Michael Mahlke

Neue Themen im Land der Digitalfotografie

Foto: Michael Mahlke

Wenn sich die Dinge weiterentwickeln, dann ergeben sich auch neue Probleme, die gelöst werden müssen. Meiner persönlichen Meinung nach zeigen sich gerade einige als Elemente des digitalen Zeitgeistes, die neu beantwortet werden müssen:

1. Welche Rolle spielt Firmware von Digitalkameras für Testmagazine?

Der Fall der Fuji X10 ist aktuell ein gutes Beispiel. Genau dazu gibt es einen Hinweis im DSLR-Forum auf ein Zitat eines Mitarbeiters bei digitalkamera.de zum Problem der weissen Scheiben bei der Fuji X10: „Fujifilm will dieses Problem per Firmwareupdate beseitigen, also scheint es sich nicht um einen Hardwarefehler zu handeln und er wird nicht dauerhaft bleiben. Sobald er beseitigt ist, wird es niemanden mehr kümmern. Wir vergeben für die Tests unter anderem Testnoten und ein Testlogo, das sich hinterher nicht mehr ändern darf. Es steht genauso wie der Test für immer bzw. solange es diese Seite gibt im Internet und möglicherweise wird dieses Logo auch woanders zu sehen sein, z. B. auf der Herstellerseite, vielleicht wird es sogar auf dem Kamerakarton kleben. Da können wir doch nicht nach einem Firmwareupdate eine andere Testnote vergeben und dann sind zwei Logos im Umlauf. Ich vertraue in diesem Punkt dem Hersteller und das Problem würde mich nicht vom Kauf der Kamera abhalten und hält scheinbar auch andere Kunden nicht ab.“

Nichts gegen digitalkamera.de. Vielmehr Danke für diese Momentaufnahme. Manchmal sagt man ja Dinge, die helfen nach dem Aussprechen eine neue Position zu finden. Das könnte auch hier sein. Denn hier taucht ein Problem auf, das letztlich alle Testmagazine beantworten müssen. Und deshalb wende ich den Blick hin zu anderen Webseiten.

So findet sich beispielsweise im Focus ein Test, der das Problem mit keinem Wort erwähnt. Umgekehrt hat Cnet im Test das Problem der weissen Scheiben angesprochen, so dass klar ist, die Kamera hat noch Probleme, die gelöst werden müssen.

Inwiefern dies alles nun in Testergebnisse einfliessen könnte, kann man am Beispiel der Sony WX-1 bei dkamera.de sehen. Hier wurde der Prozesscharakter beim Testen dargestellt und es wurden Testergebnisse verändert nachdem sich die Messergebnisse verändert haben.

(Nachtrag: Mittlerweile ist bei dkamera.de ein Testbericht über die X10 erschienen, bei dem die weißen Scheiben als „Sensorfehler“ im Bericht angesprochen wurden und laut eigenen Angaben in die Bewertung einbezogen wurden, wobei ich das Ergebnis nicht verstehe.)

Doch davon abgesehen muss man natürlich auch fragen, welcher Test hat welchen Rahmen. Ein Test der Blooming und anderes in der Praxis austestet ist etwas anderes wie ein Test, der nur im Labor entsteht, ein Labortest eben und kein Praxistest.

Ich habe an anderer Stelle mit der Frage „Wo bleibt die Firmware?“ darauf hingewiesen, dass wir heute eigentlich von Software-Fotos sprechen müssen, wenn wir über Fotos aus einer Digitalkamera reden. Das wird irgendwann auch den Begriff Test neu definieren.

Leider hat das aktuelle Firmware-Update 1.03 der Fuji X10 das Problem aus Sicht vieler Anwender nicht gelöst, wie man in den einschlägigen Foren lesen kann. Daher muss natürlich die Frage zu stellen sein, was ich in einem Test schreibe.

Lasse ich solche  – aus meiner Sicht – erheblichen Einschränkungen für das Fotografieren weg oder weise ich in einem Test darauf hin und lasse dies in die Testergebnisse einfliessen?

Daher wird dieses Thema – unabhängig vom konkreten Fall der Fuji X10 – ein Thema bleiben.

2. Darf man HDR-Fotos im Fotojournalismus benutzen?

Diese Frage wurde bei dpreview diskutiert. Während Photoshopping bisher einfach vielfach praktiziert wurde, ist dies bei HDR-Fotos offenkundig noch anders.

Aber warum eigentlich? Wer die Diskussion verfolgt hat, der merkte schnell, dass es auf den Blickwinkel ankommt. Da HDR-Fotos Sachverhalte nicht verändern sondern nur die Wahrnehmung der Farben für das menschliche Auge optimieren – so einige Diskutanten -, gibt es aus erzählerischer Sicht  keinen Grund, der gegen HDR im Journalismus spricht.

Andererseits gibt es die Sichtweise, dass der Moment der dokumentarischen Fotografie durch mehrere hintereinander aufgenommene Fotos, aus denen dann ein einziges Foto erstellt wird, nicht mehr authentisch ist.

Da neue Kameras zum Teil sofort mehrere Fotos aufnehmen und zu einem verrechnen, ist dies schwierig bei der Aufstellung von Kriterien für „echte“ und „unechte“ Fotos.

Darauf wird die praktizierte und akzeptierte Dokumentarfotografie eine Antwort geben müssen.

Umgekehrt könnte man aber auch sagen, dass Schwarzweissfotos nie eine Situation „echt“ wiedergegeben haben, weil die Fotos eben nicht (farb)-identisch mit der Situation waren. Aber stimmt das Argument?

Hier kommen Fragen auf, die auch zu einem neuen Selbstverständnis führen werden und wahrscheinlich unterschiedlich in der Betrachtung bleiben.

3. Welche Qualitätskriterien gibt es für Fotografie-Seminare?

Bei den einschlägigen Seiten für Fotokurse und Seminare wird man mittlerweile von Angeboten erschlagen. Aber ich habe mittlerweile zu oft erlebt, dass Fotografen oft glauben, wer mit einer Kamera umgehen kann, der kann auch unterrichten. Und dies geht sehr oft schief.

Didaktik und Methodik muss man eigentlich an einer Uni lernen. Das setzt das Wissen um die verschiedenen Lerntechniken, die verschiedenen Arten von Intelligenz, die Psychologie des Lernens, Gruppendynamik und vieles mehr voraus. Nur so kann ich Fragen beantworten wie die, mit welchen Methoden ich in welcher Gruppe am besten arbeite und welche Inhalte ich warum auswähle.

Aufgrund eigener Erfahrungen bin ich von Fotokursen ziemlich enttäuscht. Um ein Beispiel für gute Arbeit zu nennen muß ich rückblickend sagen, die besten (Wochen-)Kurse habe ich an der Akademie Remscheid erlebt.

Ich will dies einmal an einem Beispiel deutlich machen. Dort wurde zu einem Kurs zum Thema Porträtfotografie eingeladen. Alle Teilnehmer (6-8 max. 10) mussten vorher klar mitteilen, wo sie stehen und was sie können. In dem Seminar wurde nicht nur eine historische und aktuelle Einführung gegeben sondern danach erhielten alle Teilnehmer mehrere Aufgaben. Sie mussten sich gegenseitig porträtieren, was gut für die Gruppenbildung war. Später musste man für eine gewisse Zeit eine Person in der Arbeitswelt begleiten (mehrere Tage). Dazu waren die Personen vorher angesprochen worden, z.B. ein Künstler, eine Unternehmerin, eine Ladenbesitzerin, ein Sozialarbeiter, ein Förster etc.

Das war wichtig, weil Fotografie heute nicht mehr im luftleeren Raum arbeitet, sondern Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, Datenschutz (!), Rechte an Produktabbildungen, fotografische Möglichkeiten und vieles mehr besprochen werden mussten.

Die zu Porträtierenden mussten ja auch in einem Vorgespräch ihre Erwartungen, den Umgang miteinander und einiges mehr klären. So entstand ein Seminar, das dann nach den Aufnahmen mehrere Tage Zeit in Anspruch nahm, um die Fotos zu bearbeiten, eine Geschichte daraus zu machen und diese dann untereinander zu präsentieren und später in einer Ausstellung zu zeigen, zu der alle Beteiligten eingeladen waren. Es war auch viel Arbeit für die beteiligten Dozentinnen und Fotografen.

Das war ein sehr gutes Seminar, didaktisch und methodisch hervorragend aufbereitet und für alle Beteiligten eine intensive Qualifizierung. Natürlich kostet dies auch Geld, aber das ist ein Investition gewesen, die sich fotografisch lebenslang auszahlt.

Danach habe ich mehrere Seminare im weiten Bereich Fotojournalismus erlebt, die von Fotografen meiner Meinung nach ohne didaktische und methodische Kenntnisse durchgeführt wurden. Je größer die Namen in der Fotoszene, je teurer, desto – na ja.

Dort wurde z.B. erklärt, wenn man zu dem Seminar komme, müsse man selber schon dafür gesorgt haben, dass an dem Seminarort eine Person ist, die man porträtieren kann (!). Die Seminare hatten i.d.R. zwischen 12 und 18 Teilnehmern. Es waren keine klaren Kenntnisse über die Teilnehmer vorhanden. Nach dem Motto „Learning by doing“ wurde man dort in unstrukturierte Überarbeitungssituationen gebracht. Darauf angeprochen war die Antwort meistens, dass dies ja sonst auch so sei.

Mitnichten, denn gerade ein Seminar soll ja Lernsituationen schaffen, die förderlich sind für das Thema und die Teilnehmer sollen sich auf das Thema konzentrieren können. Die Seminarleiter und Dozenten müssen eigentlich die Arbeit vorbereiten und die Gruppen müssen so klein sein, dass ein gemeinsames Lernen möglich ist. Das ist bei 12 und mehr Personen in solchen Seminaren nicht der Fall.

Dies ist natürlich nur ein skizzenhafter Einblick. Aber ich wollte zumindest deutlich machen, dass hier mittlerweile ein grosser Markt entstanden ist, der gutes Lernen oft nicht möglich macht. Aber wie gesagt, es gibt auch Qualität und dies nicht nur in der Akademie Remscheid sondern auch an anderen Stellen. Aber man soll auch Beispiele für gute Arbeit nennen. Deshalb wollte ich zeigen, dass gute Kurse nicht unbedingt nur in den grössten Städten zu finden sind sondern eher abseits der Hauptstrassen…

Fazit

Die digitale Welt verändert sich ununterbrochen. Daher müssen transparente Überlegungen, klare Kriterien und klare Grenzen in vielen Bereichen entwickelt werden. Und diese müssen verändert werden, wenn sich die Voraussetzungen ändern.

Dies erleben wir gerade. Drei Bereiche habe ich rausgegriffen. Die Fotografie und das, was daraus wird, entsteht und entwickelt sich auch im Kopf und wenn auch nur als Reaktion auf Veränderungen in der Technik. Deshalb lohnt es sich, solche Entwicklungen in Worte zu fassen, darüber zu schreiben und darüber nachzudenken.

In diesem Sinne

Die im Dunkeln sieht man nicht – ist Dokumentarfotografie ein Geschäftsmodell?

Das Ende der Dokumentarfotografie – Foto: Michael Mahlke

Eine gedankliche Reise

Verlierer

Soziale Dokumentarfotografie ist eigentlich Verliererfotografie, denn es sind nicht die Schönen und Reichen, die als Thema dienen, sondern die Namenlosen und sonst Unsichtbaren, also wir, die wir nicht im Rampenlicht stehen oder wirtschaftliche/politische Macht haben.

Und wollen wir unsere Verhältnisse sehen oder lieber die Schönen und die Reichen?

Aus der Antwort auf die Frage ergeben sich die fotografischen Folgen. Kritisches Medienbewusstsein, demokratisches Denken, politisches Engagement und vieles mehr werden ja zunehmend weniger.

Canon EOS 5D Mark III, die Software Generation

Die Vorstellung der neuen Canon EOS 5D Mark III zeigt auch den neuen Stand der Technik. Es ist Software-Technik.  In der englischen Presseerklärung wird dies auch sehr schön formuliert:

„Digital Lens Optimizer – new in Digital Photo Professional v3.11

The EOS 5D Mark III comes complete with the most advanced version of Digital Photo Professional (DPP) yet – Canon’s free, in-box software enabling high-speed, high quality processing of RAW images. New in DPP v3.11 is Digital Lens Optimizer – a revolutionary new tool designed to drastically improve image resolution.

Digital Lens Optimizer (DLO) precisely imitates lens performance, with a series of complex mathematical functions replicating each stage of the journey of light through the optical path. Using this information DLO can correct a range of typical optical aberrations and loss of resolution caused by a camera’s low pass filter, by applying an inverse function to each shot to take the image nearer to how the scene appears to the naked eye. This creates exceptionally detailed, high-quality images with highly manageable file sizes, providing photographers with maximum image quality and greater flexibility.“

Der digitale Objektivverbesserer (DLO) ahmt die Fähigkeiten der Objektive nach mit einer Serie von mathematischen Funktionen.

So entstehen die neuen Fotos. Es sind Softwarefotos. Die Software entscheidet über die Qualität einer Fotografie. Deshalb wird die Zukunft einer Kamera entscheidend von der Software und den Updates abhängen.

Aber dies ist der zweite Schritt. Er findet ausserhalb der Kamera statt.

Der erste Schritt lautet „Wo bleibt die Firmware?“ und findet innerhalb der Kamera statt.

So werden wir natürlich auch in Zukunft noch eine Kamera brauchen, die optische Elemente hat und dazu einen Sensor. Aber dies allein reicht absolut nicht aus.

Firmware innerhalb der Kamera und Software ausserhalb der Kamera lassen dann die Ergebnisse entstehen, die wir zukünftig als Fotos bezeichnen.

Die Digitalfotografie, unendliche Welten …..

Saul Leiter

Dieses Buch ist ein Vermächtnis zu Lebzeiten. Aus Anlaß der Ausstellung im Haus der Photographie ist ein Buch im Kehrer Verlag erschienen, das dem fotografischen Werk von Saul Leiter einen weiter wirkenden Meilenstein setzt.

Ich habe Saul Leiter vor ein paar Jahren in Berlin kennengelernt. Er erzählte vor Publikum aus seinem Leben und davon, dass er sich nie darum gekümmert habe, was andere denken. Er hat einfach so fotografiert, wie es ihm gefiel.

In dem Buch lesen wir, dass er inspiriert war von dem Maler Richard Pousette-Dart und von Henri Cartier-Bresson. Aber seine Aufnahmen sind ganz anders. Es sind unpolitische Aufnahmen, die vor allem als Farbfotos wirken. Sie eignen sich als Fotokunst. Wahrscheinlich werden sie daher vom Kunstmarkt als zeitlose Objekte zunehmend verschlungen werden.

Denn sie eignen sich für Begegnungen mit Farbe und mit dem, was wir alle kennen und doch so nicht festgehalten haben. Ich finde, seine Fotos wirken gerade durch die Farbtupfer.

Das Auge findet immer einen oder mehrere Haltepunkte. Und es sind immer reale Fotos. Das ist vielleicht das besonders Besondere daran.

Ja, es ist eine Kunst, solche Situationen dann so einzufangen. Und seine Fotos gefallen. Sie erzählen aber weniger Geschichten sondern mehr über einen bestimmten farbigen realen Moment.

Sie wirken visuell farblich und erzählen etwas über Farben, die zu erkennbaren Elementen führen.

Das Buch ist mit einem schönen Leineneinband versehen und mit verschiedenen Papiersorten gemacht. So entstehen unterschiedliche Eindrücke in unterschiedlichen Kapiteln.

Es ist ein Katalog, ein Ausstellungskatalog. Aber von der Sorte, die ein Lebenswerk dokumentieren.

Offensichtlich hat zeit.de die Erlaubnis erhalten, einige der Fotos sehr gross abzudrucken. Daher sollten sie sich diese auch dort anschauen.

Nun ist Saul Leiter niemand, der endlos Fotos produziert hat. Und deshalb finden wir in diesem Buch viele Fotos, die ihn schon länger bekannt gemacht haben und einiges mehr.

Dazwischen sind dann Texte von Autoren, die zu Saul Leiter etwas schreiben sollten.

Mit diesem Buch kann man nichts falsch machen, weil es auch noch in einigen Jahren seinen Wert haben wird. Und es bereitet Freude, es durchzublättern. Es ist ein gestaltetes Werk, das den Fotos von Saul Leiter eine Form geben will.

Es hat Format.

Herausgeber: Brigitte Woischnik, Ingo Taubhorn
Autoren: Brigitte Woischnik, Carrie Springer, Christine Abbt, Ingo Taubhorn, Margit Erb, Rolf Nobel, Ulrich Rüter, Vince Aletti
Künstler: Saul Leiter

Leineneinband mit Banderole
22 x 26,4 cm
296 Seiten
155 Farb- und S/W-Abb.
Deutsch/Englisch
Lieferbar
ISBN 978-3-86828-258-0

 

At War von Anja Niedringhaus

Kriegsfotografie erzählt über den Umgang des Menschen mit sich selbst. Es ist immer wieder und alle paar Jahre an anderer Stelle dasselbe: Menschen morden und Menschen sterben. Wie viele Reporter bei der Berichterstattung sterben, finden wir bei Reporter ohne Grenzen.

So ist Kriegsfotografie nicht nur die Dokumentation von Tod und Sterben sondern auch das Leben mit diesem Risiko. Und wie schnell dies gehen kann, wird gerade aktuell wieder einmal deutlich.

Herausgegeben von c/o Berlin hat Anja Niedringhaus Bilder vom/im Krieg in diesem Buch versammelt. Es ist ein Buch, das den Krieg dokumentiert. Es ist Kriegsfotografie und es ist Dokumentarfotografie.

Ulrike Demmer schreibt dazu in ihren Anmerkungen in dem Buch: „Die Bilder in diesem Buch sprechen eine Sprache, die so einfach ist, dass jeder sie versteht.“

Und so finden wir Fotos vom Irak, über Afghanistan bis zu den Aufständen in Libyen im Jahr 2011.

Es gab dazu eine große Ausstellung und das Buch war dabei und ist auch danach noch vorhanden. Gottseidank, denn es ist ein gutes Buch unter dem Gesichtspunkt der dokumentarischen Aufgabe von Fotografie in diesem Bereich.

Und es ist auch so stabil und gut gestaltet, dass es hundert Jahre halten kann.

Anja Niedringhaus hat zu diesem Buch und ihrer Arbeit ein Interview bei dradio.de gegeben. Da wird deutlich, warum sie dies tut: „Mein Anliegen ist eigentlich, die Menschen in diesen Ländern zu zeigen. Es geht mir nicht um die Militärmaschinerie, oder wie groß die Waffen sind, wie schnell der Panzer ist, sondern was eigentlich danach passiert, nachdem geschossen wird. Und deswegen ist es meistens so, dass an der Frontlinie für mich der uninteressanteste Punkt ist. Der interessanteste Punkt ist, was ist eigentlich da, wo es einschlägt?“

Und das Buch zeigt denn auch, wo es im Krieg eingeschlagen hat. Sie ist eine fotografische Dokumentaristin ihrer Zeit (unserer Zeit). Sie zeigt die Menschen, so wie vor ihr und mit ihr andere das Leid der Menschen gezeigt haben.

James Nachtwey hat auf seiner Webseite geschrieben „The events I have recorded should  not be forgotten and must not be repeated.“ Er will, dass die Ereignisse, die er aufgezeichnet hat, nicht vergessen werden und sich nicht wiederholen.

In dieser Tradition sehe ich auch Anja Niedringhaus und ihr Buch. Denn sie berichtet wie andere auch über die Verlierer des Krieges, die namenlosen Menschen, denen sie ein Gesicht gibt, indem sie sie fotografiert und uns ihre Bilder zeigt.

Aber die Bilder zeigen auch den militärisch-industriellen Komplex und die Glaubenskriege des 21. Jhrdt. So sind die Bilder Zeugen unseres Denkens und unseres Handelns. Sie dokumentieren, wie Menschen sein können und was wir tun und lassen müssen, aber nicht lassen wollen.

Um zu verstehen worin sich Kriegsfotografie von Armeefotografie unterscheidet, braucht man bloß hier zu klicken.

Das Problem der Kriegsfotografie ist ja, dass sie augenscheinlich folgenlos bleibt. Sie dokumentiert und das Morden geht weiter.  So ist Kriegsfotografie ein Beispiel für die Ohnmacht der Presse. Kriegsfotografie schreibt das Morden auf durch das Fotografieren, Kriegsfotografie erschöpft sich im Dokumentieren – oder doch nicht?

Ist die Wirkung der Fotos nicht so gross? Oder ist sie größer als ich glaube? Denn immerhin dokumentieren sie, warum es sich lohnt für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.

So lädt das Buch von Anja Niedringhaus zu einer Auseinandersetzung mit sich und der Welt in Krieg und Frieden ein. Und das steigert den Wert des Buches doch enorm.

Das Buch ist im Hatje Cantz Verlag erschienen:

Anja Niedringhaus At War

Hrsg. C/O Berlin, Texte von Jean-Christophe Ammann, Ulrike Demmer, Felix Hoffmann, Vorwort von Associated Press, Gestaltung von Naroska Design

Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-7757-3232-1

Nachtrag 2014:

Nach der Ermordung von Anja Niedringhaus hat das Buch einen besonderen Stellenwert.

Mehr zu dem Thema gibt es hier.

 

 

S wie Streetphotography oder ohne S geht es nicht

Menschenaffen beim Laufen als HDR - Foto: Michael Mahlke

Paparazzi und Julia Roberts

Ein S kann für vieles stehen. Hier will ich es für Shutter Speed und Streetphotography benutzen. Auf Deutsch würde man sagen, es geht um die Belichtungszeit bei der Strassenfotografie.

Welche Belichtungszeit ist dabei richtig? Man will Menschen in Situationen fotografieren auf der Strasse.

Ein Profi im Bereich der Menschenbeobachtung ist sicherlich ein Paparazzi. In diesem Fall beobachtete er Julia Roberts. Seine Aussagen zur Paparazzi-Fotografie lauten, von vorne und nah dran.

Und er benutzt schwere Profigeräte mit Tele und wartet damit auf den entscheidenden Moment. Da gibt es doch schon leichteres – oder?

Aber er beantwortet die Frage nach der richtigen Belichtungszeit für Strassenfotografie leider nicht.

Vielleicht weil Strassenfotografie doch keine Paparazzi-Fotografie ist und es eben auf andere Kriterien ankommt.

Belichtungszeit

Im Prinzip ist es so: Je kürzer die Belichtungszeit, desto schärfer fange ich Menschen ein. Je länger die Belichtungszeit, desto unschärfer fange ich Menschen ein.

Im Extremfall oder als fotografischer Trick kann ich mit einer sehr langen Belichtungszeit die Menschen verschwinden lassen. Wenn ich also eine mit Menschen gefüllte Fußgängerzone leer machen will, dann lasse ich einfach ein paar Minuten die Blende auf.

Eine Faustregel für das Minimum hat fotopunk sehr schön beschrieben: „Die richtige Belichtungszeit ist so kurz wie möglich. Für das Minimum gibt es folgende Faustregel: 1/Brennweite*Cropfaktor. Es kann jedoch nicht schaden die Zeit noch weiter zu kürzen ! Du wirst große Schärfeunterschiede bemerken, wenn du statt 1/200s auf 1/400s oder 1/800s umstellst. Viele Fotografen überschätzen sich auch bei der Zeit, die sie noch aus der Hand fotografieren können.“

Menschenaffen beim Laufen als Schwarzweissfoto - Foto: Michael Mahlke

S wie Streetphotography

Daraus folgt, dass eine Kamera für Streetphotography auch ein S auf dem Wahlrad haben sollte oder die Möglichkeit, direkt die Belichtungszeit einzustellen. Denn die Vorwahl der Belichtungszeit durch den/die Fotografen/Fotografin ist eines der wichtigsten Elemente für pure Strassenfotografie.

Automatik geht gar nicht, so meine Einschätzung. Denn im Automatikmodus wählen Kameras eigentlich  immer eine niedrige ISO-Einstellung aus und damit unberechenbar eine längere Belichtungszeit.

Wenn sich in dem Moment aber die Menschen bewegen, dann werden diese unscharf.

Meine Erfahrungen mit 1/250 bis 1/500 Sekunde bei Tageslicht decken sich mit denen, die in der englischen Wikipedia angegeben werden.

  • Wenn man fast jede Bewegung stoppen will, dann wäre 1/2000 Sekunde richtig,
  • wenn man Fahrradfahrer und Läufer stoppen, will, dann wäre 1/1000 Sekunde richtig
  • wenn man beim Sport stoppen will, dann ist oft 1/500 Sekunde richtig

Im Handbuch für die Sony A330 gibt es auf Seite 71 eine sehr schöne grafische Übersicht, die den Zusammenhang der Belichtungszeiten aufzeigt.

Shutter, Speed, Street

So kann das S helfen, eine Situation scharfgestellt festzuhalten oder um es in eine Formel (Original von mir) zu bringen „Shutter and Speed is good for Street“ (schnelle Belichtungszeit ist gut für Strasse (nfotos).

Am besten mit Auto-ISO. Aber ISO und Blende und die Gestaltung mit Bokeh sind dann andere Themen und sie haben andere Buchstaben, nämlich F und I – in diesem Sinne!

Das Ebook in der Fotografie – Chancen und Grenzen

Der digitale Siegeszug

Seitdem die digitale Technologie immer mehr Bereiche der Welt erfasst hat, spricht man von einem Siegeszug. Dazu gehört der Glaube, dass bald auch gedruckte Bücher von elektronischen Büchern ersetzt werden.

Geht man in einen Buchladen, dann merkt man schnell, dass sich was verändert hat. Ja, es liegen viele Bücher herum, die gekauft werden wollen. Aber zunehmend gibt es sogenannte Reader. Man soll einen kleinen Monitor kaufen, der es ermöglicht, Bücher elektronisch zu lesen.

Nun haben wir digitale Buchangebote ja schon im Projekt Gutenberg, sogar mehrmals und vor allem kostenlos. Aber da reicht ein einfacher Computer und ein Zusatzgerät ist nicht erforderlich.

Natürlich ist eine Welt vorstellbar, in der Inhalte nur noch auf Bildschirmen oder Projektionsflächen angeschaut werden. Vielleicht ist deshalb im Moment der Kampf um das Urheberrecht auch so groß. Die großen Firmen nutzen Technologien, die die Einzellizenz abrechenbar machen.

Das gedruckte Buch

Aber da geht es eben um das Lesen mit einem elektronischen Gerät. Ich persönlich lese sehr viele Bücher elektronisch. Aber es sind Bücher, bei denen es nur auf den Informationsinhalt ankommt wie Fachbücher zu wissenschaftlichen Fragen, Dissertationen und Aufsätze. Und ich lese sie am 20 Zoll Monitor in der FullScreen Ansicht, weil mir das sonst zu klein wäre.

Völlig anders ist es mit Büchern, die ein gestaltetes Werk darstellen. Wenn ein Buch schon vom Einband her – was leider immer seltener wird – ein gelungenes Erscheinungsbild abgibt und man dann in dem Buch grafisch und textlich auf Entdeckungsreise geht, dann ist dies etwas völlig anderes als das Lesen eines elektronischen Buches.

Wenn der Tastsinn das Papier erfasst und der Geruchssinn die Druckerschwärze und die Papierart, dann wird das Lesen eine sinnliche Erfahrung und kein rein kognitives Ding.

Genau so ist es mit Fotobüchern. Es ist ein Unterschied, ob ich ein gedrucktes Foto in einem Buch anschaue (und das Papier anfassen kann und das Buch vor mir liegt) oder ob ich mir ein Foto elektronisch anschaue. Das Foto im Buch ist anders und irgendwie fotografisch umfassender (im wahren Wortsinn!).

Dabei meine ich mit dem Begriff Fotobuch keine online bestellten persönlichen Fotoalben sondern in erster Linie von Verlagen produzierte Bücher zu fotografischen Themen.

Aber der Erfolg der persönlich gestalteten und gedruckten Fotoalben, die man nun auch als Fotobuch bezeichnet, zeigt ja, dass man schon hier der digitalen Flüchtigkeit etwas entgegensetzen will.

Elektronische Chancen und Grenzen

Denn durch Handys, Smartphones, Tablets, PCs und anderes wird unser Verhalten zunehmend von Flüchtigkeit und Abrufbarkeit geprägt. Das ist aber eindimensional. Es gab früher schon das Telefonbuch und das Kursbuch.

Da ist es gut, dass es dies heute in elektronischer Form gibt. Und auch die schnelle Information ist heute besser digital verfügbar. Aber wer mehr will als Telefonbücher und Kursbücher und aktuelle Infos, der findet in gedruckten Büchern die Chance, gestaltete Werke zu erhalten, die Inhalt und Form in Übereinstimmung bringen.

Aktualität und/oder Verbreitung sind die Vorteile digitaler Technologien. Und digitale Inhalte zu gestalten und zu publizieren sind ebenso dafür geeignet. Und dies sogar international im Internet verfügbar zu machen ist auch ein Vorteil. So sind Ebooks für die schnelle Verbreitung gut geeignet.

Ein Beispiel: Mein kleines Ebook zum Thema Streetphotography/Strassenfotografie in Farbe mit kleinen Kompaktkameras wurde in den letzten zehn Wochen gut 10.000 mal runtergeladen.

Man kann so Wissen zu kleinen und speziellen Sachfragen schnell weitergeben.

Etwas Ähnliches gilt für  elektronische Bücher zum Blättern. Man kann damit Dinge machen, die sich elektronisch gut darstellen lassen.

Da sind sie zum Teil heute sogar sinnvoll und besser als gedruckte Bücher, weil es sonst gar keinen Markt dafür geben würde und sie nie entstehen würden. Dort passen sie sogar hin und es macht Sinn.

So hat das Ebook auch eine kreative Funktion und ist ein erstklassiges Instrument und Medium.

Und damit ist in meinen Augen auch die Chance und die Grenze für Ebooks beschrieben.

Sie bieten Möglichkeiten, die normale Bücher nicht haben durch die Chance, aktuell und schnell Infos anzubieten und sie können gute Bücher im Sinne von gestalteten Werken nicht ersetzen.

Es kommt eben drauf an.

Aber dann ist auch Schluß, denn gedruckte Bücher können etwas haben, was man digital nicht kriegen kann. Das fängt banal digital an.

Wir wissen ja, dass eine Grafik (und damit auch ein Foto) auf jedem Monitor mit jeder Grafikkarte anders aussieht.

Das ist bei einem gedruckten Foto anders.

Leider gibt es mittlerweile viele Bücher, die aus einem Einband bestehen und dann nur noch gedruckte Buchstaben haben ohne gestaltete Elemente. Da ist es klar, dass dort der Versuch gestartet wird, dies über elektronische Reader anzubieten, weil die Kosten letztlich viel geringer sind und die Chance, Mehrwert zu kreieren, viel höher.

Letztlich kommt es darauf an. Manche Menschen haben nur ein Buch. Manche Menschen haben nur ein Handy. Manche Menschen haben kein Buch und kein Handy.

Und so sind Fotobücher aus Verlagen – wie zum Beispiel einige der hier vorgestellten Bücher zeigen – eine echte Bereicherung von privaten und öffentlichen Bibliotheken.

Sie nehmen dem einzelnen Foto etwas von seiner Flüchtigkeit in der digitalen Welt, sie sichern in der wirklichen Welt digitale Inhalte und sind damit ein Teil des echten Gedächtnisses, weil sie fälschungssicher sind, und sie bereichern ungemein eine Welt, die sich zunehmend durch digitale Normierbarkeit auszeichnet.

 

 

World Press Photo Award – Presse & PR heute

künstliche Welt – Foto: Michael Mahlke

Kostenlose Reklame statt bezahlter Fotografie

„Für viele Redakteure bei Onlinemedien sind Bilder nur Mittel zum Zweck; und der heißt nicht etwa Geschichten erzählen, sondern: viele Klicks generieren! Da sind 40 Bilder aus dem Agentur-Abo besser als eine Reportage von 20 Bildern anzukaufen. Und wenn die Agentur von einem Motiv eins hoch und eins quer liefert, dann packt man beide da rein. Jeder Klick ein Treffer….

Es stößt einem bitter auf, wenn sich derzeit jedes Käseblatt mit den Bildern Honstras und anderer schmückt und vor seinen Lesern so tut als sei all das “Presse” und man als Blatt sei selbst ein Teil davon und würde all das für den Leser möglich und die Leser das mit ihrem Abo möglich machen. Dabei druckt man nur die kostenlosen Handouts des Wettbewerbs, hat die eigenen Fotografen längst abgeschafft und Leute wie Honstra lassen im Internet den Klingelbeutel rumgehen.“

So die Einschätzung des Photojournalisten Sascha Rheker in seinem Blog aus Anlass der Bekanntgabe der prämierten Fotos des World Press Photo Award.

Offenkundig schreibt er mit Erfahrung. Und so ist seine hier geäußerte Ansicht als Photojournalist genau das Problem, in dem heute Journalismus und Photojournalismus stecken.

Die kommunikative Kette

Es gibt eine Kette, die man mit den drei Wörtern Journalismus, Presse und Public Relations (PR) beschreiben kann.

  • Dabei meint Journalismus eigentlich den Begriff des seriösen und recherchierenden Menschen, der mit Wort und/oder Bild als Informationsmedium arbeitet.
  • Und PR steht für Lobbyismus und Wording.

Lieber PR als Presse?

Das ist natürlich eine Mischung mit Schnittmengen.

Aber man muß sehen, dass die Vierte Gewalt eine wesentliche Rolle in der Demokratie spielt. Daher ist es wichtig zu sehen, was passiert und dies nüchtern zu analysieren. Da reicht die Feststellung:

„Die Krise des Journalismus erweist sich … vor allem als Krise seiner Kritikfunktion“ (Siegfried Weischenberg).

Warum dies so ist, ergibt sich wesentlich aus dieser Schnittmenge. Dies weiter auszuführen ist überflüssig, weil man es im Alltag der Informationen immer wieder sehen kann.

Deshalb möchte ich kurz noch einen Blick auf eine interessante erweiternde Frage werfen.

„Warum gehen Journalisten in die PR?“ fragte das Mediummagazin.de . Die Antworten zeigen, wie es momentan vielfach aussieht: irgendwie ist es in der PR attraktiver, finanziell und strukturell (Arbeitszeiten, Selbstbestimmung, Hierarchie).

Es kann natürlich auch sein, dass die neuen digitalen Kanäle journalistische Medien zunehmend überflüssig machen und die neuen Kanäle ausreichen.

Am Beispiel des Reisejournalismus sieht man diese Entwicklungen. Wahrscheinlich wird es eine neue Parallelität von allgemeineren Rankingseiten für pauschale Angebote und schnelle Buchungen einerseits und differenzierten und spezialisierten Berichten auf Blogs für eher individuell orientierte Reisende geben. Doch in beiden Fällen ist Journalismus nicht mehr notwendig sondern lediglich evtl. nützlich.

Und weiter. Wenn Journalisten letztlich nur noch News-Manager sind, dann sind sie auch für interessante und recherchierende Artikel nicht mehr notwendig. Dann werden es wohl Bloggerinnen und Blogger sein, die für die Inhalte sorgen.

Mal ganz persönlich: wenn ich mir einige bis viele Artikel z.B. bei spiegel.de anschaue, dann schreiben die Journalisten ja wirklich vielfach ihr Wissen aus Blogs zusammen und übersetzen zum Teil quasi nur noch, was auf englischsprachigen Seiten steht. Das ist News-Management und die eigene geistige Leistung ist eher logistischer Natur. Das Entstehen eigener Gedanken und eigener Artikel mit eigenem Durchdachten ist dem Berichten von anderswo gefundenen News gewichen. Für den Technikbereich habe ich dies hier gefunden.

Und was die Fotos angeht bei vielen Medien, da kann man Herrn Rheker wohl nur beipflichten.

Fotostudenten lernen Sponsoring ?

Was hat dies nun mit Fotojournalismus zu tun?

Das möchte ich an einem Beispiel deutlich machen. Was lernen Fotostudenten an der Fachhochschule Hannover?

Ich zitiere aus der Webseite:

„Dabei steht den Studenten eine der modernsten Fotoabteilungen Europas zur Verfügung, sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich. Dank unseres Sponsors Lumix verfügen wir über unsere eigenen Geräte hinaus über eine große Anzahl von Leihkameras. Betreut werden die etwa 160 Fotostudenten von zwei Professoren, einem Fachlehrer und drei technischen Angestellten. Unsere Heimat ist das ehemalige »Global House« auf dem Expo-Gelände, ein wunderbar lichter, transparenter und moderner Bau.

Weiterhin arbeiten wir in berufsvorbereitender Weise für Unternehmen der Wirtschaft (Marc Shoes, Baden-Baden Event GmbH, Klinikum GmbH), für Stiftungen und Verbände (Museumsbund, Niedersächsische Sparkassenstiftung) und für Zeitungen und Zeitschriften (F.A.Z., Hannoversche Allgemeine Zeitung, Brigitte, mare)….

Stolz sind wir darauf, dass uns seit mehreren Jahren eine Zusammenarbeit bei Redaktions-Praktika mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verbindet und dass uns so renommierte Unternehmen wie Panasonic und die niedersächsiche Versicherungungsgruppe VGH finanziell kontinuierlich unterstützen.“

Man lernt offenkundig, dass Presse und PR irgendwie doch sehr miteinander verbunden sind. Das finde ich deshalb so interessant, weil es sich ja gerade hier um die – in meinen Augen – Hochburg des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie in Deutschland handelt, wenn ich diese Aussage ernst nehme: „Damit ist die Fachhochschule Hannover die einzige deutsche Hochschule, die die international übliche Bezeichnung »Photojournalism and Documentary Photography« als Begriff für das Kernprofil in der fotografischen Ausbildung trägt.“

Inwiefern wird die oben genannte „Kritikfunktion“ denn bewusst und unbewusst hier noch zugelassen?

Ist sie zugelassen? Übt man an den Sponsoren die Kritikfunktion?

Dürfte man zum Beispiel Fotoserien über Betriebsschließungen im Zuge der Globalisierung rund um Hannover bei den beteiligten Unternehmen publizieren in Ausstellungen etc.?

Oder wäre es unerwünscht, weil dann zwei Sachverhalte miteinander assoziiert würden, die – ich sag mal – nicht so passend wären aus Sicht eines der Beteiligten?

Würde eine Bilderserie über eine Betriebsschließung und über Massenentlassungen in Hannover einen Preis gewinnen bei den beteiligten Wettbewerben?

Was heisst das?

Wenn man nun alle diese Informationen verknüpft, dann könnte man denken, es gibt vielfach eine unbegrenzte Nähe. Die Messlatte dafür ist die praktizierte bzw. nicht praktizierte Kritikfunktion.

Presse und PR gehen völlig neue Verbindungen ein. Das soll ja auch schon dazu geführt haben, dass Pressemitteilungen von PR-Agenturen als Journalismus verstanden wurden.

Denn auch hier ist das Rollenbild gerade komplett im Wandel zwischen Autodidakten, die medial (journalistisch oder pr ?) arbeiten und dem Scout und eventuell noch mehr Richtungen.

Und wieder andere wechseln von der PResse zur PR.

Wie stark dies auch institutionell im Reisejournalismus (welcher Widersinn im Wort!, es müsste ReisePR heissen) zu finden ist, habe ich schon beschrieben.

Wir leben in einer Zeit, die gerade neue Weichen stellt. Beim Netzwerk Recherche gibt es eine gute Dokumentation zur Frage von Journalismus und PR.

Und bei vocer.org finden Sie noch viel mehr an aktuellen Beiträgen.

Fazit

Nun denn, am Beispiel des World Press Photo Award kann man sehen, wie es aktuell vielfach und nicht nur in Deutschland um die Fotografie und die Situation von Presse und PR in Deutschland bestellt ist.

Gut, dass wir mit unseren GEZ Gebühren die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft aufgebaut haben. Dort ist die Demokratie und die Meinungsfreiheit in guten Händen.

Dort werden täglich großartige Fotos publiziert und solche Dinge, wie oben beschrieben, würden dort nie passieren – oder, oder vielleicht nur ein bisschen?

Nachtrag: Ich hatte ganz übersehen, dass es mittlerweile das Berufsbild des „PR-Journalisten“ gibt. So wird eine Verbindung kreiert, die das Image von seriöser Recherche und Unabhängigkeit vermittelt statt bezahlter Interessengebundenheit. Ich würde sagen, das ist PR pur.

Damit wir uns richtig verstehen. Ich habe nichts gegen PR. Aber sie muss transparent sein, d.h. ich muss wissen, dass interessengeleitet geschrieben oder geworben wird. Das ist in meinen Augen für die Produkte und die PR gut. Aber so tun als ob man seriös recherchiert hat und dann bewusst nur gefakte Test oder Ähnliches zu publizieren, ist unseriös und im Zeitalter sozialer Netzwerke meistens auch dumm.

Albert Camus in Bildern und Dokumenten von Catherine Camus

Ich gebe zu, ich bin befangen. Albert Camus war einer (wenn nicht) der Gedankengeber, die mein Leben wesentlich beinflussen. Und nun gibt es schon in 2. Auflage ein wunderschön gemachtes großes Buch von seiner Tochter „Albert Camus in Bildern und Dokumenten“.

Meine Ansprüche an das Buch waren sehr hoch, denn Albert Camus ist nun mal sehr wichtig für mich.

Konnten diese Ansprüche befriedigt werden? Ich war gespannt.

„Albert Camus ist nicht irgendein Vater, sondern Albert Camus ist mein Vater.“ So beginnt seine Tochter Catherine Camus das Buch.

Später schreibt sie: „Und so habe ich mich mit Blick auf all jene, die Camus kennen oder auch nicht kennen, über alle Bedenken hinweggesetzt, die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten akzeptiert, den unvollkommenen Charakter des ganzen Unterfangens in Kauf genommen und schließlich mit der tatkräftigen Unterstützung von Marcella Mahaseta versucht, sein Leben nachzuzeichnen… an Hand von Photographien in chronologischer Abfolge.“

Das hat dem Buch gut getan. Es ist ein „echter“ Camus. Bevor ich das Buch aufgeschlagen habe, dachte ich, was kann das Buch mir neues bringen?

Als ich es gelesen hatte, da war mir klar, dass der Blick der Tochter auf den Menschen, der diesen dann in eine Beziehung zum Werk setzt, völlig anders ist wie der Blick von mir auf das Werk.

Ja klar ist der anders, aber dazu braucht es eines solchen Buches, um dies so konkret auch sehen zu können.

Interessant ist auch die Gedankenauswahl. Catherine Camus hat vielfach Gedanken ausgewählt, die ich zum Teil erst jetzt neu entdecke. Es sind andere als die, die mir meine Richtung gegeben haben.

Aber das Buch ist auf mehreren Ebenen ein Genuss: es zeigt die Gedankenwelt eines Schriftstellers und Philosophen(?), der das Leben selbst annimmt, es zeigt den Blick der Tochter auf den Vater und es zeigt die Biografie eines Menschen in Gedanken, Fotografien und seiner Entwicklung.

„Jeder Künstler besitzt nämlich in seinem tiefsten Inneren eine einzige Quelle, die sein Leben lang speist, was er ist und was er sagt.“

Dieser Gedanke aus Licht und Schatten zieht sich durch das Buch. Albert Camus schrieb in Bildern.

Wie sagte er selbst einmal? „Man denkt nur in Bildern. Wenn du Philosoph sein willst, schreib Romane.“

Ich bin auf den Zusammenhang von Albert Camus und die Fotografie schon an anderer Stelle eingegangen.

Aber das Buch in der Edition Solms ist auch fotografisch etwas Besonderes.

Es ist ein Beispiel für die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie in ihrer Entwicklung. Da das Buch einen erheblichen Teil des 20. Jhrdts. umfasst, ist auch die Entwicklung der Fotografie in verschiedenen sozialen Gruppen und Funktionen zu sehen.

Familienfotos aufgeteilt nach Generationen, Klassenfotos, alte Schnappschüsse sind die eine Seite. Ein anderes Thema ist der Künstler und Theatermacher bei der Arbeit. Dann gibt es Fotos wie Albert Camus sich öffentlich einmischt. Und es gibt z.B. die Porträts von Henri Cartier-Bresson, die Albert Camus bis heute auch bildlich berühmt gemacht haben.

Alles dies gibt es nur in diesem Buch.

Je länger ich nun über das Buch von Catherine Camus schreibe, desto mehr inspiriert es mich. Was kann man besseres über ein Buch sagen?

Das Buch ist nicht unbedingt eine Einführung in das Werk. Es ist viel mehr. Es ist für Menschen, die die Gedanken von Camus kennen, eigentlich die beste Ergänzung, die man sich denken kann, denn es inspiriert zur neuen Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt.

Und es ist für fotografisch interessierte Menschen ein sehr gelungenes und interessantes Beispiel für die Entwicklung und die Veränderungen von Fotografie in sozialen Zusammenhängen am Beispiel von Albert Camus.

Eine Vorschau des Buches findet man hier und kaufen kann man es u.a. hier:

Edition-Olms

Hrsg. Catherine Camus

ALBERT CAMUS
Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Übersetzung aus dem Französischen von Alwin Letzkus. 224 Seiten mit 550 Fotos und Illustrationen. Hardcover im Folio-Format 28 x 33 cm

ISBN10: 3-283-01151-6
ISBN13: 978-3-283-01151-2

2012: Immer teurer, schlechte Pflege und „falsch“ informiert? – Bitte nicht!

Was ist los im Kameraleben auf dieser Welt?

Wenn wir es runterbrechen auf die konkreten Handlungsweisen, dann fallen meiner Meinung nach einige aktuelle Entwicklungen auf:

  • Fuji löst z.B. wesentliche Probleme nicht, die von Kunden bzgl. der Kameras formuliert werden. Statt hochpreisige Produkte (X100, X10) durch Firmware-Updates zu optimieren bzw. voll einsetzbar zu machen, werden noch höherpreisige neue Produkte angeboten. Aber warum sollte man die kaufen, wenn die vorherigen Produkte nicht mal richtig ok sind? Nun steht Fuji nicht alleine da, wie man in diversen Foren lesen kann. Aber das ist schon bemerkenswert. Ich finde, das hat erhebliche Auswirkungen auf das Vertrauen in eine Marke.
  • Neue Kameras werden mit empfohlenen Preisvorstellungen auf den Markt gebracht, die dem technischen Mehrwert in keiner Weise entsprechen.
  • Der Journalismus verabschiedet sich teilweise. Die Internet-Oligarchie wächst. Es scheint z.B. so, dass offenkundig nur ein kleiner Kreis ausgewählter Webmagazine spezielle Kameras erhält und diese dort entsprechend besprochen werden, sogar bewertet werden und mit Beispielgalerien gefüllt werden ohne dass die Kameras tatsächlich kaufbar und die dort publizierten Inhalte überprüfbar wären. Einmal scheint spiegel.de dies ausgehebelt zu haben.
  • Die Zahl der „Previews“ und „Hands on“ bei Artikeln in Testmagazinen nimmt zu. Das sind in meinen Augen Tests ohne Tests, die aber schon bewerten. Aber sind dies noch journalistische Artikel oder eher (bezahlte?) Werbung bzw. PR? Zweifel sind spätestens angebracht, wenn diese Magazine von den Herstellern Werbung schalten.

Der DJV fordert mehr Qualitätsjournalismus. Das muss gerade auch im Bereich des Fotojournalismus und im Internet gelten. Allerdings ist das Thema grösser als ich es hier anschneiden kann. So wird die Gegenwart ein Ort neuer und alter Herausforderungen.

 

Vom virtuosen Photographen zur virtuellen Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Seitdem Bourdieus „Eine illegitime Kunst“ 1965 erschienen ist, ist die Diskussion darüber nicht abgerissen, aber immer nur in kleinen Kreisen.

Deshalb möchte ich meine Beschäftigung mit diesem Thema und den sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie mit diesem Artikel dem aktuellen fotografischen Zeitgeist zuführen und damit auch diesen Zyklus beenden und mich vom Schreiben mehr abwenden und dem Fotografieren mehr zuwenden.

In Bourdieus Buch schreibt Jean-Claude Chamboredon über „Mechanische, unkultivierte Kunst“. Dort benutzt er den Begriff des „virtuosen Photographen“ und läßt unter anderem Brassai, Man Ray und Henri Cartier-Bresson zu Wort kommen.

Damit ist klar, was mit diesem Begriff zu Beginn der 60er Jahre gemeint war: gelungene Fotos.

Damals war das Thema Fotokunst noch nicht so stark abgegrenzt vom Thema Dokumentarfotografie und teilweise deckungsgleich.

Wodurch ist ein Foto gut?

Ein paar Jahre danach schrieb 1969  Andreas Feininger zur Frage “Wodurch wird eine Fotografie gut?”

folgendes: “Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als »gut« empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:

  1. Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Absicht und Sinn zu offenbaren
  3. gefühlsmäßig zu wirken
  4. grafische Gestaltung zu besitzen.”

Diese Attribute beziehen sich offenkundig auf Fotos und nicht auf Fotokunst. Doch die Schnittmenge bleibt wie noch zu sehen sein wird.

Was ist virtuos?

Damit kommen wir der Frage, was man unter einem virtuosen Photographen verstehen kann, ein Stück näher.

Virtuos ist eine Fähigkeit, die über das Erlernte hinausgeht. Virtuos ist damit individuell und somit personengebunden.

Und virtuos ist an eine spezielle Fähigkeit gekoppelt. Hier ist es die Fähigkeit, aus einem Fotoapparat mehr herauszuholen als andere auf bestimmte Weise.

Dies ist also weniger die Fähigkeit, einen Fotoapparat bedienen zu können als z.B. die Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt in einer Situation einzufangen oder das Foto geometrisch zu gestalten oder das Wichtige vom weniger Wichtigen durch Schärfe bzw. Unschärfe zu trennen etc.

Das hat auch etwas mit Visionen zu tun, die das eigene fotografische Tun leiten und es hat mit dem Zeitgeist zu tun, der sich aus den dominierenden Sichtweisen zusammensetzt, die wiederum mit den technischen Möglichkeiten zusammenhängen.

Zwischen virtuos und virtuell

Um das Thema konkret anzupacken, möchte ich die hier mehrfach fotografisch dargestellten, bearbeiteten bzw. als Fotokunst kreierten Bücher nehmen, die zusammen fast einen Zeitraum von 50 Jahren Beschäftigung mit dem Thema Fotografie und Fotokunst abdecken und den sozialen Umgang mit Fotografie durch sich selbst und durch die Inhalte dokumentieren.

Bourdieu untersuchte Fotografie und ihre Anwendung im Rahmen der sozialen Verhaltensweisen. Seine Beispiele zeigen, dass die Gestaltung von Fotos vielfach durch die Menschen erfolgt, die aufgenommen werden.

So fangen Familienfotos keine spontanen Situationen ein sondern sind geplante Ereignisse mit Anzug, Positionierung der Gruppe und gewollter Aussagekraft.

Dies ist dann ein sozialer Prozess, der dokumentiert wird, eben eine soziale Gebrauchsweise.

Foto: Michael Mahlke

Fotografie als fortgeschrittene Kunst

Charlotte Cotton verfolgt in ihrem Buch „the photograph as contemporary art“, die Entwicklungen seit dieser Zeit (das Buch ist mittlerweile auch auf deutsch erschienen, zur Beurteilung der Übersetzung ins Deutsche gibt es hier Informationen).

Sie zeigt, dass die Versuche, aus Fotografie „conceptual art“ – also eine geplante Kunst – zu machen, durch die Nutzung der Fotografie bei Künstler-Vorführungen (Performances) erhebliche Anstösse bekam.

Aus Schnappschüssen und ihren Meistern/- innen entwickelte sich eine gestaltete Fotografie, die das eigentliche Bild vielfach nur noch zum Festhalten der ausgedachten Situation nutzte.

Und es entwickelte sich „Deadpan“. Es ist der englische Begriff für emotionslos und weist auf die Fotografie hin, die ohne Anteilnahme Aufnahmen plant und festhält.

Diese wurde in den 90er Jahren populär, quasi parallel zum wachsenden Markt für Fotokunst.

Es sind Bilder, die als „Germanic“ bezeichnet werden und Namen wie Becher und Gurski meinen. Aber auch Niedermayr, Smith oder Burtynsky fallen darunter.

Es ist eine neue Sachlichkeit der Fotografie, die durch ihre unpersönliche Art der Darstellung sich gut zur Vermarktung im Bereich Fotokunst eignet.

State of the art photography

Das zur Ausstellung im NRW-Forum erschienene Buch „state of the art photography“ zeigt nun einen weiteren Schritt. Parallel zu realen Welten werden nun aus Fotos auch neue Welten kreiert.

So heisst es zum Beispiel bei Alex Grein, die bei Andreas Gursky ausgebildet wurde: „Die fotografischen Arbeiten Arbeiten setzen sich aus Bildausschnitten zusammen, die Satellitenaufnahmen von Google Earth entstammen. Deren Objektivität wird durch eine subjektive Rekonstruktion abgelöst. Eine neue Landschaft entsteht.“

Ossian Ward hat dies alles in dem Buch so ausgedrückt: „Die Künstler, die heutzutage mit dem Medium Fotografie arbeiten, sind deshalb nicht einfach nur Fotografen sondern auch Kuratoren, Archivare, Geschichtenerzähler und Gestalter von Abbildern der Wirklichkeit oder ihrer selbst erdachten Welten.“

Nun gab es dies schon länger. Aber entscheidend ist nicht die Existenz von Dingen und sozialen Verhaltensweisen sondern die Dominanz im öffentlichen und sozialen Raum.

Also, was wird in Museen ausgestellt, worüber schreiben die Medien offline und online, was wird im Fernsehen gezeigt, worüber gibt es neue Bücher und vieles mehr.

Und da ist es so, dass diese Themen aktuell dominieren. Und damit ist aus der virtuosen Fotografie eine virtuelle Fotografie geworden, die nicht mehr das Abbilden der Realität sondern die Verarbeitung von digital vorliegenden Inhalten jeder Art zum Thema hat.

 

Foto: Michael Mahlke

 

Der Markt für diese Art von transzendierter Fotografie wächst. Gestaltete reale und virtuelle Inhalte werden immer mehr im sozialen Umfeld von Menschen eine Rolle spielen. Die Fotografie als Element des menschlichen Alltags wird zunehmend zum Ausdrucksmittel einer neuer Definition von Kunst.

Somit wird sicherlich auch bald der Begriff der virtuosen virtuellen Fotografie Einzug halten, um sich besser von anderen unterscheiden zu können.

Ich bin gespannt, wann und wo es soweit ist.

So hat sich der Zeitgeist gewandelt und zeigt sich heute fotografisch in dieser Form. Es sind 50 Jahre Geschichte der Fotografie und Umgang mit einem Medium. Doch wir haben die Schwelle ins digitale Land erst kurz hinter uns gelassen. So wird die Zukunft digital, bunt und auch weiterhin dynamisch voller fotografischer Überraschungen sein.

Was in 50 Jahren unter Fotokunst verstanden wird, werde ich nicht mehr erleben. Aber die Veränderungen der letzten 50 Jahre zeigen, dass es nicht so bleibt wie es ist.

Das ist sicher.

Textversion 1.1

State of the Art Photography

„State of the Art Photography“ zeigt einen einzigartigen Überblick über den aktuellen Stand der Fotografie. Rund 40 Künstler unterschiedlicher Nationen beweisen: Die Fotografie befindet sich in einem großen Wandel. Nicht nur die digitale Revolution verändert und erweitert das Bildermachen, auch der globale Datenraum selbst ist zu einer neuen Ressource geworden. Ebenfalls ist der entgegengesetzte Weg zum analogen Unikat wieder eine Option. So sind Themen wie Migration und Globalisierung stark vertreten. Die in diesem Buch vorgestellten Fotografen haben neue Heroen, sind offen für neue Präsentationsformen. Die Fotografie scheint endgültig in der freien Kunst angekommen.“

Und tatsächlich zeigt dieser Text den Inhalt des Buches und wie man heute mit Fotografie umgehen kann. Es ist ein großes Buch, welches weite Verbreitung erfahren wird, weil es eine Ausstellung im NRW-Forum begleitet und dokumentiert.

Jeweils ca. sechs Seiten geben einen Einblick in die männlichen und weiblichen Fotografen bzw. Künstler und ihr fotografisches Tun: Peter Ainsworth, Jacob Aue Sobol, Olaf Otto Becker, Laura Bielau, Miriam Böhm, Elina Brotherus, Bianca Brunner, Stefan Burger, Asger Carlsen, Katalin Deér, Martin Denker, Jan Paul Evers, Daniel Gordon, Alex Grein, Harry Gruyaert, Oliver Helbig, Ulrich Hensel, Stefan Hostettler, Pepa Hristova, Sanna Kannisto, Annette Kelm, Jeremy Kost, Mischa Kuball, Edgar Leciejewski, Tim Lee, Maziar Moradi, Armin Morbach, Andreas Mühe, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Alex Prager, Rico Scagliola & Michael Meier, Arne Schmitt, Anja Schori, Jeremy Shaw, Kathrin Sonntag, Heidi Specker, Mikhael Subotzky & Patrick Waterhouse, Anna Vogel, WassinkLundgren, Moritz Wegwerth, Pinar Yolaçan.

Ossian Ward schreibt in seinem Vorwort: „Nein, die Fotografie ist bei Weitem nicht am Ende. Sie ist nur ziemlich aus dem Ruder gelaufen. … Tatsächlich gibt es heute kaum noch so etwas wie banale Fotografie…. diese Ausstellung und diese 41 Künstler beschäftigen sich mit einem oder mehreren der vielen Themen und loten damit alle Möglichkeiten aus.“

Und so ist ein Buch entstanden, das aktuelle Ansätze der Fotografie und der Fotokunst in der Gegenwart zeigt. Es ist ein Einblick, es ist kein Überblick. Das Buch ist gut und übersichtlich gemacht und es lohnt sich, auch wenn man nicht in die Ausstellung geht. Denn man bekommt einen Geschmack für das, was man leiden kann und für das, was einem nicht gefällt. So trägt dieses Buch zur Geschmacksbildung und zur Unterscheidung bei und hilft, eine eigene fotografische Meinung zu entwickeln.

Fotokunst ist in aller Munde. Hier ist sie geballt und gut zu sehen.

Einen Einblick in das Buch gibt es direkt auf den Seiten von Feymedia.

State of the Art Photography

Essay von Ossian Ward
Hardcover, Fadenheftung
264 Seiten
237 Abbildungen
Format: 24 cm x 30 cm
Zweisprachige Ausgabe:

Englisch / Deutsch

ISBN 978-3941459380