische Entwicklung jenseits der politischen Themen).

Heute kann ich das Ende des Jahres 2017 als Zeitpunkt ansehen, an dem ich mich vom sozialen Einsatz durch meine Fotografie auf meine Kosten verabschiede, d.h. ich gehe von fremden Inhalten zum eigenen Ich. Real geschah es ja viel früher aber mental jetzt. Ich habe gerne und viel getan und immer dafür „bezahlt“: persönlicher, sozialer, seelischer und fotografischer Einsatz unter materiellen Verlusten im eigenen Überlebenskampf war dabei die Bedingung für inhaltlich erfolgreiche Projekte hier und auf frontlens.de – Brutale Paradoxie pur!

Dabei habe ich immer wieder erfahren, daß soziale und seelische Waffen in „Friedenszeiten“ genauso tiefe Wunden schlagen können wie das Leben im direkten Krieg mit Waffen. Sobald existenzielle Unsicherheit auftritt reagieren Menschen verunsichert – auf jede Weise und viele leiden und sterben daran.

Das Schwerste ist die Realität zu sehen und zu akzeptieren – auch die eigene.

Bilder helfen zu sehen oder wie es Boris Mikhailov einmal sagte:

„Ich weiß, dass die Leute solche Fotos nicht betrachten wollen, aber erst wenn man das Elend im Bild sieht, beginnt man es auch auf der Straße wahrzunehmen.“

Nun sind als soziale Dokumentarfotografen/innen andere dran (oder es macht eben keiner). Ich möchte mich anderen Elementen der Lebenszeit zuwenden solange es geht. Saturn weist die Richtung (der aus der Astrologie).

Aber ich möchte nicht versäumen zu motivieren und verlinke deshalb als Botschaft den wunderbaren Artikel von Frau Martina Kötters „Fotografie als Waffe – Kann Fotografie die Welt verändern?“

Frau Kötters gelingt es die politische Fotografie in und nach 2018 zukunftsfähig zu machen.

So nun kommt der politische Abgesang.

Da ich meine gesamte bewußte Zeit in der Dokumentarfotografie im Rahmen dieser Webseiten unter verschiedenen Namen über ca. zehn Jahre als Ort der Reflexion, Dokumentation und Zusammenfassung verbracht habe, bot es sich natürlich an, die inneren Entwicklungen auch hier jetzt aufzuschreiben. Das ist ja das Neue in digitalen Zeiten. Das Ende ist immer nur der Schritt vor dem Update oder dem Wechsel des Betriebssystems.

So blicke ich nun auf eine beendete Entwicklung zurück und bin gespannt auf das Update.

Fotografie als Waffe in der Propaganda zur Rente mit 67 und 72 – Rückblick und Ausblick

„Ich koche morgens Stahl und abends für meine Mutter“ lautete 2012 eine Propagandakampagne der Bundesregierung, bei der sich Fotografen dafür bezahlen ließen, diese politischen Machenschaften propagandistisch vorzubereiten. Es scheint Teil einer größeren Propagandastrategie gewesen zu sein. Der fitte Alte geht mal zwischendurch in Familienpflegezeit arbeitet aber insgesamt länger, dafür pfegt er abends seine Mutter und nimmt dem Staat die Verantwortung ab, obwohl die Sozialversicherungen dafür gemacht waren. Und wenn man das Motto auf dem Plakat zu Ende denkt, dann endet man mitten im schlimmsten Neoliberalismus.

Denn 2012 und 2013 waren dann die Jahre der Propaganda in der Fotografie für die Rente ab 72 (67 war schon selbstverständlich). Die angeblich fitten Alten waren auf Fotos zu sehen, die ohne Umfallen arbeiten und alle politisch und wissenschaftlich Unanständigen taten so als ob es klar sei, daß man bis 72 arbeiten muß.

Das hat außer mir fotografisch kaum jemand aufgearbeitet. Diese Propaganda und ihre Methoden werden bis heute weiterhin genutzt und sind in keinem großen Medium demaskiert worden. Ich habe dies auf frontlens.de getan. Dafür habe ich auch keinen Presseausweis erhalten ….

Meine Versuche, die Gesichter der davon betroffenen arbeitenden Menschen festzuhalten, wollte natürlich von den Regierenden und Herrschenden niemand sehen. Das ist die verdrängte Wirklichkeit, die fotografisch dokumentiert werden muß und die ich meine.

So habe ich diesen Menschen als Dokumentarfotograf einen Platz in der digitalen Erinnerungskultur geben können. Sie wären sonst weder sichtbar noch sehbar, weder als Teil der Erinnerung noch als Teil der sozialen Wahrheit.

Das ist sozialdokumentarische Fotografie, die Lebenswirklichkeit und soziale Wunden zeigt jenseits der offiziellen Propaganda.

Sie wird aber in den GEZ-Medien nicht gezeigt und in den privaten eher auch nicht.

Aber hier ist sie zu sehen.

Abschließend noch eine Todesanzeige vom 11.11.2017 zur Rente mit 67 und 72. Die Todesanzeige ist echt:

Da wäre ja jetzt zu fragen, wer kocht für die Mutter?