Michael Mahlke

Weshalb kosten werbliche Fotos eigentlich mehr als redaktionelle Bilder?

„Weshalb kosten werbliche Fotos eigentlich mehr als redaktionelle Bilder?

Ganz einfach: Wenn ein Foto dabei helfen soll, ein Produkt besser an den Mann oder die Frau zu bringen, dann ist es mehr wert, weil es im Rahmen einer Werbung mehr Gegenwert erzeugt.“

Das sagt der MFM-Vorsitzende Dirk Sendel.

Damit ist klar, warum man für ein Kartoffelfoto auch mal eine Million bekommen kann.

Und hier zeigt sich auch der Wert von journalistischen Fotos. Sie sind solange wenig bis nichts wert bis sie ein Produkt anpreisen und damit ihren journalistischen Wert verlieren.

Ja und damit wären wir dann bei den Fotos, die eine Ware anpreisen. Die machen dann z.B. Event-Fotografen. Wie das geht ist sehr anschaulich in den 12 Tipps für Veranstalter und Event-Fotografen erläutert. Da wird auch auf die Waren und Angebote der Sponsoren eingegangen und ziemlich gut und kompakt alles dargestellt.

 

Abschied von der politischen Fotografie

Foto und Motiv: Michael Mahlke

Es ist Zeit. Und deshalb entstanden einige Texte zur Fotografie und sozialdokumentarischen Fotografie, die meine Lebenszeit als Dokumentarfotograf reflektierten.

Da kann man ja nichts machen. Sie entstehen innerlich von allein, wenn der Ablösungsprozess beginnt.

So ist unser Leben.

Diese Artikel haben  Vorläufer (es ging darin um meine fotografische Entwicklung jenseits der politischen Themen).

Heute kann ich das Ende des Jahres 2017 als Zeitpunkt ansehen, an dem ich mich vom sozialen Einsatz durch meine Fotografie auf meine Kosten verabschiede, d.h. ich gehe von fremden Inhalten zum eigenen Ich. Real geschah es ja viel früher aber mental jetzt. Ich habe gerne und viel getan und immer dafür „bezahlt“: persönlicher, sozialer, seelischer und fotografischer Einsatz unter materiellen Verlusten im eigenen Überlebenskampf war dabei die Bedingung für inhaltlich erfolgreiche Projekte hier und auf frontlens.de – Brutale Paradoxie pur!

Dabei habe ich immer wieder erfahren, daß soziale und seelische Waffen in „Friedenszeiten“ genauso tiefe Wunden schlagen können wie das Leben im direkten Krieg mit Waffen. Sobald existenzielle Unsicherheit auftritt reagieren Menschen verunsichert – auf jede Weise und viele leiden und sterben daran.

Das Schwerste ist die Realität zu sehen und zu akzeptieren – auch die eigene.

Bilder helfen zu sehen oder wie es Boris Mikhailov einmal sagte:

„Ich weiß, dass die Leute solche Fotos nicht betrachten wollen, aber erst wenn man das Elend im Bild sieht, beginnt man es auch auf der Straße wahrzunehmen.“

Nun sind als soziale Dokumentarfotografen/innen andere dran (oder es macht eben keiner). Ich möchte mich anderen Elementen der Lebenszeit zuwenden solange es geht. Saturn weist die Richtung (der aus der Astrologie).

Aber ich möchte nicht versäumen zu motivieren und verlinke deshalb als Botschaft den wunderbaren Artikel von Frau Martina Kötters „Fotografie als Waffe – Kann Fotografie die Welt verändern?“

Frau Kötters gelingt es die politische Fotografie in und nach 2018 zukunftsfähig zu machen.

So nun kommt der politische Abgesang.

Da ich meine gesamte bewußte Zeit in der Dokumentarfotografie im Rahmen dieser Webseiten unter verschiedenen Namen über ca. zehn Jahre als Ort der Reflexion, Dokumentation und Zusammenfassung verbracht habe, bot es sich natürlich an, die inneren Entwicklungen auch hier jetzt aufzuschreiben. Das ist ja das Neue in digitalen Zeiten. Das Ende ist immer nur der Schritt vor dem Update oder dem Wechsel des Betriebssystems.

So blicke ich nun auf eine beendete Entwicklung zurück und bin gespannt auf das Update.

Fotografie als Waffe in der Propaganda zur Rente mit 67 und 72 – Rückblick und Ausblick

„Ich koche morgens Stahl und abends für meine Mutter“ lautete 2012 eine Propagandakampagne der Bundesregierung, bei der sich Fotografen dafür bezahlen ließen, diese politischen Machenschaften propagandistisch vorzubereiten. Es scheint Teil einer größeren Propagandastrategie gewesen zu sein. Der fitte Alte geht mal zwischendurch in Familienpflegezeit arbeitet aber insgesamt länger, dafür pfegt er abends seine Mutter und nimmt dem Staat die Verantwortung ab, obwohl die Sozialversicherungen dafür gemacht waren. Und wenn man das Motto auf dem Plakat zu Ende denkt, dann endet man mitten im schlimmsten Neoliberalismus.

Denn 2012 und 2013 waren dann die Jahre der Propaganda in der Fotografie für die Rente ab 72 (67 war schon selbstverständlich). Die angeblich fitten Alten waren auf Fotos zu sehen, die ohne Umfallen arbeiten und alle politisch und wissenschaftlich Unanständigen taten so als ob es klar sei, daß man bis 72 arbeiten muß.

Das hat außer mir fotografisch kaum jemand aufgearbeitet. Diese Propaganda und ihre Methoden werden bis heute weiterhin genutzt und sind in keinem großen Medium demaskiert worden. Ich habe dies auf frontlens.de getan. Dafür habe ich auch keinen Presseausweis erhalten ….

Meine Versuche, die Gesichter der davon betroffenen arbeitenden Menschen festzuhalten, wollte natürlich von den Regierenden und Herrschenden niemand sehen. Das ist die verdrängte Wirklichkeit, die fotografisch dokumentiert werden muß und die ich meine.

So habe ich diesen Menschen als Dokumentarfotograf einen Platz in der digitalen Erinnerungskultur geben können. Sie wären sonst weder sichtbar noch sehbar, weder als Teil der Erinnerung noch als Teil der sozialen Wahrheit.

Das ist sozialdokumentarische Fotografie, die Lebenswirklichkeit und soziale Wunden zeigt jenseits der offiziellen Propaganda.

Sie wird aber in den GEZ-Medien nicht gezeigt und in den privaten eher auch nicht.

Aber hier ist sie zu sehen.

Abschließend noch eine Todesanzeige vom 11.11.2017 zur Rente mit 67 und 72. Die Todesanzeige ist echt:

Da wäre ja jetzt zu fragen, wer kocht für die Mutter?

 

Streetphotography – Die 100 besten Bilder von David Gibson (Hg.)

Street Photography Die 100 besten Bilder von David Gibson

„Unter den Begriff Straßenfotografie fällt jedes Bild mit oder ohne Personen, das ohne Inszenierung im öffentlichen Raum gemacht wurde“.

So definiert David Gibson Streetfotografie und will in seinem Buch „Straßenfotos der sog. Internetgeneration“ vorstellen.

Das bedeutet Fotos, die im Internet erschienen sind und einige, die schon vor dem Internet zu sehen waren.

In dem Buch weist Gibson mehrfach auf Henri Cartier-Bresson hin, der auch heute noch eine Rolle spielt, mental und real. Er schwingt bei vielen mit, die Streetphotography betreiben, aber nicht nur er. Insofern ist die im Buch aufgeführte Liste der immer wieder genannten Namen sehr interessant.

Das Buch ist bei Prestel erschienen und schon von der Gestaltung her eine Augenweide. Gut gebunden, stabiler Einband, angemessen großes Format und klare Gestaltung.

„Für mich ist das Betrachten eines Fotobuch ein Vergnügen, es ist die weitaus schönste Art, Fotos zu genießen“, schreibt Gibson. Und so „erlöst“ er hier einige Fotos aus ihrem „Bildschirmdasein“ und läßt sie gedruckt fortbestehen.

Sehr schön!

Wer Streetfotografie heute machen will, der findet hier sehr viel an Inspiration.

Es sind auch große Namen darunter. Auch Martin Parr macht Streetfotografie. Und so ist jede Doppelseite ein Vergnügen beim Lesen und beim Betrachten. Denn es gibt zu jedem Foto eine Geschichte und eine Einordnung. Fotos leben eben von Texten, die den Rahmen bilden, um sie einordnen zu können.

Eine Rezension im ndr zeigt die Palette von Möglichkeiten, die dieses Buch bietet.

Aber das Buch ist eben noch einmal mehr. Es ist eines der wenigen Bücher, die zeigen wie stark und zufällig gute Straßenfotografie ist und wie vielfältig ihre Möglichkeiten sind.

Man kann sich einen guten Überblick verschaffen, wenn man auf die Verlagsseite klickt.

Dabei wird aber auch deutlich, daß gute Fotos Geschichten erzählen, also das Wesentliche eines Moments wiedergeben.

Gibson hat recht. Das Buch eignet sich sehr gut dafür, den Unterschied zwischen der Betrachtung eines Fotos am Monitor und gedruckt in einem Buch bewußt wahrzunehmen.

Denn es macht einfach großen Spaß sich detailliert ein Foto in einem gut gemachten Fotobuch zu betrachten. Und in einem Buch betrachten wir ein Foto ganz anders weil nicht in einer Millisekunde durch Klicken schon das nächste Foto zu sehen ist und man alle Sinne nutzen kann und das Medium Papier.

Bücher sind eben für Menschen gemacht.

Dieses Buch von Prestel eignet sich für tagelangen Genuß, wenn man diese 100 besten Fotos sieht und ihre Geschichten durchliest. Es ist zugleich wie eine Schulung und ein Training für bewußtes Sehen und das Erkennen der Vielfalt und der gemeinsamen visuellen Strukturen in vielen Fällen.

Das Buch aus dem Prestel Verlag ist eine der wenigen echten Kaufempfehlungen im Bereich der Streetfotografie heute.

David Gibson
Street Photography: Die 100 besten Bilder

ISBN: 978-3-7913-8335-4

Wie wird man Dokumentarfotograf?

Ein Beispiel – mein Beispiel

Früher habe ich Bücher geschrieben über den Nationalsozialismus, die Gewerkschaftsbewegung, das Leben der kleinen Leute im Arbeitsleben, Ausstellungen organisiert, Lernsoftware entwickelt und Seminare zu Themen wie „Global denken vor Ort handeln“ geleitet. Nach der Grenzöffnung 1989 qualifizierte ich Menschen und half, in Umbrüchen neue Lebensorientierungen zu finden und dann wechselte ich in die industrielle Organisationsentwicklung.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich kurz nach dem Fall der Mauer. Ich hatte den Auftrag in Frankfurt/Oder Lehrgänge durchzuführen. Ich erhielt Räume in der ehemaligen SED-Parteihochschule. Dort waren noch die Fotos von Breschnew und Honecker an der Wand und Aufrufe zur Völkerfreundschaft. Die Menschen wurden in den Betrieben und den Verwaltungen „freigestellt“ und über Nacht in die „Lehrgänge“ geschickt. Alles erwachsene und qualifizierte Männer und Frauen. Und ich sollte nun das „Ankommen“ und die Strukturierung übernehmen. Niemand hatte Erfahrung, wie man damit umgeht, dass über Nacht ein System verschwindet und ein anderes System kommt und „Hallo“ sagt. Leider habe ich damals noch nicht fotografiert.

Als ich zurückkam erlebte ich im Bergischen Land die Fortsetzung dieser Politik unter neuen Bedingungen. Die politisch beschlossene gesetzliche Öffnung der Märkte, der Abbau von Schutzzöllen und die EU-Subventionen liessen Betrieb für Betrieb verschwinden. Westdeutsche Betriebe wanderten nach Ostdeutschland ab und ostdeutsche Betriebe dann nach Polen oder China. Oft war ich einer der wenigen, der das Sterben der Betriebe und das Sterben der Hoffnung der Menschen sah. Darüber wollte ich schreiben. So entstanden wieder Bücher zur Selbsthilfe für die Menschen wie die Sorgenfibel.de und Webseiten wie lebenspower.de.

Aber das war zu wenig. Ich wollte nicht nur helfen sondern auch festhalten für die Nachwelt. Denn die Worte zeigten keine Gesichter und die Geschichten erzählten keine Momente, so wie ich es erlebt hatte.

So kam ich zum Fotografieren.

Versuch und Irrtum

Viele Fotos gefielen mir nicht. Da ich keine fotografische Erfahrung und Schulung hatte, war es oft ein reines fotografisches Schiessen. Das gefiel mir so wenig wie das Schreiben, weil es vielfach nicht zeigte, wie es wirklich war.

Der Bericht über den Kampf um Mannesmann war 1999/2000 wie eine Art fotografische Erweckung. Dabei war es so, als ob mir eine unsichtbare Hand damals den fotografischen Weg gewiesen hatte. Es geschah mit einer der ersten 3 Megapixel Kameras. Aber es reichte nicht. Ich sah die Diskrepanz zwischen Wollen und Können.

Also suchte ich nach fotografischen Vorbildern. Ich entdeckte Henri Cartier-Bresson und seine Art der Fotografie sprach mich sehr an. Mir wurde klar, dass ich so auch fotografieren wollte.

Ich besuchte Seminare, arbeitete mit anderen Fotografen zusammen, wollte viel lernen –  und lernte auch viel, nur anders. Meistens ging es nicht um Einsicht sondern um Eitelkeiten. Nur sehr wenige Menschen vermittelten mir echt neues Wissen.

Aber das Problem für mich war die Parallelität von Ereignissen und der Zwang in mir, dies fotografisch festhalten zu wollen. So machte ich mir selbst ein Programm und wandelte auf den Spuren von Henri Cartier-Bresson. Fotos mit Geometrie, Fotos mit Struktur, Fotos mit Details – so versuchte ich mich fotografisch an den Themen, die ich für die Nachwelt bewahren wollte, weil es kein anderer tat.

Wenn ich das alles damals schon nicht aufhalten konnte, dann wollte ich es wenigstens festhalten. Eine kleine Kompaktkamera mit einem 6MP CCD-Chip wurde später mein erster ständiger Begleiter.

Irgendwann merkte ich, dass sich mein Blick verändert hatte und ich beim Fotografieren anders blickte. Auf der Grundlage von Cartier-Bresson entstand mein Blick auf monochrome Art. Dabei bin ich nicht stehengeblieben aber es ist wesentlich.

Es war die Loslösung von der Frage, ob die Fotos ankommen hin zu der Frage, wie ich die Fotos in meinem Sinne hinbekomme.

Ich lernte auch, dass das Fotografieren dieser Themen und dieser Art von Wirklichkeit nicht unbedingt viele fotografische Anhänger bringt.  Es sind Fotos, deren Zweck das Festhalten ist, um zu dokumentieren und den Zeitgenossen und der Nachwelt eine soziale, historische und politische Reflexion zu ermöglichen. Inhaltlich geht es darum Themen im Längsschnitt oder im Querschnitt fotografisch festzuhalten über ein einzelnes Ereignis hinaus.

Es sind oft fotografische Themen ohne Publikum. Als ich das akzeptiert hatte, wurde ich freier. Und so konnte ich mental und inhaltlich auch Dinge einordnen, die sonst so weder gesehen noch fotografiert noch aufgeschrieben worden wären.

So war das.

Und heute lese ich etwas über Sebastiao Salgado, das dies alles bestätigt:

„Der Besuch bei ihm und der Anblick all dieser Negative und Kameras, seine Leidenschaft für Fotos und die Geschichten, die er damit erzählen konnte, all das motivierte mich dazu, Dokumentations- und Pressefotografin zu werden. An diesem Tag gab er mir den allerbesten und nützlichsten Rat: Wenn ich meine Fotos verbessern und aussagekräftig machen wollte, sei es das Wichtigste, nicht Fotografie zu studieren, sondern Geschichte, Wirtschaft oder etwas anderes, was mich interessierte…“

So erzählt es Graciela Magnoni zitiert von David Gibson in seinem Buch „Streetphotography – Die 100 besten Bilder.“

Das ist genau mein Weg in umgekehrter Weise, nur die Vermarktung verkaufsfähiger Themen ist mir nicht gelungen, weil die kleinen Leute vor Ort in kritischen Zusammenhängen eben kein Verkaufsschlager werden aber dies meine Themen waren. Aber ohne mein Studium wären dieser Blick und diese Arbeitsweise nicht möglich gewesen.

Für die Dokumentation sozialer Wunden gab es nie Geld. Aber viele zehntausend Menschen tragen die Narben der sozialen Wunden, die ich hier konkret im Ablauf, in der Masse oder als pars pro toto dokumentiert habe, hier und anderswo in sich, sie werden davon mit bestimmt und geleitet, sie leiden darunter und oft genug versteht dann niemand warum, weil niemand mehr sieht was war.

Das führe ich hier nicht mehr weiter aus, weil ich ja nun aufhöre. Aber auf meinen Webseiten ist dazu genug zu finden.

Und genau diese Themen wären ausgeschlossen gewesen, wenn ich den Ringeltanz mit den Mächtigen getanzt hätte, um für Fotografie bezahlt zu werden. Vielleicht war es mein Fehler aber es war mein Weg.

Salgado hat aber recht. Denn so kam es, daß ich Dokumentarfotograf wurde.

Aber dieser Artikel hier ist kein guter Artikel für einen Menschen, der aus der Schule kommt und etwas lernen will in Deutschland. Ich würde nicht als erste Ausbildung Fotograf erlernen oder anlernen (Dokumentarfotograf als Ausbildung gibt es gar nicht) sondern entweder eine Facharbeiterlehre oder eine Kaufmannslehre machen oder Gerichtspfleger oder Pflegekraft oder ein solides Studium, damit ich immer eine sichere Basis habe.

Nur so bin ich frei für das, was ich wirklich will. Das gilt aber nur für Menschen, die nicht alles gesponsert bekommen und eigentlich nicht arbeiten müssen. Die können es machen, wie sie wollen. Aber die lesen hier auch nicht.

Ich betone die eigene Einkommensquelle aus einer soliden Tätigkeit auch noch aus einem anderen Grund. Wenn man in der fotografischen Welt Geld verdienen will, dann braucht man den Zugang zu den Geldverteilungsstellen. Dazu muß man Wettbewerbe gewinnen und genau die Menschen kennen, die darüber entscheiden, wer wofür Zugang erhält. Dabei wird erfahrungsgemäß sehr oft Qualifikation durch Nepotismus ersetzt, so daß der Aufwand fast nie in einem Verhältnis zu einem möglichen Erfolg steht.

Denn es geht ja um mehr als nur darum, einmal oder mehrmals ein Foto oder eine Geschichte irgendwo abgedruckt zu bekommen. Es geht darum jeden Monat genug Geld zu haben.

Selbst so wie hier vorgestellt würde es nicht reichen und wäre wohl illusorisch.

Es ist viel einfacher mit einer sicheren Einkommensquelle dann seine fotografische Energie da einsetzen zu können, wo man es wirklich will und wo man auch Spaß dabei hat (hätte ich früher nicht geschrieben stimmt aber). Zudem muß man dann niemand fragen und kann die Wege gehen, die bei der abhängigen Auftragsfotografie ein zu großes Risiko wären.

Damit erhält man nicht die „Museumsqualität“ der Herrschenden im Kulturbetrieb, weil man nicht die soziale Anerkennung bekommt in ihren Reihen und man bekommt trotz publizistischer Tätigkeit über öffentliche THEMEN keinen Presseausweis.

Aber es ist ein guter Weg, um die eigene Lebenszeit und die Fotografie und das soziale Leben immer wieder neu zu erleben und soziale Fragen fotografisch aufzugreifen, die nicht in die bezahlte Werbung zwischen die bisherigen Medien dürfen, weil sie weder Sex sells können noch politisch opportun sind.

Umgekehrt ist der Kampfplatz für die gesellschaftliche Anerkennung natürlich die „Museumsqualität“. Wer dorthin will braucht hier nicht weiterlesen.

Wenn man dies real, sozial und fotografisch sieht und dennoch tätig wird, dann bringt man fotografisch wirklich etwas ein in diese Gesellschaft, die mehr als lachende Gesichter und Werbung braucht.

Es ist natürlich auch der Versuch, mit sich selbst in der durch nichts gerechtfertigten Ungerechtigkeit (jenseits von leben und leben lassen) zurechtzukommen, die stark einschränkt und lebensbestimmend ist.

Denn wenn man die Ausgrenzung wegen Armut als schmerzhafte Narbe in sich trägt oder sogar erlebt als täglichen Lebensbestandteil (einen sehr guten aktuellen Bericht gibt es dazu hier) und man erkennt, daß die Überwindung wegen neu geschaffener sozialer Strukturen für kleine Leute fast nicht mehr möglich ist, selbst wenn man „Erfolgskriterien“ wie Intelligenz und Qualifikation hat, dann kann man daran kaputtgehen, falls man nicht eine Mischung aus Aggression, Achtsamkeit und Agilität findet, die hilft, damit zu leben ohne nur davon dominiert zu werden.

Und so kam ich zum Dokumentieren von unangenehmen sozialen Abläufen und Wahrnehmungen über die man lieber nicht spricht.

Aber gerade die Konfrontation mit dem Verdrängten tut weh und kann helfen, privat und sozial weiterzukommen und weiter zu leben. Dafür muß es aber sichtbar sein, es muß zu sehen sein.

Meine Themen ergaben sich immer aus den sozialen Fragen in unserer entwickelten Industriegesellschaft mit ihren sozialen Landschaften, ihren Bedingungen und Lebensweisen in Umbruchzeiten zwischen dem Zusammenbruch des Sozialismus und der neu entstandenen Demokratie mit neoliberaler Ideologie und dem Abbau der sozialen Marktwirtschaft, deren Konsensversprechen der funktionierende und sichernde Sozialstaat war (so wie es heute noch in Österreich, Dänemark, Schweden etc. ist).

Hinzu kamen für mich in Anlehnung an Bordieu die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie in diesem Zusammenhang, so daß ich die Nutzung und die fehlende Nutzung der Fotografie dabei interessiert beobachtete.

Übrigens ist es eine Erfahrung von mir, daß das Schweigen über Ungerechtigkeit nicht nur von den Tätern nicht gewünscht wird. Die Opfer sind auch fast alle still. Insofern kann man fast nie dabei gewinnen.

Jahre später ist es dann im besten Fall über Nacht selbstverständlicher Teil des vergangenen Geschehens geworden und tut niemand mehr weh weil viele Betroffene mit ihrem Leiden gestorben sind und mit ihnen die Wahrheit, die nicht mehr zu sehen ist. Da ist dann die Zeit drüber hinweggegangen, weil es politisch und sozial nicht aufgegriffen wurde als Potential für Veränderungen.

In größerem sozialen Rahmen mit sehr persönlichen Erfahrungen habe ich dies im Wupperartmuseum umgesetzt, das es nur digital gibt. Da drin sind visuell offene soziale Fragen zu sehen, die nicht nur mich betreffen und die außerhalb meiner persönlichen Möglichkeiten sind. Sie sind nur von uns zusammen lösbar. Es sind daher auch digitale visuelle Kunst-”objekte”, die zur Nutzung, zum Anschauen zur Verfügung stehen, um sozial zu wirken.

Die Webseite hat den Vorteil, daß die dort ausgestellten Fotografien weltweit Beachtung finden, weil sie einfach Wirklichkeit zum Sprechen bringen und ich mich damit auch in die Welt einbringen kann. Andere Webseiten ergänzen dies.

So ist viel Zeit mit Fotografie vergangen, vieles habe ich wegweisend auf fotografie.international zusammengefaßt, so daß es heute noch da ist und sonst nirgendwo zu sehen wäre trotz sozialer Relevanz.

Denn „Fotos sind ein Medium, sie leben von der Verbreitung“, hat David Gibson mal so einfach und klar aufgeschrieben. Und dazu braucht man digitale Orte, von denen aus sie sich verbreiten können.

Nun will ich diesen Artikel beenden, weil die Tätigkeit als Dokumentarfotograf in dieser Form eben nur für ganz wenige Menschen in Betracht kommt. Man sucht sie nicht, sie findet dich.

Heute kannst du auch ein guter Dokumentarfotograf ein, wenn du kein „Profi“ im Sinne eines/r bezahlten Auftragsfotografen/in bist, sondern wenn du die Freiheit hast, die Dinge, die dich interessieren, fotografisch so zu tun, wie es angemessen und sinnvoll ist und die Fotos öffentlich zugänglich machst und einbringst. Das ist vielleicht echte Professionalität und wahre Profession ohne Profit.

Wenn man das weiterdenkt hilft folgender Satz: „Die Profession Soziale Arbeit zeichnet sich durch zielorientierte und ergebnisorientierte Leistungen auf der Grundlage von ethischen Grundhaltungen und Prinzipien aus“, schreibt der deutsche Berufsverband für soziale Arbeit. Daraus ergibt sich dann, daß diese Art der Profession auch Gesellschaftspolitik ist, weil sie soziale Zustände und Entwicklungen zeigt durch visuelles Dokumentieren. Daraus könnte sich sogar fotografische Sozialarbeit im Sinne von photovoice oder Fotocoaching entwickeln. Damit ist man dann aber mittendrin statt nur dabei und kann sich nicht raushalten und mit den Auftraggebern tanzen.

In diesem Sinne viel Erfolg auf deinem Weg!

Übrigens könnte dieser Artikel auch heißen „Das kleine mühselige Leben eines selbstbestimmten Dokumentarfotografen in digitalen Zeiten“.

Und hier noch ein paar Gedanken dazu, die mich immer noch bewegen:

„Es gehört zu den wichtigen Fähigkeiten des modernen Menschen, mit der Unsicherheit zu leben. Trotzdem zu handeln. Mit der Substanz der Menschenwürde und einer Vorstellung des Gemeinwesens.”

Roland Günter

„… dass die Kunst auch eine Aufgabe hat, indem sie den Teil der Wirklichkeit beschreibt, den wir am liebsten verdrängen wollen.“

Klaus Staeck

«Kunst ist Propaganda für die Wirklichkeit und wird daher verboten.»

Oswald Wiener

„Die Wahrheit ist das beste Bild.“

Robert Capa

„Die Wirklichkeit bietet sich in einer solchen Überfülle dar, daß man nur hineinzugreifen braucht, um vereinfachend und sichtend etwas herauszuholen.“

Henri Cartier-Bresson

„Kunst ist jedoch dann radikal mehr, wenn sie zum eigenen künstlerischen Handeln führt. Wenn sie uns erkennen läßt, dass wir selbst die künstlerischen Akteure sind. Die Kraft und das Potenzial der Kunst stecken in jeder menschlichen Handlung, in jedem Gegenstand, den wir uns erwählen – fernab politischer, religiöser oder sonstiger Bevormundung. Die Kunst hat eine ungeahnt große befreiende Kraft, weil sie unsere besten Energien ans Licht befördert.“

Wolfgang Boesner

Text 1.12

Was ist dokumentarischer Stil in der Fotografie?

Die Anforderung lautet Fotos im dokumentarischen Stil zu erstellen.

Es sollen keine Architekturfotos werden, auf denen die Räume oder Gebäude gezeigt werden, sondern es soll dokumentarisch sein.

Wenn ich dann nachfrage, was damit gemeint ist, wird es interessant.

Und deshalb möchte ich das Ganze hier einmal aufgreifen.

Dokumentarfotografie kann das Fotografieren von Gebäuden sein wie bei den Bechers. Das überlappt sich schon mit dem Wort Architekturfotografie. Diese versucht möglichst getreu Räume und Gebäude oder anderes wiederzugeben, abzufotografieren. Es kann auch Tatortfotografie sein, die sehr konkret und funktional ist.

Aber Stile in der Fotografie sind ja besondere Eigenarten beim Fotografieren gewesen, die in einer bestimmten Zeit und/oder Situation eingesetzt wurden, sei es, weil es technisch nichts anderes gab oder weil man es so wollte.

Und nach mehr als hundert Jahren Fotografie gibt es viele Stile und seit der Einführung der digitalen Fotografie mit dem Filtermix ist die Auswahl fast unendlich.

Foto Mahlke

 

Dokumentarisch und dokumentierend – wo ist da der Unterschied?

Wer dokumentiert ist dabei, er/sie hat also die Augenzeugenschaft und wählt dann durch den Ausschnitt in der Kamera und durch die Gestaltung die Dinge so aus wie sie erfasst werden sollen.

Das ist eine Reportage, wenn es um ein Ereignis und einen Ablauf geht und es sozial wird, also Menschen dabei sind (manchmal auch Tiere).

Fotoreportagen dokumentieren und sind daher dokumentarisch aber nicht immer Dokumentarfotografie.

 

Der dokumentarische Stil in der Auftragsfotografie

Wenn es nun um Auftragsfotografie geht, bei der im dokumentarischen Stil gearbeitet werden soll, dann geht es meistens um die Darstellung von Abläufen und Inhalten. Das können Workshops, Konferenzen, Arbeitsabläufe, Stimmungen, Darstellungen, Gruppen etc. sein.

Darstellen bedeutet ich fotografiere entweder Dinge und Abläufe im realen Zusammenhang oder stelle Situationen dar, die das wiedergeben, was sonst so abläuft.

Dokumentarischer Stil ist dabei nicht festgelegt. Der Auftraggeber entscheidet (meist hinterher) welcher Stil zu ihm paßt, eher kühl oder poppig, monochrom oder farbig, körnig oder glatt etc. Farben und fotografische Art der Fotos sollten vorher besprochen werden. Monochrome Fotos lassen mehr Deutung zu aber wirken auch dokumentierender.

Der dokumentarische Stil in der Auftragsfotografie ist also immer das Ergebnis eines Gespräches zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Dann wird es für beide Seiten ein Erfolg.

 

Aber damit ist das alles ja noch nicht zu Ende.

 

Vom dokumentarischen zum sozial-dokumentarischen Stil

Ich komme aus der Wirtschaft. Unternehmen sind soziale Veranstaltungen. Wenn es darum geht den „Geist“ eines Unternehmens, die Kreativität, die Bedingungen des Handelns etc. einzufangen, dann kann dies meiner Meinung nach nur durch Reportagefotografie im Ablauf erfolgen mit nachträglicher Bearbeitung.

Will ich funktionell nutzbare Fotos mit symbolischen Aussagen oder will ich das was geschieht im sozialen Ablauf da zeigen, wo es stattfindet?

Das ist dann der sozial-dokumentarische Stil, der zugleich wichtig ist für Erinnerungskultur.

 

Der dokumentarische Stil in der deutschen Fotografie

Theoretisch hat dies ganz gut Klaus Honnef nach einer Diskussion in Leipzig zusammengefaßt: “ Es sind in erster Linie drei formale Innovationen, die im 20. Jahrhundert zu einem dokumentarischen Stil in der Fotografie geführt haben: die Nutzung der seriellen Reihung durch August Sander (im Gefolge der enzyklopädischen Ansätze in der wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Fotografie des 19. Jahrhunderts), Walker Evans und Bernd und Hilla Becher, zweitens der Einsatz unkonventioneller Blickwinkel und innerbildnerischer Montageelemente durch die sowjetische „Revolutionsfotografie“ sowie das „Neue Sehen“ mit einem immanenten Hang zur Propaganda und zur Werbung und last but not least die Verwendung ungewöhnlicher Sichtweisen im Zuge einer neoveristischen Ästhetik durch Robert Frank, Chargesheimer und William Klein. Sämtliche Innovationen reflektieren nicht zuletzt auf die besondere Wesensstruktur des fotografischen Mediums, seine seriell-industrielle Produktionsweise, seine mechanische Aufnahmetechnik und seine konstruktivistische Eigenart.“

Ich hoffe, mit diesen Gedanken dem dokumentarischen Stil einen angemessenen Raum gegeben zu haben und praxisrelevante Fragen gut beantwortet zu haben.

Mehr Theorie finden Sie in diesem Artikel und mehr Praxis der Theorie auf dieser Webseite.

 

 

Eine neue alte Dimension der Streetfotografie – the pictorial treatment of locality

Foto Mahlke

Ich las in dem Buch Unfamiliar Street Photography von Frau Bussard. Das Buch ist eher akademisch und für eine amerikanische Leserschaft gemacht aber lesenswert, leider nur auf Englisch.

Frau Bussard greift einen Artikel von Osborne Yellott auf, der als erster über Street Photography / Strassenfotografie um 1900 schrieb und dort zwei Betrachtungsweisen unterscheidet: die Örtlichkeit und das soziale Leben. Während z.B. Cartier-Bresson dann den entscheidenden Moment im sozialen Leben fand, ist die Örtlichkeit bisher nicht so als Betrachtungsweise in der Streetfotografie aufgetaucht. Das führt sie an Fotos von Richard Avedon, Charles Moore, Martha Rosler und Philip-Lorca Dicorcia dann aus. Ich finde ihre Schreibweise etwas schwierig aber die Gedankenführung an sich sehr aufschlußreich.

So waren die Kämpfe für Gleichbehandlung 1963 in Birmingham in den USA zu dieser Zeit an diese Örtlichkeit gebunden und die Fotos von Charles Moore auf der Straße an diesem Ort zeigten was geschah. Denn dort wurde der öffentliche Raum besetzt, um Gleichbehandlung auf sozialer Ebene durchzusetzen.

Das war Strassenfotografie, die zugleich politische Fotografie war und ohne die Straße gar nicht da gewesen wäre, weil es um die Besetzung der Straße als Ort für soziales Geschehen ging, „politicized streets“ in ihren Worten.

Bei Avedon ging es nicht direkt um Politik sondern um Mode, aber diese war direkt an die Straßen von Paris gebunden und wäre ohne diese Straßen so nicht umsetzbar gewesen.

So geht es weiter in dem Buch und diese Betrachtungsweise zeigt, daß Streetfotografie durchaus mehr sein kann als nur der entscheidende Moment einer sozialen Situation auf irgendeiner Strasse. Es kann genau so gut entscheidend sein, dass das Soziale nur an einer bestimmten Örtlichkeit entstehen kann, das dann zum Motiv wird.

Da Streetphotography zudem in New York geboren wurde und dann später in Paris wuchs, um später jede Stadt zu erobern, ist die Örtlichkeit als fotografisches Biotop wesentlich für viele Motive.

Die bildhafte Betrachtung eines Ortes ist ja auch mehr als die rein architektonische Aufnahme.

Was für Menschen gemacht ist, erfüllt erst in der Interaktion von Mensch und Örtlichkeit seinen Zweck. Und wer dies fotografiert, macht dann Strassenfotografien, die Form und Inhalt zusammenbringen können.

„Art is social in the first instance“ – Kunst ist zuerst immer sozial. Mit diesem Zitat von Rosalyn Deutsche fängt das Kapitel von Frau Bussard über Martha Rosler und ihren Spaziergängen in der Bowery an, einer verarmten Strasse in New York. Darin wird aufgeschlüsselt, daß Dokumentarfotografie und Streetfotografie sich immer überlappten und oft je nach Interessenlage und Mode tituliert wurden.

Zugleich zeigt Frau Rosler mit einigen ihrer Fotos, daß man eben nicht „echte“ Fotos, also ungestellte konkrete soziale Situationen, beliebig aus dem Zusammenhang reißen kann, um sie formal abstrahiert im Museum auszustellen.

Anders ausgedrückt, man kann es, aber es ist sozial völlig sinnlos, es sei denn es soll als reines Geldobjekt und nicht mehr als reales Foto genutzt werden.

Und was lerne ich daraus?

Ein gutes Foto hat eine echte Geschichte…

Zwischen solo und sozial – Mein Blick auf die Dokumentarfotografie

Blicke auf die Wirklichkeit Foto: Michael Mahlke

Natürlich stehe ich bei dem Thema Dokumentarfotografie mit meinem Eimer vor einem Ozean. Wenn ich daraus schöpfe, dann ist darin alles vorhanden und trotzdem nur sehr wenig im Eimer drin – pars pro toto..

Aber die Beschränkung ermöglicht erst den Blick und den Durchblick.

Wahr ist auch, daß nicht jedes Foto Dokumentarfotografie ist. Jedes Foto könnte dokumentarisch bzw. dokumentierend als Beleg seiner selbst im wortweiten Sinne sein.

Aber zur Dokumentarfotografie wird ein Foto erst, wenn es einen öffentlich relevanten sozialen Zusammenhang hat und öffentlich gemacht wird. Das kann auch regional oder sozial begrenzt sein.

Das kann man nun noch mehr unterscheiden und je mehr Wörter darüber verloren werden, desto mehr Unterscheidungen gibt es und je mehr das akademisiert wird, desto weniger versteht man davon dann noch.

Als Historiker habe ich versucht auf den Spuren derer zu gehen, die davon und damit gelebt haben. Von der Fotografie als Waffe bis zum fotografischen Erhalt dessen, was physisch einfach da war reichte der Bogen, um Veränderungen zu zeigen bei öffentlichen Themen und im öffentlichen Raum.

Besonders faszinierend ist dabei für mich die sog. soziale Landschaft, die Folge und Ursache von sozialem Auftritt ist.

Im Kern ging es mir immer um sozial relevante Themen. Armut ist ja nicht abstrakt sondern kann sehr gut vor Ort konkret auf der Straße gezeigt werden, wenn sie sichtbar wird im öffentlichen Raum. Geheimes Denken kann durch heimliche Darstellungen im öffentlichen Rahmen gezeigt werden etc.

Und am Beispiel der sozialen Symbolik in der Stadt Remscheid habe ich dies auch konkret in verschiedenen Artikeln aufgearbeitet.

Und die Auseinandersetzung mit dem Sozialen durch die Fotografie verändert dich und die Wahrnehmung von dir und dem Drumherum.

Dabei wird nichts einfacher aber manches eben sichtbar oder anders gesehen.

Und jetzt?

Jetzt bin ich sehr froh, alle diese Menschen visuell und textuell getroffen zu haben und mich mit ihnen auseinandergesetzt zu haben. Das bringt mir persönlich viel, aber hat mir auch gezeigt, wo die Grenzen sind.

Wenn ich über die Vergessenen schreibe und dieses Thema fotografiere, dann dokumentiere ich etwas, das vergessen ist und bleibt, so meine Erfahrung, wenn ich von meinen digitalen Orten der öffentlichen Darstellung einmal absehe.

Es ist kein Thema für Geld und Aufträge. Das will niemand kaufen und dafür gibt es auch kein Geld über Projekte. Auch darüber habe ich geschrieben.

Jedes bisher geschriebene Wort könnte ich auf einen eigenen Text verlinken.

Damit ist es bei google eher sichtbar und wird sogar für die wikipedia immer wieder gebraucht.

Dokumentarfotografie ist aber mehr.

Wenn ich den Bereich der Vergessenen verlasse und sie in Richtung darstellende Fotografie ändere, dann ist alles möglich – auch das Geldverdienen.

Das ist aber jenseits der Reportage sozialer Not und schlechter Ereignisse. Diese Themen dürfen sowieso nur noch in wenigen Ländern fotografiert werden ohne dass man verhaftet wird. Und welche Relevanz haben sie denn?

Insofern wird es nicht gefördert und kleingehalten.

Aber das stört kaum jemand, weil die Welt ja eigentlich lieber über die Gewinner spricht und die Vergessenen vielfach auch am liebsten dazu gehören würden und sich selbst mental verdrängen. Sie wollen sich als Vergessene nicht zeigen sondern lieber vergessen werden statt sich zu zeigen, um Aufmerksamkeit und Veränderungen einzufordern. Dagegen wollen sich Gewinner zeigen und gesehen werden.

Das ist natürlich etwas pauschal aber stimmt meistens.

Die Welt hat zumindest mir deutlich gemacht, daß die Hoffnung auf ein besseres Morgen so nicht stimmt, weil die Machtverhältnisse sich nicht wirklich ändern und dies allein auch kein hinreichendes Kriterium für Verbesserungen wäre.

Und wenn man nur irgendwie die Chance hat dabei zu sein und anerkannt zu werden im Kreis einer sozialen Gruppe, dann ist dies oft der Zustand, der auf dieser Welt am ehesten erstrebenswert zu sein scheint, weil es keine echte Alternative dazu im Leben gibt.

Welchen Sinn hat es recht zu haben, wenn die Menschen nicht auf dich hören oder hören können oder andere Interessen haben? Was macht man dann?

Man kann sich zurückziehen und einsam sein oder man schaut nicht so genau hin und akzeptiert die Welt, die man nicht ändern kann. Einzig und allein dann die eigene Grenze so in Worte zu fassen wie hier und dies dann entweder im Tagebuch oder in einem öffentlichen Blog zu zeigen bleibt als Möglichkeit, ist aber ohne Relevanz.

Denn sobald du deinen Geist verläßt und dich dem sozialen Leben zuwendest, kannst du mit diesem Denken nicht bestehen, sondern mußt die Gesetze des Miteinanders annehmen.

Das ist die Wirklichkeit, die mir durch das Fotografieren immer wieder bewußt wurde. Das war der Weg von mir zwischen solo und sozial.

Und damit dieser erhellende Moment für mich auch für andere, die sich davon angesprochen fühlen, nicht verloren geht, habe ich es hier aufgeschrieben, weil ich dies nun nicht in ein Foto stecken konnte.

Selbst Fotos haben Grenzen, die nur durch Worte überschritten werden können.

Und deshalb publiziere ich dies hier auch von Angesicht zu Angesicht, von mir zu Dir!

Aber diese Worte waren mir erst knapp sechs Monate nach dem Ende des Bloggens an dieser Stelle möglich.

Die Zeit spielt also mit.

Deshalb erst heute – oder besser schon heute?

Das alles könnte man übrigens auch dokumentieren – mit neuen Fotos …

Neue Zeit für neue Fotografie und neue Fotos?

 

Visual History oder Geschichte schreiben mit Bildern durch Fotografie

Mein Thema waren und sind die Vergessenen. Über die wollte ich immer schreiben, weil ich es als ungerecht empfand, daß in den Geschichtsbüchern immer die Mächtigen stehen und diese auch den Unterricht bestimmen – sogar nach ihrem Tod.

Ich wollte dazu beitragen, daß die kleinen Leute mit ihren Kämpfen und ihrem Leben nicht vergessen werden (wie ich selbst), damit sie irgendwann in der Gegenwart mit ihren Themen dominieren können.

Und so schrieb ich erst Bücher und versuchte später mit Fotografien und Dokumentarfotografie gegen das Vergessen und für Verbesserungen zu schreiben.

Die Rückkehr der Armut wurde ab der Agenda 2010 zu meinem Thema und die neue Völkerwanderung mit ihrer Bedrohung kam hinzu.

Das findet man einerseits bei bergischer.bildermonat.de und andererseits bei zeitgeist.bergischdigital.de. Im größeren Rahmen ist dies auf dokumentarfotografie.Info zu finden.

Ich konnte die visuelle Geschichtsschreibung umsetzen, die die Auswirkungen der politischen Entscheidungen auf die Menschen im öffentlichen Raum zeigt und das soziale Geschehen festhält – klassische Dokumentarfotografie eben.

Aber mehr war nicht drin und ist wohl auch mit Bildern in diesem Rahmen nicht möglich, zumal meine Mikrowelt Remscheid und drumherum war.

Ich sah, wie große Medien weiterhin das Denken und Handeln dominieren. Ich analysierte diese Kraft der Bilder.

Mein Wissen brachte mir Erkenntnisse wie: Sozialer Wechsel wird ersetzt durch einen Bilderwechsel.

Ich habe verstanden.

Es sind die Mächtigen, die bestimmen und die bestimmen auch, was vergessen und übersehen wird.

Und selbstverliebt wird von der herrschenden politischen Klasse fast alles ausgeblendet, was zwar da ist, aber nicht in ihre Interessen passt. Die Interessen sind bestimmt vom eigenen Ego und denen, die sie führen und bezahlen, wenn auch oft indirekt.

Es ist so, daß Politiker regieren und die Mächtigen herrschen. Nur in den USA erleben wir gerade, wie Einer aus der Gruppe der Herrschenden gerade versucht als Politiker auch zu regieren. Das ist was besonderes im aktuellen Zeitgeschehen.

Und so habe ich immer gegen das Vergessen gekämpft und gehofft, visual history in digitalen Zeiten würde auch Bewußtsein schaffen, das im Handeln mündet.

Aber das geht nicht, weil der Aufstieg des kleinen Mannes das Beamtentum ist und damit sofort wieder die bestehenden Verhältnisse stabilisiert werden.

Der Sklave möchte eben Aufseher der Sklaven werden statt die Sklaverei abzuschaffen, wie Gabriel Laub einmal bemerkte.

Wie wahr!

Nun gut, zumindest ist die Wirklichkeit, die ich eingefangen habe, da. Aber es gehört auch zur Wirklichkeit, daß die meisten Menschen so mit ihrer eigenen persönlichen Wirklichkeit beschäftigt sind, daß sie die sozialen Strukturen und Verhältnisse dahinter gar nicht sehen wollen oder können, geschweige denn dagegen angehen wollen.

Anders ausgedrückt und viel besser ausgedrückt hat es Karl Marx: das Sein bestimmt das Bewußtsein.

Und die Welt der Bilder heute stabilisiert den fehlenden Durchblick.

Das System mit seiner repressiven Toleranz ist stärker und die Mehrheit darin will es so behalten.

Für mich ist es bitter, daß meine Kraft nicht ausgereicht hat, um für die Vergessenen, zu denen ich mich auch zähle, mehr zu tun und meine Opferbereitschaft hat vor allem aus mir selbst ein Opfer gemacht, wie ich reflektierend erkennen mußte.

Die Anerkennung der Realität ist die Grundlage für alles, eine Französische Revolution ist nicht in Sicht (auch nicht unbedingt gewünscht), eher eine Art Merkeltilismus als Symbiose von Mächtigen und Regierenden in der repressiven Demokratie, die die soziale Sicherheit als Grundpfeiler demokratischen Handelns mit sozialer Unterwerfung und Kontrolle verknüpft hat (Hartz4) – gegen das geltende Grundgesetz.

Demokratie und Wohlstand sind eine Ehe eingegangen, bei der für den Wohlstand die Demokratie geopfert werden könnte.

Wer weiß ob die Mächtigen dies später in ihren Geschichtsbüchern auch so beschreiben.

Wer weiß, ob Europa Gestalter oder Opfer wird.

So viele Fragen, so großes Denken, so wenig Chancen.

So ist die Welt.

Ich nehme nun die Welt an wie sie ist und wende mich Albert Camus zu:

„Das Elend hinderte mich, zu glauben, daß alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, daß die Geschichte nicht alles ist. Das Leben ändern, ja, nicht aber die Welt, die ich zu meiner Gottheit machte.“

Die Vergessenen und die vergessene Fotografie

Foto Mahlke – AFD und Die LInke zum Thema Armut

Der Buchautor Édouard Louis schrieb auf spiegel.de über seine Kindheitserlebnisse:

„Marine Le Pen sei die einzige, die von uns, von „den kleinen Leuten“ spräche, erklärten sie und machten sich auf ins Wahllokal. Alle anderen Kandidaten würden uns ignorieren.

Das Gefühl der Unsichtbarkeit war das zentrale Element unseres Lebens, war allgegenwärtig und eine Obsession. Kein Tag verging, an dem meine Mutter nicht sagte: „Für uns, die kleinen Leute, interessiert sich niemand. Schon gar nicht die großen Tiere.“ Wenn sie Politiker im Fernsehen sah, schimpfte sie: „Die sind doch alle gleich! Die denken doch nur an sich.

Meine Eltern fühlten sich von der Linken verraten. War die Verteidigung der Schwachen in der Gesellschaft nicht deren Sache gewesen? „Aber heute sind sie alle gleich, links wie rechts“, kommentierten sie, was sie als unnormal empfanden. In diesem „aber“ steckte ihre ganze Enttäuschung und das Gefühl der Verlassenheit, das an ihnen nagte.

Worte wie Hunger, Elend, Ungleichheit, Leiden, Schmerz, Erschöpfung kamen in den Erklärungen der Linken tatsächlich nicht mehr vor. …Kurz nach meinem zwanzigsten Geburtstag schickte ich das Manuskript meines ersten Romans an einen großen Pariser Verlag. In Das Ende von Eddy beschrieb ich jene Welt meiner Kindheit, die Armut und die Ausgrenzung, die ich erlebt hatte. Schon nach gut zwei Wochen erhielt ich Antwort: Sie könnten den Roman nicht veröffentlichen, teilte man mir mit. Das Elend, von dem ich berichtete, hätten wir vor hundert Jahren hinter uns gelassen, die Leser würden nicht glauben, was ich erzählte. Ein solches Buch kaufe keiner, hieß es.“

Dieses Erlebnis habe ich bis heute.

Die Welt aus der ich komme und die ich immer noch erlebe, kommt um mich herum überhaupt nicht vor in der öffentlichen Diskussion.

Und die wachsende Anzahl der Vergessenen trifft nun die Schutzsuchenden, die hier sofort leben können wie Einheimische ohne jemals etwas geleistet zu haben oder leisten zu müssen und mancher fragt sich, welchen Wert noch Staat, Fleiß und Grundgesetz haben.

Denn wer für seine Familie als schutzsuchende Asylanten sofort rechnerisch monatlich über 4000 Euro netto erhält (selbst wenn nicht alles bar ausgezahlt wird), welchen Ansporn sollte der haben, hier arbeitend mitzumachen?

Echte Sanktionen gibt es nicht, Ausweisung gibt es nicht, Bedingungen für das Bleiben gibt es nicht – aber viel Geld und lebenslange Leistungen, die Inländern bei Arbeitslosigkeit erst nach der Anwendung der Verarmungsregel von Hartz 4 zustehen.

Migrationsforscher warnen fast verzweifelnd vor den Folgen und fragen sich, wo man hier ist. Akzeptanz bedeutet nämlich, daß die aufnehmende Bevölkerung dies annimmt und nicht ablehnt. Dazu würde aber gehören Migranten und Asylanten rechtlich anders zu stellen so daß z.B. Migranten und Asylanten mehr Steuern zahlen müssen und weniger Sozialleistungen erhalten als die, die hier geboren sind und hier gearbeitet haben (wie das in klassischen Einwanderungsländern auch ist und dort auch für Asylberechtigte gilt und übrigens das Erlernen der Sprache zwingende Voraussetzung für das Bleiberecht ist und es dafür nix gibt statt nur Abzüge).

Das geht ohne Probleme, denn es sind zwei paar Schuhe. Man muß sich verdienen dabei sein zu dürfen und nicht erst einmal alles ohne Arbeit erhalten auf Kosten der Einheimischen, denen man seit Jahren immer mehr wegnimmt. Das bedeutet Akzeptanz.

Einfach zu regeln wäre dies mit einer Basissicherung für Asylsuchende, die nach erfolgreicher Integration länger gewährt wird und in den Arbeitsmarkt führen muß und einer echten höheren Grundsicherung (die mehr als das Existenzminimum abdeckt) für arbeitslose Inländer, also Menschen, die hier gearbeitet haben, die je nach Anzahl der sozialversichert gearbeiteten Jahre aufgestockt wird und Erspartes nicht anrechnet und bei der Rente mitzählt. So einfach geht das Grundgesetz und so einfach baut man Hass ab.

Aber es ist wohl politisch anders gewollt: Hartz4 stabilisiert die wachsende Ungerechtigkeit und die vorhandenen Machtverhältnisse, weil das Volk mehr kontrolliert wird als in der DDR und natürlich bei den Nazis.

Man vergaß wohl bewußt die, die diese Gesellschaft tragen oder vor der Arbeitslosigkeit getragen haben.

Stattdessen wird über die berichtet, die sich tragen lassen und es wird mit viel Geld alles getan, um ja keine Debatte über die zu führen, die dies alles tragen und ertragen.

Dabei müßten die, die hier gearbeitet haben, belohnt werden und nicht bestraft werden.

Insofern handelt es sich um bewußt „vergessene“ Fotografie, die nicht zeigt, was bei vielen Millionen von Staatsbürgern hier real an sozialer Armut durch materielle Armut vorherrscht.

Die in Deutschland aus sicheren EU-Ländern angekommenen Asylanten wurden und werden hier aber gerne fotografiert und exponiert ausgestellt, die vergessenen Inländer werden so gut wie nie fotografiert. Die betteln dafür u.a. in der Elberfelder City.

Und sie werden z.T. sogar beschimpft, wenn sie nun die wählen, die sie als Einzige ansprechen und ihnen Hoffnung geben.

Was für eine Zeit!

Nachtrag im März 2018: Es gibt nun eine Studie eines Vereins, der von Bertelsmann, der Deutschen Bank und anderen gefördert wird und auch von der Regierung. Darin werden deutsche und französische Haushalte durch Befragung „untersucht“. Es wird extra darauf hingewiesen, daß die Studie nur die Meinung des Autors wiedergibt. Und dennoch sei ein Zitat gestattet, das in der Zusammenfassung herausgestellt wird: „DAS FEHLENDE GELD IST MEIN HAUPTPROBLEM.“ Danach kommen Probleme der Infrastruktur. Aber lesen Sie selbst hier!

Projekt beendet oder warum es Sinn macht, etwas Neues anzufangen

Dieser Blog mit Namen Streetlens.de bzw. dokumentarfotografie.info ist wie Frontlens.de und Artlens.de ein Teil von Fotomonat.de.

Fotomonat ist als Projekt in der Deutschen Nationalbibliothek gespeichert, weil ich knapp zehn Jahre

  • die mediale
  • und universitäre
  • und reale Debatte und Umsetzung

des Themas Dokumentarfotografie

  • in neuen Medien
  • und in Fotobüchern
  • mit meinem Blick

aktuell bearbeitet habe und zugleich dies alles in die historischen Entwicklungen eingebettet habe, die ich wiederum oft erstmals aus dem englischen Sprachraum in die deutsche Welt holte.

Hinzu kamen daraus abgeleitet oder als Teil davon eigene Projekte als Historiker, Sozialwissenschaftler, Publizist und Fotograf.

Aber die digitale Welt ist anders.

Der ursprüngliche Sinn des Internets war u.a. die Verlinkung auf Texte an anderen Stellen, um gemeinsam Wissen zu erweitern. Und so habe ich viel verlinkt und merkte eines Tages, daß die Verlinkungen verschwunden sind. Daraufhin zitierte ich wesentlich mehr aus den verlinkten Texten, damit wenigstens etwas erhalten bleibt.

Das war gut so, weil meine Blogs hier insgesamt ein unerreichtes Wissen um die Dokumentarfotografie in deutscher Sprache in diesem zeitlichen und aktuellen Zusammenhang zeigen und ich glaube, es gibt so gut wie nichts Vergleichbares für diesen Rahmen.

Aber wie das so ist.

Immer mehr Verlinkungen verschwinden oder werden sogar umgelenkt auf kommerzielle andere Inhalte. Das geschieht dann wohl bewußt und ist link.

Das kann ich gar nicht nacharbeiten und würde auch die authentische Struktur meiner Artikel und der damaligen Wissensbasis zerstören. Es gibt ja kein neues und besseres Wissen zu vielen meiner Themen sondern nur neue Themen.

Daher halte ich es für sinnvoll, wenn ich diese Blogs in dieser Form beende und als Dokumentation von Themen und der Jahre von 2007 bis 2017 zum Thema Dokumentarfotografie nutze.

Denn es beginnt real und digital eine neue Zeit.

Die Geografie der Armut gibt es aktuell nur in Amerika

Während in Deutschland die unteren Schichten gerade aus der fotografischen medialen Öffentlichkeit verschwinden, tauchen sie in den USA zunehmend auf.

Offenbar hat der Sender MSNBC den Fotografen Matt Black unterstützt und so eine fotografische Landkarte der Armut in den USA erstellt.

Das Ganze ist als Webseite des Fotografen zu sehen und als Webseite mit Photos and Words, also Texten, bei msnbc.

Interessant ist dabei, daß die Instagram-Fotos des Fotografen offenbar nicht ausreichen für die Kombination aus Texten mit Fotos. Das spricht für Ansprüche über das digitale Quadrat hinaus.

Matt Black fing 2013 mit einem instagram-feed über seine Heimatregion an und reiste 2015 drei Monate zu den Regionen mit den meisten Armen (in Kooperation mit msnbc?).

Das führte zu einer Ausstellung und einigem mehr und erinnert an ein anderes Projekt.

Auf zeit.de ist nun auch eine Fotostrecke zu sehen.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken.

Es handelt sich um ein privatwirtschaftlich finanziertes Projekt.

Würde zeit.de dies auch zeigen, wenn es sich um Deutschland handeln würde? – Vielleicht!

Stellen Sie sich doch mal vor, wir würden in Deutschland nun eine Landkarte der Armut erstellen und Fotografen würden die Städte und Dörfer besuchen, die die höchste Armutsquote haben wie Remscheid, Wuppertal etc. und dann systematisch dies mit entsprechenden Fotos zeigen, ähnlich wie in den USA.

Können Sie sich vorstellen, dies würde hier dann auch noch in diesem Jahr gezeigt?

Da käme ja die Frage auf, wer ist schuld daran, weil es ja von der Politik gemacht wurde durch Gesetze für Armut und für Reiche.

Lassen Sie einfach mal ihre Gedanken kreisen …

Doch neben dieser politischen Frage möchte ich auch noch ein fotografisches Thema erörtern.

Die Geography of poverty ist komplett digital. Es gibt außer einer kleinen Broschüre zu einer Ausstellung nur digitale Fotos. Die Fotos, die auf instagram publiziert wurden, sind damit ja auch nicht mehr verkaufbar und die Fotos darüber hinaus haben wahrscheinlich den Einsatz des Fotografen bezahlt und die Wörter der schreibenden Journalistin.

Während man bei uns im Rahmen öffentlicher Förderung sogar gezwungen wird von digitalen Fotos Papierabzüge zu erstellen, weil die Gremien nicht bereit sind, die digitalen Fotos zu akzeptieren(!), werden woanders selbstverständlich rein digitale Projekte gefördert – aber offenbar privat finanziert.

Das aber nur am Rande.

Interessanter finde ich den Vergleich zwischen der Webseite des Fotografen und der Reportage auf msnbc. Da wirken die Fotos allein auf mich ziemlich verloren.

Ich finde man sieht hier sehr gut, wie wichtig Texte zu den Fotos sind, damit sie wirklich aussagekräftig werden. Denn die Fotos allein sagen wenig aus. Sie könnten fast überall und nirgends sein. Insofern ist der Text auch hier wesentlicher Bestandteil eines Fotos, das eine gute Aussage haben soll, wenn es um sozialokumentarische Fragen geht. Das bestätigt den Ansatz von Henri Cartier-Bresson für den die Textunterschriften seiner Fotos wesentlicher Bestandteil der Fotos an sich waren.

Hinzu kommt, dass die Fotos mit ihrer detailverschluckenden Schwarzeissanmutung eben nicht ermöglichen, Details zu entdecken, die Ort, Zeit und Umstände der Aufnahme deutlich machen.

In der Kombination der Fotos mit der multimedialen Aufbereitung durch gute Texte und eine interaktive Landkarte entsteht dann eine beeindruckend gute journalistische Dokumentation, die einem guten Buch gleichwertig ist aber eben digital-interaktiv. Das ist nicht besser sondern anders.

Abschließend fehlt hier noch eine soziale Einordnung. Alles dies war vor dem Wahlsieg von Donald Trump bekannt und ausgestellt und genau diese Menschen haben ihre Hoffnung auf Herrn Trump gesetzt. Darüber lohnt es sich auch einmal nachzudenken, denn die Dokumentation dieser Landkarte der Armut ist ja auch eine Dokumentation der vorherigen Politik