Michael Mahlke

At War von Anja Niedringhaus

Kriegsfotografie erzählt über den Umgang des Menschen mit sich selbst. Es ist immer wieder und alle paar Jahre an anderer Stelle dasselbe: Menschen morden und Menschen sterben. Wie viele Reporter bei der Berichterstattung sterben, finden wir bei Reporter ohne Grenzen.

So ist Kriegsfotografie nicht nur die Dokumentation von Tod und Sterben sondern auch das Leben mit diesem Risiko. Und wie schnell dies gehen kann, wird gerade aktuell wieder einmal deutlich.

Herausgegeben von c/o Berlin hat Anja Niedringhaus Bilder vom/im Krieg in diesem Buch versammelt. Es ist ein Buch, das den Krieg dokumentiert. Es ist Kriegsfotografie und es ist Dokumentarfotografie.

Ulrike Demmer schreibt dazu in ihren Anmerkungen in dem Buch: „Die Bilder in diesem Buch sprechen eine Sprache, die so einfach ist, dass jeder sie versteht.“

Und so finden wir Fotos vom Irak, über Afghanistan bis zu den Aufständen in Libyen im Jahr 2011.

Es gab dazu eine große Ausstellung und das Buch war dabei und ist auch danach noch vorhanden. Gottseidank, denn es ist ein gutes Buch unter dem Gesichtspunkt der dokumentarischen Aufgabe von Fotografie in diesem Bereich.

Und es ist auch so stabil und gut gestaltet, dass es hundert Jahre halten kann.

Anja Niedringhaus hat zu diesem Buch und ihrer Arbeit ein Interview bei dradio.de gegeben. Da wird deutlich, warum sie dies tut: „Mein Anliegen ist eigentlich, die Menschen in diesen Ländern zu zeigen. Es geht mir nicht um die Militärmaschinerie, oder wie groß die Waffen sind, wie schnell der Panzer ist, sondern was eigentlich danach passiert, nachdem geschossen wird. Und deswegen ist es meistens so, dass an der Frontlinie für mich der uninteressanteste Punkt ist. Der interessanteste Punkt ist, was ist eigentlich da, wo es einschlägt?“

Und das Buch zeigt denn auch, wo es im Krieg eingeschlagen hat. Sie ist eine fotografische Dokumentaristin ihrer Zeit (unserer Zeit). Sie zeigt die Menschen, so wie vor ihr und mit ihr andere das Leid der Menschen gezeigt haben.

James Nachtwey hat auf seiner Webseite geschrieben „The events I have recorded should  not be forgotten and must not be repeated.“ Er will, dass die Ereignisse, die er aufgezeichnet hat, nicht vergessen werden und sich nicht wiederholen.

In dieser Tradition sehe ich auch Anja Niedringhaus und ihr Buch. Denn sie berichtet wie andere auch über die Verlierer des Krieges, die namenlosen Menschen, denen sie ein Gesicht gibt, indem sie sie fotografiert und uns ihre Bilder zeigt.

Aber die Bilder zeigen auch den militärisch-industriellen Komplex und die Glaubenskriege des 21. Jhrdt. So sind die Bilder Zeugen unseres Denkens und unseres Handelns. Sie dokumentieren, wie Menschen sein können und was wir tun und lassen müssen, aber nicht lassen wollen.

Um zu verstehen worin sich Kriegsfotografie von Armeefotografie unterscheidet, braucht man bloß hier zu klicken.

Das Problem der Kriegsfotografie ist ja, dass sie augenscheinlich folgenlos bleibt. Sie dokumentiert und das Morden geht weiter.  So ist Kriegsfotografie ein Beispiel für die Ohnmacht der Presse. Kriegsfotografie schreibt das Morden auf durch das Fotografieren, Kriegsfotografie erschöpft sich im Dokumentieren – oder doch nicht?

Ist die Wirkung der Fotos nicht so gross? Oder ist sie größer als ich glaube? Denn immerhin dokumentieren sie, warum es sich lohnt für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.

So lädt das Buch von Anja Niedringhaus zu einer Auseinandersetzung mit sich und der Welt in Krieg und Frieden ein. Und das steigert den Wert des Buches doch enorm.

Das Buch ist im Hatje Cantz Verlag erschienen:

Anja Niedringhaus At War

Hrsg. C/O Berlin, Texte von Jean-Christophe Ammann, Ulrike Demmer, Felix Hoffmann, Vorwort von Associated Press, Gestaltung von Naroska Design

Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-7757-3232-1

Nachtrag 2014:

Nach der Ermordung von Anja Niedringhaus hat das Buch einen besonderen Stellenwert.

Mehr zu dem Thema gibt es hier.

 

 

S wie Streetphotography oder ohne S geht es nicht

Menschenaffen beim Laufen als HDR - Foto: Michael Mahlke

Paparazzi und Julia Roberts

Ein S kann für vieles stehen. Hier will ich es für Shutter Speed und Streetphotography benutzen. Auf Deutsch würde man sagen, es geht um die Belichtungszeit bei der Strassenfotografie.

Welche Belichtungszeit ist dabei richtig? Man will Menschen in Situationen fotografieren auf der Strasse.

Ein Profi im Bereich der Menschenbeobachtung ist sicherlich ein Paparazzi. In diesem Fall beobachtete er Julia Roberts. Seine Aussagen zur Paparazzi-Fotografie lauten, von vorne und nah dran.

Und er benutzt schwere Profigeräte mit Tele und wartet damit auf den entscheidenden Moment. Da gibt es doch schon leichteres – oder?

Aber er beantwortet die Frage nach der richtigen Belichtungszeit für Strassenfotografie leider nicht.

Vielleicht weil Strassenfotografie doch keine Paparazzi-Fotografie ist und es eben auf andere Kriterien ankommt.

Belichtungszeit

Im Prinzip ist es so: Je kürzer die Belichtungszeit, desto schärfer fange ich Menschen ein. Je länger die Belichtungszeit, desto unschärfer fange ich Menschen ein.

Im Extremfall oder als fotografischer Trick kann ich mit einer sehr langen Belichtungszeit die Menschen verschwinden lassen. Wenn ich also eine mit Menschen gefüllte Fußgängerzone leer machen will, dann lasse ich einfach ein paar Minuten die Blende auf.

Eine Faustregel für das Minimum hat fotopunk sehr schön beschrieben: „Die richtige Belichtungszeit ist so kurz wie möglich. Für das Minimum gibt es folgende Faustregel: 1/Brennweite*Cropfaktor. Es kann jedoch nicht schaden die Zeit noch weiter zu kürzen ! Du wirst große Schärfeunterschiede bemerken, wenn du statt 1/200s auf 1/400s oder 1/800s umstellst. Viele Fotografen überschätzen sich auch bei der Zeit, die sie noch aus der Hand fotografieren können.“

Menschenaffen beim Laufen als Schwarzweissfoto - Foto: Michael Mahlke

S wie Streetphotography

Daraus folgt, dass eine Kamera für Streetphotography auch ein S auf dem Wahlrad haben sollte oder die Möglichkeit, direkt die Belichtungszeit einzustellen. Denn die Vorwahl der Belichtungszeit durch den/die Fotografen/Fotografin ist eines der wichtigsten Elemente für pure Strassenfotografie.

Automatik geht gar nicht, so meine Einschätzung. Denn im Automatikmodus wählen Kameras eigentlich  immer eine niedrige ISO-Einstellung aus und damit unberechenbar eine längere Belichtungszeit.

Wenn sich in dem Moment aber die Menschen bewegen, dann werden diese unscharf.

Meine Erfahrungen mit 1/250 bis 1/500 Sekunde bei Tageslicht decken sich mit denen, die in der englischen Wikipedia angegeben werden.

  • Wenn man fast jede Bewegung stoppen will, dann wäre 1/2000 Sekunde richtig,
  • wenn man Fahrradfahrer und Läufer stoppen, will, dann wäre 1/1000 Sekunde richtig
  • wenn man beim Sport stoppen will, dann ist oft 1/500 Sekunde richtig

Im Handbuch für die Sony A330 gibt es auf Seite 71 eine sehr schöne grafische Übersicht, die den Zusammenhang der Belichtungszeiten aufzeigt.

Shutter, Speed, Street

So kann das S helfen, eine Situation scharfgestellt festzuhalten oder um es in eine Formel (Original von mir) zu bringen „Shutter and Speed is good for Street“ (schnelle Belichtungszeit ist gut für Strasse (nfotos).

Am besten mit Auto-ISO. Aber ISO und Blende und die Gestaltung mit Bokeh sind dann andere Themen und sie haben andere Buchstaben, nämlich F und I – in diesem Sinne!

Das Ebook in der Fotografie – Chancen und Grenzen

Der digitale Siegeszug

Seitdem die digitale Technologie immer mehr Bereiche der Welt erfasst hat, spricht man von einem Siegeszug. Dazu gehört der Glaube, dass bald auch gedruckte Bücher von elektronischen Büchern ersetzt werden.

Geht man in einen Buchladen, dann merkt man schnell, dass sich was verändert hat. Ja, es liegen viele Bücher herum, die gekauft werden wollen. Aber zunehmend gibt es sogenannte Reader. Man soll einen kleinen Monitor kaufen, der es ermöglicht, Bücher elektronisch zu lesen.

Nun haben wir digitale Buchangebote ja schon im Projekt Gutenberg, sogar mehrmals und vor allem kostenlos. Aber da reicht ein einfacher Computer und ein Zusatzgerät ist nicht erforderlich.

Natürlich ist eine Welt vorstellbar, in der Inhalte nur noch auf Bildschirmen oder Projektionsflächen angeschaut werden. Vielleicht ist deshalb im Moment der Kampf um das Urheberrecht auch so groß. Die großen Firmen nutzen Technologien, die die Einzellizenz abrechenbar machen.

Das gedruckte Buch

Aber da geht es eben um das Lesen mit einem elektronischen Gerät. Ich persönlich lese sehr viele Bücher elektronisch. Aber es sind Bücher, bei denen es nur auf den Informationsinhalt ankommt wie Fachbücher zu wissenschaftlichen Fragen, Dissertationen und Aufsätze. Und ich lese sie am 20 Zoll Monitor in der FullScreen Ansicht, weil mir das sonst zu klein wäre.

Völlig anders ist es mit Büchern, die ein gestaltetes Werk darstellen. Wenn ein Buch schon vom Einband her – was leider immer seltener wird – ein gelungenes Erscheinungsbild abgibt und man dann in dem Buch grafisch und textlich auf Entdeckungsreise geht, dann ist dies etwas völlig anderes als das Lesen eines elektronischen Buches.

Wenn der Tastsinn das Papier erfasst und der Geruchssinn die Druckerschwärze und die Papierart, dann wird das Lesen eine sinnliche Erfahrung und kein rein kognitives Ding.

Genau so ist es mit Fotobüchern. Es ist ein Unterschied, ob ich ein gedrucktes Foto in einem Buch anschaue (und das Papier anfassen kann und das Buch vor mir liegt) oder ob ich mir ein Foto elektronisch anschaue. Das Foto im Buch ist anders und irgendwie fotografisch umfassender (im wahren Wortsinn!).

Dabei meine ich mit dem Begriff Fotobuch keine online bestellten persönlichen Fotoalben sondern in erster Linie von Verlagen produzierte Bücher zu fotografischen Themen.

Aber der Erfolg der persönlich gestalteten und gedruckten Fotoalben, die man nun auch als Fotobuch bezeichnet, zeigt ja, dass man schon hier der digitalen Flüchtigkeit etwas entgegensetzen will.

Elektronische Chancen und Grenzen

Denn durch Handys, Smartphones, Tablets, PCs und anderes wird unser Verhalten zunehmend von Flüchtigkeit und Abrufbarkeit geprägt. Das ist aber eindimensional. Es gab früher schon das Telefonbuch und das Kursbuch.

Da ist es gut, dass es dies heute in elektronischer Form gibt. Und auch die schnelle Information ist heute besser digital verfügbar. Aber wer mehr will als Telefonbücher und Kursbücher und aktuelle Infos, der findet in gedruckten Büchern die Chance, gestaltete Werke zu erhalten, die Inhalt und Form in Übereinstimmung bringen.

Aktualität und/oder Verbreitung sind die Vorteile digitaler Technologien. Und digitale Inhalte zu gestalten und zu publizieren sind ebenso dafür geeignet. Und dies sogar international im Internet verfügbar zu machen ist auch ein Vorteil. So sind Ebooks für die schnelle Verbreitung gut geeignet.

Ein Beispiel: Mein kleines Ebook zum Thema Streetphotography/Strassenfotografie in Farbe mit kleinen Kompaktkameras wurde in den letzten zehn Wochen gut 10.000 mal runtergeladen.

Man kann so Wissen zu kleinen und speziellen Sachfragen schnell weitergeben.

Etwas Ähnliches gilt für  elektronische Bücher zum Blättern. Man kann damit Dinge machen, die sich elektronisch gut darstellen lassen.

Da sind sie zum Teil heute sogar sinnvoll und besser als gedruckte Bücher, weil es sonst gar keinen Markt dafür geben würde und sie nie entstehen würden. Dort passen sie sogar hin und es macht Sinn.

So hat das Ebook auch eine kreative Funktion und ist ein erstklassiges Instrument und Medium.

Und damit ist in meinen Augen auch die Chance und die Grenze für Ebooks beschrieben.

Sie bieten Möglichkeiten, die normale Bücher nicht haben durch die Chance, aktuell und schnell Infos anzubieten und sie können gute Bücher im Sinne von gestalteten Werken nicht ersetzen.

Es kommt eben drauf an.

Aber dann ist auch Schluß, denn gedruckte Bücher können etwas haben, was man digital nicht kriegen kann. Das fängt banal digital an.

Wir wissen ja, dass eine Grafik (und damit auch ein Foto) auf jedem Monitor mit jeder Grafikkarte anders aussieht.

Das ist bei einem gedruckten Foto anders.

Leider gibt es mittlerweile viele Bücher, die aus einem Einband bestehen und dann nur noch gedruckte Buchstaben haben ohne gestaltete Elemente. Da ist es klar, dass dort der Versuch gestartet wird, dies über elektronische Reader anzubieten, weil die Kosten letztlich viel geringer sind und die Chance, Mehrwert zu kreieren, viel höher.

Letztlich kommt es darauf an. Manche Menschen haben nur ein Buch. Manche Menschen haben nur ein Handy. Manche Menschen haben kein Buch und kein Handy.

Und so sind Fotobücher aus Verlagen – wie zum Beispiel einige der hier vorgestellten Bücher zeigen – eine echte Bereicherung von privaten und öffentlichen Bibliotheken.

Sie nehmen dem einzelnen Foto etwas von seiner Flüchtigkeit in der digitalen Welt, sie sichern in der wirklichen Welt digitale Inhalte und sind damit ein Teil des echten Gedächtnisses, weil sie fälschungssicher sind, und sie bereichern ungemein eine Welt, die sich zunehmend durch digitale Normierbarkeit auszeichnet.

 

 

World Press Photo Award – Presse & PR heute

künstliche Welt – Foto: Michael Mahlke

Kostenlose Reklame statt bezahlter Fotografie

„Für viele Redakteure bei Onlinemedien sind Bilder nur Mittel zum Zweck; und der heißt nicht etwa Geschichten erzählen, sondern: viele Klicks generieren! Da sind 40 Bilder aus dem Agentur-Abo besser als eine Reportage von 20 Bildern anzukaufen. Und wenn die Agentur von einem Motiv eins hoch und eins quer liefert, dann packt man beide da rein. Jeder Klick ein Treffer….

Es stößt einem bitter auf, wenn sich derzeit jedes Käseblatt mit den Bildern Honstras und anderer schmückt und vor seinen Lesern so tut als sei all das “Presse” und man als Blatt sei selbst ein Teil davon und würde all das für den Leser möglich und die Leser das mit ihrem Abo möglich machen. Dabei druckt man nur die kostenlosen Handouts des Wettbewerbs, hat die eigenen Fotografen längst abgeschafft und Leute wie Honstra lassen im Internet den Klingelbeutel rumgehen.“

So die Einschätzung des Photojournalisten Sascha Rheker in seinem Blog aus Anlass der Bekanntgabe der prämierten Fotos des World Press Photo Award.

Offenkundig schreibt er mit Erfahrung. Und so ist seine hier geäußerte Ansicht als Photojournalist genau das Problem, in dem heute Journalismus und Photojournalismus stecken.

Die kommunikative Kette

Es gibt eine Kette, die man mit den drei Wörtern Journalismus, Presse und Public Relations (PR) beschreiben kann.

  • Dabei meint Journalismus eigentlich den Begriff des seriösen und recherchierenden Menschen, der mit Wort und/oder Bild als Informationsmedium arbeitet.
  • Und PR steht für Lobbyismus und Wording.

Lieber PR als Presse?

Das ist natürlich eine Mischung mit Schnittmengen.

Aber man muß sehen, dass die Vierte Gewalt eine wesentliche Rolle in der Demokratie spielt. Daher ist es wichtig zu sehen, was passiert und dies nüchtern zu analysieren. Da reicht die Feststellung:

„Die Krise des Journalismus erweist sich … vor allem als Krise seiner Kritikfunktion“ (Siegfried Weischenberg).

Warum dies so ist, ergibt sich wesentlich aus dieser Schnittmenge. Dies weiter auszuführen ist überflüssig, weil man es im Alltag der Informationen immer wieder sehen kann.

Deshalb möchte ich kurz noch einen Blick auf eine interessante erweiternde Frage werfen.

„Warum gehen Journalisten in die PR?“ fragte das Mediummagazin.de . Die Antworten zeigen, wie es momentan vielfach aussieht: irgendwie ist es in der PR attraktiver, finanziell und strukturell (Arbeitszeiten, Selbstbestimmung, Hierarchie).

Es kann natürlich auch sein, dass die neuen digitalen Kanäle journalistische Medien zunehmend überflüssig machen und die neuen Kanäle ausreichen.

Am Beispiel des Reisejournalismus sieht man diese Entwicklungen. Wahrscheinlich wird es eine neue Parallelität von allgemeineren Rankingseiten für pauschale Angebote und schnelle Buchungen einerseits und differenzierten und spezialisierten Berichten auf Blogs für eher individuell orientierte Reisende geben. Doch in beiden Fällen ist Journalismus nicht mehr notwendig sondern lediglich evtl. nützlich.

Und weiter. Wenn Journalisten letztlich nur noch News-Manager sind, dann sind sie auch für interessante und recherchierende Artikel nicht mehr notwendig. Dann werden es wohl Bloggerinnen und Blogger sein, die für die Inhalte sorgen.

Mal ganz persönlich: wenn ich mir einige bis viele Artikel z.B. bei spiegel.de anschaue, dann schreiben die Journalisten ja wirklich vielfach ihr Wissen aus Blogs zusammen und übersetzen zum Teil quasi nur noch, was auf englischsprachigen Seiten steht. Das ist News-Management und die eigene geistige Leistung ist eher logistischer Natur. Das Entstehen eigener Gedanken und eigener Artikel mit eigenem Durchdachten ist dem Berichten von anderswo gefundenen News gewichen. Für den Technikbereich habe ich dies hier gefunden.

Und was die Fotos angeht bei vielen Medien, da kann man Herrn Rheker wohl nur beipflichten.

Fotostudenten lernen Sponsoring ?

Was hat dies nun mit Fotojournalismus zu tun?

Das möchte ich an einem Beispiel deutlich machen. Was lernen Fotostudenten an der Fachhochschule Hannover?

Ich zitiere aus der Webseite:

„Dabei steht den Studenten eine der modernsten Fotoabteilungen Europas zur Verfügung, sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich. Dank unseres Sponsors Lumix verfügen wir über unsere eigenen Geräte hinaus über eine große Anzahl von Leihkameras. Betreut werden die etwa 160 Fotostudenten von zwei Professoren, einem Fachlehrer und drei technischen Angestellten. Unsere Heimat ist das ehemalige »Global House« auf dem Expo-Gelände, ein wunderbar lichter, transparenter und moderner Bau.

Weiterhin arbeiten wir in berufsvorbereitender Weise für Unternehmen der Wirtschaft (Marc Shoes, Baden-Baden Event GmbH, Klinikum GmbH), für Stiftungen und Verbände (Museumsbund, Niedersächsische Sparkassenstiftung) und für Zeitungen und Zeitschriften (F.A.Z., Hannoversche Allgemeine Zeitung, Brigitte, mare)….

Stolz sind wir darauf, dass uns seit mehreren Jahren eine Zusammenarbeit bei Redaktions-Praktika mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verbindet und dass uns so renommierte Unternehmen wie Panasonic und die niedersächsiche Versicherungungsgruppe VGH finanziell kontinuierlich unterstützen.“

Man lernt offenkundig, dass Presse und PR irgendwie doch sehr miteinander verbunden sind. Das finde ich deshalb so interessant, weil es sich ja gerade hier um die – in meinen Augen – Hochburg des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie in Deutschland handelt, wenn ich diese Aussage ernst nehme: „Damit ist die Fachhochschule Hannover die einzige deutsche Hochschule, die die international übliche Bezeichnung »Photojournalism and Documentary Photography« als Begriff für das Kernprofil in der fotografischen Ausbildung trägt.“

Inwiefern wird die oben genannte „Kritikfunktion“ denn bewusst und unbewusst hier noch zugelassen?

Ist sie zugelassen? Übt man an den Sponsoren die Kritikfunktion?

Dürfte man zum Beispiel Fotoserien über Betriebsschließungen im Zuge der Globalisierung rund um Hannover bei den beteiligten Unternehmen publizieren in Ausstellungen etc.?

Oder wäre es unerwünscht, weil dann zwei Sachverhalte miteinander assoziiert würden, die – ich sag mal – nicht so passend wären aus Sicht eines der Beteiligten?

Würde eine Bilderserie über eine Betriebsschließung und über Massenentlassungen in Hannover einen Preis gewinnen bei den beteiligten Wettbewerben?

Was heisst das?

Wenn man nun alle diese Informationen verknüpft, dann könnte man denken, es gibt vielfach eine unbegrenzte Nähe. Die Messlatte dafür ist die praktizierte bzw. nicht praktizierte Kritikfunktion.

Presse und PR gehen völlig neue Verbindungen ein. Das soll ja auch schon dazu geführt haben, dass Pressemitteilungen von PR-Agenturen als Journalismus verstanden wurden.

Denn auch hier ist das Rollenbild gerade komplett im Wandel zwischen Autodidakten, die medial (journalistisch oder pr ?) arbeiten und dem Scout und eventuell noch mehr Richtungen.

Und wieder andere wechseln von der PResse zur PR.

Wie stark dies auch institutionell im Reisejournalismus (welcher Widersinn im Wort!, es müsste ReisePR heissen) zu finden ist, habe ich schon beschrieben.

Wir leben in einer Zeit, die gerade neue Weichen stellt. Beim Netzwerk Recherche gibt es eine gute Dokumentation zur Frage von Journalismus und PR.

Und bei vocer.org finden Sie noch viel mehr an aktuellen Beiträgen.

Fazit

Nun denn, am Beispiel des World Press Photo Award kann man sehen, wie es aktuell vielfach und nicht nur in Deutschland um die Fotografie und die Situation von Presse und PR in Deutschland bestellt ist.

Gut, dass wir mit unseren GEZ Gebühren die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft aufgebaut haben. Dort ist die Demokratie und die Meinungsfreiheit in guten Händen.

Dort werden täglich großartige Fotos publiziert und solche Dinge, wie oben beschrieben, würden dort nie passieren – oder, oder vielleicht nur ein bisschen?

Nachtrag: Ich hatte ganz übersehen, dass es mittlerweile das Berufsbild des „PR-Journalisten“ gibt. So wird eine Verbindung kreiert, die das Image von seriöser Recherche und Unabhängigkeit vermittelt statt bezahlter Interessengebundenheit. Ich würde sagen, das ist PR pur.

Damit wir uns richtig verstehen. Ich habe nichts gegen PR. Aber sie muss transparent sein, d.h. ich muss wissen, dass interessengeleitet geschrieben oder geworben wird. Das ist in meinen Augen für die Produkte und die PR gut. Aber so tun als ob man seriös recherchiert hat und dann bewusst nur gefakte Test oder Ähnliches zu publizieren, ist unseriös und im Zeitalter sozialer Netzwerke meistens auch dumm.

Albert Camus in Bildern und Dokumenten von Catherine Camus

Ich gebe zu, ich bin befangen. Albert Camus war einer (wenn nicht) der Gedankengeber, die mein Leben wesentlich beinflussen. Und nun gibt es schon in 2. Auflage ein wunderschön gemachtes großes Buch von seiner Tochter „Albert Camus in Bildern und Dokumenten“.

Meine Ansprüche an das Buch waren sehr hoch, denn Albert Camus ist nun mal sehr wichtig für mich.

Konnten diese Ansprüche befriedigt werden? Ich war gespannt.

„Albert Camus ist nicht irgendein Vater, sondern Albert Camus ist mein Vater.“ So beginnt seine Tochter Catherine Camus das Buch.

Später schreibt sie: „Und so habe ich mich mit Blick auf all jene, die Camus kennen oder auch nicht kennen, über alle Bedenken hinweggesetzt, die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten akzeptiert, den unvollkommenen Charakter des ganzen Unterfangens in Kauf genommen und schließlich mit der tatkräftigen Unterstützung von Marcella Mahaseta versucht, sein Leben nachzuzeichnen… an Hand von Photographien in chronologischer Abfolge.“

Das hat dem Buch gut getan. Es ist ein „echter“ Camus. Bevor ich das Buch aufgeschlagen habe, dachte ich, was kann das Buch mir neues bringen?

Als ich es gelesen hatte, da war mir klar, dass der Blick der Tochter auf den Menschen, der diesen dann in eine Beziehung zum Werk setzt, völlig anders ist wie der Blick von mir auf das Werk.

Ja klar ist der anders, aber dazu braucht es eines solchen Buches, um dies so konkret auch sehen zu können.

Interessant ist auch die Gedankenauswahl. Catherine Camus hat vielfach Gedanken ausgewählt, die ich zum Teil erst jetzt neu entdecke. Es sind andere als die, die mir meine Richtung gegeben haben.

Aber das Buch ist auf mehreren Ebenen ein Genuss: es zeigt die Gedankenwelt eines Schriftstellers und Philosophen(?), der das Leben selbst annimmt, es zeigt den Blick der Tochter auf den Vater und es zeigt die Biografie eines Menschen in Gedanken, Fotografien und seiner Entwicklung.

„Jeder Künstler besitzt nämlich in seinem tiefsten Inneren eine einzige Quelle, die sein Leben lang speist, was er ist und was er sagt.“

Dieser Gedanke aus Licht und Schatten zieht sich durch das Buch. Albert Camus schrieb in Bildern.

Wie sagte er selbst einmal? „Man denkt nur in Bildern. Wenn du Philosoph sein willst, schreib Romane.“

Ich bin auf den Zusammenhang von Albert Camus und die Fotografie schon an anderer Stelle eingegangen.

Aber das Buch in der Edition Solms ist auch fotografisch etwas Besonderes.

Es ist ein Beispiel für die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie in ihrer Entwicklung. Da das Buch einen erheblichen Teil des 20. Jhrdts. umfasst, ist auch die Entwicklung der Fotografie in verschiedenen sozialen Gruppen und Funktionen zu sehen.

Familienfotos aufgeteilt nach Generationen, Klassenfotos, alte Schnappschüsse sind die eine Seite. Ein anderes Thema ist der Künstler und Theatermacher bei der Arbeit. Dann gibt es Fotos wie Albert Camus sich öffentlich einmischt. Und es gibt z.B. die Porträts von Henri Cartier-Bresson, die Albert Camus bis heute auch bildlich berühmt gemacht haben.

Alles dies gibt es nur in diesem Buch.

Je länger ich nun über das Buch von Catherine Camus schreibe, desto mehr inspiriert es mich. Was kann man besseres über ein Buch sagen?

Das Buch ist nicht unbedingt eine Einführung in das Werk. Es ist viel mehr. Es ist für Menschen, die die Gedanken von Camus kennen, eigentlich die beste Ergänzung, die man sich denken kann, denn es inspiriert zur neuen Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt.

Und es ist für fotografisch interessierte Menschen ein sehr gelungenes und interessantes Beispiel für die Entwicklung und die Veränderungen von Fotografie in sozialen Zusammenhängen am Beispiel von Albert Camus.

Eine Vorschau des Buches findet man hier und kaufen kann man es u.a. hier:

Edition-Olms

Hrsg. Catherine Camus

ALBERT CAMUS
Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Übersetzung aus dem Französischen von Alwin Letzkus. 224 Seiten mit 550 Fotos und Illustrationen. Hardcover im Folio-Format 28 x 33 cm

ISBN10: 3-283-01151-6
ISBN13: 978-3-283-01151-2

2012: Immer teurer, schlechte Pflege und „falsch“ informiert? – Bitte nicht!

Was ist los im Kameraleben auf dieser Welt?

Wenn wir es runterbrechen auf die konkreten Handlungsweisen, dann fallen meiner Meinung nach einige aktuelle Entwicklungen auf:

  • Fuji löst z.B. wesentliche Probleme nicht, die von Kunden bzgl. der Kameras formuliert werden. Statt hochpreisige Produkte (X100, X10) durch Firmware-Updates zu optimieren bzw. voll einsetzbar zu machen, werden noch höherpreisige neue Produkte angeboten. Aber warum sollte man die kaufen, wenn die vorherigen Produkte nicht mal richtig ok sind? Nun steht Fuji nicht alleine da, wie man in diversen Foren lesen kann. Aber das ist schon bemerkenswert. Ich finde, das hat erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen in eine Marke.
  • Neue Kameras werden mit empfohlenen Preisvorstellungen auf den Markt gebracht, die dem technischen Mehrwert in keiner Weise entsprechen.
  • Der Journalismus verabschiedet sich teilweise. Die Internet-Oligarchie wächst. Es scheint z.B. so, dass offenkundig nur ein kleiner Kreis ausgewählter Webmagazine spezielle Kameras erhält und diese dort entsprechend besprochen werden, sogar bewertet werden und mit Beispielgalerien gefüllt werden ohne dass die Kameras tatsächlich kaufbar und die dort publizierten Inhalte überprüfbar wären. Einmal scheint spiegel.de dies ausgehebelt zu haben.
  • Die Zahl der „Previews“ und „Hands on“ bei Artikeln in Testmagazinen nimmt zu. Das sind in meinen Augen Tests ohne Tests, die aber schon bewerten. Aber sind dies noch journalistische Artikel oder eher (bezahlte?) Werbung bzw. PR? Zweifel sind spätestens angebracht, wenn diese Magazine von den Herstellern Werbung schalten.

Der DJV fordert mehr Qualitätsjournalismus. Das muss gerade auch im Bereich des Fotojournalismus und im Internet gelten. Allerdings ist das Thema grösser als ich es hier anschneiden kann. So wird die Gegenwart ein Ort neuer und alter Herausforderungen.

 

Vom virtuosen Photographen zur virtuellen Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Seitdem Bourdieus „Eine illegitime Kunst“ 1965 erschienen ist, ist die Diskussion darüber nicht abgerissen, aber immer nur in kleinen Kreisen.

Deshalb möchte ich meine Beschäftigung mit diesem Thema und den sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie mit diesem Artikel dem aktuellen fotografischen Zeitgeist zuführen und damit auch diesen Zyklus beenden und mich vom Schreiben mehr abwenden und dem Fotografieren mehr zuwenden.

In Bourdieus Buch schreibt Jean-Claude Chamboredon über „Mechanische, unkultivierte Kunst“. Dort benutzt er den Begriff des „virtuosen Photographen“ und läßt unter anderem Brassai, Man Ray und Henri Cartier-Bresson zu Wort kommen.

Damit ist klar, was mit diesem Begriff zu Beginn der 60er Jahre gemeint war: gelungene Fotos.

Damals war das Thema Fotokunst noch nicht so stark abgegrenzt vom Thema Dokumentarfotografie und teilweise deckungsgleich.

Wodurch ist ein Foto gut?

Ein paar Jahre danach schrieb 1969  Andreas Feininger zur Frage “Wodurch wird eine Fotografie gut?”

folgendes: “Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als »gut« empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:

  1. Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Absicht und Sinn zu offenbaren
  3. gefühlsmäßig zu wirken
  4. grafische Gestaltung zu besitzen.”

Diese Attribute beziehen sich offenkundig auf Fotos und nicht auf Fotokunst. Doch die Schnittmenge bleibt wie noch zu sehen sein wird.

Was ist virtuos?

Damit kommen wir der Frage, was man unter einem virtuosen Photographen verstehen kann, ein Stück näher.

Virtuos ist eine Fähigkeit, die über das Erlernte hinausgeht. Virtuos ist damit individuell und somit personengebunden.

Und virtuos ist an eine spezielle Fähigkeit gekoppelt. Hier ist es die Fähigkeit, aus einem Fotoapparat mehr herauszuholen als andere auf bestimmte Weise.

Dies ist also weniger die Fähigkeit, einen Fotoapparat bedienen zu können als z.B. die Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt in einer Situation einzufangen oder das Foto geometrisch zu gestalten oder das Wichtige vom weniger Wichtigen durch Schärfe bzw. Unschärfe zu trennen etc.

Das hat auch etwas mit Visionen zu tun, die das eigene fotografische Tun leiten und es hat mit dem Zeitgeist zu tun, der sich aus den dominierenden Sichtweisen zusammensetzt, die wiederum mit den technischen Möglichkeiten zusammenhängen.

Zwischen virtuos und virtuell

Um das Thema konkret anzupacken, möchte ich die hier mehrfach fotografisch dargestellten, bearbeiteten bzw. als Fotokunst kreierten Bücher nehmen, die zusammen fast einen Zeitraum von 50 Jahren Beschäftigung mit dem Thema Fotografie und Fotokunst abdecken und den sozialen Umgang mit Fotografie durch sich selbst und durch die Inhalte dokumentieren.

Bourdieu untersuchte Fotografie und ihre Anwendung im Rahmen der sozialen Verhaltensweisen. Seine Beispiele zeigen, dass die Gestaltung von Fotos vielfach durch die Menschen erfolgt, die aufgenommen werden.

So fangen Familienfotos keine spontanen Situationen ein sondern sind geplante Ereignisse mit Anzug, Positionierung der Gruppe und gewollter Aussagekraft.

Dies ist dann ein sozialer Prozess, der dokumentiert wird, eben eine soziale Gebrauchsweise.

Foto: Michael Mahlke

Fotografie als fortgeschrittene Kunst

Charlotte Cotton verfolgt in ihrem Buch „the photograph as contemporary art“, die Entwicklungen seit dieser Zeit (das Buch ist mittlerweile auch auf deutsch erschienen, zur Beurteilung der Übersetzung ins Deutsche gibt es hier Informationen).

Sie zeigt, dass die Versuche, aus Fotografie „conceptual art“ – also eine geplante Kunst – zu machen, durch die Nutzung der Fotografie bei Künstler-Vorführungen (Performances) erhebliche Anstösse bekam.

Aus Schnappschüssen und ihren Meistern/- innen entwickelte sich eine gestaltete Fotografie, die das eigentliche Bild vielfach nur noch zum Festhalten der ausgedachten Situation nutzte.

Und es entwickelte sich „Deadpan“. Es ist der englische Begriff für emotionslos und weist auf die Fotografie hin, die ohne Anteilnahme Aufnahmen plant und festhält.

Diese wurde in den 90er Jahren populär, quasi parallel zum wachsenden Markt für Fotokunst.

Es sind Bilder, die als „Germanic“ bezeichnet werden und Namen wie Becher und Gurski meinen. Aber auch Niedermayr, Smith oder Burtynsky fallen darunter.

Es ist eine neue Sachlichkeit der Fotografie, die durch ihre unpersönliche Art der Darstellung sich gut zur Vermarktung im Bereich Fotokunst eignet.

State of the art photography

Das zur Ausstellung im NRW-Forum erschienene Buch „state of the art photography“ zeigt nun einen weiteren Schritt. Parallel zu realen Welten werden nun aus Fotos auch neue Welten kreiert.

So heisst es zum Beispiel bei Alex Grein, die bei Andreas Gursky ausgebildet wurde: „Die fotografischen Arbeiten Arbeiten setzen sich aus Bildausschnitten zusammen, die Satellitenaufnahmen von Google Earth entstammen. Deren Objektivität wird durch eine subjektive Rekonstruktion abgelöst. Eine neue Landschaft entsteht.“

Ossian Ward hat dies alles in dem Buch so ausgedrückt: „Die Künstler, die heutzutage mit dem Medium Fotografie arbeiten, sind deshalb nicht einfach nur Fotografen sondern auch Kuratoren, Archivare, Geschichtenerzähler und Gestalter von Abbildern der Wirklichkeit oder ihrer selbst erdachten Welten.“

Nun gab es dies schon länger. Aber entscheidend ist nicht die Existenz von Dingen und sozialen Verhaltensweisen sondern die Dominanz im öffentlichen und sozialen Raum.

Also, was wird in Museen ausgestellt, worüber schreiben die Medien offline und online, was wird im Fernsehen gezeigt, worüber gibt es neue Bücher und vieles mehr.

Und da ist es so, dass diese Themen aktuell dominieren. Und damit ist aus der virtuosen Fotografie eine virtuelle Fotografie geworden, die nicht mehr das Abbilden der Realität sondern die Verarbeitung von digital vorliegenden Inhalten jeder Art zum Thema hat.

 

Foto: Michael Mahlke

 

Der Markt für diese Art von transzendierter Fotografie wächst. Gestaltete reale und virtuelle Inhalte werden immer mehr im sozialen Umfeld von Menschen eine Rolle spielen. Die Fotografie als Element des menschlichen Alltags wird zunehmend zum Ausdrucksmittel einer neuer Definition von Kunst.

Somit wird sicherlich auch bald der Begriff der virtuosen virtuellen Fotografie Einzug halten, um sich besser von anderen unterscheiden zu können.

Ich bin gespannt, wann und wo es soweit ist.

So hat sich der Zeitgeist gewandelt und zeigt sich heute fotografisch in dieser Form. Es sind 50 Jahre Geschichte der Fotografie und Umgang mit einem Medium. Doch wir haben die Schwelle ins digitale Land erst kurz hinter uns gelassen. So wird die Zukunft digital, bunt und auch weiterhin dynamisch voller fotografischer Überraschungen sein.

Was in 50 Jahren unter Fotokunst verstanden wird, werde ich nicht mehr erleben. Aber die Veränderungen der letzten 50 Jahre zeigen, dass es nicht so bleibt wie es ist.

Das ist sicher.

Textversion 1.1

State of the Art Photography

„State of the Art Photography“ zeigt einen einzigartigen Überblick über den aktuellen Stand der Fotografie. Rund 40 Künstler unterschiedlicher Nationen beweisen: Die Fotografie befindet sich in einem großen Wandel. Nicht nur die digitale Revolution verändert und erweitert das Bildermachen, auch der globale Datenraum selbst ist zu einer neuen Ressource geworden. Ebenfalls ist der entgegengesetzte Weg zum analogen Unikat wieder eine Option. So sind Themen wie Migration und Globalisierung stark vertreten. Die in diesem Buch vorgestellten Fotografen haben neue Heroen, sind offen für neue Präsentationsformen. Die Fotografie scheint endgültig in der freien Kunst angekommen.“

Und tatsächlich zeigt dieser Text den Inhalt des Buches und wie man heute mit Fotografie umgehen kann. Es ist ein großes Buch, welches weite Verbreitung erfahren wird, weil es eine Ausstellung im NRW-Forum begleitet und dokumentiert.

Jeweils ca. sechs Seiten geben einen Einblick in die männlichen und weiblichen Fotografen bzw. Künstler und ihr fotografisches Tun: Peter Ainsworth, Jacob Aue Sobol, Olaf Otto Becker, Laura Bielau, Miriam Böhm, Elina Brotherus, Bianca Brunner, Stefan Burger, Asger Carlsen, Katalin Deér, Martin Denker, Jan Paul Evers, Daniel Gordon, Alex Grein, Harry Gruyaert, Oliver Helbig, Ulrich Hensel, Stefan Hostettler, Pepa Hristova, Sanna Kannisto, Annette Kelm, Jeremy Kost, Mischa Kuball, Edgar Leciejewski, Tim Lee, Maziar Moradi, Armin Morbach, Andreas Mühe, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Alex Prager, Rico Scagliola & Michael Meier, Arne Schmitt, Anja Schori, Jeremy Shaw, Kathrin Sonntag, Heidi Specker, Mikhael Subotzky & Patrick Waterhouse, Anna Vogel, WassinkLundgren, Moritz Wegwerth, Pinar Yolaçan.

Ossian Ward schreibt in seinem Vorwort: „Nein, die Fotografie ist bei Weitem nicht am Ende. Sie ist nur ziemlich aus dem Ruder gelaufen. … Tatsächlich gibt es heute kaum noch so etwas wie banale Fotografie…. diese Ausstellung und diese 41 Künstler beschäftigen sich mit einem oder mehreren der vielen Themen und loten damit alle Möglichkeiten aus.“

Und so ist ein Buch entstanden, das aktuelle Ansätze der Fotografie und der Fotokunst in der Gegenwart zeigt. Es ist ein Einblick, es ist kein Überblick. Das Buch ist gut und übersichtlich gemacht und es lohnt sich, auch wenn man nicht in die Ausstellung geht. Denn man bekommt einen Geschmack für das, was man leiden kann und für das, was einem nicht gefällt. So trägt dieses Buch zur Geschmacksbildung und zur Unterscheidung bei und hilft, eine eigene fotografische Meinung zu entwickeln.

Fotokunst ist in aller Munde. Hier ist sie geballt und gut zu sehen.

Einen Einblick in das Buch gibt es direkt auf den Seiten von Feymedia.

State of the Art Photography

Essay von Ossian Ward
Hardcover, Fadenheftung
264 Seiten
237 Abbildungen
Format: 24 cm x 30 cm
Zweisprachige Ausgabe:

Englisch / Deutsch

ISBN 978-3941459380

 

 

Der Imagewandel im Reisejournalismus – die neue Wirklichkeit der Reisefotografie

Die Toskana des Ostens Foto: Michael Mahlke

„Unstreitig ist die Intensivierung der photographischen Praxis eng verknüpft mit Freizeit und Tourismus.“
Pierre Bourdieu

Reisen bildet(e)

Früher war Reisen verbunden mit dem Kennenlernen anderer Kulturen. Reisen bedeutete das Kennenlernen von Kulturen, Sitten und Gebräuchen, die es bei mir zu Hause nicht gab. Das war aber nicht alles. Reisefotografie war die Vermittlung von Wissen durch Fotos über Orte und Regionen, die interessant waren, die man aber selber nicht besuchen konnte.

Einen besonderen Reiz machte dann die Begegnung von Mensch zu Mensch und Kultur zu Kultur aus. Diese Begegnungen sind auch bis heute das eigentlich Reizvolle. Einer der bekanntesten Reisefotografen war sicherlich Burton Holmes.

Rückblickend bis heute sehr reizvoll ist die Sammlung von Albert Kahn, der Fotografen bezahlte, um durch die Welt zu reisen und zu fotografieren.

Mit Tonbildschau (heute Beamer) wurden dann Veranstaltungen durchgeführt, die diese Orte mit grossformatigen Fotos dem Publikum erfahrbar machten. So etwas gibt es teilweise immer noch, wobei die persönliche Begegnung mit dem Fotografen oder der Fotografin vielfach der eigentliche Reiz des Abends zu sein scheint.

Von der Reisefotografie zur Risikofotografie

Aber zunehmend verändert sich dieser Bereich. Am Anfang waren es andere Kontinente und Länder, die dargestellt wurden. Jetzt sind es zunehmend explodierende Vulkane, verlassene oder unwirkliche Regionen, Gletscherhöhlen oder Extremrisiken, die fotografisch angeboten werden. Oder man fliegt mit grossem Aufgebot durch die Savanne und fotografiert Tiere.

Das hat mit bisheriger Reisefotografie eigentlich sehr wenig zu tun. Es ist eher Risikofotografie. Diese kann dann noch ergänzt werden durch fotografische Reisen in Gebiete, die von den Taliban oder anderen bewaffneten Gruppen beherrscht werden.

Foto: Michael Mahlke

Die Fotoindustrie

Dahinter steckt dann in meinen Augen eine Industrie, die das vermarktet nach dem Motto nur mit diesem Objektiv und diesem Sensor, diesem Auto, dieser Uhr etc. war dies möglich. Selbst wenn es stimmen sollte, wäre zu fragen, ob dies überhaupt sinnvoll ist.

Es geht hier sicherlich in meinen Augen vielfach um Imagebildung, so wie man schnelle Autos meistens mit halbnackten Frauen abbildet, um Assoziationskombinationen mit positiven Effekten zu schaffen.

Meine Erfahrungen mit Reisejournalismus, Menschen und Kameras

Ich persönlich habe im Laufe der Jahre eine Reihe von Reisejournalisten kennengelernt, bevor und während ich dies selbst praktizierte. In allen Fällen war Reisejournalismus ein zusätzliches Betätigungsfeld oder eine Ergänzung zu anderen Tätigkeiten.

Und ich habe den Wandel in der Kamerabenutzung dabei erlebt. Während mir meine ersten Bekanntschaften sagten, dass die schweren Kameras unerläßlich sind, erlebte ich dann Fotografen, die offen für neue Technik waren und einige, die gar keine Chance gehabt hätten, während ihrer Reise große Ausrüstungen mitzunehmen.

Und sie machten und machen trotzdem gute Fotos, die sowohl im Printbereich als auch im Onlinebereich publiziert wurden und werden.

So entstanden viele Fotos mit Kameras wie z.B. der Panasonic TZ5, der Panasonic TZ10, der Leica V-Lux 20 oder kleine DSLRs wie die Nikon D5000 oder eine Panasonic G2/G3. Dies waren die Kameras, die bei echten Reisen eingesetzt wurden.

Wenn es auf reine Pressereisen ging, die z.T. durchaus sinnvoll sind, wurden nach meiner Beobachtung eher größere Kameras eingesetzt. Man hatte manchmal den Eindruck, es ging eher darum, in der Gruppe etwas zu zeigen. Die Fotos waren in der Regel nicht besser, nur die Kameras waren größer.

Als ich anfing, ein Langzeitprojekt mit echten Reiseberichten herauszugeben und zu publizieren – travigal.de – glaubte ich zu Beginn auch noch an die Wichtigkeit der grossen Kameras.

Aber die Zusammenarbeit mit den modern eingestellten Reisefotografen lehrte mich, dass heute eine gute Kompaktkamera fast immer ausreicht mit einer Anfangsbrenntweite von ca. 24mm Weitwinkel und guter Bildqualität.

Dabei sprechen wir natürlich nicht über Reisen ans Ende der Welt. Aber selbst da sind wohl in den meisten Fällen heute kompakte Outdoorkameras in der Regel die Gewinner.

Nur bei extremen Belastungen, die eigentlich nicht das Thema von Urlaubsreisen sind, wäre es sinnvoll, besondere Kameras zu benutzen. Das wäre aber eher etwas für einen Artikel über Risikofotografie.

Die „neuen“ Reiseabenteuer und die Amateure

Und Reisen heute bedeutet heute oft nur noch Flughafen, Hotel, Strand und Meer oder Berge mit demselben Essen und demselben „globalisierten“ Standard wie zu Hause. Viele wollen im Urlaub die Sicherheit, dass es so ist wie zu Hause – nur ein bisschen anders.

So verlagert sich das Thema auf „Erlebnisse“, die der Reiseveranstalter einbaut, oder Risikoreisen, weil echte Erlebnisse so wie früher kaum bis gar nicht mehr möglich sind.

Umgekehrt sind gerade diejenigen, die hinter die globalisierten Strukturen im Kleinen und im Grossen schauen, oft die richtigen Reisereporter für authentische, kleine und grosse Geschichten.

So werden zunehmend die Amateure wichtiger. Das ist dann aber wiederum oft ein Problem für die PR-Agenturen. So gibt es Versuche, auf spezielle Weise Kommunikation durch ein Netzwerk von Beziehungen aufzubauen und/oder beizubehalten.

Foto: Michael Mahlke

Wo bleibt die Transparenz?  – PR-Agenturen und Reisejournalisten

Wie sich eine Zusammenarbeit zwischen „Fachjournalisten und Öffentlichkeitsarbeitern im Tourismus“ darstellt, können Sie z.B. hier selbst lesen. Es geht nach meiner Auffassung um die Zusammenarbeit von PR-Agenturen und Reisejournalisten.

Von diesen „Fachjournalisten“ sollte man erwarten, dass sie mindestens bei den Artikeln, die sie schreiben, darauf hinweisen, wer ihre Reisen unterstützt und gesponsert hat und wer was bezahlt hat.

Das ist für mich ein wichtiges Kennzeichen von seriösem Reisejournalismus. Das nennt sich Transparenz und unterscheidet in meinen Augen  Qualitätsjournalismus von PR. Gucken Sie doch mal, wer das macht …

Man kann das Ganze aber auch anders sehen und sagen, gerade weil es eine bezahlte Reise ist, nenne ich den Sponsor nicht sondern sage, das Nennen wäre PR (!). Damit sind dann natürlich der mündige Bürger, die Transparenz und die eigene Meinungsbildung stark behindert und der Journalist entzieht sich jeder transparenten Bewertung seines Tuns. Und wie sich dabei alle Vorurteile erfüllen können, kann man dann beispielsweise hier lesen.

Diese Art des „Journalismus“ wird übrigens dann besonders interessant, wenn man z.B. ein spezielles Hotel besucht und dann darüber berichtet wie gut es dort war, ohne zu erwähnen, dass dies vom Hotel bzw. der PR-Agentur gesponsert war. (VDRJ-Mitglieder verstossen damit in meinen Augen komplett gegen Abschnitt 6 des VDRJ Kodex).

Die Verfeinerung findet dann statt durch die Angabe von speziellen Internetadressen, die man nennt bzw. wegläßt. Oder umgekehrt schreibt man einen Artikel über eine Region, der allgemeiner ist und gibt dann lediglich einige wenige – oder nur eine – spezielle Internetadresse(n) an.

Übrigens bin ich mit dieser Auffassung nicht allein. Der Politikwissenschaftler Hans J. Kleinsteuber hat zusammen mit Tanja Thimm ein Buch u.a. über die Ethik des Reisejournalismus geschrieben und vertritt laut mediummagazin genau meine Gedanken zur Transparenz. Lesen Sie dazu einfach mal den Artikel von Anne Haeming bei mediummagazin.de. Dort steht auch noch was zum VDRJ.

Wie schreiben Kleinsteuber/Thimm? „Der Interessent kann sich gezielt und zum Zeitpunkt seiner Wahl die Reportagen und Berichte heraussuchen, die ihm für sein nächstes Urlaubsziel wichtig sind. Damit wird die Beziehung zwischen Produzent und Nutzer viel enger; der Leser verlangt weniger gefühlige Erzählungen und eher handfeste Informationen. Und er kann sich die Reportage ausdrucken, mitnehmen und viele der darin gemachten Behauptungen überprüfen. Faktisch verändern sich so in digitalen Umwelten die Rahmenbedingungen des Reisejournalismus, der Redakteur wird vom Geschichtenerzähler zum schreibenden Dienstleister des Lesers und tut gut daran, die veränderten Rahmenbedingungen in seine Arbeit einzubeziehen.“

So würde es Sinn machen, für die neue gute Art des Reisejournalismus eine neue Auszeichnung (Award) zu kreieren, vielleicht den Travigal-Award:

Ich glaube, dass es ganz ok ist, wenn man Unterstützung durch eine PR-Agentur oder einzelne Unternehmen erhält oder eine Pressereise macht und darauf dann am Ende des Reiseberichtes auch ganz offen hinweist, so wie dies ja z.B. auch die Welt am Sonntag und die TAZ laut mediummagazin machen.

Das ist transparent. Und warum soll dann der Reisebericht nicht ok sein? Wer die Wahrheit nicht schreibt oder nur positiv, der erhält doch spätestens, wenn die Urlauber zurückkommen und die Wahrheit gesehen haben, die Quittung durch Kommentare und in Social Networks – und dann ist die Glaubwürdigkeit dokumentiert „weg“.

Aber PR-Unterstützung ist nicht immer sinnvoll. Meine Reiseberichte über Wien und Berlin wären nie authentisch geworden, wenn ich nicht mehrere Wochen allein dies alles bereist hätte. Da entstehen dann die Erlebnisse, die den Zeitgeist und den Charakter an einem Ort zu einer Zeit ausmachen und die auch als Reiseberichte überstehen, weil sie Jahre später von Dritten mit ihren Erlebnissen und den Veränderungern verglichen werden können. Es kommt da eben auch auf die Ansprüche und den Ansatz an.

Wie kommt man an die Amateure ran?

Früher zeichneten sich Journalisten ja dadurch aus, dass sie ein Medium zur Verfügung hatten, welches der normale Bürger nicht zur Verfügung hatte, eine Tageszeitung, ein Reisemagazin, einen Sendeplatz im Radio oder Fernsehen (so wie die GEZ-gesponserten Medien heute noch).

Heute ist dies durch die digitale Welt zum Teil anders. Jeder kann Reisejournalismus betreiben. Also wird nun versucht, die Amateure einzubinden. Das hat zu Plattformen wie z.B. der Geo-Reisecommunity geführt. Zwischen den Artikeln findet man dann sehr oft Werbung. So gelingt es dann, den Amateur einzubinden in eigene PR-Strategien.

Bei der Geo-Reisecommunity wird übrigens zwischen Reiseprofis und Amateuren unterschieden. Schauen Sie dort mal bei den „Reiseprofis (RP)“ vorbei und gucken Sie mal mit dem oben formulierten Problembewusstsein. Wahrscheinlich ist den Machern der Geo-Reisecommunity ihr schmaler Weg bewusst. So heisst es in den AGBs für die Reiseprofis (RP) u.a.:

„Abweichend von den diesbezüglichen Regelungen in Abschnitt 12.2 der GEO-Reisecommunity-AGB gestattet GEO.de RP die Erstellung von einzelnen Tipps mit kommerziellem Hintergrund. Dafür gelten die folgenden Regelungen:

– es dürfen ausschließlich Tipps (inkl. der dabei verwendeten Bilder) mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden. Für Reiseberichte, Forenbeiträge, Anschreiben anderer User etc. gelten unverändert die Regelungen der AGB der GEO-Reisecommunity

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund müssen von RP über eine entsprechende Option bei der Eingabe gekennzeichnet werden und werden in der Darstellung für alle User entsprechend ausgewiesen. Angebote des RP dürfen nicht als Angebote von GEO oder der GEO-Reisecommunity präsentiert werden

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund dürfen vom RP nur zu eigenen Angeboten erstellt werden. Beispielsweise dürfen Hoteliers nur eigene Hotels, Autoren nur eigene Veröffentlichungen beschreiben …“

Das Fettgedruckte ist eine Hervorhebung von mir.

Ich habe bisher so gut wie nirgends bei den Reisetipps den Hinweis gefunden, dass es sich um ein rein kommerzielles Angebot handelt, aber gucken Sie doch mal selbst, vielleicht finden Sie etwas und ich habe es einfach übersehen. Ich habe bei der Geo-Reisecommunity deshalb angefragt und werde eine Antwort hier gerne publizieren. Diese ist gekommen. Die Email ist vom Team der Geo-RC und dort heisst es: „Die Formulierung in den AGB soll darauf hinweisen, dass keine Reiseberichte mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden dürfen – und in diesem Sinne ist das „nur“ zu verstehen.

Genau!

Damit weiter im Text.

Eine sehr schöne Webseite, die mir persönlich gefällt,  ist Trekearth. Im Netz gibt es unendlich viele Webseiten mit Reiseberichten, weil Reisefotografie und Reiseberichte eines der Lieblingsthemen für Kamerabesitzer auf der ganzen Welt sind.

Das ist übrigens auch gut für die Fotoindustrie, weil sich dadurch wiederum Absatzchancen ergeben und es ist gut für die Menschen, weil die persönliche Weiterentwicklung und Identitätsbildung durch Abgrenzung erfolgt, wie Erich Fromm schon festgestellt hat.

Der Markt ist riesig

Wie riesig die Dimensionen für Geschäfte in diesem Bereich sind, wurde mir bei einem Besuch auf der  ITB klar, der Reisemesse in Berlin. Ich habe noch nie so viele PR-Agenturen auf einem Haufen gesehen. Und die brauchen für die Verbreitung in den Medien und im Netz journalistische Unterstützung.

Bemerkenswert für mich war das Hofieren der öffentlich-rechtlichen Sender (!!!) neben dem bisher Gesagten. Und im letzten Jahr bemerkte ich, dass fast jede PR-Agentur der Auffassung ist, sie könne doch mit Social Media und Webseiten alles alleine machen.

Angebote zu professionellem Web- und Social-Media Management wurden – so mein Eindruck – als feindliche Attacken abgewehrt wie in einem Krieg.

Doch zurück zum Kernthema des Artikels!

Das Geld soll und wird ja von allen Beteiligten mit den Urlaubern verdient. Und die wollen sehr oft Fotos machen.

So ist die Fotoindustrie mit im Boot und es ergeben sich für alle Beteiligten rund um den Urlauber riesige Absatzmärkte. Und bezogen auf die Fotografie geht es natürlich vor allem um Digitalkameras und die Motive dafür.

Fazit

So ist Reisejournalismus und Digitalfotografie ein Thema mit viel Potential für die Zukunft.

Ich hoffe, auf  einige feine Unterschiede aus meiner persönlichen Sicht aufmerksam gemacht zu haben, die ich als Tendenzen der Zeit sehe, insbesondere die Frage von seriösem Journalismus und PR-„Journalismus“ und die wachsende Rolle der Amateure.

Nachtrag am 30.11.2012:

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Scheinheiligkeit noch größer ist als vermutet und Transparenz ein Fremdwort: „Das aktuelle „medium magazin“ berichtet im Beitrag „Luxusrecherchen im Wirtschaftsressort“ über die Käuflichkeit von Redaktionen: Unternehmen zahlten teure Reisen für FAZ und SZ, die „Welt“ deckte auf.“ So finden wir es bei newsroom.de. Damit sind nun wirklich alle Vorurteile von der Wirklichkeit bestätigt worden, zumal es hier nicht allein um Reisejournalismus ging sondern um Berichterstattung zu Wirtschaftsthemen.

Nachtrag am 28.07.2013:

Angeblich will jetzt die FAZ auf „maximale Transparenz“ setzen und auch darauf hinweisen, wenn eine Reise oder ein Thema gesponsert wurden.

 

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Foto: michael Mahlke

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Die Bilder des Jahres 2011 zwischen Journalismus und PR

Ab und zu muß man zurückblicken, um sich klar zu machen, welche Fotos erfolgreich waren. Nicht alle entstanden zufällig, manche wurden quasi bestellt. Aber machen Sie sich selbst ein Bild:

Diese Liste läßt sich fortsetzen. Wenn Sie dies abarbeiten, ist das einer der besten Fotokurse für aktuelle Reportagefotos, den Sie bekommen können. Und dann auch noch kostenlos.

Je nach Region und Kulturkreis sind die Fotos sehr verschieden mit Ausnahme von Ereignissen, die die Welt betroffen machten.

Warum Cartier-Bresson für Leica so wichtig ist

Immer wieder wird die Frage diskutiert, warum eine Leica M9 so teuer ist? Weil diese Frage gerade wieder mal durch das Netz geistert, führte dies bei mir zu persönlichen Überlegungen, die ich hier publiziere. Da die Kamera auch nur digitale Fotos macht, muss es andere Gründe geben als die Bildqualität.

Henri Cartier-Bresson (HCB) gründete zusammen mit anderen die Fotoagentur Magnum, er war einer der berühmtesten Reporter des 20. Jahrhunderts und er bekannte sich zur Leica M als einzige und ausschließliche Kamera (bis auf die Minilux…).

Das 20. Jahrhundert und die Leica

Das ergab im 20. Jahrhundert bis weit in die 80er Jahre hinein eine glückliche Verbindung für beide Seiten. Als Cartier-Bressons Schwarzweißfotografie abgelöst wurde durch Farbe, als seine klare Geometrie dem Alles-Möglichen weichen musste und als die digitalen Kameras aufkamen, da sank die Wirkung.

Es war eine neue Zeit und ein neuer Zeitgeist da.

Der Siegeszug der Digitalkameras war fast der Untergang von Leica. Es scheint so, dass nur durch die Anstrengungen eines Milliardärs mit einem offenkundigen Faible für Leica  es gelingen konnte, das Ruder rumzureissen (was ja nicht schlecht sein muß).

Das 21. Jahrhundert

Aber heute ist die Welt anders. Es gibt nicht mehr den einen Reporter, der mit seiner Kamera die Sicht der Medien bestimmt. Es gibt auch nicht mehr das Bekenntnis nur zu einer Kamera. Und es gibt heute auch technisch andere Möglichkeiten.

Aber Leica hat mit der M9 das digitale Abbild der alten erfolgreichen Kamera geschaffen: das Kleinbild und den Messsucher.

Das neue Image

Und heute kann man keinen Fotografen mehr finden, der weltweit seine Fotos zum Thema Reportage und Strassenfotografie vermarktet, dabei an führender Stelle steht und dann auch noch ein klares Bekenntnis zur Leica M9 als einziges fotografisches Instrument ablegt. Was tun?

Wurde nun am Image gearbeitet? Fakt ist, es wurde eine Zusammenarbeit zwischen Leica und Magnum vereinbart, dann wurde die Leica „Hall of Fame“ eingerichtet. So wurden medienwirksame Verknüpfungen erzeugt, die auch in den Köpfen kreisen oder kreisen sollen.

Es scheint plausibel, dass da ein Image kreiert wurde, welches auf dem alten Image aufbaut und es in die Gegenwart holt. Hinzu kam offenbar die erfolgreiche Vermarktung der Leica in den Kreisen der Reichen, wobei diese Bilder eher irritierend wirken.

Bemerkenswert sind dabei natürlich ein paar kleine Einzelheiten. So gab es vor der Zusammenarbeit mit Leica Magnum-Fotografen, die offen sagten, dass sie mit Kompaktkameras arbeiten. An anderer Stelle hatte ich ebenfalls aus einer Webseite zitiert, auf der ein Magnum-Fotograf sich positiv zu Kompaktkameras äußerte. Der Artikel ist dort mittlerweile verschwunden und nur noch mein Zitat ist übriggeblieben. Aber google hat es dann woanders gefunden.

Und der erste Preis der Leica Hall of Fame ging an Steve Mccurry. Der benutzte aber Nikon. Oder etwa doch nicht? Man zweifelt, wenn man dieses Interview liest.

Vielleicht ändern sich ja Erinnerungen im Laufe der Zeit, wenn die Aktualität die Gedanken neu ordnet. Das ist oft auch ein Problem der Geschichtsschreibung, zwischen Erkenntnis und Interesse zu unterscheiden.

Ein Schelm, wer dabei an Dieter Hacker denkt.

Aber einer bleibt: Henri Cartier-Bresson. Seine Art zu fotografieren bleibt und seine Zeit auch. Sie ist vergangen und sie kommt nicht wieder.

Die soziale Gebrauchsweise der M9-Käufer

Aus meiner Sicht kann man an die Leica M9 noch eine andere Frage stellen: ist sie ein besonderes Beispiel für die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie?

Welche sozialen Gebrauchsweisen sind maßgeblich für die Eigentümer einer Leica M9?

  • Ich vermute, es sind entweder Sammler und/oder Amateure, die sich für Geld ein Image kaufen wollen.
  • Das Gefühl, sich ein Stück dieser Zeit kaufen zu können mit einer M9, ist vielleicht auch einer der Gründe.
  • Ein anderer Grund könnte das Merkmal der sozialen Unterscheidung sein, so wie auch nicht jeder sich ein Ticket für … leisten kann.

Und wenn man dies so betrachtet, dann hat man bei Leica mit der Imagebildung wahrscheinlich alles richtig gemacht.

Und deshalb ist Henri Cartier-Bresson so wichtig: weil er die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart für Leica ist.

Übrigens, in dem folgenden Film, der nach dem Artikel gesendet wurde, finden sie einiges wieder  und noch viel mehr: