Artikel & Essays

Womit fotografieren die besten Fotografen von Deutschland?

Das ist eine gute Frage. Ich habe die Antwort gesucht und gefunden. In einer Pressemitteilung von Computerbild ist zu lesen: „In einem der größten Fotowettbewerbe Deutschlands suchten AUDIO VIDEO FOTO BILD, computerbild.de und SIGMA zum dritten Mal Deutschlands besten Fotografen.

Prämiert wurden die besten Werke aus den Kategorien Ästhetischer Akt, Digital Art, Jugend, Natur, Menschen, Technik & Architektur und einem wöchentlich wechselnden Sonderthema. Innerhalb von fünf Monaten stellten die Teilnehmer auf Deutschlands großem Technikportal computerbild.de fast 40.000 Fotos ein.

Per Online-Abstimmung wählten Nutzer die hundert besten Bilder jeder Kategorie. Zusätzlich standen erstmals Fotos in der Endausscheidung, die im Laufe des Wettbewerbs mit einer Freikarte für die Finalrunde ausgezeichnet wurden. Eine Fachjury kürte aus allen Finalisten die Kategorie-Sieger und Deutschlands besten Fotografen. Der Hauptpreis ging an Christof Benz, der die Jury mit seinem Motiv „Erfrischung bei 34° Celsius“ überzeugte.

Auf www.computerbild.de/fotowettbewerb sind alle Preisträger und ihre Fotos zu finden.“ Wenn man sich die Fotos anschaut, dann wird schnell klar.

Man gewinnt Fotowettbewerbe mit einfachen und/oder älteren Kameras. Die Preisträger in diesem Fall benutzten folgende Kameras: Nikon D200 mit 18-200mm, Sony Alpha 350 mit 18-70mm, Sony Alpha 300 mit 10-20mm, Canon EOS 50D mit 17-70mm, Olympus E-510 mit 70-300mm und Nikon D200 mit 80-200mm. Das ist natürlich interessant und zeigt, dass die besten Fotos auch mit älteren Kameras und einfachen Objektiven gemacht werden können.

Photokina 2010 – Impressionen

Die Photokina 2010 in Köln ist ein Ort, an dem sich die Welt trifft. Es ist ein Ort der Globalisierung. Wenn man sich anschaut, welche chinesischen Firmen damit werben, für die großen Marken der Fotografie zu arbeiten und wenn man sieht, wie viele gute Produkte gar nicht nach Deutschland kommen, dann gibt es viel Stoff zum Nachdenken. Aber auch das Miteinander im Gegeneinander zeigt, wie klein Europa und wie groß die Welt ist.

Doch dies ist längst nicht alles. Bezogen auf Innovationen ist ein echtes Highlight sicherlich die Fuji X100. Endlich traut sich eine große Firma wieder eine Kamera zu bauen, die alles hat, was ein guter Fotograf braucht. Damit will ich nicht abstreiten, dass auch woanders gute Kameras gebaut werden. Aber unbestritten ist sicherlich, dass Sony und Fuji dieses Jahr den Ton bestimmen. Sony hat mit der NEX 5 und dem Camcorder NEX-VG10  echte und bezahlbare Innovationen herausgebracht. Fuji bringt nun eine Kamera mit einem echten Sucher und einem Gehäuse, dass aus einem Monitor wieder eine Kamera macht, die man auch noch gut mit zwei Händen anpacken kann. Die Fuji ist das offensichtliche Highlight der Photokina und wird wahrscheinlich eine große und begeisterte Anhängerschaft finden. Hoffentlich ist das Auslösegeräusch abstellbar, dann gehen wirklich Wunschträume in Erfüllung.

Aber mir ist noch mehr aufgefallen. Deutsche Domains werden gefragt. Was hat das mit der Photokina zu tun? Der Grund liegt darin, dass die Internetangebote wachsen. Der einfache gute deutsche Domainname wird langsam als Orientierung für digitale Inhalte entdeckt. Und es gibt zunehmend Angebote für das Hosten und die Darstellung von Fotos. Das hat man ja in den letzten Jahren fast monopolhaft ganz wenigen Anbietern überlassen, die einfach aufgrund ihrer fast Alleinstellung auf dem deutschen Markt heute aus allen Nähten platzen. Da kommt jetzt Bewegung hinein. Im Englischen Raum gibt es diese Angebote schon länger. Jetzt kommen sie auch nach Deutschland.

Aber ich habe noch etwas entdeckt. Das Fotobuch ist weltweit ein Hoffnungsträger. Es ist ja auch nicht verkehrt, wenn es auch gedruckte Fotos gibt. In unendlichen Varianten werden sie angeboten. Und es ist ein weltweites Thema.

Da hat sich ja die Photokina anders entwickelt als prophezeit. Wenn man ein knappes Jahr zurückdenkt, dann wurde von „Insidern“ eher geschätzt, dass das Hauptthema der Photokina 2010 die DSLRs mir den schwenkbaren Monitoren sein werden. Das ist offenkundig nur bedingt der Fall.  Nun denn, das Spannende scheint ja zu sein, dass das Zurückholen einiger Klassiker in das digitale Zeitalter vielfach mehr Erfolg hat als Neues um jeden Preis. Und warum auch nicht? Die Menschen haben sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert nur die technischen Möglichkeiten wurden verändert. Insofern sind gelungene Klassiker gut, wie man mit der Olympus Pen ja schon gesehen hat. Aber offenkundig wird zunehmend den Herrstellern klar, dass das Display den Sucher doch nicht ersetzen kann. Eine kleine „Innovation“ war an einem Messestand ein Sucher für die Displays. Man setzt also auf das Kameradisplay einen Sucher, um dadurch zu gucken. Der Stand war umlagert. Das spricht wohl weniger für Kameras nur mit Display als vielmehr für gute optische und elektronische Sucher.

Ein Besuch auf der Photokina lohnt sich wirklich. Die Wege sind weit, aber es gibt so ziemlich alles, was mit Fotografie zu tun hat und vieles darüber hinaus.

Fuji bringt die Wunschkamera X100 mit eingebautem Sucher


Februar 2011:

Nun kommt die Fuji Anfang April 2010 laut Ankündigung. Der Preis wird mit 999 Euro UVP angegeben. Man hat dann eine Kamera mit Objektiv ohne Sonnenblende. Die Sonnenblende kostet noch einmal knapp 80 Euro UVP inklusive Adapterring. Zusätzlich gibt es dann noch eine Tasche für über 100 Euro UVP.

November 2010:

Mittlerweile gibt es eine Webseite zu diesem Thema, die die Technik und die Entwicklung zeigt: www.finepix-x100.com.

September 2010:

Ich traute meinen Augen kaum, als ich den Text las: „FUJIFILM kündigt Entwicklung der FINEPIX X100 an. Eine Premium-Kompaktkamera mit Hybrid-Optischem-Sucher, APS-C CMOS Sensor und Festbrennweite.

Kleve, 20. September 2010 – Profi-Fotografen und ambitionierte Amateure dürfen sich freuen: FUJIFILM entwickelt mit der FINEPIX X100 eine Premium-Kompaktkamera, die hinsichtlich der Bildqualität keine Wünsche mehr offen lässt. Die FINEPIX X100 ist eine Kompaktkamera der Extraklasse. Dafür sorgen der 12,3 Megapixel APS-C CMOS Sensor, das FUJINON Objektiv mit 23 mm (äquivalent zu 35 mm bei KB) Festbrennweite und der neu entwickelte Hybrid-Optische-Sucher. Die FINEPIX X100 wird ab Anfang 2011 im Handel erhältlich sein.

Viele Spiegelreflex-Fotografen möchten nicht immer ihr umfangreiches Kameraequipment mitnehmen, da es in vielen Situationen zu sperrig und zu schwer ist. Die FINEPIX X100 schließt diese Lücke perfekt. Sie bietet in einem kompakten Gehäuse eine brillante Bildqualität auf Spiegelreflex-Niveau und ist damit die ideale Ergänzung oder Alternative für anspruchsvolle Fotografen.
Bei der Entwicklung der FINEPIX X100 steht eine exzellente Bildqualität ganz eindeutig im Mittelpunkt, so dass die bestmögliche Kombination aus Objektiv und Sensor gewählt wurde. Das erstklassig vergüteteFUJINON Objektiv mit 23 mm Festbrennweite (äquivalent zu 35 mm bei KB) und der Lichtstärke F2 ist optimal auf den APS-C CMOS Sensor abgestimmt. Ergänzt wird dies durch den neu entwickelten EXR Prozessor, der sich durch eine Bildverarbeitungs-Technologie auszeichnet, die Maßstäbe setzt.

Hybrid-Optischer-Sucher – Kombination aus optischem und elektronischem Sucher
Der neu entwickelte und zum ersten Mal in einer Kamera eigesetzte Hybrid-Optische-Sucher der FINEPIX X100 verbindet die Präzision eines optischen mit der Funktionalität eines elektronischen Suchers. Der Invers-Galileische-Sucher verwendet nur reine Glaskomponenten mit extrem geringer Aberration und anstelle eines konventionellen Leuchtrahmens liegt ein LCD Element über dem Bild. Das kristallklare Sucherbild und die gestochen scharfe Einblendung des Leuchtrahmens mit unmittelbaren Informationen zur Aufnahme wird alle Fotografen begeistern. Für eine komfortable Vorschau und Wiedergabe kann jederzeit mit einem einzigen Knopfdruck auf das große LC-Display mit 1,44 Millionen Pixeln umgeschaltet werden. Je nach Motivsituation und den eigenen kreativen Bedürfnissen wird die optimale Darstellung ermöglicht.

Da digitale Kompaktkameras in den vergangenen Jahren immer schlanker und kleiner wurden, ist das Einfangen und Betrachten der Motive mittels großer, hochauflösender LCDs generelle Praxis geworden. Auf der anderen Seite ist das Fotografieren mit einem optischen Sucher für viele, insbesondere professionelle oder ambitionierte Fotografen immer noch die bevorzugte Methode. Der Hybrid-Optische-Sucher bietet eine Kombination der Vorteile  beider Welten: Die Traditionalisten erhalten ein klares und scharfes Sucherbild. Das elektronische Display ermöglicht die Einblendung von Informationen wie Belichtungszeit, Blende, Weißabgleich oderLichtempfindlichkeit.

Im „Optischer Sucher“-Modus zeigt der eingeblendete Leuchtrahmen im großzügigen Sucherbildfeld ganz genau den Aufnahmebereich an. Aufnahmeeinstellungen und andere Informationen werden automatisch mit der optimalen Helligkeit angezeigt. Im „Elektronischer Sucher“-Modus kann der Fotograf auf dem hochauflösenden LCD die Belichtung, Tiefenschärfe und den Weißabgleich kontrollieren und natürlich nach der Aufnahme die Ergebnisse sofort kontrollieren.

Optimal angepasster APS-C CMOS Sensor und EXR Prozessor
Der CMOS Sensor mit 12,3 Megapixeln im APS-C Format wurde speziell für die FINEPIX X100 angepasst. Dank einer optimierten Anordnung der Mikrolinsen können Lichtstrahlen genauer auf die Fotodioden treffen. Durch die Kombination aus Festbrennweite und optimiertem Sensor ist die Lichtempfindlichkeit 10-mal höher als bei herkömmlichen Kompaktkameras.* Dies führt zu einer außergewöhnlichen Bildqualität mit minimalem Rauschen. Schärfe und Helligkeit verbessern sich bis in die Randbereiche des Bildes.

Der in der FINEPIX X100 eingesetzte EXR Prozessor erzielt in Verbindung mit dem erstklassigen Objektiv sowie dem hochempfindlichen Sensor eine hohe Auflösung und verbessertLichtempfindlichkeit und Dynamikumfang. Außerdem sorgt der EXR Prozessor für eine deutlich schnellere Signalverarbeitung. Durch das schnelle Auslesen des CMOS Sensors wird zudem eine verbesserteAutofokus-Kontrolle mit einer gesteigerten AF-Geschwindigkeit ermöglicht.
*Im Vergleich zu früheren FUJIFILM Modellen.

Qualität ohne Kompromisse – FUJINON Objektiv mit 23 mm Festbrennweite
FUJIFILM hat sich bei der FINEPIX X100 für ein fest verbautes FUJINONObjektiv mit Festbrennweite entschieden, da diese Konfiguration eine maximale Bildqualität verspricht – von herausragender Auflösung und minimaler Aberration bis hin zu exzellenter Helligkeit in den Randbereichen des Bildes. Das hochwertig vergütete Objektiv aus derFUJINON Objektivschmiede garantiert eine erstklassige Abbildungsleistung.

Die ideale Brennweite für eine Vielzahl von Motiven bei gleichzeitig höchster Auflösung und Lichtstärke ist 23 mm (äquivalent zu 35 mm bei KB). Die Wahl der Lichtstärke 2 bei der Entwicklung des Objektivs garantiert nicht nur große Helligkeit und Kontrastempfindlichkeit, sondern erreicht auch eine maximale Kontrastempfindlichkeit mit einer um ein oder zwei Stufen geschlossenen Blende. Zusätzlich beinhaltet die Objektivkonstruktion eine 9-teilige Blende und einen eingebauten ND-Filter, was zu einer sehr ausgewogenen Objektivgröße beiträgt.

Mit der FINEPIX X100 sind Makroaufnahmen bis zu einer Distanz von 10 cm möglich. Unter voller Ausnutzung des großen APS-C  CMOS Sensors und der Lichtstärke (F2) können Objekte mit effektvoller Hintergrundunschärfe eingefangen werden.

Design-Highlight
Das Design der FINEPIX X100 ist inspiriert durch die Form klassischer Kameras. Die X100 vereint neueste technologische Innovationen in einem edlen Gehäuse, das Wertigkeit und Prestige ausstrahlt.
Das Gehäuse bietet eine optimale Balance von kompakten Abmessungen und anwenderfreundlicher Bedienbarkeit. Die Einstellmöglichkeiten an der Kamera sind gut durchdacht und erlauben dem Fotografen einen einfachen und schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen wie Blende, Belichtungszeit, ISO, etc. Dies erlaubt maximale Kreativität.

Die Premium-Qualität der FINEPIX X100 zeigt sich in jedem Detail. Das Gehäuse der X100 besteht aus einer widerstandsfähigen Magnesium-Legierung. Die oberen Bedienelemente sind aus massivem Metall. Durch die griffige, lederartige Oberfläche lässt sich die Kamera optimal halten.
Bei der FINEPIX X100 setzt FUJIFILM kompromisslos auf Qualität, die ein einziges Ziel hat: Die Freude am Fotografieren.

Weitere Informationen über die FUJIFILM Electronic Imaging Europe GmbH und über ihre Produkte finden Sie im Internet unter www.finepix.de. Änderung des Designs und der technischen Daten ohne Vorankündigung vorbehalten.“

Super!


Die Entwertung der Fotografie aushalten

FotostapelIch komme auf die Überschrift beim Lesen des Artikels „Die Entwertung der Fotografie aufhalten“ auf fotofeinkost.de von Frau Dr. Mettner. Dies geschieht ihrer Meinung nach durch den Druck und die Präsentation jenseits des Digitalen. Genau deshalb komme ich vom Aufhalten zum Aushalten.

Ich glaube, die Chance der Fotografie ist gerade das Aushalten der Entwertung. Denn um welche Entwertung geht es? Es ist doch nicht schlimm, dass es viel mehr Fotos gibt als früher. Es ist auch nicht schlimm, dass die Welt visueller geworden ist. Und seit der Abkehr der Fotografie von klaren Kriterien für gute Fotos (wie zum Beispiel noch bei Cartier-Bresson) ist die Beliebigkeit die entscheidende Kategorie geworden. Geld verdient man mit der „Simultanität des Sensationalistischen“ oder dem Handwerker-Fotografieren für Kataloge, Zeitschriften etc. Aber da die Konkurrenz größer wird, weil die Kameras fast allein fotografieren, werden die nächsten Jahre noch sehr viel mehr Leser als Reporter und Fotoisten hervorbringen. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis Zeitschriften wie jetzt schon Communities von Lesern erstellt und gedruckt werden.

Der Kuchen wird also kleiner und es werden neue Kuchen gebacken. Vielleicht ist der Fotograf der Zukunft so etwas wie früher ein Elektriker oder Werkzeugmacher, der heute ein Mecha-Troniker ist. Ich habe nicht umsonst den Begriff Pixeljournalist erfunden. Mit Pixeln umgehen, also damit Videos, Texte, Fotos und Webseiten etc. erstellen, das ist dann einer der neuen anspruchsvollen Berufe. Dabei muß man Software-Werkzeuge bedienen, Kommunikationstechniken beherrschen, Designfragen beantworten und Techniken erlernen. Das ist neu und das ist viel. Aber was ist daran schlimm, wenn der Fotograf der Zukunft seine digitalen Werke selber in Webseiten einbettet und daraus digitale Ausstellungen kreiert, die von viel mehr Menschen gesehen werden können als dies beim Besuch im Museum der Fall ist?

Die Menge an Fotos und an schönen Fotos wird größer. Fotografie wird wie Schreiben eine Tätigkeit bleiben, die benötigt wird. Wird sie durch die Menge entwertet? Ist dies im Internet durch die Texte geschehen? Ein Blick ins Internet zeigt, dass immer mehr Texte produziert werden. Ist dies eine Entwertung? Vielleicht kann man die Entwertung durch Popularisierung ersetzen, dann kann man das alles noch sehr viel besser „aushalten“.

Denn je mehr Fotos auf guten Internetadressen zu finden sind, desto populärer wird der Fotograf oder die Fotografin. Fotografinnen und Fotografen wird es wohl auch zukünftig geben. Die Welt ist flach und damit können wir weiter sehen und auch gesehen werden.

Kann denn Schulung Sünde sein?

SchulungenIch habe in diesem Jahr einige Seminare und Qualifizierungen besucht. Fast alle kosteten zwischen 500 und 1500 Euro plus Übernachtung. Es ging speziell um verschiedene Bereiche der Fotografie und des Filmens und anderer neuer technischer Verfahren.  Ich war gespannt und ich wurde meistens sehr enttäuscht.

Doch bevor ich weiter schreibe noch ein Hinweis: ich pauschaliere an dieser Stelle, weil ich nicht die Einzelfälle aufführen will. Vielmehr stelle ich mit meinen Erfahrungen meine Sicht der Dinge dar.  Auch wenn es wenige hören wollen. Kompetenz setzt Kompetenzen voraus, dazu gehört nicht sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Das Geheimnis für erfolgreiche Qualifizierungen hat neben dem Fachwissen zwei Namen, nämlich Didaktik und Methodik und das sind zwei Lernfächer, die man mehrere Semester früher studieren (= theoretisch erfassen und praktisch anwenden) mußte.

Ich fange mal ganz einfach an. Um erfolgreich zu qualifizieren, muss ich die biologischen Grundlagen des Lernens verstehen und als grundlegende Voraussetzung in Seminare einbauen. Dazu gehört eine vertiefte Auseinandersetzung mit den biologischen Grundlagen erfolgreichen Lernens und mit den erfolgreich praktizierten Voraussetzungen und Umsetzungen von Lern- und Arbeitstechniken. Dementsprechend muß das Seminar oder die Tagesschulung vom Ablauf her aufgebaut sein. Ich will hier grob unterscheiden zwischen drei Bereichen:

1.Planungskompetenz

Zuerst muß ich mir natürlich überlegen, was ich vermitteln will. Diese Frage muß beantwortet werden im Zusammenhang damit, wie Menschen lernen. Ich darf also nicht zu viel vermitteln, sondern muß mir anschauen, was ist in welcher Zeit vermittelbar (Didaktik) und mit welchen Methoden (Methodik). Da es unterschiedliche Lerntypen gibt, reicht es also nicht, einen Informationsblock rauszusuchen. Ich muß mir diesen Informationsblock anschauen und fragen, mit welchen verschiedenen Methoden vermittle ich diese Informationen, wieviel Zeit brauche ich dafür und wann wird dies wiederholt und vertieft. Und ebenso wichtig sind die Lernpausen, die biologisch und sozial erst den Lernerfolg ermöglichen. Und ich muß natürlich auch aufeinander aufbauende Inhalte haben.

2. Praxiskompetenz

Seminare sind für Dozentinnen/Dozenten sehr anstrengend, wenn sie so vorgehen. Der Vorteil in der Erwachsenenqualifizierung ist, dass es meistens  um Sachthemen geht. Damit sind wir aber immer noch nicht am Ende. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich durch verschiedene Moderationstechniken schneller oder langsamer eine Meinungsbildung oder auch gezielte Lernerfolgskontrollen einführen kann. Das ist übrigens auch deshalb so wichtig, weil eine gute Qualifizierung davon lebt, dass Teilnehmer und Dozenten merken, sie haben es geschafft oder sie müssen noch einmal eine Vertiefung einlegen. Damit wird eine wirksame Qualität gesichert. Die meisten Teilnehmer waren – zumindest in meinem Umfeld – damit immer sehr einverstanden, weil dies auch die Qualität des Dozenten zeigt. Und ich muß die Dinge vorbereiten. In einem Seminar sind Menschen mit einem zeitlich klar definierten Anfang und Ende zur Bearbeitung des Inhaltes. Daher muß ich bei Themen der Wissensvermittlung und der  Umsetzung die Dinge so weit wie möglich vorbereiten.

3. Sozialkompetenz

Hinzu kommt parallel das Wissen um gruppendynamische Prozesse. Weil Menschen allein anders reagieren als in Gruppen, muß ich einen Ton und einen Umgang finden, der die individuelle Lernerfahrung ermöglicht und zugleich ermöglicht, die Angst zu verlieren, sich nicht in der Gruppe zu blamieren. Und wenn ich Gruppen zusammenstellen sollte, dann geht dies auch nur, wenn diese vom Bauchgefühl her miteinander auskommen, sonst sorgt der „Bauch“ dafür, dass das Thema keine Rolle mehr spielt. Wichtig ist, dass ein Seminar einen erheblichen Einschnitt in das persönliche Leben des Einzelnen darstellt (seine biologischen und persönlichen Tagesabläufe, seine Gewohnheiten etc.) Daher muß dafür gesorgt werden, dass man in der Gruppe verbale und tatsächliche Einzelräume schafft (Fluchtdistanz, persönliche Aura etc. sind bei der Tisch- und Stuhlanordnung zu beachten etc.)

Eigene Erfahrungen

Nun komme ich zu ein paar Erfahrungen, die mich im Jahre 2010 zum Staunen brachten. So war ich in einem Seminar, das von morgens bis abends und danach zur Projektbearbeitung bis in die Nacht laufen sollte. Es wurden keine Pausen definiert, die Gruppen wurden ohne Absprache untereinander von den Dozenten festgelegt, die Projekte wurden nicht vorher festgelegt und die Möglichkeit zur Wissensvermittlung wurden auf ein tatsächliches Minimum reduziert. Es mag ja sein, dass viele Fotografen als Einzelkämpfer arbeiten und dabei oft den ganzen Tag auf Abruf oder bis zur nächsten Verwendung arbeiten. Aber dieses Verhalten im Tagesgeschäft hat in einer Seminarsituation nichts zu suchen.Ein solches Seminar ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, selbst wenn jeder „etwas“ mitnimmt. Da die Teilnehmer in der Regel keine Ahnung von den oben aufgeführten Voraussetzungen haben, ist es Pflicht, ihnen ein Seminar zu ermöglichen, welches die Anforderungen erfüllt und nicht ihre vorhandene Anspruch- und damit Erfolglosigkeit im Lernen noch unterstützt.

Eine andere Seminarsituation bezog sich auf die Vermittlung von Softwareinhalten. Egal ob es sich um Bildbearbeitung oder Videoschnitt handelt. Wenn ich Software in der Praxis vermittle, muß ich mehrfach kleine Projekte erfolgreich zu Ende bringen. Dazu gehört entsprechend Zeit zum Üben und auch entsprechende Pausen. Und am nächsten Tag muß ich das alles noch mal machen. So lernt man.

Da dieser Artikel nicht in einem Buch enden soll, werde ich es bei diesen Beispielen belassen. Mich hat aber erstaunt, wieviel Geld mit Seminaren „gemacht“ werden kann, die nur sehr wenig von den genannten Voraussetzungen erfüllen.

Dies zeigt dreierlei:

  1. Es gibt Bedarf an Qualifizerungen
  2. Fachwissen allein reicht nicht sondern kompetente Dozentinnen und Dozenten sind rar
  3. Nur wenige Teilnehmer haben einen echten Maßstab für gute Qualifizierungen (weil sie sich auf die „Fachleute“ verlassen)

Für mich ist es einfach eine Sünde, wenn Menschen sich für ein Seminar anmelden, viel Geld bezahlen und dann nicht klare Inhalte mit klaren Lernzielen vermittelt bekommen in einem klaren Zeitrahmen und mit für alle verbindlichen Bedingungen. Ich selbst habe bisher mit wechselnden Arbeitsbereichen seit 30 Jahren in der Erwachsenenbildung und als persönlicher Coach oder Berater gearbeitet und ich hätte nicht gedacht, dass man das oben dargestellte Wissen auch heute wieder neu einbringen muß. Aber vielleicht liegt darin eine Chance. Es gibt wieder mal viel zu tun.

Europäischer Monat der Fotografie Berlin 2010

Europäischer Monat der FotografieIn Berlin gibt es neue Fotoausstellungen. Kulturprojekte Berlin bittet um folgende Veröffentlichung:

„Berlin zum vierten Mal Gastgeber des Europäischen Monats der Fotografie
6 Wochen lang präsentiert sich Berlin im Herbst als Fotometropole und zeigt in der ganzen Stadt 150 Ausstellungen mit 500 internationalen Fotografinnen und Fotografen und mehr als 10.000 Motiven.
Die Berliner Ausgabe des Europäischen Monats der Fotografie (MdF) nimmt in ihrem vierten Jahr die atemberaubenden Neuigkeiten aus der Welt der visuellen Medien zum Anlass, nach der Rolle der Fotografie bei der Modernisierung unserer Lebenswelten zu fragen.
Unter dem Thema „Modernes Leben, Neue Bilder“ beteiligen sich am 4. MdF Berlin weit mehr als 100 Institutionen mit aufregenden Fotoausstellungen in ganz Berlin und Potsdam. Der Fotomonat bietet der internationalen Fotoszene und dem Publikum eine Plattform für Gespräche im Rahmen von Ausstellungen, Veranstaltungen, Symposien und Workshops.
Der Eröffnung in der Berlinischen Galerie mit dem europäischen Fotoprojekt „Mutations III“ am 14. Oktober folgen weitere Vernissagen. So beteiligen sich der Martin Gropius Bau mit einer großen Retrospektive zu László Moholy-Nagy und das Willy Brandt Haus zusammen mit dem Institut Français mit Ausstellungen anlässlich des 100. Geburtstages des legendären Pariser Fotografen Izis. Dem Pionier der Street Photography Garry Winogrand widmet Camera Work eine Präsentation. Peter Lindbergh ist bei C/O Berlin zu sehen, und Galerie Kicken zeigt Werke von Ed van der Elsken und Barbara Klemm. Von der Mikrofotografie bis zur Handykamera reicht das Spektrum an Fotoprojekten und Themen des diesjährigen Berliner Monats der Fotografie.
Im Fokus aller Ausstellungen befinden sich fotografische Positionen aus internatio-naler Perspektive, die großstädtische Lebensweisen aus drei Jahrhunderten einfangen und neue Blickwinkel auf die Stadt und die Moderne ermöglichen.
Auf fünf Feldern thematisiert der 4. MdF Berlin:
Großstädtische Lebensweisen
Modefotografie
Fotografie und Wissenschaft
Neue Bildwelten, neue Techniken
Bildung – Ausbildung – Wettbewerbe
Außerdem fasst die Rubrik „Zu Gast & kooptiert“ weitere Fotoausstellungen und Projekte zusammen, die in Berlin zu sehen sind.
Der 4. MdF Berlin 2010 wird am 14. Oktober um 19 Uhr in der Berlinischen Galerie eröffnet.

Veranstalter des MdF Berlin ist die Kulturprojekte Berlin GmbH.“

Pressefotos gibt es hier.

Grosse Magnum Ausstellung bei CO Berlin

Zehn Jahre CO-Berlin sind Anlass für eine tolle Ausstellung in Kooperation mit Magnum. Die Fotoagentur Magnum zeigt ihren Weg von Fotos für Tageszeitungen, über grosse Bilderstrecken bis zu digitalen Installationen und multimedialen Shows. Die Ausstellung zeigt Geschichte und Dynamik. Die Räume zeigen die Verbindung von alt und neu und vor allem zeigt CO-Berlin die Einbettung in die Gegenwart. Die Agentur Magnum ist nun mal etwas besonderes.

Aber Magnum zeigt gerade durch diese Ausstellung in meinen Augen auch „nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“ Und dadurch wird die Ausstellung zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der neuen Welt.

Ausstellungseröffnung Magnum bei CO BerlinNeben der großartigen Ausstellung hat CO-Berlin an diesen Tagen aber noch mehr zu bieten, nämlich die photography days. Dabei geht es an drei Tagen um fotografische Themen und am ersten Tag um nichts geringeres als die Zukunft des Fotojournalismus. Und dieser Tag mit seinen Diskussionen hat es in sich. Man spürt, dass alles im Umbruch ist. Thomas Hoepker ist Teilnehmer dieser Veranstaltung und zugleich einer der Fotografen, dessen Stärke die klassisch guten Fotos sind, also Fotos, die über den Nachrichtenwert hinausgehen – das Schwierigste überhaupt. Doch neben seinen fotografischen Fähigkeiten hat er auch den nüchternen und klaren Umgang mit der Wirklichkeit und es gelang ihm daher, auch hier durch seine wohlgesetzten Worte die Diskussion in den Köpfen voranzutreiben.
Man merkt, dass es sich um historische Veränderungen handelt. Nach der Erfindung des Buchdrucks wurden ganz viele Mönche „arbeitslos“, weil Bücher nicht mehr kopiert werden mussten. Es fielen auch Monopole. Heute ist die Parallelität von Druck und Digital vorhanden. Alte Bezahlsysteme funktionieren im Web nicht mehr, neue sind so einfach nicht umzusetzen. Es geht um die Definition einer neuen Welt und da kommt noch einiges auf uns zu, das wir beantworten müssen.

photography daysIch weiss nicht, ob es Stefan Erfurt und seinen Mitstreitern bewusst war als sie die photography days planten und die Ausstellung mit Magnum. Aber es ist symbolisch und gut. Denn Magnum entstand, weil die Arbeits- und Bezahlungsbedingungen für Cartier-Bresson, Capa und viele andere sehr schlecht waren. Sie brachten den Mut auf, Durststrecken durchzuhalten und für ihre Rechte neue Bezahl- und Vertriebswege zu entwickeln und in einem mehrjährigen Prozess zu etablieren. Und hier schliesst sich der Kreis. Die Geschichte von Magnum ist in meinen Augen die Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Fotojournalismus.  Es wird niemand kommen, der einem das Einbringen der eigenen Interessen abnimmt und es wird schwierig. Aber so war es immer schon und andere haben es auch geschafft.

Der Tod des Fotojournalismus und die Zeit danach

Perspektiven im Fotojournalismus

Perspektiven im Fotojournalismus

Es gab noch nie so viele preiswerte Möglichkeiten für gute Fotografinnen und Fotografen, um eine gute Fotoreportage zu machen. Das Internet ist billig und einigermassen demokratisch, die Globalisierung ist weltumspannend und die digitale Fotografie hat die Chance der massenhaften Verbreitung von Bildern wesentlich erhöht. Und doch steckt da irgendwas fest.

Früher hat man im deutschsprachigen Raum im Spiegel, dann im Focus und einigen Tageszeitungen wie FAZ oder Süddeutsche oder Frankfurter Rundschau oder TAZ gelesen und dort zum Teil Fotoreportagen gesehen, die Tagesthema wurden. Dann kamen die Magazine, allen voran National Geographic und GEO, und ermöglichten und ermöglichen bis heute wunderbare Reportagen mit guten Fotos.

Aber irgendwie spielt das keine Rolle mehr. Die Digitalisierung führt durch die Zunahme der Medien zu einem absoluten Verlust an Öffentlichkeit. In meinen Augen gibt es im bürgerlichen Sinn gar keine Öffentlicheit mehr für die man etwas produziert.

„Ich werde beobachtet, also bin ich.“ Der Hinweis von Thomas Miessgang auf diesen Satz von Stefan Römer als neue Haltung des Normalverbrauchers scheint mir das wesentlichste Kennzeichen dieser Situation zu sein. „Die Penetration öffentlicher und privater Sphären durch immer zielgenauer agierende mediale Projektoren… hat dazu geführt, dass der Karneval der Waren und Sensationen nicht der Ausnahmezustand ist, sondern ein Hochamt sinnbefreiter Permanenz.“ Es gilt die „Simultanität des Sensationalistischen. Man hat ständig das Gefühl, zu spät zu kommen, etwas zu versäumen, den Ereignissen hinterherzuhecheln.“ Diese Beschreibung von Miessgang in dem Buch „Das Prinzip Prominenz. Superstars von Warhol bis Madonna“ zeigt unsere neue Wirklichkeit.

Und die Folge davon ist für guten Fotojournalismus ganz einfach: wer soll sich die denn angucken und was soll daraus denn folgen? Wenn wir Blicke auf die Welt werfen, wer soll da tätig werden? Die Öffentlichkeit? – Welche? Die Staatsanwaltschaft? Die Massenmedien?

James Nachtwey hat mal gesagt „Die Stärke der Fotografie liegt darin, ein Gefühl für Humanität zu wecken.“ Aber Fotos selbst ändern nichts. Sie können über etwas informieren und als Reportage eben journalistisch aufbereitet einen Zusammenhang darstellen.

Und dann käme die Presse als Öffentlichkeit dran. Das Bild von der Presse als vierte Gewalt im Staat ist gut aber im Wesentlichen offenkundig überholt. Das war die Zeit der relevanten Reportagen. Das ist jetzt anders. Heute kann jeder über alles eine Fotoreportage machen, aber es kommt nicht mehr darauf an, weil es keine vierte Gewalt mehr gibt.

Ursache und Wirkung bedingen einander, auch in diesem Fall. Und es geht noch weiter. Es gibt Fotografen, die fotografieren Fabriken in China – von innen. Dadurch erhält die Welt Einblicke in diese Welt (ich meine dies wertneutral). Auf einer Veranstaltung wurde einer dieser Fotografen gefragt, von wem er denn die Erlaubnis erhalten habe. Die Antwort war bemerkenswert: „Von der chinesischen Verwaltung für eine chinesische Firma, amerikanische Firmen in China erlauben dies nicht.“ Da beginnt dann langsam die Umwertung der Pressefreiheit, wenn dies auch nur halbwegs stimmt.

Wir werden im Rahmen der Globalisierung noch manche Werte in einer neuen Welt neu definieren müssen. Das Recht auf das eigene Bild ist einerseits wichtig, andererseits bei jeder Kamera ausser kraft gesetzt. So gibt es selbst im alltäglichen Leben Parallelwelten, die widersprüchlicher nicht sein könnten.

Sascha Rheker hat in einem wunderbaren Artikel darauf hingewiesen, dass Neil Burgess den Tod des Fotojournalismus endgültig festgestellt hat. Er führt aus: „Denn Photojournalismus ist das ganze nur, wenn es auch zu diesem Zweck produziert wird, es von jemandem aus der Medienbranche finanziert wird und wenn es in einer Zeitung oder einem Magazin publiziert wird. Das Photographen „Photoreportagen“ als Kunstprojekte, für Hilfsorganisationen, Firmen, Stiftungen, sich selbst oder ganz andere produzieren ist kein Photojournalismus. Genausowenig wie die Illustrationsphotographien die für Artikel produziert werden oder das Photographieren auf Terminen, bei denen Inszenierungen abgelichtet werden, statt Geschichten zu erzählen, die man sich selbst ausgesucht hat.

Burgess macht das alles zum Beispiel auch daran deutlich, daß von den sieben britischen Photographen die in diesem Jahr etwas beim World Press Photo gewonnen haben, nicht einer von der britischen Medienbranche finanziert gearbeitet hat.“

Das spielt aber  in einer Gesellschaft ohne Öffentlichkeit keine Rolle. Es ist schon gut, dass es jemand aufgefallen ist. Aber es kommt eben nicht mehr darauf an. Die Gegenwartsgesellschaft ist auch vorstellbar ohne Fotojournalismus. Es gibt dann eben Fotoreportagen ohne Fotojournalismus. Für den World Press Award reicht es dann offenkundig trotzdem noch. Daher ist es eher ein Problem des Berufes der Fotoreporter und nicht der Gesellschaft

Die journalistische Aufbereitung von Inhalten wird eher zunehmen. Heute senden im Fernsehen schon viele Sender überwiegend (?) aufbereitete Inhalte aus dem Internet garniert mit Werbung. Nachrichten sind dann reduziert auf die Nachricht und weniger auf den Zusammenhang.

Es gibt Untersuchungen zur Lage der Fotojournalisten von verschiedenen Verbänden und an  verschiedenen Stellen . Dies zeigt aber auch alte neue Wahrheiten, nämlich dass die neue Realität neue Anforderungen an die Berichterstattung stellt, wenn man konkurrenzfähig sein will: Interview, Tonsammlung, Fotos und Video werden zukünftig von einer Person erstellt werden müssen.

Daher kommen auf den Pixeljournalisten der Zukunft neue Anforderungen zu. Er muss nicht mehr in erster Linie fotografieren müssen, er/sie muss in der Lage sein, mit Menschen zu sprechen, auf andere zuzugehen, um damit Videos zu erstellen. Es wird wohl nur darauf ankommen, ob er/sie das Material dann auch zum Film verarbeitet oder nur das Rohmaterial abliefert. Ich vermute, die Online-Anbieter wollen eher das Rohmaterial, weil sie dann in die Videos dauerhafte Werbeblöcke schneiden können. Den Journalisten wird dies auch gefallen, weil das Erstellen eines Videos relativ zeitaufwendig ist und Film schneiden oder Cuttern eben doch anders ist. Aber ob dies den Interviewten gefallen wird ist eine andere Frage, die ich mir aber nicht zum Problem mache. Und wenn daran alle verdienen und der Werbekunde zufrieden ist, dann haben alle den Sprung in die neue Welt geschafft.

Bis dahin eine gute Zeit …

Fotoherapie – denn Fotos können helfen

Fototherapie im Krankenhaus

Martin Schuster hat in seinem Buch Fotos sehen, verstehen, gestalten. Eine Psychologie der Fotografie die Idee der Fototherapie aufgegriffen.

Ich habe diese schon seit einigen Jahren zur Visualisierung der eigenen Lebenszeit empfohlen. Damit man lernt bewusster im Alltag zu leben.

Diese Grundidee habe ich nunmehr verändert, um eine schwierige Lebenssituation für alle Beteiligten besser erträglich zu machen. Es geht um Fototherapie im Krankenhaus.

Voraussetzung für diese Therapieform ist in diesem Fall die absolute Vertrautheit und Verpflichtung der Beteiligten, die Fotos der betroffenen Person zu überlassen und nirgendwo sonst zu benutzen, das Einverständnis der Beteiligten und der Wunsch des Patienten, dies ausdrücklich zu wollen und nicht nur zuzulassen Unter diesen Bedingungen geht es darum, die Fototherapie zu benutzen, um mit dem Krankenhausaufenthalt besser umzugehen.

Spielregeln vorher festlegen mit allen Beteiligten

Wichtigste Spielregel ist, immer zu fotografieren ohne den Gedanken zu haben, das sei peinlich oder das macht man nicht.

Die verlässliche Regel muss lauten: immer fotografieren in den festgelegten Grenzen. Dies muss im Vorfeld den behandelnden Ärzten mitgeteilt werden und diese müssen im Falle einer Operation auch gebeten werden, vor, während und nach der Operation von den betroffenen Organen und Wunden Fotos zu machen.

Der Sinn dabei ist, erstens Ängste abzubauen und zweitens Situationsbewältigung, um situationsgerecht und dadurch besser vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt damit umgehen zu können und nicht in einem kleinen Johari-Fenster zu landen.

Der Patient spürt die Schmerzen, der Arzt sieht die Wunde

Der Patient erinnert sich nur an das, was er ohne Betäubungsmittel wahrnimmt, welche Gefühle er hatte, welche Schmerzen und welche Probleme. Er/sie kann die Situation nicht entsprechend erfassen. Die Angehörigen sind natürlich ebenso emotional beteiligt und wollen in solchen Situationen etwas tun, wissen aber natürlich nicht was. Die Ärzte sind oft reduziert auf die fachliche Seite und wissen natürlich auch nicht, wie sie mit Patienten über die Situation sprechen sollen. Für sie selbst ist es normal, für den Patienten eine absolute angstbesetzte Ausnahmesituation.

Fototherapie im Selbstversuch

Da es natürlich schwierig ist, dies mit anderen zu praktizieren, habe ich situationsbedingt einen Selbstversuch unternommen. Die Umstände der Krankheit sind hier weniger interessant, nur soviel, es war eine mittelschwere Operation.

Rückblickend kann ich feststellen, dass der Zwang zum Fotografieren von der Aufnahme im Krankenhaus über die Blutabnahme, das Anziehen der Strümpfe bis zur Verabschiedung der Angehörigen vor der OP dazu führte, dass alle Beteiligten inklusive der Schwestern nach 5 Minuten sehr locker wurden und mit der Situation wesentlich gelöster umgingen.

Die Ärzte konnten mir nach der Operation in aller Ruhe die Fotos zeigen und mir erklären, wie die Operation verlaufen ist, wie es aussah und sie konnten auch meine Angehörigen entsprechend gut informieren. Man merkte auch den Ärztinnen und Ärzten an wieviel entspannter diese Situation für sie selbst war.

Ich selbst habe tagelang ziemlich wenig von mir mitbekommen. Doch auch ich fotografierte mich munter weiter in allen möglichen Krankenhaussituationen – ausser beim Pinkeln. Man muss auch Grenzen formulieren beim Fotografieren.

Selbstwahrnehmung war ganz anders

Als ich die Fotos von mir dann nach dem Krankenhausaufenthalt zu Hause in Ruhe anschauen konnte, bemerkte ich, wie sich meine Sicht völlig veränderte. Aus der Situation des Betroffenen wurde eine immer mehr sich differenzierende Auseinandersetzung, die mir gut tat.

Bei vielen Fotos spürte ich noch mal den Schmerz, hatte die Situation auch völlig anders in Erinnerung und war regelrecht erstaunt, dass mein gespeicherter emotionaler Eindruck überhaupt nicht mit der tatsächlich aufgenommenen Situation übereinstimmte. Es war einfach gut.

Bessere Bewältigung

Ich kann für mich diesen Selbstversuch positiv beenden. Insgesamt konnte ich die Situation auch rückblickend wesentlich besser bewältigen und als Teil meines Lebens bewusst wahrnehmen und integrieren.

Fototherapie als Chance

Abschliessen möchte ich mit einigen Schilderungen, die zeigen, was man mit der Fototherapie noch alles machen kann.

In der emotion Nr. 1 2008 wird ein Projekt Kalenderfrauen beschrieben. Die Schauspiellehrerin Marlene Beck entwickelte mit der Fotografin Barbara Schöning einen Kalender mit ganz normalen Frauen, die als Aktmodelle zur Verfügung standen. Annette, eines der Modelle, sagt dazu: „Erst kostete das Posieren Überwindung. .. Das Projekt … hat mich sehr bestärkt, ich stehe jetzt mehr zu meinem Körper.“

In dem Buch Playboy Helmut Newton schildert Gary Cole den Fotografen. Dort schreibt er: „Seltsam, aber typisch für die beiden, dass Alice ein Photo von sich und Helmut machte, als er nach seinem Unfall sterbend auf einem Tisch in der Notaufnahme lag; in der einen Hand hält sie seinen Kopf, in der anderen die Kamera. Helmut hatte Jahre zuvor einen schweren Herzinfarkt, den er beinahe nicht überlebt hätte. Er photographierte sich durch das ganze Schlamassel hindurch, als er mit Nadeln in den Armen an Monitore angeschlossen war.“

In der National Geographic Deutschland vom März 2007 wird ein Uganda-Fotocamp dargestellt, welches u. a. Fotografen dieses Magazins organisierten. Als Hilfe gegen die erlebten Schrecken. „Bilder erleichtern das Sprechen, das Verarbeiten von Leid. Wir wollten mit dem Projekt den Heilprozess beschleunigen, sagt Ed Kashi.“

Es sind allein diese drei Ansätze, die zeigen, dass Fotos zu einem neuen Verständnis von sich, von anderen und der Welt führen können. Ich plädiere daher mit Nachdruck für den Ansatz der Fototherapie. In diesem Sinne wünsche ich viel Erfolg.

Nachtrag:

Ein weiteres Beispiel finden Sie hier.