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Zeit in der Fotografie

Zeit spielt in der Fotografie eine große Rolle und in der Kunst ebenso. Vielleicht wird sie auch in der Fotokunst eine Rolle spielen. Für mich ist das wichtigste Bild zu diesem Thema „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (The Persistence of Memory), auch „Die zerrinnende Zeit“ oder „Die weichen Uhren“ des surrealistischen Malers Salvador Dalí aus dem Jahr 1931.

Doch aus der Höhe des Denkens möchte ich nun zu den ganz praktischen Fragen des Umgangs mit der Zeit in der Fotografie kommen. Denn Zeit ist eine wesentliche Variable in der Fotografie. Die folgenden Gedanken sind unterteilt und ermöglichen schnelle und klare Blicke auf das Thema aus meiner Sicht.

Zeit und Geld

Und wenn dann Geld auch eine Rolle spielt, weil man von der Fotografie leben muß, dann wird es noch interessanter. Dazu drei Beispiele:

1. Der Videofotograf

Im Focus wurden die monatlichen Bruttoentgelte vieler Berufsgruppen aufgeschrieben. Danach verdient ein Videofotograf, also ein Fotograf, der auch Videos erstellt, als Einstiegsgehalt ca. 2000 Euro brutto. Nun ist dort nicht ausgewiesen, was dafür getan werden muß. Aber in diesem Falle ist der Videofotograf angestellt. Deshalb will ich hier ein paar Gedanken hinzufügen.

Wenn das Videomaterial zusätzlich zu Fotos erstellt wird, dann hat es einen anderen Bearbeitungsweg. Entweder gibt der Videofotograf das Rohmaterial einfach im Betrieb ab, dann muß es von einem Cutter oder einer Cutterin noch komplett bearbeitet werden. Es muß also eingespielt, geschnitten und weiterverarbeitet werden. Wenn das Material verarbeitet wurde, muß es danach zu oder in einem Beitrag verarbeitet werden. Es müssen also auch noch Intro, Zwischentexte etc. reingeschnitten bzw. erstellt werden. Das ist immer zeitaufwändig.

Oder der Videofotograf bearbeitet selbst. Das ist ebenso zeitaufwendig und hat dieselben Schritte wie oben aufgezeigt. Wenn man ein kleines Video machen will, welches einen Sachbeitrag darstellt, dann kostet dies also Zeit und damit auch Geld.

2. Der wartende Fotograf

Wenn ein Fotograf seine Motive sucht, dann kann er dies entweder in gestellten oder in echten Situationen. Echte Situation bedeutet, ich gehe/fahre irgendwohin, um dort eine Situation zu suchen. Das geschieht nie auf Knopfdruck. Entweder gibt es einen Ablauf des Geschehens oder man wartet irgendwo auf die Dinge, die da kommen sollen. In dieser Zeit wird nicht fotografiert sondern gewartet. Was ist das für eine Zeit? Früher wurde dies so abgerechnet, daß es einmal eine Pauschale für einen Zeitaufwand gab und dann noch mal pro Foto eine Vergütung für einen Zweck gezahlt wurde. Das ist im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung ins Rutschen geraten.

3. Der vorbereitende Fotograf

Ähnlich aber umgekehrt sieht es beim Studiofotografen aus. Dabei kann das Studio vor Ort aufgebaut werden oder fest an einer Adresse sein. In beiden Fällen ist die Vorbereitungszeit ganz entscheidend. Wenn die Dinge stimmen wird fotografiert. Vorbereitungen brauchen Zeit, damit es stimmig ist. Diese Zeit kann nur begrenzt abgerechnet werden.

Diese drei Beispiele zeigen das Verhältnis von Zeit und Geld in der Fotografie.

Zeit und Bildkomposition

Doch es gibt noch mehr Relationen. Die nächste Relation ist die Relation von Zeit im Foto selbst. R. Wagner und K. Kindermann zeigen in ihrer „Meisterschule der Fotografie“ einen fotografischen Zusammenhang auf. Welche Rolle spielt zum Beispiel „Zeit“?

„Eine Folge der Richtung, in der man in ein Bild geht, ist die Zeitkomponente, die ein Bild hat. Links sieht man zuerst, dann wandert der Blick nach rechts. Damit ist links die Vergangenheit, rechts die Zukunft, in der Mitte die Gegenwart. Wird ein Motiv zentral platziert, ruht es in der Gegenwart.“

So ist die Dimension der Zeit ein wesentliches Instrument für den Bildaufbau. Wer damit arbeitet kann gestalterisch ganze Abläufe versinnbildlichen. Aber der Umgang mit der Zeit ist natürlich mit der Anordnung von links nach rechts auf einem Foto nicht beendet. Es gibt weitere Elemente für die Umsetzung von Zeit in der Fotografie.

1. Alles beginnt mit den Verschlusszeiten. Einfrieren oder Fließen, das ist hier die Frage.

2. Wie scharf soll es denn sein? Unschärfe und Bewegungsunschärfe auf Fotos zeigen sehr oft das Verhältnis von Zeit und Zeitfluss.

3. Die Kamera zeigt die Zeit. Dieser Effekt kann sehr schön durch das Bewegen der Kamera statt der Motive während einer Aufnahme erfolgen.

4. Langzeitbelichtungen als Ergebnis und Vorgang. Damit können Strassen menschenleer gemacht oder ein Verhältnis von Fliessen und Stillstand geschaffen werden.

5. Nachbearbeitung und Kombination, zum Beispiel in einer Bildserie…

Es gibt sicherlich noch mehr Möglichkeiten, die Zeit und die Aussagen in einem Foto sichtbar zu machen. In allen Fällen ist dies eine Entscheidung der/des Fotografin / Fotografen.

Zeit und Lebenszeit

Aber damit ist noch nicht Schluß. Es gibt noch eine wichtige Relation, sie lautet Zeit und Lebenszeit. Der wichtigste Gedanke dazu findet sich meiner Meinung nach bei Albert Camus: „Es kommt ein Tag, da stellt der Mensch fest, daß er dreißig Jahre alt ist. Damit beteuert er seine Jugend. Zugleich aber bestimmt er seine Situation, in dem er sich in Beziehung zur Zeit setzt. Er nimmt in ihren seinen Platz ein. Er erkennt, daß er sich an einem bestimmten Punkt einer Kurve befindet, die er – dazu bekennt er sich – durchlaufen muß.“

Dieser lebensbejahende Gedanke kann natürlich zu einer sinnlichen Wahrnehmung von Zeit führen. Und die ist nicht nur sinnlich. Wie formulierte Robert Hirsch so schön:

„Kurz und bündig formuliert sagt Einstein, dass es so etwas wie eine universell gültige Zeit nicht gibt – es gibt keine zentrale Uhr im Universum, nach der sich alles richtet.“

Und er führt etwas später aus: „Wenn Sie Ihre bildnerischen Möglichkeiten zum Umgang von Zeit und Raum auf einen linearen Ansatz nach den Prinzipien Newtons beschränken, werden Sie Ihr Denken und das Potenzial ihrer Kamera einschränken“ (aus: Robert Hirsch, Mit der Kamera sehen).

Damit ist die Fotografie eine der Möglichkeiten, kreativ sich in ein Verhältnis zur Welt zu setzen und dies in der eigenen Fotografie auszudrücken. Wichtige Mittel dazu sind ja weiter oben schon beschrieben worden.

Ganz praktisch kann man auch sagen, wer manuell fotografiert, der weiß sofort, was ich meine. Man kann ja fast jede bessere Kamera zur manuellen Fokussierung (und mehr) benutzen.

Entscheidend dabei ist die Entschleunigung. Da man nicht nur den Bildausschnitt sondern auch die Schärfe von Hand einstellen muß, entsteht eine längere Auseinandersetzung im Kopf mit dem, was da als Foto bzw. Bild eingefangen und entstehen soll.

Damit kann Zeit in der Fotografie zur Entschleunigung der eigenen Lebenszeit beitragen und zu einer anderen Art der gestalterischen Komposition. Dies ist ebenfalls eine wesentliche Relation der Fotografie.

Mehr

Neben diesen drei Relationen gibt es noch eine andere. „Wenn die Zeit keinen Anfang und kein Ende hat, dann kann man jeden Moment als Mittelpunkt der Zeit sehen.“ Dieser Gedanke führt uns zur Zeitlosigkeit bzw. zur Gegenwart in der Zeit (das Wort würde aber nicht passen, wenn die Zeit weder Anfang noch Ende hat…).

Dies ist vielleicht die Fortsetzung der Entschleunigung. Vielleicht führt uns die Entschleunigung dann in das Hier und Jetzt.

Das wiederum hätte Folgen für die Bildkomposition. Sie würde anders. Im einfachsten Fall würde das Motiv in der Mitte liegen, in anderen Dimensionen müßte eine andere Art der Fotografie zu sehen sein. Aber an dieser Stelle sind wir vielleicht schon – als Gesellschaft?!

Nur ist eine Gesellschaft ohne Geschichte eine richtungslose und wertelose Angelegenheit. Und genau dann kann die Fotografie wieder helfen, diese Zeitlosigkeit in eine Relation zu anderen Zeiten zu setzen. Und darüber hinaus die Zeitlosigkeit des Seins nicht mit der Zeitlosigkeit des Zeitgeistes zu verwechseln.

Wie auch immer. Es ist an der Zeit, hier zu enden, denn „Informationen werden mitgeteilt und Wissen erwirbt man durch Denken“ (wie ein kluger Mensch einmal sagte).

Wer ist ein Fotograf und wer darf fotografieren?



Im Internet habe ich folgendes gefunden: „Ich lebe im Ausland (Irland), und hier gibt es keine Fotografenlehre. Entweder man lernt durchs Assistieren, oder durchs college, oder beides. Ich habe ein ‚Certificate‘ in ‚Commercial Photography‘ von einem college of art and design, aber auch ohne dies koennte ich mich hier ‚photographer‘ nennen!“

Wenn man nun in Deutschland nachschaut, dann scheint es ja ziemlich viele Debatten zu geben über dieses Thema. Der Wikipedia-Artikel dazu scheint bei den Revisionen von einem Kampf um die Frage geprägt, wer darf sich Fotograf nennen?

Ein Tag Deutschland – das Buch von Freelens Fotografen

Wie soll man diesem Buch gerecht werden? Am 7. Mai 2010 “reisten 432 Fotografen durch ganz Deutschland, um festzuhalten, was vor ihrer Kamera geschah: in Schulen und Wohnzimmern, auf Fußballplätzen und Flughäfen, in Parlamenten und Diskotheken. Sie sind über die Dörfer und durch die Großstädte gefahren und haben nach Momenten Ausschau gehalten, die dieses Land repräsentieren.”

Der Tag war bewußt gewählt: “X-beliebig sollte er sein.” Darauf weist Christoph Schaden in seinem Textbeitrag im Buch hin. Soweit die Eigendarstellung. Das Buch ist ja schon mit einigen anderen Büchern verglichen worden. So mit dem Buch “Ein Tag im Leben Amerikas” und ich wäre auch geneigt es mit dem Buch “Das Magnum-Archiv” zu vergleichen.

Aber kann man das? Lutz Fischmann von Freelens schreibt zu Beginn des Buches: “Für dieses einmalige Projekt bedurfte es des besonderen, authentischen Blicks. Fotografen haben von je her Gesellschaften erforscht und dokumentiert – in ihren ganzen Breiten und Tiefen und unabhängig von Redaktionsaufträgen. Auch mit dem Projekt »Ein Tag Deutschland« haben sie dies getan – ohne auf die Verwertbarkeit in den Medien zu achten. Sie erzählen, wie es in Deutschland wirklich »aussieht«.

Die außergewöhnliche Dokumentation eines gewöhnlichen Freitags in Deutschland unterstreicht so auch die gesellschaftliche und kulturelle Relevanz hochwertiger Bilder. Initiiert hat das Projekt der Fotografenverband FREELENS, dem inzwischen über 2 000 Fotografen angehören, die für alle renommierten Magazine und Verlage arbeiten.”

Ein Tag Deutschland – Das Buch ist also ein einmaliges Projekt und zeigt einen ganz gewöhnlichen Freitag in Deutschland. Zunächst ist es ein schön gemachtes Buch. Das Format ist nicht zu groß und doch groß genug, um Fotos in ihrer Wirkung zu Wort kommen zu lassen. Es ist ein reines “Blätterbuch”. Man kann es von vorne bis hinten durchblättern oder einfach so mittendrin aufschlagen. Das Layout in diesem Buch ist sehr unterschiedlich. Fast jede Doppelseite ist anders angeordnet. Es gibt manchmal nur ein oder zwei große Fotos auf einer Doppelseite, manchmal ist es ein großes Foto, ein kleineres und ein ganz kleines Foto. Und manchmal sind eine oder mehrere Doppelseiten von einem Fotografen, umgekehrt sind auf einer Doppelseite drei Fotografinnen und Fotografen zu finden. Da dies ja mit Absicht geschehen ist wird damit jede über das Foto hinausgehende Struktur schwierig. Umgekehrt ermöglicht es den direkten Blick auf das jeweilige Foto. Da es sich naturgemäß um eine Darstellung eines Teils der Freelens-Fotografinnen und Fotografen handelt, kann man hier sehr schön die verschiedenen Arbeitsweisen sehen. Es handelt sich ja ausschließlich um dokumentierende Fotografie. Ein Tag in Deutschland soll dokumentiert werden. Daher ist es ein wunderbares Buch, um einen aktuellen Querschnitt zum Thema fotografische Ansätze im Bereich Dokumentarfotografie zu erhalten. Dazu eignet es sich sehr gut, vor allem weil deutlich wird, alles ist erlaubt und alles ist möglich, wenn die dokumentarische Aussage stimmt. Und es scheint ja eine Außendarstellung von Freelens zu sein. Es ist kein Jahrbuch, es ist ein einmaliges Tage(s)buch im besten Wortsinne. Christoph Schaden schreibt über den Sinn des Buches: ” Vor dem inneren Auge sehen wir sie schon vor uns: Soziologen und Bildwissenschaftler, die sich in ferner Zukunft einmal die Frage stellen werden, wie denn alles gewesen sei. Damals, in diesem Land, in dieser Dekade, die so schlecht in Bildern dokumentiert ist wie keine andere zuvor und danach, weil mit der digitalen Zeit hoffnungslos alles zerstört wurde. Von den Schriftquellen haben sie immerhin erfahren, dass sich zu jener Zeit der Fotojournalismus in Deutschland in einer Krise befunden haben musste. Um so verwunderter werden sie dann wohl jenen verstaubten und beleibten Band zum 7. Mai 2010 aus dem Buchregal herausholen − falls es Buchregale noch geben sollte − und sich die Augen reiben, wenn sie die Bilder darin genau anschauen.”

Nun besteht ja das Paradoxe an Fotobüchern, dass man zwar über sie schreiben kann aber die Fotos nicht zeigen darf, weil man dann ja die Bildrechte der Autoren verletzt. So ist Sprache in der Regel das Mittel der Wahl. Gottseidank hat der Dpunkt-Verlag eine Leseprobe mit ein paar Fotos zum Donwload bereitgestellt, damit es wenigstens ein paar visuelle Eindrücke gibt. Diese finden Sie hier. Ich habe dieses Buch verschiedenen Personen (Nicht-FotografInnen) gegeben und sie nach ihrer Meinung gefragt. Allesamt wurde mir bestätigt, dass es sich um ein Buch handelt, welches die Dinge so darstellt, wie sie heute sind. Also hat das Buch es geschafft, etwas zu dokumentieren, nämlich einen Tag in Deutschland.

Ein Tag Deutschland

640 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband

ISBN 978-3-89864-707-6

42,90 Euro(D) / 44,20 Euro(A) / 60,90 sFr

dpunkt.verlag

Achim Duwentäster, Achim Friederich, Achim Kleuker, Achim Pohl, Achim Sperber, Achim von Allwörden, Alexa Seewald, Alexandra Vosding, Ali Altschaffel, Amos Schliack, Andi Schmid, Andre Poling, Andrea Vollmer, Andreas Buck, Andreas Burmann, Andreas Ehrhard, Andreas Herzau, Andreas Krufczik, Andreas Laible, Andreas Riedmiller, Andreas Spierling, Andreas Varnhorn, Andreas Weiss, Andree Kaiser, Angelika Salomon, Anika Büssemeier, Anja Cord, Anja Koehler, Anna Fiore, Anna Weise, Anne Ackermann, Anne Oschatz, Annette Wulff, Antje-Katrin Hansen, Arnold Morascher, Arnulf Hettrich, Astrid Doerenbruch, Axel Mosler, Barbara Dombrowski, Barbara Ködel, Barbara Siewer, Barbara Stenzel, Berd Roselieb, Bernadette Grimmenstein, BErnd Arnold, Bernd weisbrod, Bernhard Schurian, Bertram Solcher, Bethel Fath, Boockhoff, Boris Rostami-Rabet, Brigitte Hiss, Brigitte Kraemer, Britta Radike, Buch, Carolin Thiersch, Carsten Büll, Carsten Koall, Carsten Milbret, Christa Brand, Christa Henke, Christian Altengarten, Christian Burkert, Christian Irrgang, Christian Jungeblodt, Christian Kaiser, Christian Lünig, christian Martin, christian Schoppe, Christian Wyrwa, Christiane Eisler, Christiane Kappes, Christina Körte, Christoph Keller, Christoph Kniel, Christoph Leib, Christoph Otto, Christoph Schaden, Christoph Siegert, Claudia Fy, Claudia Görres, Cordia Schlegelmilch, Cornelia Marchis, Dagmar Gester, Daniel Bsican, Daniel Pilar, Daniela Maria Mady, David Baltzer, David Brandt, David Klammer, Deff Westerkamp, Dieter Menne, Direk Eisermann, Dirk Jeske, Dirk Krüll, Dirk von Nayhauß, Dokumentarfotografie, Dominik gigler, dpunkt, Dreysse, Dunja Gediga, Eberhard Franke, Eberhard Gronau, Eberhard Schorr, Edda Treuberg, Edgar Jablonski, Ein Tag Deutschland, Ekkehard Winkler, Erci Schambroom, Eric Lichtenscheidt, Erik Westmann, Erik Zöllner, Erika Sulzer-Kleinemeier, Esther Beutz, featured, Felix Wachtler, Florian Schwinge, Fotomonat, Frank Krems, Frank Peters, Frank Siemers, Frank Silberbach, Frank Steinbach, Frank vinken, Franz Bischof, Franz-Gerog Wand, Frauke Huber, Fred Dott, Frederika Hoffmann, Freelens, Frieder Blickle, Fulvio Zanettini, Gaby Wojciech, Gerald Hänel, Gerald Sagorski, Gerhard Westreich, Gerhrad Müller, Gesche Cordes, Gesine Pannhausen, Gisela Floto, Gottfried Stoppel, Guido Schiefer, Günter Franz, Günther Bauer, Guntram Walter, Gustavo Alabiso, Hans Jessel, Hans Treffer, Hans-Christian Plambeck, Hartmut Bühler, Hartmut Schwarzbach, Hauke Hass, Heike Baldauf, Heiko Specht, Heiner Müller-Elsner, Heinrich Sobottka, Helge Krückeberg, Henning Kramer, Herbert Hering-Heidt, Hinrich Schultze, Holger Jacoby, Holger Leue, Holger Stöhrmann, Ilja Mees, Ines Woywode, Ingo Arndt, Ingo Rappers, Ioni Laibarös, Isabel Winarsch, Isabelle Girard de Soucanton, Jan C. Brettschneider, Jan Kobel, Jan Schenck, Jan-Peter Boening, Janek Markstrahler, Janko Woltersmann, Jann Wilken, Jens Neumann, Jens Palme, Joachim Röttgers, Jochen Tack, Johannes Arlt, Johannes Mairhofer, Johannes Ruebel, Jonas Opperskalski, Jörg Axel Fischer, Jörg Böthling, Jörg Gläscher, Jörg Lange, Jörg Modrow, Jörg Müller, Jörg Sarbach, Jörn Sackermann, Judith Wallerius, Juergen Stumpe, Julia Baier, Julia Zimmermann, Julius Schrank, Jürco Börner, Jürgen Bauer, Jürgen Christ, Jürgen Escher, Jürgen H. Krause, Jürgen Held, Jürgen Holzenleuchter, Jürgen Lösel, Jürgen Nobel, Jürgen Schrader, Jürgen Schulzki, Jutta Kennepohl, Kai Funck, Karin Desmarowitz, Karin Gerdes, Karl Johaentges, Karolina Doleviczenyi, Katharina Bosse, Katja Hoffmann, Katja Illner, Kathryn -Baingo, Katrin Neuhauser, Kaveh Rostmkhani, Kay Maeritz, Kerstin Groh, Kerstin Rolfes, Kirsten Haarmann, Klaus Andrews, Klaus Bolte, Klaus Dombrowsky, Klaus-P. Wagner, Klaus-Peter Kappest, Knut Gielen, Kurt W. Hamann, Lajos Jardai, Lia Darjes, Linda Dreisen, Lorenz Kienzle, Lothar Schiffler, Ludolf Dahmen, Ludwig Rauch, Ludwiga von Korff, Lutz Fischmann, Lutz P. Kayser, Magnus Schöfer, MAichael Bahlo, Manfred Witt, Marc Meyerbröker, Marc Seeger, Marc-Oliver Schulz, Marc-Steffen Unger, Marco Limberg, Marco Microbi Reckmann, Marco Urban, Marcus Schmigelski, Marcus Simaitis, Margit Müller, Marily Stroux, Mark Pfeiffer, Markus Dlouhy, Markus Heimbach, Markus Lokai, Martin Jehnichen, Martin Langer, Martin Leissl, Martin Sasse, Martin Schlüter, Martin Storz, Martin Wolf, Martin Zitzlaff, Martina Nolte, Martina Stollberg, Mathias Marx, Mathis Beutel, Matthias Hubert, Matthias Jung, Matthias Sandmann, Matthias Stutte, Matthias Willems, Meike Fischer, Melanie, Melanie Bauer, Merlin Nadj-Torma, Michae Bauer, Michael Hagedorn, Michael Jungblut, Michael Kerstgens, Michael Kottmeier, Michael Löwa, Michael Mahlke, Michael Palkowski, Michael Penner, Michael Rauhe, Michael rihele, Michael ruff, Michael Zegers, Mile Cindric, Mimapix, Mimare, Nabiha Dahhan, Nanni Schiffl-Deiler, Natalie Nollert, Natasa Trifunovic, Nele Braas, Nele Gülck, Nico Kurth, Nico Schmidt, Nicolas van Ryk, Nicole Maskus-Trippel, Nicole Strasser, Niklas, Nils Bahnsen, Nils Thies, Nina Weymann-Schulz, ogando, Olaf Ballnus, Olaf Tamm, Olaf Ziegler, Oliver Tjaden, Ottmanr Heinze, Pascal Amos Rest, patrick Budenz, Patrick Pfeiffer, Paul Langrock, Peder W. 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Was ist Professionalität in der Fotografie?

Ich stelle diese Frage hier und mir, weil ich in der letzten Zeit viele Diskussionen gelesen habe, die sich direkt oder indirekt damit beschäftigen.

Bemerkenswerterweise kann ich die Diskussionslinie am besten darstellen, wenn ich nicht über Profi und Amateur spreche sondern über die Frage von Fotografie als Handwerk und Fotografie als Kunst.

So beantwortet sich quasi das Thema des Artikels durch die Beschäftigung mit einem anderen Thema. Das hatte ich so auch noch nicht.

Beginnen will ich mit Joachim Schmid. Dieser Name tauchte plötzlich an diversen Orten auf, die ich gedruckt und digital besuchte.

Vor allem der Text zum Thema „Hohe“ und „Niedere“ Fotografie von 1992 gefiel mir. Schmid schreibt dort u.a.: „Doch unterscheidet sich die hohe Kunst der Fotografie von der allgegenwärtigen, in den Niederungen des Trivialen angesiedelten Normalfotografie – wenn man die Umstände von Produktion und Präsentation versuchsweise außer acht läßt und sich nur auf die Bilder konzentriert – in erster Linie durch ihre handwerkliche Präzision.“

Das ist doch mal ein Wort.

Doch Schmid bleibt hier nicht stehen, sondern untersucht dann den Zusammenhang von Fotografie und Fotokunst.

Deshalb möchte ich noch einen Satz aus diesem Text zitieren: „Mit der Perfektionierung der rein utilitaristisch begründeten fotografischen Produktion wurde die Abgrenzung der zweckfreien Fotokunst noch problematischer. Die partielle Annäherung von Reportage, Modefotografie, Werbung und Fotokunst ließ sich auch durch einen geschickten ästhetischen Überbau nicht verschleiern – zwischen den unterschiedlich begründeten Formen der anspruchsvollen Gebrauchsfotografie und den elaborierten Beispielen der konventionellen, kamerafixierten Fotokunst besteht kein fundamentaler Unterschied.“

Das ist eine Menge gedankliches Holz. Bei meinen weiteren Recherchen stieß ich dann auf einen Aufsatz von Ralf Hanselle, laut eigener Webseite freier Publizist in Berlin und Wien.

Ralf Hanselle hat einen sehr interessanten Artikel mit dem Titel „Das Ende der Beliebigkeit“ im Jahrbuch von 2010 des BFF veröffentlicht. Dort finde ich Joachim Schmid und seinen Text wieder. Hanselle zitiert aber einen anderen Satz als ich, nämlich: “Während die künstlerische Fotografie bei ihren Höhenflügen um eine Minimierung ihres Gebrauchswerts bemüht ist und dieses Ziel doch nie erreicht, steht dieser beim alltäglichen Normalfoto im Vordergrund”.

Hanselle formuliert insgesamt einen Text, der das Aushalten von Differenzen erleichtern soll, wenn ich dies richtig verstanden habe.

Und dann erzählt er die Geschichte von Walter E. Lautenbacher. „Als einer der führenden deutschen Modefotografen wollte er raus aus diesem “Handwerksding”. 1967 strebte er beim Finanzgericht Stuttgart einen folgenreichen Rechtsstreit an. Kommerzielle Fotografen sollten vor dem Fiskus das Recht erhalten, im Zweifel auch als Künstler anerkannt zu werden. Die Sache zog sich lange hin. In zweiter Instanz schließlich sollte Lautenbacher Recht bekommen. Wenn der Arbeit eines Fotografen nachweislich ein künstlerisches Element inhärent sei, so das damalige Urteil des Bundesfinanzhofs, dann könnten Fotografen fortan auch als Freiberufler tätig sein. Neben Handwerkern und Lichtkünstlern gab es jetzt also noch etwas Drittes. Etwas, was bis dato keinen Namen hatte. Fortan wurde es zu einem deutschen Spezifikum: Fotodesign – eine Disziplin, die weder Fleisch noch Fisch war.“

Ich empfehle den ganzen Artikel, weil dort die Frage von Fotografie und Kunst – Fotokunst – interessant dargestellt wird. Damit komme ich zurück zur Professionalität, die laut Schmid handwerklich ist, zugleich aber auch künstlerisch sein kann.

Ich weiß nicht, ob der Joachim Schmid, den ich hier zitiert habe, auch der Joachim Schmid ist, über den auf der Webseite kotzendes-einhorn.de berichtet wird. Dort finden wir folgenden Hinweis: „Joachim Schmid sammelt Bilder. Bilder von anderen, Bilder die er findet. Im Netz, auf der Straße und sonstwo. Bereits seit 1982 sammelt er Fotografien, die er auf der Straße findet. Fast 900 Aufnahmen hat er so zusammengetragen und in diversen Galerien ausgestellt. Doch erst das Internet ermöglichte ihm sein Konzept auszuweiten und weitere Sammlungen anzulegen.  Nun veröffentlicht er “Other People’s Phorographs” also in Buchform. Die Bücher konzentrieren sich hierbei auf Alltagsthemen die von Amateurfotografen visualisiert werden. Auf Fotoseiten wie Flickr sammelt er sein Material und kompiliert dann die Bilder nach fotografischen Begebenheiten oder Ideen. Dabei entsteht eine Dokumentation des Alltäglichen und der Beiläufigkeit, die durch das Zusammentragen mehrerer Bilder wieder zu etwas besonderem wird.  Gleichzeitig wird bewiesen, dass (auch) außerhalb des Kunstkontextes keine fotografische Idee neu ist. Vieles wurde bereits gemacht, vieles geknipst.“

Aber auch hier zeigt sich die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen Fotografie und Fotokunst über die auch Hanselle geschrieben hat. Fotos mit einem hohen Gebrauchswert werden weiterverarbeitet zu einem Kunstwerk.

Zumindest sehe ich dies so.

Doch das Thema ist unendlich.

Daher will ich die gedankliche Kette noch erweitern. Auf der Seite fotofeinkost.de von Dr. Martina Mettner findet sich ein Artikel zum Thema „Von der Brücke fotografiert oder: Wie ähnlich dürfen Fotos sein?“ In diesem Artikel findet sie eine klare Unterscheidung und die lautet so: „Auf der einen Seite, im Kulturbetrieb, fehlen die Beurteilungskriterien für gelungene Fotografien, so dass alles ausgestellt und bevorwortet wird, was irgendwie ganz nett aussieht und nicht weiter stört. Auf der anderen Seite, jener der Fotografen, mangelt es bisweilen an Professionalität. Die wird ja landläufig gerne mit der Virtuosität im Bedienen von Geräten gleichgesetzt, meint aber viel mehr, nämlich einen Berufsethos, wie er für alle freien Berufe notwendig und wichtig ist. Das Berufsethos des Arztes besagt, dass er sich für die Gesundheit des Menschen einsetzt. Macht er aus Gewinnstreben Medikamententests an Patienten, verletzt er dieses Ethos. Profi-Fotografen oder Künstler heben sich ja nicht allein deswegen von Möchtegernfotografen ab, weil sie mehr können oder eine bessere Ausrüstung haben, sondern weil sie sich professionell verhalten, das heißt, eine ordentliche Bezahlung verlangen, dafür aber auch im Sinne des Kunden oder der Kunst das Bestmögliche abliefern. Und natürlich gehört dazu auch, dass man eine individuelle Leistung und Lösung präsentiert und sich nicht, wie im Supermarkt, einfach überall bedient.“

Auch hier eine klare Feststellung, dass es keine klare Abgrenzung gibt zwischen Fotografie und Fotokunst sowie eine eindeutige Abgrenzung zwischen Profi und Amateur.

Aber auch damit will ich noch nicht enden.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an meine Buchrezension von  „Biete Visionen“ von David duChemin. dort schrieb ich: „Seine Vision brachte ihn über das Theologiestudium und das Arbeiten als Komödiant letztlich zum Fotografieren. Und Profi ist man, wenn man davon leben kann.“ Soweit in Kurzform die Meinung von David duChemin wie ich ihn verstanden habe.

Wenn man nun diese hier dargestellten Auffassungen betrachtet, dann haben sich doch schon einige Kriterien als Antwort herausgebildet:

1. handwerkliche Präzision,

2. ordentliche Bezahlung,

3. eigenständiges Erarbeiten von Lösungen und

4. daß man davon leben kann.

Dies allein ist im Zeitalter digitaler Dammbrüche sicherlich genug Stoff für eine Woche Diskussion unter Interessierten.

Nur zur Einstimmung: Reicht es, in Zukunft noch als Fotograf aufzutreten oder muß man eigentlich nicht als Multimedia-Journalist tätig sein?

Eine andere Frage lautet, wenn man nicht davon allein leben kann, ist man dann kein Profi?

Man kann neben ganz vielen anderen Fragen auch noch darauf kommen zu fragen, was bedeutet eigentlich handwerkliche Präzision?

Damit will ich diesen Artikel beenden. Die offenen Fragen werden sicherlich eine Fortsetzung finden unter den digitalen Bedingungen nach den Feiern zum 10jährigen Jubiläum des 21. Jahrhunderts.

Dieser Artikel wurde 2010 publiziert.

Wenn man Bilder nicht mehr zeigen darf

Wenn Sie eine Zeitung kaufen in der Bilder abgedruckt sind von einer Fotoausstellung, dann bleiben die Bilder in der Zeitung drin. Logisch. Jetzt stellen Sie sich vor, jemand sagt zu Ihnen, Du mußt die Bilder aber am 1. April aus der Zeitung rausschneiden. Ab dann dürfen die da nicht mehr drin stehen. Was würden Sie denken?

So ist es nicht bei der Zeitung auf Papier aber im Internet. Als ich über den 4. Monat der Europäischen Fotografie berichten wollte, lud ich mir die Pressemappe herunter. Dort finden sich Beispielbilder in kleiner Auflösung zu den verschiedenen Ausstellungen. Ich fragte dann nach, ob und wie ich die Bilder benutzen kann im Rahmen der Präsentation der Ausstellung. Daraufhin teilte man mir mit, dass man die Rechte der Fotografen für eine Berichterstattung unter Nutzung der Fotos bis zum Ende des Projektes am 28. November habe. Auf meine Nachfrage erklärte man mir, danach müssen die Fotos aus den online erschienenen Artikeln entfernt werden.

Doch dies ist noch nicht alles. Ich wollte ein schönes Buch vorstellen und besprechen. Es war ein ausgesprochen interessanter Fotoband. Dazu stellte man mir 5 verschiedene Fotos in kleiner Auflösung zur Verfügung und teilte mir dann mit, dass maximal 3 dieser Fotos in kleiner Auflösung genutzt werden dürfen und spätestens am 1. April von der Webseite wieder entfernt werden müssen.

Auf diese Dinge lohnen sich schon ein paar Blicke und dazu auch einige Gedanken. Wenn ich diesen Wünschen folge, müßte ich kontinuierlich alle Artikel mit Fremdbildern danach untersuchen, ob das Verfallsdatum des Fotos überschritten ist. Das ist natürlich unzumutbar.

Gleichzeitig frage ich mich, was der Fotograf davon hat, wenn er ein fast symbolhaftes Foto, welches nur im Zusammenhang mit seiner Ausstellung oder seinem Buch gezeigt wird, mit einem digitalen Verfallsdatum versieht. Denn im Ergebnis wird dies dazu führen, dass ich zumindest solche Fotos gar nicht mehr reinsetze oder solche Bücher bzw. Veranstaltungen gar nicht mehr ankündige.

Denn wenn man das zu Ende denkt, würde dies ja einige Folgen haben. Ich erstelle aufwendig einen seriösen Artikel über ein Produkt, von dessem Verkauf ich materiell nichts habe. Dann läuft das Bildnutzungsrecht ab und ab dem Tag danach bin ich dran und man kann mir unrechtmäßige Nutzung von fremdem Bildmaterial vorwerfen.

Was dann passiert, kann man zum Beispiel hier lesen.

Daher ist es viel sinnvoller, wenn man sich Fotografen und Fotografien zuwendet, die man auch sehen darf(!!!). Oder ich müßte dazu übergehen und für eine Buchbesprechung Geld verlangen. Das wäre natürlich auch möglich. Aber dann wäre es kein Journalismus mehr sondern nur noch PR.

Das Ganze geht aber noch weiter und ist steigerungsfähig. Dazu möchte ich mit Ihnen einen Blick auf die Seite archive.org werfen. Die Seite archive.org sammelt ja weltweit Internetseiten, kopiert sie manchmal sogar täglich und stellt sie für jeden sichtbar im Internet bereit. Und probieren Sie mal, Seiten entfernen zu lassen. Das klappt fast gar nicht nach meiner Erfahrung. Stattdessen bietet man dort an, in einer Befehlsdatei auf dem eigenen Webserver einen Befehl zu hinterlassen, so dass die Seiten bei archive.org solange nicht angezeigt werden wie dieser Befehl in der Datei auf dem eigenen Webserver ist.

Ich habe sogar einmal einen Fotografen getroffen, der froh war, dass es archive.org gibt, weil er damit einen Bilderklau vor sechs Jahren nachweisen konnte, obwohl mir nicht klar ist, wieweit archive.org legal handelt.

Ich verstehe alle Seiten, weil dies alles interessengebunden ist. Aber wir bewegen uns hier meiner Ansicht nach komplett in der Illegalität bzw. in parallelen Rechtswelten, die es ja eigentlich gar nicht geben kann, wenn es Rechtssicherheit geben sollte und jeder benutzt sie für seine eigenen Interessen. Das ist alles abenteuerlich und nicht einer positiven Zusammenarbeit förderlich.

Eigentlich müßten doch Aussteller, Künstler und Büchermacher froh sein, wenn über sie berichtet wird. Umgekehrt braucht ein Journalist dafür aber Medien, ansonsten muß er über Fotobände nur noch schreiben (!) und sich fragen, welchen Sinn es macht, so zusammenzuarbeiten.

Im Ergebnis wird dies dazu führen, dass man eben über andere Dinge berichtet, weil es ja genug Themen gibt oder mit Fotografen, Verlagen und Agenturen zusammenarbeitet, die ein Interesse daran haben, das eine Zusammenarbeit mit ihnen nicht in der Illegalität endet.

Der Schnappschuss wurde neu erfunden? Über Hoffnungen und Enttäuschungen

Ich bin Anhänger der Strassenfotografie und damit der Schnappschussfotografie. Das ist einfach wunderbar. Doch mit den Displays verschwanden die Sucher. Damit gab es mehrere Probleme. Einige davon habe ich in fotomonat.de schon erörtert. Ich sehnte mich zurück nach den klaren optischen Suchern, weil sie einfach klasse sind.

Doch da muß es bei der Firma Panasonic Menschen geben, die mit höchster Raffinesse ihre vielleicht eigenen fotografischen Wünsche umsetzten.

Und so geschah es im Jahre 2010. Die Firma Panasonic hat den Schnappschuss neu erfunden. Diesmal auf dem Monitor und mit einer wunderbaren Technik.

Was meine ich damit?

Hier auf dem Foto ist das Display der Panasonic DMC-G2 zu sehen. Dort sieht man als kleines gelbes Symbol eine Hand mit Daumen und Zeigefinger. Das ist das Geheimnis. Wenn dies aktiviert ist (gelb eben) dann tippt man mit dem Finger einfach irgendwo auf dem Display und sofort wird ein Foto mit der intelligenten Automatik aufgenommen. Dabei stellt innerhalb von zum Teil fast Millisekunden die Kamera scharf und alles ist im Kasten.

Natürlich gibt es Argumente, die meine Begeisterung in ein Verhältnis zur umgebenden technischen Realität setzen: Ich kann nicht im Vorhinein durch den optischen Sucher mir alles so auswählen wie ich dies bisher traditionell gemacht habe. Aber vielleicht muß ich auch einfach an dieser Stelle neu denken. Und jetzt kommt das weil: Weil ich mit dieser Art der Fotografie einfach schneller bin als wenn ich beim Sehen die Kamera erst ans Auge holen muß, um dann noch genau die Schärfe dorthin zu legen wo sie hin soll. Auf gut Deutsch: ich bin in vielen Situationen mit der neuen Technik der Panasonic einfach schneller – wenn es um Schnappschüsse geht.

Und genau dies ist doch einen solchen Artikel wert. Denn hier geschieht etwas Wunderbares. Die Panasonic G2 erlaubt einmal den Blick durch einen guten (elektronischen) Sucher und zeitgleich eine neue Art des Schnappschusses auf dem Monitor. Die Kamera ist leider zu groß für eine Systemkamera, denn sie ist keine echte Alternative zu einer DSLR und hat das Problem, dass die Objektive für diese Kamera zu groß werden, wenn sie kleiner wird. Da wird noch manches zu lösen sein.

Ich hätte mir zwar eine rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher gewünscht, aber vielleicht kommt das noch.

Nachtrag einige Monate später:

Die Begeisterung hat nachgelassen, weil der Finger zwar schnelle Fotos erlaubt aber keine gestalteten Fotos wie bei einem Sucher. Und jetzt?

Immer kleiner, immer glatter, immer schlechter zu halten?

  • Ich hätte erwartet, dass der Sucher insgesamt kleiner wird und das Sucherbild größer.
  • Ich hätte erwartet, dass das Auslösegeräusch leiser wird
  • und die rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher, Schwenkdisplay und guter Haptik kommt.

Nichts davon wurde wahr. Mir persönlich gefällt von allen MFT-Kameras die E-PL1 am besten. Sie hat nur leider keinen Sucher. Sie ist gut anzupacken, hat sinnvolle Knöpfe für die Bedienung und ist klar strukturiert. Die Lumix G2 hat den Schnappschuss auf dem Display, ist aber zu groß. Was danach kam mit der G3 finde ich nicht besser und die kleineren Panas haben keinen Sucher und sind mir zu laut. Die  E-PL3  kann ich kaum noch festhalten, unter dem Gesichtspunkt ist sogar die GF3 noch besser.  Hoffnung macht die Pen Mini und der Ansatz MFT. So viel von mir zum Thema Strassenfotografie in diesem Rahmen. Aber das ist eben Geschmackssache und wird es auch bleiben.

Das Loch nach der Photokina

Nun ist die Photokina schon einen Monat vorbei und ich meine, ich spüre das Loch im Internet. Fast alle technischen Fotoseiten, international und national, haben fast stündlich in ihren Blogs über die neuesten Produkte berichtet. Und jetzt? Sie scheinen alle im Urlaub zu sein oder sie testen ununterbrochen. Wie auch immer, im Internet gibt es nicht nur wenig Neues sondern über die neuen Produkte auch wenig Getestetes.

Das gibt den Gedanken neue Nahrung. Was wäre eigentlich, wenn die Photokina nicht gewesen wäre und wenn es keine neuen Produkte gegeben hätte? Die einzige echte fotografische Hoffnung war ja die Fuji X100. Ob Sie wirklich lautlos sein wird, ob sie wirklich eine neue Generation von Digitalkameras für ernsthafte und traditionell ausgerichtete Fotografinnen und Fotografen eröffnet, werden wir in knapp einem halben Jahr sehen.

Aber wenn es diese Hoffnung nicht geben würde und wenn es die Photokina nicht gegeben hätte, was wäre dann eigentlich los in der Fotografie?

Man könnte zu dem Ergebnis kommen, dass man mit den bisherigen Kameras auch gut fotografieren kann. Und man könnte auch denken, dass es nicht ein gutes Bild weniger geben würde. Nichts gegen die Photokina! Sie ist ein wunderbarer Ort, um Blicke auf die neuen Produktionsstätten der Welt in China zu werfen und die kommenden Kulturen der Zukunft schon heute auch in Deutschland und im schönen Köln am Rhein zu empfangen. Das ist wirklich schön.

Aber fotografisch sind wir nicht weiter sondern höchstens anders geworden nach dieser Messe. Der alte Schopenhauer schrieb einmal „Das Neue ist der Feind des Guten“. Ich glaube, dass die nächste Photokina dazu genutzt werden könnte, vielen asiatischen Menschen Deutschland als Reiseland noch besser zu vermitteln.

Und nach der Photokina sollte es Reisen geben, Fotoreisen durch Deutschland und Fotoreisen durch China. Man könnte Wettbewerbe machen und die Photokina Besucher könnten diese Reisen gewinnen, gesponsert von den großen Herstellern, die die Gewinner zu Botschaftern für eine bessere Kommunikation auf der Welt mit Hilfe der Fotografie machen. Das wäre übrigens auch der Stadt Köln angemessen, deren Traditionen ja gerade auf der Begegnung der Kulturen und Menschen beruhen.

Insgesamt könnte man das Loch nach Photokina mit vielen guten Ideen füllen. Denn diese Messe ist schon etwas besonderes, weil sie alle Menschen und Kulturen mit als Fotografen oder Fotografierte zusammenbringt und die Produkte in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Ob es so etwas jemals geben wird? Ich weiß es nicht, aber zumindest habe ich das Loch nach der Photokina mit einer guten Vision gefüllt.

Kleine Kameras, “schlechte” Fotos und Ganzkörperfotografie

Natürlich gibt es schlechte Fotos. Aber diese sind abhängig vom Betrachter – zumindest heute. Und das ist so wie mit der Kunst. Wenn es Kunst gibt, dann muß sie von Nicht-Kunst zu unterscheiden sein. Nun denn!

Welche Kriterien gibt es überhaupt für „gute“ Fotos?

  • Wenn ich nach den klassischen Kriterien gehe, dann sind dies Goldener Schnitt, Schärfe, Figur und Grund und inhaltliche Komposition.
  • Doch davon ist man ja ab. Heute gilt eher das Prominenz-Kriterium. Gut ist, über was einige Medien berichten und was bekannt wird.
  • Dann gibt es noch den Maßstab der Wettbewerbe. Da gibt es dann immer die „besten“ Fotografen – aus Sicht einer Jury.
  • Dann gibt es noch die Verkäufe. Gut ist, was Menschen kaufen.
  • Und dann gibt es noch die Fotos, die einem persönlich einfach gefallen.

Da ich das Thema hier nur als Einstieg wählen wollte, will ich es nicht vertiefen. Ich finde, es gibt viel mehr gute Fotos als man sagen darf. Diese Inflation an guten Fotos muß man aushalten. Und dazu gehört auch der richtige Umgang mit kleinen Kameras. Im Jahr 2010 sind ja die meisten preiswerten Digitalkameras so gut, dass sie bei gutem Wetter fast gar keine schlechten Fotos mehr machen können. Das Problem fängt bei schlechtem Licht an, weil dann das Rauschen zunimmt, also im Ergebnis die Sichtbarkeit der Punkte auf dem Foto.

Wenn wir uns nun das Farbfoto betrachten, dann fällt auf, dass es „rauscht“. Beim Blick auf den Teppich sieht man das. Das war aber gar nicht anders möglich. Wenn man nur eine kleine Kamera dabei hat, dann muß man auch damit fotografieren oder es gibt eben kein Bild. In dem Fall gefiel mir der fotografische Auftritt so gut, dass ich lieber diesen Schnappschuss machte als die Situation vorbeigehen zu lassen.

So, und damit kommen wir zu der Möglichkeit aus diesem Foto aus einer kleinen Digitalkamera bei eher schlechtem künstlichen Licht ein anderes Foto zu machen. Und das sieht dann so aus:

Was man sofort erkennt ist, dass dieses Foto kein Problem mehr mit Farbe hat sondern in sich als Schwarzweissfoto wirkt. Und es sieht gut aus, es könnte überall erscheinen. Die Qualität stimmt selbst bei diesem einfachen Foto aus einer einfachen Kamera. Und weil dies so ist, darf es natürlich nicht so sein. Man stelle sich vor, die Menschen würden mit dieser fotografischen Qualität zufrieden sein?

Doch es ist die Zeit gekommen, um sich nicht länger verrückt machen zu lassen. Gute Schnappschüsse erzählen eine Geschichte. Und wenn es in Farbe rauscht, dann ist dies nicht schlimm, doch vielfach hilft die Umwandlung in Schwarzweiss, um die wesentlichen Elemente besser herauszustellen. Das geht nicht immer, weil es auch Fotos gibt, die in Farbe besser wirken.

Ich habe dieses Fotos noch aus einem anderen Grund gewählt. Es zeigt nämlich spontan und ohne Übertreibung wie Menschen mit den kleinen Digitalkameras ohne Sucher fotografieren: nämlich mit dem ganzen Körper in ausholender Weise.

Das hängt einfach damit zusammen, dass ein Monitor ohne Sucher dazu führt, mit beiden Händen vom Körper nach vorne weggestreckt fotografieren zu müssen. So ist zwar die Kamera kleiner geworden, aber das Fotografieren nicht besser. Und genau dies zeigt dieser Schnappschuss authentisch.

Damit zeigt sich, dass aktuell mit den meisten kleinen Digitalkameras nur als Akt der Ganzkörperfotografie auch Fotos gemacht werden können. Das wäre irgenwie schon verbesserungswürdig und ist zugleich selbst ein nicht uninteressantes Objekt der Fotografie.

Kann denn Schulung Sünde sein?

SchulungenIch habe in diesem Jahr einige Seminare und Qualifizierungen besucht. Fast alle kosteten zwischen 500 und 1500 Euro plus Übernachtung. Es ging speziell um verschiedene Bereiche der Fotografie und des Filmens und anderer neuer technischer Verfahren.  Ich war gespannt und ich wurde meistens sehr enttäuscht.

Doch bevor ich weiter schreibe noch ein Hinweis: ich pauschaliere an dieser Stelle, weil ich nicht die Einzelfälle aufführen will. Vielmehr stelle ich mit meinen Erfahrungen meine Sicht der Dinge dar.  Auch wenn es wenige hören wollen. Kompetenz setzt Kompetenzen voraus, dazu gehört nicht sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Das Geheimnis für erfolgreiche Qualifizierungen hat neben dem Fachwissen zwei Namen, nämlich Didaktik und Methodik und das sind zwei Lernfächer, die man mehrere Semester früher studieren (= theoretisch erfassen und praktisch anwenden) mußte.

Ich fange mal ganz einfach an. Um erfolgreich zu qualifizieren, muss ich die biologischen Grundlagen des Lernens verstehen und als grundlegende Voraussetzung in Seminare einbauen. Dazu gehört eine vertiefte Auseinandersetzung mit den biologischen Grundlagen erfolgreichen Lernens und mit den erfolgreich praktizierten Voraussetzungen und Umsetzungen von Lern- und Arbeitstechniken. Dementsprechend muß das Seminar oder die Tagesschulung vom Ablauf her aufgebaut sein. Ich will hier grob unterscheiden zwischen drei Bereichen:

1.Planungskompetenz

Zuerst muß ich mir natürlich überlegen, was ich vermitteln will. Diese Frage muß beantwortet werden im Zusammenhang damit, wie Menschen lernen. Ich darf also nicht zu viel vermitteln, sondern muß mir anschauen, was ist in welcher Zeit vermittelbar (Didaktik) und mit welchen Methoden (Methodik). Da es unterschiedliche Lerntypen gibt, reicht es also nicht, einen Informationsblock rauszusuchen. Ich muß mir diesen Informationsblock anschauen und fragen, mit welchen verschiedenen Methoden vermittle ich diese Informationen, wieviel Zeit brauche ich dafür und wann wird dies wiederholt und vertieft. Und ebenso wichtig sind die Lernpausen, die biologisch und sozial erst den Lernerfolg ermöglichen. Und ich muß natürlich auch aufeinander aufbauende Inhalte haben.

2. Praxiskompetenz

Seminare sind für Dozentinnen/Dozenten sehr anstrengend, wenn sie so vorgehen. Der Vorteil in der Erwachsenenqualifizierung ist, dass es meistens  um Sachthemen geht. Damit sind wir aber immer noch nicht am Ende. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich durch verschiedene Moderationstechniken schneller oder langsamer eine Meinungsbildung oder auch gezielte Lernerfolgskontrollen einführen kann. Das ist übrigens auch deshalb so wichtig, weil eine gute Qualifizierung davon lebt, dass Teilnehmer und Dozenten merken, sie haben es geschafft oder sie müssen noch einmal eine Vertiefung einlegen. Damit wird eine wirksame Qualität gesichert. Die meisten Teilnehmer waren – zumindest in meinem Umfeld – damit immer sehr einverstanden, weil dies auch die Qualität des Dozenten zeigt. Und ich muß die Dinge vorbereiten. In einem Seminar sind Menschen mit einem zeitlich klar definierten Anfang und Ende zur Bearbeitung des Inhaltes. Daher muß ich bei Themen der Wissensvermittlung und der  Umsetzung die Dinge so weit wie möglich vorbereiten.

3. Sozialkompetenz

Hinzu kommt parallel das Wissen um gruppendynamische Prozesse. Weil Menschen allein anders reagieren als in Gruppen, muß ich einen Ton und einen Umgang finden, der die individuelle Lernerfahrung ermöglicht und zugleich ermöglicht, die Angst zu verlieren, sich nicht in der Gruppe zu blamieren. Und wenn ich Gruppen zusammenstellen sollte, dann geht dies auch nur, wenn diese vom Bauchgefühl her miteinander auskommen, sonst sorgt der „Bauch“ dafür, dass das Thema keine Rolle mehr spielt. Wichtig ist, dass ein Seminar einen erheblichen Einschnitt in das persönliche Leben des Einzelnen darstellt (seine biologischen und persönlichen Tagesabläufe, seine Gewohnheiten etc.) Daher muß dafür gesorgt werden, dass man in der Gruppe verbale und tatsächliche Einzelräume schafft (Fluchtdistanz, persönliche Aura etc. sind bei der Tisch- und Stuhlanordnung zu beachten etc.)

Eigene Erfahrungen

Nun komme ich zu ein paar Erfahrungen, die mich im Jahre 2010 zum Staunen brachten. So war ich in einem Seminar, das von morgens bis abends und danach zur Projektbearbeitung bis in die Nacht laufen sollte. Es wurden keine Pausen definiert, die Gruppen wurden ohne Absprache untereinander von den Dozenten festgelegt, die Projekte wurden nicht vorher festgelegt und die Möglichkeit zur Wissensvermittlung wurden auf ein tatsächliches Minimum reduziert. Es mag ja sein, dass viele Fotografen als Einzelkämpfer arbeiten und dabei oft den ganzen Tag auf Abruf oder bis zur nächsten Verwendung arbeiten. Aber dieses Verhalten im Tagesgeschäft hat in einer Seminarsituation nichts zu suchen.Ein solches Seminar ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, selbst wenn jeder „etwas“ mitnimmt. Da die Teilnehmer in der Regel keine Ahnung von den oben aufgeführten Voraussetzungen haben, ist es Pflicht, ihnen ein Seminar zu ermöglichen, welches die Anforderungen erfüllt und nicht ihre vorhandene Anspruch- und damit Erfolglosigkeit im Lernen noch unterstützt.

Eine andere Seminarsituation bezog sich auf die Vermittlung von Softwareinhalten. Egal ob es sich um Bildbearbeitung oder Videoschnitt handelt. Wenn ich Software in der Praxis vermittle, muß ich mehrfach kleine Projekte erfolgreich zu Ende bringen. Dazu gehört entsprechend Zeit zum Üben und auch entsprechende Pausen. Und am nächsten Tag muß ich das alles noch mal machen. So lernt man.

Da dieser Artikel nicht in einem Buch enden soll, werde ich es bei diesen Beispielen belassen. Mich hat aber erstaunt, wieviel Geld mit Seminaren „gemacht“ werden kann, die nur sehr wenig von den genannten Voraussetzungen erfüllen.

Dies zeigt dreierlei:

  1. Es gibt Bedarf an Qualifizerungen
  2. Fachwissen allein reicht nicht sondern kompetente Dozentinnen und Dozenten sind rar
  3. Nur wenige Teilnehmer haben einen echten Maßstab für gute Qualifizierungen (weil sie sich auf die „Fachleute“ verlassen)

Für mich ist es einfach eine Sünde, wenn Menschen sich für ein Seminar anmelden, viel Geld bezahlen und dann nicht klare Inhalte mit klaren Lernzielen vermittelt bekommen in einem klaren Zeitrahmen und mit für alle verbindlichen Bedingungen. Ich selbst habe bisher mit wechselnden Arbeitsbereichen seit 30 Jahren in der Erwachsenenbildung und als persönlicher Coach oder Berater gearbeitet und ich hätte nicht gedacht, dass man das oben dargestellte Wissen auch heute wieder neu einbringen muß. Aber vielleicht liegt darin eine Chance. Es gibt wieder mal viel zu tun.

Der Journalist als “Marke” oder kostenlos aber nicht umsonst

Das gute Buch von Mcadams und LangerEigentlich ist es ganz einfach. Statt eine Zeitung zu kaufen, die gedruckte und bezahlte Werbung hat, macht man einen Blog mit Werbung von Google. Diese Werbung ist bei Google schon bezahlt. Jetzt müssen die Leser/innen nur noch in dem Blog auf die Anzeigen klicken und schon haben alle Geld verdient.

Doch was machen die Leser/innen. Sie klicken nicht auf die Anzeigen, obwohl sie damit alle glücklich machen würden und zugleich dafür sorgen, dass in dem Blog, den sie dann gerade lesen, auch weiter gute Artikel geschrieben werden. Deshalb lautet das erste Gesetz für Onlineleser: immer auf Anzeigen klicken!

Bis die Leser dies flächendeckend tun, gibt es Möglichkeiten, sich selbst als Journalist/Journalistin weiter zu verbessern. Eine gute Chance ist das Buch von Mindy McAdams in der Übersetzung von Ulrike Langer zu lesen.  Das Buch finden Sie kostenlos hier.

Es enthält viele wichtige Dinge für Onlinearbeit. Es ist eine gelungene und gute Arbeit von Frau Langer wie von Frau Mcadams. Die Webseite lauten http://www.mindymcadams.com und zur Webseite der Übersetzerin http://www.medialdigital.de setzen. Und nun viel Erfolg beim Lesen und der Umsetzung bis die Leser klicken lernen…

Optische Aufstecksucher – Die Letzten ihrer Art

optische AufstecksucherEs ist viel vom Artensterben die Rede. Langsam stirbt nun auch die alte Form der Digitalkamera aus. Als bekennender Fan von Henri Cartier-Bressons Art der Fotografie ist für mich der optische Sucher etwas Wunderbares.

Lange hielt ich am Messsucher fest, doch davor und dabei gab es auch den optischen Aufstecksucher, den ich zunehmend schätzen lernte.

Dieser hatte einen inneren Rahmen, der der Brennweite des Objektivs entsprach. Das Schöne am optischen Aufstecksucher war die wunderbare helle und klare Sicht.

Sie waren fast schon vergessen, doch dann kamen Sie vor knapp zwei Jahren wieder. Als die Versuche einsetzten, die Digitalkameras kleiner zu machen und die Chips darin größer, gab es sie wieder: die optischen Aufstecksucher. So wurde die LX3 von Panasonic und ihre Schwester von Leica mit diesem Zubehörteil ausgestattet, auch bei Ricoh wurde die GR mit diesem Zubehör verwöhnt.

Und die Olympus PEN E-P1, das erste Modell. Die Pen wurde mit einem wunderbaren Aufstecksucher und dem dazugehörigen Pancake Objektiv mit 17mm und Lichtstärke 2.8 ausgeliefert. Dies entsprach genau 34mm Brennweite im Kleinbildformat mit einer hervorragenden Blende 2.8 bei der Festbrennweite – also ziemlich genau (35mm) dem, womit in analogen Zeiten sehr viele Reporter fotografierten. Sigma liefert seit der DP1 über die DP1s bis zu weiteren Varianten ebenfalls einen optischen Aufstecksucher als Zubehör. So ist es also möglich, in digitalen Zeiten mit wunderbar klaren Blicken – auch mit Brille – zu fotografieren und dabei „alte“ Zeiten zu spielen.

Aber diese alten Zeiten haben einen besonderen Reiz. Denn man kann mit dem Autofokus arbeiten und dennoch durch einen wunderbaren optischen Aufstecksucher blicken. Das ist besser als zum Beispiel mit einer Leica M9 nur manuell fokussieren zu können. Man kann die V-Lux 3 oder die X1 von Leica nehmen, um sich den optischen Genuss mit Autofokus zu gönnen, um bei Leica zu bleiben. Ansonsten eben die von mir hier erwähnten Kameras.

Mir gefällt das, doch es scheint bald vorbei zu sein. So haben die meisten Nachfolgermodelle keinen optischen Sucher mehr sondern einen EVF, also einen elektronischen Aufstecksucher. Das muss nicht schlechter sein, ist aber anders und verändert die Möglichkeiten die Fotografierens. Dies wird im schnelllebigen Geschäft der Kameraindustrie kaum wahrgenommen werden. Aber für alle, die sich das Spiel mit der alten Art des Fotografierens gönnen wollen, sei daher darauf hingewiesen, dass diese Kameras bald abgelöst werden durch Modelle mit elektronischen Lösungen.

Ob dann ihr Wert steigt, glaube ich eher nicht. Aber ihre Seltenheitswert wird steigen, das ist gewiß!

Die Online Milliardäre

Wenn man sich mit einem neuen Angebot vorstellt, wird oft danach gefragt, ob man IVW geprüft sei. Was ist das? Die IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V – „ermittelt und prüft neutral und objektiv die Verbreitung von Werbeträgern. Sie liefert mit ihren Arbeitsergebnissen zuverlässige Daten für Verbraucher, professionelle Werbungtreibende und für den Leistungswettbewerb der Medien untereinander. Damit haben sich Medienanbieter, Werbungtreibende und Werbeagenturen ein effektives Kontrollsystem geschaffen, das unter ihrer gemeinsamen Aufsicht steht. Als staatlich unabhängige, nicht kommerzielle und neutrale Prüfinstitution versorgt die IVW die Medien- und Werbebranche sowie die interessierte Öffentlichkeit mit grundlegenden Daten für die Vermarktung von Medien als Werbeträger. Die IVW ermittelt, publiziert und kontrolliert die Auflagenhöhe von Zeitungen, Zeitschriften und weiteren periodisch erscheinenden Presseerzeugnissen. Bei der Tagespresse und den Fachzeitschriften erhebt sie zudem auch deren geografische Verbreitung. Im Bereich der Online-Medien stellt die IVW die Gesamtanzahl der Seitenabrufe und der einzelnen zusammenhängenden Nutzungsvorgänge von Web-Angeboten fest.“ Soweit die Eigendarstellung.

Ein Teil der Daten der IVW ist online einsehbar. Bei den Onlinemedien für Juli 2010 ergaben sich bei 1034 gemeldeten Seiten insgesamt 52 Milliarden 515 Millionen Klicks (PageImpressions) und 4 Milliarden 730 Millionen Besucher (Visits).

Mit knapp 420 Millionen führt T-Online vor den VZ-Netzen mit 414 Millionen Besuchern. Bild hat 154 Millionen Besucher, Spiegel Online hat gut 130 Millionen Besucher, Focus Online gut 27 Millionen Besucher, die sueddeutsche gut 30 Millionen Besucher, Xing 24 Millionen, Stern.de gut 20 Millionen, Flickr 6,5 Millionen, Geo.de 1,2 Millionen, RZ-Online 1,1 Millionen, RGA 231 Tausend, Solinger Tageblatt 230 Tausend, Naumburger Tageblatt 65 Tausend, der Schädelspalter ca. 2500 Besucher.

Diese Zahlen sind sehr interessant. Wer auf seinen Seiten Werbung verkaufen will, der kann die Daten der IVW nutzen, um bei den Mitgliedern der IVW zu werben. Interessant ist, auf wie wenig Internetadressen in Deutschland die Besucher verteilt sind. – Stopp! Diese Aussage stimmt eben nicht ganz. Hier sind ja nur gewerbsmässige Angebot erfasst. Zudem ist Traffic nicht gleich Traffic. Und es kommt hinzu, dass die Frage noch unbeantwortet ist, was mit all den anderen Adressen ist, die nicht erfasst werden, weil sie nicht gewerbsmässig sind und/oder nicht bei der ivw registriert?

Laut Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., wurde im Jahr 2009, einem Krisenjahr, in Deutschland 1,5 Milliarden Euro für Internetwerbung ausgegeben. Daher wäre es interessant, mehr über die genaue Nutzung zu erfahren. Aber wie? Wenn ich das richtig verstanden habe, dann weiß Google, wer was sucht und Apple weiß, wer mit wem per Iphone telefoniert, aber wer weiß noch mehr? Vielleicht gibt es ja Kommentare zu diesen Gedanken, die uns alle gemeinsam weiterbringen und von mir noch unentdeckte Statistiken über die Nutzung des Internets.