Fotobuch

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Unterwegs in den Osten von Jáchym Topol und Karel Cudlin

Das Buch ist beeindruckend. Es ist ein kleiner Schatz der Fotografie und Literatur. Dieses Buch ist dokumentarische Fotografie und dokumentarische Literatur und Geschichtsbuch in einem Band.

Wer jemals im Osten vor 1989 war und/oder auch in der Tschechoslowakei, der findet hier wieder, was man selbst gesehen hat und noch viel mehr. Denn das Buch berichtet über die Zeit bis 1989 und die Zeit nach 1989.

Dies ist der zweite Band der Reihe starfruit publications, die außergewöhnliche Formen der Zusammenarbeit zwischen zeitgenössischen Autoren und Künstlern präsentiert. Die Kooperation zwischen dem Dokumentarfotografen Karel Cudlin und dem Schriftsteller Jáchym Topol ist mehr als gelungen.

„In diesem Land gab es keinen Terror. Wer nicht aufbegehrte, der konnte in Ruhe leben, wir kannten keine Armut, nur Mangel. Schwarzmarkt, Valutenschieberei, Tauschhandel. Kellner, Taxifahrer, Fleischer, Gemüsehändler – das war der sozialistische Adel.“

So schreibt Jáchym Topol im Kapitel über „Stehimbisse, Läden, Anstehen, Einkaufstaschen“.

Hier berichten zwei Reporter, der eine mit dem Bild und der andere mit dem Buchstaben. Sie sammeln Eindrücke und Erlebnisse in Ländern und Städten, die früher hinter der Mauer waren.

 

Foto: Karel Cudlin

Foto: Karel Cudlin

 

Aber das Buch ist nicht nur Geschichte, es ist auch aktuell. Viele Fotos zeigen das Leben in Lodz, Karabach, Solotvino, Baku, Blansko und an anderen Orten.

Die Texte machen aus den Geschichten der Fotos neue Geschichten hinter den Fotos und andere Geschichten neben den Fotos.

Dabei strahlt das gesamte Buch eine Ruhe aus, die ich selten in einer Veröffentlichung gefunde habe. Und es berichtet trotzdem über das, was uns Menschen gerade passiert.

„Das, was in Baku passiert ist, ist ein Paradebeispiel für die grauenvolle Art, wie der Mensch mit den von ihm entdeckten Bodenschätzen umgeht. Auch wenn man die kaputte Landschaft direkt in Augenschein nimmt, kann man den Grad der Umweltverschmutzung kaum ermessen. Es ist ein riesiger Schauplatz der Zerstörung, ein anschauliches Bild dafür, wie sich der Mensch der Ressourcen der Natur bedient, ohne darüber nachzudenken, was später passieren soll. … Eine Landschaft, die im Sterben liegt.“

 

Foto: Karel Cudlin

Foto: Karel Cudlin

 

Es sind solche Texte und die Bilder dazu, die zeigen, dass Literatur und Bildreportagen heute wichtiger denn je sind. Dieses Buch ist ein kulturhistorischer Schatz. Das gilt auch für das Layout und das gesamte Projekt.

Vor dem Verschwinden der Mauer, beim Verschwinden der Mauer und nach dem Verschwindern der Mauer erlebt man Menschen und Geschichten.

Wie man in Prag den Einzug der Ostdeutschen in die westdeutsche Botschaft erlebte, wie McDonalds nach Most kam, wie die neue Freiheit zur Suche nach Arbeit führt.

Foto: Karel Cudlin

Foto: Karel Cudlin

Es ist ein beeindruckendes Dokument als persönlicher Erlebnisbericht, als dokumentarische Fotografie und als literarisches Dokument. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber die Sprache ist oft so leicht, daß es fast schon ein Vergnügen ist, den Worten zu folgen.

Und so ist dem Verlag ein Buch gelungen, welches sehr selten und sehr kostbar ist. Es ist ein kluges Buch und es dokumentiert den Wandel, der sich gerade vollzieht oder wie es so schön heisst, das Buch „leitet den Leser auf den Pfaden der Sprache in eine Welt, die so vielleicht schon bald nicht mehr sichtbar sein wird.“

Doch durch die Fotos sehen wir sie heute noch. Dieses Buch lohnt sich für Menschen, die denken und die spüren können. Es ist ein selten gutes Buch.

Jáchym Topol / Karel Cudlin
Unterwegs in den Osten

Herausgeber: Manfred Rothenberger und Kathrin Mayer
Aus dem Tschechischen von Eva Profousova

ISBN 978-3-922895-21-3

www.starfruit-publications.de

Gekonnt fotografieren. Vom Amateur zum Profi von Joke Beers-Blom

Gut gemacht und leicht zu lesen. „Weckt das Betrachten des eigenen Fotos genau die Empfindung, die man auch beim Fotografieren hatte, ist das eine der großartigsten Erfahrungen in der Fotografie. Stimmung und Atmosphäre eines schönen Ortes lassen sich auf diese Weise später nachempfinden und ins Gedächtnis zurückrufen.“

So beginnt Kapitel 1 dieses gut gemachten Buches für Menschen, die sich eine digitale Kompaktkamera und/oder Spiegelreflexkamera bzw. Systemkamera gekauft haben und mehr aus ihren Fotos machen wollen.

Für mich hat dieses Buch einen besonderen Reiz. Erstmals lese ich ein Buch, das nicht von einem amerikanischen, englischen oder deutschen Autor stammt sondern von einer erfahrenen niederländischen Autorin. Es ist leicht zu lesen und es setzt dort an, wo Käufer einer Kamera meistens stehen: sie wollen Fotos machen.

Kein Wort über Technik sondern die Frage, wie halte ich die Stimmung fest, leitet das Buch ein. Diese Herangehensweise zeigt, dass Fotos zuerst im Kopf entstehen.

Wie drücke ich Gefühle fotografisch aus, wie lerne ich Sehen? Mit Fotos und in sich geschlossenen Textabschnitten wird jede Doppelseite dieses Buches zu einem Lernerfolg. Ja, man kann dieses Buch sogar durchblättern und dabei inspiriert werden.

Es ist ein Buch, das vom Foto zum Text führt und damit auch medial die Leserinnen und Leser bei dem Medium abholt, das sie selbst produzieren wollen: digitale Fotos.

Ich finde es außerordentlich gelungen, dass quasi auf jeder Doppelseite sofort das Auge interessante Fotos findet und dann die Texte dazu.

Da das Buch vom Anfänger zum Profi führen soll, kommen auch technische Aspekte. Man lernt sogar das Einmaleins der Optik, der Blende und der Belichtung. Aber immer so, dass nichts als bekannt vorausgesetzt wird und trotzdem „nur“ das zum direkten Einsatz nutzbare Wissen vermittelt wird.

Alle Fotos in diesem Buch sind Alltagsfotos, auch die Reisefotos von Joke Beers-Blom von ihrer Australienreise. Jeder Besitzer einer Digitalkamera könnte ähnliche Fotos sofort in seinem Umfeld machen. Dadurch ist das Buch mit einem sehr hohen Praxisnutzen ausgestattet.

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis, die Seite aufschlagen und schon kann man innerhalb kurzer Zeit seine fotografische Frage lösen. Eine wirklich lesbar große Schrift und klar gegliederte Textkapitel verhelfen zu schnellen Erfolgen!

Das Buch lohnt sich für Einsteiger wirklich und vermittelt eine fotografische Leichtigkeit, die wunderbar ist. Leider hat irgendjemand aus Beers-Blom den Namen Beers-Bloom gemacht. Das ist ein o zu viel im Namen. Aber das ist alles an Schatten bei einem Buch, welches zeigt, wie man aus gutem Licht gute Fotos machen kann.

Joke Beers-Blom

Gekonnt fotografieren. Vom Amateur zum Profi

ISBN 978-3-8155-0630-1

Das Profi-Handbuch zur Nikon D7000 von Jörg & Katja Walther

Was mache ich, wenn …?

Mit dieser Frage im Hinterkopf haben Jörg und Katja Walther ein Buch über die Nikon D7000 geschrieben. Es ist ein Buch, in dem die Autoren eine eigene Meinung haben und diese auch niederschreiben und genau das ist gut und macht den Reiz des Buches aus.

Es ist ein sehr übersichtliches Buch. Das Inhaltsverzeichnis ist so gut aufbereitet, dass die Fragen zur Praxis sofort beantwortet werden können.

Ich finde sehr gut, dass schon zu Beginn eine wesentliche Veränderung ausführlich und sachgerecht beschrieben wird. Während bis zur D300s die Motivprogramme fehlten und immer nur in den „kleineren“ Kameras wie der D90 vorhanden waren, hat die D7000 nun auch diese Szeneprogramme.

Damit ist eine Kamera entstanden, die sowohl mehr manuelles als auch mehr automatisches Fotografieren erlaubt.

Und genau dies wird sehr ausführlich erläutert. Damit macht man Lust auf Ausprobieren. Das Buch eignet sich sehr gut als kreative Begleitlektüre im Urlaub. Und es gibt jede Menge Empfehlungen und sogar Aufgaben.

Eine Aufgabe lautet: „Vogel im Flug fotografieren.“ Dabei soll der Leser bzw. die Leserin die automatische Messfeldsteuerung und ihre Grenzen kennenlernen. Zudem kann man üben, wie man die 39 Felder des Autofokus der D7000 richtig einsetzt.

Ich habe das Buch als einzige Textinformation auf eine Reise zum Diemelsee mitgenommen, um die Kamera und das Buch unter Aussenbedingungen und praktischen Fragestellungen zu testen.

Das Buch konnte alle Fragen vorzüglich beantworten. Allerdings muß man hinzufügen, dass es kein Buch für fotografische Anfänger ist. Es ist gut zu lesen und hat eine gute Aufteilung der Seiten, aber es setzt schon Kenntnisse voraus. Das unterscheidet dieses Buch in meinen Augen wohlwollend von Büchern, die immer alles in einem Band sein wollen. Das funktioniert einfach nicht. Ein Buch für Anfänger muß anders aufgebaut sein als ein Buch für Fortgeschrittene. Aber dies ist wohl bestimmt durch den Wunsch, möglichst viele Zielgruppen mit einem Buch ansprechen zu wollen.

Sehr gut gelöst fand ich neben anderen Themen auch den Umgang mit der „Hyperfokaldistanz als Autofokusersatz“.

Es wird zwar auch die Theorie knapp erläutert, doch dann kommt ein Kästchen und in dem steht wie man über den Daumen kalkulieren muß, um scharfe Fotos von vorne bis hinten zu erhalten.

Die vielfältigen Empfehlungen zur Objektivwahl und das Kapitel „Spezielle Fotothemen mit der D7000 bewältigen“ erlauben eine gute Einführung in die unterschiedlichsten fotografischen Situationen.

Das Thema Video wird ebenfalls angeschnitten und erläutert, aber ich meine bemerkt zu haben, dass die Autoren der Meinung sind, die D7000 sei in erster Linie eine sehr gute digitale Spiegelreflexkamera, so dass Video nicht der Hauptgrund zum Kauf dieser Kamera sein sollte. Da gibt es anderes. Das sehe ich auch so.

Das Buch ist sehr übersichtlich und inhaltlich gut aufbereitet gestaltet.

Die Informationen fangen dort vielfach an, wo die Praxis der Fotografie mit dieser Kamera beginnt und die Empfehlungen regen zur Auseinandersetzung mit der Kamera an.

Es ist ein Buch, welches die Erwartungen des Titels voll erfüllt und es macht auch Spaß, in dem Buch nachzulesen.

Es ersetzt kein Handbuch sondern ist eine sehr gute Ergänzung für die Praxis, die ihresgleichen sucht.

Im Prinzip sieht man indirekt an diesem Buch, wo die Grenzen eines Handbuches für eine Kamera sind und welches Wissen man nach dem Lesen des Kamerahandbuches noch benötigt. Da wird dann klar, wie wichtig das Kennenlernen einer Kamera und der Grundlagen der fotografischen Optik ist, damit man optisch gut konstruierte Fotos machen kann.

Jörg Walther, Katja Walther:

Das Profi-Handbuch zur Nikon D7000

ISBN: 9783815835289

Das Fotobuch, das Fotografiebuch und das Fotoalbum

Wo ist der Unterschied zwischen einem Fotobuch, einem Fotoalbum und einem Fotografie-Buch?

Da wandelt sich gerade die Begrifflichkeit im Verkaufsgeschehen. Ein Fotobuch ist ein Buch mit Fotos. Das ist heute die gebundene und gedruckte Ausgabe eines Fotoalbums. Früher druckte man Fotos aus und klebte sie in ein Fotoalbum.  Das kann man auch heute noch. Aber eleganter ist natürlich die Erstellung eines eigenen Fotobuches. Dieses Buch ist in der Regel aber nur ein Buch im Sinne von gebundenen Blättern mit Bucheinband.

Es ist aber kein mit einer ISBN Nummer versehener und über den Buchhandel versehener Verkaufsartikel. Und hier ist dann die Grenze zum Fotografiebuch. Das ist ein Buch über Aspekte der Fotografie, ein Buch mit Fotos, mit Texten und vielem mehr, das man kaufen kann.

Nun verschwimmen langsam die Grenzen. Fotobuchanbieter bieten einzelne Bücher ihrer Kunden zum Verkauf bzw. Nachdruck an. Online-Anbieter von Medien bieten ebenfalls Ausdrucke, gebunden oder anders, von digitalen Medien an. So entwickelt sich aktuell eine neue Welt.

Aber diese Welt beruht in der Fotografie immer noch auf den Fotos, allerdings digital (sofern es nicht ein künstlich erstelltes Bild (kein Foto) ist). Damit bin ich bei der nächsten Unterscheidung.

Ein Bild ist kein Foto. Ein Foto nimmt etwas auf, was gerade existiert für den/die Fotografien/Fotografen. Ein Bild kann ein aus einer Software erstelltes Ergebnis sein.

Beides ist existent, aber nur eines davon ist real. Stimmt das? An dieser Stelle höre ich zunächst mit dieser gedanklichen Einlassung auf. Denn der Unterschied zwischen real und existent ist etwas schwierig zu beantworten.

Aber wenn sie bei Suchmaschinen das Wort „fotobuch“ eingeben, dann geschieht etwas bemerkenswertes. Es kommen nur Fotobuchanbieter wie Photographerbook, CeWe, Pixum, Fotokasten und viele mehr. Es kommen gar keine Artikel oder sonstiges. Eigentlich sollte bei Suchergebnissen doch eine Mischung kommen aus werbebezahlten Suchergebnissen, die auch direkt erkennbar sind und generischen Suchergebnissen.

So gibt uns der Umgang mit dem Wort auch noch Hinweise darauf, wie man sich bei Suchmaschinen verhalten muss: man muss vor allem mehrere Seiten anklicken und sich die jeweiligen Suchergebnisse anschauen, um das zu finden, was am besten gefällt.

Damit erhält auch der Satz „Die Letzten werden die Ersten sein“ eine völlig neue Bedeutung.

Landschaft im Licht von Thomas Grundner und Ernst-Jürgen Walberg

Das Buch hat beeindruckende Fotos und ist ein wunderbares Geschenk. So könnte man dieses Fotobuch mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen zusammenfassen. Mecklenburg-Vorpommern mit einem Schwerpunkt Richtung Rügen, so fing der Fotograf Thomas Grundner Momente dieser Landschaft auf Fotos von den vier Jahreszeiten ein.

Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen Landschaftsaufnahmen wirklich zum Verweilen einladen. Das Buch ist mit Liebe gemacht. So gut wie alle Fotos haben eine drucktechnische und visuelle Qualität, die die Einzigartigkeit des Augenblicks einfangen konnte.

Ich gab das Buch einem Bekannten, der viele Jahre dort oben gelebt hat und zur See gefahren ist. Er sagte mir sinngemäß, wer dort schon war und diese Orte kennt, der kann sie mit diesen Fotos noch einmal erleben und sich erinnern.

Fotobücher gibt es viele. Es ist sehr schwer, Landschaften in ihrer Eigenheit und ihren schönsten Momenten aufzunehmen. Es ist Thomas Grundner gelungen, mit Farbfotos eine Vielzahl natürlich schöner Momente dieser Landschaften einzufangen.

Foto: Thomas Grundner

Foto: Thomas Grundner

Ernst-Jürgen Walberg nimmt uns zu Beginn des Buches in einer inspirierenden Einführung mit auf eine Reise zu Malern und anderen Künstlern, die ebenfalls versucht haben, die Reize dieser Landschaft einzufangen.

Der Titel „Landschaft im Licht, Ein Jahr an der Ostseeküste Meckelnburg-Vorpommerns“ wird dem Buch in jeder Hinsicht gerecht. Klugerweise haben Autoren und Hinstorff-Verlag ein Querformat gewählt. So können Fotos mindestens in A4 und wenn möglich in A3 quer gezeigt werden. Dadurch entfalten sich Landschaften und natürliche Eindrücke geben dem Auge das Gefühl von den Schönheiten der Natur.

Anfang des Jahres wollte ich Rügen für ein Jahr besuchen, um die Natur im Wechsel des Jahres festzuhalten. Nun stelle ich fest, dass so etwas in diesem Buch schon auf wunderbare Weise erweitert geschehen ist. Die Momente auf den Fotos zeigen die Schönheit, die uns die Natur bietet.

Das Buch zeigt, wie gute Landschaftsfotografie sein muß. Es wird auch den Anforderungen guter klassischer Fotografie gerecht, vor allem, wenn ich es in ein Verhältnis zu anderen Bildbänden setze.

Dieses Buch mit schöner Fotografie ist ein Geschenk für sich und andere. Es erfüllt fotografisch auch hohe Anforderungen in weitem Umfang und es ist schön. Es ist schön gemacht vom Format, von der Farbgebung und vom Layout – und natürlich von den Fotos.

Wer sich an diese Region erinnern will und/oder wer wunderschöne Landschaftsfotografie sucht, der hat hier etwas gefunden, was sich wirklich lohnt.

Thomas Grundner (Fotos) | Ernst-Jürgen Walberg (Text):
Landschaft im Licht. Traumhafte Landschaft in wunderbaren Bildern
ISBN 978-3-356-01423-5

Henri Cartier-Bresson, A Propos de Paris

„Man kann Paris immer verlassen, Paris selbst verläßt einen nie.“ So lautet ein Satz von Vera Feyder in der Einleitung zu dem wunderschönen Buch über Paris von Henri Cartier-Bresson. Als der Verleger Lothar Schirmer die Ausstellung „Paris  à vue d´oeil“ im Jahre 1984 gesehen hatte, wuchs in ihm die Idee eines Buches.

Das Buch ist 2007 in der sechsten Auflage erschienen. Mittlerweile ist es ein Buch über Henri Cartier-Bresson und über Paris und seine Geschichte im 20. Jahrhundert und über die  fotografische Komposition der Realität. Es ist auch eine eindrucksvolle Studie über Strassenfotografie und den Blick von Henri Cartier-Bresson.

Wer sich schon etwas auskennt, der findet hier erstaunlich viele bekannt gewordene Fotos, die mit dem Namen Cartier-Bresson verbunden sind. Sie zeigen, dass Paris und seine Motive eindrucksvoll wichtige Momente des Menschseins lieferten und die Stadt mit ihren Motiven für ihn ein Dreh- und Angelpunkt für die Art der Fotografie war, die ihm selbst wichtig erschien.

Das Buch ist ein schönes Paperback mit Fadenheftung und sehr vielen eindrucksvollen Schwarzweißfotos.

Es ist ein Buch, das nicht langweilig ist. Im Gegenteil, seit der Erstauflage hat das Buch noch zusätzliche Dimensionen der Betrachtung erhalten. Erst war es ein Buch über Paris aus der Sicht von Henri Cartier-Bresson. Dann war es ein Buch über Strassenfotografie. Dann wurde es ein Buch zur Geschichte eines großen Fotografen und es ist heute auch ein fotografisches Geschichtsbuch.

Natürlich ist Paris größer als hier gezeigt. Aber es ist so wie mit dem Historiker, der immer mit einem Eimer aus dem Ozean des Wissens schöpft. Ebenso hielt Henri Cartier-Bresson mit seiner Leica Momente fest.

Aber es war nicht die Kamera sondern der Blick, der die Fotos zu geometrischen Kompositionen machte, zu vielfach festgehaltener Malerei in fotografischer Form. Ein Fotograf ohne Hilfsmittel ausser seiner Vorstellung und seines Blickes.

Seine Fotos erzählen Geschichten, manche werfen Fragen auf, manche laden ein und machen neugierig.  Henri Cartier-Bresson liebte die visuelle Grammatik der Geometrie. Er komponierte Bilder, indem er einen Moment der Realität mit dem Sucher festhielt, der dann auch eine Komposition wiedergab.

Dieses Buch ist ein Lehrbuch, ein Übungsbuch, ein Vorlagenbuch und ein Buch über Paris und Henri Cartier-Bresson. Es ist wunderbar geeignet, ein Gefühl für Paris zu vermitteln, wie es vielfach war.

In meinen Augen ist dieses Buch kein Buch für Fotoreporter sondern ein Buch für „Fotokomponisten“, wenn es dieses Wort denn geben darf.

Natürlich ist es nur eines von mehreren Büchern von und über Henri Cartier-Bresson. Er hat aber selbst die Auswahl der Fotos bestimmt, so dass es nicht nur über ihn sondern auch von ihm selbst ist.

Man kann froh sein, dass der Verlag es neu aufgelegt hat. So ist die Chance für engagierte Fotografinnen und Fotografen, das Gute statt des Neuen zu sehen und eventuell zu lernen, zum Greifen nahe.

Davon abgesehen ist es ein gutes Geschenk für sich selbst und andere.

Henri Cartier-Bresson, A Propos de Paris

ISBN-10: 9783888142956

ISBN-13: 978-3888142956

Elliott´s Erwitt New York


Wer Elliott Erwitt mag, der wird auch dieses Buch mögen. Schöne Schwarzweissfotos in angemessener Größe, eine gute Ausstattung mit Fadenheftung im großen Paperback und ein sehr instruktives Vorwort von Adam Gopnik runden dieses Buch positiv ab.

“Erwitts Thema ist der glückliche Zufall, der richtige Augenblick, der Moment, der einem einfach in den Schoß fällt.”

Und so finden wir quasi Blicke von New York, die Erwitt in den Schoß gefallen sind. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn das muß man merken und dann auch fotografisch Festhalten.

Ausführlich vergleicht Gopnik Cartier-Bresson und sein Buch über Paris mit dem Buch von Erwitt über New York.

In einem Film über Henri Cartier-Bresson, den ich gesehen habe, wird Elliott Erwitt interviewt. Dabei spricht er über seine Art zu fotografieren und die Situationen, die den Schnappschuss ausmachen.

“Sie beißt dich”, so die sinngemäße Aussage von Erwitt zur Frage, wie man die richtige Situation für den Schnappschuss findet. Dies zu bemerken ist die Kunst, die den grossen Strassenfotografen vom Mittelmass unterscheidet. Es sind immer Situationen, die ein Mensch in diesem Moment sieht und dann festhält – und dies werden dann die einzigartigen Augenblicke.

So entstand ein Buch, welches Momente des Alltags einer berühmten Stadt festhält. Elliott Erwitt schaut anders als Cartier-Bresson. Das führt zu einer anderen Art der Aufnahme. Er hält Momente in seiner Gesamtheit fest und weniger in der Geometrie.

So ist das Bild mit den drei Männern in Bunnykostümen (auf Seite 84-85), die entspannt an der Theke lehnen, ein echter Volltreffer.

Die drei kleinen Kinder im Flur (auf Seite 36) sind fast schon wie ein Gemälde und erzählen eine Geschichte. Die Faszination dieser Schwarzweissaufnahmen liegt darin, die Sensationen des Alltags, die immer wieder neu sind und doch das grundlegend Menschliche beinhalten, festzuhalten.

Manche Sensation ist banal, da kann dann auch das Bild nicht mehr sein als ein Einfangen der Banalität. Aber genau das ist es, was immer wieder gute Fotos ausmacht.

Oft erschließt sich der Witz und der tiefere Sinn eines Fotos erst bei einem längeren Hinschauen. Es sind Fotos aus mehr als 50 Jahren hier versammelt. Auch dies bietet interessante Einblicke in den Alltag wie in die Motive des Fotografen und seinen Blick auf die Menschen.

Nun ist Streetphotography heute inflationär. Fast jeder läuft mit einer Kamera rum, im Handy oder separat, und fotografiert irgendwo und irgendwas.

Hier sind Streetpix eingefangen mit dem Blick von Elliott Erwitt und dem Thema New York. Es ist für diesen Bereich ein lohnendes Buch. Und es kann dem suchenden Fotografen ein Gespür dafür vermitteln, dass es sich vielfach lohnt, einfach genauer hinzugucken bei den kleinen Dingen in unserer großen Welt und mit der Kamera dabei den richtigen Ausschnitt zu wählen.

Elliott Erwitt’s New York

50th Anniversary Edition / Paperback

published by teNeues

ISBN 978-3-8327-9587-0

Unterwegs von Susanne Schleyer

Manche Bücher lassen einen nicht los. Mir geht es seit Jahren so mit dem Buch von Susanne Schleyer „Unterwegs mit Erzählungen über Amsterdam, Buenos Aires, Jerusalem, Paris, Wien, Sankt Petersburg u.a“.

Die Fotografin Susanne Schleyer hat zwölf Städte weltweit bereist und dort Fotos gemacht. Sie kam zurück und bat zwölf Schriftsteller, „sich mit diesen Fotografien auseinanderzusetzen und sie zum Anlass für eigenständige Erzählungen zu nehmen. Einzige Bedingung, selbst einmal in den von ihr bereisten Städten gewesen zu sein.“

So schreibt es Thomas Jung in seiner editorischen Notiz. Und er verweist auf den Gedanken von Marcel Proust, „das Bekannte mit fremden Augen zu sehen.“

Das Buch ist ein fotografisches und literarisches Erlebnis. Barbara Bongartz, Jan Peter Bremer, Eva Corino, Tanja Dückers, Nadja Einzmann, Katharina Hacker, Joachim Helfer, Alban Nikolai Herbst, Oscar Heym, Daniel Kehlmann, Susanne Ridel und David Wagner schreiben zu den Fotografien.

Es sind Geschichten aus dem Leben und sie passen zu den Fotos. Denn es sind Geschichten von Menschen, Städten und Gefühlen.

Diese ganze Kombination, die Unauffälligkeit des Buches, die klassische Form von Foto und Text, alles ist irgendwie gelungen und fügt sich. Die Fotos verbinden absolute Individualität und dennoch passt alles hier hinein.

Ich weis aus eigener Arbeit, wie schwierig es für einen Verlag und die Beteiligten ist, zum Schluß ein Buch zu gestalten, welches dies alles zusammenführt. Hier sind sich Fotografie und Literatur auf eine wunderbare Weise begegnet. Herausgekommen ist eine fotografische und literarische Komposition, die sich lohnt. Dafür kann man dem Verlag und den Beteiligten nur danken. Es ist ein zeitlos aktuelles Dokument über Menschen, Reisen und Begegnungen.

Unterwegs
Fotografien von Susanne Schleyer
Mit Erzählungen von Barbara Bongartz, Jan Peter Bremer, Eva Corino, Tanja Dückers, Nadja Einzmann, Katharina Hacker, Joachim Helfer, Alban Nikolai Herbst, Oscar Heym, Daniel Kehlmann, Susanne Ridel und David Wagner

ISBN-10: 3-937738-37-1
ISBN-13: 978-3-937738-37-6

Wahre Helden von Jörg Boström und Jürgen Heinemann

„Die westdeutsche Industrie befand sich in einer tiefen Krise, als Prof. Jörg Boström und Prof. Jürgen Heinemann Ende der 70er Jahre bis Anfang der 90er Jahre mit ihrer Kamera die industrielle Arbeitswelt in verschiedenen Betrieben Westfalens dokumentierten.“

Dieser Satz aus der Einführung von Willi Kulke zeigt den Rahmen dieses Buches. Es ist ein Buch, welches nur durch Drittmittel finanziert werden konnte und eher die Form einer Paperbackbroschüre hat.

Das ist sehr schade, weil es sich um ein sehr interessantes fotografisches Dokument unserer Industriegesellschaft handelt. Von der Brauerei Felsenkeller in Herford über die Zeche Haus Aden, die Heinrichshütte in Hattingen, die Zeche Minister Stein, Thyssen Stahl AG in Bielefeld, die Miele-Werke, die Dürkoppwerke bis zur Weberei C.A. Delius und noch einige mehr sind in diesem Buch Fotos in Farbe und Schwarzweiss versammelt.

Die Fotos dokumentieren eine schon verschwundene Zeit bzw. teilweise gerade noch im Verschwinden begriffene Zeit. Es sind Bilder über Menschen in industriellen Arbeitsverhältnissen. Dadurch ist dieses Buch ein fotografisches Geschichtsbuch.

Aber dieses Buch hat natürlich noch eine andere Dimension. Alle Fotos wurden von zwei Professoren für Fotografie gemacht. Dadurch erhält das Buch automatisch eine Dimension, die nach der Qualität der Aufnahmen fragt. Und dabei sind verschiedene Aspekte sehr interessant. Erstens sind es analoge Aufnahmen, zweitens sind es Farb- und Schwarzweissaufnahmen und drittens geht es um die Frage der Inhalte auf den Fotos.

Was man zuerst feststellen kann, ist keine Überraschung: man konnte auch schon vor der digitalen Kamera gute Fotos machen. Gerade die Arbeitsplätze waren ja meistens keine gut beleuchteten Fotostudioplätze, sondern es mußte mit dem vorhandenen Licht und eventuell einem Blitz gearbeitet werden.

Ebenso interessant ist die Mischung aus Schwarzweiss und Farbe. Womit werden dokumentarische Fotos am besten gemacht? Das Buch zeigt, es ist beides möglich. Offenkundig ist aber, dass die Farbe nicht automatisch besser ist.

Damit komme ich zum dritten Punkt und frage, was auf den Fotos zu sehen ist. Prof. Jörg Boström und Prof. Jürgen Heinemann zeigen Menschen. Wenn ich das richtig sehe, steht auf allen Fotos (bis auf eines) der Mensch im Mittelpunkt. Der Mensch am Arbeitsplatz und vor allem mit Gesicht. Hier sind zwar namenlose aber keineswegs anonyme Bilder entstanden. Hier sieht man Menschen mit Gefühlen: lachend unter Tage, schwitzend am Tisch, erschöpft am Band, konzentriert am Steuerpult etc.

Die Fotos leben. Ich traue mich dabei gar nicht nach dem heutigen Recht am eigenen Bild zu fragen. Wahrscheinlich wären diese Fotos mit dem heutigen juristischen Denken so nur noch sehr mühsam möglich.

Dieses Buch dokumentiert Aspekte des Arbeitslebens in unserer Industrie wie sie war und nur noch vereinzelt ist. Es ist ein fotografisches Geschichtsbuch. Es ist aber auch eine Art fotografisches Lehrbuch für dokumentierende Sozialfotografie.

Wie wurde fotografiert, worauf wurde geachtet, was steht im Mittelpunkt?

Das Buch ist fotografisch und historisch sehr lohnenswert, zumal es wirklich engagiert und durchgängig Menschen bei der Arbeit an Maschinen zeigt. Es ist eines der wenigen systematisch aufbereiteten Zeugnisse einer Zeit, die vergangen ist oder gerade vergeht.  Es entstand in Zusammenarbeit mit dem LWL-Industriemuseum in Lage und ist ein echtes Stück Dokumentarfotografie.

LWL-Industriemuseum

Wahre Helden

Fotografien von Jörg Boström und Jürgen Heinemann

ISBN 978-3-8375-0414-9

Fotografie für Journalisten von Kay-Christian Heine

„Fotografie für Journalisten“ ist ein richtig feines Lehrbuch für die Praxis. Das Buch richtet sich in erster Linie an Journalisten, die ihre Texte mit eigenen guten Fotos ergänzen wollen. Der Autor Kay-Christian Heine gibt von Beginn an viele Infos, die in der Praxis wichtig sind. Man könnte auch sagen, er kommt sofort zur Sache…

Ein Beispiel ist die Schärfentiefe. Auf Seite 14 finden wir eine „Kurzanleitung Schärfentiefe“. Dort wird erklärt, welche Objektive ich für welchen Zweck benötige. Danach kommen Themen wie Porträtfotos oder Landschaftsfotos und dann die Frage des Standpunktes.

Korrekte Belichtung wird am Beispiel eines Fussballspielers im vollen Lauf erklärt. Etwas später kommt das Thema „Dunkle Räume – ein typisches Journalistenbiotop“. Ausführlich wird das Thema Blitzen erläutert oder was mache ich bei schlechtem Wetter?

Da es im Journalismus um Berichterstattung geht, folgen dann Themen wie Motivwahl, Terminplanung und Ablauf. Er diskutiert Fragen wie die nach der Anzahl der Fotos in einer Reportage und alle wichtigen Regeln der Bildgestaltung werden mit Beispielen sehr ausführlich für die Praxis besprochen.

Nach dem Licht kommt der Schatten. Auch darüber schreibt der Autor. Wie vermeide ich typische Fehler? Das Problem störender Details, schiefer Ebenen, ungewollter Schnitte und anderes mehr werden beprochen und es werden sofort einfache Lösungen bzw. Fehlervermeidungsstrategien formuliert.

Dateiverwaltung. Bildunterschriften, Bilder in Blogs und viele andere Fragen werden ebenso informativ behandelt. Ab Seite140 folgt dann von Rechtsanwalt Jan Christian Seevogel ein Kapitel „Von Rechts wegen…“ Dort werden alle wichtigen journalistischen Bildfragen substanziell angeschnitten.

Selbst der Anhang hat noch praktische Tipps wie die nach der richtigen Fotoausrüstung und vieles mehr.

Insgesamt ist dieses Buch ein wirklich praktischer Einstieg in die wichtigen Fragen der journalistischen Bildberichterstattung. Gerade die Beschränkung macht es so sympathisch und substanziell nutzbar. Es erfüllt in meinen Augen den Anspruch voll, Textjournalisten einen qualifizierten und guten Einstieg in das journalistische Fotografieren zu geben.

Wer mehr über den Autor und das Buch wissen will, der findet hier den Link dazu.


Kay-Christian Heine

Fotografie für Journalisten

ISBN 978-3-89721-979-3

Panasonic Lumix DMC-G2 from B. Matsumoto and C. F. Roullard

The Unofficial Quintessential Guide

Do you like knowledge? Are you a reader and do you want to know why and what – then this book is the first choice. The book from Brian Matsumoto and Carol F. Roullard gives you the knowledge of the handbook combined with technical, photographic and user friendly experience.

The Panasonic G2 is one of the highlights of a new photographic system: cameras with „big“ sensors and changeable lenses. And following the actual trend including video and new forms of photographic possibilities.

But this book is not a book with a lot of pictures and less text. It is a book with very interesting text including handbook information in combination with information about handling and photographic possibilities.

After getting started you find an explanation of using „Basic Photographic Ideas“.

This book is for people asking „why“. It is for readers. If you want to know a lot of detailed information about the laws of photography – technically and visually – then this is your book.

The internal logic of the camera we can see on the mode dial and the auto-Button. What you wish will happen. The camera can do the whole work for you or you can say the camera what should be done. This is the way through the book. From „Automatic settings“ over „Taking Partial Control“ until „Manual Operation of the Camera“ you can find different chapters.

After that Brian Matsumoto and Carol F. Roullard show us the System Approach of the Micro Four Thirds system and the possibilities until laboratory and research. And they explain some features we never knew before.

„Remember that Panasonic distinguishes between facial identification and facial recognition. The former describes the identification of a generic face… Face recognition goes a step further in that the camera executes software to determine if the detected face is stored among the registered faces. If the camera recognizes the detected face, you will be informed of it while framing the image and the persons name and age will be stored with the saved picture.“

This example shows the possibilities of this new camera. The first seven chapters of the book explain the whole photographic handling of the camera with a lot of technical and practical information. But this is not the end.

After that we find a chapter about „Flash photography“. It is an introduction in this special field of information with the handling of the internal and with external flashes. With examples we see the possibilities and the borders of the internal flash and how to create special effects.

The next chapter is an explanation of the video-mode. After that you understand the many possibilities of the camera.

I think the term „Quintessential Guide“ is right for this informative book. If you want to understand the camera and the possibilities until into the technical depth than the book is really good.

And the best is that the information is divided in senseful chapters. You can read like you want from beginner questions until professional themes or you search for a special problem in the index.

Some time ago I wrote that the snapshot was reinvented with the Lumix G2 because you can focusing and activate the shutter by pressing on the screen.

Reading the book from Brian Matsumoto and Carol F. Roullard you see the innovative approach and the possibilities of this camera because you can use the wonderful electronic viewfinder (this is my favourite way of taking pictures) or you can use the bright LCD-Screen if you want.

Brian Matsumoto, Carol F. Roullard

The Panasonic Lumix DMC-G2. The Unofficial Quintessential Guide

rocky nook ISBN-10: 1933952776, ISBN-13: 9781933952772

Here you can read the content and some example pages

Photo Wisdom, Große Fotografen über ihr Werk von Lewis Blackwell


Es gibt große Bücher und es gibt großartige Bücher. Dieses Buch ist großartig – und groß. „Dieses Buch soll das hintergründige Wissen, ja die Weisheit offenbaren, die oftmals in Fotos stecken. Vergleichen Sie ruhig Fakten und Meinungen von Experten, prüfen Sie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. So können Sie nicht nur die Wege der bekanntesten Fotografen verfolgen, sondern auch über ihren eigenen Weg nachdenken, den Sie möglicherweise einschlagen möchten.“

Diese Worte aus dem Vorwort von Lewis Blackbell zeigen, was das Buch leisten soll und auch leistet. Insgesamt werden 50 Fotografen und Fotografinnen durch Interviews und mit Fotos vorgestellt. Es ist ein Querschnitt durch viele Richtungen und Versuche der Fotografie.

„Wir sind Fotografen voller Zweifel. Als wir anfingen, arbeiteten wir eher traditionell – wir verstanden uns als Dokumentaristen, die gesellschaftskritische Dokumentarfotografie produzierten. Wir glaubten an die Möglichkeit der Fotografie. Aber auf unserem Weg begannen wir den Glauben zu verlieren. Jedes Mal, wenn jemand fotografiert wird, gibt es ein verstecktes Versprechen. Er oder sie hofft, dass das Fotografiertwerden das eigene Leid irgenwie lindern wird. Wir können dieses Versprechen nicht erfüllen… Wir haben zu Beginn nicht selbst fotografiert. Wir haben vielmehr über Bilder nachgedacht, und diese betrachtet. Beide haben wir nie Fotografie studiert, sondern haben Abschlüsse in Philosophie und Soziologie. Als Herausgeber des Magazins Colors haben wir zum ersten Mal zusammengearbeitet, so begann unser Wissen über die Welt und die Fotografie – eher durch Betrachten und Nachdenken als durch Machen.“

So schildern Adam Broomberg und Oliver Chanarin, die bekannt wurden als Herausgeber der Benetton Zeitschrift, ihren Ansatz und ihren Weg zur Fotografie. Als Foto findet sich im Buch dann eine Fotografie von einem Baumblatt und die Unterschrift „Ficus religiosa, Tel Aviv, Israel. Als sich der 16-jährige Palästinenser Aamer Alfar auf einem Tel Aviver Markt am 1. November 2004 in die Lunft sprengte, wurde dieses Blatt von der Wucht der Explosion auf den Boden geschleudert. Vollkommen kahle Bäume sind in der Umgebung solcher Anschläge ein gewohnter Anblick.“

Die nächsten Fotografen sind Adam Fuss, Albert Watson, Ami Vitale und Andrew Zuckerman, dessen Portraits von Tieren und Menschen aus jeder Ablichtung eine individuelle Persönlichkeit machen. Arno Rafael Minkkinen und Art Wolfe, Chuck Close aber auch David LaChapelle haben hier ihren Platz. LaChapelle inszeniert Fotos, die wirken wie große Bilder aus früheren Epochen, manchmal ein bißchen übersät mit zu schönen Menschen wie ich finde, aber das gehört auch dazu.

An einer anderen Stelle treffen wir auf Duane Michals. Sie sagt: „Ich habe das Fotografieren nicht an einer Akademie gelernt. Ich wollte nie Reportagefotograf oder etwas Ähnliches werden. Ich wurde zufällig Fotograf.“ Das scheint in vielen Fällen so zu sein. Wenn ich in dem Buch blättere, dann ist es so, dass sehr oft diejenigen „groß“ sind, die keine Ausbildung als Fotograf haben sondern aus anderen Feldern kommen oder reine Autodidakten sind.

Später kommen Edward Burtynsky und Elliott Erwitt, Graham Nash, Erwin Olaf und Fazal Sheikh zu Wort. Fazal Sheikh sagt: „Durch das Fotografieren habe ich die Chance, mich intensiv mit Themen zu beschäftigen, die ich nicht vollständig verstehe.“ Doch damit haben wir erst ein Drittel des Buches durchforstet.

Dann treffen wir auf Mark Seliger, der schildert, wie er aus einer Idee ein Foto macht, wie das Foto von Sacha Baron Cohen, Atlantic Beach, New York. Dort sitzt er in einem Abteil und liest eine Zeitung voller praller Brüste und neben ihm schaut ein Mann, der eine normale Zeitung hochhält, gebannt ebenfalls dorthin.

Ich treffe später Massimo Vitali, dessen Fotos von Menschen am Strand (wobei es meist um die neue „Natur“ geht), eine Realität dokumentieren, die partiell zugleich die Illusionen der Fotografierten impliziert.

Was soll man über ein Buch sagen, das eine unerschöpfliche Quelle an Anregungen und Lernhinweisen für das eigene fotografische Denken ist? Früher gab es Bücher über große Denker oder große Herrscher. Das Buch über „große“ Fotografen ist insofern anders als vielfach dieselbe Qualität und Originalität von vielen erreicht werden kann, auch wenn man nicht immer so populär wird. Es ist eine Sammlung von Anregungen sich des eigenen Verstandes zu bedienen und den eigenen Weg zu finden.

Man ist nicht besser, wenn man populärer ist, man ist eben einfach populärer. Insofern ist dieses Buch ein wunderbares Geschenk für die eigene Schulung und den eigenen Weg. Gerade weil so viele verschiedene Menschen offen über ihre fotografische Entwicklung sprechen, kann es befreien, den eigenen Gedanken endlich seine eigene Richtung zu geben.

Das Buch ist international und sprengt daher das enge deutsche Denken. Es ist ein sehr seltener und gelungener Versuch, gedankliche Tiefe und fotografische Praxis zusammenzufassen. Und es ist als substanzieller Querschnitt trotzdem mit dem Mut zur Lücke gemacht. Das zeigt Größe.

Das Buch ist eine wirklich gelungene Veröffentlichung. Es bietet die Chance, mehr fotografisch zu lernen als in vielen Seminaren. Ein wirklich gutes Geschenk für sich selbst und andere. Man kann einen Teil des Buches online anschauen, um sich einen Einblick zu verschaffen.

Photo Wisdom
Große Fotografen über ihr Werk
von Lewis Blackwell
ISBN: 978-3-941459-13-7