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Nihad Nino Pušija – Down There Where the Spirit Meets the Bone, THE LAST BOOK OF PEPERONI

„Durch das Buch zieht sich ein roter – und keineswegs nur metaphorisch blutroter – Faden. Das Buch ist die letzte Veröffentlichung, die der international hoch angesehene Berliner Fotobuchverleger und -buchhändler Hannes Wanderer noch selbst betreut hat, bevor er unerwartet am 9. September 2018 in Berlin verstarb. Unter dem Namen „Peperoni Books“ gedruckt, setzt es den Schlusspunkt unter ein außergewöhnliches Leben im Dienste der Fotografie.“

So schreibt es der Lehmstedt Verlag über das Buch von Nihad Nino Pušija Down There Where the Spirit Meets the Bone.

An diesem Buch und alles in diesem Buch bis zur Entstehung ist schicksalhaft.

Gewaltige existenzielle Themen bewegen die Fotos und die Menschen in diesem Buch und ohne die schöpferische Kraft überzeugter Männer und Frauen als Verleger wäre es nie dazu gekommen.

Schon deshalb handelt es sich um ein ganz besonderes Buch, das auch ganz besonders dargestellt werden sollte.

Das Buch beginnt  bei Tito und hört irgendwann heute auf.

Wir sehen auf den Fotos die Ergebnisse der sozialen Ereignisse auf dem Balkan dort und hier.

Menschen, die gestorben sind, Menschen die vor, im und nach dem Krieg dort leben, die mit den Veränderungen im Krieg und nach dem Krieg leben, Spuren der Zeit und der Veränderungen ohne Ende und mitten aus dem Leben.

Details sagen oft mehr als große Landschaftsaufnahmen. Ein Detail kann eine ganze Weltsicht wiedergeben. Und hier ist die Mischung aus allem und in allem, was aus dieser Zeit an Trümmern, Hoffnungslosigkeit und dem Leben darin und danach real existierte – und existiert.

Das Buch ist sehr klug angelegt. Wir sehen monochrome Aufnahmen aus analogen Zeiten und farbige Aufnahmen aus digitalen Zeiten. Alle erzählen auf ihre Art und wirken stark.

Wir tauchen ein in die Welt zwischen Bosnien und Berlin und sehen Kurden, Muslime und Christen vor Ort und in Deutschland. Überhaupt ist in diesem Buch viel Deutsches zu sehen bis zur Bundeswehr vor Ort.

Aber das Buch ist eben auch ein sehr dokumentarisches Fotobuch.

Wir sehen den Zeitgeist und das Leben im Alltag als der Krieg noch nicht da war und Tito herrschte, bis wir nach den Wirren der Kriegsfotos auf ein Bild von 2012 stoßen, welches uns an einer Wand immer noch ein Foto von Tito zeigt als Erinnerung an Besseres als Krieg und Mord?

Es ist ein Buch voller Geschichten in den Fotos und es ist ein Buch aus dem Leben gemacht.

Denn hier wurde nur aufgenommen, was wirklich zu sehen war – aber mit eigenständiger Gestaltung der gesehenen Momente. Und so sehen wir auch den Fotografen beim Sehen und mit seiner „Wahr“nehmung.

Das haben alle am Buchprojekt Beteiligten wirklich gut gemacht und mit diesem Buch ein Stück schlimme Zeitgeschichte in einen Rahmen gebracht, der zeitliche Abläufe über 30 Jahre darstellt.

So ist dieses Buch ein visuelles Geschichtsbuch der ganz besonderen Art.

Es ist die Kunst der ungeschönten Dokumentarfotografie, die visuell die Macht des Alltags mit den Details eines schweren Lebens zeigt ohne Dramatisierung. Die Fotos wirken aus sich heraus, weil sie authentisch sind und entsprechend gestaltet fotografiert wurden.

Für mich ist dieses Buch dadurch eines der besten seiner Art in jüngster Zeit.

Mag meine Meinung auch nicht maßgebend sein, so habe ich doch das richtige Maß für die Beurteilung solcher Bücher  in den letzten Jahren entwickeln können und deshalb halte ich meine Einschätzung für richtig.

Ich danke allen Beteiligten für dieses Werk, das mehr wert ist als nur seinen Preis.

Das Buch ist im Lehmstedt Verlag erschienen.

Nihad Nino Pušija

Down There Where the Spirit Meets the Bone

THE LAST BOOK OF PEPERONI

Herausgegeben von / edited by Lith Bahlmann
und / and Matthias Reichelt

Ausgabe in deutscher und englischer Sprache

296 Seiten mit 196 farbigen und Schwarzweiß-Fotografien
24 x 29 cm, Festeinband, Fadenheftung

ISBN 978-3-95797-082-4

 

Original Streetfotografie heute

Das Wort wird immer häufiger benutzt aber es ist immer öfter etwas anderes drin. Und nachdem man sich sogar bewußt im Kunstbetrieb von den Originalen gelöst hat und eine Umwertung aller Werte vornehmen will, lohnt sich der Blick zurück, weil dort die Diamanten zu finden sind, die auch heute die Grundlage für eigene fotografische Diamanten sein können. Auch Joel Meyerowitz hat den entscheidenden Moment gesehen und fotografiert so wie Cartier-Bresson und beide verbindet fotografisch zumindest die visuelle Grammatik und ich denke noch viel mehr. Aber lesen Sie selbst!

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Wie sieht Zensur aus? Wir im heutigen Deutschland wissen dies eher dadurch daß etwas nicht zu sehen ist. Alexander Gohlke zeigt uns wie es woanders schon aussieht und bei uns auch auftaucht. Er zeigt uns wie Zensur sichtbar aussieht.

Vom Schein zum Sein: Fotografie als Lebensmethodik – Untergang und Scheitern als Weg zu sich selbst

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Das sind starke Worte einer offenkundig starken Persönlichkeit.