Engagement reicht nicht, Geld führt – das Sterben und Leben der fotografischen Medienlandschaft

Ursula Meissner Solingen Kunstmuseum

Letztes Jahr war es Imaging Resource, eine gute Fotowebseite. Sie erklärte ihre Aktivitäten einzustellen. Dann lasen wir vor kurzem, dass die Photobastei nicht weitermacht. Dabei hatte sie gerade noch eine Ausstellung mit Striking Moments, die wie so vieles so notwendig ist, wenn man noch an die Kraft der Aufklärung glaubt.

Jetzt ist auch Schluß bei PDN Photo District News.

Das sind nur die jüngsten Veränderungen, die Jahre vorher waren ebenfalls voll davon.

Die klassischen Orte verschwinden offline und online zusehends, wenn sie nicht eingebunden werden in öffentliche Gelder.

Das bekannteste Beispiel war Life – ein Magazin für Fotojournalismus. Es endete im Jahr 2000 und hatte die Welt durch das 20. Jahrhundert geführt. Heute ist damals kostenlos online.

Dieses Jahr können wir zusehen wie die alte Photokina in Würde gestorben ist und sich ein Nachfolger zu etablieren versucht.

Auch die Geo-Reisecommunity ist weg.

Heute sah ich, daß mein langjähriger Konditor aus dem Alleecenter in Remscheid raus ist.

Das ist Leben, das ist Veränderung.

Was bleibt?

Es bleiben die eher reichen privaten Stiftungen, die ihr eigenes Ding machen und dabei oft dann noch gefördert werden unter dem Stichwort Kulturförderung.

Es bleiben immer neue Menschen mit immer neuen Versuchen in immer neuen sozialen Umständen.

Leben bedeutet darüber zu sprechen und sich dann der Gegenwart zuzuwenden. Da finden sich dann die Löcher und es ist interessant wie schnell sie zu sind mit dem, was dann interessiert und Publikum findet.

„Von wegen „das Internet vergisst nicht“: Innerhalb von zwei Wochen sind gleich drei Plattformen ganz verschwunden oder teilweise gelöscht worden, die ganze Perioden der Netzgeschichte repräsentieren. Google+, das erfolglose soziale Netzwerk der US-Internetfirma Alphabet, wird am 2. April eingestellt. MySpace, das frühe soziale Netzwerk der Nullerjahre, musste am 18. März zugeben, dass man dort alle Fotos, Videos und Tondateien unwiederbringlich gelöscht hatte, die Nutzer zwischen 2003 und 2015 dort hochgeladen hatten. Um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen: allein 50 Millionen Songs sind dabei abhandengekommen, gepostet von den mehr als 14 Millionen Nutzern der Seite. Und auch die japanische Version von Geocities, einem Webhoster, über den Netznutzer sich seit 1994 eigene Homepages einrichten konnten, wurde Ende März eingestellt und alle seine Seiten endgültig gelöscht.“

Das schrieb Tilman Baumgärtel vor einem Jahr auf zeit.de

Hinzu kommt das Problem der toten Links über das ich auch schon berichtet habe.

Man muß einfach die Realität anerkennen und es zulassen, anders geht es sowieso nicht, weil man es nicht ändern kann.

Bezogen auf Dokumentarfotografie sieht es noch etwas anders aus. Diese ist oft mit hohem persönlichen Engagement verbunden, weil es um die sozialen Fragen hier und anderswo geht und soziale Realitäten und Probleme gezeigt werden sollen. Aus meiner Sicht ist es oft sehr undankbar und kraftzehrend. Allein das persönliche Engagement ist oft der Motor und der läuft nicht ewig. Das Schöne hat viel Publikum, das Unschöne und Verdrängte oft nicht. Und wenn man das Unschöne, Asoziale und Häßliche in schöne Fotos packt wird das dann auch noch kritisiert….

Ich konnte vor einiger Zeit eine Ausstellung über Krieg dem Kriege im Kunstmuseum Solingen fotografieren, weil ich die Veranstalter gut kannte. Diese rein ehrenamtliche und wunderbare Ausstellung war nur möglich im geschützten Rahmen dieses Museums und durch unbezahlten Einsatz aller Beteiligten. Wenn ich dies bis heute zeige, dann nur, weil ich ebenfalls draufzahle aber es für wichtig halte.

Ebenso wichtig war die Ausstellung von der damaligen Kriegsfotografin Ursula Meissner im Kunstmuseum Solingen. Auch dort durfte ich fotografieren und dies alles bis heute zeigen und online im Gedächtnis halten.

Aber dann war Schluß. Selbst unbezahlt und auf eigene Kosten wurde es mir bei anderen Museum und Kunsthallen verboten. Eifersüchtig wurde darüber gewacht, daß nur der Aussteller selbst Fotos davon online publizieren darf und dies auch nur im Rahmen der Ausstellung selbst. Das führt natürlich dazu, daß manches für alle, die nicht genau zu dieser Zeit an diesem Ort waren, für immer verschwunden ist und schon gar nicht online sichtbar und zeigbar. Da fühlen sich einige im Kunstbetrieb sehr wohl mit ihrem Monopol.

So verschwindet publizistisches Engagement und Medienfreiheit(?) an vielen Stellen doppelt und man muß mit erhöhter Frustrationstoleranz dies akzeptieren. Es bleiben dann nur noch Worte wie hier, die auf diesen Missstand aus meiner Sicht hinweisen.

Mediale Freiheit sieht aus meiner Sicht anders aus.

So ist die Wirklichkeit und die Dokumentarfotografie muß auch dies abbilden und wenn nichts zu sehen ist, dann muß man das Nichts dokumentieren oder das nicht dokumentieren?

Das ist hier die Frage.

Das ist dann Alles.

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