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Der Schnappschuss wurde neu erfunden? Über Hoffnungen und Enttäuschungen

Ich bin Anhänger der Strassenfotografie und damit der Schnappschussfotografie. Das ist einfach wunderbar. Doch mit den Displays verschwanden die Sucher. Damit gab es mehrere Probleme. Einige davon habe ich in fotomonat.de schon erörtert. Ich sehnte mich zurück nach den klaren optischen Suchern, weil sie einfach klasse sind.

Doch da muß es bei der Firma Panasonic Menschen geben, die mit höchster Raffinesse ihre vielleicht eigenen fotografischen Wünsche umsetzten.

Und so geschah es im Jahre 2010. Die Firma Panasonic hat den Schnappschuss neu erfunden. Diesmal auf dem Monitor und mit einer wunderbaren Technik.

Was meine ich damit?

Hier auf dem Foto ist das Display der Panasonic DMC-G2 zu sehen. Dort sieht man als kleines gelbes Symbol eine Hand mit Daumen und Zeigefinger. Das ist das Geheimnis. Wenn dies aktiviert ist (gelb eben) dann tippt man mit dem Finger einfach irgendwo auf dem Display und sofort wird ein Foto mit der intelligenten Automatik aufgenommen. Dabei stellt innerhalb von zum Teil fast Millisekunden die Kamera scharf und alles ist im Kasten.

Natürlich gibt es Argumente, die meine Begeisterung in ein Verhältnis zur umgebenden technischen Realität setzen: Ich kann nicht im Vorhinein durch den optischen Sucher mir alles so auswählen wie ich dies bisher traditionell gemacht habe. Aber vielleicht muß ich auch einfach an dieser Stelle neu denken. Und jetzt kommt das weil: Weil ich mit dieser Art der Fotografie einfach schneller bin als wenn ich beim Sehen die Kamera erst ans Auge holen muß, um dann noch genau die Schärfe dorthin zu legen wo sie hin soll. Auf gut Deutsch: ich bin in vielen Situationen mit der neuen Technik der Panasonic einfach schneller – wenn es um Schnappschüsse geht.

Und genau dies ist doch einen solchen Artikel wert. Denn hier geschieht etwas Wunderbares. Die Panasonic G2 erlaubt einmal den Blick durch einen guten (elektronischen) Sucher und zeitgleich eine neue Art des Schnappschusses auf dem Monitor. Die Kamera ist leider zu groß für eine Systemkamera, denn sie ist keine echte Alternative zu einer DSLR und hat das Problem, dass die Objektive für diese Kamera zu groß werden, wenn sie kleiner wird. Da wird noch manches zu lösen sein.

Ich hätte mir zwar eine rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher gewünscht, aber vielleicht kommt das noch.

Nachtrag einige Monate später:

Die Begeisterung hat nachgelassen, weil der Finger zwar schnelle Fotos erlaubt aber keine gestalteten Fotos wie bei einem Sucher. Und jetzt?

Immer kleiner, immer glatter, immer schlechter zu halten?

  • Ich hätte erwartet, dass der Sucher insgesamt kleiner wird und das Sucherbild größer.
  • Ich hätte erwartet, dass das Auslösegeräusch leiser wird
  • und die rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher, Schwenkdisplay und guter Haptik kommt.

Nichts davon wurde wahr. Mir persönlich gefällt von allen MFT-Kameras die E-PL1 am besten. Sie hat nur leider keinen Sucher. Sie ist gut anzupacken, hat sinnvolle Knöpfe für die Bedienung und ist klar strukturiert. Die Lumix G2 hat den Schnappschuss auf dem Display, ist aber zu groß. Was danach kam mit der G3 finde ich nicht besser und die kleineren Panas haben keinen Sucher und sind mir zu laut. Die  E-PL3  kann ich kaum noch festhalten, unter dem Gesichtspunkt ist sogar die GF3 noch besser.  Hoffnung macht die Pen Mini und der Ansatz MFT. So viel von mir zum Thema Strassenfotografie in diesem Rahmen. Aber das ist eben Geschmackssache und wird es auch bleiben.

Das Loch nach der Photokina

Nun ist die Photokina schon einen Monat vorbei und ich meine, ich spüre das Loch im Internet. Fast alle technischen Fotoseiten, international und national, haben fast stündlich in ihren Blogs über die neuesten Produkte berichtet. Und jetzt? Sie scheinen alle im Urlaub zu sein oder sie testen ununterbrochen. Wie auch immer, im Internet gibt es nicht nur wenig Neues sondern über die neuen Produkte auch wenig Getestetes.

Das gibt den Gedanken neue Nahrung. Was wäre eigentlich, wenn die Photokina nicht gewesen wäre und wenn es keine neuen Produkte gegeben hätte? Die einzige echte fotografische Hoffnung war ja die Fuji X100. Ob Sie wirklich lautlos sein wird, ob sie wirklich eine neue Generation von Digitalkameras für ernsthafte und traditionell ausgerichtete Fotografinnen und Fotografen eröffnet, werden wir in knapp einem halben Jahr sehen.

Aber wenn es diese Hoffnung nicht geben würde und wenn es die Photokina nicht gegeben hätte, was wäre dann eigentlich los in der Fotografie?

Man könnte zu dem Ergebnis kommen, dass man mit den bisherigen Kameras auch gut fotografieren kann. Und man könnte auch denken, dass es nicht ein gutes Bild weniger geben würde. Nichts gegen die Photokina! Sie ist ein wunderbarer Ort, um Blicke auf die neuen Produktionsstätten der Welt in China zu werfen und die kommenden Kulturen der Zukunft schon heute auch in Deutschland und im schönen Köln am Rhein zu empfangen. Das ist wirklich schön.

Aber fotografisch sind wir nicht weiter sondern höchstens anders geworden nach dieser Messe. Der alte Schopenhauer schrieb einmal „Das Neue ist der Feind des Guten“. Ich glaube, dass die nächste Photokina dazu genutzt werden könnte, vielen asiatischen Menschen Deutschland als Reiseland noch besser zu vermitteln.

Und nach der Photokina sollte es Reisen geben, Fotoreisen durch Deutschland und Fotoreisen durch China. Man könnte Wettbewerbe machen und die Photokina Besucher könnten diese Reisen gewinnen, gesponsert von den großen Herstellern, die die Gewinner zu Botschaftern für eine bessere Kommunikation auf der Welt mit Hilfe der Fotografie machen. Das wäre übrigens auch der Stadt Köln angemessen, deren Traditionen ja gerade auf der Begegnung der Kulturen und Menschen beruhen.

Insgesamt könnte man das Loch nach Photokina mit vielen guten Ideen füllen. Denn diese Messe ist schon etwas besonderes, weil sie alle Menschen und Kulturen mit als Fotografen oder Fotografierte zusammenbringt und die Produkte in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Ob es so etwas jemals geben wird? Ich weiß es nicht, aber zumindest habe ich das Loch nach der Photokina mit einer guten Vision gefüllt.

Kleine Kameras, “schlechte” Fotos und Ganzkörperfotografie

Natürlich gibt es schlechte Fotos. Aber diese sind abhängig vom Betrachter – zumindest heute. Und das ist so wie mit der Kunst. Wenn es Kunst gibt, dann muß sie von Nicht-Kunst zu unterscheiden sein. Nun denn!

Welche Kriterien gibt es überhaupt für „gute“ Fotos?

  • Wenn ich nach den klassischen Kriterien gehe, dann sind dies Goldener Schnitt, Schärfe, Figur und Grund und inhaltliche Komposition.
  • Doch davon ist man ja ab. Heute gilt eher das Prominenz-Kriterium. Gut ist, über was einige Medien berichten und was bekannt wird.
  • Dann gibt es noch den Maßstab der Wettbewerbe. Da gibt es dann immer die „besten“ Fotografen – aus Sicht einer Jury.
  • Dann gibt es noch die Verkäufe. Gut ist, was Menschen kaufen.
  • Und dann gibt es noch die Fotos, die einem persönlich einfach gefallen.

Da ich das Thema hier nur als Einstieg wählen wollte, will ich es nicht vertiefen. Ich finde, es gibt viel mehr gute Fotos als man sagen darf. Diese Inflation an guten Fotos muß man aushalten. Und dazu gehört auch der richtige Umgang mit kleinen Kameras. Im Jahr 2010 sind ja die meisten preiswerten Digitalkameras so gut, dass sie bei gutem Wetter fast gar keine schlechten Fotos mehr machen können. Das Problem fängt bei schlechtem Licht an, weil dann das Rauschen zunimmt, also im Ergebnis die Sichtbarkeit der Punkte auf dem Foto.

Wenn wir uns nun das Farbfoto betrachten, dann fällt auf, dass es „rauscht“. Beim Blick auf den Teppich sieht man das. Das war aber gar nicht anders möglich. Wenn man nur eine kleine Kamera dabei hat, dann muß man auch damit fotografieren oder es gibt eben kein Bild. In dem Fall gefiel mir der fotografische Auftritt so gut, dass ich lieber diesen Schnappschuss machte als die Situation vorbeigehen zu lassen.

So, und damit kommen wir zu der Möglichkeit aus diesem Foto aus einer kleinen Digitalkamera bei eher schlechtem künstlichen Licht ein anderes Foto zu machen. Und das sieht dann so aus:

Was man sofort erkennt ist, dass dieses Foto kein Problem mehr mit Farbe hat sondern in sich als Schwarzweissfoto wirkt. Und es sieht gut aus, es könnte überall erscheinen. Die Qualität stimmt selbst bei diesem einfachen Foto aus einer einfachen Kamera. Und weil dies so ist, darf es natürlich nicht so sein. Man stelle sich vor, die Menschen würden mit dieser fotografischen Qualität zufrieden sein?

Doch es ist die Zeit gekommen, um sich nicht länger verrückt machen zu lassen. Gute Schnappschüsse erzählen eine Geschichte. Und wenn es in Farbe rauscht, dann ist dies nicht schlimm, doch vielfach hilft die Umwandlung in Schwarzweiss, um die wesentlichen Elemente besser herauszustellen. Das geht nicht immer, weil es auch Fotos gibt, die in Farbe besser wirken.

Ich habe dieses Fotos noch aus einem anderen Grund gewählt. Es zeigt nämlich spontan und ohne Übertreibung wie Menschen mit den kleinen Digitalkameras ohne Sucher fotografieren: nämlich mit dem ganzen Körper in ausholender Weise.

Das hängt einfach damit zusammen, dass ein Monitor ohne Sucher dazu führt, mit beiden Händen vom Körper nach vorne weggestreckt fotografieren zu müssen. So ist zwar die Kamera kleiner geworden, aber das Fotografieren nicht besser. Und genau dies zeigt dieser Schnappschuss authentisch.

Damit zeigt sich, dass aktuell mit den meisten kleinen Digitalkameras nur als Akt der Ganzkörperfotografie auch Fotos gemacht werden können. Das wäre irgenwie schon verbesserungswürdig und ist zugleich selbst ein nicht uninteressantes Objekt der Fotografie.

Kann denn Schulung Sünde sein?

SchulungenIch habe in diesem Jahr einige Seminare und Qualifizierungen besucht. Fast alle kosteten zwischen 500 und 1500 Euro plus Übernachtung. Es ging speziell um verschiedene Bereiche der Fotografie und des Filmens und anderer neuer technischer Verfahren.  Ich war gespannt und ich wurde meistens sehr enttäuscht.

Doch bevor ich weiter schreibe noch ein Hinweis: ich pauschaliere an dieser Stelle, weil ich nicht die Einzelfälle aufführen will. Vielmehr stelle ich mit meinen Erfahrungen meine Sicht der Dinge dar.  Auch wenn es wenige hören wollen. Kompetenz setzt Kompetenzen voraus, dazu gehört nicht sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Das Geheimnis für erfolgreiche Qualifizierungen hat neben dem Fachwissen zwei Namen, nämlich Didaktik und Methodik und das sind zwei Lernfächer, die man mehrere Semester früher studieren (= theoretisch erfassen und praktisch anwenden) mußte.

Ich fange mal ganz einfach an. Um erfolgreich zu qualifizieren, muss ich die biologischen Grundlagen des Lernens verstehen und als grundlegende Voraussetzung in Seminare einbauen. Dazu gehört eine vertiefte Auseinandersetzung mit den biologischen Grundlagen erfolgreichen Lernens und mit den erfolgreich praktizierten Voraussetzungen und Umsetzungen von Lern- und Arbeitstechniken. Dementsprechend muß das Seminar oder die Tagesschulung vom Ablauf her aufgebaut sein. Ich will hier grob unterscheiden zwischen drei Bereichen:

1.Planungskompetenz

Zuerst muß ich mir natürlich überlegen, was ich vermitteln will. Diese Frage muß beantwortet werden im Zusammenhang damit, wie Menschen lernen. Ich darf also nicht zu viel vermitteln, sondern muß mir anschauen, was ist in welcher Zeit vermittelbar (Didaktik) und mit welchen Methoden (Methodik). Da es unterschiedliche Lerntypen gibt, reicht es also nicht, einen Informationsblock rauszusuchen. Ich muß mir diesen Informationsblock anschauen und fragen, mit welchen verschiedenen Methoden vermittle ich diese Informationen, wieviel Zeit brauche ich dafür und wann wird dies wiederholt und vertieft. Und ebenso wichtig sind die Lernpausen, die biologisch und sozial erst den Lernerfolg ermöglichen. Und ich muß natürlich auch aufeinander aufbauende Inhalte haben.

2. Praxiskompetenz

Seminare sind für Dozentinnen/Dozenten sehr anstrengend, wenn sie so vorgehen. Der Vorteil in der Erwachsenenqualifizierung ist, dass es meistens  um Sachthemen geht. Damit sind wir aber immer noch nicht am Ende. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich durch verschiedene Moderationstechniken schneller oder langsamer eine Meinungsbildung oder auch gezielte Lernerfolgskontrollen einführen kann. Das ist übrigens auch deshalb so wichtig, weil eine gute Qualifizierung davon lebt, dass Teilnehmer und Dozenten merken, sie haben es geschafft oder sie müssen noch einmal eine Vertiefung einlegen. Damit wird eine wirksame Qualität gesichert. Die meisten Teilnehmer waren – zumindest in meinem Umfeld – damit immer sehr einverstanden, weil dies auch die Qualität des Dozenten zeigt. Und ich muß die Dinge vorbereiten. In einem Seminar sind Menschen mit einem zeitlich klar definierten Anfang und Ende zur Bearbeitung des Inhaltes. Daher muß ich bei Themen der Wissensvermittlung und der  Umsetzung die Dinge so weit wie möglich vorbereiten.

3. Sozialkompetenz

Hinzu kommt parallel das Wissen um gruppendynamische Prozesse. Weil Menschen allein anders reagieren als in Gruppen, muß ich einen Ton und einen Umgang finden, der die individuelle Lernerfahrung ermöglicht und zugleich ermöglicht, die Angst zu verlieren, sich nicht in der Gruppe zu blamieren. Und wenn ich Gruppen zusammenstellen sollte, dann geht dies auch nur, wenn diese vom Bauchgefühl her miteinander auskommen, sonst sorgt der „Bauch“ dafür, dass das Thema keine Rolle mehr spielt. Wichtig ist, dass ein Seminar einen erheblichen Einschnitt in das persönliche Leben des Einzelnen darstellt (seine biologischen und persönlichen Tagesabläufe, seine Gewohnheiten etc.) Daher muß dafür gesorgt werden, dass man in der Gruppe verbale und tatsächliche Einzelräume schafft (Fluchtdistanz, persönliche Aura etc. sind bei der Tisch- und Stuhlanordnung zu beachten etc.)

Eigene Erfahrungen

Nun komme ich zu ein paar Erfahrungen, die mich im Jahre 2010 zum Staunen brachten. So war ich in einem Seminar, das von morgens bis abends und danach zur Projektbearbeitung bis in die Nacht laufen sollte. Es wurden keine Pausen definiert, die Gruppen wurden ohne Absprache untereinander von den Dozenten festgelegt, die Projekte wurden nicht vorher festgelegt und die Möglichkeit zur Wissensvermittlung wurden auf ein tatsächliches Minimum reduziert. Es mag ja sein, dass viele Fotografen als Einzelkämpfer arbeiten und dabei oft den ganzen Tag auf Abruf oder bis zur nächsten Verwendung arbeiten. Aber dieses Verhalten im Tagesgeschäft hat in einer Seminarsituation nichts zu suchen.Ein solches Seminar ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, selbst wenn jeder „etwas“ mitnimmt. Da die Teilnehmer in der Regel keine Ahnung von den oben aufgeführten Voraussetzungen haben, ist es Pflicht, ihnen ein Seminar zu ermöglichen, welches die Anforderungen erfüllt und nicht ihre vorhandene Anspruch- und damit Erfolglosigkeit im Lernen noch unterstützt.

Eine andere Seminarsituation bezog sich auf die Vermittlung von Softwareinhalten. Egal ob es sich um Bildbearbeitung oder Videoschnitt handelt. Wenn ich Software in der Praxis vermittle, muß ich mehrfach kleine Projekte erfolgreich zu Ende bringen. Dazu gehört entsprechend Zeit zum Üben und auch entsprechende Pausen. Und am nächsten Tag muß ich das alles noch mal machen. So lernt man.

Da dieser Artikel nicht in einem Buch enden soll, werde ich es bei diesen Beispielen belassen. Mich hat aber erstaunt, wieviel Geld mit Seminaren „gemacht“ werden kann, die nur sehr wenig von den genannten Voraussetzungen erfüllen.

Dies zeigt dreierlei:

  1. Es gibt Bedarf an Qualifizerungen
  2. Fachwissen allein reicht nicht sondern kompetente Dozentinnen und Dozenten sind rar
  3. Nur wenige Teilnehmer haben einen echten Maßstab für gute Qualifizierungen (weil sie sich auf die „Fachleute“ verlassen)

Für mich ist es einfach eine Sünde, wenn Menschen sich für ein Seminar anmelden, viel Geld bezahlen und dann nicht klare Inhalte mit klaren Lernzielen vermittelt bekommen in einem klaren Zeitrahmen und mit für alle verbindlichen Bedingungen. Ich selbst habe bisher mit wechselnden Arbeitsbereichen seit 30 Jahren in der Erwachsenenbildung und als persönlicher Coach oder Berater gearbeitet und ich hätte nicht gedacht, dass man das oben dargestellte Wissen auch heute wieder neu einbringen muß. Aber vielleicht liegt darin eine Chance. Es gibt wieder mal viel zu tun.

Der Journalist als “Marke” oder kostenlos aber nicht umsonst

Das gute Buch von Mcadams und LangerEigentlich ist es ganz einfach. Statt eine Zeitung zu kaufen, die gedruckte und bezahlte Werbung hat, macht man einen Blog mit Werbung von Google. Diese Werbung ist bei Google schon bezahlt. Jetzt müssen die Leser/innen nur noch in dem Blog auf die Anzeigen klicken und schon haben alle Geld verdient.

Doch was machen die Leser/innen. Sie klicken nicht auf die Anzeigen, obwohl sie damit alle glücklich machen würden und zugleich dafür sorgen, dass in dem Blog, den sie dann gerade lesen, auch weiter gute Artikel geschrieben werden. Deshalb lautet das erste Gesetz für Onlineleser: immer auf Anzeigen klicken!

Bis die Leser dies flächendeckend tun, gibt es Möglichkeiten, sich selbst als Journalist/Journalistin weiter zu verbessern. Eine gute Chance ist das Buch von Mindy McAdams in der Übersetzung von Ulrike Langer zu lesen.  Das Buch finden Sie kostenlos hier.

Es enthält viele wichtige Dinge für Onlinearbeit. Es ist eine gelungene und gute Arbeit von Frau Langer wie von Frau Mcadams. Die Webseite lauten http://www.mindymcadams.com und zur Webseite der Übersetzerin http://www.medialdigital.de setzen. Und nun viel Erfolg beim Lesen und der Umsetzung bis die Leser klicken lernen…

Optische Aufstecksucher – Die Letzten ihrer Art

optische AufstecksucherEs ist viel vom Artensterben die Rede. Langsam stirbt nun auch die alte Form der Digitalkamera aus. Als bekennender Fan von Henri Cartier-Bressons Art der Fotografie ist für mich der optische Sucher etwas Wunderbares.

Lange hielt ich am Messsucher fest, doch davor und dabei gab es auch den optischen Aufstecksucher, den ich zunehmend schätzen lernte.

Dieser hatte einen inneren Rahmen, der der Brennweite des Objektivs entsprach. Das Schöne am optischen Aufstecksucher war die wunderbare helle und klare Sicht.

Sie waren fast schon vergessen, doch dann kamen Sie vor knapp zwei Jahren wieder. Als die Versuche einsetzten, die Digitalkameras kleiner zu machen und die Chips darin größer, gab es sie wieder: die optischen Aufstecksucher. So wurde die LX3 von Panasonic und ihre Schwester von Leica mit diesem Zubehörteil ausgestattet, auch bei Ricoh wurde die GR mit diesem Zubehör verwöhnt.

Und die Olympus PEN E-P1, das erste Modell. Die Pen wurde mit einem wunderbaren Aufstecksucher und dem dazugehörigen Pancake Objektiv mit 17mm und Lichtstärke 2.8 ausgeliefert. Dies entsprach genau 34mm Brennweite im Kleinbildformat mit einer hervorragenden Blende 2.8 bei der Festbrennweite – also ziemlich genau (35mm) dem, womit in analogen Zeiten sehr viele Reporter fotografierten. Sigma liefert seit der DP1 über die DP1s bis zu weiteren Varianten ebenfalls einen optischen Aufstecksucher als Zubehör. So ist es also möglich, in digitalen Zeiten mit wunderbar klaren Blicken – auch mit Brille – zu fotografieren und dabei „alte“ Zeiten zu spielen.

Aber diese alten Zeiten haben einen besonderen Reiz. Denn man kann mit dem Autofokus arbeiten und dennoch durch einen wunderbaren optischen Aufstecksucher blicken. Das ist besser als zum Beispiel mit einer Leica M9 nur manuell fokussieren zu können. Man kann die V-Lux 3 oder die X1 von Leica nehmen, um sich den optischen Genuss mit Autofokus zu gönnen, um bei Leica zu bleiben. Ansonsten eben die von mir hier erwähnten Kameras.

Mir gefällt das, doch es scheint bald vorbei zu sein. So haben die meisten Nachfolgermodelle keinen optischen Sucher mehr sondern einen EVF, also einen elektronischen Aufstecksucher. Das muss nicht schlechter sein, ist aber anders und verändert die Möglichkeiten die Fotografierens. Dies wird im schnelllebigen Geschäft der Kameraindustrie kaum wahrgenommen werden. Aber für alle, die sich das Spiel mit der alten Art des Fotografierens gönnen wollen, sei daher darauf hingewiesen, dass diese Kameras bald abgelöst werden durch Modelle mit elektronischen Lösungen.

Ob dann ihr Wert steigt, glaube ich eher nicht. Aber ihre Seltenheitswert wird steigen, das ist gewiß!

Die Online Milliardäre

Wenn man sich mit einem neuen Angebot vorstellt, wird oft danach gefragt, ob man IVW geprüft sei. Was ist das? Die IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V – „ermittelt und prüft neutral und objektiv die Verbreitung von Werbeträgern. Sie liefert mit ihren Arbeitsergebnissen zuverlässige Daten für Verbraucher, professionelle Werbungtreibende und für den Leistungswettbewerb der Medien untereinander. Damit haben sich Medienanbieter, Werbungtreibende und Werbeagenturen ein effektives Kontrollsystem geschaffen, das unter ihrer gemeinsamen Aufsicht steht. Als staatlich unabhängige, nicht kommerzielle und neutrale Prüfinstitution versorgt die IVW die Medien- und Werbebranche sowie die interessierte Öffentlichkeit mit grundlegenden Daten für die Vermarktung von Medien als Werbeträger. Die IVW ermittelt, publiziert und kontrolliert die Auflagenhöhe von Zeitungen, Zeitschriften und weiteren periodisch erscheinenden Presseerzeugnissen. Bei der Tagespresse und den Fachzeitschriften erhebt sie zudem auch deren geografische Verbreitung. Im Bereich der Online-Medien stellt die IVW die Gesamtanzahl der Seitenabrufe und der einzelnen zusammenhängenden Nutzungsvorgänge von Web-Angeboten fest.“ Soweit die Eigendarstellung.

Ein Teil der Daten der IVW ist online einsehbar. Bei den Onlinemedien für Juli 2010 ergaben sich bei 1034 gemeldeten Seiten insgesamt 52 Milliarden 515 Millionen Klicks (PageImpressions) und 4 Milliarden 730 Millionen Besucher (Visits).

Mit knapp 420 Millionen führt T-Online vor den VZ-Netzen mit 414 Millionen Besuchern. Bild hat 154 Millionen Besucher, Spiegel Online hat gut 130 Millionen Besucher, Focus Online gut 27 Millionen Besucher, die sueddeutsche gut 30 Millionen Besucher, Xing 24 Millionen, Stern.de gut 20 Millionen, Flickr 6,5 Millionen, Geo.de 1,2 Millionen, RZ-Online 1,1 Millionen, RGA 231 Tausend, Solinger Tageblatt 230 Tausend, Naumburger Tageblatt 65 Tausend, der Schädelspalter ca. 2500 Besucher.

Diese Zahlen sind sehr interessant. Wer auf seinen Seiten Werbung verkaufen will, der kann die Daten der IVW nutzen, um bei den Mitgliedern der IVW zu werben. Interessant ist, auf wie wenig Internetadressen in Deutschland die Besucher verteilt sind. – Stopp! Diese Aussage stimmt eben nicht ganz. Hier sind ja nur gewerbsmässige Angebot erfasst. Zudem ist Traffic nicht gleich Traffic. Und es kommt hinzu, dass die Frage noch unbeantwortet ist, was mit all den anderen Adressen ist, die nicht erfasst werden, weil sie nicht gewerbsmässig sind und/oder nicht bei der ivw registriert?

Laut Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., wurde im Jahr 2009, einem Krisenjahr, in Deutschland 1,5 Milliarden Euro für Internetwerbung ausgegeben. Daher wäre es interessant, mehr über die genaue Nutzung zu erfahren. Aber wie? Wenn ich das richtig verstanden habe, dann weiß Google, wer was sucht und Apple weiß, wer mit wem per Iphone telefoniert, aber wer weiß noch mehr? Vielleicht gibt es ja Kommentare zu diesen Gedanken, die uns alle gemeinsam weiterbringen und von mir noch unentdeckte Statistiken über die Nutzung des Internets.

Fotografie und Recht im Jahre 2010

Hunger auf FotografenJa, da zeigt 3sat eine Sendung aus der Reihe Matussek trifft … In diesem Fall den Fotografen Robert Lebeck. Robert Lebeck ist ein interessanter Mann. So wird sehr oft die Geschichte erzählt, dass er sich hinter einem Vorhang versteckte, als Churchill und Adenauer sich trafen. Alle Fotografen mussten raus. Er blieb und plötzlich suchte Adenauer einen Fotografen. Und da kam er hinter dem Vorhang hervor. Die Fotos danach machten ihn bekannt.

Aber warum schreibe ich das? Weil aus Anlaß der Sendung Robert Lebeck gezeigt wurde, wie er für einen Auftrag unterwegs war, um den nicht vorhandenen Konsum zu fotografieren. Er ging in ein Shoppingcenter und fotografierte ein paar Kürbisse. Sofort kam jemand vorbei und fragte ihn nach seiner Erlaubnis. Es gab einige Verwirrungen.

Was will ich damit sagen? Vor vierzig Jahren konnte man ungestraft hinter einem Vorhang stehen und Churchill oder Adenauer fotografieren. Heute darf man ohne Erlaubnis keinen Kürbis mehr fotografieren, vereinfacht ausgedrückt. So hat sich der Begriff der Freiheit verändert. Das ist schon eine Diskussion wert.

Nachtrag Ende 2011:

Mittlerweile gibt es einen anderen Film auf arte über Robert Lebeck. Dort äußert Michael Jürgs, der ihn lange kennt, die Vermutung, dass Robert Lebeck heute mit seiner sensiblen dokumentarischen Art wohl keine Chance mehr als Fotoreporter haben würde, weil die Verantwortlichen in den Redaktionen dies gar nicht mehr sehen würden.

Das spricht nicht gegen Robert Lebeck, aber es ist die Frage, was hat sich hier verändert?