Fotobuch

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Unterwegs von Susanne Schleyer

Manche Bücher lassen einen nicht los. Mir geht es seit Jahren so mit dem Buch von Susanne Schleyer „Unterwegs mit Erzählungen über Amsterdam, Buenos Aires, Jerusalem, Paris, Wien, Sankt Petersburg u.a“.

Die Fotografin Susanne Schleyer hat zwölf Städte weltweit bereist und dort Fotos gemacht. Sie kam zurück und bat zwölf Schriftsteller, „sich mit diesen Fotografien auseinanderzusetzen und sie zum Anlass für eigenständige Erzählungen zu nehmen. Einzige Bedingung, selbst einmal in den von ihr bereisten Städten gewesen zu sein.“

So schreibt es Thomas Jung in seiner editorischen Notiz. Und er verweist auf den Gedanken von Marcel Proust, „das Bekannte mit fremden Augen zu sehen.“

Das Buch ist ein fotografisches und literarisches Erlebnis. Barbara Bongartz, Jan Peter Bremer, Eva Corino, Tanja Dückers, Nadja Einzmann, Katharina Hacker, Joachim Helfer, Alban Nikolai Herbst, Oscar Heym, Daniel Kehlmann, Susanne Ridel und David Wagner schreiben zu den Fotografien.

Es sind Geschichten aus dem Leben und sie passen zu den Fotos. Denn es sind Geschichten von Menschen, Städten und Gefühlen.

Diese ganze Kombination, die Unauffälligkeit des Buches, die klassische Form von Foto und Text, alles ist irgendwie gelungen und fügt sich. Die Fotos verbinden absolute Individualität und dennoch passt alles hier hinein.

Ich weis aus eigener Arbeit, wie schwierig es für einen Verlag und die Beteiligten ist, zum Schluß ein Buch zu gestalten, welches dies alles zusammenführt. Hier sind sich Fotografie und Literatur auf eine wunderbare Weise begegnet. Herausgekommen ist eine fotografische und literarische Komposition, die sich lohnt. Dafür kann man dem Verlag und den Beteiligten nur danken. Es ist ein zeitlos aktuelles Dokument über Menschen, Reisen und Begegnungen.

Unterwegs
Fotografien von Susanne Schleyer
Mit Erzählungen von Barbara Bongartz, Jan Peter Bremer, Eva Corino, Tanja Dückers, Nadja Einzmann, Katharina Hacker, Joachim Helfer, Alban Nikolai Herbst, Oscar Heym, Daniel Kehlmann, Susanne Ridel und David Wagner

ISBN-10: 3-937738-37-1
ISBN-13: 978-3-937738-37-6

Wahre Helden von Jörg Boström und Jürgen Heinemann

„Die westdeutsche Industrie befand sich in einer tiefen Krise, als Prof. Jörg Boström und Prof. Jürgen Heinemann Ende der 70er Jahre bis Anfang der 90er Jahre mit ihrer Kamera die industrielle Arbeitswelt in verschiedenen Betrieben Westfalens dokumentierten.“

Dieser Satz aus der Einführung von Willi Kulke zeigt den Rahmen dieses Buches. Es ist ein Buch, welches nur durch Drittmittel finanziert werden konnte und eher die Form einer Paperbackbroschüre hat.

Das ist sehr schade, weil es sich um ein sehr interessantes fotografisches Dokument unserer Industriegesellschaft handelt. Von der Brauerei Felsenkeller in Herford über die Zeche Haus Aden, die Heinrichshütte in Hattingen, die Zeche Minister Stein, Thyssen Stahl AG in Bielefeld, die Miele-Werke, die Dürkoppwerke bis zur Weberei C.A. Delius und noch einige mehr sind in diesem Buch Fotos in Farbe und Schwarzweiss versammelt.

Die Fotos dokumentieren eine schon verschwundene Zeit bzw. teilweise gerade noch im Verschwinden begriffene Zeit. Es sind Bilder über Menschen in industriellen Arbeitsverhältnissen. Dadurch ist dieses Buch ein fotografisches Geschichtsbuch.

Aber dieses Buch hat natürlich noch eine andere Dimension. Alle Fotos wurden von zwei Professoren für Fotografie gemacht. Dadurch erhält das Buch automatisch eine Dimension, die nach der Qualität der Aufnahmen fragt. Und dabei sind verschiedene Aspekte sehr interessant. Erstens sind es analoge Aufnahmen, zweitens sind es Farb- und Schwarzweissaufnahmen und drittens geht es um die Frage der Inhalte auf den Fotos.

Was man zuerst feststellen kann, ist keine Überraschung: man konnte auch schon vor der digitalen Kamera gute Fotos machen. Gerade die Arbeitsplätze waren ja meistens keine gut beleuchteten Fotostudioplätze, sondern es mußte mit dem vorhandenen Licht und eventuell einem Blitz gearbeitet werden.

Ebenso interessant ist die Mischung aus Schwarzweiss und Farbe. Womit werden dokumentarische Fotos am besten gemacht? Das Buch zeigt, es ist beides möglich. Offenkundig ist aber, dass die Farbe nicht automatisch besser ist.

Damit komme ich zum dritten Punkt und frage, was auf den Fotos zu sehen ist. Prof. Jörg Boström und Prof. Jürgen Heinemann zeigen Menschen. Wenn ich das richtig sehe, steht auf allen Fotos (bis auf eines) der Mensch im Mittelpunkt. Der Mensch am Arbeitsplatz und vor allem mit Gesicht. Hier sind zwar namenlose aber keineswegs anonyme Bilder entstanden. Hier sieht man Menschen mit Gefühlen: lachend unter Tage, schwitzend am Tisch, erschöpft am Band, konzentriert am Steuerpult etc.

Die Fotos leben. Ich traue mich dabei gar nicht nach dem heutigen Recht am eigenen Bild zu fragen. Wahrscheinlich wären diese Fotos mit dem heutigen juristischen Denken so nur noch sehr mühsam möglich.

Dieses Buch dokumentiert Aspekte des Arbeitslebens in unserer Industrie wie sie war und nur noch vereinzelt ist. Es ist ein fotografisches Geschichtsbuch. Es ist aber auch eine Art fotografisches Lehrbuch für dokumentierende Sozialfotografie.

Wie wurde fotografiert, worauf wurde geachtet, was steht im Mittelpunkt?

Das Buch ist fotografisch und historisch sehr lohnenswert, zumal es wirklich engagiert und durchgängig Menschen bei der Arbeit an Maschinen zeigt. Es ist eines der wenigen systematisch aufbereiteten Zeugnisse einer Zeit, die vergangen ist oder gerade vergeht.  Es entstand in Zusammenarbeit mit dem LWL-Industriemuseum in Lage und ist ein echtes Stück Dokumentarfotografie.

LWL-Industriemuseum

Wahre Helden

Fotografien von Jörg Boström und Jürgen Heinemann

ISBN 978-3-8375-0414-9

Fotografie für Journalisten von Kay-Christian Heine

„Fotografie für Journalisten“ ist ein richtig feines Lehrbuch für die Praxis. Das Buch richtet sich in erster Linie an Journalisten, die ihre Texte mit eigenen guten Fotos ergänzen wollen. Der Autor Kay-Christian Heine gibt von Beginn an viele Infos, die in der Praxis wichtig sind. Man könnte auch sagen, er kommt sofort zur Sache…

Ein Beispiel ist die Schärfentiefe. Auf Seite 14 finden wir eine „Kurzanleitung Schärfentiefe“. Dort wird erklärt, welche Objektive ich für welchen Zweck benötige. Danach kommen Themen wie Porträtfotos oder Landschaftsfotos und dann die Frage des Standpunktes.

Korrekte Belichtung wird am Beispiel eines Fussballspielers im vollen Lauf erklärt. Etwas später kommt das Thema „Dunkle Räume – ein typisches Journalistenbiotop“. Ausführlich wird das Thema Blitzen erläutert oder was mache ich bei schlechtem Wetter?

Da es im Journalismus um Berichterstattung geht, folgen dann Themen wie Motivwahl, Terminplanung und Ablauf. Er diskutiert Fragen wie die nach der Anzahl der Fotos in einer Reportage und alle wichtigen Regeln der Bildgestaltung werden mit Beispielen sehr ausführlich für die Praxis besprochen.

Nach dem Licht kommt der Schatten. Auch darüber schreibt der Autor. Wie vermeide ich typische Fehler? Das Problem störender Details, schiefer Ebenen, ungewollter Schnitte und anderes mehr werden beprochen und es werden sofort einfache Lösungen bzw. Fehlervermeidungsstrategien formuliert.

Dateiverwaltung. Bildunterschriften, Bilder in Blogs und viele andere Fragen werden ebenso informativ behandelt. Ab Seite140 folgt dann von Rechtsanwalt Jan Christian Seevogel ein Kapitel „Von Rechts wegen…“ Dort werden alle wichtigen journalistischen Bildfragen substanziell angeschnitten.

Selbst der Anhang hat noch praktische Tipps wie die nach der richtigen Fotoausrüstung und vieles mehr.

Insgesamt ist dieses Buch ein wirklich praktischer Einstieg in die wichtigen Fragen der journalistischen Bildberichterstattung. Gerade die Beschränkung macht es so sympathisch und substanziell nutzbar. Es erfüllt in meinen Augen den Anspruch voll, Textjournalisten einen qualifizierten und guten Einstieg in das journalistische Fotografieren zu geben.

Wer mehr über den Autor und das Buch wissen will, der findet hier den Link dazu.


Kay-Christian Heine

Fotografie für Journalisten

ISBN 978-3-89721-979-3

Panasonic Lumix DMC-G2 from B. Matsumoto and C. F. Roullard

The Unofficial Quintessential Guide

Do you like knowledge? Are you a reader and do you want to know why and what – then this book is the first choice. The book from Brian Matsumoto and Carol F. Roullard gives you the knowledge of the handbook combined with technical, photographic and user friendly experience.

The Panasonic G2 is one of the highlights of a new photographic system: cameras with „big“ sensors and changeable lenses. And following the actual trend including video and new forms of photographic possibilities.

But this book is not a book with a lot of pictures and less text. It is a book with very interesting text including handbook information in combination with information about handling and photographic possibilities.

After getting started you find an explanation of using „Basic Photographic Ideas“.

This book is for people asking „why“. It is for readers. If you want to know a lot of detailed information about the laws of photography – technically and visually – then this is your book.

The internal logic of the camera we can see on the mode dial and the auto-Button. What you wish will happen. The camera can do the whole work for you or you can say the camera what should be done. This is the way through the book. From „Automatic settings“ over „Taking Partial Control“ until „Manual Operation of the Camera“ you can find different chapters.

After that Brian Matsumoto and Carol F. Roullard show us the System Approach of the Micro Four Thirds system and the possibilities until laboratory and research. And they explain some features we never knew before.

„Remember that Panasonic distinguishes between facial identification and facial recognition. The former describes the identification of a generic face… Face recognition goes a step further in that the camera executes software to determine if the detected face is stored among the registered faces. If the camera recognizes the detected face, you will be informed of it while framing the image and the persons name and age will be stored with the saved picture.“

This example shows the possibilities of this new camera. The first seven chapters of the book explain the whole photographic handling of the camera with a lot of technical and practical information. But this is not the end.

After that we find a chapter about „Flash photography“. It is an introduction in this special field of information with the handling of the internal and with external flashes. With examples we see the possibilities and the borders of the internal flash and how to create special effects.

The next chapter is an explanation of the video-mode. After that you understand the many possibilities of the camera.

I think the term „Quintessential Guide“ is right for this informative book. If you want to understand the camera and the possibilities until into the technical depth than the book is really good.

And the best is that the information is divided in senseful chapters. You can read like you want from beginner questions until professional themes or you search for a special problem in the index.

Some time ago I wrote that the snapshot was reinvented with the Lumix G2 because you can focusing and activate the shutter by pressing on the screen.

Reading the book from Brian Matsumoto and Carol F. Roullard you see the innovative approach and the possibilities of this camera because you can use the wonderful electronic viewfinder (this is my favourite way of taking pictures) or you can use the bright LCD-Screen if you want.

Brian Matsumoto, Carol F. Roullard

The Panasonic Lumix DMC-G2. The Unofficial Quintessential Guide

rocky nook ISBN-10: 1933952776, ISBN-13: 9781933952772

Here you can read the content and some example pages

Photo Wisdom, Große Fotografen über ihr Werk von Lewis Blackwell


Es gibt große Bücher und es gibt großartige Bücher. Dieses Buch ist großartig – und groß. „Dieses Buch soll das hintergründige Wissen, ja die Weisheit offenbaren, die oftmals in Fotos stecken. Vergleichen Sie ruhig Fakten und Meinungen von Experten, prüfen Sie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. So können Sie nicht nur die Wege der bekanntesten Fotografen verfolgen, sondern auch über ihren eigenen Weg nachdenken, den Sie möglicherweise einschlagen möchten.“

Diese Worte aus dem Vorwort von Lewis Blackbell zeigen, was das Buch leisten soll und auch leistet. Insgesamt werden 50 Fotografen und Fotografinnen durch Interviews und mit Fotos vorgestellt. Es ist ein Querschnitt durch viele Richtungen und Versuche der Fotografie.

„Wir sind Fotografen voller Zweifel. Als wir anfingen, arbeiteten wir eher traditionell – wir verstanden uns als Dokumentaristen, die gesellschaftskritische Dokumentarfotografie produzierten. Wir glaubten an die Möglichkeit der Fotografie. Aber auf unserem Weg begannen wir den Glauben zu verlieren. Jedes Mal, wenn jemand fotografiert wird, gibt es ein verstecktes Versprechen. Er oder sie hofft, dass das Fotografiertwerden das eigene Leid irgenwie lindern wird. Wir können dieses Versprechen nicht erfüllen… Wir haben zu Beginn nicht selbst fotografiert. Wir haben vielmehr über Bilder nachgedacht, und diese betrachtet. Beide haben wir nie Fotografie studiert, sondern haben Abschlüsse in Philosophie und Soziologie. Als Herausgeber des Magazins Colors haben wir zum ersten Mal zusammengearbeitet, so begann unser Wissen über die Welt und die Fotografie – eher durch Betrachten und Nachdenken als durch Machen.“

So schildern Adam Broomberg und Oliver Chanarin, die bekannt wurden als Herausgeber der Benetton Zeitschrift, ihren Ansatz und ihren Weg zur Fotografie. Als Foto findet sich im Buch dann eine Fotografie von einem Baumblatt und die Unterschrift „Ficus religiosa, Tel Aviv, Israel. Als sich der 16-jährige Palästinenser Aamer Alfar auf einem Tel Aviver Markt am 1. November 2004 in die Lunft sprengte, wurde dieses Blatt von der Wucht der Explosion auf den Boden geschleudert. Vollkommen kahle Bäume sind in der Umgebung solcher Anschläge ein gewohnter Anblick.“

Die nächsten Fotografen sind Adam Fuss, Albert Watson, Ami Vitale und Andrew Zuckerman, dessen Portraits von Tieren und Menschen aus jeder Ablichtung eine individuelle Persönlichkeit machen. Arno Rafael Minkkinen und Art Wolfe, Chuck Close aber auch David LaChapelle haben hier ihren Platz. LaChapelle inszeniert Fotos, die wirken wie große Bilder aus früheren Epochen, manchmal ein bißchen übersät mit zu schönen Menschen wie ich finde, aber das gehört auch dazu.

An einer anderen Stelle treffen wir auf Duane Michals. Sie sagt: „Ich habe das Fotografieren nicht an einer Akademie gelernt. Ich wollte nie Reportagefotograf oder etwas Ähnliches werden. Ich wurde zufällig Fotograf.“ Das scheint in vielen Fällen so zu sein. Wenn ich in dem Buch blättere, dann ist es so, dass sehr oft diejenigen „groß“ sind, die keine Ausbildung als Fotograf haben sondern aus anderen Feldern kommen oder reine Autodidakten sind.

Später kommen Edward Burtynsky und Elliott Erwitt, Graham Nash, Erwin Olaf und Fazal Sheikh zu Wort. Fazal Sheikh sagt: „Durch das Fotografieren habe ich die Chance, mich intensiv mit Themen zu beschäftigen, die ich nicht vollständig verstehe.“ Doch damit haben wir erst ein Drittel des Buches durchforstet.

Dann treffen wir auf Mark Seliger, der schildert, wie er aus einer Idee ein Foto macht, wie das Foto von Sacha Baron Cohen, Atlantic Beach, New York. Dort sitzt er in einem Abteil und liest eine Zeitung voller praller Brüste und neben ihm schaut ein Mann, der eine normale Zeitung hochhält, gebannt ebenfalls dorthin.

Ich treffe später Massimo Vitali, dessen Fotos von Menschen am Strand (wobei es meist um die neue „Natur“ geht), eine Realität dokumentieren, die partiell zugleich die Illusionen der Fotografierten impliziert.

Was soll man über ein Buch sagen, das eine unerschöpfliche Quelle an Anregungen und Lernhinweisen für das eigene fotografische Denken ist? Früher gab es Bücher über große Denker oder große Herrscher. Das Buch über „große“ Fotografen ist insofern anders als vielfach dieselbe Qualität und Originalität von vielen erreicht werden kann, auch wenn man nicht immer so populär wird. Es ist eine Sammlung von Anregungen sich des eigenen Verstandes zu bedienen und den eigenen Weg zu finden.

Man ist nicht besser, wenn man populärer ist, man ist eben einfach populärer. Insofern ist dieses Buch ein wunderbares Geschenk für die eigene Schulung und den eigenen Weg. Gerade weil so viele verschiedene Menschen offen über ihre fotografische Entwicklung sprechen, kann es befreien, den eigenen Gedanken endlich seine eigene Richtung zu geben.

Das Buch ist international und sprengt daher das enge deutsche Denken. Es ist ein sehr seltener und gelungener Versuch, gedankliche Tiefe und fotografische Praxis zusammenzufassen. Und es ist als substanzieller Querschnitt trotzdem mit dem Mut zur Lücke gemacht. Das zeigt Größe.

Das Buch ist eine wirklich gelungene Veröffentlichung. Es bietet die Chance, mehr fotografisch zu lernen als in vielen Seminaren. Ein wirklich gutes Geschenk für sich selbst und andere. Man kann einen Teil des Buches online anschauen, um sich einen Einblick zu verschaffen.

Photo Wisdom
Große Fotografen über ihr Werk
von Lewis Blackwell
ISBN: 978-3-941459-13-7

Mit Lightroom entwickeln von David duChemin

„Schriftsteller haben immer zu tun… Manchmal schreiben sie auch nur Unsinn… Und eines Tages, nach unzähligen falschen Anfängen und jeder Menge zerrissener Seiten, entwickeln sich Story, Charaktere der handelnden Personen und Spannungsbogen… Fotografen geht es genauso.“

Mit solchen Worten führt uns David duChemin in seine Vorstellungen von Visionen ein. Und er zeigt den Prozess auf, der entsteht. „Ihre Sichtweise (Vision) und die Art, wie Sie sich ausdrücken (Ihre Bildsprache) entwickeln sich. Vision und Ausdruck sind so eng mit Ihnen verbunden, dass man sie unmöglich von Ihrer Persönlichkeit trennen kann.“

So kommt er nach wenigen Seiten dazu, seine Leser in indirekt-freundlicher Form dazu zu bringen, sich mit der eigenen Fotografie zu beschäftigen und irgendwie einen Punkt zu bestimmen. Es ist der Punkt auf der Linie einer langjährigen eigenen Entwicklung, der die Selbsteinschätzung ausmacht, welche Sichtweise man hat oder noch nicht und haben will.

Ich finde die ersten Seiten trotz einer angenehmen Sprache intensiv gut. Später kommt er dann zu der Frage, welchen Stil ich entwickeln will oder entwickelt habe und läßt alles in drei Fragen münden: „Was soll mein Bild kommunizieren? … Wie sieht eine Stimmung oder ein Gefühl aus? … Welche digitale Dunkelkammer steht mit zur Verfügung?“

Wer diese Fragen beantworten will und damit sich selbst auf eine sich weiter entwickelnde Reise schickt, der ist dann hier genau richtig.

Wie macht man dies alles, wie setzt man dies um? David duChemin gibt dazu Antworten mit einem Werkzeug aus der digitalen Dunkelkammer. Er nutzt dazu Adobe Lightroom, eine speziell für Fotografie entwickelte Software. Er zeigt die Werkzeuge von Lightroom im Entwickeln-Modul und wie man sie anwenden kann.

Und dann können wir seine Umsetzung von Visionen verfolgen in dem Kapitel „20 Visionen, 20 Fotografien“. Genau daraus bestehen die noch folgenden zwei Drittel des Buches. Er schildert an 20 Beispielen, wie er seine Fotos so mit Lightroom bearbeitet, dass sie seiner Vorstellung (Vision?) entsprechen. Fast alle Fotos sind aus Asien oder Indien. Genauso gute Motive kann man aber auch in Europa finden: Personen, Landschaften, Szenen aus dem Leben. Er beginnt mit einem einfachen Beispiel und jeder kann so die Arbeit mit Lightroom lernen.

Insgesamt ist dieses Buch ein Praxisbuch. Es ist rein praxisorientiert ausgerichtet. Es beschränkt sich auf das Entwickeln-Modul als Werkzeug zur konkreten Umsetzung von Sichtweisen/Visionen. Es ersetzt kein Handbuch.

Da er 20 Beispiele bringt, sind dies insgesamt 20 Lektionen, die man durcharbeiten kann, um seinen Stil und seine Visionen nachzuvollziehen und sich selbst dabei zu entwickeln. Mir persönlich gefällt dies besser als Lernvideos, weil in diesem Buch die Seiten nicht überfrachtet sind und weil er eigentlich nie zu viel auf einmal reinbringt. Er will seine eigenen Fotos nach seiner Vision verbessern.

So lernt man bei einem anerkannten und bekannten Fotografen gute Einblicke in die Praxis der digitalen Dunkelkammer am Beispiel von Lightroom.

Was will man mehr?

David duChemin:
Mit Lightroom entwickeln
Von der Vision zur Perfektion
ISBN: 978-3-8273-3039-0

25 Jahre nach Tschernobyl – Verlorene Orte, Gebrochene Biografien von Rüdiger Lubricht u. Astrid Sahm

Die Verstrahlung von Tschernobyl können wir nicht sehen. Wir sehen aber das Ergebnis. Leere Städte, eine zerstörte Region und durch Strahlung verletzte oder zerstörte Menschen. Tschernobyl geht uns alle an, weil es ein unnötiges Risiko der Industriegesellschaft zeigt. Ein Risiko, welches nicht sein müßte. Der Fotograf Rüdiger Lubricht hat über viele Jahre die Region und die Menschen dokumentiert.

In diesem Jahr ist das Buch „Verlorene Orte, Gebrochene Biografien“ erschienen. Darin werden die Bilder von der Region Tschernobyl bis heute gezeigt und es werden die Schicksale einiger der „Liquidatoren“ dargestellt.

Wir blicken Menschen ins Gesicht, die geholfen haben, den Brand im Kernkraftwerk zu löschen, die die Kinder und die Menschen aus der Region wegbrachten oder in Krankenhäusern oder in den Städten die Menschen begleiteten, die krank wurden. Viele dieser Menschen wurden selbst krank, andere sind schon gestorben.

Wie kann man dieses Thema aufarbeiten? Genau da zeigt sich, was dokumentierende Fotografie leisten kann. Der Fotograf Rüdiger Lubricht hat die Region über Jahre hinweg dokumentiert und dann die Menschen porträtiert, die dort geblieben sind. Dann dokumentierte er die „Liquidatoren“, also die Menschen, die damals und zum Teil bis heute, geholfen haben und helfen, jeder auf seine Weise.

Diese wichtige Arbeit und dieses Buch konnten nur mit Zuschüssen aus öffentlichen Mitteln und privaten Stiftungen realisiert werden. Mehr dazu hier.

Die Bilder allein sprechen schon. Doch sie werden mit Texten ergänzt, die dem Ganzen eine weitere Dimension hinzufügen. Die kurzen Erzählungen zu den Porträtfotos machen aus den unbekannten Gesichtern Menschen, deren Schicksal tief bewegt – zumindest mich.

Ich habe mich oft gefragt, wieviel Menschlichkeit hier in Gesichtern und Geschichten zu sehen und zu lesen ist. Es ist alles sehr beeindruckend. Hier gibt es die Möglichkeiten und die Grenzen der dokumentierenden Fotografie. Hier gibt es Texte, die aus Fotos Geschichten machen. Hier ist ein Buch entstanden, welches uns zurückwirft auf die Frage nach den Grenzen und der Größe des Menschen.

Leider zeigte sich die Grenze in der Unbeherrschbarkeit der Atomenergie und die Größe der Menschen im Umgang mit den Mitmenschen und dem Sterben wegen dieses Unglücks – fürchterlich. Wer in die Augen der Menschen blickt, die noch leben und die Fotos derer sieht, die schon gestorben sind, der muß – wenn er/sie noch ein menschliches Wesen aus Fleisch und Blut ist – spätestens bei diesem Buch die Grenzen der Verantwortung von Politik für Menschen sehen.

Hier sieht man, dass wir zwar alle sterben müssen, aber man sieht eben auch den Unterschied zwischen dem Tod nach einem Leben in Würde und einem unwürdigen Sterben. Es ist ein Plädoyer für eine andere Gestaltung der Welt, denn Tschernobyl machte schon damals an der deutschen Grenze nicht halt. Und auch heute ist es ein Thema, das uns direkt angeht.

Das Buch fasst etwas zusammen, das sich beim Duchblättern und beim Lesen im denkenden Geist festsetzt. Es zeigt die Würde des Menschen unter unwürdigen Umständen.

Mich persönlich haben nicht nur die Fotografien der Menschen angesprochen, sondern auch die Fotos der Region. Die seelenlosen Wohnblocks um das Atomkraftwerk waren sicher vor der Katastrophe ebenso seelenlos. Diese architektonische Seelenlosigkeit ist für mich eine weitere Kategorie in diesem Zusammenhang. Tschernobyl zeigte und zeigt bis heute nicht nur die Grenzen von technischer Beherrschbarkeit und politischer Verantwortung auf.

Es zeigt auch die Folgen einer seelenlosen und unwirklichen Umwelt auf, deren Mittelpunkt nicht der Mensch ist sondern der Profit und/oder die Macht. Das ist keine Systemfrage, denn Profite sind in Diktaturen und Demokratien möglich.

Da die Gier des Menschen grenzenlos ist und der Verstand des Menschen dies sehen kann, wäre genau hier die Aufgabe einer menschenwürdigen Politik, gesetzliche und tatsächlichen Grenzen einzuführen. Aber das geht weit über dieses Buch hinaus und ist allein meine Schlußfolgerung.

Man muß Rüdiger Lubricht für diese Fotografien danken und Frau Bobowski und Frau Sahm für die Texte und den Menschen vor der Kamera, die mitgemacht haben und ihr Schicksal zeigten. Das Buch ist so in meinen Augen auch nur als Gemeinschaftsleistung denkbar und es ist ein Buch, welches so nur in der heutigen Zeit entstehen konnte.

Es dokumentiert ein entsetzliches Problem des „Zauberlehrlings“, aber es ist eben kein Meister gekommen, der wieder alles in Ordnung bringt. Es wird an uns allen liegen, wie wir unser kollektives Schicksal in die Hand nehmen oder liegen lassen. In diesem Sinne ist dieses Buch auch ein Stück dokumentierter Zeitgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.

Das Buch ist sehr beeindruckend und in meinen Augen der fotografische aktuelle „Höhepunkt“ einer neuen Art der dokumentierenden Fotografie, die die von Menschen für Menschen zerstörte Natur und die daraus resultierenden Folgen einer überschaubar gewordenen Welt darstellt. Das Buch dokumentiert mit Fotos und Texten und läßt das Herz des fühlenden Menschen weinen.

Lubricht, Rüdiger / Sahm, Astrid:
Verlorene Orte / Gebrochene Biographien
Fotographien zu Tschernobyl
Vorwort von Junge-Wentrup, Peter. Fotograf: Lubricht, Rüdiger. Beiträge von Bobowski, Sabrina. Übersetzt von Margolina, Swetlana / Rensch, Olga
Internationales Bildungs- u. Begegnungswerk
ISBN 978-3-935950-11-4

Nachfolgend ein Interview mit Rüdiger Lubricht zu diesem Thema, welches mir von der Agentur Literaturtest zur Verfügung gestellt wurde:

Rüdiger Lubricht wurde 1947 in Bremen geboren. Er lebt und arbeitet als freischaffender Fotograf in Worpswede. Von 2001 bis 2002 war er Gastprofessor an der Hochschule für Künste Bremen sowie 2008 Lehrbeauftragter an der Kunstakademie Münster.

Mehr bei fotodesign-lubricht.

Seit 2003 arbeitet Lubricht an dem Langzeitprojekt „TSCHERNOBYL – Leben mit einer Tragödie“. Er hat bereits sechs Reisen in die kontaminierten Sperrzonen der Ukraine und Weißrusslands unternommen. Dort fotografierte er verlassene Dörfer und Städte, die durch radioaktiv verseuchten Niederschlag auf Dauer unbewohnbar geworden sind. Er war auf der Suche nach den „Alten“ – im Volksmund werden sie als Partisanen bezeichnet –, die nach der Zwangsevakuierung im Jahr 1986 zwischenzeitlich in ihre ehemaligen Dörfer und Häuser zurückgekehrt sind.

Die Fotos von Lubricht wurden bereits in vielen Galerien und Museen Deutschlands und Europas ausgestellt. Sie sind Teil der aktuellen Wanderausstellung des IBB Dortmund.

Wie haben Sie „Tschernobyl“ für sich als Thema entdeckt?
Auf das Thema bin ich durch einen Kontakt zur niedersächsischen Landesstiftung „Kinder von Tschernobyl“ im Jahre 2003 gekommen. Dadurch hatte ich erstmals die Gelegenheit, in die Sperrzone zu reisen.

Können Sie sich noch an Ihre erste Reise und Ihre ersten Eindrücke erinnern? Was hört, riecht, spürt man in den Sperrzonen? Erlebten Sie Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt?
Die erste Reise in die Sperrzone von Tschernobyl hat einen sehr tiefen und nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Dabei war der Anblick des Sarkophags – auch in dem Bewusstsein, dass er für die Geschichtsschreibung in Europa so bedeutend im negativen Sinne war – nicht so eindrucksvoll und bewegend wie zunächst vermutet. Besonders betroffen war ich durch die Situation in Pripjat, weil mir die Ereignisse, die sich am 26. April 1986 und an den folgenden Tagen dort abgespielt haben, in besonderer Weise vor Augen geführt wurden. Die Bilder, die sich mir in den Räumen der Kindergärten, der Schulen und in den Häusern zeigten, haben mich sehr deprimiert. Sie waren nur schwer zu ertragen. Ich habe diese Erlebnisse anfangs nur schwer verarbeiten können und sie sind mir heute noch vor Augen. Aber auch der Anblick der evakuierten Dörfer und der Kontakt mit den Rückkehrern haben mich sehr betroffen gemacht.

Aus welchen Gebieten stammen Ihre Fotos?
Auf den weiteren Reisen habe ich neben der Sperrzone um Tschernobyl auch in den Sperrzonen Weißrusslands fotografiert. Dort sind es die besonders betroffenen Gebiete Gomel und Mogilow.

Ihre Fotos strahlen eine tief meditative Ruhe aus. Dennoch wirken Sie beklemmend und verstörend. Wie gelingt dieser Effekt?
Die Ruhe und die „dekadente“ Ästhetik in meinen Fotos entsprechen meinem Stil und meiner Auffassung von Dokumentarfotografie. Ich habe auf Filmmaterial fotografiert, mit Mittelformatkameras und mit Großbildkameras. Die Formate bzw. Kameratypen sind an sich schon dafür prädestiniert, ruhiger und bewusster zu arbeiten. Ich habe immer ein Stativ benutzt. Wichtig ist meines Erachtens beim Fotografieren die Beschränkung bzw. Reduktion.

Gerade in Weißrussland sind viele alte Menschen in die verstrahlten Zonen zurückgekehrt. Wie lebt man mit der Radioaktivität und der Vergangenheit? Ist es so, dass die Gefahr einfach ausgeblendet wird?
Die alten Menschen in Weißrussland sind zurückgekehrt oder haben sich geweigert, ihr Dorf zu verlassen. Zwangsevakuierungen wurden 1986 innerhalb der 30-Kilometer-Zone in der Ukraine vorgenommen. Es entspricht wohl offensichtlich der slawischen Mentalität, sich mit Dingen oder Schicksalen abzufinden. Oftmals sagten die Menschen: lieber hier in der Heimat zufrieden und satt, als in der Fremde zu leben. Es werden die Gefahren, an die man sich gewöhnt oder die man verdrängt hat, als Schicksal hingenommen.

Zeitweise arbeiten noch fast 4000 Menschen in den sogenannten „Todeszonen“. Wie gehen die Menschen mit der unmittelbaren Gefahr um?
Die etwa 3800 Menschen, die dort arbeiten, halten sich für privilegiert, da sie eine Arbeit haben, die auch noch gut bezahlt wird. Man muss wissen, dass sich die Region Tschernobyl in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Lage befindet, seitdem das AKW abgeschaltet wurde.

Welche Begegnungen sind Ihnen vor allem im Gedächtnis geblieben?
Die Begegnungen mit den „Alten“, die von einer großen Gastfreundlichkeit geprägt war, sind mir stark in der Erinnerung verhaftet. Aber auch die Begegnungen mit den Liquidatoren haben mich sehr berührt. Es ist kaum zu ertragen, wenn sie von ihrem Schicksal erzählen.

Können Sie sich selbst noch an den 26. April 1986 erinnern?
Ich kann mich an die Berichte in den Medien, besonders im Fernsehen erinnern. Auch sind mir „Probleme“ um Milch und die Fluchtgedanken junger Mütter mit ihren Kindern auf Inseln in der Erinnerung.

Haben Sie nicht Angst zu erkranken?
Ich habe 1990 eine schwere Krebserkrankung, bei der mein Magen entfernt werden musste, überlebt. Vielleicht habe ich mich deshalb zu diesem fotografischen Thema hingezogen gefühlt. Ich habe keine Angst; verhalte mich aber dort so, wie man es tun sollte.

Glauben Sie, dass Ihr „Tschernobyl-Projekt“ irgendwann beendet sein wird?
Ich hatte bereits 2006 geglaubt, das Projekt abschließen zu können. Mit meinem neuen Ansatz, das Schicksal der Liquidatoren fotografisch-dokumentarisch zu bearbeiten, bin ich jedoch noch nicht fertig.

Die Fragen stellte Literaturtest.

Porträtfotografie, ein Buch voller Ideen von Hennig, Ihring, Papendieck

Mit diesem Buch kann man nichts falsch machen, aber vieles richtig. Das Buch „Die Fotoschule in Bildern. Porträtfotografie“ von Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck ist ein Buch voller Bildideen. Der Schwerpunkt in diesem Buch liegt im Bereich Studiofotografie.

Aber eine Menge Anregungen sind auch ohne Studio umsetzbar. Wenn es um die Vorbereitung und Durchführung von Studioportraits geht, dann läßt das Buch keine Fragen offen. Aber das Buch lohnt sich auch aus mehreren anderen Perspektiven.

In dem Buch werden an einer Stelle fünf Fragen formuliert: „Welche Art Foto möchte ich machen? Welche Location kann ich dafür nutzen? Welche Accessoires und Kleidung passen zum Foto und zur Location? Welche Stimmung möchte ich rüberbringen? Durch welche Perspektive kann ich diese Stimmung unterstützen?“

Diese fünf Fragen sind für mich die Leitfragen des Buches. Den Autorinnen und Autoren gelingt es, ziemlich viele Antworten auf diese Fragen zu geben. Dazu werden die Porträts unterteilt in Klassisch, Spontan, Charakter, Beauty, Paare, Kinder, Serie, Bewegung, Emotionen, Schwarzweiß, Ältere Menschen und Erotik.

Was dabei die Kapitel inhaltlich zusammenhält sind die Kapitel über Accessoires, Licht, Planung, Kommunikation, Posing und einige mehr. Auf dem Schutzumschlag steht „Inspirierende Bildideen für die Praxis“. Das stimmt und gibt dem Buch einen besonderen Reiz. Die großzügige Aufteilung von Bild und Text, die vielen Zeichnungen zur jeweiligen Beleuchtungssituation und die zusätzlichen Angaben zu den Fotos machen es leicht, schon durch Blättern im Buch inspiriert zu werden.

Zugleich sieht man einiges vom Portfolio von Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck. Drei Fotografinnen bzw. drei Fotografen und drei fotografische Schwerpunkte und Ansätze. Das reizt natürlich noch mehr und gibt die Chance, das Buch aus einer anderen Perspektive zu sehen, nämlich als Portfolio.

Aber ich will nicht verschweigen, dass ich dieses Buch noch aus einem anderen Blickwinkel gesehen und gelesen habe.

Ich habe mir die Frage gestellt, was bedeutet heute (2010/2011) Porträtfotografie?

Das Buch stellt für mich eine aktuelle Sammlung von Ansätzen dar, Fotografie mit dem Schwerpunkt menschliche Portraits vorzustellen. Zugleich wird deutlich, dass nach diesem Buch auf den ersten Blick eigentlich alles möglich ist. Aber das stimmt nicht.

Wenn man das zweite Mal hinschaut, dann kann man – wenn man will – das tiefere Geheimnis des Buches und der Porträtfotografie sehen. Im Kapitel über „Klassische Porträts“ gibt es einen Abschnitt mit der Überschrift „Linien, Linien, Linien“. Weiter hinten im Buch wird dies vertieft im Kapitel „Porträts gestalten“.

Dort findet sich der meiner Meinung nach entscheidende Schlüsselsatz.

Er lautet: „Achten Sie bewusst auf störende Bildelemente und komponieren Sie ihr Foto.“

Genau das ist es. Die Komposition, die Geometrie ist die Grundlage guter Porträtfotografie. Damit ist dieses Buch, wenn man es richtig benutzt, eine wunderbare Anleitung für das schöne Fotografieren von Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens.

Biete Visionen von David duChemin


Der Titel “Biete Visionen. Leben und arbeiten als Profifotograf” ist Programm. Dieses Buch zeigt, was nach der Technik kommt, wenn man als Fotograf arbeiten will. David duChemin – ein bekannter Profifotograf – zeigt zunächst umfassend seine Sicht der Dinge. Seine Vision brachte ihn über das Theologiestudium und das Arbeiten als Komödiant letztlich zum Fotografieren.

Und Profi ist man, wenn man davon leben kann. Der Aufbau des Buches zeigt die Denkweise des Autors. Er schreibt nicht nur über sich sondern auch über andere und räumt ihnen Platz ein.

In dem Buch läßt er neun andere Fotografinnen und Fotografen mit ihrem eigenen Ansatz zu Wort kommen. Doch der Reihe nach.

„Je genauer ich bei Fotografen hinsehe, die ich respektiere und bewundere, desto mehr Konstanten statt Zufällen entdecke ich. Die wichtigsten dieser Konstante sind Vision und Leidenschaft. Die Vision ist der Motor des Unternehmens, die Leidenschaft der Treibstoff.“

So schildert er auf den ersten Seiten des Buches die Themen, die den Inhalt des Buches ausmachen. Auf Seite 13 entdecke ich den Satz „Für Leidenschaft gibt es keinen Ersatz.“

Und dann unterteilt duChemin zwischen einem Amateur, der etwas aus Liebe tut, aber nicht davon lebt und dem Profi. „Profi zu sein bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass man mit dem, was man tut, Geld verdient… Der Beruf, den wir fälschlicherweise mit dem Begriff Karriere gleichsetzen, ist viel mehr als das. Er ist eine Berufung, mehr als ein Job, ein Lebenswert, das Begabung und Talent einbezieht. Der Beruf eben.“

So treibt der Autor uns gedanklich an und weiter: „Fotografen, die gerade erst anfangen, sehen zu denen auf, die bereits seit 20 Jahren fotografieren, und sie sehen nur das Ergebnis von 20 Jahren Arbeit. Sie sehen weder die Jahre voller schlechter Bilder, die vielen Fehler, die wir gemacht, die Bücher, die wir gelesen, die Vorträge, die wir gehört haben, noch unsere Dummheit beim Kauf neuer Ausrüstung, von der wir hofften, sie würde zu einer Art Zauberstab.“

Und er gibt dem Talent einen völlig neuen Stellenwert, wenn er schreibt: „Talent ist wichtig; es macht alles einfacher… Aber es gibt viele wenig talentierte, dafür aber hart arbeitende Fotografen, die davon leben können.“ Und immer wieder kommt er zu Vision und Leidenschaft und fordert die Leserinnen und Leser seines Buches auf, sich damit tiefer auseinanderzusetzen.

Er sagt zudem klar, was außerhalb der Möglichkeiten dieses Buches ist: „Die Vorausssetzung, die ich meine, lautet: Sie beherrschen Ihr Handwerk und Ihre Produkte sind ausgezeichnet… Einen Auftrag können Sie sich immer irgendwie ergaunern, aber wenn Sie Ihre Versprechen nicht halten und nicht das Gewünschte liefern, wird es keinen zweiten Auftrag geben“(44).

Wenn Sie in dem Buch ab S. 63 mit der Überschrift „Suchen Sie sich einen Mentor“ lesen, wie er Profifotograf wurde und sich parallel einmal die deutschen Verordnungen und Barrieren anschauen, dann wird sehr schnell das Geheimnis seines Erfolges deutlich, denn eine Lehre als Fotograf oder ein Studium als Foto-Designer wird die Fächer „Leidenschaft“ und „Vision“ kaum beinhalten.

Klar ist, dass der Autor offenkundig als Autodidakt Erfolg hatte. So hat dieses Buch einen mehrfachen Reiz, zumal in Deutschland. DuChemin dürfte sich in Deutschland gar nicht als „Fotograf“ bezeichnen, um mit dieser Berufsbezeichnung zu arbeiten. Er dürfte sich höchstens „Bildjournalist“ nennen oder „photographer“.

Insofern zeigt dieses Buch, wahrscheinlich ungewollt, auch Einblicke in die Grenzen deutschen Denkens, getreu dem Motto „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben alle einen anderen Horizont“.

duChemin zeigt an vielen Stellen, wie auch die Beiträge der anderen Autorinnen und Autoren zeigen, dass es viel um Beziehungsaufbau und Beziehungspflege geht, um Marketing und anderes.

Wie fast alle Fotografen ist auch David duChemin ursprünglich ein Kind der Printwelt. Ab Seite 134 kommt dann das Kapitel “Marketing 2.0″ Damit sind wir dann im Internet mit allem, was dazugehört. Es geht um die Fragen, die alle angehen: Gestaltung der Internetseite, Aufmerksamkeit erzielen in Social Communities, Interaktion etc.

Auf sanfte Weise werden viele Dinge angesprochen, die heute aktuell sind: dorthin gehen, wo die Massen sind, Bloggen aber richtig, Umgang mit Agenturen etc.

Ganz am Anfang seines Buches weist der Autor darauf hin, dass er gerne andere Fotos genommen hätte, aber weil er diese für Nichtregierungsorganisationen NGOs erstellt hat, darf er es nicht – der Rechte wegen. Das ist schade, weil es gerade interessant gewesen wäre zu sehen, wie man arbeiten muß, um erfolgreich bei NGOs zu sein.

Es ist ein schönes Buch und es ist sehr unterhaltsam und lehrreich. Der Titel stimmt auch, denn es ist praktisch die Biografie von David duChemin,eine Dokumentation seiner Arbeitsweise und ein Leitfaden nach der Technik für ein Leben mit der Fotografie.

Wenn man das Buch nutzt, um sich eine innere Haltung anzueignen oder die eigene Einstellung zu überprüfen, dann ist es eine gute Quelle mit vielen Anregungen.

Und es ist eines der wenigen Bücher, die den Leserinnen und Lesern Hilfe beim Entwickeln einer Vision anbieten. duChemin weist darauf hin, dass es früher Fischhändler und Eisenwarenhändler gab, die ein ehrliches und ehrsames Geschäft betrieben.

Dann kamen Waffen- und Datenhändler hinzu und das Wort „Händler“ wechselte die Bedeutung. Er sieht sich und andere als „Visionshändler“. Er schreibt dazu: „In diesem Sinne präge ich hier den Begriff des Visionshändlers. Ich betrachte ihn als Erinnerung daran, daß unser Beruf eine ehrliche Kombination aus Handwerk und Geschäft ist – eine Kreuzung aus Ausdruck einer Vision und deren Feilbieten auf dem Markt. Eine Erinnerung, dass mein wirklicher Wert… nicht das gedruckte Bild selbst ist, sondern die einzigartige Kreativität und Vision, aus der das Bild entstanden ist.“

Und wenn man das Buch bis zum Ende liest, dann kommt ziemlich am Schluß des Buches in einem Interview Joe McNally zu Wort, ein anderer Fotograf. Dieser sagt in dem Interview: “Mein Rat lautet, flexibel zu bleiben. Sie müssen ihr eigenes Unterhaltungsunternehmen sein – Sie müssen wissen, wie man Fotos und Videos herstellt, wie man einen Blog betreibt, twittert und eine Website aktualisiert.”

Insgesamt ist dieses Buch gut für den Einstieg in eine andere Lebenshaltung und für eine echte Auseinandersetzung mit sich und dem Wunsch, Fotograf zu werden oder zu sein. duChemin schreibt auch über Dinge wie “Bleiben Sie schuldenfrei” oder “Planen Sie Steuern ein” und zeigt damit, dass eine Vision nur so gut ist wie die Wirklichkeit, die sie als Grundlage anerkennt.

Das Buch setzt genau da an, wo die Technik aufhört. Es ist dem Buch zu wünschen, viele Leserinnen und Leser zu finden, zumal es relativ leicht geschrieben ist. Und vor allem ist es ein Geschenk für das eigene Leben, denn wer sich mit dem Buch auseinandergesetzt hat, der wird nicht umhin kommen, auch in seinem Leben etwas in Bewegung zu setzen.

David duChemin
Biete Visionen… Leben und arbeiten als Profifotograf
ISBN: 978-3-8273-2960-8
Addison-Wesley Verlag

Unposed, ein Buch über gute Strassenfotografie von Craig Semetko

Das Buch ist fotografisch so herrlich leicht. Es ist voller Überraschungen und es ist aus dem heutigen Leben. Der Fotograf Craig Semetko hat ein Buch veröffentlicht. Dieses Buch hat den Titel „Unposed“. Dies bedeutet, auf den Fotos haben die Menschen nicht posiert sondern die Fotos sind alle aus der ungestellten Situation entstanden.

Semetko beruft sich in diesem Buch besonders auf Cartier-Bresson. Deshalb griff auch er zur Leica. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind alle diese Fotos zwischen ca. 2000 und 2010 mit einer Leica gemacht worden. Und es handelt sich um Strassenfotografie bzw. dokumentierende Fotografie.

Bei einigen Bildern mußte ich herzhaft lachen. Sie sind einfach so gut, dass sie die Leichtigkeit des Seins ansprechen. Das Foto mit dem Mann, der auf der Toilette steht und sich erleichtert und dabei mehrfach von Marilyn Monroe angeschaut wird, ist so super fotografiert, dass es eine wahre Freude ist, dort hinzuschauen.

Das Buch an sich ist in einer angemessenen Größe und es hat eine Fadenheftung. Elliott Erwitt hat ein Vorwort geschrieben. Es gibt nur Fotos, die für sich selbst sprechen und erst auf den letzten Seiten kurze Erläuterungen zu den jeweiligen Fotos.

Es ist ein Buch, welches in mehrfacher Hinsicht Lust auf mehr macht. Zuallererst ist es ein Musterbeispiel dafür, dass man heute gute Strassenfotografie unter Achtung der Persönlichkeitsrechte machen kann. Fast alle Fotos zeigen Menschen, die aber nicht als individuelle Person erkennbar sind und dennoch klar zu sehen sind. Das ist die Kunst, die heute erforderlich ist in diesem Metier.

Darüber hinaus sieht man hier Fotos, die klare und klassische Strukturen im Bildaufbau haben. Und alle Fotos erzählen mindestens eine (wenn auch manchmal kleine) Geschichte. Semetko hat nur Schwarzweissfotos hier veröffentlicht. Das ist umso bedeutsamer, weil heute fast nur noch Farbe zählt. Es ist aber auch ein besonderes visuelles Erlebnis, weil es eben auch ohne Farbe geht.

Wenn man sich überlegt, dass alle Fotos zwischen 2000 und 2010 aufgenommen worden sind, dann ist es schon ein besonderes Buch in einer Zeit, die am liebsten nur von bunten Bildern lebt. Das Buch ist fotografisch betrachtet aus meiner Sicht ausgesprochen gut, wenn man ein Buch zur Strassenfotografie und zum gelungenen Schnappschuss sucht.

Fotografiertechnisch kann man die Fotos in diesem Buch zu einem erheblichen Anteil aber nur mit einer Optik machen, die gut freistellt und den Hintergrund entsprechend vom Vordergrund trennt. Dies kann die Leica M. Es scheint sich aber überwiegend um Aufnahmen zu handeln, die noch auf Film gespeichert wurden. Für solche Fotos auf Film oder heute digital braucht man aber in meinen Augen keine Leica, sondern einfach eine Kamera mit einem größerem Sensor und einer Festbrennweite, so dass auch der preisbewußte Fotograf durch dieses Buch ausserordentlich gute Anregungen erhalten kann.

Insofern ist es ein Buch, welches Menschen, die Strassenfotografie oder streetphotography lernen wollen, eine echte Vorlage sein kann, weil es sich um Fotos aus der heutigen Zeit handelt.

So, leider darf man Fotobücher ja nur besprechen und fast immer gar keine oder fast gar keine Fotos zeigen. Deshalb zeige auch ich hier keine Fotos. Die große Ausnahme scheint aber der Focus zu sein, der offenkundig das Recht hat, einige Bilder aus dem Buch zu zeigen. Daher verweise ich auf die entsprechende Internetseite und wünsche viel Spaß beim Anschauen einiger Fotos aus diesem gelungenen Buch. Hier der Link.

Unposed
Vorwort von Elliott Erwitt
Craig Semetko
96 Seiten, Hardcover
54 Duplexfotografien
Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch
39,90 Euro
ISBN: 978-3-8327-9420-

Patagonien – ein gutes Buch mit wunderbarer Reisefotografie von Peter Gebhard

Das Buch von Peter Gebhard „Patagonien. Begegnungen am Ende der Welt“ ist ein besonderes Buch.
Peter Gebhard hat Patagonien seit 1995 mehrfach besucht. Und dieses Buch dokumentiert eine Zeit, die er erlebt hat, die langsam vergeht und deren Schönheit in diesem Buch festgehalten wird. Dabei stimmt bei diesem Buch der Inhalt und die Form. Atmosphäre vermittelnde Landschaftsbilder finden ihren Platz auch in der richtigen Größe in diesem Buch. Das ist selten geworden.

Der Autor schreibt zu Beginn, dass Patagonien eine Metapher ist „für Freiheit und Weite, für ungebändigte Natur“ und er sagt „die kompromisslose Leere des Landes wird zum Spiegel einer Reise in das eigene Ich“.

Das Buch ist Reisefotografie im besten Sinne. Um souverän eine Region so darstellen zu können, muß man diese mehrfach erlebt haben und man muß über Jahre hinweg darüber nachdenken können. Herausgekommen ist eine Begegnung mit Menschen, die uns durch Patagonien führen. Jeder an seiner Stelle und mit seinem Leben.

„Hay mucho tiempo en la Patagonia – man braucht viel Zeit in Patagonien, um ans Ziel zu kommen.“ Diesen Satz läßt Peter Gebhard den Bauern Bamonde sagen im Kapitel über Feuerland. Und irgendwie scheint es auch das versteckte Motto des Buches zu sein, da der Autor selbst ein Jahr in Patagonien war, um dieses Buch über seine „Begegnungen“ zu schreiben.

Im Kapitel über Feuerland stellt Peter Gebhard uns fotografisch u.a. Gabriel vor und nimmt uns mit in einen fast vergessenen Regenwald. Wir blicken in einem anderen Kapitel über „Das weiße Haus“ in das lächelnde Gesicht von Trudy und erleben die Alltagsbedingungen des Lebens in dieser fast menschenleeren Weite.

Und zwischendurch gibt es immer wieder die Geschichten wie die von dem selten befahrenen Paso Raballos aus Chile im Kapitel „Der Traum“, den Peter Gebhard vor 15 Jahren schon einmal befuhr. „Nur wenige Kilometer hinter dem Grenzposten saß ein Mann am Straßenrand neben einem halb verfallenen Lehmgemäuer. Aurelio Rauch wartete mit seinem kleinen, zerschlissenen Rucksack bereits einen ganzen Tag auf eine Mitfahrgelegenheit, aber außer mir kam niemand vorbei.“ Und so erzählt Peter Gebhard dann über Aurelio.

Genau an dieser Stelle zeigt sich eine der Stärken des Buches: der Autor kann vergleichen, weil er die Veränderungen in diesem Land gesehen hat. Er dokumentiert eine Zeit, die gerade vergeht und zeigt die neue Zeit, die gerade entsteht. Ein Beispiel dafür ist die sterbende Freiheit der Gauchos. Wir lernen Walter kennen. „Walter ist mercachifle, fahrender Händler, und benötigt noch Ware und Werkzeug für die große Runde zu den Estancias im Westen. Doch dieses Mal ist es für ihn eine ganz besondere Tour: Es ist seine letzte Fahrt, es lohnt sich nicht mehr. Über Jahrzehnte gehörten die mercachifles zum Leben auf dem Land – sie waren die unersetzliche Versorgungsader für viele Menschen auf den abgelegenen Farmen. Doch über 30 Prozent der Estancias in der Provinz Santa Cruz sind verlassen, immer weniger Menschen leben auf dem Land – es ist das Ende einer Ära.“

Nach der argentinischen Wirtschaftskrise von 2002 und der Abwertung des Peso wurde das Land zum Schnäppchenpreis verkauft. Und Gebhard beschreibt die Folgen: „ So findet man neuerdings in Patagonien mehr und mehr Warnschilder mit der Aufschrift: propriedad privado, Privatbesitz: Wachtrupps kontrollieren die Eingänge der Landgüter, und Zäune durchziehen das Land, um den Menschen den Zugang zu verwehren und nicht mehr, um Schafe zusammenzuhalten. Wo ist die viel besungene Freiheit der Gauchos geblieben?“

In großformatigen fotografischen Porträts lernen wir Land und Leute kennen und auch das „Ende der Welt“. Die gezeichneten Karten zu Beginn der Kapitel geben immer Orientierung und ermöglichen dadurch Blicke in eine Landschaft, die es so nur einmal gibt.

Das Buch eignet sich für alle, die Patagonien einmal bereisen wollen und zugleich für die, die hier bleiben. Denn wer dort hinreist, wird vieles davon so selbst nicht entdecken können. Aber wenn man dort ist, hilft das Buch einem dabei, die Dinge besser einzuordnen.

Das Buch ist aber auch ein Genuss, weil es eine Reise nach Patagonien ermöglicht, ohne dorthin reisen zu müssen. Gerade die großformatigen Aufnahmen ermöglichen immer wieder Blicke auf dieses Land, die die Schönheit, die Härte, die Kargheit, das Lächeln des Lebens und die Lebensversuche vieler Menschen zeigen.

Immer wieder faszinieren in diesem Buch auch Fotos, die den Menschen im Verhältnis zu der Weite der Landschaft zeigen. Und es sind Fotos dabei wie das von dem Lenga-Urwald bei Tucu Tucu, deren Schönheit echte Sehnsucht weckt, dies einmal mit eigenen Augen zu sehen.

An dieser Stelle höre ich auf. Aber eines möchte ich noch schreiben. Unabhängig von Patagonien lohnt sich dieses Buch auch, wenn man wissen will, wie man Landschaft fotografisch festhalten kann und dies alles reisefotografisch umsetzen will. Und dabei steht eines fest, großartige Landschaften kann man auch nur in großformatigen Büchern darstellen.

Peter Gebhard
Patagonien
Begegnungen am Ende der Welt
192 Seiten, ca. 125 Abbildungen, Format 24,5 x 30,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN-13: 978-3-89405-770-1