Michael Mahlke

Wie man die richtige Kamera findet und nicht zu viel bezahlt

Designessen oder einfache Schnitte? - Foto: Michael Mahlke

Ein persönlicher Blick auf die nächste Zeit im Konsumerbereich (private Endkunden)

Das Jahr wirft große Schatten voraus. Es wird ein Feuerwerk an „neuen“ Kameras geben. Dabei ist vielfach „neu“ ein anderes Design wie bisher, in der Software ein neues Feature (Element) und ein bisschen was auf dem Chip, das vielfach praktisch so gut wie irrelevant ist. Es macht daher auch keinen Sinn, möglichst viele Kameras hier zu testen. Denn die Aussagekraft von Tests ist oft viel zu gering. Daher will ich hier ein paar Gedanken vorstellen, die man immer nutzen kann, um im Angesicht überquellender Fotoläden zu der Kamera zu kommen, die man wirklich haben will.

Was ist „neu“?

„Neu“ ist semantisch (inhaltlich) sehr oft falsch besetzt.

Ein Beispiel: Bis vor kurzem hatten viele Kameras einen vernünftigen Handgriff, so dass man sie gut halten konnte. Heute sind die meisten „neuen“ Kameras so flach und ohne Handgriff, dass man sie nicht mal mehr richtig anpacken kann. „Neu“ ist eben oft nicht besser wie allein dieses kleine Beispiel zeigt.

Wieviel Kamera ist überhaupt möglich?

Wenn ich eine fast beliebige kleine Kompaktkamera mit einer Vollformatkamera vergleiche – z.B. hier – dann sehe ich, dass bei niedrigen ISO bis ca. 200 so gut wie überhaupt kein sichtbarer Unterschied auf den Fotos zu finden ist. Natürlich kann ich dann sagen, ich will eine Kamera, die besser ist als das menschliche Auge – aber was bringt mir das?

Hinzu kommen die vielfachen Beschränkungen des Menschen durch die Vorgaben der Biologie, Natur und Technik.

Die 500 Euro-Grenze

Wenn man nun schaut, wie sich die Kamerapreise entwickelt haben, dann wird deutlich, dass es Relationen gibt zwischen Preis und Leistung in der Fotografie. Nehmen wir als Beispiel die D3100 von Nikon, die ja auch bei den Verkaufszahlen je nach Region sehr weit oben liegt. Mir gefällt die Kamera auch sehr gut und sie hat durch ihren grossen Chip und ihr Handling im Prinzip alles, was man bei einer Kamera mit gutem und schlechtem Licht braucht. Sie liegt mit Objektiv ungefähr um die 500 Euro. Und sie überschreitet schon vielfach die Möglichkeiten des menschlichen Auges und der Darstellung am PC und beim Druck.

Wenn man diese Kamera und ihre Technik als Optimum im Verhältnis von Geld und Leistung im Bereich der Fotografie sieht, dann kann man von dort gut Relationen bilden.

Theoretisch müssten Kameras, die teurer sind, auch technisch besser sein. Aber viele sind ja wohl eher nur vom Design anders. Natürlich gibt es auch technisch bessere Kameras. Die Frage ist dann nur, wieviel Preisdifferenz macht Sinn für wieviel Mehrwert. Denn es geht ja nicht um die Kamera, die am Nordpol einsatzbereit ist, sondern unterwegs in der Stadt und auf der Strasse.

Daraus schließe ich: So kommt wie in der Mode, neudeutsch Fashion, der Preis wohl weniger wegen der Technik sondern mehr wegen des Designs zustande. Wieviel Aufpreis ist Ihnen denn Design wert?

Wenn wir bei Nikon bleiben und uns nur die J1 und V1 anschauen, dann frage ich mich, wieso diese Kameras mehr kosten als die D3100. Fotografisch betrachtet müssten sie eigentlich zwischen 200 und 400 Euro kosten mit Objektiv – maximal.

Ähnlich interessant wird es dann bei den Systemkameras. Sie sind teilweise sehr hochpreisig, aber warum eigentlich? Welchen fotografischen Nutzen haben sie, der dies alles rechtfertigt? Und wieso kostet eine Systemkamera mehr als eine D3100? Offenkundig geht es auch hier ums Design und den Wunsch, Neues zu haben, das anders ist.

  • Nehmen wir als Beispiel die  Powershot G1X von Canon. Ist sie mehr als 500 Euro wert? Natürlich kann man, weil sie neu ist, für das Neue einen Aufpreis zahlen – wenn man will. Aber verglichen mit fotografischen Kriterien wäre zu fragen, welchen Mehrwert sie gegenüber der D3100 hat?
  • Oder nehmen Sie die Fuji X-Pro 1? Ist sie diesen hohen Preis wert? Was hat sie so besonderes, dass ein Preis jenseits aller Systemkameras und semiprofessioneller DSLRs definiert wird?
  • Das wird spannend. Angeblich soll Olympus eine digitale OM-D auf den Markt bringen mit eingebautem elektronischem Sucher. Wieviel wird diese Kamera kosten? Wenn wir auf die D3100 oder die Panasonic G3 schauen, dann dürfte diese Kamera nicht mehr als maximal 550 Euro mit Objektiv auf der Strasse kosten.

Es hilft ungemein, mit diesem Raster über Preise und Wünsche zu sprechen. Wenn Geld aber keine Rolle spielen sollte, dann ist dies alles hier natürlich irrelevant.

Die 100 Euro-Grenze bei Kompaktkameras

Dieselbe Entwicklung unter umgekehrten Vorzeichen gibt es bei Kompaktkameras. Bei Canon gibt es aktuell für ca. 80 Euro die Canon Powershot A1200. Die Kamera hat einen optischen Sucher, der mitzoomt und die Kamera hat praktisch alles ausser einem optischen Bildstabilisator.

Darauf will ich noch etwas eingehen. Den Bildstabilisator hatte bis vor zehn Jahren so gut wie keine Kamera und dieser kann auch nur bei langsamen Belichtungszeiten mit unbeweglichen Motiven helfen. Dafür könnte man in diesem Fall auch ein Ministativ nehmen. Aber wenn man mit der Powershot A1200 bei Sonne Fotos aufnimmt, dann sind in der Regel die Belichtungszeiten ja auch besonders kurz. Und da hat diese kleine und preiswerte Kamera eben etwas, das fast keine andere Kompaktkamera hat: den optischen Sucher, der auch bei Sonne echten Durchblick erlaubt.

Die Kamera macht gute Fotos fürs Web und reicht für kleine Ausdrucke (in Relation zu einem kleinen Sensor). Und bei niedrigen ISO gibt es wohl überhaupt keine Probleme in der Praxis.

Wenn man nun diese Kompaktkamera ebenfalls als Massstab nimmt und sich dann fragt, wieso andere Kompaktkameras bis zu 300 oder sogar 500 Euro kosten, dann ist die Beschäftigung mit der Frage, wofür soll ich denn mehr bezahlen, hochinteressant.

Versuchen Sie mal, darauf eine fotografisch substanzielle Antwort zu erhalten. Das hilft sehr bei der Auswahl der richtigen Kamera.

Der Trend

Offenkundig bezahlen wir mehr, weil es neu ist. Aber wie gesagt, neu ist meistens nicht besser – zumindest in der Fotografie aufgrund meiner eigenen Erfahrungen. Machen Sie sich einfach klar, sie bezahlen nur dafür, dass sie digitale Fotos erhalten. Und die sind von kleinen bis grossen Kameras heute schon in einer Qualität, die den normalen Nutzen vielfach überschreitet.

Umgekehrt will ich aber nicht die sozialen Unterschiede einebnen oder die professionellen Werkzeuge kleinreden. Da es hier aber um Konsumerprodukte geht (im Vergleich die Autoklassen von Golf und Twingo sozusagen), wäre dies ein anderes Thema.

Text Version 1.1

Die Kunst und die Revolution sind das Werk von Amateuren oder warum die Gedanken von Dieter Hacker so aktuell sind

Ein Blick auf die Gedanken von Dieter Hacker – Foto: Michael Mahlke

Kennen Sie Dieter Hacker?

Ich kannte ihn auch nicht. Aber als ich mein Projekt Zeitgeist-Fotografie vorgestellt hatte, stieß ich Wochen danach auf einen Text. Und der war von Dieter Hacker aus dem Jahre 1974. Damit nicht genug. Er nahm 1982 an der Ausstellung Zeitgeist teil, las ich in der Wikipedia.

Zeitgeist? Genau!

Wieso holt mein Ansatz zur aktuellen Zeitgeist-Fotografie die Vergangenheit in die Gegenwart und landet bei Dieter Hacker?

Da fragt man sich dann, ob es eine Synchronizität der Ereignisse gibt oder alles nur Zufall ist.

In dem ca. 1300 Seiten dicken Werk aus dem Schirmer-Mosel Verlag zur Theorie der Fotografie gibt es ein paar wenige Seiten mit dem Text von Dieter Hacker über „Profis und Amateure“.

Der Profi

Dort lesen wir zum Beispiel: „Der Fotograf nimmt Stellung zur Wirklichkeit, wie sie ihm erscheint. Der Blick des Professional auf die Wirklichkeit gleicht dem der Nutte auf den Kunden. Er sucht sie nach Ausbeutungsmöglichkeiten ab. Der Profi steht immer zu Diensten. Aber nicht jedem. Selber ein charakteristisches Produkt unserer Gesellschaft, stellt er seine Fähigkeiten dem Teil der Gesellschaft zur Verfügung, der die Normen bestimmt. Da findet er das Geld und die Anerkennung.“

Der Amateur

Aber das ist noch nicht alles. An anderer Stelle in dem Text „Profis und Amateure“ von 1974 heisst es: „Der Amateur liebt seine Arbeit. Dieses Verhältnis zu seiner Arbeit hat für ihn viele Konsequenzen. Denn unsere Gesellschaft honoriert nicht, was wir lieben, sondern was wir für ihren Fortbestand leisten. Die Arbeit des Amateurs gilt wenig. Da er seine Arbeit macht, um ein persönliches Bedürfnis zu befriedigen, bleibt er in der Regel auch der wichtigste Nutznießer seiner Arbeit… Der Amateur ist für die Industriegesellschaft nur interessant, sofern man mit ihm Geschäfte machen kann. Beim Fotoamateur ist das so. Unermüdlich und mit Hilfe von Werbeanzeigen, Großplakaten, Fotomagazinen, Fotoausstellungen, Fotobüchern und Sondereinlagen der illustrierten Zeitungen werden die Leute zum Fotografieren angeregt.“

Revolution und Kunst

Und dann kommt das Geheimnis der Kunst und der Revolution: „Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat der Amateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was dem Berufskünstler kaum gelingt, nämlich die Realisation seiner Intentionen; was ihm deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem wahren Charakter des Kunstwerkes Zwänge ergeben, denen er sich schwer entziehen kann, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Amateurarbeit nicht leben.

Amateurarbeit, die sich von ihrer Fixierung an die Arbeit der Profis befreit, könnte eine Ahnung davon vermitteln, was nicht entfremdete Arbeit ist und so eine wichtige Utopiefunktion erfüllen. Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.“

Knapp 40 Jahre später

Dass man bei der Beschäftigung mit der Theorie und Praxis der Fotografie auf solche Gedanken stößt, ist schon bemerkenswert. Wie aktuell sind diese Gedanken und wie aktuell ist seine Bestandsaufnahme der damaligen Realität von Profis und Amateuren?

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, dann kann man eigentlich nur feststellen, dass die Feststellungen von 1974 seitdem ausgebaut und verfeinert worden sind.

Die Wahrnehmung der Wirklichkeit hat durch die Massenmedien eine Veränderung erfahren.

Wahr und wirklich?

Wahr ist nicht mehr, was wirklich ist, sondern vielfach in der Wahrnehmung nur das, was medial vermittelt wird. Die digitale Dimension kam hinzu, zur Zeit als Chance und Risiko.

Die Schlüsselrolle

Aber die Rolle des Amateurs?

Das ist die Schlüsselrolle in diesem Text, der natürlich viel länger und ausführlicher ist als hier durch drei Zitate dargestellt werden kann.

Doch  meine Fokussierung auf die Themen Profi, Amateur und Fotokunst ist das Dreieck der Debatte, um die es in Theorie und Praxis geht.

Die Rolle der Dokumentarfotografie

Da hinein gehört auch die Frage nach der Dokumentarfotografie. Sind Amateure die eigentlichen Dokumentarfotografen? Mir scheint es fast so. Denn mit Dokumentarfotografie läßt sich kaum Geld verdienen.

Die Themen gestalteter Dokumentarfotografie halten oft eine Wirklichkeit fest, die selbst von den Beteiligten entweder anders wahrgenommen wird oder oft lieber anders gesehen wird.

Und es sind nicht nur die Themen der Mächtigen sondern auch der Ohnmächtigen. Ist Dokumentarfotografie Geschichte von unten? Wenn, dann sicherlich nur zum Teil.

Aber genau daraus erwachsen die Dinge, die heute wichtiger werden.

Denn Liebe, Leidenschaft und Lebenszeit sind Eigenschaften, die die Arbeit der Amateure auszeichnen, nicht die der Profis. Und daraus erwächst fotografisch und individuell der Geist, der Hoffnung schafft.

So landen wir mitten im Thema Fotografie ganz plötzlich bei Grundfragen, die uns aktuell alle angehen.

Da bekommt der Satz „Wer fotografiert, hat mehr vom Leben“ eine völlig neue Bedeutung.

Die wachsende Bedeutung der Amateure

Weil zudem Fotokunst immer wichtiger wird als verkaufbares Produkt, wird die Bedeutung der Amateure zunehmen für Fotos und Fotokunst – in der Kunst und als Kunden der Fotoindustrie.

Und auch hier bemerken wir, dass die Produzenten der Ware Fotokunst versuchen, sich als Profis dieser Szene von den Amateuren abzugrenzen. So beginnt eine weitere Drehung mit denselben Mechanismen.

Und deshalb scheint es so zu sein, dass die Zukunft der Fotografie und die Zukunft der Welt nur von Amateuren gestaltet werden kann – und nicht von Profis, oder?

Kostenloses Ebook zur Streetphotography mit Kompaktkameras

Foto: Michael Mahlke

Gute Fotos

Strassenfotografie verbreitet sich immer mehr, je mehr Kameras es gibt. Und die meisten fotografieren mit Kompaktkameras oder Handys. Diese sind technisch begrenzt aber fast überall dabei. Daher sind folgende Fragen wichtig:

  • Wie kann ich mit einer kleinen Kompaktkamera gute Strassenfotos machen?
  • Wie fotografiere ich, um die Situation treffend einzufangen und trotzdem die Persönlichkeitsrechte zu achten?
  • Wie gestalte ich die vorhandenen Farben, d.h. welchen Bildausschnitt mit welchen vorhandenen Farben wähle ich?

Streetphotography findet im 21. Jhrdt. meistens mit Farbfotos statt. Bei Farbfotos muß man aber die Farbe auch einsetzen als Mittel zur Gestaltung.

Und deshalb finden Sie in dem kostenlosen Ebook-PDF  Beispiele für gute Strassenfotografie mit Kompaktkameras im 21. Jahrhundert.

Und Sie finden in dem Ebook zugleich diese Fotos als Beispiele, die zeigen, wie man Farbe „gezielt“ einsetzt, um die Bildaussage herbeizuführen oder zu unterstreichen.

Bitte denken Sie daran, dass es sich in allen Fällen um ungestellte und nicht geplante Beispiele aus dem echten Leben handelt.

Qualität ist teilweise messbar

„Gute“ Streetphotography mit Kompaktkameras entspricht nicht komplett den 5 Sterne-Qualitätskriterien, die ich für klassische Strassenfotografie entwickelt habe. Dort ging ich von größeren Sensoren und Schwarzweißfotografie aus.

Man kann bei Kompaktkameras und Minisensoren nicht richtig mit Bokeh arbeiten und man muss die Farbe als eigenes Gestaltungsmittel sehen. Insofern ist hier noch Raum für Entwicklung.

Das Kriterium farbige Gestaltung hängt u.a. davon ab, ob ich die Situation in ihrer Zufälligkeit mit den vorhandenen Farben entsprechend aufgenommen habe, wenn sie sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen, wie das Foto „Partnerlook“ mit dem Mann und dem Hund zeigt. Das ist die „Gestaltung“, die in diesem Fall möglich ist.

Es kommt darauf an, ob der Schwerpunkt der Aussage bei einem Foto auf den Farben liegt oder ob der Schwerpunkt z.B. auf dem Blick liegt, wie ich dies bei dem Foto „Blick – view“ mit den unterschiedlich angezogenen Menschen gezeigt habe. Das Foto wäre in Schwarzweiss noch besser, weil der Blick noch mehr betont würde. Aber es zeigt sehr gut die Grenze auf zwischen Farbe und Struktur und dient daher als Beispiel.

Das Ebook können Sie kostenlos hier runterladen.

Noch ein persönlicher Hinweis zum Adjektiv „gut“. Ich halte mich mit Wertungen eigentlich zurück. Und gerade bei der Fotografie ist es ja schwierig. Für mich gibt es Kriterien, die man festlegen kann und dann kann man sich daran messen. Sind sie erfüllt, dann ist es „gut“. Aber heute gibt es ja ununterbrochen fast nur noch die „Besten“, die „Größten“, die „Aktuellsten“ ichweissnichtwas und wenn man sich das anschaut, dann denke ich mir oft, na ja. Ich halte es da mit Diogenes, der immer zu fragen pflegte „im Vergleich wozu?“. Also nehmen sie die Wertung nicht so ernst, sondern blicken sie darauf und nutzen sie dies alles zur Bildung einer eigenen Meinung. Dann wäre es „gut“.

Neues Ebook mit vielen praktischen Beispielen

Man kann Streetphotography auch künstlerischer gestalten.

Wie das geht zeige ich in einem anderen kostenlosen Ebook (pdf) mit dem Titel Colours of Cologne – Streetfotografie als visuelle Poesie.

Der neue Luxus: gute Fotografie

Fotokunst – Foto: Michael Mahlke

Digital kann jeder

Digitale Fotos kann jeder machen. Dafür braucht es nur ein Handy oder eine von Millionen kleiner Kompaktkameras. Mehr nicht. Und die meisten sind mit ihrer Art von Foto auch zufrieden.

Eine sehr interessante Debatte gibt es gerade zum Thema Kindergartenfotografie. Sehr viele Kommentare und die Autorin dort beschreiben, dass die Eltern lieber ihre Kinder adrett aufgestellt fotografieren lassen wollen für kleines Geld, statt die individuellen Fotos der Fotografin für mehr Geld zu nutzen.

Der Artikel ist ein schönes Beispiel für den Umbruch im Bereich der Digitalfotografie. Heute kann jeder digitale Fotos machen. Das ist der entscheidende Unterschied zu früher. Wer damit Geld verdienen will, der  hat damit seine Probleme.

Ein Foto ist heute nur noch einen Knopfdruck entfernt und Teil der meisten Handys. Und wer eine Kamera nimmt, der ist meistens fotografisch noch etwas selbstbewußter.

Der Preisverfall ist da – zum Teil

Der Preisverfall beim Erstellen von Fotos ist in vielen Bereichen da.  Das sind aber meistens auch Arbeitsfelder, die quasi jeder mit einer Kamera erreichen kann. Über diesen Bereich schreibe ich hier.

Anders ist es z.B. bei Industriefotografie, z.T. Mode etc., bei denen schon das technische Equipment wesentlich größer ist und manche Aufträge eben nur mit viel Technik überhaupt ausgeführt werden können. Da fallen dann auch nicht unbedingt die Preise.

Und nun?

Und wie geht es nun weiter? Dass mit der Erfindung des Buchdrucks die Mönche arbeitslos wurden, die Bücher kopierten, ist bekannt.

In einer Welt, die digitale Fotos selbstverständlich nutzt, werden diese auch weiterhin gebraucht. Das ist auch klar. Aber der Anspruch an Fotos ändert sich je nach dem Anspruch des Betrachters.

Würde Henri Cartier-Bresson heute mit seinen Fotos noch Geld verdienen können? Daran kann man zweifeln ohne seine großartigen Fotos in Frage zu stellen.

Es werden immer mehr Fotos gebraucht

Es werden immer mehr Fotos gebraucht. Und es werden immer mehr Fotografinnen und Fotografen gebraucht. Aber wo viele Anbieter sind, bestimmen die Kunden die Preise und den Standard.

Babyfotografie, Kindergartenfotografie und Bewerbungsfotos sind wohl einige der Bereiche, in denen auch privat am meisten fotografiert wird.

Hätten die Diskutanten in dem obigen Artikel das Buch Fotoshooting gelesen, dann wäre ihnen klar, dass Eltern auch Bilder ihrer Kinder entwerfen.

Und wie sollen die sozial anerkannten Fotos sein? Mit Rotznase und angeschnittenem Kopf, damit Dritte evtl.  hinterher sagen können, da fehlt was oder das Kind war unbeaufsichtigt?

Nein, natürlich umgekehrt. Logischerweise wollen Eltern Fotos, die zeigen, dass es sich um ein sauberes und adrettes Kind handelt. Und das Foto soll auch in 20 Jahren noch nutzbar sein. Was ist daran schlecht? Das ist der sozial anerkannte Standard.

Der neue Standard in der Fotografie

Wer aber nun selbstbewußt fotografiert, der will auch hinterher hören, dass seine/ihre Fotos schön sind. Deshalb werden sie „gepostet“, also reingesetzt in Facebook und Co oder in FotoCommunities.  Und wenn viele „Freunde“ nun noch schreiben, wie toll dies alles ist, was soll denn da nicht stimmen? Damit ist ein neuer Standard etabliert in der Wahrnehmung. Und damit ist klar, was gute Fotografie ist – oder?

Was ist gute Fotografie?

An dieser Stelle dringen wir in den Kernbereich vor. Ist gute Fotografie heute noch erfolgreich? Was ist gute Fotografie?

Die einfachste Antwort aus Sicht von Menschen, die davon leben wollen, lautet, gute Fotografie ist das, was der Kunde bezahlt. Umgekehrt wäre dann schlechte Fotografie das, was der Kunde nicht bezahlt.

Dass dies so nicht stimmt, scheint klar. Das Thema ist interessant und schwierig. Das wissen auch die Verfechter der vorgenannten These. Daher sprechen sie klugerweise  bei Arbeiten ohne Auftrag von freien Arbeiten.

Aus der Sicht derjenigen, die einfach Fotos machen, ist gute Fotografie das, wofür man in sozialen Netzwerken gelobt wird.

Denn heute ist Geld die erste Währung und soziale Anerkennung die zweite Währung.

Gute Fotografie ist also schon davon abhängig mit welcher Währung gezahlt wird.

Nun gibt es ja Märkte als Orte, an denen sich Anbieter und Nachfrager treffen. Auf welchen Markt geht man da?

Wenn wir uns vom Markt der Anerkennungen in den Fotocommunities abwenden und uns zum Thema „kommerziell erfolgreich“ hinwenden, dann landen wir auf dem wachsenden Markt der „Fotokunst“. Aber auch hier ist es schwierig:

  • Es gab mal ein Buch mit dem Titel Das Kunsturteil. Der Autor fing nach meiner Erinnerung gedanklich ganz einfach an und stellte fest, dass Kunst nur dann existiert, wenn man Kunst von Nicht-Kunst unterscheiden kann.
  • Daneben muss man auch Kriterien für das Anschauen von Fotos entwickeln. An dieser Stelle werden dann Fragen wichtig wie die, welche Rolle die visuelle Grammatik des Sokrates noch spielt, eine entscheidende Rolle oder nur noch eine marginale Rolle?
  • Und natürlich spielt auch die dokumentarische Fotografie eine Rolle. Kann sie kommerziell erfolgreich sein?

So wird die nächste Zeit auch hier bei fotomonat versucht werden, in Theorie und Praxis u.a. Antworten zu finden auf die einfache Frage, was ist gute Fotografie. Zumal „gut“ immer abhängt vom Zeitgeist.

Und neben den „guten“ Fotos gibt es dann noch die „besseren“ Fotos, die sich vielleicht aktuell nicht verkaufen, aber von der Nachwelt als besonders gut empfunden werden.

Nachtrag: Für den Bereich der Strassenfotografie habe ich mittlerweile Kriterien für „gute“ Strassenfotografie entwickelt und in einem Artikel publiziert. Für andere Bereiche gelten diese Kriterien nur eingeschränkt und die „visuelle Grammatik“ dafür uneingeschränkt.

Text 1.1

Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen der 20er und 30er Jahre in Paris von Unda Hörner

„Paris war, frei nach Walter Benjamin, die Hauptstadt des 20. Jahrhunderts für alle jene, die sich als Handwerkszeug die Kamera ausgesucht hatten.“

Dieser Satz aus der Einleitung des hochinteressanten und wunderbaren Buches von Unda Hörner bringt die Leserinnen und Leser in die Welt von Fotografinnen, die ein Teil der Geschichte dieses Mediums sind. Unda Hörner erzählt Geschichten.

Sie erzählt das Leben von Berenice Abbott, Lee Miller, Florence Henri, Ré Soupault, Ilse Bing, Marianne Breslauer, Germaine Krull, Gisèle Freund, Claude Cahun und Dora Maar in Paris.

Sie schildert die Schwierigkeiten dieses Lebens nach einem Weltkrieg und vor einem Weltkrieg und sie erzählt sehr feinfühlig, welche Rolle die männlichen Fotografen spielten. Es waren oft nicht die besten.

„Geschont hatten sich all jene Frauen, die in den Pariser Bohème-Kreisen verkehrten, die beruflich unkonventionelle Wege gegangen waren und die sexuelle Libertinage vorgelebt hatten, nicht. Gern rauchten sie starke Zigaretten, sie wussten Pernod und einen Petit Rouge in den vielen Pariser Brasserien sehr wohl zu schätzen. Sie lebten zum großen Teil unter unsicheren Umständen, in der Improvisation, und sie sahen dem Feind direkt ins Auge, wenn es galt, aktuelle Bilder an Schauplätzen zu machen, wo Krieg und Krise herrschten.“

Vielfach erwies sich Man Ray als Tür in diese Welt. Aber nicht immer. Unda Hörner hat ein bemerkenswert klares und gut gegliedertes Buch geschrieben. Man spürt das Einfühlungsvermögen und das Engagement der Autorin und man lernt viel – auch als Mann.

Ehrlich gesagt ist dies für mich genau die Seite in der Geschichte der fotografischen Welt, die ich bisher als Mann nicht gesehen habe.

Zu jeder Biografie gibt es Fotos der jeweiligen Fotografin. Auch dies ist oft eine andere Art der Gestaltung als die, die ich bisher überwiegend kennengelernt habe. Offenkundig ist das weibliche Sehen eine andere Sicht auf die Welt.

Das Buch von Unda Hörner ist in der Edition Ebersbach erschienen. Es ist ein fotografischer Schatz, es ist ein spannend zu lesendes, sehr menschliches und sehr abwechslungsreiches Buch.

Und es zeigt einerseits wie scharfsichtig Fotografinnen sein können und es zeigt andererseits wie scharfsinnig eine Autorin wie Unda Hörner darüber schreiben kann.

Das Buch ist inhaltlich und gestalterisch gelungen und dokumentiert einen Teil der weiblichen Geschichte in der Fotografie. Und es zeigt den Kampf der Menschen, in diesem Fall einiger Frauen, um Rechte, Anerkennung und faire Behandlung.

Es ist ein interessantes, tiefsinniges und spannendes Buch.

 

Hörner, Unda
Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen der 20er und 30er Jahre in Paris
ISBN 978-3-86915-024-6

 

 

Eros und Stasi – Ostdeutsche Fotografie, Sammlung Gabriele Koenig

„Der Gegensatz von Eros und Stasi, wie ihn der Titel nahelegt, entspricht einer Gegenüberstellung zweier Bereiche, die unvereinbar scheinen… Gemeinsam mit der Sammlerin haben wir uns entschieden, die über 100 Fotogafien so zu gruppieren, dass der Besucher eine Handreichung zur leichteren Lesbarkeit der Ereignisse bekommt.“

Diese Worte von Dr. Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen, zeigen präzise den Ansatz und Rahmen des Buches.

Die Sammlerin Gabriele Koenig stellte diese Bilder zur Verfügung. Namen wie Arno Fischer, Ursula Arnold, Sibylle Bergemann, Evelyn Richter, Ulrich Wust, Ute Mahler, Will McBride, Helga Paris und Roger Melis zeigen den Bogen der Bilder und der fotografischen Ansätze.

Das Buch ist ein fotografischer Schatz ostdeutscher und deutscher Fotografie, weil es zeigt, wie gute Fotos ohne viel Technik entstehen können.

Wer wissen will, wie einfach gute Fotos aussehen, wie man Porträts ohne Studio macht oder wie man Menschen aufnimmt und damit eine Geschichte erzählt, der ist hier richtig.

Eros nimmt wenig Platz ein, Stasi auch, aber die DDR in vielen Facetten und an Plätzen, die man selber nicht besuchen konnte, sind gut und interessant vertreten.

Wenn  man sich die Frage stellt, was macht ein gutes Foto aus und sich dann die Fotos in dem Buch aus dem Kehrer Verlag anschaut, dann wird klar,  worauf es ankommt: authentisch, der Situation entsprechend und den Moment gut eingefangen.

Die Sammlerin hat gut gesammelt mit einem Gespür für gute Fotografie, authentisch, dokumentierend und klar. Hier wird mit Licht gemalt.

Das Buch hat dadurch einen Lehrbuchcharakter für Menschen, die wissen wollen, wie man mit einfachen Mitteln hochklassige Fotografie schaffen kann. Ob man damit heute Geld verdienen kann, ist eine andere Frage.

Wenn man ein Foto sieht, auf dem eine Frau natürlich schön vor einem Sofa steht, und man auf derselben Art von Sofa gesessen hat, dann bekommt man schnell einen persönlichen Bezug. Vor allem, wenn das Sofa (und der Ofen) vielfach in der DDR vorhanden waren und die Lebensweise damals zeigen. Damit transzendieren die Fotos den damaligen Alltag und gestalten ihn zugleich.

Es sind diese vielen Kleinigkeiten bis hin zum Schulranzen der Kinder (so einen hatte ich auch von meiner Oma aus der DDR, weil meine Eltern sich einen westdeutschen Ranzen nicht leisten konnten), die dem Buch auch einen persönlichen Erinnerungswert verschaffen.

So ist dieses Buch auch gut nutzbar als ein Stück Aufarbeitung persönlicher Lebensgeschichte. Aber es ist natürlich in erster Linie ein Fotografiebuch. Und es zeigt den klaren Blick der beteiligten Fotografinnen und Fotografen.

Das Buch Eros und Stasi hebt sich für mich wohltuend ab, es ist ungeschminkt schön.

 

Eros und Stasi
Herausgeber: Gabriele Koenig
Autoren: Brigitte Franzen, Ditmar Schädel
ISBN 978-3-86828-216-0

 

Im Suchermodus zwischen Trend und Werbung

schöne Füsse festgehalten mit alter Kamera - Foto: Michael Mahlke

Persönliche Blicke auf die aktuelle fotografische Situation

Der Mut von Fuji und der Unmut der Käufer

Es gibt aktuell (11.01.2012) keine echten innovativen Neuerungen bei Digitalkameras. Das letzte Mal betrat Fuji mit der X100 Neuland und da muß noch etwas getan werden im Bereich Firmware, um daraus eine längerfristige Entwicklung zu machen.

Der Versuch mit der X10 ist zudem in meinen Augen noch in der Warteschleife, weil die Unberechenbarkeit beim Fotografieren in bezug auf die auftretenden „weißen Scheiben“ den Einsatz der Kamera zum reinen Fotolotto macht.

Ich denke, um aus einer Pioniertat keine Bruchlandung zu machen, ist noch einiges erforderlich. Und darauf warten offenkundig viele in diesem Fall immer noch.

Insellösungen

Nachdem Ricoh mit der GXR-Reihe den APS-C ähnlichen Sensor in die spiegellose Kamera geholt hat, kam Sony mit der NEX-Reihe, dann kam Samsung, aktuell Fuji mit der X-Pro 1 nach der X100 und nun kommt Canon mit der G1X.

Alle Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze und setzen auf Insellösungen. Canon liefert eine Alles-In-Einem Kamera, Ricoh hat das flexibelste Modulsystem, Fuji wahrscheinlich den besten (optischen) Sucher und Sony die meisten Kameras in dieser Reihe. Mit allen grossen Sensoren wird man wohl gute bis sehr gute Fotos machen können, wenn auch jeder Hersteller seine Sensoren besonders loben wird.

Kundenfreundlichkeit

Stattdessen haben Panasonic und Olympus mit dem M43 (Micro-FourThirds) Standard ein für Kunden wesentlich freundlicheres System geschaffen. Hier ist es möglich, dass man beliebige Objektive des einen Herstellers mit Gehäusen des anderen Herstellers kombiniert.

Neu neben alt

Aktuell sieht man, wie versucht wird, die ausgebauten Systeme der DSLR-Kameras durch neue Systemkameras abzulösen. Da Canon und Nikon die am besten ausgebauten DSLR-Systeme haben, scheinen sie eher zurückhaltend. Das hat aber auch gute Gründe.

Für mich sprach gegen die bisherigen DSLRs insbesondere das laute Auslösegeräusch und die „Klobigkeit“ der Gehäuse (wichtig: ich spreche vom Konsumerbereich, nicht vom Semi/Profi). Beides hat z.B. Nikon mit der D3100 weitgehend beseitigt. Bei Canon stört mich das laute Auslösen immer noch.

Setze ich nun die vermeintlich kleineren Systemkameras dagegen, dann sind diese in meinen Augen

  • nicht wirklich praxistauglich  kleiner (schon gar keine Hosentaschenkameras),
  • sie haben keinen so guten (optischen) Sucher (wenn überhaupt),
  • sie sind sogar lauter im Auslösegeräusch und
  • die optischen Gesetze waren auch bei den Objektiven nicht ausser kraft zu setzen.

Lichtstärke macht auch hier die Objektive schwer und groß. Man darf die Objektive übrigens nicht nur eingefahren und im Transportmodus sehen sondern auch ausgefahren.

Wenn man dann eine DSLR wie die D3100 neben eine Systemkamera hält, wird deutlich, wie gering die Unterschiede sind, wenn zum Beispiel zwei Gehäuse mit Sucher als Vergleich dienen.

Dennoch wird versucht, neue Absatzmärkte aufzubauen und die Systemkameras als die bessere Alternative aufzubauen. Bisher sehe ich aber nicht, dass auch nur eines meiner oben aufgeführten Argumente für DSLRs durch eine Systemkamera aufgefangen und/oder verbessert wurde.

Einzig die Canon G1X ist irgendwie sehr klug konzipiert. Wer eine DSLR mit lichtstarken Objektiven nutzt, der wird dies auch weiterhin tun (oder das Ricoh GXR-System). Dagegen kann die G1X nicht an. Aber als Ergänzung zur DSLR-Kombination ist diese Kamera sicherlich sehr sinnvoll. Wenn denn alles klappt und technisch ok ist, dann wird die G1X wohl Canon und den Kunden gemeinsam viel Freude bereiten.

Wie geht es nun weiter?

Es wird wohl eine Parallelität der Systeme geben. Die aktuellen Trends  sind sehr vielschichtig.

Aber

  • große Chips,
  • Retrodesign,
  • der Einbau von Suchern und
  • Insellösungen

scheinen einige der Themen zu sein, die sich gerade entwickeln. Da fast alles jenseits der 500 Euro Marke (ca. 1000 DM) angesiedelt ist, wird auch zu fragen sein, inwiefern diese Preise durch fotografische Leistung und Mehrleistung gerechtfertigt sind.

Da werden wir alle noch viel Spass haben!

 

Wo bleibt die Firmware? Beispiele für Modellpflege und Philosophie in der Kameraindustrie

Warten auf ein Update - Foto: Michael Mahlke

Eine persönliche gedankliche Skizze in einer Zeit der fotografischen Unübersichtlichkeit

Im Zeitalter der Software-Fotos

Im digitalen Zeitalter sind Kameras nicht mehr nur von der Optik abhängig. Hinzu kommen zusätzlich der Sensor und die Software. Die Software regelt das Zusammenspiel aller Komponenten (Firmware). Man könnte sogar von Software-Fotos sprechen.

Daher ist es unerläßlich, sich die Frage zu stellen, was Kamerahersteller tun, um die Qualität einer Kamera für ihre Kunden durch die Software sicherzustellen.

Musterschüler Leica und Ricoh

Eins muß man Leica lassen. Sie pflegen ihre Produkte wie die Leica M Serie doch sehr. Man hat dabei nicht das Gefühl etwas zu kaufen, das mit dem Kauf schon wieder veraltet ist.

Vielmehr weiß man, dass es an die technischen Entwicklungen im Umfeld (Speicherkarten, Betriebssysteme,  Steuerung des Fokus, verbesserte Algorithmen etc.) angepasst wird.

Mir scheint, dass Leica diese Philosophie im Bereich der Kompaktkameras ergänzt/verändert hat.

Im Bereich der Kompaktkameras kommt nun auch bald jedes Jahr in Anlehnung an die aktuellen Panasonic Lumix Modelle etwas Neues heraus. Updates sind dort nicht so oft zu finden. Das kann aber auch daran liegen, dass es dort von vornherein sehr gute Firmware gibt.

Bei Ricoh fühlt man sich auch nicht im Stich gelassen. So werden insbesondere die Kompaktkameras der GX, GR und GXR-Serie feinabgestimmt mit sinnvollen Updates versorgt und auch noch Jahre nach Erscheinen neuer Modelle gepflegt. Ricoh möchte ich deshalb besonders erwähnen, weil man dort keine Kamera für tausende von Euro  kaufen muß, um in diesen nachhaltigen und guten Service zu kommen.

Die Gretchenfrage bei Fuji

Fuji ist nun auf diesen Zug in meinen Augen aufgesprungen. Mit der Fuji X100 und der Fuji  X10 wird  versucht, Bewährtes und Neues zu verbinden, ähnlich wie bei der M9.

Doch nun wird es für mich spannend. Wird Fuji für diese Kameras die Firmware verbessern?

Für die X100 ist dies zwar teilweise geschehen, aber die Verbesserungsmöglichkeiten sind noch sehr hoch und sehr viele Käufer erwarten auch, dass diese Optimierungen noch umgesetzt werden.

Sollte Fuji stattdessen eine neue Kamera auf den Markt bringen ohne die bisherige X100 zu optimieren, dann wird dies sicherlich dazu führen, dass man sich fragt, ob bei einer solchen Firmenphilosophie ein neuer Kauf von hochwertigen Produkten Sinn macht.

Hinzu kommt das Problem mit der X10. Die ist zwar preiswerter aber für ihr Segment sehr hochpreisig. Wird Fuji hier im Sinne der Kunden eine Lösung finden? Zumal im Vergleich mit Ricoh die Kamera noch teurer ist als zum Beispiel eine Ricoh GR 3 oder 4.

Es wird in meinen Augen nicht reichen, den Kunden neue Kameras ca. im Jahrestakt für 500, tausend oder mehr Euros anzubieten und die Software der bisherigen Modelle nicht zu optimieren und auch noch nach Erscheinen eines neuen Modells zu pflegen.

Die Sache mit Sony

Bei Sony sind sehr viele Kameras relativ schnell durch neue Kameras abgelöst worden. Man muss mindestens zwischen Nex, Alpha und Kompaktkameras unterscheiden. Bisher gab es z.B. für die Sony HX9V keine neue Firmware, obwohl man mit dieser Kamera dann durchaus jahrelang optimiert gut fotografieren könnte. Bei den höherpreisigen NEX-Kameras waren doch Firmware-Updates zu verzeichnen.

Andere

Dies alles könnte man nun noch sehr viel mehr ausführen und recherchieren. Das würde diese gedankliche Skizze sprengen.

Gretchenfrage

Aber aktuell brennt im digitalen Land vermutlich das Verhalten der Firma Fuji unter den Nägeln. Wird es diese Firma schaffen, sich Teile des Image der Firma Leica (ähnlich Leica M) oder der Firma Ricoh aufzubauen?

Diese Frage wird sich 2012 durch das Handeln der Beteiligten sicherlich von alleine beantworten. Wir werden es erleben und live dabei sein.

Text-Version 1.1.

 

Vom Zauber älterer Neuentdeckungen oder digitale Oldtimer und der besondere Charme

von der Leica M6 zur Lumix DMC-L1 – Foto: Michael Mahlke

Digitale Oldtimer werden aktuell

Manchmal erleben verschiedene Menschen dasselbe. Immer wieder und in letzter Zeit verstärkt „spiele“ ich mit der Panasonic DMC-L1. Die gab es auch als Digilux 3. Alle Fotos, die ich damit gemacht habe, waren irgendwie besonders schön. Sie hatten einen besonderen Zauber.

Aber als ich dann die Erfahrung machte, dass in der Strassenfotografie unauffälliges Fotografieren aus der Nähe nur noch mit handyähnlichen Kameras möglich ist und in der Reisefotografie das „standardisierte“ Weitwinkelbild geliebt wird, suchte ich andere Kameras.

Doch der Geschmack an grossen Kameras kam zurück und die Bilder der DMC-L1 hatten immer einen besonderen Schick, den ich mit keiner anderen Kamera hinbekam. Selbst die Nachbearbeitung mit digitalen Filtern veränderte die Fotos anderer Kameras nicht so, dass ich sagen könnte, ja es ist praktisch gleich.

Digitale Oldtimer haben Charme

Und jetzt schreiben wir das Jahr 2012 und plötzlich veröffentlicht C. Garrard einen Artikel über die DMC-L1. Man muss sich natürlich fragen, warum macht Carl Garrard das. Das kann ja auch PR sein, wenn Panasonic eine DMC-L2 plant und die alte Kamera aktualisiert bewertet  und in die fotografische Diskussion gebloggt werden soll. Das kann so sein. (Nachtrag 2015: Und tatsächlich kam 2013 die GX7 heraus)

Es kann aber auch sein, dass da einfach jemand einen Artikel über eine Kamera schreibt, die ihm gefällt und die auch noch mal gewürdigt werden soll im Ozean der fotografischen Nachrichten. Das hat Mr Garrard früher auch schon getan. Ich erinnere an seinen sehr substanziellen Artikel zur GX200/GX300.

Wir werden sehen, was davon stimmt. Aber davon abgesehen gibt es in dem Artikel Argumente, die auch meine wären.

von der Leica M6 mit Festbrennweite zur Lumix DMC-L1 mit Varioobjektiv – Foto: Michael Mahlke

Warum?

Auch er schreibt vom Zauber, den die Fotos dieser Kamera ausstrahlen und von dem besonderen Gefühl, mit dieser Kamera zu fotografieren.

Was dem einen sein Oldtimer, ist dem anderen seine digitale Oldtimer-Kamera. Und es scheint, dass langsam die Zeit beginnt, bei der ältere digitale Kameras noch einen hohen Nutzwert haben und die Zeit der digitalen Oldtimer beginnt.

Die Digitalkameras der ersten Jahre waren von den Versuchen mit der neuen Technik bestimmt. Und die Kameras mit bis zu 5 Megapixel waren zwar für den Monitor gut nutzbar aber für Ausdrucke weniger.

Seit es mehr als 5 Megapixel gibt und seit die Modelle technisch, optisch, sensormässig und softwaremässig ausgereifter wurden, entstanden dann Kameras, die heute ebenso nutzbar sind wie neue Modelle. Der meistens einzige echte Unterschied für das Fotografieren ist die ISO-Zahl bei schlechtem Licht.

Der ISO-Faktor

Man kann mit allen älteren Modellen mit niedrigen ISO auf Stativ hervorragende Fotos machen bei unbewegten Objekten. Nur bei bewegten Objekten im Schummerlicht geht es nicht mit hohen ISO und kurzen Verschlusszeiten. Dafür gibt es heute eben Kameras wie die D3S, die das können. Aber wer will so eine Kamera dabei haben?

Hinzu kommt natürlich, dass man die älteren Kameras mit mehr als 5 Megapixel auch noch in zehn oder zwanzig Jahren nutzen kann für Web und Druck. Und wenn immer mehr ins Web verlagert wird, dann wohl noch länger.

Zudem wird es sicherlich irgendwann auf minimale Unterschiede bei der Darstellung digitaler Fotos am Monitor und im Netz ankommen. Dann wird auch deutlich werden, dass digitale Filter nicht alles können.

In diese Kategorie der digitalen Oldtimer gehören sicherlich u.a. auch die Sony DSC-R1, von Canon die EOS 5D und die EOS 40D, die Sigma DP1s  und die Olympus E400. Sie haben alle bemerkenswerte Chips, die die Kameras für Kenner auf Fotos auch heute noch eindeutig identifizierbar machen.

Nur Erfahrung zählt

Aber was ich hier schreibe, ist nicht durch Tests erfahrbar und erlebbar. Es ist die Folge

  • von Erfahrung durch die Benutzung verschiedener Kameras in unterschiedlichen fotografischen Situationen,
  • das Betrachten sehr unterschiedlicher Fotos verschiedener Kameras im Vergleich
  • und das Gefühl für technisch-fotografische Zusammenhänge

So wird dann aus einer vermeintlich alten Kamera ein Luxusobjekt der digitalen Oldtimerszene. Dabei sind es eben nicht die teuersten Kameras, um die es geht. Sondern es sind besondere Kameras mit heute nicht mehr hergestellten Sensoren, die für besondere Fotos und besonderes Fotografieren stehen. Das ist natürlich auch in der analogen Ära so gewesen.

Der Genuss, Momente mit einer Kamera festzuhalten, die über besondere Merkmale verfügte oder die dem Fotografierenden einen besonderen Zugang vermittelte für das Festhalten der Motive oder die Gestaltung – das ist und bleibt etwas besonderes.

Es gibt bei den grossen Fotocommunities schon länger Treffen von Analogfotografen, die sich speziell auf ein Modell konzentriert haben und dann als Gruppe damit Fotos machen und sich danach zusammensetzen. Das wird es sicherlich in absehbarer Zeit auch für digitale Kamera-Oldtimer geben.  Vielleicht gibt es dann Aufrufe zum Fototreff auf der Kö/ am Dom oder in Elberfeld, um die Wirklichkeit mit dem Sensor einer DMC-L1/Digilux 3 gemeinsam festzuhalten und danach ein Alt/Kölsch oder einen guten Kaffee zu trinken.

So bieten sich völlig neue Möglichkeiten, dabei zu sein, und auch danach online Bilderwelten auszutauschen und die Freude am Fotografieren mit diesen digitalen Oldtimern zu pflegen.

Zeitgeist-Fotografie

„Nur wer sich ändert bleibt sich treu.“

Fotomonat ist ein Projekt, das ich vor einiger Zeit ins Leben gerufen habe. Es war nach mehrjähriger Beschäftigung mit Henri Cartier-Bresson und meiner eigenen Entwicklung in diesem Bereich der Schritt vom Kopf in die Welt.

Mir ging es dabei darum,

  • meine Erfahrungen in der Reisefotografie,
  • meine Erfahrungen mit thematischen Dokumentationen und
  • das Thema Dokumentarfotografie früher und heute zu verarbeiten.

Es geht um Dokumentarfotografie und um die Frage von Fotokunst. Es geht letztlich um Fotografie als Bestandteil der tatsächlichen Welt in Abgrenzung zu einer virtuellen Welt.

Und ich fand im Internet ausser ein paar verstreuten Artikeln wenig, was meinen Vorstellungen entsprach. Vieles war sehr flach und manches war sehr kurz (gedacht).

Vom Text zum Bild

Nun ist eine Zeit gekommen, die das Projekt fotomonat erweitern wird. Fotomonat ist wie ein digitales Buch und steht auch weiter zur Verfügung. Es wird sogar neue Artikel geben, wenn es sich lohnt.

Aber es ist auch ein Zeitpunkt gekommen, an dem ich die Entscheidung treffen mußte, ob ich in den Trott der permanenten Präsenz durch nicht wirklich neue Informationen eintrete oder lieber Yin und Yang zu ihrem Recht kommen lasse.

Es wird auch im Jahr 2012 viel Neues geben. Davon ist aber nicht viel wirklich neu. Die Konsumindustrie suggeriert, dass man permanent das Neue haben muß. Es geht eben um Konsum. Wenn sich zum Schluß der Wert einer Ware aber darin erschöpft, dass man sie gekauft hat (danke Kuno für deine Hinweise, die meine Sinne schärften!), dann ist es für mich sinnlos, darüber zu schreiben. Denn darüber schreiben genug andere.

Projekt Zeitgeist

So entstand das Projekt Zeitgeist 2012: mehr Fotos zum Festhalten der Gegenwart.

Ob das viele Fotos werden oder nur 3 für ein Jahr – wer weiß das schon! Aber im Jahr 2012 sollen eher Bilder sprechen. Denn auch unsere Welt ändert sich. Ich glaube, dass wir in einer Ära leben, die den Menschen in eine kolossale Unsicherheit versetzt. Immer mehr nehmen die Dinge auch nicht mehr wahr und immer mehr wird diskutiert, dass alles Realität ist, was das Gehirn wahrnimmt.

So einfache Unterscheidungen wie Innenwelt und Aussenwelt sind auch dabei ganz hilfreich. Und die Dinge in der Welt um uns herum fotografisch festzuhalten, ist dann ein guter Weg, um die Welt zu sehen und den Zeitgeist einzufangen.

„Wahr“nehmungsprobleme

Es scheint ja so zu sein, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr die Häßlichkeit und Seelenlosigkeit der Wohn- und Lebensbedingungen wahrnehmen. Bäume werden lieber abgeholzt und neue Häuser mit „individuellem“ Charakter überall als Menschenboxen installiert.

Wir haben in Deutschland das Glück, dass die bauliche Schönheit in Teilen Ostdeutschlands restauriert wurde. Wer zum Beispiel einmal in Naumburg an der Saale war, der versteht, was den Unterschied zwischen menschenfreundlichem und naturfreundlichem Städtebau einerseits und seelenlosem und naturfeindlichem Städtebau andererseits ausmacht.

Wenn man sich dann kontrastierend z.B. nur die neuen Städte in China anschaut, kann einem Angst und bange werden. Es ist auch hier so, als ob es die „Unwirtlichkeit unserer Städte“ und Alexander Mitscherlich nie gegeben hätte.

Real wird irreal

Wer dies alles aber nicht mehr weiß und sieht, der ist auch anfällig für die Übernahme der digitalen Welt als reale Welt, die dann als Folge die Schwelle und die Wahrnehmung für echte Natur und wirkliches Leben völlig verändert. Da der Mensch aber für die natürliche Welt konstruiert ist, kommt hier noch einiges auf uns zu. Dies dann wiederum digital kompensieren zu wollen ist zwar günstig für die Konsumindustrie aber schlecht für den Menschen und die Natur. Nun gut!

Zeitgeist

Ich habe den Begriff Zeitgeist bewußt gewählt habe. Er kommt eigentlich aus der Geschichte und Philosophie  und wurde genutzt, um bestimmte zivilisatorische (manchmal auch kulturelle) Tendenzen („Eigenart einer Epoche„) voneinander abzugrenzen. So gab es früher Bücher zu Themen wie dem Zeitgeist des Bismarckreiches und dem Zeitgeist der Weimarer Republik. (Übrigens zeigt mir mein Rechtschreibsystem an dieser Stelle gerade, dass ich Bismarck nur mit k und ohne c schreiben soll…)

Hobsbawm hat gefragt „Wieviel Geschichte braucht die Zukunft?“ Und genau in dieser Zeit sind wir gerade, wie allein der Ausflug zu Mitscherlich gezeigt hat.

Und diesen Zeitgeist kann man mit Fotos vielleicht ganz gut festhalten. Damit meine ich Dinge, die um uns herum sind und unseren Alltag und unser Denken(?) bestimmen und ich meine Handlungen, die für die Gegenwart typisch sind. Auch dies ist Dokumentarfotografie.

Es ist eine eher stille Arbeit für denkende Menschen, die die permanente Präsenz durchbrechen wollen und ihre Wahrnehmung schärfen wollen, um nicht im Dickicht des digitalen Schrotts zu erblinden.

Wenn Sie also ab 2012 ab und zu etwas davon sehen wollen und ich etwas finde, dann lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Internetadresse zeitgeist-fotografie.de.

Übrigens können Sie dabei auch mitmachen, wenn sie möchten.

Auch dies wird wieder ein Experiment sein wie bei fotomonat und ich bin ziemlich gespannt, was daraus wird.

Nachtrag 2016: Mittlerweile ist das Projekt beendet und die Domain ist an anderer Stelle, wo neuer Zeitgeist ist.

 

 

Software-Fotos und das Scheitern von Labortests – der neue Trend

ein zusammengerechnetes Foto bei wenig Licht - Foto: Michael Mahlke

RAW ist nicht Roh

Es ist schon länger bekannt, dass selbst RAW-Fotos schon bearbeitet sind.

Aber während diese digitalen Ergebnisse noch einigermassen „roh“ sind, ist fast alles danach mittlerweile ein Ergebnis ausgeklügelter Software. Wenn man sich „fertige“ JPGs anschaut, dann kann man u.a. folgende Tendenzen feststellen:

  • Verzeichnungen durch Objektive werden rausgerechnet, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Dunkle Stellen werden durch Lightning-Funktionen (Erhellen) aufgehellt, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Durch HDR-Funktionen werden mehrere unterschiedlich belichtete Fotos zu einem Foto zusammengerechnet, bevor das JPG gespeichert wird.
  • Bei schlechtem Licht wird „DSLR-Qualität“ einfach durch das Zusammenrechnen eines Fotos aus mehreren Einzelfotos erzielt, bevor das JPG gespeichert wird.
  • In den EXR-Modi wird durch Software Licht und Schatten erzeugt ohne das z.T. Eingriffe möglich sind.

So übernimmt immer mehr Software den Versuch, das „Gelingen“ von Fotos zu garantieren. Auch hier ist das Verlassen auf die Technik in eine neue Dimension gekommen, die weit über das pure Einfangen einer Situation hinausgeht. Das muß nicht schlecht sein.

Ohne Software keine Fotos

Aber es ist eine neue Zeit, die dadurch eingeläutet wurde. Es ist die Zeit der Software-Fotos. Software und Fotos gehören untrennbar zusammen. Umgekehrt könnte man auch sagen ohne Software keine Fotos.

Firmware als neue Lösung

Einer der Vorteile dieser Lösung ist ja die Möglichkeit der Firmware-Updates. Das ist Software, die das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten einer Kamera (Sensor, Prozessor, Linsen) beeinflusst. Da ein Software-Update weltweit die Möglichkeit bietet, preiswert die Kunden ohne grossen Aufwand zu erreichen, ist dies eine kluge Sache.

Aber heute ist es so, dass einige Unternehmen lieber nach ein paar Monaten neue Kameras auf den Markt bringen statt die bisherigen Modelle einfach von Fehlern oder Ungereimtheiten zu befreien.

Das Scheitern von Labortests

Neue Kameras werden von verschiedenen Magazinen getestet, um sie in Bestenlisten einzuordnen und um Verkaufsentscheidungen zu geben/beeinflussen. Dies wird zunehmend schwerer. Allerdings behalten Tests wie z.B. der von DxO für die traditionellen Messungen ihre Gültigkeit. Aber in meinen Augen sind die traditionellen Messfaktoren zunehmend nicht mehr allein relevant für Aussagen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer Kamera.

Als Sony z.B. mit der WX1 und Fuji mit der F200EXR auf den Markt kamen, konnte man merken, dass etwas nicht mehr stimmt bzw. bewertet werden kann in der bisherigen Form. Da wurden neue Modi angeboten, um Fotos bei schlechtem Licht durch das Zusammenrechnen mehrer Aufnahmen zu einem Foto oder durch das Zusammenlegen mehrerer Sensorpixel zu verbessern. In den Magazinen wurden aber meistens nur die bisherigen Einfachaufnahmen getestet.

Das Ergebnis war klar: die Werte waren nicht so toll. Hätte man die neuen Fotos genommen, wären die Werte eventuell anders gewesen. Dieses Problem setzt sich aktuell fort. Und normalerweilse müsste auch nach jedem Firmware-Update eine Kamera neu getestet werden. Aber umgekehrt reichen den meisten Lesern die einfachen Tests.

Und wer Goethe kennt, der erinnert sich vielleicht an den Satz „Die Anschauung ist die Grundlage jeder Erkenntnis.“ Aber es geht auch ohne Goethe, denn dies bedeutet auf gut Deutsch, man gehe in einen Fotoladen und nehme die Kamera in die Hand, probiere sie aus und entscheide sich dann.

Die Fotoformel

Und wenn man zuguterletzt statt einer Rentenformel eine Fotografieformel entwerfen wollte, dann könnte diese folgendermassen aussehen:

Sensor + Software + Optik / Können des Fotografierenden = Foto