Michael Mahlke

Gordon Parks und Jack London und die sozialdokumentarische Fotografie

Es stimmt, was auf dw.com steht: „Gordon Parks war der erste schwarze Fotograf von Weltruhm. Trotzdem ist sein Name nicht sehr bekannt und fehlt in vielen Nachschlagewerken zum Thema Fotografie.“

Er hatte aber noch ein anderes Prinzip: „Er arbeitete als erster schwarzer Fotograf für das Magazin „Life“. Sein Blickwinkel war immer auf Augenhöhe. Gordon Parks machte keinen Unterschied zwischen Stars, Bandenbossen und Putzfrauen.“

In dem großartigen Buch zur Ausstellung „Subjective Objective A century of Social Photography“ ist er schon im Vorwort erwähnt und man sieht eines seiner Fotos.

Aber im Mainstream kommt er nicht vor, weil er sich nicht vermarkten ließ für Marken und nicht aus dem Kreis derer kommt, die normalerweise unter sich sind.

Und in diesen Kreisen sind ja bis heute reiche Weiße eher unter sich und identifizieren sich nicht mit einem Farbigen, wenn ich das so schreiben darf. Statt einfach zu akzeptieren, daß Menschen unterschiedliche Hautfarben haben so wie es unterschiedliche Nasen gibt, wird immer noch in Rassen gedacht – so erkläre zumindest ich mir das Ganze. Menschen sind Menschen und nicht Weiße und Schwarze und Gelbe etc.

Gordon Parks Fotos sind Momente, die überdauern durch ihre Einzigartigkeit und ihre Ästhetik mit z.T. malerischen Anklängen, wobei Gordon Parks auch die Fotografie als Waffe im sozialdokumentarischen Sinne einsetzte.

Und da ist er dann auf einmal auf Augenhöhe mit Jack London.

Gordon Parks und Jack London?

Ja genau. Beide wurden populär durch ihr Bemühen und Probieren, sie waren beim Volk beliebt und engagiert trotz Erfolg und wegen ihrer Herkunft. Beide waren auf ihre Art einzigartige Persönlichkeiten, die ohne vorhandene soziale Strukturen und Förderungen ihren eigenen Weg suchten und gingen.

Diese Vielseitigen, die nicht einseitig Festgelegten, sind die, die Farbe ins Spiel bringen. Sie leben aus sich selbst, sie leben trotzdem, sie brauchen Publikum und sie sind das Salz in der Suppe, auch medial und digital.

Und wie man an diesem Artikel erkennen kann, leben Jack London und Gordon Parks auch digital weiter, weil sie sie selbst waren und auch im digitalen Upload noch sind.

Was ist Dokumentarfotografie – Streetfotografie, Fotografie der Zeit und der Gegenwart?

In ihrem Buch „Wie Bilder Dokumente wurden. Zur Genealogie dokumentarischer Darstellungspraktiken“ weist die Herausgeberin Renate Wöhrer darauf hin, daß rückblickend bis in die 20er Jahre des 20. Jhrdts. eigentlich alle Fotografien als Dokumente galten.

Im englischen Sprachraum gab es record photography, im deutschen Sprachraum die Aufnahme. Das drückte eine Nähe zum Dokumentcharakter aus.

Das Gefühl für das Fotografische in wandelnden Zeiten

Man nimmt die Welt an sich so wie man sie vorfindet bzw. sieht. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. So war es auch bei mir.

Ich kam aus der analogen Welt bzw. der Welt der Filme mit 35mm und den Filmkassetten. Dann brach das digitale Zeitalter an und zuerst war der Wunsch da, die Vorteile des Digitalen in derselben Qualität wie zu Filmzeiten zu bekommen. Das war der Maßstab.

Dabei spielte auch Leica als Symbol für mechanische und optische Qualität eine Rolle. In Sensorzeiten wurde dann klar, daß die alten Regeln nicht mehr gelten, weil auch Leica mit Sensoren arbeitet, die nur Fotos machen und das Glas, die Linse, das Objektiv davor nicht mehr auf den Sensor bringt als bei Digitalkameras von anderen Herstellern, da alles nur noch aus Nullen und Einsen im digitalen Binärcode besteht und echte Weiterentwicklungen in digitalen Zeiten von anderer Seite kamen wie das Beispiel Fuji X100 zeigt.

Das begriff ich erst später. Man kann sich eben schlecht eine neue Welt vorstellen jenseits des eigenen Horizonts.

Aber weil das so ist, ging es auch so weiter.

Als dann die Smartphones aufkamen, war der nächste Schritt der Vermarktung, dass sie fotografisch so gut sein sollten wie die neueren Digitalkameras.

Wieder war das Vorhandene der Maßstab. Und dann kamen wir in der Welt von heute an, in der es Smartphones gibt und weiter Digitalkameras, die alle auf unterschiedliche Weise versuchen das Fotografieren zu ermöglichen.

Sie sind gleichwertig, weil sie Fotos machen – sie sind verschieden, weil sie auf unterschiedliche Weise mit differierenden Techniken verschiedene Möglichkeiten haben.

Vermarktet wird, daß das Neue das Beste ist – wer es glaubt…

Es gibt kein entweder-oder sondern nur noch ein sowohl-als-auch. Das wurde mit klar, als ich heute zwei Apparaturen nebeneinander legte, die zum Fotografieren geeignet sind.

Es handelte sich um ein Smartphone mit 1/1,7 Sensor und die Fuji X10 mit 2/3 Zoll Sensor. Die verschiedenen Sensorgrößen sehen Sie hier. oder hier.

Man hat ja so lichte Momente, in denen einem Selbstverständliches aus dem vorbewußten Sein mitten ins Bewußtsein rückt. Das sind wohl Aha-Momente.

Ja da war dieses Aha!

Das Smartphone dabei und ein schnelles Foto zur Kommunikation machen oder zum Festhalten eines Momentes ist die eine Seite.

Aber das ist doch gar kein Vergleich gegen die Möglichkeit mit einem Sucher ein Foto zu gestalten und selbst manuell alle Vorgaben zu machen auf mechanische Art und Weise.

Da liegen Welten zwischen. Selbst wenn das Ergebnis ein Foto ist, so ist doch die Entstehung des Fotos anders.

Und für mich gilt auch hier, daß der Weg das Ziel ist, also der Prozess der Entstehung der Fotografie mit Motiv und Rahmen ein anderes Handling hat und Bewußtsein hinterläßt.

Hinzu kommt bei mir, daß ich mich an Fotos mit Sucher meistens noch Jahre später erinnere und an Fotos im Smartphone schon nach wenigen Minuten nicht mehr.

Zudem stecken noch ganz andere Dimensionen des sozialen und individuellen Lebens darin. Denn der Prozess der Entstehung von Fotos ist mit einer Kamera für mich ein Akt der Kreativität. Das empfinde ich bei einem Smartphone so nicht.

Die entscheidende Frage ist die nach dem, was mir Freude bereitet oder mir die Möglichkeit gibt, mich damit auf meine eigene Art und Weise auszudrücken.

Das ist der Moment der großen Gefühle. Es sind nicht die Gefühle der Kamerawerbung, die uns immer nur das Neuste verkaufen will, sondern es sind die Gefühle, die bei der Anwendung des vorhandenen Equipments entstehen.

Fotografie ist dann gut, wenn ich dabei glücklich bin, dieser flüchtige Moment, der alles um mich herum vergessen macht.

Dann war der Fotoapparat richtig, egal welcher.

Während es für mich eine Wonne ist, nun die Fuji X10 mitzunehmen und damit auf händische unperfekte und künstliche Intelligenz freie Weise zu fotografieren, wäre es für mich eher freudlos, einfach mit einem Smartphone zu fotografieren.

So ist der fotografische Amateur der wahre Liebhaber des Fotografierens.