Fotobuch

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Burtynsky Essenz

Edward Burtynsky Essenz von William A Ewing

Edward Burtynsky Essenz von William A Ewing

Wie sieht die Welt aus, wenn die Menschen unserer Zeit die Erde so ausbeuten wie ihre Mitmenschen?

Edward Burtynsky ist einer der weniger Fotografen, die dies über viele Jahre und mit dem Einverständnis der Gestaltenden und Betroffen fotografiert hat.

Es ist der große Blick bis ins kleinste Detail und er hat bis zum Ende geblickt. Hinter dem Horizont geht es weiter und er war dort.

Neue Heimat Leipzig von Mahmoud Dabdoub

Dabdoub Leipzig

Dabdoub Leipzig

„Das Buch vom Heimischwerden eines Palästinensers in Leipzig beginnt mit einem Selbstporträt… Ich hatte den deutlichen Eindruck, daß Mahmoud sein Bildermachen als eine Art Lebenshilfe betrieb.“

Diese Worte aus der Einführung von Helfried Strauss geben sehr schön wieder welch ein Juwel der Lehmstedt-Verlag hier aufgelegt hat.

Mahmoud Dabdoub fotografierte in Leipzig auf der Straße Menschen und Situationen in den letzten Jahren der DDR. Mit dem Blick von heute dokumentiert er damit nicht nur den Zeitgeist vor Ort sondern auch den Wandel und seine Grenzen. Als Ausländer hatte er dabei den neugierigen und noch ungefilterten Blick auf die Sitten und Gebräuche der deutschen Lebensweise.

Das kommt sehr gut rüber. Gerade die klassische Strassenfotografie ist ein Indikator für den Zustand der Gesellschaft.

Verena Hein hat das einmal so beschrieben: „„Die Straße als öffentlicher Raum zeigt damit weit mehr als intime Porträts, sie steht als Chiffre für die Möglichkeiten individueller Entfaltung und Lebensgestaltung.“

Insofern sind die Fotografien und sein damaliger Blick ein Glücksfall der visuellen Dokumentation des Zeitgeistes einer untergegangenen Epoche, die aber bis heute noch sozial und strukturell sichtbar ist. Denn er dokumentierte deutsch sein und deutsch leben im Alltag des öffentlichen Raums der DDR.

Mit scharfer Beobachtungsgabe blickte er auf den Alltag.

Wo fotografiert man eigentlich den Zeitgeist in einer Stadt?

Eigentlich doch im öffentlichen Raum, also dort, wo man sich zeigt und gesehen wird und zwar unabhängig von sozialen Barrieren.

Das ist völlig anders als z.B. eine Clubszene oder Veranstaltungen zu fotografieren. Denn der öffentliche Raum ist der Teil der Gesellschaft, den jeder fast so betreten und sich zeigen kann, wie er/sie will. Daraus resultiert dann auch die sich ständig verändernde soziale Landschaft, die sich durch räumliche und zeitliche Abgrenzungen und Wiederholungen manifestiert.

Deshalb fotografiert man den Zeitgeist eben auch dort, wo die Menschen sich treffen, im Zentrum, in Parkanlagen, auf Bahnhöfen etc.

Umgekehrt haben wir kaum Fotos von Jobcentern oder Sportstadien, weil dort Fotoverbote und Privaträume vorherrschen mit anderen Regeln obwohl dort oft sozial wesentliche Entwicklungen ablaufen mit weitreichenden Auswirkungen.

Und so bietet das Buch im Wortsinn Straßenfotografie mit unglaublich vielen Momenten und Personen. Heute wäre dies ohne Model release in fast jedem Fall gar nicht mehr möglich, weil oft Einzelpersonen gezeigt werden, allerdings nie diskriminierend. So ändern sich die Zeiten auch für das Fotografieren.

Das Buch des Fotografen Mahmoud Dabdoub zeigt somit viel mehr als nur Momente. Es zeigt Menschen in der Stadt Leipzig an öffentlichen und öffentlich zugänglichen Orten bis zur Wende, gut sieben Jahre lang.

Wer heute nach Leipzig reist, findet in diesem Buch einen wunderbaren Reiseführer zur damaligen sozialen Landschaft in der Innenstadt. So ist dem Lehmstedt-Verlag und Herrn Dabdoub gelungen Geschichte mit Fotos zu schreiben über das Alltagsleben und die vorhandenen Freiheiten.

Großartig!

Es ist im Lehmstedt-Verlag erschienen – gut gebunden und gut gemacht.

Mahmoud Dabdoub

Neue Heimat Leipzig

Fotografien 1982–1989

Mit einem Vorwort von Helfried Strauß
Herausgegeben von Mathias Bertram und Mark Lehmstedt

144 Seiten mit 120 Duotone-Abbildungen

24x 27 cm, Festeinband, Schutzumschlag, Fadenheftung

ISBN 978-3-95797-028-2

 

 

Imperium Romanum Opus Extractum II von Alfred Seiland

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So groß wie das Römische Reich so groß wirken auch die Fotos von Alfred Seiland. Das Buch Imperium Romanum Opus Extractum II bietet Begegnungen von Menschen mit Überresten aus der Geschichte. Primär visuell mit sehr informativen Texten gekoppelt gelingt es dem Fotografen, Geschichte und Gegenwart fotografisch zu verschmelzen.

Erich Grisar – Ruhrgebietsfotografien 1928-1933

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Es ist vielleicht eines der gehaltvollsten Fotobücher zur Dokumentarfotografie in Deutschland überhaupt. Der Dortmunder Schriftsteller und Fotograf Erich Grisar war fast vergessen und nun sieht man im Rückblick, daß es ohne ihn keine Blicke auf die soziale Vergangenheit des Ruhrgebietes in dieser Form geben würde. Was für ein Lob für einen leider Toten, der seine Lebenszeit bewußt und klar aufgezeichnet hat mit Kamera und Schreibmaschine! Und wie gut, daß seine Fotos aufbewahrt wurden!

peripher von Andreas Tschersich

peripher

Es ist ein Buch nach meinem Geschmack.

Mitten aus der Wirklichkeit und mitten aus dem Leben hat Andreas Tschersich „Orte des Übergangs und Durchgangs“ fotografiert, also Stellen, an denen verschiedene Baustile, Funktionen und Ansichten im öffentlichen Raum aufeinandertreffen.

Bruce Davidson von Vicki Goldberg

Bruce Davidson Magnum Legacy von Vicki Goldberg

Bruce Davidson Magnum Legacy von Vicki Goldberg

Magnum Legacy heißt die Buchreihe mit Biografien über Fotografinnen und Fotografen der Fotoagentur Magnum. Und die Publizistin Vicki Goldberg hat hier den Fotografen Bruce Davidson porträtiert.

Es ist ein schönes Buch geworden.

Wie schreibt man über einen lebenden Fotografen, der Familie und Freunde hat und zugleich viele Jahre Themen aus der sozialen Realität fotografierte?

Exodus. Sebastião Salgado

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Die UN-Vollversammlung hat den 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag für Flüchtlinge ausgerufen. Dieser Tag wird in vielen Ländern von Aktivitäten und Aktionen begleitet, um auf die besondere Situation und die Not von Millionen Menschen auf der Flucht aufmerksam zu machen.

Weltweit sind mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht, davon 41 Millionen in ihrem Heimatland. „Noch nie zuvor wurde die Marke von 60 Millionen Geflüchteten und Vertriebenen überschritten.“

Und nun liegt es vor mir, das Buch, das dies alles schon vor einer Generation zeigte und niemand kann sagen, er hätte es nicht früher wissen können.

MAGNUM. Große Radrennen im Visier berühmter Magnum-Fotografen

Das Buch ist toll. In erstklassigen Aufnahmen halten 15 MAGNUM-Fotografen die expressivsten Momente der Radsportereignisse ihrer Zeit fest. Begleitet werden diese Fotografien von sachkundigen und anekdotischen Texten von Guy Andrews.

Guy Andrews ist Gründer und ehemaliger Herausgeber des britischen Magazins Rouleur. In diesem Buch finden wir Fotos von Christopher Anderson, René Burri, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Martine Franck, Stuart Franklin, Leonard Freed, Harry Gruyaert, Thomas Hoepker, Richard Kalvar, Mark Power, Guy le Querrec, David Seymour, Chris Steele-Perkins, John Vink.

Aber es ist ingesamt mehr. Wir können nicht nur die Tour de France und andere Rennen anhand ausgewählter Reportagen von den Anfängen bis zur Gegenwart erleben, zugleich gehen wir mit den Fotografen auf ihre jeweils persönliche Foto-Tour und sehen, wie ihre Art zu fotografieren ist.

Fotoreportagen bei der Tour de France von Magnum-Fotografen, die auf ihre eigene Art das Geschehen sahen und für sie interessante Momente festhalten.

Wo gibt es so etwas noch?

Die Reportage von Harry Gruyaert ist völlig anders als die von John Vink und Henri Cartier-Bresson blickt auf andere Themen als die Vorgenannten. Es ist dadurch ein Studienbuch zur Reportagefotografie und zugleich ein Buch zur Geschichte der Tour de France und ein wunderschönes Fotobuch.

Schon der Einband ist eine Wonne. Die Fotos sind groß und die Texte von Guy Andrews erzählen und betten ein.

Das Buch sorgt für Stunden – wenn nicht für Tage – für gute Unterhaltung und gibt durch die gelebte Fotopraxis viele Anregungen für das eigene fotografische Tun.

Dem Sieveking-Verlag ist damit eine rundherum gute Veröffentlichung gelungen, die historisch und fotografisch interessant und vom Gehalt her wertvoll ist.

GUY ANDREWS
MAGNUM
Große Radrennen im Visier berühmter Magnum-Fotografen
Aus dem Englischen
26 x 25,8 cm
224 Seiten
200 Abb.
Hardcover
ISBN 978-3-944874-40-1

 

Made in Germany

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Als Leonard Freed 1970 sein Buch über seine Reisen durch und seine Eindrücke von Deutschland veröffentlichte, blieb dieses Buch eher unbeachtet. Das erinnert an Robert Frank.

Diesen Aspekt finde ich sehr interessant.

Die Zerstörung der Welt in schönen Fotos – Overdevelopment, Overpopulation, Overshoot

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Es gibt ein neues Buch „Overdevelopment, Overpopulation, Overshoot (OVER)“

Das Spiel ist aus – the game is over.

Das Buch zeigt die Zerstörung der Welt in schönen Fotos. Es war letztes Jahr eine Meldung wert, mehr nicht.

Der Club of Rome hat schon 1980 und danach gezeigt, was passiert wenn nichts passiert.

Und nun zeigt dieses Buch, was passierte, weil nichts passierte.

Ich bin auch sehr frustriert, weil all mein Reden und die Seminare umsonst waren, die ich gemacht habe.

Damals gab es keine Internetseiten sondern nur preiswerte Taschenbücher.

Heute gibt es dieses Buch mit hohem Aufklärungswert und viele Internetseiten.

Aber zwischen der Gabe des Wissens und dem Geschehen liegen leider Welten.

Der Zeitgeist geht heute dann wohl eher in die Richtung mal eben schnell die Welt zu retten mit einer App?

Ich glaube nicht daran.

Das ginge nur durch ein garantiertes Mindesteinkommen gekoppelt mit einer Verpflichtung des Einzelnen zu sozialer Arbeit wie in den nordischen Ländern. Relative Angstfreiheit und soziale Absicherung verbunden mit dem Zwang zu mehr direkter Demokratie, sozialem Engagement, Transparenz, Toleranz und Grenzen. Das wäre ein Weltprogramm für den menschlichen Charakter weil gut und böse begrenzt und sinnvoll genutzt würden.

Man kann das neue Buch kostenlos online anschauen.

Ich weise gerne darauf hin, zumal dies alles schon wieder vergessen scheint.